Skip to main content

Full text of "Ludwig Darmstaedters Handbuch zur geschichte der naturwissenschaften und der technik. In chronologischer darstellung"

See other formats


Google 


This  is  a  digital  copy  of  a  book  that  was  prcscrvod  for  gcncrations  on  library  shclvcs  bcforc  it  was  carcfully  scannod  by  Google  as  pari  of  a  projcct 

to  make  the  world's  books  discoverablc  online. 

It  has  survived  long  enough  for  the  Copyright  to  expire  and  the  book  to  enter  the  public  domain.  A  public  domain  book  is  one  that  was  never  subject 

to  Copyright  or  whose  legal  Copyright  term  has  expired.  Whether  a  book  is  in  the  public  domain  may  vary  country  to  country.  Public  domain  books 

are  our  gateways  to  the  past,  representing  a  wealth  of  history,  cultuie  and  knowledge  that's  often  difficult  to  discover. 

Marks,  notations  and  other  maiginalia  present  in  the  original  volume  will  appear  in  this  flle  -  a  reminder  of  this  book's  long  journcy  from  the 

publisher  to  a  library  and  finally  to  you. 

Usage  guidelines 

Google  is  proud  to  partner  with  libraries  to  digitize  public  domain  materials  and  make  them  widely  accessible.  Public  domain  books  belong  to  the 
public  and  we  are  merely  their  custodians.  Nevertheless,  this  work  is  expensive,  so  in  order  to  keep  providing  this  resource,  we  have  taken  Steps  to 
prcvcnt  abuse  by  commcrcial  parties,  including  placing  technical  restrictions  on  automatcd  qucrying. 
We  also  ask  that  you: 

+  Make  non-commercial  use  ofthefiles  We  designed  Google  Book  Search  for  use  by  individuals,  and  we  request  that  you  use  these  files  for 
personal,  non-commercial  purposes. 

+  Refrain  from  automated  querying  Do  not  send  aulomated  queries  of  any  sort  to  Google's  System:  If  you  are  conducting  research  on  machinc 
translation,  optical  character  recognition  or  other  areas  where  access  to  a  laige  amount  of  text  is  helpful,  please  contact  us.  We  encouragc  the 
use  of  public  domain  materials  for  these  purposes  and  may  be  able  to  help. 

+  Maintain  attributionTht  GoogX'S  "watermark" you  see  on  each  flle  is essential  for  informingpcoplcabout  this  projcct  andhclping  them  lind 
additional  materials  through  Google  Book  Search.  Please  do  not  remove  it. 

+  Keep  it  legal  Whatever  your  use,  remember  that  you  are  lesponsible  for  ensuring  that  what  you  are  doing  is  legal.  Do  not  assume  that  just 
because  we  believe  a  book  is  in  the  public  domain  for  users  in  the  United  States,  that  the  work  is  also  in  the  public  domain  for  users  in  other 
countries.  Whether  a  book  is  still  in  Copyright  varies  from  country  to  country,  and  we  can'l  offer  guidance  on  whether  any  speciflc  use  of 
any  speciflc  book  is  allowed.  Please  do  not  assume  that  a  book's  appearance  in  Google  Book  Search  mcans  it  can  bc  used  in  any  manner 
anywhere  in  the  world.  Copyright  infringement  liabili^  can  be  quite  severe. 

Äbout  Google  Book  Search 

Google's  mission  is  to  organizc  the  world's  Information  and  to  make  it  univcrsally  accessible  and  uscful.   Google  Book  Search  hclps  rcadcrs 
discover  the  world's  books  while  hclping  authors  and  publishers  reach  new  audiences.  You  can  search  through  the  füll  icxi  of  ihis  book  on  the  web 

at|http  :  //books  .  google  .  com/| 


Google 


IJber  dieses  Buch 

Dies  ist  ein  digitales  Exemplar  eines  Buches,  das  seit  Generationen  in  den  Realen  der  Bibliotheken  aufbewahrt  wurde,  bevor  es  von  Google  im 
Rahmen  eines  Projekts,  mit  dem  die  Bücher  dieser  Welt  online  verfugbar  gemacht  werden  sollen,  sorgfältig  gescannt  wurde. 
Das  Buch  hat  das  Urheberrecht  überdauert  und  kann  nun  öffentlich  zugänglich  gemacht  werden.  Ein  öffentlich  zugängliches  Buch  ist  ein  Buch, 
das  niemals  Urheberrechten  unterlag  oder  bei  dem  die  Schutzfrist  des  Urheberrechts  abgelaufen  ist.  Ob  ein  Buch  öffentlich  zugänglich  ist,  kann 
von  Land  zu  Land  unterschiedlich  sein.  Öffentlich  zugängliche  Bücher  sind  unser  Tor  zur  Vergangenheit  und  stellen  ein  geschichtliches,  kulturelles 
und  wissenschaftliches  Vermögen  dar,  das  häufig  nur  schwierig  zu  entdecken  ist. 

Gebrauchsspuren,  Anmerkungen  und  andere  Randbemerkungen,  die  im  Originalband  enthalten  sind,  finden  sich  auch  in  dieser  Datei  -  eine  Erin- 
nerung an  die  lange  Reise,  die  das  Buch  vom  Verleger  zu  einer  Bibliothek  und  weiter  zu  Ihnen  hinter  sich  gebracht  hat. 

Nu  tzungsrichtlinien 

Google  ist  stolz,  mit  Bibliotheken  in  partnerschaftlicher  Zusammenarbeit  öffentlich  zugängliches  Material  zu  digitalisieren  und  einer  breiten  Masse 
zugänglich  zu  machen.     Öffentlich  zugängliche  Bücher  gehören  der  Öffentlichkeit,  und  wir  sind  nur  ihre  Hüter.     Nie htsdesto trotz  ist  diese 
Arbeit  kostspielig.  Um  diese  Ressource  weiterhin  zur  Verfügung  stellen  zu  können,  haben  wir  Schritte  unternommen,  um  den  Missbrauch  durch 
kommerzielle  Parteien  zu  veihindem.  Dazu  gehören  technische  Einschränkungen  für  automatisierte  Abfragen. 
Wir  bitten  Sie  um  Einhaltung  folgender  Richtlinien: 

+  Nutzung  der  Dateien  zu  nichtkommerziellen  Zwecken  Wir  haben  Google  Buchsuche  für  Endanwender  konzipiert  und  möchten,  dass  Sie  diese 
Dateien  nur  für  persönliche,  nichtkommerzielle  Zwecke  verwenden. 

+  Keine  automatisierten  Abfragen  Senden  Sie  keine  automatisierten  Abfragen  irgendwelcher  Art  an  das  Google-System.  Wenn  Sie  Recherchen 
über  maschinelle  Übersetzung,  optische  Zeichenerkennung  oder  andere  Bereiche  durchführen,  in  denen  der  Zugang  zu  Text  in  großen  Mengen 
nützlich  ist,  wenden  Sie  sich  bitte  an  uns.  Wir  fördern  die  Nutzung  des  öffentlich  zugänglichen  Materials  für  diese  Zwecke  und  können  Ihnen 
unter  Umständen  helfen. 

+  Beibehaltung  von  Google-MarkenelementenDas  "Wasserzeichen"  von  Google,  das  Sie  in  jeder  Datei  finden,  ist  wichtig  zur  Information  über 
dieses  Projekt  und  hilft  den  Anwendern  weiteres  Material  über  Google  Buchsuche  zu  finden.  Bitte  entfernen  Sie  das  Wasserzeichen  nicht. 

+  Bewegen  Sie  sich  innerhalb  der  Legalität  Unabhängig  von  Ihrem  Verwendungszweck  müssen  Sie  sich  Ihrer  Verantwortung  bewusst  sein, 
sicherzustellen,  dass  Ihre  Nutzung  legal  ist.  Gehen  Sie  nicht  davon  aus,  dass  ein  Buch,  das  nach  unserem  Dafürhalten  für  Nutzer  in  den  USA 
öffentlich  zugänglich  ist,  auch  fiir  Nutzer  in  anderen  Ländern  öffentlich  zugänglich  ist.  Ob  ein  Buch  noch  dem  Urheberrecht  unterliegt,  ist 
von  Land  zu  Land  verschieden.  Wir  können  keine  Beratung  leisten,  ob  eine  bestimmte  Nutzung  eines  bestimmten  Buches  gesetzlich  zulässig 
ist.  Gehen  Sie  nicht  davon  aus,  dass  das  Erscheinen  eines  Buchs  in  Google  Buchsuche  bedeutet,  dass  es  in  jeder  Form  und  überall  auf  der 
Welt  verwendet  werden  kann.  Eine  Urheberrechtsverletzung  kann  schwerwiegende  Folgen  haben. 

Über  Google  Buchsuche 

Das  Ziel  von  Google  besteht  darin,  die  weltweiten  Informationen  zu  organisieren  und  allgemein  nutzbar  und  zugänglich  zu  machen.  Google 
Buchsuche  hilft  Lesern  dabei,  die  Bücher  dieser  Welt  zu  entdecken,  und  unterstützt  Autoren  und  Verleger  dabei,  neue  Zielgruppcn  zu  erreichen. 
Den  gesamten  Buchtext  können  Sie  im  Internet  unter|http:  //books  .  google  .corül  durchsuchen. 


Ludwig  Danii»taeilterR 

Handbuch  zur  Geschichte 

der  Naturwissenschaften 

und  der  Technik. 


Ludwig  Darmstaedters 

Handbuch  zur  Geschichte 

der  Naturwissenschaften 
und  der  Technik. 


In  chronologischer  Darstellung. 

Zweite,  nmgearbeitete  und  yermelirte  Auflage. 

Unter  Mitwirkung  von 

Professor  Dr.  R.  da  Bois-Reymond  und  Oberst  z.  D.  C.  Schaefer 

herausgegeben  von 

Professor  Dr.  L.  Darmstaedter. 


Berlin. 

Verlag  von  Julius  Springer. 

1908. 


Alle  Rechte,  insbesondere  das  der  Übersetzung 
in  fremde  Sprachen,  vorbehalten. 


Friedrich  Althoff 


dem  unermüdlichen  Förderer  der  Wissenschaft 


in  Verehrung  zugeeignet. 


Wer  nicht  von  dreitausend  Jahren 
Sich  weiß  Rechenschaft  zu  geben. 
Bleib  im  Dunklen,  unerfahren, 
Mag  von  Tag  zu  Tage  leben. 

West-östlicher  Di  van. 


Vorwort. 


In  einem  im  Jahre  1904  unter  dem  Titel  „4000  Jahre  Pionier-Arbeit 
in  den  exakten  Wissenschaften"  erschienenen  Werke  haben  wir  den  Ver- 
such gemacht,  einen  Abriß  der  Geschichte  der  l^aturwissenschaften  und 
der  Technik  in  Form  einer  chronologischen  Übersicht  zu  geben. 

Das  vorliegende  Buch,  für  dessen  Bearbeitung  noch  ein  dritter 
Mitarbeiter  gewonnen  worden  ist,  verfolgt  den  gleichen  Zweck,  jedoch 
in  ausführlicherer  und  umfassenderer  Weise. 

Die  Zahl  der  Artikel  ist  von  3600  auf  nahezu  13000  gestiegen.  Es 
sind  jetzt  nicht  nur  die  bahnbrechenden  Taten  und  grundlegenden  Er- 
eignisse, sondern  auch  die  einzelnen  Stufen  der  Entwicklung  zur  Dar- 
stellung gelangt,  und  es  Ist  dadurch  der  Werdegang  einer  jeden  Schöpfung 
veranschaulicht  worden. 

Die  einzelnen  Artikel  sind  wesentlich  ausgeführt  worden,  so  daß 
sie  einander  zu  einer  auch  für  den  Nichtfachmann  verständlichen  zu- 
sammenhängenden Geschichtsdarstellung  ergänzen. 

Sämtliche  Angaben  sind  auf  Grund  zuverlässigster  Quellen  geprüft, 
und  dazu  nicht  nur  alle  in  Betracht  kommenden  Fachwerke,  sondern 
auch  die  einschlägigen  Zeitschriften  und  wissenschaftlichen  Abhand- 
lungen der  in-  und  ausländischen  Literatur  benutzt  worden. 

Angesichts  dieser  Ausgestaltung  des  Buches  dürfen  wir  hoffen,  daß 
sich  dasselbe  in  immer  weiteren  Kreisen  als  ein  selten  versagendes  Nach- 
schlagewerk für  alle  Tatsachen  der  Naturwissenschaften  und  der  Technik 
bewähren,  und  daß  es  auch  für  den  Forscher  —  neben  seiner  Fachlite- 
ratur —  von  Wert  und  Interesse  sein  wird. 

—     VII    — 


Wie  bereits  im  Vorwort  zur  ersten  Auflage  erwähnt  worden  ist, 
bildete  die  umfangreiche  Autographensammlung  des  Herausgebers  den 
Grundstock  des  Werkes. 

Diese  Entstehung  brachte  es  mit  sich,  daß  nur  solche  Entdeckungen 
und  Erfindungen  Aufnahme  fanden,  für  die  ein  bestimmter  Name  nach- 
weisbar war. 

Dieser  Grundsatz  ist  auch  jetzt  beibehalten  und  nur  in  den  wenigen 
Fällen  davon  abgewichen  worden,  wo  es  nicht  möglich  war,  den  wahren 
Urheber  einer  Schöpfung  festzustellen,  aber  unerläßlich  schien,  die  Tat- 
sache selbst  zu  berücksichtigen. 

JS'och  sei  darauf  hingewiesen,  daß  am  Schlüsse  ein  Personen-  und  ein 
Sachverzeichnis  beigefügt  sind,  und  daß  es  sich  empfiehlt,  beim  Nach- 
schlagen von  Artikeln  diese  Verzeichnisse  grundsätzlich  zu  Eate  zu 
ziehen.  Im  besonderen  wird  aus  dem  Sachverzeichnisse  der  gesamt« 
Plan  und  die  innere  Gliederung  eines  jeden  zur  Darstellung  gelangten 
Gebietes  erhellen  und  so  rasch  erkannt  werden,  was  das  Buch  in  jeder 
einzelnen  Frage  zu  bieten  vermag,  während  ohne  Benutzung  des  Ver- 
zeichnisses manche  Angabe  des  Buches  möglicherweise  unaufgefunden 
bleiben  würde. 

Außer  den  in  der  ersten  Auflage  genannten  Herren  haben  uns  auch 
diesmal  zahlreiche  Forscher  durch  Beiträge  und  durch  Bearbeitung 
ganzer  Gebiete  gefördert.     Es  sind  dies  die  Herren: 

Dr.  Otto  Antrick,  Berlin. 

Sanitätsrat  Dr.  Berthold,  Eonsdorf. 

Professor  Dr.  F.  Blumenthal,  Berlin. 

Privatdozent  Dr.  J.  von  Braun,  Göttingen. 

Professor  Dr.  Ed.  Bu ebner,  Berlin. 

Geheimer  Eegierungsrat  Professor  Dr.  Di  eis,  Berlin. 

Professor  Dr.  Dziobek,  Charlottenburg. 

Geheimer  Eegierungsrat  Professor  Dr.  Emil  Fischer,  Berlin. 

Dr.  Max  Ikl^,  Berlin. 

Eisenbahn -Oberingenieur  Ludwig  Kohlfürst,  Kaplitz  i.  B. 

Professor  Dr.  Lehmann-Haupt,  Berlin. 

Dr.  K.  Löwenfeld,  Charlottenburg. 

Professor  Dr.  W.  Marckwald,  Berlin. 

Professor  Dr.  Möller,  Carlshorst. 

Dr.  Albert  Oliven,  Berlin. 

Dr.  Aug.  Pfaff,  Berlin. 

Hüttenmeister  Dr.  J.  Savelsberg,  Papenburg. 

—    VIII     — 


Kommerzienrat  Schleifer,  Berlin. 
Dr.  H.  E.  Schmidt,  Berlin. 
Wilh.  Schmidt,  Helmstedt. 
Oberingenienr  Schnaubert,  Berlin. 
Professor  Dr.  Semmler,  Berlin. 
Dr.  Max  Senator,  Berlin. 
Dr.  Bobert  Stelzner,  Berlin. 
Dr.  P.  Wich  mann,  Hamburg. 
Dr.  Wohlwill,  Hamburg. 

Wir  verfehlen  nicht,  ihnen  sowie  den  in  der  ersten  Auflage  ge- 
nannten Herren  unseren  verbindlichsten  Dank  auszusprechen. 

Für  Ergänzungen,  Berichtigungen  und  anderweite  Eatschläge  sind 
wir  nach  wie  vor  dankbar  und  bitten,  gütige  Zuschriften  an  Professor 
Dr.  L.  Darmstaedter,  Berlin  W.  62,  Landgrafenstraße  18a  richten 
zu  wollen. 

Berlin,  im  Oktober  1908. 


Professor  Dr.  Ludwig  Darmstaedter. 
Professor  Dr.  Reii6  du  Bois-Reymond. 
Oberst  z.  D.  Carl  Schaefer. 


—    IX    — 


Inb  alts  Yerzeichnis. 


Seite 

A.  Ohrwiolocltdie  DarsMIuaf 

VorchriBtliohe  Zeit     1 —  28 

Christliche  Zeit 

Erstes  bis  zehntes  Jahrhundert 20 —  47 

Elftes  bis  fünfzehntes  Jahrhundert     48 —  71 

Sechzehntes  Jahrhundert 72—104 

Siebzehntes  Jahrhundert     106 — 159 

Achtzehntes  Jahrhundert 160 — 276 

Neunzehntes  Jahrhundert •  .   .   .   .  277—993 

Zwanzigstes  Jahrhundert 994—1070 

B.  Partontnvirzalcliiib 1071—1138    % 

C.  SaehverMichnIs 1139—1262 


—     X     — 


Chronologische  Darstellung, 


1. 


*    • 
1.- 


T  v 


.■V 


I 

.»■»■. 


r-'-l% 


..f' 


•^  j 


¥ 


/ 


Yorchristliche  Zeit. 


35^)0  Der  Hindugelehrte  PannlncrlilMt  zu.  Arittuwaxum  am  Ganges  soll  zuerst 
Palmenpapier  zum  Schreiben  benutzt  haben,  in  welches  die  Buchstaben 
•  mittels  eines  Griffels  eingedrückt,  und  alsdann  durch  Abreiben  mit  öl  und 
Ruß  lesbarer  gemacht  wurden.    („Palmyrabücher".) 

9000  £in  in  Telloh  gefundenes  Basrelief  aus  Kalkstein,  das  unter  anderem  einen 
Harfenspieler  darstellt,  und  eine  in  Bismya  aufgefundene  Vase  aus  blauem 
Seife nstein  zeigen,  daß  den  Babylonltrn  zu  jener  Zeit  sowohl  die  elf-,  wie 
die  sieben-  und  fünfsaitige  Harfe  bekannt  waren. 

2700  Der  chinesische  Kaiser  Shen-nmif,  ,,der  Vater  der  Landwirtschaft,  der 
Arznei-  und  Heilkunst",  gibt,  wie  chinesische  Quellen  anführen,  das  „Pen- 
king",  eine  165  Heilmittel  enthaltende  Arzneimittelsammlung  heraus  und 
erprobt  den  Geschmack  der  Kräuter  und  ihre  Wirkung  auf  den  mensch- 
lichen Organismus.  Er  schreibt  auch  ein  Buch  über  Pflanzenkunde 
(Hon-zo). 

—  Der  chinesiBche  Kaiser  Shtn-nung  wird  als  Erfinder  des  Pfluges  genannt. 
2668    Der  chinesiBche  Kaiser  Hwang-tl   imd  sein  Arzt  U-pt  stellen   die  ersten 

Grundgesetze  der  Heilkunde  auf. 

2650  Dungi  l.,  König  von  Ur,  südbabylonischer  Beherrscher  des  Zweistromlandes, 
wird  von  Nebukadnezar  II.  (s.  570  v.  Chr.)  als  Urheber  einer  Gewichts- 
norm, der  schweren  babylonischen  Mine  zu  982,4  g  genannt.  Aus  2  Sta- 
tuen, die  völlig  übereinstimmende  Maßstäbe  tragen,  ergibt  sich  die  baby- 
lonische Doppelelle  zu  990 — 996  mm,  fast  genau  gleich  dem  Sekundenpendel 
für  den  30.  Breitengrad.  Da  das  Wassergewicht  des  Kubus  vom  Zehntel 
der  Doppelelle  fast  genau  dem  Gewicht  der  Mine  entspricht,  liegt  hier 
anscheinend  ein  geschlossenes  Maß-  und  Gewichtssystem  vor,  dessen  Ein- 
heiten die  Grundlage  für  die  gesamte  metrologische  Entwicklung  des  Alter- 
tums gebildet  haben.  Dieses  Maß-  und  Gewichtssystem  beruht  auf  dem 
Prinzip  der  Sezagesimalteilung  von  Zeit  und  Kaum. 

2630  Nachdem,  die  Seide  zuerst  xmter  dem  chinesischen  Kaiser  Fu-hi,  dessen 
Regierungszeit  unbekannt  ist,  in  Gebrauch  gekommen  war,  nehmen  der 
Kaiser  Hwanf-tl  und  de^en  Gemahlin  Hti-linf-thl  die  Zucht  der  Seiden- 
raupe  auf  xmd  fördern  durch  die  Begründung  der  Weberei  und  Stickerei 
die  chinesische  Industrie. 

—  Unter  der  Regierung  des  chinesischen  Kaisers  Hwanf-tl  soll  da^  Rechen- 
brett, Swän-pän,  erfunden  und  das  erste  arithmetische  Werk,  Kieou- 
tschang,  verfaßt  worden  sein.  Der  angebliche  Erfinder  des  Swän-pän  ist 
der  Minister  Cbeöu-ly. 

Darmitaedter.  1 

—   1   — 


2680  V.  Chr. 

2630 'Tien-tschen  erfindet  nach  Angabe  chinesischer  Geschichtsschreiber  die 
Tusche,  die  in  Stangen  jedoch  erst  im  3.  Jahrhundert  v.  Chr.  in  den 
Handel  kommt. 

2600  Von  Chtopt,  ägyptischem  König  der  vierten  Dynastie,  n'ihrt  die  größte 
der  Pyramiden  her,  die  sich  südwestlich  von  Kairo  bei  dem  Dorfe  Gizeh 
auf  dem  linken  Nilufer  erheben.  Sie  war  ursprünglich  147  m  hoch  und 
an  jeder  Seite  der  quadratischen  Grundfläche  233  m  lang.  An  ihr  sollen 
nach  Herodot  100000  Menschen  20  Jahre  lang  gearbeitet  haben.  Die 
Masse  des  Mauerwerks  betrug  ursprünglich  2521000  cbm.  Die  zweit- 
größte Pyramide  ist  die  des  Königs  Chephren,  und  es  sind  von  Kairo  bis' 
zum  Fayüm  noch  die  Spuren  von  67  Pyramiden  nachweisbar.  Alle  diese 
Bauwerke  sind  so  scharf  orientiert,  daß  anzunehmen  ist,  daß  an  ihre  Er- 
bauung unter  anderem  auch  die  Absicht  geknüpft  war,  mittels  ihrer  Grund- 
linien die  Himmelsrichtungen  festzulegen. 

—  Der  Chinese  Ral-ko  fixiert  die  von  Hwang-ti  und  Li-pe  (s.  2668  v.  Chr.)  auf- 
gestellten Prinzipien  der  Heilkunde  in  seinem  Werke  „Nai-kiyo'%  (das 
innere  System),  in  welchem  sich  unter  anderem  die  erste,  sehr  kompli- 
zierte Theorie  des  Pulses  befindet. 

2500  In  der  von  den  Amerikanern  ausgegrabenen  altbabylonischen  Ttmptl- 
MMIothtk  zu  NIppur  finden  sich  Multipläationstabellen  zum  Ablesen  größerer 
Multiplikationen  und  astronomische  Berechnungen  über  die  Sternbilder 
Skorpion  und  Jungfrau. 

2356  Der  Keisbau  ist  in  China  schon  im  3.  Jahrtausend  v.  Chr.  bekannt.  Im 
Jahre  2356  v.  Chr.  läßt  der  chinesische  Kaiser  Jao  am  Jantsekiang  Be- 
wässerungswerke anlegen  und  regelt  die  Verteilung  der  Einkünfte  der 
Keisfelder. 

2250  Im  3.  Jahrtausend  v.  Chr.  ist  Babylonien  bereits  mit  einem  weitver- 
zweigten und  kunstvoll  gegliederten  Systeme  von  Kanälen  durchzogen,  die 
zum  Teil  der  Entwässerung,  zum  Teil  der  Bewässerung  dienen  und  Von 
dem  hohen  Stande  der  damaligen  Wasserbaukunst  Zeugnis  ablegen.  So 
rühmt  sich  namentlich  der  babylonische  Herrscher  HammuraM,  den  Län- 
dern Sumer  und  Akkad  Wasser  durch  Kanäle  zugeführt  zu  haben. 

2220  Der  chinesische  Kaiser  Yfl  fördert  die  Verbreitung  der  Seidenzucht,  indem 
er  weite  Landstrecken  entwässert,  dieselben  mit  Maulbeerbäumen  bepflänzt- 
und  Seidenraupen  unter  die  Bevölkerung  verteilt.  Zu  seiner  Zeit  beherr- 
schen die  Chinesen  die  Technik  der  Weinbereitung  in  vollem  Umfange. 
Doch  scheint  der  Wein  damals  nur  religiösen  Opferzwecken  gedient  zu  haben. 

—  Zur  Zeit  des  chinesischen  Kaisers  YQ  ist  den  Chinesen  der  Stahl  (Lo-we) 
bekannt. 

2206  Der  Sohn  des  chinesischen  Herrschers  Yü  begründet  die  erate  erbliche 
Dynastie  HIa  in  China.  Um  diese  Zeit  wird  die  chinesische  Zeitrechnung 
derart  geregelt,  daß  sie  nunmehr  60  jährige  Zyklen  umfaßt.  Als  Anfang 
der  chinesischen  Aera  wird  das  Jahr  2637  v.  Chr.  festgesetzt. 

2137  Die  Chinesen  kennen  im  3.  Jahrtausend  v.  Chr.  die  Vorausberechnung  der 
Sonnenfinsternisse.  Denn  wie  in  dem  von  Confucius  verfaßten  Sdio-klilf 
(Buch  der  Annalen)  berichtet  wird,  werden  die  chinesischen  Hofastronomen 
Hi  und  Ho  mit  dem  Tode  bestraft,  weil  sie  die  Sonnenfinsternis  vom 
Jahre  2137  v.  Chr.  (nach  Oppolzer's  Berechnung  vom  22.  Oktober  2137) 
nicht  vorausgesagt  haben. 

2000  Der  König  MtntuMtep  erbohrt  einen  Brunnen  und  sein  Offizier  Se*anch 
„macht  die  Täler  Hammamäts  zu  Krautgärten  und  seine  Höhen  zu  Wasser- 
teichen**. 

1880  Zur  Zeit  des  Königs  StnwoMTft  III.  (Sesostris)  gibt  es  in  Ägypten  Bierbraue- 
reien und  Gerbereien. 

o     


1250  Y.  Chr. 

1830  AmMMOlliit  III.,  ägyptischer  König  der  12.  Dynastie,  erbaut  der  Über- 
lieferung nach  den  großartigen  Tempelpalast  unweit  vom  Mörissee  in  der 
Landschaft  Fayüm,  aus  dessen  Namen  Lope-ro-hunt  das  Wort  „Labyrinth" 
entstanden  ist.  Die  Bauart  dieses,  nach  den  Untersuchungen  von  Flinders 
Petrie  305  m  langen  und  278  m  breiten  Tempelkolosses  setzt,  wie  die  der 
Pyramiden,  (s.  2600  v.  Chr.  Cheops)  nicht  xmbedeutende  mathematisch - 
technische  Kenntnisse  voraus. 

1750  Der  Ägypter  AahmtM  (MiiiiMt)  lehrt  im  „Papyrus  Hhind",  dem  ältesten 
ägyptischen  mathematischen  Handbuche,  die  Berechnung  des  Flächeninhalts 
von  Feldstücken,  deren  einschließende  Seiten  gegeben  sind.  Er  rechnet  mit 
ganzen  Zahlen  und  Stammbrüchen  und  benutzt  eingekleidete  Gleichungen 
ersten  Grades  mit  einer  Unbekannten. 

1700  Das  älteste  bekannte  Stück  von  wirklichem  Email,  d.  i.  Glas,  welches  auf 
Metall  aufgeschmolzen  und  innig  mit  demselben  verbunden  ist,  ist  das 
Armband  der)  ägyptischen  Königin  Aahotep,  welches  sich  im  Museum  zu 
Bulak  befindet. 

1600  In  das  Jahr  1600  v.  Chr.  mindestens  ist  die  Ausbildung  des  Zodiakus 
(Tierkreises)  durch  die  Babylonlar  zu  setzen;  wahrscheinlich  reicht  sie  aber 
weiter  zurück,  vermutlich  in  ihren  Anfängen  bis  über  3000  v.  Chr. 

1475  Zur  Zeit  des  Königs  Thirtmotlt  III.  kennt  man  in  Ägypten  die  Blasebälge. 
Es  geht  dies  aus  einer  in  Theben  aufgefundenen  Abbildung  hervor,  wo 
bei  einem  Metallschmelzprozesse  ein  Ledersack  von  zwei  Männern  ab- 
wechselnd niedergetreten  (entleert)  und  an  Stricken  wieder  hochgezogen 
(mit  Luft  gefüllt)  wird. 

—  In  Ägypten  ist  zur  Zeit  des  Königs  Thutniaili  III.  die  Herstellung  der  Glas- 
perlen bekannt.  Eine  2  cm  dicke  Glasperle,  welche  dem  Glasschmucke 
der  Königin  Hatasu,  der  Gemahlin  Thutmosis',  angehört  hatte,  ist  von 
Captain  Honey  in  Theben  aufgefunden  worden. 

—  Von  der  im  Altertum  weit  zurückreichenden  Kenntnis  des  Eisens  (vgl. 
auch  2220  v.  Chr.)  zeugt  ein  in  der  großen  Cheopspyramide  gefundenes 
Stück  Schmiedeeisen  und  ein  unter  einer  Sphinx  in  Kamak  gefundener 
Teil  einer  Sichel.  Urkundlich  zuerst  bestätigt  wird  der  allgemeine  Ge- 
brauch des  Eisens  in  Ägypten  durch  eine  Inschrift  aus  der  Zeit  des  Ägypter- 
königs ThutiiMtls  III. 

—  In  den  Tributlisten  und  Beuteverzeichnissen  des  ägyptischen  Königs  That- 
HMtli  III.,  welche  sich  auf  seine  in  Asien  geführten  Kriege  beziehen,  wird 
von  erbeutetem  Blei  berichtet,  —  die  erste  geschichtlich  beglaubigte  Er- 
wähnung dieses  Metalls. 

1425  In  dem  Grabe  des  Königs  Thiitinotls  IV.  von  Ägypten  sind  eine  Anzahl 
Gewebefragmente  gefunden  worden,  die  wohl  die  ältesten  bekannten 
Webereien  darstellen  und  die  keinen  Zweifel  übrig  lassen,  daß  damals 
schon  aufrechtstehende  Webstühle  benutzt  worden  sind.  Überraschend 
ist  die  Tatsache,  daß  ein  Teil  der  Farben  (Rot  und  Blau)  noch  in  vollem 
Glänze  leuchten,  während  andere  (Braun  und  Schwarz)  abgeblaßt  sind. 

1400  Zur  Zeit  des  ägyptischen  Königs  AmMophli  IV.  ist  die  Schnellwage  mit 
Laufgewicht  in  Ägypten  in  (]rebrauch. 

1250  Zur  Zeit  des  ägyptischen  Königs  Ramm  II.  führen  die  Ägypter  im  Kriege 
zweirädrige  Streitwagen  mit  sechsspeichigen  Rädern  und  unmittelbar  auf 
der  Achse  stehendem  Wagenkasten,  an  welchem  die  Deichsel  unbeweglich 
befestigt  ist.  Dieselbe  trägt  vom  ein  gepolstertes  Joch,  das  mit  Riemen 
um  Brust  und  Bauch  des  Pferdes  geschnallt  wird. 
—  Der  ägyptische  König  Ranntt  II.  vollendet  den  bereits  von  seinem  Vater 
Sethoft  I.  begonnenen   Bau   eines  Schiffahrtskanals  vom  Nil  zum  Timsah- 

—     3     — 


1170  T.  Chr, 

San  und  von  da  zum  Koten  Meere.    Der  Kanal  verfällt  später.  (Vgl.  610 
V.  Chr.  Necho.) 

1170  Zur  Zeit  des  Königs  RamtM  III.  kennt  man  in  Ägypten  die  Töpferscheibe 

und  den  Sonnenschirm. 
—  In  Medinet- Abu  sind  die  Spitzen  der  von  RamsM  III.  errichteten  Masten 
vergoldet.  Vermutlich  haben  diese  Masten  als  Blitzableiter  dienen  sollen. 
Jedenfalls  sind  die  Gesetze  der  Blitzleitung  den  alten  Kulturvölkern 
keineswegs  unbekannt  gewesen,  wie  dies  unter  anderem  die  Inschriften 
des  Tempels  von  Edfu  beweisen.  Auch  eine  Inschrift  am  Tempel  von 
Dendera  muß  dahin  gedeutet  werden,  daß  die  neben  demselben  auf- 
gerichteten kupferbeschlagenen  Holzstangen  zum  Schutz  gegen  den  Blitz- 
schlag bestimmt  seien. 

1160  Unter  der  Dynastie  der  Tscheu  werden  magnetische  Wagen  gebaut,  in 
deren  Vorderteil  eine  frei  schwimmende  Magnetnadel  Arme  und  Hände 
einer  kleinen  Figur,  die  nach  Süden  weist,  bewegt.  Solche  Apparate, 
„Fse-nan**  (Andeuter  des  Südens)  genannt,  werden  den  Gesandten  von 
Tonkin  und  Tonkinchina  vom  Kaiser  TMhlnf-waiif  geschenkt,  um  ihre 
Rückkehr  durch  die  großen  Ebenen  zu  sichern.  Das  Volk,  von  welchem 
die  Gesandten  kamen,  wird  nach  Richthofens  „China"  als  „Yue-shang- 
shi"  bezeichnet. 

1150  Wie  das  „Heilige  Buch  der  Lieder'*  erwähnt,  läßt  der  chinesische  Herrscher 
Wu-wang  einen  zoologischen  Garten  (Park  der  Intelligenz)  anlogen,  der 
800  Jahre  lang  bestanden  hat,  und  Säugetiere,  Vögel,  Schildkröten  imd  Fische 
enthielt.  Es  ist  dies  die  erste  geschichtliche  Erwähnung  eines  zoologischen 
Gartens. 

1100  Der  zu  Loy-ang  residierende  chinesische^K aiser  Tschu-kong  findet  für  die 
Schiefe  der  Ekliptik  den  für  jene  Zeit  auffallend  richtigen  Wert  von 
23«  52'. 
800  Homar  kennt  Goldschmiede  und  Bronzeschmiede  und  erwähnt  schon  das 
geschlagene  Gold,  das  auch  den  alten  Ägyptern  bekannt  war.  Die  Werk- 
statt des  Hephaestos  weist  Hammer  und  Zange,  Blasebalg  und  Schmelz- 
tiegel, Amboß  und  Amboßgestell  auf.  Auch  nennt  Homer  das  Zinn,  kennt 
aber  seine  Eigenschaften  nicht  genauer.  Er  erwähnt  zweimal  das  Blei. 
(Vgl.  auch  1475  v.  Chr.) 

—  Homtr  kennt  bereits  die  Härtbarkeit  des  Stahles  durch  Ablöschen  in 
kaltem  Wasser,  wie  aus  Od.  IX,  391  hervorgeht.  (Vgl.  auch  1050  n.  Chr.) 
An  zahlreichen  Stellen  werden  bei  ihm  Waffen  erwähnt,  die  wir  uns  nur 
als  stählerne  vorstellen  können.    (S.  a.  2220  und  1475  v.  Chr.) 

—  Homar  erwähnt  die  Töpferscheibe,  deren  Erfindung  dem  Korinther 
Hyperbios  oder  dem  Talos,  dem  Neffen  des  Daedalos,  beigelegt  wird. 
(Vgl.  jedoch  1170  v.  Chr.  Ramses  III.)  Er  beschreibt  die  Einrichtung 
des  „Geschirrs"  beim  Webstuhl  und  kennt  die  aus  dem  Orient  stammende 
Buntwirkerei. 

—  Homtr  erwähnt  bereits  den  Sandarak,  das  Harz  einer  Thujaart,  das  zu 
Räucherpul vem,  Räucherkerzen,  Salben  und  Pfiastem  verwendet  wird.  Er 
spricht  von  den  Dämpfen  des  brennenden  Schwefels  als  von  einem  Räuche- 
rungsmittel,   das   namentlich   bei  religiösen  Zeremonien  angewendet  wird. 

—  Homor  berichtet  in  der  Ilias  bereits  von  der  Verwendung  des  Olivenöls 
in  der  Weberei.  Jedenfalls  dürften  die  Griechen  das  erste  Volk  gewesen 
sein,  das  es  verstanden  hat,  Oliven  zu  öl  zu  verarbeiten.  Er  erwähnt 
den  Bemsteinschmuck  als  phönizischen  Handelsartikel,  wie  auch  schon 
in  mykenischen  Gräbern  Bemsteinperlen  oft  in  beträchtlicher  Anzahl  auf- 
gefunden worden  sind. 

—     4     — 


700  T,  Chr, 

SOO  Nachdem  man  im  Altertume  anfangs  das  am  nächsten  liegende  Düngongs- 
verfahren»  bei  dem  die  gewachsene  Pflanzensubstanz  durch  Unterpflügen 
dem  Boden  einverleibt  wird,  die*  Gründüngung,  ausgebildet  hatte,  geht 
man  schon  früh  zum  Gebrauch  der  Exkremente  der  Haustiere,  des  Stall- 
düngers, über,  den  schon  HonMr  in  der  Odyssee  erwähnt  und  dem  dann 
die  Verwendung  der  menschlichen  Exkremente  folgt. 

—  HoBur  spricht  wiederholt  von  Leuchtfeuern  an  der  Meeresküste  (Odyssee 
X,  28;  Ilias  XVIII,  207  und  XIX,  376),  so  daß  derartige  Seezeichen  zu 
jener  Zeit  schon  allgemein  gebräuchlich  gewesen  zu  sein  scheinen. 

—  In  den  indischen  Gesetzbüchern  des  Mans  findet  sich  die  früheste  Er- 
wähnung der  Baumwolle  und  deren  Kultur,  so  daß  anzunehmen  ist,  daß 
diese  Gespinstpflanze  dort  zuerst  technisch  verwendet  worden  ist.  (S.  auch 
327  V.  Chr.) 

763  Das  älteste  sichere  Zeugnis  für  die  Beobachtung  einer  genau  datierbaren 
Sonnenfinsternis  verzeichnen  die  Anyrltr  in  der  assyrischen  „Verwaltungs- 
liste" (dem  „Eponymenkanon  mit  Beischriften")  unter  dem  15.  Sivan. 
Es  ist  dies  die  totale  Finsternis  vom  15.  Juni  genannten  Jahres,  auf  die 
wahrscheinlich  auch  der  Prophet  Amos  (8,  9)  Bezug  nimmt:  „An  jenem 
Tage  ist  der  Spruch  des  Herrn  Jahve,  ,will  ich  die  Sonne  am  Mittag 
untergehen  lassen  xmd  auf  die  Erde  am  hellen  Tage  Finsternis  senden*." 
(Vgl.  jedoch  2137  v.  Chr.) 

750  Wie  eine  um  die  Zeit  des  chinesischen  Kaisers  Plng-wang  hergestellte,  aus 
Eisen  gegossene  13  m  hohe  Pagode  beweist,  kennt  man  in  China  bereits 
zu  dieser  Zeit  den  Eisenguß. 

747  Beginn  der  Aera  des  babylonischen  Königs  Nafeonattar.  Diese  Aera  ist  für 
die  geschichtlichen  Zeitbestimmungen  von  Bedeutung,  da  sich  mit  ihrer 
Hufe  nach  den  von  Ptolemäus  überlieferten  Regententafeln  der  Zeitpunkt 
vieler  geschichtlich  denkwürdiger  Ereignisse  berechnen  läßt. 

730    König   Ah»  von  Juda    erbaut    eine    Sonnenuhr    (Obelisk   mit   Stufen T). 

717  Der  Überlieferung  zufolge  soll  der  römische  König  Numa  PompUlM  ein 
Mondjahr  zu  355  Tagen  mit  12  festen  Monaten  eingeführt  haben,  in 
das  aUe  zwei  Jahre  ein  13.  Monat  (Schaltmonat  Mercedonius)  einge- 
schoben wurde. 

700  Nachdem  (nach  Plinius)  zuerst  die  Erythräer  den  Bau  von  Zweireihen- 
Schiffen  (Dieren)  —  an  Stelle  der  bis  dahin  üblichen  einreihigen  Ruder- 
schiffe —  versucht  hatten,  bauen,  wie  Thukydides  und  Diodor  berichten, 
die  Korinther  xmter  des  Ameliioldtt  Leitung  die  ersten  Dreireibenschiffe 
(Trieren).  Übrigens  wird  die  seit  Livius  herrschende  Auffassung,  daß 
unter  den  Mehrreihenschiffen  „mehrere  Ruderreihen  übereinander"  zu 
verstehen  seien,  neuerdings  von  Breusing  als  irrig  angefochten.  Er  deutet 
die  Dieren,  Trieren  und  Penteren  nicht  als  zwei-,  drei-  und  fünfreihige 
Ruderschiffe,  sondern  als  solche  Schiffe,  bei  denen  das  einzelne  Ruder 
mit  zwei,  drei  oder  fünf  Mann  besetzt  ist.  In  ähnlicher  Weise  hat  sich 
schon  früher  Thomas  Rivius  geäußert. 

—  HmM  von  Askra  in  Böotien  schreibt  das  Lehrgedicht  „Werke  und  Tage", 
in  dem  Anweisungen  zur  rationellen  Landbebauung  gegeben  sind  imd  ein 
Bauernkalender  mitgeteilt  wird. 

—  Hltkla,  König  von  Juda,  läßt  zwecks  Anlage  einer  Wasserleitung  (s.  Altes 
Test.  2.  Könige,  Kap.  20,  V.  20)  zwischen  dem  Siloah- Teich  und  der 
Gihon-Quelle  bei  Jerusalem  einen  531  m  langen  Felsenkanal  herstellen, 
eine  der  ältesten  geschichtlichen  Tunnelbauten.  Die  Durchbrechimg  der 
Felsmassen  erfolgt  mit  Hilfe  von  Bronze-Werkzeugen.  (S.  die  daselbst 
i.  J.  1880  gefundene,  jetzt  in  Konstantinopel  befindliche  Inschrifttafel.) 

—     5     — 


700  T.  Chr. 

700  Wie  aus  den  im  Palast  von  Kujundschik  entdeckten  steinernen  Abbil- 
dungen hervorgeht,  bedienen  sich  die  Assyrier  zur  Zeit  des  Königs  Sawlurtfc 
zum  Transport  ihrer  Steinkolosse  auf  dem  Wasserwege  teils  der  noch 
heute  gebräuchlichen  Flöße,  die  teilweise  durch  mit  Luft  gefüllte  Säcke 
getragen  werden  (Kelleks),  teils  der  von  Herodot  geschilderten  Rundschi£f^ 
zum  Landtransport  der  Schleife,  die  durch  vorgespannte  Sklaven  ruck- 
weise fortbewegt  wird.  Die  Schleife  wird  mit  der  Last  am  hintern  Ende 
durch  einen  Hebebaum  gelüftet  und  bei  der  Hebung  werden  Keile  unter 
den  Hebebaum  gelegt. 

692  Glaukos  von  Chios  erfindet  die  Lötung  des  Erzes  wie  auch  des  Eisens 
{atdiJQov  x6XXr]aie),  die  an  Stelle  des  Zusammennietens  der  getriebenen 
Stücke  tritt. 

676   Terpandrot  von  Lesbos  begründet  die  erste  Musikschule  in  Sparta. 

620  Die  erste  römische  Brücke  ist  der  Pons  Sublicius  zu  Rom,  der  am  Ende 
der  Regierung  des  Anciit  Marclut  entsteht.  Die  Brückendecke  ruht  auf 
hölzernen  Pfählen,  auf  denen  ein  loser  Brückenbelag  liegt. 

—  Die  erste  geschichtlich  nachweisbare  Brücke  auf  steinernen  Pfeilern,  über 
die  bestimmte  Nachrichten  vorliegen,  führte  über  den  Euphrat  xmd  ver- 
band die  auf  den  beiden  Ufern  des  Flusses  liegenden  Königsburgen  Ba- 
bylons. Die  Erbauerin  soll  NItokrISi  die  Mutter  Nebukadnezars  II.  ge- 
wesen sein.  Nach  Ktesias  war  die  Brücke  1000  Fuß  lang;  die  Entfernung 
der  Steinpfeiler,  auf  welchen  die  Brückenbalken  ruhten,  betrug  etwa 
4  m.  Die  Pfeiler  waran  aus  Bruchsteinen  hergestellt  und  die  Steine  durch 
eiserne,  eingebleite  Klammem  miteinander  verbunden. 

610  Der  ägyptische  König  Nwho  beginnt,  unter  Wiederaufnahme  des  Planes 
des  Königs  Ramses  II.,  (s.  1250  v.  Chr.)  den  Bau  eines  Schiffahrtskanals 
von  Bubastis  am  Nil  nach  Patumos  am  Arabischen  Meerbusen,  der  aber 
infolge  eines  Orakelspruchs  unvollendet  bleibt,  und  erst  hundert  Jahre 
später  von  dem  Perserkönige  Darius  Hystaspis  fortgesetzt  wird. 

600  Ans  dem  Jahre  600  v.  Chr.  sind  uns  die  ersten  wissenschaftlichen  astro- 
nomischen Messungen  am  Himmel  (Ortsbestimmungen  von  Gestirnen)  er- 
halten, welche  die  Babylonlar  ausgeführt  haben. 

—  Zur  Zeit  des  ersten  japanischen  Kaisers  Jlmmu  werden  Massage  und  Aku- 
punktur bereits  in  Japan  geübt. 

—  Phönizische  Schiffer  unternehmen  im  Auftrage  des  ägyptischen  Königs 
Nwho  die  erste  geschichtlich  beglaubigte  Umschiffimg  Afrikas,  indem  sie 
vom  Arabischen  Meerbusen  absegeln  und  im  dritten  Jahre  der  Reise  durch 
die  Säulen  des  Herakles  zurückkehren.  Die  phönizischen  Schiffe  jener 
Zeit  besitzen,  wie  aus  einem  Relief  in  Ninive  hervorgeht,  bereits  einen 
Rammsporn,  der  indes  in  Form  eines  eisenbeschlagenen  Balkens  über 
Wasser  aus  dem  Schiffskörper  hervorragt. 

—  Als  ältester  römischer  steinerner  Brückenbau  gilt  der  Pons  Salarius 
über  den  Tiber,  welches  Werk  durch  Tarquiniut  Pritciis  errichtet  wird.  Be- 
stimmte Nachrichten  über  die  Beschaffenheit  dieser  Brücke  liegen  nicht 
vor.    (Vgl.  620  V.  Chr.  Ancus  Marcius.) 

694  Soloii  von  Athen  führt  ein  Mondjahr  von  12  Monaten  mit  abwechselnd 
29  und  30  Tagen  ein.  Um  eine  Übereinstimmung  dieses  nur  354  Tage 
umfassenden  Jahres  mit  dem  Laufe  der  Sonne  herbeizuführen,  wird  alle 
3  Jahre  ein  Monat  zu  30  Tagen  eingeschaltet.  (Vgl.  540  v.  Chr.  Kleo- 
Stratos.) 

—  Selon  erläßt  ein  Gesetz,  demzufolge  jeder  Bürger  nachweisen  mußte,  daß 
er  zehn  Klafter  tief  ohne  Erfolg  gegraben  habe,  um  ein  Anrecht  auf  Mit- 
benutzung de«  Nachbarbrunnens  zu  haben.    Das  Geheimnis  des  Brunnen- 

—     ü     — 


|ooO  ▼,  Chr, 

grabens  besitzt  in  Athen  seit  Alters  ein  bestimmtes  Geschlecht  der 
„Brannengräber"  (Pheorychoi). 
590  Eine  aus  Eyrene  stammende,  jetzt  im  Cabinet  des  M^dailles  zu  Paris  be- 
findliche Schale  zeigt  den  König  ArkftllM  von  Kyrene,  wie  er  auf  einem 
Schiffe  im  Hafen  das  Abwägen  und  Verfrachten  von  „Silphium"  beauf- 
sichtigt. Obwohl  das  Silphium  sowohl  als  Arzneimittel,  wie  auch  als  Gre- 
würz  und  Gemüse  in  der  Alten  Welt  eine  ungemein  wichtige  Rolle  spielte, 
und  die  Kyrenenser  jene  Pflanze  auf  allen  ihren  Münzen  abbildeten  und 
derselben  den  blühenden  Wohlstand  ihrer  Stadt  verdankten,  ist  bis  jetzt 
noch  nicht  ermittelt  worden,  welche  Pflanze  unter  dem  Silphium  der  Alten 
zu  verstehen  ist. 

—  Taniutalus  PriKiis  legt  eine  Kanalisation  zur  Entwässerung  der  Stadt  Rom 
an,  die  durch  Tarquinius  Superbus  vollendet  wird.  Durch  dieses  Kanal- 
netz wird  der  sumpfige  Boden  Roms  entwässert;  gleichzeitig  werden  die 
AbfaUstoffe  der  Stadt  durch  die  Cloaca  maxima  nach  dem  Tiber  abgeführt. 

585  Thal«  von  Milet  findet  einige  elementare  geometrische  Sätze  (gleichen 
Seiten  eines  Dreiecks  liegen  gleiche  Winkel  gegenüber;  Dreiecke  sind  be- 
stimmt durch  1  Seite^und  2  Winkel;  die  Kreisfläche  wird  durch  den  Durch- 
messer halbiert),  und  ermittelt  die  Höhe  der  Pyramiden  aus  deren  Schatten. 

—  Thalts  beschreibt  zuerst  im  Abendlande  die  Eigenschaft  gewisser  Eisen- 
erze, Eisenspäne  und  dünne  Eisenstücke  anzuziehen.  Diese  Eisenerze  er- 
halten, weil  sie  bei  Magnesia  in  Lydien  gefunden  wurden,  den  Namen 
Magnete.  Die  magnetische  Kraft  nennt  er  „Seele",  wie  er  überhaupt  eine 
von  der  Materie  untrennbare  Energie  unter  dem  Namen  „Seele''  annimmt. 

—  ThalM  gibt  eine,  indes  nur  auf  Wahrscheinlichkeitsschlüssen  beruhende  Vor- 
hersage der  Sonnenfinsternis  vom  Jahre  585.  (Nach  neueren  Berechnungen 
fand  diese  Sonnenfinsternis  am  28.  Mai  585  statt.)  Die  wahre  Ursache 
der  Sonnen-  und  Mondfinstemisse  ist  ihm  unbekannt.  Er  faßt  die  Erde 
als  eine  auf  dem  Ozean  schwebende  runde  Scheibe  auf.  Er  bezeichnet 
das  Wasser  als  das  Grundprinzip  der  Dinge. 

580  Der  Schiffsanker,  nach  Plinius  eine  Erfindung  des  Tyrrheners  Eupalamus, 
war  ursprünglich  einarmig.  Nach  Strabo  (lib.  VII)  soll  der  Skythe  AiM- 
duursis  um  580  v.  Chr.  den  zweiarmigen  Anker  erfunden  haben. 

570  NaMiiidumitur  II.,  König  von  Babylon  (der  biblische  Nebukadnezar),  führt 
die  erste  Stromkorrektion  aus,  indem  er  durch  den  600  km  langeif  Kanal 
PaUakopas  die  Sumpfgebiete  an  der  Euphratmündung  entwässert. 

—  Nakukatfinrrutar  II.  veranlaßt  die  Wiedereinführung  der  Gewichtsnorm  des 
Königs  Dungi.  (S.  2650  v.  Chr.)  —  Inschrift  auf  einem  Steingewichte  im 
Betrage  der  schweren  babylonischen  Mine  zu  982,4  g. 

560  Der  Baumeister  ChtnlpfiriNi  von  Knosos  auf  Kreta  bewirkt  beim  Bau  des 
Artemistempels  zu  Ephesos  die  Fortschaffung  schwerer  steinerner  Säulen 
dergestalt,  daß  er  in  den  beiden  Endflächen  jeder  Säule  eine  eiserne  Achse 
durch  Bleiverguß  befestigt,  einen  viereckigen,  mit  entsprechenden  Achs- 
lagern versehenen  Holzrahmen  herumlegt,  und  die  Säule  nach  Art  einer 
Chausseewalze  durch  Fortrollen  zum  Bauplatze  befördert.  (S.  Vitruvius 
„De  architectura*'.    Lib.  X.) 

560 — 529  KfTM  verbindet  alle  wichtigen  Grenzorte  seines  Reiches  mit  Susa 
durch  Meldereiter. 

550  Mago  von  Karthago,  von  Columella  der  Vater  der  Agrikultur  genannt, 
schreibt  28  Bücher  über  Landwirtschaft,  die  nach  der  Eroberung  von 
Karthago  (146  v.  Chr.)  der  römische  Senat  ihrer  Wichtigkeit  wegen  in  die 
lateinische  Sprache  übersetzen  läßt. 

—  Zur  Zeit  des  Mago  verstehen  sich  die  Karthager  bereits  auf  die  Bereitung 
besonders   feiner   Weine   durch   Benutzung   des  „Ausbruchs**.    Das  Ver- 

—     7     — 


660  T,  Chr. 

fahren  wird  später  vergessen;  der  Tokajer  Ausbruch  wird  zuerst  i.  J.  1660 
erwähnt. 
650    MttapMt,   des  Chersiphron  Sohn,   verbessert  die  Transportmethode  seines 
Vaters  (s.  660  v.  Chr.)  zur  Fortschaffung  schwerer  Balken  in  der  Weise, 
[•  daß  er  in  den  Himflächen  der  Stämme  eiserne  Zapfen  befestigt,  und  an 

diesen  12  Fuß  hohe  Räder  derart  anbringt,  daß  der  fortzuschleppende 
Balken  gewissermaßen  die  Achse  eines  Räderpaares  darstellt.  Um  das 
Ganze  wird  ein  viereckiger  Rahmen  gelegt,  vor  den  Zugochsen  gespannt 
werden.  (S.  Vitruvius  „De  architectura".    Lib.  X.) 

—  Phokot  von  Samos  schreibt  ein  Lehrgedieht  „Schifiteastronomie",  worin  den 
Schiffern  die  wichtigsten  Sternbilder  geschildert  werden.  Statt  des  großen 
Bären  wird  der  kleine  als  Orientierung  nach  Norden  empfohlen. 

647  Anaxlmantfrot  von  Milet  schreibt  das  erste  philosophische  Buch  der  griechi- 
schen Literatur.  £r  leitet  darin  aUes  aus  dem  Universalprinzip  des  „Un- 
endlichen" ab,  aus  dem  das  Individuelle  in  beständiger  Emanation  entsteht 
und  wohin  es  zurückkehrt.  Er  lehrt  zuerst  die  Koexistenz  unendlich  vieler 
Welten.  Er  ist  der  Begründer  der  astronomischen  Sphären theorie  und 
lehrt  die  Konstanz  der  Bewegung.  Er  wird  als  Erfinder  des  Erdglobus 
bezeichnet. 
;-  —  Anaxlmantfrot  entwirft  die  erste  Erdkarte  und  stellt  in  Sparta  einen  Gnomon 
(Sonnenuhr)  auf. 

—  Anaximandrot  spricht  klar  aus,  daß  die  Menschen  von  tierähnlichen  Vor- 
fahren abstammen  und  legt  damit  den  Keim  zur  Deszendenzlehre. 

640  KlaoitnitM  von  Tenedos  verbessert  das  von  Selon  (s.  694  v.  Chr.)  ein- 
geführte Mondjahr  durch  die  „Oktaeteris'%  einen  achtjährigen  Zyklus, 
in  welchem  jedesmal  das  3.,  6.  und  8.  Jahr  einen  Schaltmonat  von  30  Tagen 
erhält.  Durch  Eudoxos  und  Eratosthenes  noch  abgeändert,  wird  diese 
Zeitrechnung  durch  Meton's  Enneadekaeteris  (s.  432  v.  Chr.)  verdrängt. 

632  Eapalinot  von  Megara  stellt  für  die  von  ihm  erbaute  Wasserleitung  der 
Stadt  Samos  einen  Tunnel  von  1000  Meter  Länge  her,  indem  er  von  beiden 
Seiten  nach  genauem  Nivellement  den  Durchstich  beginnt  und  in  dem  so 
hergestellten  Tunnel  einen  Graben  anlegt,  durch  den  das  Quellwasser  der 
Quelle  Leukothea  den  Leitungsröhren  zufließt.  Dieser  Tunnelbau  ist  eine 
der  kühnsten  technischen  Schöpfungen  des  Altertums. 

—  Pythagorat  von  Samos  bezeichnet  die  Zahl  als  das  Prinzip  der  Dinge.  Er 
steUt  die  Hauptsätze  der  mathematischen  Zahlen  theorie  auf,  kennt  die 
Primzahlen,  bildet  den  Begriff  der  mathematischen  Reihe  aus,  unterscheidet 
arithmetische,  geometrische  und  harmonische  Proportionen  und  legt  den 
Grund  zur  Theorie  der  Vieleckszahlen.  Die  an  das  rechtwinklige  Dreieck 
mit  den  Seiten  3,  4  und  6  geknüpfte,  von  altersher  bekannte  Tatsache, 
daß  3*  -f-  4*  =  6*  ist,  führt  ihn  zur  Aufstellung  des  nach  ihm  benannten, 
aber  bereits  in  Indien  und  wahrscheinlich  vorher  schon  in  Babylon  bekannten 
Lehrsatzes,  und  weiterhin  zur  Entdeckung  des  Irrationalen.  —  Es  ist  zu 
beachten,  daß  Pythagoras  selbst  nichts  geschrieben  hat.  Es  bleibt  daher 
eine  offene  Frage,  inwieweit  die  seinen  Namen  tragenden  Lehren  von  ihm 
selbst,  oder  aber  von  seinen  Nachfolgern,  den  Pythagoraeern,  herrühren.  — 
Vgl.  auch  410  V.  Chr.  Theodoros. 

—  Pythaforat  scheint  sich  die  Erde  als  eine  Kugel,  die  sich  gleich  der  Sonne, 
dem  Mond  und  den  Planeten  um  ein  Zentralfeuer  drehe,  zu  denken.  Er 
soll  zuerst  erkannt  haben,  daß  der  Abendstem  (Hesperos)  mit  dem  Morgen- 
stern (Phosphoros)  identisch  ist. 

—  Pythaforai  rühmt  bereits  die  Heilkraft  des  Anis,  der  mehrfach  auch  in 
den  hippokratischen  Schriften  erwähnt  wird.  Nach  dem  Abendland  kommt 
der  Anis  erat  1561. 

—     8     — 


490  T.  Chr, 

532  ThtodMTM  von  Samos  erfindet  angeblich  die  Bleiwage,  das  Winkelmaß,  die 
Drehbank  und  den  Sohlüseel.  Bei  dem  Tempelban  in  Ephesos  verwendet 
er  Holzkohle,  um  den  Boden  auszutrocknen.  Auch  soll  er  den  Erzguß, 
den  die  Ägypter  in  uralter  Zeit  bereits  kannten,  in  Griechenland  zuerst 
geübt  haben. 

—  ThMtforw  von  Samos  übt  zuerst  die  Kunst  des  Schneidens  (Schleifens)  der 
Edelsteine.  Indes  beschränkt  sich  die  Edelsteinschleiferei  zu  jener  Zeit 
lediglich  auf  das  Bearbeiten  und  Glatten  der  natürlichen  Flächen  der 
Steine.     (Vgl.  1456,  Berquem.) 

530  AiMUdiiMiMS,  Schüler  des  Anaximandros,  lehrt,  daß  der  Mond  sein  Licht  von 
der  Sonne  habe. 

—  KtoottritM  von  Tenedos  stellt  Beobachtungen  über  die  Sonnenwende  an, 
indem  er  die  Schatten  des  Idagebirges  beobachtet.  Sein  Lehrgedicht 
„Astrologie"  gibt  Einzelheiton  über  die  Stemphasen  des  Zodiakus  (Skor- 
pion, Widder,  Schütze,  Böcke). 

522  DtmoktdM,  Sohn  eines  knidischen  Tempelarztes,  begründet  in  Eroton  die 
erste  Ärzteschule  auf  wissenschaftlicher  Grundlage. 

520  HakatasM  von  Milet  bereist  einen  großen  Teil  der  bekannten  Welt  von 
Hispanien  bis  Indien  und  von  der  Donau  bis  zum  Nil  und  legt  die  Er- 
gebnisse seiner  Reisen  in  der  jetzt  nur  noch  in  Bruchstücken  vorhandenen, 
von  Herodot  viel  benutzten  Erdbeschreibxmg  nieder,  der  auch  eine  s.  Z. 
berühmte  Erdkarte  beigegeben  war. 

—  Der  griechische  Grcograph  Skylax  von  Karyanda  in  Karien  unternimmt  im 
Auftrage  des  Darius  Hystaspis  eine  Entdeckungsreise  von  der  Mündung 
des  Indus  bis  in  das  Innere  des  Arabischen  Meerbusens  und  legt  seine  Er- 
fahrungen und  Beobachtungen  in  einem  „Periplus"  nieder.  (Der  xmter 
seinem  Namen  erhaltene  Periplus  des  Mittelmeers  stammt  nicht  von 
ihm,  sondern  aus  einer  späteren  Zeit.) 

*-  Xtnopliaiiai  von  Eolophon  führt  die  versteinerten  Überrest-e  von  Seetieren 
auf  Bergen,  die  Abdrücke  von  Lorbeerblättern  in  dem  Grestein  von 
Faros  u.  dgl.  als  Beweis  dafür  an,  daß  das  Festland  periodischen  Über- 
flutungen unterworfen  sei. 

513  Die  erste  bekannte  Schiffbrücke  läßt  auf  seinem  Eroberungszuge  gegen 
die  Skythen  Dariiis  I.  von  Fersien  durch  den  Baumeister  MandraUM  von 
Samos  über  den  Bosporus  schlagen.  Wie  die  bei  seinem  Zuge  gegen  die 
Griechen  von  Xerxes  480  v.  Chr.  über  den  Hellespont  geschlagenen  Brücken, 
besteht  diese  Brücke  aus  einzelnen  Schiffen,  die  beiderseits  verankert  sind. 
Über  sämtliche  Schiffe  sind  Taue  von  Flachs  und  Byssus  gespannt,  die 
den  doppelten  Bohlenbelag  tragen.  Zum  Durchfahren  bleiben  Lücken 
zwischen  den  Schiffen  offen. 

509  Der  Dichter  Theognis  von  Megara  erwähnt  zuerst  die  Verwendung  des 
Frobiersteins  zur  Früfung  des  Goldes. 

500  Im  „Ayur  Veda*'  des  indischen  Arztes  8u(riita  wird  der  Magnet  als  ein  Mittel 
gepriesen,  um  eine  eiserne  Ffeilspitze  auszuziehen.  Besonders  wirksam  ist 
der  Magnet,  wenn  der  Ffeil  gerade  und  nicht  zu  fest  im  Fleisch  ein- 
gebettet ist. 

—  Sufruta  gibt  die  erste  bekannte  Anweisung,  die  ganz  oder  teilweise  zer- 
störte Nase  durch  Einheilen  eines  Hautlappens  aus  der  Wange  wieder 
herzustellen, 

490  HtriklltM  von  Ephesos  stellt  den  Satz  auf:  Alles  Irdische  fließt,  und  nichts 
beharrt;  alles  aber  wird  geregelt  durch  das  ewige  Naturgesetz  (Logos), 
das  Weltentstehung  und  Weltuntergang  im  Großen  und  Kleinen  ordnet. 
Als  Urmaterie  betrachtet  er  das  Ätherfeuer. 

—  HtriklHM  erwähnt  zuerst  die  Krempelwalze. 

—     9     — 


486  ▼.  Chr. 

486 — 465  Xtrxet  bedient  sich  zur  Verbindung  Persiens  mit  Griechenland  in  Ruf- 
weite voneinander  aufgestellter  Sklaven,  welche  sich  der  Reihe  nach  die 
zu  befördernden  Nachrichten  zurufen,  wobei  diese  dreißigmal  schneller 
ihr  Ziel  erreichen  als  bei  der  Beförderung  durch  Boten. 

480  AlkmaMNi  von  Eroton  begründet  die  wissenschaftliche  Embryologie  und 
Hygiene. 

—  Alkmaeon  findet,  daß  jede  Empfindung  des  Körpers  durch  das  Gehirn 
vermittelt  und  die  Bewegung  der  Glieder  vom  Gehirn  geleitet  wird.  Er 
ist  der  erste  Arzt,  der  Sektionen  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  vornimmt. 
So  findet  er  Gänge,  die  vom  Gehirn  zu  den  Augen  führen  (Sehnerv!)  xmd 
unterscheidet  die  verschiedenen  Häute  des  Auges.  Erste  Theorie  der 
Sinneswahrnehmungen  (Gesicht,  Gehör,  Geschmack). 

—  ParmanIdM  von  Elea  behauptet  die  Abhängigkeit  des  Denkens  von  der 
warmen  oder  kalten  Körper  beschaff  enheit.  Von  ihm  stammt  die  Ein- 
teilung der  Erde  in  fünf  Zonen,  die  heiße,  die  zwei  gemäßigten  und  die 
zwei  kalten  Zonen. 

470  Leukippos  von  Milet  erfindet  die  von  Demokritos  von  Abdera  um  420  v.  Chr. 
ausgebildete  Atomistik.  (Prinzipien,  qualitätslose  Atome  und  Vakuum. 
Mechanische  Welterklärung.  Entstehung  der  unzähligen  Welten  durch 
Wirbelbewegung.  Entstehung  der  Wahrnehmung  durch  mechanische  Ein- 
wirkung dünner,  von  den  Objekten  abgelöster  Häutchen.  Sekundäre  Ent- 
stehung der  Qualitäten). 

464  Anaxagoras  von  Klazomenae  entwickelt  die  Elemente  der  Perspektive,  und 
zwar,  wie  Vitruvius  berichtet,  unter  Bezug  auf  die  Bühnendekorationen 
einer  Schaubühne,  die  der  Baumeister  Agatharchos  zur  Aufführung  der 
Dramen  des  Aeschylos  in  Athen  hergerichtet  hatte. 

460  Anaxaforas  gibt  zuerst  die  richtige  Erklärung  der  Nilschwelle  (Schmelzen 
der  Schneeberge  in  Äthiopien),  die  bereits  der  Dichter  Aeschylos  in  den 
„Hikeliden"  kennt. 

—  AnaxagCNat  unterscheidet  Kraft  ( Geist)  und  Stoff.  Die  Gestirne  sind  glühende, 
aus  der  Erdregion  durch  die  zentrifugale  Kraft  der  weltbildenden  Be- 
wegung an  die  Peripherie  versetzte  Erdmassen,  die  durch  den  Umschwung 
glühend  werden.  Veranlassung  zu  dieser  Hypothese  gibt  der  Meteorstein- 
fall von  Aegospotamoi  (468  v.  Chr.). 

—  Anaxaforas  erkennt  in  dem  Gesicht  des  Mondes  Ebenen,  Berge  und 
Schluchten  eines  unserer  Erde  entsprechenden  Himmelskörpers. 

—  Der  Mathematiker  Oanopidts  von  Chios  steUt  einen  Zyklus  von  59  Jahren 
auf,  um  Sonnenjahr  und  Mondlauf  auszugleichen. 

458  AtKhylot  erwähnt  in  seinem  „Agamemnon**  den  (zu  seiner  Zeit  im  per- 
sischen Reich  üblichen)  Feuertelegraphen  (Angaron),  der  den  Fall  Trojas 
von  Insel  zu  Insel  nach  Argos  gemeldet  habe. 

450  Empedokles  von  Akragas  stellt  die  Sätze  auf:  Es  gibt  keine  Entstehung 
aus  nichts  und  kein  Vergehen  in  nichts,  sondern  nur  eine  Umwechselung 
der  vier  ewigen  Elemente  (Feuer,  Luft,  Wasser,  Erde)  unter  dem  wech- 
selnden Einfluß  der  polaren  Kräfte  Liebe  und  Haß  (Anziehung,  Abstoßung). 

—  EmpadoklM  erwähnt  zuerst  die  in  Griechenland  bei  Gerichtsverhandlungen 
zur  Abmessung  bestimmter  Stundenfristen  übliche  Klepsydra  (Wasseruhr). 

—  Empedokles  ist  der  erste  methodische  Beobachter  der  vulkanischen  Er- 
scheinungen Siziliens.  Er  nimmt  eine  feuerflüssige  Beschaffenheit  des 
Erdinnem  an  und  erklärt  damit  die  Vulkane  und  die  heißen  Quellen.  Er 
deutet  die  auf  Sizilien  vorkommenden  Knochen  großer  fossiler  Säugetiere 
als  Reste  eines  ausgestorbenen  Gigantengeschlechts. 

—  Herodot  von  Halikarnassos  unternimmt  große  Reisen  nach  Südrußland 
(Olbia),     Griechenland,    Kyrene,    Unteritalien,  Ägypten,  Palästina    und 

—     10     — 


488  T,  Chr, 

Persien  (bis  Susa).  Zurückgekehrt  legt  er  die  Ergebnisse  seiner  For- 
sohiingen  in  neun  Büchern  nieder,  welche  die  politische  und  die  Kultur- 
geschichte zusammenfassen  und  namentlich  der  geographischen  Beschrei- 
bung großen  Raum  gewähren. 
450  Htrodot  erwähnt  in  unzweifelhafter  Weise  die  Butter,  die  bei  den  Skythen 
durch  starkes  Schütteln  der  Pferdemilch  und  Absonderung  dessen,  was 
sich  oben  abscheide,  gewonnen  werde.  Daß  die  Skythen  auch  die  Berei- 
tung von  Käse  verstanden,  wird  von  Hippokrates  von  Kos  berichtet. 
Auch  spricht  Herodot  bereits  von  einer  sechzigblättrigen  Rose,  womit 
ohne  Zweifel  die  gefüllte  Zentifolie  gemeint  ist.  Die  Darstellung  des 
Rosenöls,  der  Rosenpastillen,  des  Rosenhonigs,  eines  Rosen  ex  traktes  usw. 
wird  von  Dioskorides  beschrieben. 

—  Htrodot  beschreibt  das  Einbalsamierungsverfahren  der  Ägypter,  die  nach  dem 
Herausnehmen  des  Gehirns  und  der  Ausräumung  der  Bauchhöhle  Palm- 
wein  und  Spezereien  in  die  Leibeshöhlen  schütteten,  dieselben  mit  Myrrhen, 
Cassia  und  sonstigen  wohlriechenden  Substanzen  füllten  und  den  Körper 
70  Tage  lang  in  Natron  legten.  Die  so  präparierte  Leiche  wurde  in 
Byssusstreifen  eingewickelt,  die  durch  Gummieren  fest  verbunden  wurden. 
Von  den  Äthiopiern  berichtet  er,  daß  sie  die  Körper  der  Gestorbenen  aus- 
trocknen ließen,  mit  einem  Gipsüberzuge  versahen  und  bemalten. 

—  Die  karthagischen  Feldherm  Himitko  und  Hanno  machen  Entdeckungs- 
fahrten, jener  bis  an  die  englischen  Zinninseln,  Hanno  bis  nach  Sene- 
gambien  und  der  Guineaküste  (Kap  Palmast). 

—  KIMXMIM  und  Dtmoklltot  erfinden  einen  optischen  Buchstabentelegraphen, 
indem  sie  das  Alphabet  auf  fünf  Tafeln  zu  je  fünf  Buchstaben  verteilen 
und  durch  Fackelzeichen  (Sichtbarmachen  von  1  bis  5  Fackeln)  jedesmal 
zuerst  die  betreffende  Tafel  und  alsdann  den  betreffenden  Buchstaben 
kennzeichnen.  (Polybios  X,  45.)  Dieser  Buchstabentelegraph  wird  noch  im 
3.  Jahrhundert  n.  Chr.  angewendet. 

444    DIonyslM  der  Eherne  soll  zuerst  den  Gebrauch  von  Kupfermünzen  veran- 
laßt haben. 

—  Euryphon,  ältester  wissenschaftlicher  Arzt  der  kölschen  Schule,  erklärt  die 
Krankheit  aus  Überfüllung  des  Magens. 

—  HtrodlkM  von  Selymbria  verbindet  Gymnastik  und  Heilkunde  zur  Yar^oJUi.T- 
Tixi;  (Heilgymnastik).  Er  verordnet  grundsätzlich  ermüdende  Spaziergänge 
und  stellt  das  Prinzip  auf,  daß  die  Nahrungszufuhr  in  der  körperlichen 
Arbeit  ihr  Gegengewicht  finden  müsse. 

—  HaroM  erwähnt  bereits  das  Vorkommen  und  die  Gewinnung  von  Bitu- 
men (verdicktes  Erdöl,  Asphalt)  im  Is,  einem  Nebenflusse  des  Euphrat. 
Auch  gibt  Herodot  Nachrichten  über  die  vermutlich  von  Darius  organi- 
sierte persische  Reichspost  (Angareion). 

—  Herodot  erwähnt  zuerst  das  in  Ägypten  und  Griechenland  übliche 
Rechnen  auf  dem  Rechenbrett  (Abakos),  das  bei  dem  Mangel  eines  dezi- 
mal geordneten  Ziffernsystems  die  Addition  und  Subtraktion  erleichtert 
und  in  China  seit  den  ältesten  Zeiten  (s.  2630  v.  Chr.  Hwang-ti)  in  Ge- 
brauch war. 

438  PhMiat  verwendet  nach  Plutarch  bei  der  Herstellung  des  chryselephantinen 
Zeusbildes  Arbeiter,  die  das  Elfenbein  zu  erweichen  und  zu  strecken 
verstanden  hätten.  An  einer  anderen  Stelle  behauptet  Plutarch,  dies  sei 
mit  Bier  geschehen.  Seneca  nennt  als  Erfinder  äi^s  Verfahrens  Demokrit. 
Vermutlich  ist  alles  Fabel,  wie  der  entsprechende  antike  Glaube,  der 
Diamant  lasse  sich  durch  Bocksblut  erweichen,  und  die  gleichfalls 
Demokrit  zugeschriebene  Kunst  der  Färbung  der  Edelsteine. 

—     11      — 


2  Y.  Chr, 

432  Der  Athener  MttM  sclüägt  für  die  Zeitberechnongen  den  nach  ihm  be- 
nannten ZykluB  von  19  Mondjahren  (Enneadekaeteris)  vor,  der  12  gemeine 
Jahre  zu  12  Monaten  und  7  Schaltjahre  zu  13  Monaten  umfaßt,  8o  daß 
im  Mittel  ein  Jahr  =  365,263  Tage  ist  (b.  640  v.  Chr.  EleostratoB). 

430  Hlppokrattt  von  Chios  gibt  die  nach  ihm  benannte  Konstruktion  der 
„Lunulae  Hippokratis"  an,  durch  die  er,  freilich  irrtümlich,  das  Problem 
der  Quadratur  dcB  Kreises  für  gelöst  ansieht.  Er  führt  das  delische  Problem 
der  Würfel  Verdoppelung  auf  die  planimetrische  Forderung  zurück:  zwischen 
zwei  gegebenen  Strecken  zwei  mittlere  Proportionale  einzuschalten.  Er 
schreibt  das  erste  griechische  Lehrbuch  über  die  Elemente  der  Mathematik. 

—  Der  Bildhauer  Kalllmachtt  soll  nach  Plinius  den  Marmorbohrer  erfunden 
haben. 

—  Nach  dem  Berichte  des  Pausanias  (^EXXddog  negirjyiiatc)  bringt  der  Bildhauer 
Kalllmaehoi  an  dem  Standbilde  der  Athene  auf  der  Akropolis  von  Athen 
eine  goldene,  mit  öl  gespeiste  Laterne  an,  deren  Docht  aus  un verbrenn- 
lichem  karpasischem  Steinflachs,  das  ist  Asbest,  hergestellt  war.  (Vgl. 
auch  77  Plinius,  welcher  den  Asbest  gleichfalls  für  eine  Pflanze  hält.) 

424  Der  griechische  Geschichtsschreiber  ThukytfItfM  berichtet  (IV,  100),  daß  sich 
im  Jahre  424  v.  Chr.  die  Böotier  vor  Delion  des  Feuers  als  Angriffs- 
mittel in  folgender  Weise  bedienten:  Am  vorderen  Ende  eines  durch 
eiserne  Keifen  zusammengehaltenen  Holzrohrs  war  ein  Gefäß  mit  brennen- 
dem Pech  und  Schwefel  angebracht,  am  hinteren  Ende  arbeiteten  große 
Blasebälge,  deren  Luftstrom  das  Feuer  als  starke  Stichflamme  gegen  das 
Angriffsziel  trieb.  —  Übrigens  reicht  die  Kenntnis  derartiger  Feuerwerks- 
künste im  Altertum,  namentlich  bei  den  Chinesen,  noch  viel  weiter  zurück. 
Doch  ist  die  oft  versuchte  Deutung  als  „Pulvergeschütze"  eine  irrige. 

423  Der  Lustsxrieldichter  Arfttophams  von  Athen  erwähnt  in  seiner  Komödie 
„NetpiXai**  (2.  Akt)  das  Brennglas  (Brennkrystall)  und  seine  Verwendbarkeit 
zum  Feueranzünden.  Doch  geht  aus  dem  Zusammenhange  hervor,  daß 
es  sich  dabei  nicht  um  eine  damals  allgemein  bekannte  Tatsache  handelte. 

420  Demokritot  von  Abdera  pflichtet  der  Lehre  des  Empedokle«  (s.  450  v.  Chr.) 
von  der  ünzerstörbarkeit  der  Materie  bei  und  erklärt,  alle  Veränderung 
sei  nur  Verbindung  oder  Trennung  der  unteilbaren  Elemente  der  Materie, 
der  Atome,  die  nur  der  Gestalt  und  Größe,  nicht  aber  dem  Stoff  nach 
verschieden  seien. 

—  DtmokrltfM  wird  der  Überlieferung  nach  als  Erfinder  des  G^wölbebaus  be- 
zeichnet. Tatsächlich  zeigt  der  altgriechische  Mauerbau  vor  Demokritos 
keine  Gewölbe,  und  es  wurden  die  Maueröffnungen  lediglich  durch  über- 
kragen der  einzelnen  Steinschichten  geschlossen.  Doch  muß  neueren 
Forschungen  zufolge  die  erste  Anwendung  der  Gewölbe  den  Etruskem 
zugeschrieben  werden,  und  auch  die  altbabylonischen  Bauwerke  enthalten 
Gewölbe. 

—  Hippitt  von  Elis  findet  die  erste,  von  der  Kreislinie  verschiedene,  nach 
Entstehung  und  Eigenschaften  mathematisch  genau  bestimmte  krumme 
Linie.  Dieselbe  wird  später  von  Dinostratos  zur  Quadratur  des  Kreises 
verwendet,  und  erhält  daher  den  Namen  Quadratrix. 

—  Hlppokrattt  von  Kos  begründet  die  wissenschaftliche  Heilkunde.  Er  ht 
der  hervorragendste  Arzt  der  koischen  Schule  und  überragt  an  Schärfe 
der  Beobachtimg  alle  Ärzte  des  Altertums;  auch  ist  er  ein  ausgezeichnetf^r 
Chirurg.  Die  wichtigsten  und  in  ihrer  Echtheit  am  besten  verbürgten 
seiner  Schriften  sind:  die  Aphorismen  über  Prognose  und  Therapie;  die 
Abhandlung  über  Klima,  Wasser  und  Boden  beschaffen  hei  t  und  deren  Ein- 
fluß auf  die  Bewohnerschaft;  ein  Leitfaden  der  medizinischen  Geographie; 
die  Bücher  über  Epidemien,  über  Diät  und  über  Kopfwunden. 

—     12     — 


400  T.  Chr. 

420  HIppoknrttt  von  Kos  schreibt  die  erste  Abhandlung  über  die  Trepanation, 
die  übrigens  schon  in  der  ältesten  Steinzeit  geübt  wurde,  und  gibt  genaue 
Grundsätze  für  die  Ausführung  dieser  Operation,  die  zum  Teil  heute  noch 
zutreffend  sind. 

—  HIpp^kratM  von  Kos  kennt  das  auch  schon  von  den  alten  Ägyptern  in 
der  Malerei  verwendete  Gummi  arabicum  (ägypt.  Kami,  griech.  Kommi), 
imd  benutzt  es  als  Heilmittel.  Auch  Herodot  erwähnt  das  Gummi 
arabicum  als  einen  Bestandteil  der  Schreibflüssigkeit  (Tinte). 

—  PhlMaot,  ein  Pythagoraeer  aus  Kroton,  stellt  ein  Weltsystem  von 
10  Körpern  auf:  Fixstemsphäre,  Sonne,  Mond,  5  Planeten,  Erde,  Gegen- 
erde. Der  ruhende  Mittelpunkt  dieses  beständig  kreisenden  Systems  ist 
das  Zentralfeuer.  Die  Reihenfolge  der  Elemente  ist:  Äther,  Feuer,  Luft, 
Wasser,  Erde. 

410  Der  Pythagoraeer  TiMOdorot  von  Kyrene  weist  darauf  hin,  daß  die  Quadrat- 
wurzeln aus  den  Zahlen  3,  5,  7,  11  usw.  durch  keinen  Zahlenwert  genau 
angebbar  {„SiXoyov**,  nicht  aussprechbar)  seien,  womit  zuerst  der  BegrifF  des 
„IrrationiJen"  in  der  Mathematik  auftritt.  Doch  hat  möglicherweise 
schon  Pythagoras  selbst  diesen  Begriff  gekannt.    (S.  532  v.  Chr.  Pythagoras.) 

400  Die  Pythagoraeer  Hlkttai  und  EkphaiitM  aus  Syrakus  lehren  die  Achsen- 
drehung der  Erde,  Ekphantos  unter  Annahme  einer  Drehung  von  West 
nach  Ost.     (Vgl.  Heraklides  Pontikos  360  v.  Chr.) 

—  HlfipokralM  von  Kos  lehrt  die  Blutstillung  durch  Kompression  und  durch 
styptische  Mittel,  wie  Alaun,  Myrrhe  usw.  Er  unterscheidet  in  bezug  auf 
die  Wundheüung  die  Vereinigung  der  Wunden  durch  einfache  Verklebung 
von  jener,  welche  sich  durch  eine  neu  entstehende  Zwischen  Substanz  er- 
gibt. Gregen  Verbrennungen  empfiehlt  er  teils  zusammenziehende,  teils 
erweichende  Mittel.  Er  ist  Erfinder  des  wissenschaftlichen  Heilverbandes, 
und  empfiehlt  einen  Schienenverband,  der  locker  befestigt  ist,  damit  das 
Glied  nihen  kann,  ohne  gedrückt  zu  werden. 

—  HIppokratM  von  Kos  hat  betreffs  der  Affektionen  der  Haut  die  Auffassung, 
daB  dieselben  nur  Ablagerungen  von  Krankheitsprodukten  auf  der  äußeren 
Oberfläche  seien,  die  ihren  eigentlichen  Urspnmg  inneren  Zuständen,  einer 
krankhaften  Veränderung  der  Säfte  verdankten.  Er  kennt  die  Krank- 
heitserscheinungen der  Skrofulöse  und  insbesondere  auch  die  Tumoren  der 
skrofulösen  Drüsen. 

—  Hlppokratat  von  Kos  kennt  die  angeborenen  Luxationen  und  rechnet  die 
Klumpfüße  zu  ihnen.  Er  bewirkt  die  Geraderichtung  mit  den  Händen 
und  befestigt  den  Fuß  in  der  erhaltenen  Stellung  durch  einen  erhärtenden 
Verband.  Die  Rückgratsverkrümmimgen  benennt  er  als  Kyphosis,  Lordosis 
und  SkoUosis.  Er  ist  ein  eifriger  Anhänger  der  Massage  und  macht  An- 
gaben darüber,  wo  und  wie  man  sich  des  Reibens  bedienen  müsse. 

—  HippokratM  von  Kos  und  seine  Schüler,  insbesondere  Thessalos  und  Drako, 
kennen  die  Behandlung  des  Nasenpolypen  sowohl  durch  Ausbrennen  als 
auch  durch  Abbinden,  und  seine  weitere  Behandlung  mit  Ätzmitteln. 

—  HippokratM  von  Kos  kennt  bereits  die  vielerlei  Störungen  der  Funktionen 
des  Gresamtorgamsmus  durch  Zahn-  und  Zahnfleischleiden.  Um  seine 
Zeit  kennt  man  auch  bereits  die  Befestigung  der  Zähne  mit  Golddraht, 
wie  beispielsweise  auch  das  römische  Zwölftafelgesetz  (449  v.  Chr.)  eine 
Bestimmung  enthält,  die  das  Begraben  mit  goldenen  Gegenständen  ver- 
bietet, das  Gold  in  den  Zähnen  aber  ausdrücklich  von  dieser  Bestimmung 
ausnimmt. 

—  HIppokrattt  von  Kos  beschreibt  den  äußern  Gehörgang  und  das  Trommel- 
fell, kennt  die  akute  und  chronische  Mittelohreitenmg,  ihre  Kompli- 
kationen  und    Gefahren   tmd  spricht  von  den  häufig  vorkommenden  Ver- 

—     13     — 


400  T,  Chr. 

letzungen  der  Ohrmuschel  und  von  der  Knorpelfraktur,  für  deren  Behand- 
lung er  Vorschriften  gibt. 
400    KtesiM   von  Knidos  liefert   eine   geographische  Beschreibung  Indiens,    be- 
sonders seiner  Tier-  und  Pflanzenwelt. 

—  KtMlas  erwähnt  zuerst  das  Vorkommen  von  Erdgas  in  Karamanien.  Dies 
Gas  lieferte  seinerzeit  den  Feueranbetern  die  ewigen  Feuer  und  wurde 
schon  früh  als  Heizmaterial  für  den  Hausgebrauch  angewendet. 

«—  Der  chinesische  Schriftsteller  Ltlh-tM  erwähnt  in  seinen  Schriften,  daß 
Stahl  entstehe,  wenn  Schmiedeeisen  in  flüssiges  Gußeisen  eingetaucht 
werde.     (S.  a.  1722.) 

398  TImothtM  führt  die  elfsaitige  Harfe  in  Griechenland  ein.  (S.  3000 
V.  Chr.) 

390  Arehytas  von  Tarent  behandelt  die  Mechanik  mathematisch.  Er  unter- 
scheidet arithmetische,  geometrische  und  harmonische  Proportionen  und 
löst  das  delische  Problem  durch  die  Methode  der  Halbzylinder.  Er  stellt 
das  erste  System  der  Akustik  auf,  wobei  er  auf  die  Abhängigkeit  der 
Tonhöhe  von  der  Schwingungszahl  hinweist,  und  erklärt  die  ungleiche 
Bewegung  der  Gestirne  aus  dem  Widerstände  der  Luft.  Arehytas  wird 
von  Aulus  Gellius  als  Erfinder  des  Drachens  (von  G^Uius  „fliegende 
Taube"  genannt)  bezeichnet. 

—  Wie  Plutarch  (in  „Vita  Camilli")  berichtet,  entsendet  der  römische  Heer- 
führer Marcus  Furius  Camlllut  den  Pontius  Cominius  als  Kundschafter  auf 
das  von  den  Galliem  belagerte  römische  Kapitol,  wobei  Cominius  zum 
Durchschwimmen  des  Tiber  Korkstücke  unter  seiner  Kleidung  anbringt. 
Es  ist  dies  die  erste  Erwähnung  einer  Art  von  Kork-Schwimmweste. 

387  Marcus  Furius  Camlllut  führt  statt  des  bisher  üblichen  ledernen  oder 
ehernen  Helms  den  eisernen  ein. 

—  Plato  findet  die  analytische  Methode  der  Geometrie  und  gibt  durch  seine 
Lösung  des  delischen  Problems  der  Würfelverdoppelung  das  erste  Beispiel 
der  Bewegungsgeometrie.     Er  gibt  die  regulären  Polyeder  an. 

—  Plato  unterscheidet  leichtflüssige  imd  schwerflüssige  Fluida  und  teilt  die 
Luft  der  ersteren  Gattung  zu.  Sie  könne  sich  in  Nebel  imd  Wolken  ver- 
wandeln und  man  müsse  annehmen,  daß  die  Elementarteilchen,  aus  denen 
jeder  Grundstoff  bestehe,  bei  einem  solchen  Verwandlungsakt  auseinander- 
fallen und  sich  neu  gruppieren. 

—  Plato  erwähnt  zuerst  den  Diamanten  als  einen  bei  der  Goldscheidung  aus- 
krystallisierenden  Körper  von  großer  Festigkeit. 

381  Eiidoxtt  von  Knidos  setzt  an  die  Stelle  von  Meton's  neunzehnjährigem 
Zyklus  (s.  432  v.  Chr.)  einen  achtjährigen  Schaltzyklus. 

378  Phlllppot  von  Mende  in  Ägypten,  ein  Schüler  Piatos,  soll  den  Satz  ge- 
funden haben,  daß  der  Außenwinkel  eines  Dreiecks  gleich  ist  der  Summe 
der  beiden  gegenüberliegenden  Dreieckswinkel. 

370  Dlokltt  von  Karystos,  „der  zweite  Hippokrates",  verfaßt  ein  medizinisches 
Kräuterbuch  (vgl.  2700  v.  Chr.),  schreibt  eine  berühmte  Diätetik  und 
fördert  auf  Gnmd  von  Tiersektionen  die  Kenntnis  der  Embryologie.  Nach 
Empedokles  sind  die  vier  Elemente  des  Körpers  und  die  davon  abge- 
leiteten Gegensätze  Kalt  —  Warm  Ursache  der  Krankheiten.  Diesen 
vier  Elementen  entsprechen  bei  Diokles  vier  Säfte:  Blut,  Schleim,  gelbe 
und  schwarze  Galle  (Humoralpathologie). 

—  Xonopfion  von  Athen   gibt  in  seiner  Schrift  „Von  der  Keitkunst*'  an,  daß 
man  das  Alter  der  Pferde  an  ihren  Zähnen  erkennen    kann. 

368  Eiidoxoo  von  Knidos  gibt  mit  seinem  System  der  27  homozentrischen 
(d.  h.  konzentrischen)  Sphären  eine  geistreiche  Erklärung  der  Bewegung 
der  Himmelskörper.    Seine  Lehre,  durch  Kalippos  von  Kyzikos  —  33  himm- 

—      14     — 


880  Y.  Chr. 

tische  Hohlkugelsphären  —  und  Aristoteles  —  47  Sphären  —  weiter  aus- 
gebildet, ist  in  dem  astronomischen  Gedichte  des  Aratos:  ,,0aiv6/Aera  xai 
öioorifAsia**  niedergelegt.    (Erhalten  in  einem  Kommentar  des  Hipparchos.) 

368  Eatfoxot  von  Knidos  bildet  die  Lehre  von  den  Proportionen  Wissenschaft- 
Hch  aus,  begründet  die  Ähntichkeitslehre,  wendet  zur  Erklärung  der 
Planetenbewegungen  die  Hippopede  (Pferdefessel),  eine  sphärische  Lemnis- 
kate  an  und  gibt  der  Exhaustionsmethode  ihre  wissenschafttiche  Vollendung. 
Er  schreibt  das  älteste  Lehrbuch  der  Stereometrie. 

360  Der  griechische  Mititärschriftsteller  Atntai  der  Taktiker  gibt  in  seinem 
Werke  über  Städtebelagerung  eine  Geheimschrift  an,  bei  welcher  ein 
mehrfach  durchlochtes  Brett  verwendet  wird,  dessen  Löcher  —  nach  Ver- 
abredung —  die  Bedeutung  der  einzelnen  Buchstaben  des  Alphabets 
haben.  Durch  die  Löcher  wird  in  der  Reihenfolge  der  zu  übermittelnden 
Buchstaben  ein  Faden  gezogen.  (S.  AIvbIov  noktoQxrixixov  v7t6iAvrifia.  XXXI.) 
—  Vgl.  auch  den  in  Sparta  zu  Lysanders  Zeit  gebräuchUchen,  von  Plutarch 
(Lysandros  19)  erwähnten  G^heimbriefetab  (Skytale). 
~-  AmiM  der  Taktiker  beschreibt  einen  Brandsatz  aus  Pech,  Schwefel,  Werg, 
Weihrauch  und  Kienspänen,  der  in  Feuertöpfen  als  Wurfgeschoß  zur 
Verwendung  kommt.  Auch  schildert  er  mörserkeulenartige  Brandwerk- 
zeuge, die  auf  die  Sttirmdächer  der  Belagerer  geworfen  werden. 

—  AmiM  der  Taktiker  stellt  einen  optisch-hydraulischen  Telegraphen  her, 
indem  er  an  den  beiden  zu  verbindenden  Stationen  gleichgroße,  mit 
Ablaßhähnen  versehene  |Wassergefäße  aufstellt.  Mit  einer  Fackel  wird 
das  Zeichen  zum  öffnen  und  Wiederschließen  der  Hähne  gegeben,  und 
dabei  der  Wasserspiegel  bis  zu  bestimmten  Marken  gesenkt,  welche  ge- 
wisse, vorher  vereinbarte  Nachrichten  bedeuten.  (S.  den  beiPolybiosX,44 
enthaltenen  Auszug  ausAeneas  verlorenem  Werke  „Von  der  Belagerungs- 
kunst"  und  1796  Bramah.) 

352  Die  Architekten  Satyrot  und  Pyttils  verwenden  bei  dem  Grabmal  des 
Königs  Mausolos  in  Halikamassos  Marmorplatten,  die  augenscheinlich  mit 
einem  sägeartigen  Werkzeug  geschnitten  sind.  Plinius  bemerkt  dazu,  daß 
es  sich  hierbei  um  Steinsägen  gehandelt  habe,  welche  durch  Schleifen  mit 
scharfem  Sande  ihre  Wirkung  ausübten,  so  daß  demnach  hier  die  Urform 
der  noch  jetzt  in  Gebrauch  befindlichen  „Schwertsägen**  vorläge. 

350  Ariftoxtnot  von  Tarent  wird  mit  seiner  Schrift  „Elemente  der  Harmonie** 
epochemachend  für  die  wissenschaftliche  Behandlung  der  Musik,  indem  er 
die  bis  dahin  allgemein  angenommene,  auf  bloße  Zahlen  Verhältnisse  ge- 
gründete Theorie  der  Pythagoraeer  verläßt  und  die  Gehörsempfindungeu 
geltend  zu  machen  sucht. 

—  HtraUltfn  Pontikos  hält  ein  heliozentrisches  Planetensystem  für  möglich, 
in  welchem  Merkur  imd  Venus  die  Sonne  umkreisen.  (Vgl.  auch  Tycho 
Brahe.)    Seine  Lichttheorie  ist  der  erste  Keim  der  Undulationstheorie. 

—  Der  griechische  Maler  Piutlas  von  Sikyon  bildet  die  schon  von  seinem 
Lehrer  Pamphilos  geübte  Wachsmalerei,  und  zwar  in  ihrer  Abart  als 
Enkaustik,  in  hervorragender  Weise  aus,  indem  er  farbiges  Wachs  mit 
Hilfe  glühender  Stifte  auf  hölzerne  Tafeln  oder  gebrannte  Tonplatten 
aufträgt.    (S.  Plinius  „Historia  naturalis.**  Lib.  XXXV.  —  Vgl.  auch  1887  P.) 

340  MtMtClmiM  wird  bei  dem  Versuch,  den  Würfel  zu  verdoppeln,  d.  h.  das 
delische  Problem  zu  lösen,  auf  die  Kegelschnitte  geführt. 

335  Praxaforai  von  Kos  kennt  bereits  die  Brucheinklemmung  (Ileus)  und  empfiehlt 
dabei  die  Laparotomie  und  Enterotomie. 

330  ArMa§M  behandelt  zuerst  zusammenfassend  die  Elemente  der  Kegel- 
schnitte.    (Vgl.  340  V.  Chr.  Menaechmos.) 

—     15     — 


880  T.  Chr. 

330  ArlttotelM  von  Stagira,  der  bedeutendste  Naturforscher  des  alten  Griechen- 
lands, legt  die  Ergebnisse  seiner  Forschungen  in  zahlreichen  Schriften 
(Auscultatio  physica;  De  generatione  et  corruptione;  De  coelo;  Meteoro- 
logica;  De  anima;  Historia  animalium  u.  a.)  nieder.  £r  schreibt  den 
zuerst  von  Empedokles  angenommenen  vier  Elementen  die  folgenden 
Qualitäten  zu:  Feuer  trocken  und  warm,  Luft  warm  und  feucht,  Wasser 
feucht  und  kalt,  Erde  kalt  und  trocken.  Er  stellt  die  Lehre  von  der 
Wandelbarkeit  der  Elemente  ineinander  durch  zunehmendes  Vorwalten 
der  zweien  von  ihnen  gemeinsamen  Eigenschaft  —  Wasser  feucht  und 
kalt  in  Luft  feucht  und  warm  —  auf. 

—  ArittottiM  nimmt  nach  dem  Vorgang  des  Philolaos  die  Existenz  eines  Welt- 
äthers (Quinta  essentia)  an.  Er  führt  zum  ersten  Male  als  Beweis  für 
die  Kugelgestalt  der  Erde  den  Umstand  an,  daß  bei  Mondfinsternissen 
der  Schatten  der  Erde  immer  kreisförmig  ist,  da  der  einzige  Körper,  der 
in  allen  Lagen  einen  kreisförmigen  Schatten  wirft,  die  Kugel  sei. 

—  ArlstottiM  veranschaulicht  in  seinen  „Mrjxavixa  ngofiXi^/naxa**  seine  Beweise 
durch  Zeichnungen  und  verwendet  zu  kurzer  Bezeichnung  von  mathe- 
matischen Größen  gelegentlich  auch  Buchstaben. 

—  Arbtotolts  stellt  zuerst  die  später  nach  Mariotte  benannte  Hypothese  auf, 
daß  alle  Wasser  in  der  Erde  meteorischen  Ursprungs  seien,  daß  ohne 
Regen  die  Erde  völlig  trocken  sein  würde  und  daß  das  Wasser  einen 
unaufhörlichen  Kreislauf  ausführe.  Er  erwähnt,  daß  destilliertes  Meer- 
wasser (ebenso  Wein  u.  dgl.)  nur  reines  Wasser  als  Niederschlag  ergebe. 
Er  kennt  die  Natur  des  Taus  und  des  Nordlichts  und  die  Temperatur- 
abnahme in  der  Höhe. 

—  Arlstottlet  lehrt,  daß  die  Luft  den  Schall  vermittelnd  in  das  Ohr  leitet 
und  daß  der  Schall  bei  Nacht  besser  als  bei  Tage  und  im  Winter  besser 
als  im  Sommer  gehört  wird.  Er  weiß,  daß  freifallende  Körper  mit  be- 
schleunigter Geschwindigkeit  fallen,  und  spricht  von  der  Erwärmung  der 
Pfeilgeschosse  durch  die  Reibung  der  Luft. 

—  Arittotelti  erklärt  die  Empfindung  des  Sehens  als  eine  Erschütterung,  eine 
Bewegung  des  Mittels  zwischen  dem  Gesicht  imd  dem  gesehenen  Gegen - 
Stande.  Der  „Versuch  des  Aristoteles"  zeigt  eine  Täuschung  des  Tast- 
sinns: Wenn  eine  kleine  Kugel  mit  zwei  gekreuzten  Fingern  betastet  wird, 
so  hat  man  das  Gefühl  von  zwei  Kugeln. 

—  Arlstoteltt  macht  sich  zuerst  eine  wissenschaftliche  Vorstellung  über  den 
Schmelzvorgang  und  kennt  die  Verschiedenheit  der  Schmelzpunkte  einzel- 
ner Metalle.  Er  erwähnt  das  Verfahren,  Eisen  aus  den  Erzen  durch  mehr- 
mals wiederholte  Schmelzung  reiner  darzustellen  und  zuletzt  in  Stahl  zu 
verwandeln.  Er  erwähnt  ferner  zuerst  das  Quecksilber  (ausgießbares 
Süber). 

—  Arlttottitt  begründet  durch  seine  Tierkunde  die  Zoologie  und  bringt  die  ihm 
bekannten  etwa  500  Tierformen  in  ein  wissenschaftliches  System,  indem 
er  Bluttiere  und  Blutlose  unterscheidet,  welche  Gruppen  sich  ungefähr 
mit  unseren  heutigen  Wirbeltieren  und  Wirbellosen  decken.  Er  stellt  Ver- 
gleiche des  Baues  des  tierischen  und  menschlichen  Körpers  an,  beschreibt 
den  letzteren  wahr  und  naturgemäß  und  macht  treffende  Angaben  über 
das  Vorkommen  von  Mißbildungen  bei  Menschen  und  Tieren.  Er  kennt 
die  wahren  Nerven,  nicht  aber  deren  Zusammenhang  mit  dem  Gehirn, 
weiß  jedoch,  daß  das  menschliche  Gehirn  größer  als  das  aller  Tiere  ist. 
Er  macht  die  ersten  Wahrnehmungen  über  die  Entstehung  des  Küchleins 
aus  dem  Ei. 

—  ArbtotelM  beobachtet  viele  Tierkrankheiten  und  beschreibt  ausführlich 
deren  Erscheinungen.     Er   kennt   die  Ruhr  und  die  Finne  der  Schweine, 

—      IG     — 


820  ▼.  Chr, 

die  Wut-  und  andere  Krankheiten  der  Hunde,  den  Starrkrampf,  den  Rotz 
und  die  Rehe  der  Pferde,  die  Trommelsucht  der  Elephanten  und  vieles 
andere.  Aristoteles  gilt  als  Begründer  der  Zootomie. 
330  Arlstotttot  erwähnt  zuerst  die  koischen  Gewänder,  das  sind  fast  durch- 
sichtige Seidenstoffe,  die  Pamphile  auf  Kos  aus  den  Kokons  der  dort 
vorkommenden  wilden  Seidenraupe  zu  bereiten  wußte. 

—  DIatfMt  Ingenieur  unter  Alexander  dem  Großen,  erfindet  die  zusammen- 
legbaren Belagerungstürme  (Helepolen),  die  Sturmbrücken  und  |den 
Mauerbrecher  (Kranich).  Den  schon  früher  bekannten  Sturmbock  stellt 
er  auf  Räder. 

—  Der  Bildhauer  Lyslstratos  von  Sikyon  ist  der  erste,  der,  anstatt  frei  zu 
modellieren,  von  dem  Gesicht  der  abzubildenden  Person  einen  Wachs - 
abguß  nimmt.  Nach  der  Angabe  des  Plinius  soll  er  auch  zuerst  Gips- 
abgüsse der  menschlichen  Formen  genommen  haben. 

—  Praxacorai  entdeckt  den  Unterschied  zwischen  Venen  imd  Arterien  und  stellt 
fest,  daß  die  letzteren  allein  die  Eigenschaft  haben,  zu  pulsieren. 

327  Auf  dem  Zuge  Altxandart  tfti  Qroten  nach  Indien  werden  von  einem  ihn 
begleitenden  wissenschaftlichen  Stabe  planmäßige  Beobachtungen  über 
fremde  Tiere  und  Pflanzen  (z.  B.  Banane,  Reis,  Mangrove,  Euphorbie) 
angestellt.  Diese  Forschungen  werden  von  Aristoteles  und  Theophrastos 
verwertet. 

—  itoarehat,  Flottenführer  Alexanders  des  Großen,  fährt  vom  Indus  aus  durch 
das  Erythraeische  Meer  in  den  Persischen  Meerbusen  und  entdeckt  die 
Mündungen  des  Euphrat  und  Tigris. 

320  DIkaMyrdiM  von  Messen e  scheint  bereits  einen  Quadranten  mit  Dioptern 
besessen  zu  haben,  wie  aus  der  Angabe  des  Eratosthenes  hervorgeht,  der 
sagt,  daß  Dikaearchos  mit  dioptrischen  Meßinstrumenten  Höhenwinkel 
von  Berggipfeln  gemessen  habe. 

—  Dlkatarchot  entwirft  eine  Karte  der  durch  die  Feldzüge  Alexanders  des 
Großen  bekannt  gewordenen  Ländergebiete. 

—  Ettdamot  von  Rhodos  schreibt  die  erste  Geschichte  der  Geometrie,  Arith- 
metik und  Astronomie,  die  wichtigste  mathematische  Geschichtsquelle  für 
die  Zeit  vor  Euklid. 

—  Pythtii  von  Massilia  (Marseille)  fährt  von  Gades  nach  der  Bretagne,  die 
er  zuerst  sieht,  von  da  nach  den  Scillyinseln  und  Britannien  durch  den 
St.  Georgskanal  bis  an  die  Spitze  Schottlands  und  bis  zu  den  Shetlands- 
inseln,  wo  er  Nachrichten  von  einer  Insel  Thule  am  Polarkreis  erhält. 
Er  mißt  die  Schiefe  der  Ekliptik  (24^)  und  die  geographische  Breite 
seiner  Vaterstadt,  und  bestimmt  den  Nordpol  (genauer  als  Eudoxos,  der 
den  Polarstem  dafür  angenommen  hatte)  als  sternlosen  Punkt  des 
Himmels.  Er  beschreibt  die  kurzen  Sommernächte  der  Polargegenden 
und  das  Nordlicht  und  «erkennt  den  Zusammenhang  der  Gezeiten  mit 
dem  Monde. 

—  Theophrattot  von  Eresos  faßt  in  seiner  kanonisch  gewordenen  Doxographie 
(Greschichte  der  Physiker  von  Thaies  bis  Plato)  die  Entwicklung  der 
griechischen  Physik  bis  auf  seine  Zeit  historisch-kritisch  zusammen. 

—  ThMphraitot  legt  einen  Pflanzengarten  an  imd  liefert  in  seinen  Werken 
über  die  Geschichte  der  Pflanzen  und  deren  Aetiologie  eingehende  Be- 
arbeitungen der  zu  seiner  Zeit  bekannten  Gewächse  unter  Berücksichtigung 
ihrer  Morphologie  und  Biologie.  Von  ihm  datieren  die  Anfänge  der 
Pflanzengeographie. 

—  ThMfriiraitos  erwähnt  zuerst  unter  dem  Namen  Kixcjqtj  die  Zichorie  (vgl. 
1763  Heine).  Er  kennt  die  Tollkirsche  unter  dem  Namen  Mavögayogas, 
wie   durch  Fraas*  Untersuchungen   endgültig   entschieden  ist.    (Die  jetzt 

Darmstaedter.  2 

—     17     — 


820  Y.  Chr. 

gebräuchliche  Bezeichnung  Belladonna  rührt  von  Matthiolus  her).  Auch 
kennt  er  den  Eibisch  unter  dem  Namen  *lßioxog;  (den  Namen  Althaea 
erhält  er  durch  Dioskorides).  Er  beschreibt  femer  den  Pfirsichbaum»  die 
Pflaume,  die  Pistazie,  den  Portulak,  das  Süßholz,  den  Traganthstrauch, 
den  Meerrettig,  die  Melone  imd  den  Spargel,  der  zu  seiner  Zeit  sowohl 
als  Gemüse  als  auch  als  Arzneimittel  verwandt  wird. 
320  Theophrastot  erwähnt,  daß  Quecksilber  durch  Zerreiben  von  Zinnober  mit 
Essig  in  kupfernen  Gefäßen  gewonnen  werde.  Er  kennt  das  Verzinnen 
des  Eisens  und  beschreibt  in  seiner  Abhandlung  „77ept  rcov  Xi^ojv**  die  Be- 
reitung des  Bleiweißos.  Er  hat  zuerst  sichere  Kenntnis  von  der  Existenz 
mineralischer  Kohle,  unter  der  nach  der  ganzen  Fassung  der  Beschreibung 
Braunkohle  zu  verstehen  ist. 

—  Theophrastos  behauptet  das  Vorkommen  von  (fossilem)  Bernstein  an  der 
ligurischen  Küste.  Er  beschreibt  das  natürliche  Feuerzeug  (Drehung  von 
hartem  Holze  auf  weichem),  das  der  Hymnus  auf  Merktir  als  dessen  Er- 
findung bezeichnet.  Er  erwähnt  das  in  Makedonien  übliche  primitive 
Teerschwelen. 

—  Theophrastol  bezeichnet  es  als  eine  wunderbare  Tatsache,  daß  man  in  der 
afrikanischen  Wüste  Tiefbrunnen  600  Fuß  tief  erbohrt  hat,  deren  Wasser 
durch  ein  Gopelwerk  in  die  Höhe  befördert  wird. 

—  Nach  der  Angabe  des  Theophraitos  war  zu  seiner  Zeit  das  Gerben  des 
Leders  mit  der  Rinde  der  Aleppo-Kiefer  in  Griechenland  schon  in  Ge- 
brauch. Das  unter  dem  Namen  „Cuir  d* Alger"  in  den  Handel  kommende 
französische  Leder  wird  noch  heutigentags  in  ganz  gleicher  Weise  her- 
gestellt. 

—  Theophrwtot  erwähnt  den  Zimmet,  und  zwar  in  zwei  Arten:  Cinnamomum 
und  Cassia.  Doch  ist  dieses  Gewürz  schon  in  den  frühesten  Zeiten 
bekannt  gewesen  und  wird  bereits  in  einem  chinesischen  Kräuterbuche 
V.  J.  2700  V.  Chr.  aufgeführt. 

312  Der  Zensor  Applut  Clautflus  erbaut  die  erste  wirkliche  Kunststraße  der 
Römer,  die  Via  Appia,  die  Rom  mit  Capua  verbindet.  Später  wird  die 
Straße  über  Beneventum  und  Tarentum  bis  Brundisium  verlängert.  Sie 
ist  nach  ihrer  Vollendung  540  km  lang  bei  einer  Breite  von  8  m.  Die 
Grundlage  bestand  aus  grobem,  festgestoßenem  Kies  und  kleinen  Feld- 
steinen, die  mit  glatten  Quadersteinen  belegt  waren. 
-»  Während  die  Juden  ihrer  Zeitrechnung  ursprünglich  keine  bestimmte 
Aera  zugrunde  legten  ( —  ihre  Chronologie  ist  vielfach  ganz  mit  der  Genea- 
logie verschmolzen  — ),  und  in  der  Folgezeit  verschiedene  Acren,  wie  die 
babylonische  u.  a.,  einander  ablösen,  wird  später  von  dem  größten  Teile 
der  Juden  die  Aera  der  Seleukiden  angenommen,  die  mit  dem  Siege  des 
MaukM  NIkstor  bei  Gaza,  312  v.  Chr.,  beginnt.  Diese  Zeitrechnung  faßt 
allmählich  so  festen  Fuß,  daß  sie  auch  durch  die  mit  der  Befreiung 
Jerusalems  beginnende  Aera  der  Hasmonäer  nicht  völlig  verdrängt  wird. 
(Vgl.  jedoch  359  Hillel  Hanassi). 

310  Autolykos  aus  Pitane  in  Klein-Asien  schreibt  die  älteste  Sphärik,  ein  astro- 
nomisch-geometrisches Lehrbuch  zur  mathematischen  Erläuterung  der 
scheinbaren  Bewegung  der  Himmelskugel. 

305  Applut  daudlus  baut  die  erste  Wasserleitung  Roms,  die  Aqua  Appia.  Die- 
selbe beginnt  an  der  Via  Praenestina,  wird  von  da  fast  vier  Stunden 
unterirdisch  geführt,  tritt  bei  der  Porta  Capena  in  die  Stadt  und  gießt 
im  Campus  Martins  ihr  Wasser  aus.  Ihre  Kanäle  sind  durchweg  sowohl 
über  als  unter  der  Erde  wasserdicht  gemauert,  und  über  der  Erde  auf 
Unterbauten  von  Hausteinen  oder  Ziegeln  gebaut  und  mit  Gewölben  über- 

—     18     — 


800  V,  Chr. 

spannt.    Ähnliche  Bauten  sind  die  290  v.  Chr.  erbaute  Wasserleitung  des 
M.  Curius  Dentatus,  die  des  M.  Agrippa,  Augustus  u.  a. 

305  EpiknrM  knüpft  an  die  Atomlehre  des  Demokritos  (s.  420  v.  Chr.)  an  und 
lehrt,  daß  alle  Dinge  und  Erscheinungen  in  der  Natur  zufällige  Aggregate 
von  Atomen  sind,  durch  deren  verschiedene  Beschaffenheit  imd  Verbin- 
dung die  Verschiedenheit  der  Körper  bedingt  wird.  Die  Körper  sind  der 
Wiederauflösung  ihrer  Atome  unterworfen. 

304  Der  athenische  Kriegsbaumeister  Eplmachot  baut  zur  Belagerung  von 
Rhodos  im  Auftrage  des  Königs  Demetrios  Poliorketes  einen  Wandelturm 
von  außerordentlicher  Höhe  (nach  Vitruv  125  Fuß,  nach  Athenaeos,  Diodor 
und  Plutarch  136  Fuß)  und  60—70  Fuß  Breite.  Die  durch  Haarpolste- 
rung imd  Lederüberzug  geschützten  Wände  und  Decken  des  Turmes 
hielten  Steingeschosse  von  3^/,  Zentnern  Gewicht  aus. 

300  Soweit  aus  den  bis  jetzt  aufgefundenen  Keilinschriften -Tontafeln  der 
Babylonitr  ersichtlich  ist,  ist  im  3.  Jahrhundert  v.  Chr.  auf  den  babyloni- 
schen Sternwarten  bereits  ein  regelmäßiger  Beobachtungsdienst  eingerichtet. 
Die  Astronomen  dieser  Zeit  kennen  schon  den  Mond-  und  Sonnenlauf  in 
derselben  Genauigkeit,  wie  ihn  etwa  150  Jahre  später  Hipparchos  (s.  146 
v.  Chr.)  angibt;  sie  berechnen  den  Stand  und  die  Bewegung  von  Sonne 
und  Mond  mit  ziemlicher  Sicherheit  und  bestimmen  sowohl  Mondfinster- 
nisse als  Sonnenfinsternisse  voraus.  Ihre  Beobachtungskunst  ist  bis  zur 
Messung  kleiner  Winkel  vorgeschritten ;  vermutlich  sind  sie  schon  im  Be- 
sitz der  Chordenrechnung  (Vorläuferin  der  Trigonometrie)  gewesen. 
«-  DMMtriot  von  Kaliatis  fertigt  ein  Verzeichnis  sämtlicher  in  Griechenland 
beobachteter  Erdbeben  an,  die  erste  Aufzeichnung  dieser  Art. 

—  ErasMralot  von  Julis  auf  Keos  nähert  sich  der  richtigen  Ansicht  vom  Kreis- 
lauf des  Blutes  und  gibt  eine  gute  SchUdenmg  der  Chylusgefäße.  Die 
Krankheiten  führt  er  auf  Uberfüllung  der  Körperteile  mit  Flüssigkeiten 
zurück,  wodurch  der  Zustand  der  Plethora  hervorgerufen  wird.  Er  er- 
kennt den  Unterschied  des  menschlichen  und  tierischen  Gehirns  (Windungen) 
und  macht  Wägeversuche  mit  Vögeln,  um  durch  den  Abzug  der  Ex- 
kremente von  dem  Nahrungsquantum  die  unsichtbaren  Ausdünstungen 
festzustellen. 

—  Erailttrsloi  soll  sich  zuerst  des  Katheters  zur  künstlichen  Entleerung  der 
Blase  bedient  haben. 

—  EukIM  von  Megara  faßt  die  Lehren  der  früheren  griechischen  Mathe- 
matiker in  dem  klassischen  synthetischen  Lehrgebäude  seiner  ZroixeTa 
(Elemente)  zusammen,  einem  Werke,  das  an  nachhaltiger  Wirkung  von 
keinem  späteren  mathematischen  Lehrbuche  erreicht  worden  ist  imd 
noch  heute  in ;  englischen  Schulen  gebraucht  wird.  Von  besonderer  ge- 
schichtlicher Bedeutung  ist  das  von  Euklid  behandelte  Parallelenaxiom 
geworden,  welches  ausspricht,  daß  sich  zwei  Gerade  auf  derjenigen  Seite 
schneiden,  auf  der  die  Summe  der  beiden  inneren  Anwinkel  kleiner  als 
2  R  ist.  Der  Versuch,  dieses  Axiom  durch  einen  mathematisch  beweis- 
baren Lehrsatz  zu  ersetzen,  hat  u.  a.  zur  Erfindung  der  nichteuklidischen 
Geometrie  geführt.  (S.  1826  Lobatschewsky. )  Die  Schlußformel  der  eukli- 
dischen Beweisfühnmg  „ojrto  iSei  thtodet^ai**  „was  zu  beweisen  war**  wird 
noch  heute  gebraucht. 

—  Der  Chinese  Htn-Jaku  bearbeitet  das  Werk  Nan-kiyo,  das  von  den  schwie- 
rigen Krankheiten  handelt. 

—  Htro|rtillot  von  Chalkedon  verfaßt  eine  durch  ihre  troffende  Nomenklatur  und 
Beschreibung  maßgebend  gewordene  Anatomie  und  erkennt  zuerst  in  den 
Nerven   die   Werkzeuge   der   Empfindung   und   Willenskraft.     Er   macht 

2* 

—     19     — 


800  T.  Chr. 

Sektionen   an   menschlichen  Leichnamen  (vgl.  480  v.  Chr.)  und   gibt  ein 
System  der  Pnlslehre  auf  rhythmischer  Grundlage. 
300    Herophllos  beschreibt  zuerst  die  Netzhaut  des  Auges  {'AfitpißXrjazQoeidi^g),  deren 
Name   von   dem  makroskopischen  Vergleich   der   betreffenden  Haut  mit 
einem  zugezogenen  Fischnetz  herrührt. 

—  Mefatthtnet  verfaßt  einen  Bericht  über  das  von  ihm  im  Auftrage  des  Se- 
leukos  Nikator  besuchte  Indien,  wobei  er  besonders  auf  die  Ethnographie, 
Fauna  und  Flora  des  Landes  eingeht.  Das  Werk  bildet  die  Haupt- 
quelle des  Altertums  für  die  Kenntnis  jene^  Landes. 

—  Meukot  Nikator  beginnt  den  Bau  des  Hafens  von  Seleukia  Pieria,  der  von 
Antiochus,  Diocletian  und  Konstantin  weiter  ausgebaut  wird  und  für 
das  bewunderungswürdigste  Werk  griechischer  Wasserbaukunst  galt.  Die 
Verwendung  der  Gebirgswasser  zur  Spülung  der  Hafenbassins,  der  auf 
der  Ostseite  des  Hafenbeckens  befindliche  Felstunnel  und  die  aus  großen 
Quadern  angeführte  starke  Quaimauer  sind  technische  Schöpfungen 
ersten  Ranges. 

—  Straton  von  Lampsakos,  Schüler  des  Aristoteles,  genannt  der  „Physiker",  be- 
gründet die  Experimentalphysik.  Er  nimmt  als  Grundstoffe  unendlich 
teilbare  Moleküle  an,  die  durch  feinverteilte  Vacua  getrennt  Sind.  Ein 
kontinuierliches  Vakuum  leugnet  er  und  erklärt  die  Erscheinungen  des 
Luftdrucks  aus  dem  Horror  vacui.  Er  stellt  die  Fortpflanzung  des  Lichtes 
durch  andere  Medien  (auch  Metalle)  in  Parallele  zu  der  Übertragung  der 
elektrischen  Entladungen  des  Zitterrochens.  Als  Träger  der  psychischen 
Funktion  betrachtet  er  das  Pneuma. 

290  Arlstyllot  und  Tlmocharlt  bestimmen  aus  den  Zeiten  der  Sonnenuntergänge 
zuerst  die  Zeiten  der  Position  der  Fixsterne  (in  Capella,  Zwillingen,  großem 
Bär).  Die  Arbeiten  sind  bis  auf  wenige  Beobachtungen  (wie  z.  B.  eine 
Sternbede<5kung  durch  den  Mond)  verloren  gegangen;  sie  führten  aber 
später  durch  Hipparch  zur  Entdeckung  des  Vorrückens  der  Nachtgleichen. 

—  Charat  erbaut  den  Koloß  von  Rhodos,  eine  dem  Helios  geweihte  eherne 
Statue  von  32  m  Höhe,  die  in  der  Nähe  des  Hafens  der  Stadt  Rhodos 
errichtet  wird  und  wahrscheinlich  als  Seezeichen  zu  dienen  bestimmt  war. 

281    Arittarchot    von    Samos    stellt    eine    neue   Beobachtung    des    Sommersol- 

stitiums  an. 
280    Der  chaldäische  Astronom  BarotSM,  der  in  Kos  lehrte,  soll  die  hemizyklische 

(hemisphärische t)  Sonnenuhr  erfunden  haben. 

276  Aratot  von  Soloi  in  Kilikien  verfaßt  ein  hochberühmtes  Lehrgedicht  „Phae- 
nomena*',  worin  er  die  Astronomie  populär  behandelt  und  besonders  auf 
die  Sternbilder  und  die  Wetterprognose  eingeht. 

270  ArlstarchM  von  Samos  erfindet  die  Skaphe,  einen  als  Weiser  in  einer  hohlen 
Halbkugel  dargestellten  verbesserten  Gnomon. 

263  Eumenat  I.  von  Pergamon  verbessert  die  Zubereitung  der  Tierhäute  zur 
Herstellung  des  fortan  nach  der  Stadt  Pergamon  genannten  Pergaments. 
Die  Herstellung  von  Pergamentcodices  (in  Buch-,  nicht  Rollenform)  läßt 
sich  erst  in  der  römischen  Kaiaerzeit  nachweisen  amd  verdrängt  die  bis 
dahin  gebräuchlichen  Papyrusrollen  erst  seit  dem  4.  Jahrhundert  n.  Chr. 

260  Arlstarchos  von  Samos  lehrt,  daß  Sonne  und  Fixsterne  unbeweglich  sind, 
daß  sich  die  Erde  in  einer  schief  liegenden  Ebene  um  die  Sonne  bewegt 
und  gleichzeitig  um  ihre  eigene  Achse  dreht.  Er  macht  den  ersten  Ver- 
such, die  Entfernungen  der  Planeten  zu  messen  und  findet,  daß  die  Sonne 
von  uns  19  mal  weiter  als  der  Mond  entfernt  sei,  während  in  Wirklichkeit 
386  an  Stelle  von  19  zu  setzen  ist.  Er  mißt  nach  verbesserter  Methode 
den  Durchmesser  der  Sonne,  des  Mondes  und  der  l^^stemsphären. 

—     20     — 


260  Y.  Chr, 

260  Der  römiaclie  Ädil  Publius  daudlut  Pnkhar  läßt  eine  von  ihm  gebaute 
Straße  mit  Meilensteinen  versehen,  wie  ein  i.  J.  1872  in  den  Pontinischen 
Sümpfen  aufgefundener  altrömischer  Meilenstein  beweist,  der  den  Namen 
des  F.  Claudius  trägt.  Der  Stein  ist  mit  der  Zahl  LIII  (^  53  d.  i.  etwa 
80  km  von  Rom  entfernt)  versehen.  Ob  hier  die  überhaupt  erste  An- 
wendung von  Meilensteinen  vorliegt,  ist  imsicher.  JedenfaJls  ist  jener 
Meilenstein  der  älteste  vorhandene. 

—  Cajus  Duillus  macht  zuerst  die  Erfindung  eines  Baumeisters  der  römischen 
Flotte  praktisch  nutzbar,  durch  welche  man  die  feindlichen  Schifte,  sie 
mochten  sich  von  vom  oder  von  der  Seite  nähern,  mit  großen  Haken 
(Corvus  genannt)  festhielt  und  mittels  Klappbrücken  den  Übergang  von 
Verdeck  zu  Verdeck  für  Landsoldaten  möglich  machte.  Durch  diese  Enter- 
haken hauptsächlich  gelingt  es  ihm,  die  Karthager  bei  Mylä  zu  besiegen. 

—  PtolemMOt  II.  PhlladtlpliM  vollendet  den  von  Necho  um  610  v.  Chr.  (s.  d.) 
zur  Verbindung  des  Nils  mit  dem  Mittelmeer  einerseits  und   dem    Roten 
Meer  andrerseits  begonnenen  und  von  Darius  fortgeführten  Kanal.    Der 
Bericht  Diodors  über  diesen  Kanal  läßt  die  Vermutung  gerechtfertigt  er- 
scheinen, daß  dabei  Schüttschleusen  zur  Anwendung  gekommen  sind. 

—  Sottritos  von  Knidos  baut  auf  Veranlassung  des  Ftolemaeos  Soter  den 
ersten  bekannten  Leuchtturm  auf  dem  östlichen  Vorgebirge  der  Insel 
Fharos  vor  Alexandria.  Von  diesem  Standort  erhalten  die  Leuchttürme 
den  Namen  „Fharos" 

—  Der  griechische  Geschichtsschreiber  Tlmatot  von  Tauromenion  in  Sizilien 
verfaßt  einen  chronologischen  Abriß  „Olympiasieger".  Die  darin  zum 
ersten  Male  angewendete  Zeitrechnung  nach  Olympiaden  wird  für  die 
späteren  griechischen  Geschichtsschreiber  vorbildlich. 

259  Zur  Zeit  des  Königs  PtoltmMOS  Phlladelplios  kennt  man  in  Ägypten  die 
Fabrikation  von  Samenölen,  wie  Sesamöl,  Leinöl,  Rizinusöl  und  Kürbis- 
kemöl.  Es  geht  dies  aus  einem  aus  der  Zeit  dieses  Königs  herrührenden 
Fapyrus  hervor. 

250  Ardilmedei  von  Syrakus,  der  genialste  Mathematiker  des  Altertums  und 
der  erste  wirkliche  Fhysiker,  ist  auf  den  verschiedensten  mathematischen 
Gebieten  von  bahnbrechender  Bedeutung.  Er  beweist,  daß  sich  die  In- 
halte eines  Kegels,  einer  Halbkugel  und  eines  Zylinders  von  gleicher  Basis 
und  Höhe  wie  1:2:3  verhalten.  Er  berechnet  die  Zahl  n,  die  er  zwischen 
3f  und  3);  findet.  Er  liefert  eine  Quadratur  der  Farabel  omd  Ellipse, 
untersucht  die  Eigenschaften  der  nach  ihm  benannten  Spirale  und  erörtert 
die  Kubatur  der  Kugel,  des  Sphäroides  imd  des  Konoides.  Seine  „Sandes 
rechnung"  streift  an  die  Infinitesimalrechnung,  Er  ermittelt  mittels  der 
Hebelgesetze  die  Schwerpunkte  ebener  Flächen  und  gibt  ein  Verfahren 
zur  Berechnung  von  Quadratwurzeln  durch  Näherung  an. 

—  ArchiimdM  baut,  wie  aus  dem  neuerdings  von  Heiberg  entdeckten  Palim- 
psest  hervorgeht,  auf  den  Sätzen  der  Statik  eine  übersichtliche  und  hand- 
liche Methode  zur  Areal-  und  Volumbestimmung  krummliniger  Figuren  und 
Körper  auf,  die  tatsächlich  in  ihren  Grundgedanken  mit  der  heutigen  In- 
tegralrechnung identisch  ist. 

—  Archimtdet  schafft  die  mathematischen  Grundlagen  für  die  Statik  der 
festen  Körper.  Er  steUt  das  Gresetz  des  Hebels  auf,  wonach  zwei  an  einem 
Hebel  wirkende  Kräfte  im  Gleichgewicht  sind,  wenn  dieselben  zueinander 
im  umgekehrten  Verhältnisse  ihrer  Hebelarme  stehen.  Er  erfindet  die 
Schraube  ohne  Ende,  die  Wasserschnecke  und  die  komplizierten  Flaschen- 
mvLge  und  verfertigt  einen  Himmelsglobus  (Sphaera  Archimedis)  zur  Dar- 
stellimg  des  Umlaufs  der  Planeten  um  die  Erde. 

—     21      — 


260  T,  Chr. 

250  ArchlmtdM  findet  das  Gesetz  des  hydrostatischen  Auftriebs,  wonach  ein 
Körper  in  einer  Flüssigkeit  so  viel  von  seinem  Gewicht  verliert,  als  das 
Gewicht  der  verdrängten  Flüssigkeit  beträgt,  und  entwickelt  den  Begriff 
des  spezifischen  Gewichts,  den  er  zur  Analyse  von  Metallgemischen 
verwendet. 

—  Archlmedet  kennt  die  Refraktion  des  Lichtstrahls.  (Beispiel:  Ein  auf  dem 
Boden  eines  leeren  Gefäßes  liegender,  nicht  sichtbarer  Ring  wird  nach 
dem  Füllen  des  Gefäßes  mit  Wasser  infolge  der  Ablenkung  der  Licht- 
strahlen sichtbar.) 

—  Der  Chinese  Mlng-thltii  erfindet  den  HaarpinseL 

241  Attalot  I.  von  Pergamon  führt  die  orientalische  Goldwirkerei  in  Griechen- 
land ein.  Diese  Kirnst,  später  noch  weiter  ausgebildet,  geht  im  15.  Jahr- 
hundert n.  Chr.  gänzlich  verloren. 

240  Eratotthenat  von  Kyrene  stellt  ein  für  das  ganze  Altertum  maßgebendes 
System  der  Erdkunde  auf.  Er  ist  der  Schöpfer  des  Netzes  von  Längen- 
und  Breitengraden,  auf  denen  die  Kartographie  der  Späteren  (Marinos» 
Ptolemaeus)  beruht.  Er  spricht  aus,  daß  man,  da  jede  Parallele  ein  Kreis 
sei,  von  Iberien  nach  Indien  auf  demselben  Parallelkreis  fahren  könne, 
wenn  nicht  die  Größe  des  Atiantischen  Ozeans  Schwierigkeiten  mache. 
Strabo,  der  diese  Äußerung  verzeichnet,  fügt  hinzu,  daß  man  imterwegs 
möglicherweise  auf  neue  Erdteile  stoßen  könne. 

—  Eratotthonti  konstruiert  die  Armillarsphäre,  ein  Instrument  für  die  immittel- 
bare Messung  der  Äquatorkoordinaten,  das  aus  einer  Zusammenstellung 
von  drei  Kreisen  besteht,  von  denen  der  erste  imd  zweite  als  Meridian 
und  Äquator  unter  rechtem  Winkel  fest  verbimden  sind,  während  sich 
der  ein  Diopterpaar  tragende  dritte  Kreis  um  den  zum  zweiten  Kreis  senk- 
rechten Durchmesser  des  ersten  Kreises  (d.  i.  die  Weltachse)  dreht. 

230  DIonyslot  von  Alexandria  ist  nach  dem  Zeugnisse  Philo*s  von  Byzanz 
der  Erfinder  eines  Schnellladegeschützes  (Schnellkatapelte.)  Die  Schieß- 
tätigkeit des  Geschützes  wird  lediglich  durch  eine  fortgesetzte  Haspel- 
drehung geregelt,  wobei  das  Herabfallen  der  in  größerer  Zahl  auf  einmal 
geladenen  Pfeilgeschosse  in  die  Pfeilrinne,  das  Spannen  imd  das  Abziehen 
selbsttätig  erfolgt. 

230  Der  griechische  Mechaniker  KtasIMos  von  Askra  benutzt  zuerst  den  Luft- 
druck zu  mechanischen  Vorrichtungen.  Er  erfindet  die  Wasserorgel 
(Hydraulis)  und  stellt  eine  Wasseruhr  mit  Zahnradgetriebe  her.  Auch  soll 
er  die  Druckpumpe  und  die  Feuerspritze  erfunden  haben. 

—  Ktetlblot  ist  nach  dem  Zeugnisse  Philo's  von  Byzanz  der  Erfinder  eines 
Luftdruckgeschützes,  bei  welchem  vermittels  eines  luftdicht  schließenden 
Kolbens  die  Luft  in  einem  Metallzylinder  durch  Hebelwirkung  derart  ver- 
dichtet wird,  daß  beim  plötyslichen  Auslösen  des  Druckes  eine  zum  Fort- 
schleudern des  Geschosses  ausreichende  Triebkraft  erzeugt  wird. 

220  EratoithtnM  erfindet  zur  Lösung  des  delischen  Problems  der  Würfelver- 
doppelung ein  besonderes  Instrument,  das  Mesolabium.  (S.  seinen  noch 
vorhandenen  Brief  an  Ptolemaeos  Euergetes). 

—  Eratotthenes  gibt  ein  Verfahren  an,  die  Primzahlen  zu  finden  (Sieb  des 
Eratosthenes).  Man  schreibt,  so  lautet  die  Regel,  alle  imgeraden  Zahlen 
von  der  3  an  auf.  Hierauf  streicht  man  jede  dritte  Zahl  hinter  der  3 
durch,  womit  die  Vielfachen  der  3  entfernt  sind.  In  entsprechender  Weise 
verfährt  man  mit  der  5,  und  fährt  so  fort,  bis  nur  noch  die  Primzahlen 
übrig  bleiben. 

—  EratotthMiat  voUendet  (nach  Dikaearchos)  die  Messung  des  Meridians  von 

—     22     — 


200  ▼,  Chr, 

Alexandria  bis  Syene  (5000  Stadien),  was  für  den  ganzen  Meridian  250000 
Stadien  =  44250000  m  ergibt. 

220  WlkfliHliM  erfindet  die  Konchoide  (Muschellinie)  und  ein  Instrument,  um 
sie  zu  konstruieren.  £r  benutzt  sie,  um  zwischen  zwei  gegebenen  Linien 
zwei  stetige  Proportionale  einzuschalten  und  einen  geraden  Winkel  in 
drei  Teile  zu  teilen. 

212  ArchlUMtftt  vereitelt  bei  der  Verteidigung  seiner  durch  Marcellus  belagerten 
Vaterstadt  zwei  Jahre  hindurch  alle  Angriffe  der  Römer  durch  seine  sinn- 
reichen Kriegsmaschinen  (Strandbatterien)  und  bringt  der  römischen  Flotte 
schwere  Verluste  bei  (Aufteilen  von  Kranen  zum  Emporheben  der  feind- 
lichen Schiffe).  Daß  er  die  römischen  Schiffe  durch  Brennspiegel  an- 
gezündet habe,  ist  un historisch. 

—  Tsln-Mhl-waiif-tl  vollendet  die  Große  Mauer,  die  mit  einer  Länge  von 
2450  km  das  ausgedehnteste  Bauwerk  des  Altertums  darstellt. 

210  ApolloniM  von  Pergae  in  Pamphylien,  „der  große  Geometer",  widmet  sein 
berühmtes  Werk  über  die  Kegelschnitte  dem  Könige  Attalos  I.  von  Per- 
gamon.  Apollonios  erkennt,  daß  man  alle  Kegelschnitte  mittels  geeignet 
gelegter  Schnittflächen  auf  ein  xmd  demselben  Kegel  erhalten  kann.  Durch 
ihn  kommen  die  Bezeichnungen  Hyperbel  und  Parabel  in  Gebrauch. 
Seine  Berechnung  der  Zahl  ;r  =  3,14169  bleibt  lange  maßgebend. 

—  ApoHoniot  veröffentlicht  einen  Schnellrechner  (Okytokion). 

—  ApolloniM  erfindet  zur  Berechnung  der  Gestimbahnen  die  Epizyklentheorie. 

—  Philo  von  Byzanz  kennt  die  Körperlichkeit  der  Luft,  die  Elastizität  der 
Metalle,  das  Hebelgesetz,  die  Heber  und  ihre  Wirkung,  das  Gesetz  der 
kommomizierenden  Röhren  imd  das  Thermoskop  (ein  Urbild  des  Thermo- 
meters), intermittierende  Brunnen,  Druckpumpen  (Heronsball),  mehrfach 
dtirchbohrte  Hähne,  eine  eintönige  Sirene  verbunden  mit  oberschlächtigem 
Wasserrade,  viele  Wasserhebeapparate,  darunter  einen  in  Form  eines 
selbsttätigen,  senkrechten  Eimerbaggers.  Er  konstruiert  eine  Art  von 
Taucherglocke  imd  eine  Reihe  von  Automaten  (vgl.  auch  100  Heron) 
und  erfindet  das  Cardanische  Kreuzgelenk  (Cardanische  Ringe).  Auch 
stellt  er  hygroskopische  Beobachtungen  an. 

—  Plillo  beschreibt  in  seiner  „Lehre  vom  G^schützbau"  ein  von  ihm  erfimdenes 
Pfeilgeschütz  mit  Keilspannung  und  einen  von  ihm  verbesserten  Erz- 
spanner, bei  welchem  neben  der  Torsionselastizität  der  Spannnerven  die 
Elastizität  metallener  Schienen  zur  Erzeugung  der  Triebkraft  benutzt 
wird. 

—  Plillo  erörtert  in  seiner  Schrift  über  Festungsbau  imd  Festungskrieg  (s. 
Bd.  V  seiner  „Mechanicasyntaxis")  die  Gestaltung  der  Festungsfronten  (Länge 
derselben  50  bis  100  m  =  Bogenschußweite),  die  verschiedenen  Flankierungs- 
anlagen (Vorzüge  der  eckigen  Flanken  türme  gegenüber  den  runden),  sowie 
die  Anlage  von  Außen  werken.  Er  empfiehlt  eine  ausgedehntere  Anwen- 
dung des  Erdbaus  an  Stelle  des  Mauerbaus. 

—  Philo  erwähnt  zuerst  die  Eisengallustinte,  indem  er  von  einer  Art  geheimer 
Schrift  spricht,  die  darin  besteht,  daß  man  mit  einer  Galläpfelauflösung 
schreibt,  die  Schrift  trocknen  läßt  und  dann  die  Schriftzügo  mit  der 
Lösung  eines  eisenhaltigen  Kupfersalzes  betupft. 

200  Der  Grammatiker  Arlttophanet  von  Byzanz  führt  an  Stelle  der  bis  dahin  ^ 
gebräuchlichen,  nur  oratorischen  Zwecken  dienenden  Interpunktionen  ein 
neues,  mehr  dem  Satzbau  und  den  Regeln  der  Grammatik  angepaßtes 
Interpunktionssystem  ein,  aus  welchem  sich,  nachdem  zu  Karls  d.  Gr. 
Zeit  sich  auch  Wamefried  und  Alkuin  damit  beschäftigt  hatten,  die  heutigen 
Interpunktionen  herausbilden.     (S.  1495  Aldus  Manutius). 

—      23     — 


184  T.  Chr. 

.  184  Marcus  Porcius  Cato  der  Ältere  gibt  ein  viele  wertvolle  Angaben  über 
die  römische  Landwirtschaft  enthaltendes  Buch  „De  agricultura"  heraus. 
Er  äußert  darin  zuerst  den  Grundgedanken  des  Wasserbades,  indem  er 
von  der  Zubereitung  von  Speisen  in  irdenen  Gefäßen  spricht,  die  in 
andere  Gefäße  eingehängt  werden,  in  welchen  Wasser  im  Kochen  er- 
halten wird. 

—  Die  aus  Kalk  und  Sand  bestehenden  gewöhnlichen  Luftmörtel  waren  wahr- 
scheinlich schon  den  alten  Ägyptern  und  Assyriern  bekannt.  Doch  gibt 
erst  Cato  eine  'genauere  Beschreibung  von  der  Zusammensetzung,  Zube- 
reitung amd  Anwendung  des  Luftmörtels,  für  den  er  eine  Mischung  von 
1  Teil  gelöschtem  Kalk  und  2  Teilen  Sand  empfiehlt.  Cato  erwähnt  auch 
schon  Kalkbrennöfen. 

—  Cato  beschreibt  die  römische  Hebelpresse  und  erwähnt  den  Flaschenzug 
(Trochlea  Graecica).  Er  empfiehlt  für  die  obere  Schere  je  acht,  für  die 
untere  je  sechs  RoUen.  Er  gibt  ein  abgekürztes  Verfahren  zur  Fabrikation 
der  Weizenstärke  an. 

180  DIokloi  erfindet  die  Zissoide  (Efeulinie),  mit  der  er  eine  Lösung  des  deli- 
schen  Problems  versucht.  Die  Gleichung  der  Zissoide  (y *  -f-  z-)  x  —  ay-  =  0 
ist  noch  gegenwartig  ein  beliebtes  Beispiel  der  Anwendung  der  Differential- 
und  Integralrechnung  auf  die  Geometrie. 

—  EumtMS  II.  von  Pergamon  läßt  zur  Wasserversorgung  der  Burg  Pergamon 
eine  mehrere  Kilometer  lange  Druckwasserleitung  von  einem  auf  dem 
Hagios-Georgios-Bcrge  (367  m  über  dem  Meere)  befindlichen  Sammel- 
becken nach  der  Burg  (332  m  über  dem  Meere)  anlegen,  welche  auf 
ihrem  Wege  eine  172  m  über  dem  Meere  gelegene  Einsattelung  durchlief, 
so  daß  demzufolge  die  Rohrleitung  einen  Druck  bis  zu  20  Atmosphären 
auszuhalten  hatte. 

170  HypsikiM  von  Alexandria  verfaßt  eine  Schrift  „* Ava(po(jix6i** ,  in  welcher 
sich  zuerst  die  Einteilung  des  Kreises  in  360  Grade  sowie  eine  richtige 
allgemeine  Definition  der  Polygonalzahlen  und  die  Summenformel  für 
arithmetische  Reihen  findet.  Hypsikles  ist  der  Verfasser  de«  14.  Buchs 
der  Euklidischen  „Elemente".     (S.  300  v.  Chr.) 

168  Paulus  Aomlllus  läßt  in  Mazedonien  in  einer  Wüste  für  seine  durstenden 
Soldaten  einen  artesischen  Brunnen  erbohren.  (S.  a.  320  v.  Chr.) 

—  Daß  in  Rom  bereits  im  2.  Jahrhundert  v.  Chr.  eine  Fleischbeschau  be- 
steht, wird  durch  die  „Acta  populi  Romani  diuma"  bewiesen,  in  denen 
es  heißt:  „Der  Ädil  Tottnlus  hat  die  Kleinschlächter  bestraft,  weil  sie 
Fleisch  an  das  Volk  verkauft  haben,  das  nicht  vorher  von  den  Adilen  be- 
sichtigt war." 

159  Der  Stoiker  Kratit  von  Mallos  entwirft  einen  Erdglobus,  auf  dem  vier 
halbkreisförmige,  durch  einen  meridionalen  und  einen  äquatorialen  Gürtel- 
ozcan  geschiedene  Inseln  eingezeichnet  sind.  Das  Bild  dieses  in  Pergamon 
aufgestellten  Globus  wird  später  das  Symbol  der  Weltherrschaft:  in  der 
byzantinischen  Zeit  wird  auf  den  Globus  ein  Kreuz  gesetzt  und  derselbe 
so  als  Reichsapfel  benutzt.     (S.  a.  547  v.  Chr.) 

150  Scillte-sehojo,  ein  Diener  des  Kaisers  Bu-tel  von  China,  verwendet  zuerst 
den  Te^  als  Getränk.  Von  China  gelangt  der  Tee  810  n.  Chr.  durch 
den  buddhistischen  Priester  Tenkiyodaschi  nach  Japan  und  von  da 
nach  Korea.  In  Europa  gedenkt  seiner  zuerst  Giovanni  Pietro  Maffei. 
(S.  1588.) 

—  Meukot  von  Seleukia  liefert  den  Beweis  für  die  heliozentrische  Theorie  des 
Aristarchos  (s.  260  v.  Chr.)  und  erklärt  die  Gezeiten  aus  der  rotierenden 
Erdatmosphäre,  deren  Bewegung  durch  die  jeweilige  Stellung  des  Mondes 
bedingt  werde. 

—     24     — 


100  V.  Chr. 

150  StiMikot  schließt  aus  der  yermeintlichen  AbweBenheit  der  Gezeiten  im 
Indischen  Ozean  anf  den  Abschluß  dieses  Meeresbeckens  durch  ein  großes 
Südland.  £&  ist  dies  die  erste  geschichtliche  Äußerung  über  das  mut- 
maßliche Vorhandensein  eines  Südpolargebiets. 

146  HIpparthM  von  Nicäa  in  Bithynien,  der  größte  Astronom  des  Altertums, 
begründet  die  ebene  und  sphärische  Trigonometrie  unter  Anwendung  der 
Sehnenrechnung.  (Sehnentafel.  S.  150  Ptolemaeus.)  £r  entdeckt  die  Prä- 
zession  (das  Vorrücken  der  Nachtgleichen),  erfindet  die  stereographische 
Projektion,  indem  er  die  Himmelskugel  von  einem  Pole  aus  auf  die 
Äquatorebene  abbildet,  und  bestimmt  zuerst  die  Mondparallaxe.  Er  führt 
die  geographische  Länge  und  Breite  zur  Bestimmung  der  Lage  eines 
Punktes  auf  der  Erde  ein,  wobei  er  als  Ausgangspunkt  für  die  Zählung 
der  Längengrade  den  durch  seinen  Beobachtungsort,  die  Insel  Rhodos, 
gehenden  Meridian  wählt.     (Vgl.  1634  Ludwig  XIII.) 

138  Nikintfm  von  Kolophon  verfaßt  zwei  Lehrgedichte  über  Mittel  gegen  Tier- 
und  Pflanzengifte. 

136  Der  Chinese  Ch6-ko  erfindet  einen  Apparat  zur  Bestimmung  der  Stoßrich- 
tung der  Erdbeben  (Seismoskop).  Der  Apparat  besteht  aus  mehreren  nach 
verschiedenen  Kichtungen  hin  labil  aufgestellten  Kugeln,  die  beim  Stoße 
herabfallen. 

135  Attali»  Philomttor,  König  von  Pergamon,  erfindet  ein  bieiweißhaltiges  Wund- 
pflaster. 

134    HipparcliM  beobachtet  das  Aufleuchten  eines  neuen  Sternes.  "^ 

132  AcathardiidM  von  Knidos  beschreibt  eingehend  den  Betrieb  der  oberägypti- 
schen Goldbergwerke  seiner  Zeit.  Die  Aufbereitung  der  Erze  wird  bereits 
in  einer  hippokratischen  Schrift  erwähnt. 

127 — 114  Der  chinesische  General  Tschanf-kMn  dringt,  vom  Kaiser  Hsia-wuti 
ausgesandt,  bis  in  die  turanischen  Lande  vor  und  öffnet  auch  handels- 
politisch den  Weg  nach  dem  Tarymbecken. 

126  Hlpparehos  stellt  einen  Stemk atalog  auf,  der  3  Helligkeitsgrade  unter- 
scheidet und  den  Ort  jedes  einzelnen  Sternes  möglichst  genau  nach  Längen- 
und  Breitengraden  (und  Brüchen  von  Graden)  bestimmt. 

101  Wie  Plutarch  (in  „Marius")  berichtet,  führt  der  römische  Feldherr 
Gajus  Marliit  immittelbar  vor  der  Zimbemschlacht  ein  Pilum  ein,  bei  dem  das 
Eisen  mit  dem  Schafte  nur  durch  einen  eisernen  und  einen  hölzernen 
Nagel  verbunden  ist,  von  denen  der  letztere  beim  Auftreffen  des  Pilum 
auf  den  Feindesschild  zerbrechen  sollte,  um  das  Pilum  für  den  Gegner 
unbenutzbar  zu  machen.  Ähnlich  ist  das  cäsarische  Pilum  eingerichtet, 
dessen  Klinge  aus  sehr  weichem  Eisen  geschmiedet  und  nur  in  der  Spitze 
gehärtet  ist,  so  daß  sich  diese  beim  Auftreffen  verbiegt  und  nur  mit  Mühe 
aus  dem  Schilde  entfernen  läßt. 

100    Demelrlas  von  Apamea  erwähnt  zuerst  den  Diabetes. 
-»    PoMfdonlot   verfaßt   eine  Meteorologie,    die   für   die  Folgezeit   maßgebend 
wird. 

—  PoMMonlM  erwägt  die  Umschiffung  Afrikas  sowie  die  Möglichkeit,  Indien 
durch  eine  Erdumschiffung  in  westlicher  Kichtung  zu  erreichen. 

—  Poceidoiilos  macht  eine  Erdmessung  und  verfaßt  eine  Monographie  über 
den  Ozean,  in  der  er  auch  die  Lehre  von  Ebbe  und  Flut  wissenschaft- 
lich darstellt.  Er  legt  in  dieser  Schrift  den  Grund  zu  einer  neuen  Men- 
schen-, Tier-  und  Pfianzengeographie,  indem  er  nicht  wie  Hippokrates 
und  Theophrast  an  die  Differenz  der  Länder  imd  Kontinente,  sondern 
der  Breitengrade  anknüpft.  Er  unterscheidet  die  gemäßigte  und  die 
Tropenzone  und  berechnet  den  Durchmesser  der  Sonne  auf  3  Millionen 
Stadien,   die  Entfernung  des  Mondes  auf  2  Millionen,  die  der  Sonne  auf 

—     25     — 


100  Y.  Chr, 

500  Millionen  Stadien.    Den  Erdumfang  berechnet  er  auf  240000  Stadien. 
100    Der  römische  Prokonsul  Sarflut  Ortta  legt  zur  künstlichen  Austemzucht 

die  ersten  Austembassins  in  der  Bucht  von  Bajae  an. 
87    Wie  Gellius  erzählt,  soll  ArcMaotf  ein  General  des  Mithridates,  in  dessen 
Kriege   mit   den  Römern,  einen  hölzernen  Belagerungsturm  durch  Über- 
streichen mit  Alaun  (Alumen)  feuerfest  gemacht  haben. 

—  Der  römische  Diktator  L.  Cornelius  Sulla  unternimmt  bei  der  Belagenmg 
von  Athen  einen  Minenangriff,  der  als  einer  der  am  besten  durchgeführten 
Angriffe  dieser  Art  im  Altertume  gilt.  Er  läßt  einen  Minengang  bis  unter 
die  Stadtmauer  vortreiben,  dessen  Bekleidungshölzer  mit  Werg  umwickelt 
und  mit  Harz  und  Schwefel  getränkt  sind.  Kurz  vor  dem  Sturm  ent- 
zündet, verbrennen  dieselben  rasch,  und  durch  das  Zusammenbrechen  der 
Stadtmauer  bildet  sich  eine  Bresche.  (Nach  Appianus.)  Über  ähnliche 
Minenangriffe  im  Altertum  berichtet  Livius  (V,  XX  imd  XXXVIII). 

80  MIthrldttM  von  Pontes  soll  aus  Furcht,  von  den  Bömem  vergiftet  zu 
werden,  sich  mit  Blut  von  Enten  immunisiert  haben,  welche  längere  Zeit 
mit  den  damals  bekannten  Giften  gefüttert  worden  waren.  Diese  Angabe 
ist  die  Veranlassung,  daß  die  Lehre  von  den  verschiedenen  Immimisierungs- 
methoden  in  Frankreich  „Le  Mithridatisme*'  genannt  wird. 

—  MlthridatM  richtet  in  seiner  Residenz  die  erste  Wassermühle  ein.  Die 
Wassermühlen  verbreiten  sich  unter  Augustus  auch  in  Italien. 

70  Der  Naturarzt  Aiklaplades  von  Prusa  empfiehlt  kalte  Abreibungen,  Fasten, 
Reiten  und  Schwitzbäder  zu  Heilzwecken.  Seine  Panacee  ist  der  Wein. 
Er  soll  die  Tracheotomie  bei  Angina  ausgeführt  haben.  Sein  auf  atomisti- 
scher  Grundlage  beruhendes  System  (Solidarpathologie)  steht  der  Humoral- 
pathologie  der  Hippokratiker  entgegen. 

63  Nachdem  sich  schon  bei  den  Griechen  (nach  einer  Marmorinschrift  von 
350  V.  Chr.)  eine  Art  von  Kurzschrift  gebildet  hatte,  erfindet  Marcus 
Tullius  TIro  die  altrömische  Kurzschrift,  die  sich  bis  zur  Karolingerzeit 
erhält  (Tironische  Noten). 

60  Apollonlot  von  Kition  verfaßt  für  den  König  Ptolemaeos  von  Cypem 
einen  Kommentar  zu  der  Schrift  des  Hippokrates  über  die  Gelenke.  Die 
beigegebenen  Abbildungen  veranschaulichen  die  Behandlungsmethoden  bei 
den  verschiedenen  Verrenkungen.  Das  Werk  ist  wertvoll  für  die  Kennt- 
nis der  antiken  Chirurgie. 

56  Beginn  der  Aera  des  Vlkramadiya.  Auf  dieselbe  gründet  sich  die  indische 
Zeitrechnung. 

55  Titus  Luerttlus  Canit  führt  in  seinem  Lehrgedichte  „De  rerum  natura" 
die  Ansichten  des  Epikuros  (s.  305  v.  Chr.)  über  die  Atomenlehre  und  die 
Entstehung  und  Erhaltung  der  Welt  weiter  aus. 

54  Cajus  Julius  Caasar  geht  nach  Britannien  und  berichtigt  die  Nachrichten  des 
Pytheas.  (S.  320  v.  Chr.)  Er  berichtet  zuerst  aus  eigener  Anschauung 
über  Deutschland  und  seine  Bewohner.  Er  schlägt  zum  Zweck  des  Rhein- 
übergangs zwischen  Koblenz  und  Andernach  die  erste  bekannte  Bock- 
brücke,  die  durch  hölzerne  Brückenträger  unterstützt  ist. 

50  Ammonlos  Lithotomos  von  Alexandria  erfindet  die  Zerstückelung  des 
Blasensteins. 

—  Marcus  Terentiut  Varro  führt  in  Rom  die  nach  ihm  benannte  Zeitrechnung 
(Varronische  Aera)  ein,  welche  annimmt,  daß  Rom  im  Frühling  des  3.  Jahres 
der  6.  Olympiade  (d.  i.  im  Jahre  753  v.  Chr.)  gegründet  worden  ist. 
Weniger  gebräuchlich  als  die  Varronische  ist  die  Catonische  Aera,  welche 
von  jener  um  1  Jahr  abweicht. 

46  Cajus  Julius  Catsar  führt  auf  Grund  der  von  dem  alexandrinischen  Astrono- 
men Soslgents  ausgeführten  Berechnungen  die  nach  ihm  benannte  Kalender- 

~     26     — 


18  T,  Chr, 

reform  durch,  indem  er  zun&clist  das  Jahr  708  a.  u.  o.  (46  v.  Chr.)  auf 
im  ganzen  445  Tage  verlängert,  und  für  die  Folgezeit  festsetzt,  daß  immer 
auf  3  gemeine  Jahre  von  366  Tagen  ein  Schaltjahr  von  366  Tagen  folgen 
soU.     (Julianischer  Kalender.) 

44  Wenn  auch  schon  im  alten  Ägypten  die  Seeleute,  sobald  sie  sich  der 
Küste  näherten,  durch  Tauben  ihrer  Familie  ihre  bevorstehende  Ankunft 
meldeten  und  auch  in  Griechenland  schon  im  5.  Jahrhundert  v.  Chr.  Tauben 
zur  Meldung  des  Erfolges  der  Kampfspiele  benutzt  wurden,  so  ist  eine 
regelmäßige  Taubenpost  doch  zuerst  von  Decimus  Jimius  Brutus  bei  der 
B^agerung  von  Mutina  eingerichtet  worden. 

40  Der  König  Juta  II.  von  Mauretanien  entsendet  eine  Gesandtschaft  nach 
den  Canarischen  Inseln,  die  indes  in  der  alten  Geschichte  schon  früher 
erwähnt  werden  und  wahrscheinlich  schon  den  Phöniziern  bekannt  waren.        ^ 

—  Publius  Varglllus  Maro  erwähnt  im  7.  Gesänge  der  Aeneide,  wo  er  von 
dem  campanischen  Volke  der  Abeller  spricht,  „Teutonico  ritu  soliti  torquere 
catejas".  Neueren  Forschimgen  zufolge  ist  unter  der  hier  als  „Cateja" 
bezeichneten  „gewirbelten**  Wurfwaflfe  eine  Kehrwiederkeule,  ganz  ent- 
sprechend dem  australischen  Bumerang,  zu  verstehen. 

37    Marcus  TerMitlus  Varro  verfaßt  3  Bücher  „Renmi  rusticarum**.    Das  erste   ^  __ 
handelt  von  Ackerbau,    das  zweite   von   der  Viehzucht,   das  dritte   von  ^ 
der  Vogel-  und  Fischzucht,    von   den  Hasen,  Wildschweinen,   Schnecken, 
Bienen  usw. 

—  Marcus  Ttrtntlns  Varro  kann  als  Vorläufer  der  von  Plenciz  (s.  1762)  ge- 
gebenen Theorie  der  Entstehung  der  Infektionskrankheiten  durch  Mikro- 
orgam'smen  aDgesehen  werden.  Er  schreibt  in  Buch  I  seiner  „Rerum  rusti- 
carum libri  III*',  man  solle  ein  Landgut  nicht  in  sumpfiger  Gegend  an- 
legen: Quod  crescunt  animalia  quaedam  minuta,  quae  non  posaunt  oc\ilis 
consequi,  et  per  aera  intus  in  corpus  per  os  ac  nares  perveniunt  atque 
efficiunt  difficiles  morbos. 

30  TiiMiilson  von  Laodikeia,  der  Stifter  der  methodischen  Ärzteschule,  scheint 
zuerst  Blutegel  zu  Heilzwecken  angewendet  zu  haben. 

—  Publius  Verfillus  Maro  vollendet  sein  Lehrgedicht  „Georgica**  in  4  Büchern. 
Das  erste  behandelt  den  Ackerbau,  das  zweite  die  Baumzucht,  das  dritte 
die  Viehzucht,  das  vierte  die  Bienenzucht,  Im  3.  Buche  ist  auch  die 
Tierheilkunde  abgehandelt.  Er  gibt  hier  Eatschläge  für  die  Beschaffen- 
heit der  zur  Zucht  bestimmten  Stuten,  Hengste  imd  Stiere.  Er  kennt  die 
Schafräude. 

27  Nachdem  schon  bei  den  Griechen  kuppelartige  Decken  ausgeführt  und  in 
der  Diadochenzeit  (seit  323  v.  Chr.)  die  ersten  regelrecht  gewölbten  Kup- 
peln erbaut  worden  waren,  bildet  sich  bei  den  Römern  der  Bau  solcher 
Kuppeln  immer  weiter  aus.  Eine  der  ältesten  Kuppeln  ist  die  des  von 
Marcus  Agrippa  im  Anschluß  an  seine  Thermen  errichteten  Pantheons,  die 
unter  Trajan  durch  Brand  zerstört,  von  Hadrian  erneuert  wird  und  in 
Höhe  und  Durchmesser  43,5  m  mißt. 

23  Antonius  Musa  begründet  mit  der  glücklichen  Heilung  des  Augustus  durch 
kalte  Bäder  die  Hydrotherapie. 

19 — 9  Herodes  dar  QroBe  legt  in  Caesarea  (Palästina)  einen  geräumigen  Hafen  an, 
der  als  ein  Wimderwerk  des  Altertums  gerühmt  wird.  Der  Schutzdamm 
hatte  eine  Tiefe  von  20  Ellen  und  diente  als  Wellenbrecher  und  zur  Auf- 
nahme einer  Mauer,  deren  Höhe  über  dem  Meeresspiegel  angeblich  65  m 
betrug. 

18  Eines  der  hervorragendsten  römischen  Bauwerke  in  Gallien  ist  der  Pont 
du  Gard  bei  Nim  es,  der  erbaut  wird,  als  Marcus  Agrlppa  Statthalter  von 
Gallien  ist.    Er   diente   ursprünglich   für   die  Überführung   einer  Wasser- 

—     27     — 


18  Y.  Chr. 

leitung.  Die  Gewölbe  bestehen  aus  stumpf  aneinander  stoßenden  Bogen- 
stücken,  die  aus  durchgehenden  Quadern  gebildet  sind. 
13  Marcus  VItnivliis,  Architekt  und  Ingenieur  des  Augustus.  vollendet  sein 
Werk  „De  architectura",  worin  Hoch-  und  Tiefbau,  sowie  die  Maschinen- 
technik auf  Grund  eigener  Erfahrung  und  nach  römischen  amd  griechischen 
Quellen  dargestellt  sind. 

—  Vltruvlus  beschreibt  die  sogenannte  Eimerkunst,  bei  welcher  über  eine  ent- 
sprechend geformte  Scheibe  auf  der  horizontalen  Welle  eines  G<)pelvorgelegcs 
eine  eiserne  Kette  ohne  Ende  läuft,  die  bis  in  das  zu  fördernde  Wasser 
hinabreicht  und  an  welcher  kupferne  Eimer  hängen,  die,  sobald  sie  über 
die  Welle  emporkommen,  umstürzen  und  das  Wasser  ii^  einem  Behälter  aus- 
gießen, von  dem  es  in  Rinnen  fortgeführt  wird. 

—  Vltruvliis  beschreibt  unter  dem  Namen  „Tympanum"  eine  Wasserförder- 
maschino,  bei  welcher  die  Umdrehung  eines  Trommelrades  durch  ein  Lauf- 
rad erfolgt,  das  von  Menschen  in  Bewegung  gesetzt  wird.  Diese  Maschine 
hat  einigen  der  neueren  Zeit  angehöiigen  Konstruktionen  (Lafaye  1717, 
Perronet  1788,  Car6  1856)  als  Muster  gedient. 

—  Vltruvlus  beschreibt  eine  Getreidemühle,  welche  durch  unterschlächtige 
Wasserräder  betrieben  wird,  eine  Wasserorgel  und  einen  Wassermesser. 
Er  kennt  die  Schwere  des  Quecksilbers  und  das  Gesetz  der  kommunizie- 
renden Röhren.  Er  erklärt  die  Entstehung  der  Thermalquellen  aus  einem 
unterirdischen  Feuerherd;  nach  seiner  Meinung  haben  auch  die  kalten 
Quellen  die  vulkanischen  Herde  durchlaufen,  sind  aber  dann  in  weiten 
Höhlen  abgekühlt  worden;  die  eingepreßte  Luft  treibt  sie  dann  empor. 

—  Nach  Angabe  des  Vltruvlus  (in  „De  architectura",  Lib.  VII,  3)  umfaßt  das 
zu  seiner  Zeit  angewendete  Verfahren  der  Freskomalerei  folgende  Arbeiten: 
Berohren  der  Decken,  drei-  bis  viermaligen  Verputz  aller  zu  bemalenden 
Flächen  mit  jedesmal  feinerem  Kalkmörtel,  Aufbringen  einer  Marmor- 
schicht in  drei  Lagen  und  —  nach  Bemalung  des  noch  feuchten  Grundes 
mit  Wasserfarben  —  Bearbeiten  der  Bildfläche  mit  dem  Putzhobel  zur 
Erzielung  von  Glanz  und  größerer  Festigkeit. 

—  Vltruvlus  beschreibt  einen  Wegemesser-Wagen  von  folgender  Einrichtung: 
Mit  einem  der  Wagenräder  ist  eine  Stiftscheibe  verbunden,  durch  welche 
ein  Zahnrad  bei  jeder  Wagenradumdrehung  um  einen  Zahn  vorgerückt 
wird.  Durch  Anordnung  mehrerer  Zahnräder  wird  diese  Übertragung  mehr- 
mals wiederholt.  Auf  dem  Umfange  des  letzten,  wagerecht  liegenden 
Zahnrades  sind  steinerne  Marken  derart  lose  aneinandergereiht,  daß  je 
nach  einer  Wegestrecke  von  1  röm.  Meile  eine  Marke  in  einen  Zählkasten 
hinabfällt.    („De  architectura",  Lib.  X,  9.) 

10  Der  Geschichtsschreiber  DIodoros  von  Agyrion  in  Sizilien  berichtet,  daß 
phönizische  Schiffer,  vom  Sturm  verschlagen,  weit  westwärts  von  Afrika 
ein  fruchtbares,  wohlbewässertes  und  waldreiches  Eiland  aufgefunden  haben 
sollen.   Einzelne  Geographen  erblicken  hierin  eine  Hindeutung  auf  Amerika. 

—  Claudius  Drutus  veranlaßt  nach  der  Eroberung  Hollands  die  kunstgerechte 
Eindeichung  und  planmäßige  Kanalisierung  des  Landes.  Doch  sind  wahr- 
scheinlich schon  vor  dem  Erscheinen  der  Römer  von  den  Batavern  Deich- 
bauten an  den  Nordseeküsten  ausgeführt  worden. 


—     28     — 


Christliche  Zeit. 


Erstes  bis  zehntes  Jahrhnndert. 


10  Im  Zeitalter  des  römischen  Kaisers  Aufustus  bestehen  in  verschiedenen 
Orten  Italiens  Zentralheizungsanlagen,  bei  denen  in  einem  unterirdischen 
Heizraume  (Hypocaustum)  die  Luft  erwärmt  und  durch  senkrechte,  in  den 
Mauern  befindliche  Kanäle  in  die  oberen  Stockwerke  geleitet  wird,  —  also 
eine  Art  von  Kanalheizimg.  Auch  Warmwasserheizungen  werden  um  diese 
Zeit  erwähnt. 

14  MeiMkralti  von  Zeophleta  erfindet  das  Diachylonpflaster  (Emplastrum 
lithargyri),  das  er  aus  Bleiglätte,  Schmalz  und  öl  darstellt. 

18  Strabo  von  Amasia  vollendet  seine  „Geographica**  in  17  Büchern,  worin 
er  die  alexandrinischen  Forschungen  über  Länder-  und  Völkerkimde  zu- 
sammenfaßt. Ein  besonderes  Kapitel  widmet  er  der  Gebirgsbildung,  die 
durch  unterirdische  Reaktionskraft  bedingt  sei,  sowie  den  Gletschern  und 
Eisbergen.  Er  hat  richtige  Vorstellungen  von  der  erodierenden  Tätigkeit 
des  Wassers  und  von  Ebbe  und  Flut. 

—  9tnko  gibt  die  frühesten  Nachrichten  von  der  Benutzung  von  Solquellen 
für  die  Gewinnung  von  Kochsalz.  Er  spricht  auch  zuerst  von  der  berg- 
männischen Gewinnung  im  Steinsalz.  . 

20  Aulus  Cornelius  Mm%  behandelt  nach  griechischen  Quellen  die  gesamte  >< 
Medizin  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Chirurgie.  Beachtenswert 
sind  namentlich  die  Kapitel  über  die  Wundheilimg,  über  die  Amputation, 
die  Unterbindung  von  Amputationswimden  imd  blutenden  Gefäßen,  den 
Steinschnitt,  die  Trepanation,  die  Hauttransplantation,  die  Anatomie  und 
Heilkunde  des  Ohres  und  die  Zahnheilkunde.  Er  spricht  zuerst  vom 
Nutzen  der  Nährklystiere. 

—  Aulus  Cornelius  Gehut  gibt  dem  Studium  der  äußern  Formen  der  Haut- 
krankheiten einen  großen  Aufschwimg  und  macht  in  deren  Beurteilung 
bereits  pathogenetische  Gesichtspunkte  geltend.  Auch  die  Systematik  er- 
fährt durch  ihn  große  Fortschritte.  Seine  Anschauimgen  und  die  des 
Hippokrates  bleiben  für  die  ganze  mittelalterliche  Epoche,  sowohl  bei  den 
Arabern  als  auch  im  Abendlande  grundlegend. 

—  Nachdem  bis  dahin  die  Innern  Augenkrankheiten,  selbst  von  Hippokrates, 
mit  wenig  Verständnis  beschrieben  waren,  entwickelt  Aulus  Cornelius 
Mtot  nicht  nur  eine  gute  Kenntnis  der  anatomischen  Verhältnisse  des 
Auges,   sondern   schildert   auch   eine   Reihe   von   bis  dahin   unbekannten 

—     29     — 


20 


Erankheitsfonnen   des   Auges   und   vervollkommnet  in    bemerkenswerter 
Weise  das  operative  Verfahren. 
20    Aulus  CorneÜuB  Msut  führt  die  Gicht,  über  die  die  ersten  sicheren  Nach- 
richten sich  bei  Hippokrates   finden,    auf   üppiges  Leben  zurück  und  be- 
handelt eingehend  die  Therapie  dieser  Krankheit. 

—  Marcus  Vltmvlus  empfiehlt,  für  Wasserbauten  zum  gewöhnlichen  Mörtel 
einen  Zusatz  von  der  bei  Puteoli  vorkommenden  Puzzolanerde  zu  machen 
und  muß  als  der  erste  angesehen  werden,  der  die  Herstellung  des  hydrau- 
lischen Mörtels  beschreibt.  Er  spricht  auch  bereits  von  der  Anwendung 
des  Grobmörtels  (Betons),  d.  i.  Wassermörtel  mit  Zusatz  von  Steinbrocken. 

—  Vltravlus  kennt  bereits  die  Bleivergiftung  und  erwähnt,  daß  die  Bleihütten- 
arbeiter bleich  aussehen  und  von  den  D&mpfen  krank  werden. 

—  Vltruvliit  spricht  klar  aus,  daß  der  Ton  in  einer  Bewegung  der  Luft  be- 
steht. Dabei  bewegt  sich  seiner  Ansicht  nach  die  Luft  in  zahUosen  kon- 
zentrischen Kreisen,  gleich  den  Wellen  des  Wassers  in  welches  ein  Stein 
geworfen  wird.  Wie  diese  fortschreiten,  bis  sie  von  einer  Begrenzung  des 
Raumes  aufgehalten  werden,  so  schreitet  auch  der  Schall  in  Kreisen  durch 
die  Luft  fort.  Allein  im  Wasser  pflanzen  sich  diese  Kreise  bloß  in  hori- 
zontaler Eichtung  fort,  während  der  Schall  nicht  nur  in  der  Breite,  son- 
dern auch  in  senkrechter  Bichtung  immer  weiterschreitet. 

—  Vltruvliit  kennt  bereits  die  Zugramme  und  erwähnt  dieselbe  im  3.  Buche, 
Kapitel  3  seines  Werkes  über  die  Baukunst. 

48  Scribonlui  Larfut,  Leibarzt  des  Kaisers  Claudius,  verfaßt  eine  Sammlung 
von  Eezepten  (Compositiones  medicamentorum),  von  denen  noch  271  er- 
halten sind.  Unter  den  von  ihm  angegebenen  Salben  imd  Pflastern  be- 
finden sich  u.  a.  die  Vorbilder  des  Unguentum  basilicum  nigrum  und  des 
Emplastrum  fuscum  Hamburgense. 

—  ScrlbOiilut  Larfus  beschreibt  zuerst  die  Gewinnung  des  echten  Opiums  und 
benutzt  zuerst  die  Elektrizität  in  der  Medizin,  indem  er  bei  langwierigen 
Kopfschmerzen  und  bei  Podagra  den  Zitterrochen  auflegen  läßt. 

—  Serlbonlut  Larfut  imterscheidet  bereits  genau  den  Morbus  articularis  (akuten 
Gelenkrheumatismus)  von  der  Gicht  und  beschreibt  auch  die  Erscheinungen 
des  chronischen  Rheumatismus. 

60  Der  Baumeister  AndronlkM  von  Kyrrhos  in  Syrien  stellt  auf  dem  von  ihm 
erbauten  Turm  der  Winde  in  Athen  den  ersten  meteorologischen  Apparat, 
eine  Windfahne,  auf. 

—  Aritaeot  aus  Kappadocien  führt  den  Gebrauch  der  Kuhmilch  in  die  Kranken- 
diätetik ein. 

—  Athenatoi  von  Attalia  in  Pamphylien,  Stifter  der  pneumatischen  Ärzte- 
schule, bearbeitet  die  öffentliche  Gesimdheitspflege.  Er  gibt  Methoden 
zur  Filtration  des  Trinkwassers  an  und  stellt  Grundsätze  über  den  gesund- 
heitlichen Einfluß  der  Lage  der  Wohnungen  auf.  Die  Katalepsis  erkennt 
er  als  besondere  Krankheitsform. 

64  Kaiser  Ntro  rüstet  eine  Nilexpedition  aus,  die  auf  dem  weißen  Nil  bis  zu 
den  Verengungen  des  Stroms  durch  Ambatschinscln  und  Papyrusschilf 
gelangt  und  die  zur  Kenntnis  der  Negerstämme  beiträgt. 

60  Der  römische  AckerbauschriftsteUer  Lucius  Junius  Moderatus  Columella 
von  Gades  beschreibt  (in  „De  re  rustica",  lib.  IX.  6 — 7)  Bienenstöcke  aus 
Korkholz,  geflochtene  Bienenkörbe  aus  Weiden-  oder  Ferulazweigen,  sowie 
aus  Brettern  gezimmerte  oder  auch  aus  Ziegelsteinen  gemauerte,  feuer- 
und  diebessichere  Bienenhäuser,  Auch  behandelt  er  in  dem  genannten 
Werke  (lib.  VI,  VII  und  VIII)  die  Veterinärmedizin  der  Nutztiere  in  aus- 
führlicher W^eise  und  liefert  namentlich  eine  vorzügliche  Beschreibung  der 
Rind  Viehkrankheiten . 

-      30      — 


64 

60  Lucius  Junius  Moderatus  Mamtllt  beschreibt  eine  Art  von  Drainage  zur 
Bodenentwässerung,  bei  welcher  neben  offenen  Abzugsgr&ben  auch  bedeckte 
Drainagekanäle  angewendet  werden,  die  mit  einer  aus  Steinen  oder  Kies, 
im  Notfalle  auch  aus  Strauchwerk  bestehenden  Sickerschicht  verfuUt  und 
mit  Erde  überdeckt  sind.  („De  re  rustica'%  lib.  IL  2.  —  Vgl.  auch  1600 
Serres,  und  1756  Anderson). 

63  Lucius  Annaeus  SMMca  vollendet  seine  „Naturales  quaestiones'*.  Er  handelt 
darin  vom  Feuer,  Wasser  (Nil),  Hagel,  Gewitter,  Wind,  Erdbeben,  Ko- 
meten usw.  Er  führt  die  Springfluten  darauf  zurück,  daß  bei  ihnen  außer 
dem  Mond  auch  noch  die  Sonne  zur  Wirkung  gelangt.  Er  erkennt  zuerst, 
daß  der  Sitz  der  Erdstoße  in  gar  nicht  beträchtlicher  Tiefe  zu  suchen  sei 

—  Lucius  Annaeus  8wca  erwähnt,  daß  Buchstaben,  durch  eine  gläserne,  mit 
Wasser  gefüllte  Kugel  betrachtet,  größer  und  klarer  erscheinen. 

64  Pedanios  DlMkorMtt  von  Anazarba  in  Kilikien  verfaßt  das  Karonische 
Lehrbuch  über  die  Materia  medica  (Pflanzen,  Tiere  und  Mineralien).  Er 
schreibt  auch  ein  Buch  über  Gifte  und  Gegengifte. 

—  PedanioB  Dlotkoridat  beschreibt  ein  Verfahren  zur  Gewinnung  von  Queck- 
silber aus  Zinnober,  sowie  die  Darstellung  von  Bleiacetat,  Kalkwasser  und 
Kupfervitriol.  Er  erwähnt  das  Zinkozyd,  das  bei  dem  Bearbeiten  zink- 
haltiger Substanzen  sublimiert  und  vergleicht  dasselbe  mit  Büscheln  von 
Wolle,  auf  welchen  Vergleich  die  Alchimisten  die  Bezeichnung  „Lana 
philosophica"  gründen.  Er  kennt  das  Chlorblei,  und  führt  an,  daß  Blei- 
glätte mit  Steinsalz  und  warmem  Wasser  weiß  werde. 

—  Pedanios  Dlotkorhtat  gibt  die  ältesten  Notizen  über  die  Benutzung  des  See- 
salzes  und  erwähnt,  daß  das  beste  Seesalz  von  Cypem,  Sizilien,  Afrika 
und  Phrygien  kommt. 

—  Pedanios  Dlotkoridtl  spricht  von  einer  aus  der  Holzasche  auszulaugenden, 
im  Wasser  löslichen  Substanz,  erwähnt  jedoch  nicht  ihre  Darstellung  in 
fester  Gestalt,  d.  h.  als  Pottasche.  Dagegen  kennt  er  die  feste  Soda, 
die  er  als  "Av^s  dXög  (Flos  salis)  bezeichnet  und  deren  Verwendung  er  u.  a. 
in  der  Glasfabrikation  erwähnt.  Er  gibt  ausführliche  Nachrichten  über 
den  von  ihm  nach  dem  Vorgange  des  Aristoteles  ,,Sandarah*'  genannten 
Realgar  (SchwefelarBenik). 

^  Pedanios  DIoskorMat  beschreibt  die  Bereitung  des  Ätzkalks  aus  Muschel- 
schalen, Kalksteinen  oder  Marmor,  die  man  bis  zum  Weißwerden  glühe, 
und  sagt,  daß  man  den  Kalk  aus  Marmor  vorziehe.  Er  spricht  von  den 
kaustischen  Eigenschaften  des  gebrannten  Kalks  und  von  der  Behandlung 
desselben  mit  Wasser.  Er  bezeichnet  das  Gipsen  des  Weins  als  ver- 
werflich. 

—  Pedanios  DiotkorldM  kennt  den  Indigo  und  sagt,  daß  derjenige  Indigo, 
mit  welchem  gefärbt  werde,  ein  purpurfarbiger  Schaum  sei,  der  in  den 
Kesseln  oben  stehe  und  welchen  die  Künstler  absonderten  und  trockneten. 
Für  den  besten  werde  der  gehalten,  der  bläulich,  saftig  und  zart  sei.  Auch 
gibt  er  Nachrichten  über  das  natürlich  vorkommende  Schwefelantimon, 
das  zum  Färben  der  Augenbrauen  verwendet  wird. 

—  Pedanios  Dlotkoridts  stellt  zuerst  die  auch  für  die  Augenheilkunde  wichtige 
wundärztliche  Betäubung  (Anaesthesie)  vermittels  eingekochten  Spiritus- 
extrakts  der  Mandragorawurzel  wissenschaftlich  dar. 

—  Pedanios  Dlotkorides  kennt  das  Wollfett  (OTovnoc,),  das  seiner  Angabe  nach 
durch  Auskochen  von  Schafwolle  und  Abschöpfen,  Auswaschen,  Um- 
Bchmelzen,  Abpressen  und  Bleichen  des  obenauf  schwimmenden  Fettes  dar- 
gestellt wird.  Er  empfiehlt  dasselbe  —  sowohl  für  sich,  als  auch  in  Ver- 
bindung mit  anderen  Stoffen  —  als  Heilmittel  gegen  die  verschiedenartigsten 
Krankheiten.   Er  beschreibt  ein  rohes  DestiDations verfahren  zur  DarsteUung  X 

—     31     — 


64 

des  Terpentinöls,  bei  dem  ein  Topf  als  Retorte  und  ein  Bündel  darüber 
aufgehängter  Wolle  als  Rezipient  dient. 

64  Pedanios  DiMkorldos  kennt  den  Enzian,  der,  wie  Fraas  meint,  vermutlich, 
da  Gentiana  lutea  in  Griechenland  nicht  vorkommt,  aus  lllyrien  bezogen 
/  wurde.  Er  kennt  auch  den  Wurmsamen,  den  Samen  einer  Artemisiaart, 
aus  der  später  das  Santonin  (s.  1830  K.),  der  HauptrepräÄcntant  der  an- 
thelminthischen  Wirkung  der  Droge,  gewonnen  wird.  Dioskorides  spricht 
bereits  von  der  Artischocke,  die  er  HxoXvfw;  nennt  und  die  schon  zu  seiner 
Zeit  eine  Speise  der  Reichen  war.  Der  Name  Artischocke  ist  arabischen 
Ursprungs  und  entspricht  dem  syrischen  Ardischaukd,  Erddom.  Auch  er- 
wähnt er  unter  dem  Namen  „Ilzegig**  den  von  alters  her  als  Wurmmittel 
gebrauchten  männlichen  Farren  (Radix  filicis  maris). 
^—  Pedanios  DIotkoricIes  kennt  Rizinusöl,  Mandelöl,  Nußöl  usw.  und  gibt  an» 
daß  man  sich  zur  DarsteUung  der  öle  zweier  Methoden,  des  Auspressens 
und  des  Kochens  mit  Wasser,  bediene,  wobei  sich  das  öl  oben  abscheidet. 
Jedoch  dürfte  es  sich  bei  diesem  Verfahren  mehr  um  die  Darstellung  von 
fetten  ölen  als  um  die  von  ätherischen  handeln. 

66    Nach  dem  Berichte  des  älteren  Pünius  („Historia  naturalis",  lib.  XXXVII) 

bedient  sich   der   römische  Kaiser  Nero  bei  den  Gladiatorenkämpfen  eines 

geschliffenen  Smaragden   zum  Zusehen.    Da  —  anderen   Nachrichten   zu- 

,    folge  —  der  Kaiser  Nero  kurzsichtig  gewesen  ist,  scheint  es  sich  hier  um 

^  eine  Art   von  Augenglafi   gehandelt   zu  haben,  —  das  erste  geschichtliche 
Beispiel  dieser  Art. 

68  Nachdem  schon  Periandros  die  Absicht  gehabt  haben  soU,  den  Isthmus 
von  Korinth  zu  durchstechen,  läßt  der  Kaiser  Nero  die  Kanallinie  fest- 
steUen  und  den  Bau  durch  jüdische  Sklaven  in  Angriff  nehmen.  Die  Voll- 
endung wird  indes  durch  den  Aufstand  des  Julius  Vindex  gehemmt,  und 
erst  in  neuester  Zeit  ist  der  Kanal  an  der  von  Nero  gewählten  Stelle  durch 
eine  französische  bez.  griechische  Baugesellschaft  tatsächlich  ausgeführt 
worden. 

77  Gajus  Pllnius  der  Ältere  behandelt  in  seiner  37  Bücher  umfassenden  „Hi- 
-^  storia  naturalis"  zunächst  die  Physik  und  Astronomie,  demnächst  Geo- 
graphie und  Ethnographie,  femer  Naturgeschichte,  Heilmittellehre,  Minera- 
logie und  Kunstgeschichte.  Das  Werk  ist  eine  vielfach  unzuverlässige 
Ausbeutung  älterer  Schriften,  aber  dennoch  eine  unschätzbare  Fundgrube 
für  die  Kenntnis  antiker  Wissenschaft. 

—  Pllnius  beschreibt  die  bergbauliche  Silbergewinnung  und  die  Silbergewinnung 
durch  Abtreiben  des  Werkbleis.  (Über  die  Aufbereitung  der  Silbererze, 
die  teils  durch  Stoßen  in  Mörsern,  teils  durch  Mahlen  erfolgte,  hatten  be- 
reits Strabo  und  Diodor  berichtet.)  Auch  gibt  Plinius  eine  Schilderung 
des  in  großartigem  Maßstabe  in  Spanien  betriebenen  Goldbergbaus. 

■^T  Pllnius  kennt  die  Scheidung  von  Gold  und  Silber  durch  Quecksilber 
•^  (Amalgamation).  Zur  Goldgewinnung  wird  seiner  Angabe  nach  der  gold- 
haltige Stoff  mit  Quecksilber  in  einem  irdenen  Gefäße  geschüttelt,  und 
aus  dem  entstandenen  Amalgam  das  Quecksilber  durch  Destillation  ent- 
fernt. Auch  die  Vergoldung  des  Kupfers  mittels  Goldamalgams  wird  von 
Plinius  erwähnt.     („Hist.  nat."  Hb.  XXXIII.  32.) 

—  Daß  schon  im  Altertum  Diamanten    zum  Steingravieren  dienten,  beweist 
"i-  dieÄußerung  des  Pllnius  („Hist.  nat."  XXXVII,  5, 15),  daß  „die  Steinschneider 

die  Diamantsplitter  in  Eisen  fassen  und  ohne  Schwierigkeit  damit  in  jeden 
andern  Stoff  graben*'. 

—  Pllnius  kennt  die  Steinsägen,  wie  aus  „Hist.  nat.**  XXXVI,  44  „In  Belgica 
provincia  serra  lapidem  secant**  hervorgeht.  (Vgl.  auch  352  v.  Chr.) 

—     32     — 


77  Neben  Aristoteles  („Problemata"  LXI)  und  Plutarch  („Quaest.  nat."  XII)  er- 
wähnt im  Altertume  auch  Pllnlus  („Historia  naturalis'*,  lib.  II)  als  eine  all- 
bekannte Tatsache»  daß  sich  die  Meereswellen  durch  öl  beruhigen  lassen. 
Er  führt  als  Beweis  für  die  Krümmung  der  Erdoberfläche  die  Tatsache 
an,  daß  auf  dem  Meere  zuerst  der  Mast,  und  erst  später  der  Rumpf  der 
Schifife  sichtbar  wird. 

—  Plinim  erwähnt  Becher,  in  denen  das  Trinkwasser  durch  WoDe  filtriert  wird.  ^ 
Ganz  in  gleicher  Weise  läßt  (1020)  Avicenna  Wasser  mehrmals  aus  einem^ 
Gefäß  in  das  andere  durch  Wolle  hinüberleiten,  um  es  zu  reinigen. 

—  ranloi  berichtet  in^ seiner  „Historia  naturalis"  (lib.  XIX)  von  Tischtüchern, 
welche  aus  unverbrennlichem  Steinfiachs,  d.  i.  Asbest,  gefertigt  waren,  und 
durch  Ausglühen  im  Feuer  gereinigt  werden  konnten.  Auch  erwähnt  er 
die  Verwendung  von  Asbestlaken  als  Totenkleider  bei  Feuerbestattungen, 
so  daß  die  Asche  der  Leiche  getrennt  von  der  Holzasche  gesammelt  werden 
konnte,    (Vgl.  430  y.  Chr.  Kallimachos.) 

—  Pllniut  erwähnt  den  Kattun  druck  mit  gebeizten  Mustern  als  ägyptisches 
Fabrikationsverfahren.  Diese  Erwähnung  findet  ihre  Bestätigung  durch 
die  im  Gräberfeld  von  Achmim  (Panopolis)  in  Ägypten  durch  R.  Forrer  auf- 
gefundenen Druckformen  für  Zeugdruck,  welche  die  Muster  in  erhabenen 
Konturen  enthalten.  Auch  kennt  Plinius  bereits  das  rote  Bleioxyd  (Men-y 
nige),  dessen  Überführung  in  braunes  Bleioxyd  durch  wässeriges  Chlor 
zuerst  Scheele  beschreibt. 

—  Pllnlus  kennt  die  Seife  und  unterscheidet  bereits  weiche  und  harte  Seifen. 
Aus  seinen  Angaben  scheint  hervorzugehen,  daß  die  Seife  zu  seiner  Zeit 
namentlich  als  haarverschönemdes  Mittel  angewendet  wird.  Auch  erwähnt 
er  das  Schwefeln  der  Weinfässer  zur  Konservierung  und  Verbesserung  des 
Weins  als  eine  bekannte  Tatsache. 

—  Pllnlus  erwähnt  zuerst  die  Operation  des  Kaiserschnittes  an  einer  Toten,  \ 
die  nach  seiner  Zeit  erst  1305  wieder  von  Bemard  de  Gordon  und  später 
von  Guy   de  Chauliac   ausgeführt  wird,   welch   letzterer  genaue  Angaben 
über  Instrumente  und  Schnittrichtung  gibt. 

78  Pllnlus  weiß,  daß  die  Geschwindigkeit  des  Lichts  keine  unendlich  große  ist.^ 
Er  sagt  („Historia  naturalis",  lib.  II,  56):  „Daß  der  Blitz  eher  gesehen,  als 
der  Donner  gehört  wird,  obgleich  beide  zu  gleicher  Zeit  entstehen,  ist  kein 
Wunder.    Denn  das  Licht  pflanzt  sich  weit  schneller  fort,  als  der  Schall.'* 

—  Pllnlus  erwähnt  die  Brunnenkresse  (von  ihm  Sisymbrium  genannt),  deren 
Saft  als  Heilmittel  gebraucht  wird,  und  den  Wasserfenchel,  der  auf  Emp- 
fehlung von  Emsting  seit  1739  als  Fiebermittel  und  gegen  Lungenschwind- 
sucht verwendet  wird.  Auch  kennt  Plinius  die  Banane,  die  in  Indien  seit  «k 
den  ältesten  Zeiten  bekannt  ist,  unter  dem  Namen  „Pala**  bez.  „Ariena**. 
Ihren  Namen  „Musa''  erhält  sie  von  Linn6.  Er  spricht  auch  von  der 
Artemisia  als  Mittel  gegen  Epilepsie. 

—  Pllnlus  gibt  die  ersten  Nachrichten  über  die  Anwendung  von  Mähmaschinen.  ^ 
Er  berichtet,  daß  auf  den  großen  gallischen  Landgütern  ein  Mähapparat 
in  Gebrauch  ist,  der  aus  einem  mit  scharfen  Zähnen  besetzten,  beider- 
seits in  Hädem  laufenden  Balken  besteht.  Der  durch  Zugtiere  bewegte 
Apparat  reißt  nur  die  Ähren  ab  und  läßt  die  Halme  stehen.  (Vgl.  350 
PalladiuB.) 

—  Neben  den  schwarzen  Tinten,  die  im  Altertum  meist  aus  Ruß  und  öl  \ 
hergestellt  wurden,  und  den  farbigen  Tinten,  die  sowohl  aus  echtem  Purpur 
als  auch  aus  Kermesbeeren  bereitet  wurden,  spielt  eine  wichtige  Rolle  im 
Altertum  die  Goldschreibkunst  (Chrysographie),  die  bereits  Plutarch  er- 
wähnt, und  die  im  2.  Jahrhundert  n.  Chr.  in  Byzanz  zu  einem  ausge- 
breiteten Kunsthandwerk  wird.     Noch  im  Mittelalter  wird  Goldtinte  viel 

DarmBtaedter.  3 

—     33     — 


78 


frebraucht  und  daneben  Silbertinte  angewendet,  welche  u.  a.  für  den  Codex 
argenteus  in  Upsala  verwendet  worden  ist. 
78  Die  Verwendung  der  Geschütze  auf  Kriegsschiffen  reicht  im  Altertume 
weit  zurück.  Vgl.  die  Angaben  des  gegen  Ende  des  3.  Jahrhunderts  v.  Chr. 
lebenden  Mechanikers  Athenaeos.  Die  ältesten  Nachrichten  über  Ge- 
schütztürme auf  Schiffen  finden  sich  bei  Plutareh,  welcher  (in  „Mar- 
cus Antonius'*,  Kap.  66)  berichtet,  daß  die  Schiffe  des  Marcus  Anto- 
nius zum  Gebrauche  der  Katapulten  mit  hölzernen  Türmen  versehen 
waren. 

—  Pluüurdi  erwähnt  den  Fall  eines  Aerolithen  und  sagt,  daß  solche  Körper 
von  außerhalb  unseres  Erdballs  kommen. 

8p  Der  Anatom  Marinus  entdeckt,  wie  Galenus  anführt,  die  Darmdrüsen,  die 
Gaumennerven  und  die  Stimmnerven.  Er  gibt  eine  vollständige,  systema- 
tische Anatomie  heraus. 

—  Der  römische  Kaiser  TItut  voUendet  das  von  seinem  Vater  Vespasianus 
begonnene  riesenhafte  Flavische  Amphitheater  in  Rom  (Kolosseum),  das, 
jetzt  durch  Abbruch  in  seiner  Ausdehnung  teilweise  verringert,  ursprüng- 
lich eine  Ellipse  von  524  m  Umfang  (große  Achse  185  m,  kleine  Achse 
156  m)  umschloß,  und  50000,  angeblich  sogar  85000  Zuschauer  faßte. 

84  Gnaeus  Julius  Africda  läßt  als  Statthalter  Britanniens  von  seiner  Flotte 
die  ganze  Insel  umschiffen,  wobei  die  Orkney-Inseln  (Orkaden)  entdeckt 
werden. 

90  Der  römische  Arzt  Herodotut  teilt  den  Fieberverlauf  in  4  Stadien,  das  des 
Anfangs,  der  Zunahme,  der  Höhe  und  der  Abnahme. 

07  Sextus  Julius  Frontinut  entwickelt  eine  epochemachende  Tätigkeit  im  Bau 
von  Aquädukten  und  begründet  durch  seine  Schrift  „De  aquis  urbis 
Eomae"  eine  neue  Aera  für  die  Wasserversorgung  der  Städte.  Er  erwähnt, 
daß  die  zu  den  Wasserleitungen  erforderlichen  Bleiröhren  in  17  Kalibern 
angewendet  werden.  Die  Bleiröhren  werden  aus  Streifen  zusammen - 
gehämmert  und  äußerlich  verlötet. 

—  Frontliiiit  kennt  die  Abhängigkeit  der  Ausflußgeschwindigkeit  des  Wassers 
von  der  Druckhöhe  der  Wassersäule. 

—  Htliodorus  schreibt  eine  Abhandlung  über  die  Unterleibsbrüche,  die  er  in 
Nabel-,  Scrotal-  und  Inguinalbrüche  einteilt  und  als  deren  Ursache  ihm 
die  abnorme  Verlängerung  und  Zerreißung  des  Bauchfells  gilt. 

—  Riifiit  von  Ephesos  übt  die  ZergUedenmgskunst  an  Tieren,  insbesondere  an 
Affen  aus,  und  unterscheidet  die  Nerven,  deren  Ursprung  er  ins  Gehirn 
legt,  nach  dem  Vorgang  des  Erasistratos  (s.  300  v.  Chr.),  in  empfindende 
und  bewegende.  Er  sagt,  das  Herz  sei  der  Sitz  des  Lebens,  der  tierischen 
Wärme  und-  des  Pulsschla|2:es. 

100  Archlf^ntS  von  Apamea  gibt  in  seiner  Abhandlung  „/7c^(  a(pvyfi€ov*'  eine  aus- 
führliche Pulslehre  und  unterscheidet  zwischen  der  normalen  Bewegung 
der  Arterien,  die  den  Puls  ausmachen,  und  abnormen  Bewegungen  der- 
selben. Die  Pulslehre  des  Galenus  ist  nur  eine  Ausführimg  derjenigen  des 
Archigenes. 

—  Der  (Chinese  Cho-chlu-M  schreibt  mit  Benutzung  der  Lehren  des  Nan- 
Kiyo  (s.  300  v.  Chr.)  zwei  Bücher,  das  Sho-kan-ron  und  das  Kin-ki,  die 
eine  vollständige  Darstellung  der  Therapie  geben.  Er  wird  als  der  Hippo- 
krates  der  Chinesen  gepriesen. 

—  Heron  von  Alexandria  kennt  die  vier  physikalischen  Grundeigenschaften 
der  Körper  (Ausdehnung,  UndurchdringHchkeit,  Porosität  und  Teilbarkeit), 
imd  untersucht  die  Elastizität.  Er  stellt  hygroskopische  Beobachtungen 
an.  Er  kennt  das  Grundgesetz  der  Reflexion  (Gleichheit  des  Einfalls-  und 
Ausfallswinkels)  und  die  Eigenschaft  der  Sehstrahlen  (Lichtstrahlen),  den 

—     84      — 


100 

kürzesten  Weg  einzuschlagen  und  sich  in  demselben  Medium  geradlinig 
fortzupflanzen.  Er  weiß,  daß  Quecksilber  schwerer  ist  als  Wasser. 
100  Htfwi  kennt  die  fünf  einfachen  Maschinen  und  die  goldene  Regel  der 
Mechanik,  sowie  die  Zusammensetzung  zweier  Bewegungen  zu  einer  resul- 
tierenden. (Ähnliches  findet  sich  schon  bei  Aristoteles.)  Er  stellt  Schwer- 
punktsuntersuchungen an.  Auch  kennt  er  das  Gesetz  des  Hebers  und  der 
kommimizierenden  Röhren  und  die  Abhängigkeit  der  Ausflußgeschwindig- 
keit von  der  Druckhöhe,  d.  h.  von  der  Höhe  der  Flüssigkeitsoberfläche 
über  der  AusflußöfTnung.     (Vgl.  97  Frontinus.) 

—  Htnm  gibt  ein  Thermoskop  an  (s.  "Hgcovog  AXe^avögiotg  Wsvpiaxix&v  ß'),  bei 
welchem  durch  Erwärmung  (Aufstellung  in  der  Sonne)  oder  Abkühlung 
(Aufstellung  im  Schatten)  Wasser  in  einer  Röhre  emporgepreßt  oder  ab- 
gesaugt wird,  imd  welches  somit  den  Grundgedanken  des  Thermometers 
enthält.  —  Eine  ähnliche  Vorrichtung  beschreibt  PhilOj  von  Byzanz  in 
seiner  Schrift  „De  ingeniis  spiritualibus". 

—  Htron  konstruiert  Pressen  verschiedener  Art  (öl-  und  Weinpressen)  und 
beschreibt  eine  Seilbahn,  sowie  Krane  und  andere  Hebevorrichtungen.  Er 
erwähnt  einen  Geisterspiegel  und  beschreibt  einen  Weihwasserautomaten, 
welcher  gegen  Einwurf  eines  Fünfdrachmenstücks   eine  bestimmte  Menge 

Weihwasser  abgibt.     (S.  "Hgcovog  AXe^avögicos  Uvevfiaxixwv  d), 

—  Htron  fördert  das  von  Ktesibios  (s.  230  v.  Chr.)  erschlossene  Gebiet  der 
pneumatischen  Maschinen.  Er  erfindet  den  Heronsbrunnen  und  den  Wind- 
kessel und  vervollkommnet  viele  der  von  Ktesibios  und  Philo  (s.  210  v.  Chr.) 
angegebenen  pneumatiBchen  Apparate.  Er  kennt  die  Reaktionsdampfkugel 
(Aeolipile)  und  das  Reaktionsröhrenkreuz  (eine  Turbine  nach  Art  des 
Segner'schen  Wasserrades)  und  verwendet  in  einem  Dampfkessel  Innen- 
feuenmg  und  Quendeder. 

—  Heron  kennt  ein  geometrisches  Instrument,  welches  sich  als  Vorläufer  des 
Storchschnabels  darstellt,  und  ein  anderes,  das  zur  Konstruktion  ähnlicher 
körperlicher  Figuren  dient.  Er  soll  die  Grundlage  für  die  Markscheide- 
kunst gelegt  haben. 

—  Htron  zeigt  in  seiner  Lehre  vom  Geschützbau,  wie  die  Biegungselastizität  der 
Bogenarme  weit  von  der  Torsionselastizität  gedrehter  Stränge  übertroffen 
wird  und  wie  man  solche  Stränge  mit  der  zum  Fortschleudern  des  Ge- 
schosses bestimmten  Sehne  in  Verbindung  setzt.  Seine  theoretischen  und 
praktischen  Ausführungen  fußen  vielfach  auf  der  Mechanik  der  Alexan- 
driner (Ktesibios  und  PhUo). 

—  Htron  kennt  einen  Wegemesser  für  Wagen.  Bei  demselben  wird  die  Um- 
drehung der  Wagenräder  mittels  Zahnradübersetzung  auf  ein  Zählwerk 
übertragen,  dessen  Zeiger  auf  einer  mit  Entfemungsmarken  versehenen 
Scheibe  die  von  dem  Wagen  zurückgelegten  Entfernungen  in  Stadien  an- 
zeigt. In  dieser  Konstruktion  ist  der  Grundgedanke  der  heutigen  Fahr- 
preisanzeiger-Fuhrwerke deutlich  zu  erkennen.  Heron  kennt  auch  einen 
Wegemesser  für  Schiffe,  bei  welchem  die  Umdrehungen  einer  im  Wasser 
fortbewegten  Flügelschraube  in  ähnlicher  Weise  auf  ein  Zählwerk  über- 
tragen werden.    (Vgl.  a.  13  v.  Chr.  Vitruvius.) 

—  Htron  kennt  die  Auflösung  quadratischer  Gleichungen.  Wenigstens  ist 
die  Berechnimg  einer  unreinen  quadratischen  Gleichung  an  seinen  Namen 
geknüpft. 

—  Htron  konstruiert  die  „Dioptra",  ein  Feldmeßinstrument  als  Vorläufer 
unseres  Theodoliten  und  schreibt  ein  Lehrbuch  über  die  Inhaltsberech- 
nung von  Flächen  (darunter  Vielecken)  und  Körpern  und  über  ihre  Teilung. 
Er  verwendet  die  sog.  Heron'sche  Dreiecksformel  (Inhaltsberechnung  des 
Dreiecks  aus  den  drei  Seiten). 

3* 

—     35     — 


100 

100  Klaomedas  schreibt  einen  Auszug  ans  des  Poseidonios'  Astronomie  nnd  erwähnt 
bereits  die  astronomische  Strahlenbrechung,  die  aUe  Sterne,  mit  Ausnahme 
der  im  Zenit  befindlichen  (s.  1604  E.)  höher  erscheinen  läßt,  als  sie  stehen. 
£r  weiß,  daß  der  Lichtstrahl  beim  Übergang  aus  einem  dichteren  Stoff 
in  einen  dünneren  nach  dem  Lot  hin  gebrochen  wird  {KardxAaaig), 

—  MtiMlaos  von  Alexandria  behandelt  in  seinem  Werke  „Sphaericorum  libri  IV" 
die  wichtigsten  Sätze  der  sphärischen  Trigonometrie,  worin  auch  der  nach 
ihm  benannte  Satz  von  den  Abschnitten  der  durch  eine  Transversale  ge- 
schnittenen Dreiecksseiten  enthalten  ist.    (Vgl.  1250  Nassir-Eddin.) 

104 — 5  Apollodoros  von  Damaskus  baut  im  Auftrage  Trajans  die  berühmte 
Brücke  über  die  Donau. 

106  Nachdem  die  Chinesen  schon  im  3.  Jahrhundert  v.  Chr.  Papier  aus  Hanf 
hergestellt  hatten,  erfindet  Tsal-lun  die  Herstellung  von  Papier  aus  Seiden- 
und  Leinenlumpen. 

106  Cajus  Julius  Lacer  erbaut  im  Auftrage  des  Kaisers  Trajan  die  berühmte 
Brücke  über  denTagus  (Tajo)  bei  Alcantara,  die  aus  Granitquadern  ohne 
Mörtel  hergestellt  ist. 

107-— 13    Apollodoros  erbaut  das  Trajansforum. 

110  Marinot  vonTyros  entwirft  eine  neue,  die  römischen  Entdeckungen  berück- 
sichtigende Erdkarte  (Gradnetzkarte). 

—  Soranos  von  Ephesos,  Haupt  Vertreter  der  methodischen  Ärzteschule,  schreibt 
über  Frauenkrankheiten  (erstes  Hebammenbuch)  und  über  akute  und 
chronische  Krankheiten.  Seine  Verbandlehre  veranschaulicht  eine  mit  Ab- 
bildimgen  versehene  Handschrift  der  Bibliotheca  Laurentiana  in  Florenz. 

120    Apollodoros  widmet  dem  Kaiser  Hadrian  sein  Werk  „Poliorketika**. 

—  Attionaoot  von  Alexandria  berichtet,  daß  man  zu  den  Lebzeiten  seines  Groß- 
vaters angefangen  habe,  die  Citrone,  die  Theophrastos  bereits  kannte, 
die  aber  erst  späterhin  veredelt  wurde,  zu  den  genießbaren  Früchten  zu 
rechnen. 

140  Antyllot  beschreibt  zuerst  die  Aneurysmen,  die  er  vermittels  Spaltung 
der  sackförmigen  Erweiterung  des  Arterienrohres  imd  doppelter  Unter- 
bindung ( Antyllische  Methode)  behandelt  und  ist  der  erste,  der  seit  Askle- 
piades  (s.  70  v.  Chr.)  die  Tracheotomie  nicht  nur  vornimmt,  sondern  auch 
die  Regeln  aufstellt,  nach  welchen  sie  vorgenommen  werden  müsse. 

150  Die  älteste  Bezeichnimg  der  Zahlenziffern  ist  in  Griechenland  diejenige 
durch  die  Anfangsbuchstaben  der  Zahlwörter  (die  Ziffern  1 — 4  durch 
Striche).  Diese  Bezeichnungsart,  die  bis  300  v.  Chr.  aUgemein,  bis  100 
V.  Chr.  noch  vereinzelt  in  Gebrauch  war,  wird  von  dem  byzantinischen 
Grammatiker  Horodlanos  i.  J.  150  n.  Chr.  beschrieben,  woher  die  Benen- 
nung „Herodianische  Zahlen*'  stammt.  Seit  dem  Jahre  500  v.  Chr.  bildet 
sich  daneben  in  Griechenland  die  später  ausschließlich  angewendete  Be- 
zeichnung der  Ziffern  durch  die  Buchstaben  des  ionischen  Alphabets  aus. 

—  Nlkomachot  von  Gerasa  (Arabien)  schreibt  in  neupythagoreischem  Sinn  das 
erste  Lehrbuch  der  Arithmetik,  beschäftigt  sich  mit  zahlentheoretischen 
Problemen  und  gibt  eine  vollständige  Theorie  der  Polygonalzahlen  (figu- 
rierten Zahlen). 

-^  Claudius  Ptolemaeus  von  Alexandria,  gleich  bedeutend  als  Astronom,  Mathe- 
matiker und  Geograph,  faßt  seine  Trigonometrie,  welche  die  Hauptsätze 
der  ebenen  und  sphärischen  Trigonometrie  behandelt,  und  seine  astrono- 
mischen Lehren  zusammen  in  dem  großen  Werke  Meyah]  ovvxa^ig,  bekannter 
unter  dem  Namen  „Almagest**  (entstanden  aus  dem  Titel  der  um  827  ent- 
standenen arabischen  Übersetzung  „Tabrir  al  magesthi").  Die  Lehrsätze 
des  Almagest  beherrschen  weit  über  ein  Jahrtausend  die  Wissenschaft. 

—     36     — 


167 

150  Die  Astronomen  des  Altertums  bestimmten  den  Winkel  durch  die  Sehne. 
(Vgl.  146  V.  Chr.  Hipparcbos.)  Anstatt  der  Sinustafeln  wurden  daher 
Sehnentafeln  benutzt,  deren  berühmteste  PteltiiiaMn  im  9.  Kapitel  des 
I.  Buches  des  Almagest  gibt.  Dieselbe  enth&lt  die  Sehnen  der  Winkel 
von  halben  zu  halben  Graden.  Aus  der  lateinischen  Übersetzung  der 
Untereinteilungen  „Partes  minutae  primae"  bez.  „Partes  minutae  secundae" 
sind  die' Bezeichnungen  „Minute"  und  „Sekunde"  entstanden. 

—  Ptotaiatut  gibt  in  seinem  Almagest  einen  Stemkatalog  mit  1028  Nummern 
heraus.  £r  untersucht  mit  Hilfe  des  von  ihm  erfundenen  Triquetrum 
die  Mondparallaxe,  die  er  etwas  zu  groß  findet,  imd  versucht  eine 
Bestimmung  der  Sonnenparallaxe,  die  allerdings  20  mal  zu  hoch  ausfällt. 
Er  entdeckt  die  Evektion,  die  beträchtlichste  der  Ungleichheiten  der 
Mondbahn. 

—  Ptolamatas  behandelt  in  seinen  „Opticorum  sermones  quinque"  die  Theorie 
des  Sehens,  die  Reflexion,  die  Theorie  der  ebenen  und  sphärischen  Spiegel, 
die  Refraktion  und  mißt  ziemlich  genau  die  Winkel,  die  der  einfallende 
und  der  gebrochene  Strahl  mit  dem  Einfallslot  bilden,  für  Luft  und  Wasser, 
Wasser  und  Glas,  sowie  Luft  und  Glas.  In  dem  für  das  Verständnis  der 
griechischen  Musik  höchst  wichtigen  Werke  „Harmonica"  bringt  er  die 
musikalische  Akustik  des  Altertums  zum  Abschlüsse. 

—  Ptolemaeus  gibt  die  erste  Theorie  des  wissenschaftlichen  Kartenzeichnens, 
das  er  als  Registrierung  der  durch  astronomische  Beobachtung  gewon- 
nenen Positionsbestimmungen  in  einer  nach  mathematischen  Gesichts- 
punkten bestimmten  Projektionsart  der  konischen  Projektion  auffaßt. 
Das  Gradnetz  umfaßt  die  bewohnte  Erde  vom  10^  s.  Br.  bis  26^  n.  Br., 
und  von  Irland  bis  Java  und  Sumatra.  Erwähnt  sind  8000  Orte. 

—  Nachdem  Hipparchos  mit  der  Präzession  die  Veränderlichkeit  der  Dekli- 
nation imd  die  Eonstanz  der  Breite  entdeckt  hatte  (s.  146  v.  Chr.),  ändert 
Ptoiemaeus  die  Armillarsphäre  (s.  240  v.  Chr.)  so  ab,  daß  auch  die  Lage 
gegen  die  nun  als  Hauptgrundebene  gewählte  Ekliptik  unmittelbar  be- 
stimmt werden  kann.  Das  so  geänderte  Instrument  erhält  den  Namen 
Astrolabium. 

160  Apiitojiit  erwähnt  bereits  die  Verwendung  von  Kerzenlicht  bei  kirchlichen 
Zeremonien  und  unterscheidet  Wachs-  und  Talgkerzen  als  Cerei  und  Sebacei. 
Im  0.  Jahrhundert  jedoch  beginnen  erst  die  Kerzen  den  Kienspan  im 
bürgerlichen  Haushalte  zu  verdrängen. 

167  Claudius  Qaltniis  von  Pergamon,  der  berühmteste  Arzt  des  Altertums  nach 
Hippokrates,  dessen  Schriften  er  erklärt,  und  dessen  Dogmatismus  er  er- 
neuert, verfaßt  über  200  Schriften,' in  denen  alle  Teile  der  Medizin  (daneben 
Philosophisches  und  Philologisches)  abgehandelt  sind.  Besonders  erforscht 
er  die  Anatomie,  Physiologie  und  Pathologie  und  spricht  Anschauimgen 
aus,  die  bis  zu  Vesals  Zeit  ihre  Gültigkeit  bewahren.  Galenus  weiß  be- 
reits, daß  die  Empfindungen  durch  die  sensiblen  Nerven  vermittelt  werden 
und  daß  dieselben  durch  Kompression  der  Nerven  vorübergehend,  durch 
Unterbindimg  oder  Durchschneidung  dauernd  verloren  gehen. 

—  QalMiiit  handelt  in  seinen  Schriften  „Von  den  örtlichen  Leiden'',  „Von  den 
Ursachen  der  Symptome",  „System  der  Heilkunst"  und  „Über  die  örtlichen 
Heilmittel"  vielfach  auch  über  Augenheilkunde.  Seine  eigentlichen  augen- 
ärztlichen Schriften  „'Chtuxoi  Xoyoi**  (Optik)  und  „Twv  iv  6q){}aXfwTg  jia^iHv  did- 
yv€oaig**  (Diagnostik  der  Augenkrankheiten)  sind  verloren  gegangen.  Nach  jenen 
Schriften  ist  zu  schließen,  daß  die  alten  Griechen  im  wesentlichen  nur 
die  Niederdrückung  des  Stares  kannten.  Nur  gelegentlich  lief  dieses 
Verfahren  auf  eine  Zerstückelung  hinaus.  Beim  Milchstar  kam  es  zuweilen 
bei  der  Niederdrückung  zu  einer  einfachen  Kapselzerschneidimg  und  Ent- 

—     37     — 


167 


leerung  der  Starmasse.  Eine  Ausziehung  wurde  nur  bei  weichen  und  zer- 
stückelten Staren  gewagt.  Der  Homhautstich  und  die  Extraktion  des 
harten  Vollstars  waren  den  Alten  unbekannt. 
167  QalMiit  schreibt  Werke  über  die  Arzneimittel  „De  simplicium  medicamen- 
torum  temperaturis  et  facultatibus*'  und  „De  compositione  medicamen- 
torum",  die  Jahrhunderte  hindurch  den  höchsten  Rang  behaupten.  Nach 
ihm  heißen  noch  heute  Mengungen,  wie  Pflaster,  Salben,  sowie  Infusa, 
Decocta  usw.  „Galenische  Arzneimittel". 

—  Qalenus  bearbeitet  in  seiner  Schrift  „De  sanitate  tuenda"  die  Diätetik 
des  Erwachsenen,  des  Kindes  und  des  Jünglings.  Auch  gibt  er  ein- 
gehende Vorschriften  über  das  Massieren  und  verwendet  die  Massage  viel- 
fach in  Verbindung  mit  gymnastischen  Übungen.  Zu  seiner  Zeit  soll  es 
in  Rom  besondere  Ärzte  für  Massage  gegeben  haben.  Er  empfiehlt  als 
erster  die  klimatische  Kur,  namentlich  auch  Seereisen  gegen  Schwindsucht. 

169  Qalmus  kennt  den  Unterschied  der  Arterien  und  Venen,  lehrt,  daß  die 
Arterien  normalerweise  Blut  enthalten,  dem  Luft  beigemengt  sei,  und  be- 
handelt in  hervorragender  Weise  die  Lehre  von  der  Blutstillimg.  Er  er- 
kennt es  als  zweckmäßig,  dem  blutenden  Teil  eine  erhöhte  Lage  zu  geben 
und  beschreibt  den  Druckverband,  die  Digitalkompression,  die  Unter- 
bindung, die  Drehung  und  das  Durchschneiden  des  blutenden  Gefäßes.  Bei 
der  Wundheilung  unterscheidet  er  Vereinigung  der  Wimde  durch  die  eigene 
Substanz  ohne  Narbe,  einfache  Verklebung  (Prima  intentio)  und  durch 
Vermittelung  einer  Narbe  neu  entstehende  Substanz  (Secunda  intentio). 
(Vgl.  auch  400  v.  Chr.) 

—  GalMiuf  kennt  und  beschreibt  die  Anatomie  imd  Physiologie  der  Nase.  Er 
beschreibt  anatomisch  richtig  das  Verhältnis  von  Nasenhöhle  und  Augen 
höhle,  die  Lage  des  Tränennasenkanals  und  seine  Mündung  in  den  Nasen- 
höhlen. Er  nimmt  an,  die  Funktion  der  Nase  sei  eine  dreifache»  zum 
Durchtritt  und  der  Erwärmung  der  Luft  beim  Atmen,  zum  Abfluß  der 
Exkrete  des  Gehirns  und  zur  Ventilation  des  Gehirns,  und  als  Weg  für 
die  Gerüche.  Er  beschreibt  eingehend  den  Kehlkopf  und  teilt  die  inneren 
Muskeln  desselben  in  solche,  die  ihn  öffnen,  und  solche,  die  ihn  schließen. 
Er  gibt!  der  Stimmritze  den  Namen  „Glottis"  und  stellt  Betrachtungen 
über  deren  Einrichtungen  für  Kehlkopfschluß  und  Tonerzeugung  an. 

—  Gatonut  imterscheidet  die  Blasensteine  als  angewachsene  und  bewegliche, 
als  harte  und  weiche,  und  rät,  die  weichen  Steine  durch  medikamentöse 
Behandlung  aufzulösen,  während  er  bei  den  harten  Steinen  als  einziges 
Mittel  der  Heilung  die  Extraktion  durch  den  Schnitt  am  Blasenhalse  be- 
trachtet. Er  führt  die  erste  Resektion  des  Brustbeins  unter  Freilegung 
des  Herzens  mit  glücklichem  Erfolge  aus. 

180  Unter  dem  Namen  „Phytiolocus"  ist  eine  Klasse  von  Zusammenstellimgen 
über  das  zoologische  Wissen  zu  verstehen,  deren  erste  in  griechischer 
Sprache  in  Alexandria  erscheint.  Die  Werkchen  beschreiben  teils  bekannte, 
teils  sagenhafte  Tiere  und  deuten  die  Eigenschaften  derselben  in  religiös- 
christlichem Sinne.  Sie  werden  im  Mittelalter  vielfach  ins  Lateinische 
und  auch  ins  Althochdeutsche  übersetzt,  sind  aber  mehr  als  symbolische 
denn  als  wissenschaftliche  Literatur  anzusprechen. 

193  Wie  Tertulllan  berichtet,  ist  der  Muschelbyssus,  eine  fadenförmige  Sekretion 
der  Byssusdrüse  zahlreicher  Acephalen,  zu  seiner  Zeit  zu  industriellen 
Zwecken,  namentlich  zu  Stickereien  und  Webereien,  verwendet  worden. 
(Vgl.  a.  450  V.  Chr.) 

200  ArttaMM  aus  Kappadozien  gibt  an,  daß  das  Blut  der  Arterien  hell,  das  der 
Venen  dunkel  sei. 

—     38     — 


850 

210  CMlius  Aurellaiiat  fördert  die  Orthopädie.  Er  empfiehlt  zuerst  paasive 
Gymnastik  und  Schwimmen  bei  Gelähmten. 

220  textus  Julias  Africanus  gibt  eine  Methode  an,  die  Breite  eines  Flusses  ohne 
unmittelbare  Messung  durch  Absteckung  ähnlicher  rechtwinkliger  Dreiecke 
zu  ermitteln.  Das  Verfahren  wird  noch  jetzt  in  der  Kriegstechnik  (z.  B. 
bei  der  raschen  Feststellung  einer  Flußbreite)  angewendet. 

230  Claodlut  Atllanut  von  Praeneste 'erwähnt,  daß  die  betäubenden  Eigenschaften 
des  Zitterrochens,  die  bereits  von  Aristophanes,  Plato,  Aristoteles,  Straton, 
Scribonius  Largus,  Plinius,  Plutarch,  Galen  und  Oppian  erwähnt  worden 
sind,  sich  noch  geltend  machen,  wenn  man  Wasser  aus  einem  Gefäß, 
in  dem  sich  ein  Zitterrochen  befindet,  über  die  Hand  oder  den  Fuß  gießt. 

250  DIoplMUitM  aus  Alexandria  befreit  die  Arithmetik  aus  den  Fesseln  der 
Geometrie  und  begründet  nach  ägyptischem  Muster  eine  neue  Arithmetik 
und  Algebra.  Er  behandelt  ganzzahlige  Gleichungen  mit  ganzzahligen 
Unbekannten.  Doch  kommt  das,  was  man  jetzt  unter  „Diophantischen 
Gleichungen"  versteht,  bei  Diophantos  selbst  nicht  vor.  Er  bezeichnet 
X  mit  dem  griechischen  g. 

281    Der  römische  Kaiser  Prabut  führt  die  Kultur  der  Weinrebe  am  Rheine  ein. 

284  In  Alexandria  kommt  die  Diocletianische  Aera,  auch  Aera  der  Märtyrer 
genannt,  in  Gebrauch,  die  mit  der  Thronbesteigung  des  Kaisers  Cajus  Vale- 
rius  DIoctetlanus  (29.  August  284)  beginnt.  Die  christlichen  Kopten  bedienen 
sich  dieser  Aera  noch  jetzt.     (Vgl.  auch  525  Dionysius.) 

290  Der  lateinische  Kirchenschriftsteller  Lucius  Coelius  Ladanlliit  Firmianus  ist 
der  erste,  welcher  der  Glasfenster  mit  Bestimmtheit  Erwähnung  tut. 
Ältere  Nachrichten  über  den  Gebrauch  der  Glasfenster  sind  unsicher. 

300  Dar  römische  Kaiser  Cajus  Valerius  Dlodttlanus  richtet  eine  Art  regelmäßiger 
Taubenpost  ein. 

—  PappM  von  Alexandria  gibt  in  seinem  Sammelwerke  „Swaycoyty  eine  Be- 
schreibung von  Kurven  doppelter  Krümmung  auf  der  Kugel,  sowie  den 
Fundamentalsatz  der  für  die  neuere  (projektive)  Geometrie  maßgebend  ge- 
wordenen Theorie  der  Doppel  Verhältnisse.  Er  erörtert  die  als  „voDständiges*' 
Viereck  und  Vierseit  bezeichnete  Kombination  von  Linien  und  Punkten, 
und  behandelt  zahlreiche  Sätze  der  Lehre  von  den  Kegelschnitten,  dar- 
unter die  Involution  von  sechs  Punkten.  In  dem  Sammelwerk  ist  auch 
die  sog.  „Aufgabe  des  Pappos",  den  Ort  zu  3  oder  mehreren  Geraden 
zu  finden,  enthalten,  sowie  der  seit  dem  17.  Jahrhundert  als  „Guldin' sehe 
Kegel*'  benannte  Satz  zur  Bestimmung  des  Baum-  und  Oberfiächeninhalts 
eines  Umdrehungskörpers.  (Vgl.  1640  Guldin.)  Pappos  versucht,  jedoch 
ohne  Erfolg,  das  Problem  der  schiefen  Ebene  durch  das  Hebelgesetz  zu 
erklären. 

325    Das  Konzil  zu  Nlcaea  setzt  das  Osterfest  auf  den  Sonntag  nach  dem  Früh- 

lingsvollmond  fest. 
340    Der   griechische   Tierarzt  Aptyrtut  von  Prusa  in  Bithynien  beschreibt  eine 

Anzahl    von   Tierkrankheiten,   wie   die   Druse,    Ruhr,    Mauke,    Flußgalle, 

Koller   usw.  und   gibt   Mittel   zu   ihrer   Heilung  an.     Er  kennt  auch  den 

Kotz,  die  Dämpfigkeit   und   die  Rehe  der  Pferde,  und  betont  bereits   das 

Fehlen  der  Gallenblase  bei  letzteren. 
350    Lucius   Apulejus  Barbanit  erwähnt  zuerst  die  Torrn entUlwurzel,  die  Wurzel 

einer  Potentüla    die   als  Pulver   oder  Aufguß  medizinische  Verwendung. 

insbesondere  bei  Zahnschmerzen  findet. 

—  Aemilianus  PalMlut  erwähnt  in  seiner  Schrift  ,,Dc  re  rustica'*  die  Ver- 
wendung von  Meeresalgen,  Tang  imd  andern  Seegewächsen  als  Dünger- 
ersatz. Diese  Meeresgewächse  werden  auch  heute  noch  vielfach  an  den 
Küsten  Frankreichs  und  Italiens  als  Dünger  verwendet. 

—     39      — 


350  Palladiiit  erwähnt  in  seiner  Schrift  „De  re  rustioa"  eine  Art  von  lÜli- 
maschine,  welche  mit  der  von  Plinius  beschriebenen  (s.  78)  in  der  Haupt- 
sache übereinstimmt,  so  daß  sich  demzufolge  diese  Art  des  Mafichinen- 
mähens  mehrere  Jahrhunderte  hindurch  erhalten  zu  haben  scheint. 

—  PalMliit  gibt  eine  Beschreibung  von  Arbeiten,  welche  zur  Römerzeit  sv 
Trockenlegung  (Drainage)  versumpfter  Lands  trecken  ausgeführt  wurden- 
Solche  Drainierungsanlagen  sind  u.  a.  in  Alatri  aufgefunden  worden. 

—  Phllagrlot  ist  der  erste,  der  die  vollständige  Exstirpation  eines  Aneurysma 
vornimmt.  Die  nach  ihm  benannte  Methode  wird  lange  Zeit  völlig  v^- 
lassen,  und  erst  im  17.  Jahrhundert  von  Matthias  Gottfried  Purmann 
wieder  aufgenommen. 

359  Der  jüdische  Kalender,  für  den  sich  weder  aus  der  Bibel,  noch  aus  der 
älteren  jüdischen  Literatur  übersichtliche  Regeln  aufstellen  lassen,  findet 
die  erste  systematische  Bearbeitung  durch  den  Patriarchen  HIIM  HaiUMl 
den  Jüngeren  in  Tiberias.  Hillel  ist  auch  der  Urheber  der  noch  heute 
gebräuchlichen  jüdischen  Aera,  die  von  dem  Jahre  3761  v.  Chr.  ausgeht 
(Vgl.  auch  312  V.  Chr.  Seleukos  Nikator.) 

360  Der  Bischof  Baslllus  der  Große  folgert  die  Zusammengehörigkeit  gewisser 
durch  das  Meer  getrennter  TeUe  des  Festlandes  auf  Grund  zoogeogra- 
phischer Erwägungen. 

361  Orltetius  gibt  in  den  70  Büchern  seiner  'laiQixal  owaycoyai,  von  denen 
25  Bücher  noch  erhalten  sind,  eine  Darstellung  der  gesamten  Heilkunde 
seiner  Zeit,  der  inneren  Medizin  sowohl  als  auch  der  Chirurgie.  Er  emp- 
fiehlt zur  Wundbehandlung  die  konstante  Irrigation  mit  Rotwein. 

368  Baillliit  der  Große  errichtet  vor  den  Toren  von  Cäsarea  in  Kappadozien 
eine  Fremdenherberge  großen  Stils,  welche,  neben  Armenhäusern  und 
Asylen  für  gefallene  Mädchen,  auch  eine  umfangreiche  Hospitalanlage  mit 
Ärzten  und  Krankenpflegern  enthält.  Diese  Schöpfung  ist  als  der  erste 
Anfang  einer  geregelten  öffentlichen  Krankenpflege  im  bürgerlichen  Leben 
anzusehen. 

370  Der  Bischof  Ambroslus  von  Mailand  unterscheidet  die  vier  sogenannten 
authentischen  Tonleitern,  denen  Papst  Gregor  der  Große  um  600  die  vier 
plagalischen  Tonreihen,  die  im  heutigen  Sinne  indes  keine  Tonleitern  sind, 
hinzufügt. 

378  Der  lateinische  [Kirchenvater  Hleronymus  der  Heilige  erwähnt  in  seiner 
Schrift  „Wortwechsel  zwischen  einem  Luziferaner  und  einem  Recht- 
gläubigen", daß  beide  in  den  Straßen  von  Antiochia  so  lange  mit  ein- 
ander disputiert  hätten,  „bis  man  Licht  auf  den  Gassen  angezündet  habe*'. 
Es  ist  dies  die  älteste  verbürgte  Nachricht  über  öffentliche  Straßenbe- 
leuchtung. 

380  Unter  der  Dynastie  der  Tsln  besuchen  chinesische  Schiffe,  vom  Kompaß 
geleitet,  indische  Häfen  und  die  Ostküste  von  Afrika. 

—  Publius  Vtgttias  vergleicht  in  seinem  Werke  „Digestorum  artis  mulomedi- 
cinae  libri  IV**  zuerst  die  Tierkrankheiten  mit  den  Krankheiten  des 
Menschen,  so  daß  er  gewissermaßen  als  der  Begründer  der  vergleichenden 
Pathologie  anzusehen  ist.  Er  bezieht  sich  in  seinen  Darlegungen  wieder- 
holt auf  die  Pferde  der  damals  gerade  in  Europa  eingedrungenen  Hunnen. 

385  Der  Reitsattel  hat  sich  aus  den  schon  im  frühen  Altertum  vorkommenden 
sattelähnlichen  Vorrichtungen  (Decken,  Teppichen  u.  dgl.)  allmählich  ent- 
wickelt. Als  erste  geschichtliche  Erwähnung  eines  wirklichen  Sattels  gilt 
eine  Verordnung  dos  römischen  Kaisers  Theodotlut  I.,  in  welcher  das  zu- 
lässige Höchatgewicht  der  den  öffentlichen  Postpf erden  aufzulegenden 
Reitsättel  vorgeschrieben  ist. 

—     40      — 


447 

390  Der  römische  Geschichtsschreiber  Ammlanut  MarctUlmit  beschreibt  Fener- 
pfeile  (Malleoli),  die  aus  Katapulten  abgeschossen  werden  („Res  gestae'* 
IIb.  23).  Der  Brandsatz  dieser  Geschosse  besteht,  wie  Vegetius  Renatus 
(in  „Epitome  rei  militaris")  angibt,  aus  Werg,  Harz,  Schwefel  und  Erdöl. 

390  Der  römische  Schriftsteller  Decimus  Magnus  Autonliit  berichtet  von  Wasser- 
mühlen an  der  Roer,  die  zum  Schneiden  von  Steinblöcken  in  Betrieb 
warisn.  Eine  nähere  Beschreibung  der  Einrichtung  dieser  Sägemühlen 
fehlt.  Doch  geht  aus  anderweitigen  gleichzeitigen  Nachrichten  hervor, 
daß  man  bereits  zu  jener  Zeit  Steinsägen  kannte,  die  aus  Holzlatten  be- 
standen, an  deren  Schleifkante  Feuersteinspitzen  mit  Kitt  befestigt  waren. 
(Vgl.  352  V.  Chr.  und  77  n.  Chr.) 

400  Der  römische  Schriftsteller  Ambrosius  Theodosius  MaeroMut  gebraucht  in 
seinem  Werke  „Commentarius  in  Somnium  Scipionis"  zuerst  das  Wort 
„Ekliptik**. 

—  8yii0SlOt,  Bischof  von  Ptolcmais,  erwähnt  in  einem  Brief  an  Hypatia  zum 
ersten  Male  das  Skalenaraeometer  (Volumaraeometer)  unter  dem  Namen 
Baryllium.  Diesem  Brief  nach  zu  urteilen  muß  damals  das  Instrument 
neu  gewesen  sein,  so  daß  dessen  Erfindung  wohl  in  die  erste  Hälfte  des 
4.  Jahrhunderts  zu  setzen  ist.  (Andere  schreiben  das  Instrument  dem 
Priscianus  zu.) 

—  Der  römische  MilitärschriftsteUer  Flavius  Vtcttliit  Renatut  beschreibt  optische 
Telegraphen  auf  den  Warttürmen  der  Festungen,  welche  aus  beweg- 
lichen Balkenstücken  bestehen,  denen  zwecks  Zeichengabe  eine  ver- 
schiedene Stellung  gegeben  werden  konnte  und  die  als  die  ersten  Sema- 
phoren  anzusehen  sind.     (S.  1763  Edgeworth  und  1793  Chappe.) 

*-  Flavius  Vtgttiiit  Renatus  erwähnt  bereits  eine  Maschine  zum  Wasserheben, 
bei  der  ein  gewöhnlicher  Lederblasebalg  als  Pumpe  benutzt  wird.  Solche 
Pumpen  werden  später  insbesondere  als  Schiffspumpen  unter  dem  Namen 
Sackpumpen  (Priesterpumpen,  Pumpen  ohne  Kolben)  gebaut. 

—  Flavius  Vegetliis  Renatus  beschreibt  in  seinen  „Abhandlungen  über  die 
Kriegskunst*'  den  später  als  „Nürnberger  Schere"  bezeichneten  Apparat 
als  zusammenlegbare  und  leicht  transportable  Festungsleiter  für  Belage- 
rungszwecke. Genau  nach  diesem  Prinzip  wird  zu  Anfang  des  20.  Jahr- 
himderts  eine  Feuerwehrleiter  konstruiert,  die  auf  einem  Motorwagen 
steht  und  durch  einen  zweiten  Motor  aufgeklappt  wird. 

105  Der  Dichter  Aurelius  Prudentlue  Clemens  vergleicht  in  seinen  Märtyrer- 
Hymnen  die  mit  mehrfarbigen  Glasscheiben  gefüllten  Bogenfenster  der 
Paulskirche  in  Rom  mit  Wiesen  voll  Frühlingsblumen.  Doch  handelt  es 
sich  hier  anscheinend  noch  nicht  um  eine  eigentliche  Glasmalerei,  sondern 
nur  um  eine  Zusammensetzimg  verschiedenfarbiger  Glasstücke  zu  einer 
gewissen  koloristischen  Wirkung.     (Vgl.  880  Ratpert). 

109  Während  die  Glocken  anfangs  geschmiedet  oder  getrieben  wurden,  soll 
Paullnut,  Bischof  von  Nola,  den  Glockenguß  erfunden  haben.  Die  Kirche 
in  Cimitile  bei  Nola  rühmt  sich,  den  „ältesten  Glockenturm  in  der  Christen- 
heit zu  besitzen".  Ein  sicherer  Nachweis  über  die  Erfindung  des  Glocken- 
gusses ist  nicht  zu  erbringen. 

130  Zollmoe  von  Panopolis  gibt  der  chemischen  Forschung  einen  großen  Auf- 
schwung durch  Verbesserung  der  Destillation  sowie  der  metallurgischen 
Prozesse.  Durch  ihn  kommt  die  Bezeichnung  „Chemie"  in  allgemeinen 
Gebrauch. 

447  Cassius  Felix,  lateinischer  Übersetzer  ärztlicher  Schriften,  gibt  an,  daß 
die  Verletzung  der  einen  Hirnhälfte  Lähmung  der  entgegengesetzten  Körper- 
hälfte bedingt. 

—     41      — 


460 

450  OfympkNior  spricht  schon  von  den  —  später  so  genannten  —  artesischen 
Brunnen  in  Ägypten,  die  eine  Tiefe  von  200  bis  500  Ellen  hätten  und 
das  Wasser  über  der  Erdoberfläche  ausgössen,  woselbst  man  es  zur  Be- 
rieselung der  Äcker  benutze.    (Vgl.  auch  320  v.  Chr.  und  168  v.  Chr.) 

500  Der  indische  Astronom  Arya-Bhattt  fördert  die  Algebra  derart,  daß  er  als 
der  Vater  der  indischen  Algebra  bezeichnet  werden  muß.  Er  gibt  ein 
Verfahren  zum  Ausziehen  von  Quadrat-  und  Kubikwurzeln  an,  welches 
mit  dem  gegenwärtig  gebräuchlichen  fast  völlig  übereinstimmt. 

—  Der  Ostgotenkönig  Theotfmrfch  baut  einen  Aquädukt  bei  Spoleto  in  der 
Provinz  Umbrien,  der  bei  89  m  Kämpferhöhe  aus  zwei  Stockwerken  mit 
10  unteren  Öffnungen  von  je  21,4  m  Spannung  und  30  oberen  Bogen 
besteht. 

510  Anicius  Manlius  Severinus  BoMhius  gibt  in  seiner  Schrift  „De  musica" 
eine  ausführliche,  aber  zumeist  auf  ältere  griechische  Schriftsteller  gestützte 
Abhandlung  über  die  Musik. 

520  Der  Philosoph  Slmpllclas  spricht  den  Grundsatz  aus,  das  Nichtherabfallen 
der  himmlischen  Körper  werde  dadurch  bewirkt,  daß  der  Umschwung  (die 
Zentrifugalkraft)  die  Oberhand  habe  über  den  Zug  nach  unten  (die  eigene 
FaUkraft). 

525  Der  Architekt  Anthtmlos  von  Tralles  in  Lydien  ist  wahrscheinlich  der 
Verfasser  des  „Fragmentum  mathematicum  Bobiense*',  in  welchem  die 
Ermittelung  des  Brennpunktes  der  Parabel  bebandelt  ist. 

—  Der  römische  Abt  Dionytiiit  Exipius  wendet  in  seiner  Ostertafel  vom  Jahre 
525  an  SteUe  der  Diocletianischen  Aera  (s.  284)  zuerst  die  nach  ihm  be* 
nannte  Dionysische  Aera  an,  und  wird  damit*  der  Begründer  der  heutigen 
christlichen  Zeitrechnung.  Das  erste  Jahr  derselben  läuft  vom  1.  Januar 
bis  31.  Dezember  754  nach  Gründung  Eoms.  Die  Geburt  Christi  setzt 
Dionysius  auf  den  25.  Dezember  des  Jahres  1.     (Vgl.  715  Beda.) 

532  Während  die  Nachricht,  daß  Archimedcs  bei  der  Belagerung  von  Syrakus 
die  feindlichen  Schiffe  durch  Brennspiegel  in  Brand  gesteckt  habe,  als 
irrig  bezeichnet  werden  muß,  berichtet  Anthtmlot  von  Tralles  (in  seiner 
Schrift  „Tlegi  jiaQadd^wv  firjxavi]iidTO)v**),  daß  man  im  Altertum  tatsächlich 
wiederholt  versucht  hat,  feindliche  Schiffe  mit  großen  Brennspiegeln  an- 
zuzünden, die  aus  einer  großen  Zahl  kleiner  Planspiegel  zusammengesetzt 
waren.     (Vgl.  auch  1747  B.) 

532—537  Anthemlos  von  TraUes  und  Isitforoi  von  Milet  erbauen  im  Auftrage 
Justinians  die  Sophienkirche  in  Konstantinopel,  die  mit  ihrer  32  m  weiten 
Kuppel  für  viele  Kirchenkuppeln  des  Abendlandes  vorbildlich  wird.  Nach- 
dem dieselbe  558  infolge  eines  Erdbebens  eingestürzt  war,  wird  sie  von 
Isidoros  aufs  neue  hergestellt. 

536  Der  Feldherr  Justinians  Btllnr  legt  während  der  Belagerung  Roms  durch 
die  Ostgoten  unter  Vitiges  die  ersten  öffentlichen  Schiffsmühlen  auf  dem 
Tiber  an.     (Vgl.  80  v.  Chr.  Mithridates.) 

550  Aitiiis  von  Amida  erwähnt  zuerst  die  Nelken,  die  übrigens  schon  von  den 
alten  Ägyptern  bei  podagrischen  Beschwerden  und  als  magenstärkendes 
Mittel  gebraucht  wurden.  Paulus  von  Aegina  bemerkt,  daß  sie  von  einem 
indischen  Baume  kämen  imd  nicht  nur  als  Medikament,  sondern  auch 
zum  Würzen  der  Speisen  geeignet  seien. 

—  AStlus  erörtert  in  seinem  Werke  „Jatrica**  die  von  ihm  beobachteten 
Epidemien  und  die  zu  gleicher  Zeit  aufgetretenen  Epizootien,  und  er- 
wähnt, daß  die  Pest  auch  die  Tiere  befallen  könne. 

—  AMiit  gibt  an,  daß  im  Verlauf  der  Erhärtung  von  Nieren  Wassersucht 
eintrete. 

—     42     — 


688 

550    AMas  schreibt  über  Geburtshilfe  und  ist  der  erste,  der  ausdrücklich  von 
der  Wendung  auf  die  Füße  spricht.    Dieses  Verfahren  gerät  in  Vergessen- 
heit  und   wird   erst   um    1280  von  Amoldus  Villanovanus  und  um  1507 
von  Antonio  Benivieni  wieder  geübt. 
—    Altxamlcr  von  Tralles  führt  den  Rhabarber  als  Heilmittel  ein. 

553  Der  griechische  Geschichtsschreiber  Prokoplot  von  Cäsarea  erwähnt  zuerst 
die  Mittemachtssonne.  Er  berichtet  darüber,  daß  auf  der  Insel  Thule 
(d.  i.  Skandinavien)  die  Sonne  im  Sommer  40  Tage  lang  auch  um  Mitter- 
nacht über  dem  Horizonte  bleibt. 

556  Der  Kaiser  Justlnlaii  bemüht  sich,  die  Seidenzucht  in  Griechenland  ein- 
zuführen und  errichtet  großartige  Maulbeerplant^en  im  Peloponnes,  wo- 
von derselbe  den  Namen  „Morea**  erhält. 

590  Das  dem  oströmischen  Kaiser  Maurflklos  zugeschriebene,  12  Bände  um- 
fassende Werk  über  das  Kriegswesen  („Ars  militaris")  erwähnt  zuerst  den 
Steigbügel.  Die  Alten  kannten  den  Steigbügel  nicht.  In  allgemeinen 
Gebrauch  gekommen  ist  er  erst  zur  Zeit  des  Kaisers  Otto  I. 

593  Die  ChlntiM  drucken  zuerst  Bilder  und  Schrift  von  Holzstöcken.  Von 
ihnen  gelangt  diese  Kunst  durch  die  Araber  nach  Europa.  Arabische 
Drucke  auf  Papier,  die  bis  1000  n.  Chr.  zurückreichen,  finden  sich  in  der 
Papyros-Sammlung  des  Erzherzogs  Rainer. 

609  VmuuiIIiis  Fortunatus  (Venance  Fortunat),  Bischof  von  Poitiers,  erwähnt 
zuerst  die  Chrotta  (Crowd,  Crouth),  ein  altbritannisches  3-  oder  5 saitiges 
Streichinstrument,  mit  Schalllöchem  und  Steg,  das  sich  von  den  im 
9.  Jahrhundert  auftretenden  anderweitigen  Streichinstrumenten  (Lyra, 
Rubeba,  VieUa)  durch  einen  vom  Wirbelkopf  auf  beiden  Seiten  zum 
Schallkörper  hinabreichenden  Bügel  unterscheidet. 

617  Nach  Forschungen  von  Stanislas  Julien  scheint  das  Porzellan  in  China 
tmter  einem  Kaiser  der  Dynastie  Tani;  erfunden  zu  sein. 

622  Mohaniiliad  flieht  am  vierten  Tage  des  ersten  Rabia  (d.  i.  am  20.  Juni  622) 
von  Mekka  nach  Medina.  Nach  dieser  Flucht  (Hidschrat  ar  nabt  — 
Hedschra)  datiert  die  mohammedanische  Zeitrechnung.  Die  Einführung 
dieser  Aera  erfolgt  17  Jahre  später  durch  den  Kalifen  Omar,  wobei  ihr 
Anfang  auf  den  15.  Juli  622  verlegt  wird. 

624  Isidonis  Hispalensis  gibt  die  erste  positive  historische  Kunde  vom  Ge- 
brauche des  Hopfens  zur  Bierbereitung. 

—  liltforus  Hispalensis  erwähnt  die  Eisengallustinte,  indem  er  angibt,  daß 
man  Galläpfel  zur  Tinte  (ad  incaustum)  verwende. 

—  Isidorut  Hispalensis  gedenkt  zuerst  in  der  von  ihm  herausgegebenen 
Enzyklopädie  „Originum  s.  etymologiarum  libri  XX"  der  Feder  als  Schreib- 
werkzeugs. 

—  Itidorus  Hispalensis  führt  die  Benennung  „Alumen"  für  Alaun  auf  die  An- 
wendung dieser  Substanz  zum  Färben  zurück:  ,,Alumen  vocatur  a  lumin e, 
quod  lumen  coloribus  praestat  tingendis". 

627  Obwohl  das  indische  Zuckerrohr  bereits  zur  Zeit  Alexanders  d.  Gr.  im 
Abendlande  bekannt  war,  findet  sich  die  erste  Erwähnung  des  aus  dem 
Zuckerrohre  gewonnenen  festen  Zuckers  erst  i.  J.  627  n.  Chr.,  in  welchem 
Jahre  der  oströmische  Kaiser  Herakllos  auf  seinem  Feldzuge  gegen  den 
Perserkönig  Chosroes  II.  bei  der  Zerstörung  eines  persischen  Königs- 
schlosses u.  a.  auch  Rohr- Stück zucker  erbeutet. 

638  Der  indische  Mathematiker  Brahmagupta  gibt  in  seiner  Schrift  „Brähma- 
sphuta-siddhänta*'  zahlreiche  Lehren  der  Mathematik,  entwickelt  die 
Elemente  der  Trigonometrie  unter  Beifügung  einer  den  späteren  Sinus- 
tafeln entsprechenden  Tafel  und  berechnet  den  Inhalt  des  Kreis  Vierecks. 
Er  kennt   bereits   die   symbolische  Positionsarithmetik,    welche   den   er- 

—     43     — 


645 

höhten  Wert  der  einzelnen  Ziffern  durch  ihre  Stellung  andeutet,  und  sich 
der  Null  bedient,  die  fehlenden  Stellen  auszufüllen,  wenngleich  eine  plan- 
mäßige Durchbildung  des  Systems  bei  Brahmagupta  noch  fehlt. 

645  Der  arabische  Feldherr  Amr  Ibn  tl  Ass  stellt  unter  Benutzung  von  Arbeiten, 
die  bereits  unter  KaiBer  Trajan  begonnen  waren  (vgl.  auch  1250  v.  Chr. 
Ramses  II.  und  610  v.  Clür.  Necho),  einen  Schiffahrtskanal  zwischen 
Kairo  und  dem  Roten  Meere  her,  und  benutzt  ihn  zu  Getreidetransporten 
zwischen  £1  Fostät  (Alt- Kairo)  und  Kolzum. 

650  Der  arabische  Arzt  Ahroun  erwähnt  zuerst  mit  Sicherheit  die  Muskatnuß, 
die  dann  insbesondere  von  Isaak  Ibn  Amran  um  900  genauer  beschrieben 
wird. 

660  Paulus  von  Atglna  erweitert  den  Kreis  der  seit  alten  Zeiten  (s.  400  v.  Chr.) 
gegen  Verbrennung  (Combustio)  gebrauchten  Mittel  durch  eine  große  An- 
zahl von  Stoffen,  die  vor  allem  bezwecken,  einen  schützenden  und  lindern- 
den Überzug  herzustellen. 

—  Paulus  von  Aogina  ist  nächst  den  Hippokratikem  der  erste  Schriftsteller, 
der  die  Operation  der  Herausnahme  der  Nasenpolypen  beschreibt.  Er 
beschreibt  femer  die  Staphyllotomie,  Tonsillotomie,  Paracentese  des  Unter- 
leibes \md  die  operative  Beseitigung  des  Verschlusses  der  Vulva  und 
Vagina.    Daß  er  die  Gelenkresektionen  gekannt  hat,  steht  außer  Zweifel. 

678  Wie  Theophanes  berichtet,  erfindet  der  griechische  Baumeister  Kalllnikot 
von  HeliopoUs  einen  Brandsatz  von  außerordentlicher  Wirksamkeit,  der 
in  dem  Kampf  der  Oströmer  gegen  die  Araber  —  namentlich  in  der  See- 
schlacht bei  Kyzikos  —  von  entscheidender  Bedeutung  wird.  Die  große 
Wirkung  dieses  „griechischen  Feuers"  {IIvq  vygov  oder  IIvq  ^cddoaiov)  be- 
ruht darauf,  daß  Kallinikos  den  bisher  angewendeten  Brandstoffen  (Kohle, 
Pech,  Schwefel,  Erdöl  u.  dgl.  —  vgl.  auch  424  v.  Chr.  Thukydides,  360 
V.  Chr.  Aeneas  und  390  n.  Chr.  Ammianus  Marcellinus)  einen  neuen  Be- 
standteil (wahrscheinlich  ungelöschten  Kalk)  beimischt,  der  beim  Hin- 
zutritt von  Wasser  eine  explosionsähnliche  Wirkung  hervorruft. 

681  Das  Konzil  zu  Konttantlnopel  führt  die  byzantinische  Weltaera  ein,  deren 
Jahresanfang  der  1.  September  und  deren  5509.  Jahr  das  erste  unserer 
Zeitrechnung  ist,  aber  vier  Monate  früher  anfängt.  Diese  Zeitrechnung  ist 
bei  den  Griechen  im  Volke  vielfach  noch  jetzt  im  Gebrauch. 

715  Der  englische  Priester  Btda,  mit  dem  Beinamen  Venerabilis,  führt  durch 
seine  Schrift  „De  sex  aetatibus  mundi*'  die  Zeitrechnung  des  Dionysius 
(8.  525)  in  die  Geschichtsschreibung  ein  und  wendet  dieselbe  auch  in  seinen 
Ostertafeln  an.  Erst  hierdurch  erhält  die  dionysische  Aera  ihre  weitere 
Verbreitung  und  ihre  Eigenschaft  als  allgemein  christliche  Zeitrechnung. 
Von  mitbestimmendem  Einflüsse  wird  auch  der  Umstand,  daß  Karl  der 
Große  zuerst  Urkunden  nach  ihr  datiert. 
745    VIrfIlius  von  Salzburg  steUt   eine  richtige  Ansicht  über  die  Gestalt   der 

Erde  auf. 
750  Der  arabische  Alchimist  Gobor  (Dschabir)  wendet  zuerst  die  Krystallisation 
zur  Reinigung  chemischer  Präparate  an  und  beschreibt  die  Filtration.  Er 
lehrt  den  Alaun  durch  Umkrystallisieren  reinigen  und  auch  gebrannten 
Alaun  herstellen.  Er  beschreibt  die  Darstellung  der  Schwefelsäure  durch 
Destillation  von  Alaun,  sowie  die  der  Salpetersäure  durch  Erhitzen  eines 
Gemisches  von  Salpeter,  Kupfervitriol  und  Alaun,  und  entdeckt  das 
Königswasser  sowie  dessen  Fähigkeit,  das  Gold  aufzulösen.  Er  stellt 
zuerst  den  HöUenstein  und  das  Sublimat  dar,  zu  dessen  Reinigung  er 
sich  der  Sublimation  bedient.  Er  lehrt  die  Reinigung  des  Essigs  durch 
Destillation,  kennt  den  Bleiessig  und  stellt  den  Salmiak  aus  gefaultem 
Harn  und  Kochsalz  dar. 

—     44      — 


868 

750  Qifttr  kennt  den  weißen  Arsenik  (arsenige  Säure),  den  er  durch  Verbrennen 
von  Schwefelarsenik  und  Auffangen  des  Sublimats  erhält.  Er  scheint  den 
Eisenvitriol  gekannt  zu  haben;  denn  er  schreibt  vor,  zur  Bereitung  des 
Ätzsublimats  „Vitriolum  rubificatum"  zu  nehmen,  was  nur  als  gerösteter 
Eisenvitriol  gedeutet  werden  kann.  Er  versucht  zuerst  das  Kochsalz  zum 
chemischen  Grebrauche  zu  reinigen. 

—  Oabtr  lehrt  Quecksilber  mit  Gold,  Silber,  Blei,  Zinn  und  Kupfer  ver- 
binden und  erwähnt,  wie  tmgleich  dasselbe  die  verschiedenen  Metalle  an- 
greift. Er  stellt  Legierungen  her  und  kennt  viele  Metalloxyde,  wie  er 
u.  a.  eine  Vorschrift  zur  Herstellung  von  rotem  Quecksilberozyd  gibt.  Er 
kennt  die  Verbindungen  der  Metalle  mit  Schwefel  und  erwähnt,  daß  Kupfer 
durch  Schwefel  gelb,  Quecksilber  rot  gefärbt  wird.  Er  überstreut,  um  die 
Oberflächenoxydation  geschmolzener  Metallmassen  zu  verhindern,  dieselben 
mit  Glaspulver  xmd  Borax. 

768  In  einem  Schenkungsbriefe  des  Frankenkönigs  Pipln  dM  KMntn  geschieht 
der  Hopfengärten  Erwähnung.  Es  scheint  demnach  der  Hopfen  schon 
damals,  wenn  auch  nur  in  geringem  Maße,  angebaut  worden  zu  sein. 
(S.  a.  624  I.) 

800  .  Alkuifi,  Bischof  von  Tours,  sendet  um  das  Jahr  800  dem  Bischof  von  Salz- 
burg „ein  Schutzdach,  damit  es  Euer  verehrungswürdiges  Haupt  vor  Regen- 
güssen bewahre*'.  Es  ist  dies  die  erste  geschichtliche  Erwähnung  des 
Regenschirms.    Über  den  Sonnenschirm  s.  1170  v.  Chr. 

—  Der  Däne  WulhtMi  erforscht  zuerst  die  baltischen  Küsten  des  heutigen 
Deutschlands. 

805  Karl  tfar  GroBe  erläßt  das  für  die  Bewirtschaftung  seiner  Meierhöfe  wichtige 
„Capitulare  de  vilhs  vel  curtis  imperatoris". 

807  Wie  der  Biograph  Karls  des  Großen,  Einhard,  berichtet,  sendet  Harun 
al  RaichM  an  Kaiser  Karl  eine  Wasseruhr  (Klepsydra,  s.  450  und  230  v.  Chr.), 
die  aus  einem  Gefäß  besteht,  das  unten  so  durchbohrt  ist,  daß  das  Wasser 
in  einer  bestimmten  Zeit  abfließt. 

810  Karl  dar  GroBe  führt  unter  Wiederaufnahme  der  schon  bei  den  Alten  ge- 
bräuchlichen Zwölfteilung  der  Windrose  deutsche  Bezeichnungen  für  die 
Himmelsrichtungen  ein,  nämlich:  Ostronivint,  Ostsundroni.  Sundostroni,  — 
Simdroni,  Sundwesttoni,  Westsundroni,  —  Westroni,  Westnordroni,  Nord- 
westroni,  —  Nordroni,  Nordostroni,  Ostnordroni.  (S.  Einharti  Vita  Caroli 
Magni.) 

820  Afea  Dtcharar  Mohamad  verfaßt  eine  Schrift  „System  der  Erde"  (Rasm-al- 
Ardh),  worin  jeder  Ort  nach  Länge  und  Breite  bestimmt  ist. 

827  Der  Kalif  AMallali  al  Mamun  läßt  in  der  Wüste  Sindjar  am  Roten  Meere 
eine  Gradmessung  ausführen,  bei  der  zum  ersten  Male  die  Meßkette  ge- 
braucht wird.  Seine  Sternwarte  in  Bagdad  ist  bereits  mit  Astrolabien, 
Armillarsphären  und  Quadranten  ausgerüstet. 

839  Alkhlndl  macht  die  erste  Beobachtung  eines  Durchgangs  der  Venus  durch 
die  Sonnenscheibe.  Doch  wird  die  Richtigkeit  dieser  Angabe  neuerdings 
vielfach  bestritten.  (Vgl.  1639  H.) 

850  PacMcus,  ein  in  Verona  lebender  Priester,  konstruiert  zuerst  Räderuhren, 
die  durch  ein  Gewicht  in  Bewegung  gesetzt  werden.  (Vgl.  über  die  An- 
wendung von  Zahnrädern  an  Wasseruhren  230  v.  Chr.  Ktesibios.) 

860  Der  Schwede  Gardar  Svavanson  findet  Island  und  erkennt,  indem  er  es 
umschifft,  dessen  Inselnatur.  Nach  ihm  erhält  Island  ursprünglich  den 
Namen  „Gardarshölmi**. 

868  Der  Benediktinermönch  Otfrlad  zu  Weißenburg  im  Elsaß  erwähnt  in  seiner 
Evangelienharmonie  zuerst  die  Streichinstrumente  Leier  und  Fiedel.  (,,Sih 
thas  ouh  al  ruarit  —  thaz  Organa  fuarit  —  hra,  ioh  fidula  —  ioh  managf altu 

—     45     — 


870 

suegula.'*  Hochdeutsch:  „Da  rührt  sich  alles»  was  Instrumente  führt, 
Leier  und  Fiedel  und  mannigfaltige  Pfeifen/') 

870  Der  norwegische  Edelmann  Othar  fährt  die  norwegische  Küste  entlang 
nach  Norden  und  umsegelt  das  Nordkap.  Daß  er  bis  zur  Mündung  der 
Dwina  im  Weißen  Meere  vorgedrungen  sei,  wird  in  neuerer  Zeit  be- 
stritten. 

878    Die  Araber  Wahab  und  Abu  Said  gelangen  zu  Schiff  bis  nach  China. 

880  [Alfrwl  tfer  GroB«  von  England  erfindet  einen  Stundenmesser,  der  auf  der 
gleichmäßig  fortschreitenden  Verkürzung  einer  brennenden  Kerze  beruht. 

—  Ibn  Khordailbtli  erwähnt  zuerst  Kiautschou.  Dieser  jetzt  unansehnliche  Ort 
nordwestlich  von  Tsingtau,  nach  welchem  das  deutsche  Pachtgebiet  in 
China  seinen  Namen  hat,  war  früher,  vor  der  Versandung  der  Kiautschou- 
bucht,  eine  blühende  Hafenstadt  und  namentlich  von  Bedeutung  als 
Zwischenplatz  des  arabischen  Verkehrs  zwischen  Schantung  und  Korea. 

—  Der  Mönch  Ratpart  von  Sankt  Gallen  feiert  die  um  das  Jahr  875  geweihte 
Fraueiimünsterkirche  zu  Zürich  in  einem  Gedichte,  in  dem  er  neben  den 
Deckengemälden  und  den  skulptierten  Säulen  auch  die  farbig  geschmückten 
Fenster  rühmt.  Da  die  betreffende  Stelle  des  Gedichts  auf  wirklich 
gemalte  Fenster  hindeutet,  so  liegt  hier  das  erste  geschichtliche  Zeugnis 
für  das  Vorhandensein  einer  eigentlichen  Glasmalerei  vor.  (VgL  405 
Prudentius  und  999  Gozbert.) 

900  Albatefniiit  (Mohamed  AI  Batani),  arabischer  Statthalter  in  Syrien,  kennt 
die  Exzentrizität  der  Erdbahn  und  die  Präzession  der  Tag-  und  Nacht- 
gleiche. (S.  146  V.  Chr.  Hipparchos.)  In  der  Trigonometrie  führt  er  die 
halbe  Sehne  des  doppelten  Winkels  statt  der  ganzen  Sehne  des  einfachen 
Winkels  ein,  schafft  somit  diejenige  goniometrische  Funktion,  die  im 
12.  Jahrhundert  „Sinus**  genannt  wird.  (Vgl.  aber  auch  638.)  Auch  fügt 
er  die  Kotangente  (Umbra  recta)  hinzu. 

910  Der  flandrische  Mönch  HudMÜd  führt  die  polyphone  Musik  ein,  indem  er 
eine  Melodie  in  transponierter  Lage  beantwortend  wiederholen  läßt,  ein 
Prinzip,  das  später  in  der  Fuge  und  Sonate  wichtig  wird  (Diaphonie). 

—  Nachdem  schon  in  der  altgriechischen  Musik  die  Buchstaben  zur  Bezeich- 
nung der  Tonhöhe  benutzt  worden  waren  (Buchstabentonschrift),  wendet 
HudMÜd  zuerst  die  lateinischen  Buchstaben  A,  B,  C,  D,  E,  F,  G  zur  Be- 
zeichnung der  sieben  Töne  der  diatonischen  Skala  an,  woraus  sich  all- 
mählich die  heutige  Buchstabenbezeichnung  der  Tonleiter  entwickelt. 

945  Mastudl,  der  Herodot  des  Orients,  bereist  die  ganze  zu  seiner  Zeit  bekannte 
Welt  und  schreibt  über  dieselbe  sein  berühmtes  Werk  „Die  goldenen 
Wiesen". 

—  MaiiiNll  beweist  zuerst  auf  experimentellem  Wege  die  schon  von  Aristoteles 
behauptete  Verdunstung  des  Wassers  aus  dem  Meere,  indem  er  bei  Ver- 

i^  dampf ung  einer  Salzlösung  in  einem  Destillierkolben  feststellt,   daß  sich 

^  dabei  süßes  Wasser  niederschlägt.    Der  Salzgehalt  des  Meeres  stammt  nach 

ihm  von  den  Flüssen,  die  während  ihres  Laufes  Salze  und  Erden  auflösen 
und  ins  Meer  hinabführen.  (Vgl.  auch  330  v.  Chr.) 
950    Der  arabische  Arzt  Rhazat  macht  wichtige  Untersuchungen  über  die  Pocken 
und  Masern,  welche  Krankheiten  er  in  einer  eingehenden  Abhandlung  be- 
schreibt. 

—  Rhaiai  gibt  eine  Beschreibung  der  Herstellung  des  Alkohols,  erwähnt  aber 
nicht  einmal  dessen  Brennbarkeit.  Er  ist  der  erste,  der  eine  Quecksilber- 
salbe erwähnt. 

975  Der  Perser  Abu  Mansur  Muwaflhit  verfaßt  das  Werk  „Buch  der  pharmako- 
logischen Grundsätze'',  die  älteste  Arzneimittellehre  der  Perser.  In  der- 
selben wird  zuerst  die  Verwendung  des  destillierten  Wassers  zu  pharma- 

—     46     — 


1000 

zeutischen  Zwecken  sowie  der  Gipsverband  zur  Heilung  von  Knochen - 
brüchen  erwähnt. 

976  Der  arabische  Greograph  Ikn  Haukai  bereist  den  Orient  und  gibt  eine  Be- 
schreibung seiner  Keise  heraus,  die  sich  vielfach  auf  die  Berichte  von 
Balchis  (gest.  934)  und  Istachri  (um  950)  stützt. 

980  Atal  Wtffa  soll  die  zweite  große  Ungleichheit  der  Mondbahn,  die  Variation, 
gefunden  haben.  (S.  150  P.)  Er  führt  die  Tangente  (Umbra  versa)  in  die 
Trigonometrie  ein. 

—  Afeul  Wtfa  konstruiert  den  ersten  Mauerquadranten,  der  an  einer  in  die 
Mittagsfläche  fallenden  Mauer  festliegt  imd  für  Beobachtungen  der  (jrestime 
zur  Zeit  ihrer  Kulmination  sehr  vorteilhaft  ist.  Später  wird  von  Nassir- 
Eddin  ein  solcher  Quadrant  in  Kupfer  von  etwa  37«  m  Radius  gebaut, 
der  in  Grade  und  einzelne  Minuten  geteilt  ist  und  eine  in  einem  stählernen 
Zapfen  drehbare  Alhidade  mit  Dioptern  besitzt. 

—  Der  Abt  Qarfetrt  von  Rheims  (Papst  Sylvester  II.)  soll  die  Gewichtsuhren 
verbessert  haben.     (VgL  850  Pacificus.) 

—  Die  Nonne  HrotwHha  im  Benediktinerkloster  zu  Gandersheim  gibt  in  dem 
Drama  „Sapientia**  eine  Reihe  von  Zahlenrätseln  aus  dem  Gebiete  der 
Vielecks-  und  ähnlicher  Zahlen,  welche  als  Beitrag  zur  Entwickelung  der 
Zahlentheorie  nicht  ohne  geschichtliches  Interesse  sind. 

983  Der  von  Island  verbannte  Normanne  Erik  der  Roll  (Eirikr  hinn  Raudi 
Thorvaldson)  entdeckt  Grönland,  nachdem  schon  um  900  der  isländische 
I^at  Gunnbjöm  von  den  von  ihm  entdeckten  Danellsinseln  aus  die  Süd- 
ostküste Grönlands  gesehen  hatte. 

986  Der  Isländer  Bjame  HerJuNlaii  erblickt  als  erster  Europäer  die  Küste 
Amerikas,  indem  er  zur  Aufsuchung  seines  Vaters,  der  mit  Erik  dem 
Roten  nach  Grönland  gezogen  war,  in  die  Nähe  des  „Weinlandes",  des 
heutigen  Massachusetts  und  Rhode- Island,  gelangt,  ohne  indes  zu  landen. 

990  Die  griechische  Prinzessin  Eudoxia  MakrwnMItltsa,  Tochter  Kaiser  Con- 
stantins  VIII.,  beschreibt  die  Entwicklung  der  Purpurfarbe  auf  der  Wolle 
unter  der  Einwirkung  der  Sonnenstrahlen.  (Wiederentdeckt  1684  von 
WiUiam  Cole.) 

—  Ihn  Yimlt  stellt  auf  der  vom  Kalifen  Hakim  auf  dem  Berge  Mokattam  bei 
Kairo  erbauten  Sternwarte  astronomische  Beobachtungen  an  und  benutzt 
zu  seinen  Berechnungen  die  trigonometrischen  Tangenten,  für  welche  er 
die  sog.  hakemitischen  Tafeln  herausgibt.  Er  bedient  sich  zuerst  zur  Zeit- 
bestimmung der  Schwingungen  des  Pendels. 

996  Qirkirt  von  Rheims  gibt  in  seinem  Werke  „De  musica  sacra"  die  älteste 
bekannte  Abbildung  eines  Streichinstruments,  einer  einsaitigen  Lyra  von 
einer  der  späteren  Gigue  (Geige)  sehr  ähnlichen  Form. 

999  Wie  aus  einem  Briefe  des  Abtes  QoibMi  von  Tegemsee  hervorgeht,  ist  um 
diese  Zeit  eine  Glasmalerwerkstatt  im  Kloster  zu  Tegemsee  eingerichtet, 
in  der  sich  die  Klosterschüler  auf  die  Herstellung  gemalter  Fenster  ver- 
stehen. Über  das  erste  geschichtUche  Zeugnis ^  für  die  Glasmalerei  vgl. 
880  Ratpert. 
1000  IWtwn  der  Jüngere  spricht  von  den  der  Cassiagattung  zugehörigen  Sennes- 
blättem,  von  denen  er  zwei  Arten  kennt.  Die  Sennesblätter  werden  gegen 
Augenleiden  und  Lepra,  später  auch  als  Abführmittel  benutzt. 


47     - 


Elftes  Ms  fünfzehntes  Jahrhundert. 


1001  Der  Normanne  Ltif,  Sohn  Erik's  des  Koten  (s.  983),  wird  auf  einer  Fahrt 
nach  Grönland  an  die  Küste  von  Labrador  —  von  ihm  Helluland  genannt 
—  verschlagen,  tmd  scheint  längs  der  Küste  von  Neufundland  und  Neu- 
schottland bis  in  die  Gegend  des  heutigen  New  York  gelangt  zu  sein. 
(S.  a.  986.) 

1010  All  ben  Isa  verfaßt  das  beste  Werk  des  Mittelalters  über  Augenkrankheiten. 
Er  soll  bei  schmerzhaften  Operationen  betäubende  Mischungen  zur  Linde- 
rung des  Schmerzes  benutzt  haben,  die  vermutlich  aus  Mandragora  imd 
Opium  bestanden.     (S.  a.  64,  Dioskorides.) 

1020  Der  Araber  Avloanna  (Ibn  Sina)  stellt  die  Lehre  auf,  daß  die  Versteine- 
rungen lediglich  Produkte  der  sog.  „Vis  plastica"  seien,  eines  der  Natur 
innewohnenden  Triebes,  Organisches  aus  Unorganischem  zu  erzeugen,  wo- 
bei ihr  aber  die  Kraft  gefehlt  habe,  ihre  Schöpfungen  zu  beleben.  Die 
Theorie  der  Vis  plastica  hat  trotz  Widerspruch  (s.  1517  Fracastoro)  lange 
Zeit  hindurch  gegolten. 

—  Avictnna  behandelt  in  seinem  berühmten  „Canon  medicinae"  die  Kunst 
der  Zusammensetzung  der  Medikamente. 

—  AviMnna  kennt  bereits  die  Kockelskömer,  die  zu  seiner  Zeit  zur  Tötung 
von  Ungeziefer  benutzt  werden. 

1025  Alblninl  (Abul  Rthän  Mohamed  ben  Ahmed)  fördert  die  sphärische  Trigo- 
nometrie und  summiert  die  geometrische  Reihe,  wobei  er  das  Beispiel  der 
Schachfelderprogression  wählt,  die,  mit  Eins  beginnend,  auf  jedem  folgen- 
den Felde  eine  Verdoppelimg  vorschreibt.  Er  löst  die  Aufgabe  der  Drei- 
teilung des  Winkels  mittels  der  Konchoide. 

—  Der  Benediktinermönch  QuMo,  genannt  Guido  von  Arezzo  (nach  neueren 
Forschungen  jedoch  gebürtig  aus  der  Gegend  von  Paris),  verschmilzt  die 
zu  seiner  Zeit  vorhandenen  unvollkommenen  Elemente  der  Musiknoten- 
schrift, und  erfindet  ein  Notensystem,  das  die  Grundlage  der  heutigen 
Notation  bildet.  Er  fügt  der  schon  vor  ihm  vorhandenen  roten  f-Linie 
und  der  gelben  c-Linie  zwei  schwarze  Linien  hinzu,  schreibt  die  Noten 
sowohl  auf  als  auch  zwischen  die  Linien,  und  macht  die  Tonhöhe  durch 
vorgesetzte  Schlüsselbuchstaben  leicht  erkennbar. 

1030  Der  Araber  Alhazm  (Ibn  al  Haitam)  macht  sich  eine  richtige  Vorstellung 
vom  Druck  der  Luft,  dessen  Existenz  schon  Aristoteles  kannte. 

—  Alhaxen  berechnet  zuerst  aus  den  in  dem  Augenblick,  wo  die  Sonne  soeben 
untergegangen  ist,  noch  beleuchteten  Wolken  die  Höhe  der  Atmosphäre. 
Nach  demselben  Verfahren  machen  später  Kepler,  Delahire  und  Mariotte 
selbständige  Bestimmimgen,  die  eine  Höhe  von  60—80  km  ergeben. 

—     48     — 


1100 

]038  Alkarai  Bpricht  ganz  bestimmt  aus,  daß  nicht  das  Auge  die  Quelle  des 
Lichtes  sei,  sondern  daß  das  Licht  von  den  leuchtenden  Gegenständen  aus- 
gehe. Er  wendet  zuerst  eigentliche  Linsen,  und  zwar  in  der  Form  von 
Kugelsegmenten,  als  Vergrößerungsgläser  an  und  kennt  die  Lage  des 
Brennpunktes  bei  Hohlspiegeln.  Er  macht  eingehende  Untersuchungen 
über  die  Reflexion  und  über  die  Brechung  des  Lichtes. 
1050  Der  griechische  Schriftsteller  SuMas  kennt  den  Vorgang  des  Anlassens  des 
Stahls  in  öl.    (Vgl.  auch  800  v.  Chr.) 

—  Thtophlliis  Presbyter  gibt  in  seiner  „Schedula  diversarum  artium*'  die  erste 
Vorschrift,  das  Trocknen  des  Leinöls  auf  dem  Wege  des  Kochens  zu  be- 
schleunigen. 

—  TliMphllttt  Presbyter  beschreibt  in  seiner  ,, Schedula  diversarum  artium" 
die  Herstellung  des  Tafelglases  durch  Blasen  und  Strecken,  ohne  zu  er- 
wähnen, daß  es  sich  dabei  um  etwas  Neues  handelt.  In  der  von  ihm 
beschriebenen  HersteUungsart  erkennt  man  leicht  die  Anfänge  der  Fabri- 
kation des  Zylinder-  und  Walzenglases,  die,  allmählich  vervollkommnet, 
jetzt  wieder  das  übliche  Verfahren  für  Gewinnung  des  Tafelglases  ist. 

—  TiMopliilttt  Presbyter  begründet  die  Glasmalerei  auf  technisch-wissenschaft- 
licher Grundlage.  (Über  die  ersten  Anfänge  vgl.  405  Prudentius,  880 
Ratpert,  und  999  Gozbert.)  Seine  Darlegungen  lassen  erkennen,  daß  die 
Glasmaler  jener  Zeit  zugleich  Glasmacher,  Farben  verfertiger,  Karton- 
zeichner und  Glaser  waren.  Theophilus  bedient  sich  ausschließlich  des 
gleichmäßig  gefärbten  Hüttenglases,  auf  welches  Umrisse  und  Schatten 
mit  „Schwarzlot?  (Kupferoxyd  mit  pulverisiertem  blauen  und  roten  Glase) 
aufgetragen  und  alsdann  eingebrannt  werden.  Das  Zuschneiden  der 
Glasstücke  erfolgt  mit  einem  glühenden  Eisen.  (Das  Glasschneiden  mit 
dem  Diamanten  kommt  erst  im  16.  Jahrhundert  in  Gebrauch.) 

1067    Der  Araber  OMM  tl  Btkrl  schreibt  die  erste  Geographie  der  afrikanischen 

Negerländer. 
1070    Atfam   von  Bremen,   der  erste  deutsche  Greograph,  gibt  in  seinen  „Gesta 

Hammaburgensis  ecclesiae  pontificum'*  eine  Beschreibung  von  Dänemark, 

Skandinavien  und  Rußland. 

—  Simon  8tlh  erwähnt  zuerst  in  Europa  den  Kampfer,  der  aus  dem  Holz 
des  auf  Formosa  und  in  Japan  vorkommenden  Kampferbaums  gewonnen 
wird,  indem  man  das  zerschnittene  Holz  mit  Wasserdampf  behandelt  und 
die  Dämpfe  in  passenden  Gefäßen  verdichtet. 

1078  Der  Araber  Omar  Alclialjaiiil  löst  kubische  Gleichungen  mit  Hilfe  der 
Durchschnitte  zweier  Kegelschnitte,  behandelt  überhaupt  zuerst  Gleichun- 
gen von  höherem  als  dem  zweiten  Grade  systematisch,  und  unterscheidet 
zwischen  arithmetischer  und  geometrischer  Auflösung  der  Gleichungen. 
Er  findet  die  Binomialreihe  für  ganze  positive  Exponenten. 

1080  AlsalMvavf,  ein  arabischer  Arzt,  erwähnt  zum  ersten  Male  die  Bluterkrank- 
heit (Haemophilie,  wie  Schönlein  die  Krankheit  nennt)  und  bezeichnet 
als  deren  Hauptsymptom  die  tödliche  Blutung,  selbst  nach  den  geringsten 
Verletzungen. 

1 100  Äfcwlcilll  empfiehlt  die  Trepanation  bei  Frakturen  und  Fissuren  des  Schädcl- 
gewölbes.    Als  Bohrer  verwendet  er  den  gewöhnlichen  Perforativtrepan. 

—  Äfcölfltlf  schreibt  ein  berühmtes  Werk  über  chirurgische  Operationen  und 
das  Buch  „Servitor"  über  die  Bereitung  der  Arzneien. 

Der . Benediktiner  Thoophllut  beschreibt  zuerst  die  Technik  des  Glocken- 
gusses, wonach  man  erst  den  Lehmkern  formt  und  eine  Fettschicht  so  dick 
auf  denselben  aufträgt,  daß  der  Fettmantel  dem  spätem  Metall  der  Glocke 
entspricht.  Auf  den  Fettmantel  wird  wieder  Lehm  aufgetragen,  das 
Ganze  mit  Eisenreifen  umgeben  und  in  die  Gießgrube  gesenkt.  Das  Fett 
Bftrmstaedter.  ^ 

—     49     — 


1101 

wird  alsdann  herausgeschmolzen  und  die  Glockenspeise  in  den  entstande- 
nen Hohlraum  gegossen. 

1101  König  Htinrich  I.  von  England  ersetzt  die  damals  als  Normalmaß  übliche 
Elle  (Gyrd)  durch  die  Länge  seines  Armes  bis  zur  Spitze  des  Mittel- 
fingers (Yard). 

1113  Wie  J.  Büttgenbach  mitteilt,  spricht  bereits  die  Chronik  des  Klosters 
KlottMTOda  im  Herzogtum  Limburg  von  einem  dort  durch  die  Mönche  be- 
triebenen Steinkohlenbergbau,  so  daß  keinenfalls  der  Hufschmied  Hulloz 
oder  H Ullas  in  Lüttich,  der  1198  Steinkohle  gefördert  haben  soll,  ak  der 
erste  Verwender  derselben  zu  betrachten  ist. 

1115  Der  Kaiser  Helnrldi  V.  verleiht  der  Stadt  Bremen  das  Recht,  Tonnen  in 
der  Weser  auszulegen  und  Baken  daselbst  aufzusteUen.  Von  da  datiert 
die  planmäßige  Ausstattung  der  Nord-  xmd  Ostseeküste  mit  Seezeichen, 
obwohl  man  an  der  guten  Bezeichnung  der  Küstenuntiefen  u.  dgl.  damals 
kein  allgemeines  Interesse  hatte,  da  jedes  gestrandete  Schiff  Eigentum 
der  Strandbewohnor  war. 

1121  Der  arabische  Gelehrte  Alkhazinl  konstruiert  eine  sehr  empfindliche  Schnell - 
wage,  die  er  unter  dem  Namen  „Wage  der  Weisheit"  beschreibt.  (S.  a. 
1400  V.  Chr.)  Er  untersucht  das  spezifische  Gewicht  der  Flüssigkeiten 
mittelst  eines  Araeometers,  das  ähnlich  dem  des  Synesios  war,  und  wendet 
zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts  auch  ein  Gefäß  an,  das  als 
erstes  Pyknometer  zu  bezeichnen  ist,  und  welchem  Homberg  (s.  1699) 
die  noch  jetzt  übliche  Form  gibt. 

1126  Im  Karthäuserkloster  zu  Lillers  in  der  Grafschaft  Artolt  wird  der  erste 
Tiefbrunnen  Mitteleuropas  erbohrt.  Derartige  Brunnen,  seitdem  „arte- 
sische" genannt,  waren  indes  schon  im  Altertum  bekannt.  (Vgl.  320  und 
168  V.  Chr.,  450  n.  Chr.) 

1139  Die  zuerst  im  9.  Jahrhundert  erwähnte  Armbrust  erfährt  in  den  folgen- 
den Jahrhunderten  eine  wesentliche  Vervollkommnung  und  wird  von 
so  bedeutender  Wirkung,  daß  ihr  Gebrauch  gegen  Christen  auf  dem  von 
Papst  Innozam  II.  berufenen  zweiten  lateranischen  Konzil  verboten  wird. 

1140  JohaniiM  von  Stvilla  (Johannes  Hispalensis)  gibt  in  der  von  ihm  veran- 
stalteten Übersetzung  eines  von  einem  unbekannten  Verfasser  herstammen- 
den arabischen  Mathematikwerkes  ein  Verfahren  an,  die  Quadratwurzel 
mit  Hilfe  von  Brüchen  auszuziehen,  die  mit  den  späteren  Dezimalbrüchen, 
wenn  auch  nicht  in  der  Schreibweise,  so  doch  dem  Sinne  nach  überein- 
stimmen. 

1150  Die  von  Albredit  dtm  Biron  zwischen  1150  imd  1160  in  der  Altmark  und 
im  Havellande  angesiedelten  niederländischen  Kolonisten  bringen  an  Stelle 
des  in  Mitteldeutschland  bis  dahin  bevorzugten  Baus  mit  natürlichen 
Steinen  die  Ziegel fabrikation  und  den  Ziegelsteinbau  in  Aufnahme  und  zu 
hoher  technischer  VoUkommenheit. 

—  Avtiiioar  bereichert  durch  seine  Arbeiten  die  innere  Medizin  und  die 
Chirurgie. 

—  Der  indische  Mathematiker  Bhatkara  Acarya  kennt  die  Anzahl  der  Kom- 
binationen von  n  Elementen  zur  p-ten  Klasse  ohne  Wiederholung,  femer 
die  der  Permutationen  einer  gegebenen  Elementengruppe  mit  und  ohne 
Wiederholung. 

—  Die  Zisterzienser  Mönche  des  Klosters  Ohlaravalle  bei  Mailand  machen  die 
erste  Anwendung  der  Abfallwässer  zur  Berieselung  von  Wiesen. 

—  Nlcdaus,  Vorsteher  der  Schule  in  Salem o,  schreibt  ein  Dispensatorium  mit 
150  zusammengesetzten  Arzneiformeln  mit  Angabe  der  medizinischen 
Kraft«  und  der  (Gebrauchsweise,  Antidotarium  genannt,  welches  als  die 
erst«   europäische   Pharmakopoe   anzusehen   ist.     (Vgl.  975.)     Er   ist   der 

—      :>()      — 


121 

erste,  der  der  Schlafschwämme  Erw&hnung  tut,  das  sind  Schwämme,  die 
mit  narkotischen  Pflanzens&ften  getränkt  und  getrocknet  wurden  und 
dann,  bevor  man  sie  zur  Inhalation  gebrauchte,  in  warmem  Wasser  an- 
gefeuchtet wurden.     (S.  a.  1010.) 

1153  EirW  (Scherif  al  Edrisi)  schreibt  ein  großes  geographisches  Werk  über 
Nubien  „Greographia  nubiensis'%  in  dem  er  mehrere  für  die  allgemeine 
Auffassung  der  Verteilung  tierischer  Formen  auf  der  Erdoberfläche  nicht 
uninteressante  Angaben  macht.  Doch  weist  das  meiste,  wie  überhaupt 
die  gesamten  zoologischen  Kenntnisse  der  Araber,  noch  auf  Aristoteles  hin. 

1160  AvMThoit  beobachtet  zuerst  in  Marokko  Sonnenflecke.  Freilich  sind  auch 
in  den  chinesischen  Annalen  viele  Sonnenfiecke  erwähnt,  die  mit  bloßem 
Auge  gesehen  tmd  als  „Raben  in  der  Sonne"  bezeichnet  wurden. 

—  AvMThois  erkennt  zuerst  die  lichtwahmehmende  Funktion  der  Netzhaut. 

—  Benevenutus  QraplMiit  schreibt  über  Augenheilkunde  und  ist  der  be- 
deutendste Star- Operateur  seiner  Zeit. 

1167  Der  Sultan  ÜHrtMii  richtet  nach  Eroberung  von  Ägypten,  um  eine  Ver- 
bindung mit  den  Städten  seines  großen  Reiches  zu  haben,  eine  ständige 
Verbindung  vermittels  abgerichteter  Brieftauben  ein  und  dehnt  diesen 
Luftpostverkehr  auch  auf  ganz  Syrien  aus.  Seine  Nachfolger  halten  diese 
Einrichtung  bis  zur  Zerstörung  Bagdads  durch  die  Mongolen  aufrecht. 

1180  Rogwr  von  Parma  (Ruggiero),  der  bedeutendste  Wundarzt  der  Salemi- 
tanischen  Schule,  behandelt  in  seiner  „Practica  chirurgiae'*  die  Lehre  von 
der  Wundheilung. 

1181  Der  provenzalische  Troubadour  Quyot  d«  Provlnt  beschreibt  in  seinem 
satirischen  Gredichte  „La  bible*'  eine  Wasserbussole,  bestehend  aus  einer 
auf  Strohhalmen  schwimmenden  Magnetnadel,  —  die  älteste  verbürgte 
Nachricht  im  Abendlande  über  die  Verwendung  des  Magneten  zur  Be- 
stimmung der  Himmelsrichtung.  Ob  hier  eine  selbständige  Erfindung 
vorliegt,  oder  das  Verfahren  durch  Vermittelung  der  Araber  von  den 
Chinesen  übernommen  ist,  ist  nicht  festzustellen.  Daß  die  Araber  um  das 
Jahr  854  den  Kompaß  gekannt  haben,  ist  nach  E.  Wiedemanns  Forschun- 
gen unzweifelhaft.  Jf^n, 

1185  Saxo  GrMinMtlciis  gibt  die  erste  Nachricht  von  ^el^^eysirn  auf  Island. 
„In  Island  ist  eine  Quelle,  welche  durch  die  Kraft  dampfenden  Wassers 
die  natürliche  Beschaffenheit  aller  Gegenstände  ändert.  Was  von  dem 
dampfenden  Wasser  berührt  wird,  wird  hart  wie  Stein." 

1198  Der  schon  im  Altertume  (bei  Salomo,  Homer,  Hippokrates  u.  a.)  erwähnte 
Safran  wird  durch  die  Kreuzfahrer  nach  dem  Abendlande  gebracht 
und  nach  Osterreich  durch  einen  Ritter  von  RauhMiatt  im  Jahre  1198  ein- 
geführt. 

1200  Abd-«l-Lttlff  lehrt  in  Kairo  und  Damaskus  Medizin  und  tut  den  Ausspruch, 
daß  selbst  Galens  Angaben  gegenüber  der  eigenen  Beobachtung  zurück- 
stehen müssen. 

1202  FliOMCd  (Leonardo  von  Pisa)  führt  den  Gebrauch  der  indischen,  soge- 
nannten arabischen  Ziffern  im  Abendlande  ein  und  spricht  in  seinem  „Liber 
abaci"  zum  ersten  Male  die  Reihensummationsformel  allgemein  in  Worten 
aus.  Er  behandelt  auch  die  geometrischen  Reihen,  wenn  auch  nicht  in 
derselben  Allgemeinheit  wie  die  arithmetischen,  und  stellt  zum  ersten 
Male  Aufgaben  über  die  Zinseszinsrechnung  auf. 

1210  Der  Dauphin  Hwniort  II.  von  Savoyen  hält  sich,  wie  berichtet  wird,  längere 
Zeit  in  Brandes  in  der  Auvergne  auf,  um  zur  Wiederherstellung  seiner 
Gesundheit  die  frische  Luft  der  Berge  einatmen  zu  können.  Es  ist  dies 
eines  der  ersten  geschichtlich  überlieferten  Beispiele  einer  Luftkur^ 

4* 

—     51     — 


1210 

1210  Der  Erfinder  des  Fingerhuts  ist  unbekannt.  Die  erste  Erwähnung  des 
Fingerhuts  geschieht  bei  WaHir  von  der  VOfilwMe,  der  bei  dem  Anblicke 
einer  Fingerhutblume  eines  anderen  Fingerhuts  gedenkt,  „der  schmückte 
den  schönsten  Finger*'.  Da  hiemach  damals  auch  der  botanische  Finger- 
hut (Digitalis)  unter  diesem  Namen  bereits  allgemein  bekannt  war,  muß 
die  Erfindung  des  Fingerhuts  zeitlich  sehr  viel  weiter  zurückliegen. 

1220  Flbonaccl  gibt  in  seinem  Werke  „Practica  geometriae"  einen  Wert  für 
n  —  1440  :  458Vs  (=  3,1418).  Zwei  andere  Schriften  („Liber  quadratoruni*' 
und  „Flos")  behandeln  die  Gleichungen.  Von  besonderem  Interesse  ist 
die  Lösimg  der  kubischen  Gleichung  x*  +  2x*+ 1^^  =  20,  für  die  Fibo- 
nacci  den  außerordentlich  genauen  Näherungswert  x  :=  1®22^  7"  42™  33^^' 
4V  4QVI  angibt,  leider  ohne  zu  verraten,  wie  er  ihn  erhielt. 

—  Hugo  von  Lucea  führt  eine  einfache  tmd  rationelle  Wtmdbehandltmg  ein, 
wegen  deren  er  „Vir  mirabiUs"  genannt  wird.  Er  und  sein  Sohn  Theo- 
derich sollen,  wie  Guy  de  Chauliac  berichtet,  ihre  Patienten  bei  Opera- 
tionen in  primitiver  Weise,  wahrscheinlich  mit  Schlaf  schwämmen  (s.  1150N.), 
narkotisiert  haben.  Für  diese  einfache,  schonende  Methode  der  Wund- 
behandlungtritt auch  Henri  deMondeville  mit  Entschiedenheit  ein.  (S.  1320.). 

—  Jordanus  NMnorariut»  Ordensmeister  der  Dominikaner,  verfaßt  mehrere  für 
die  Entwicklung  der  Arithmetik  und  der  gesamten  Mathematik  bedeut- 
same Schriften,  darunter  „Arithmetica  decem  libris  demonstrata",  „De 
triangulis",  „Tractatus  de  sphaera"  u.  a.  Er  gibt  neue  Methoden  zur 
Lösung  algebraischer  Gleichungen  an. 

1225  Raymundus  Lullut  lehrt  die  Salpetersäure  durch  Destillation  einer  Mischung 
von  Ton  und  Salpeter  darstellen. 

1228  Nachdem  das  im  Altertume  vielfach  geübte  Veredeln  der  Bäume  und 
Sträucher  durch  Pfropfen  später  in  Vergessenheit  geraten  war,  erwähnt 
im  Mittelalter  zuerst  Froldank  (in  seiner  „Bescheidenheit'*)  dieses  Verfahren 
wieder.  („Wer  linden  zwiget  —  zweiget,  d.  i.  propfet  —  üf  den  Dorn,  der 
hat  ir  beider  reht  verlorn.") 

—  Im  Staatsarchiv  zu  Wien  befindet  sich  eine  Urkunde  des  Kaisers  Friwirtell  II., 
betreuend  die  Entscheidung  der  Streitigkeiten  des  Klosters  Goß  mit  dem 
Herzog  von  Kämthen,  eine  der  ältesten  noch  vorhandenen  Urkunden  auf 
Papier.  Das  Papier  ist  im  vorliegenden  Falle  ein  mit  Leinenfasem 
(Leinenlumpen)  gemischtes  Baumwollenpapier. 

1232  Der  Sultan  SaMln  schenkt  dem  Kaiser  Friedrich  II.  eine  Räderuhr,  welche 
die  Stunden,  den  Lauf  der  Sonne,  des  Mondes  und  der  Sterne  anzeigt. 
Es  ist  dies  die  erste  sichere  Kunde  von  einer  Räderuhr  in  Deutschland. 
(S.  a.  850  Pacificus.) 

—  Während  man  sich  bis  gegen  das  Ende  des  12.  Jahrhunderts  sowohl  im 
Abendlande  wie  in  China  darauf  beschränkte,  die  Wirkung  der  Brand - 
geschosse  durch  Beimengung  von  ungelöschtem  Kalk  und  ähnlichen  Stoffen 
zu  den  Feuerwerkssätzen  zu  erhöhen  (s.  678  Kallinikos),  verwenden,  wie 
der  Auszug  aus  den  chinesischen  Reichsannalen  Tunf-klanf-kanf-mu  be- 
richtet, zuerst  die  Chinesen  i.  J.  1232  bei  der  Verteidigung  von  Pien-king 
gegen  die  Mongolen  einen  wirklichen  Explosivstoff,  indem  hier  zum  ersten 
Maie  dem  üblichen  Brandsatze  (Pech,  Schwefel,  Kohle  u.  dgl.)  Salpeter 
zugesetzt  wird.  Damit  ist  die  Erfindung  dos  Schießpulvers  gegeben.  Der 
Erfinder  selbst  ist  nicht  zu  ermitteln.  Möglicherweise  war  es  der  chine- 
sische Heerführer  W«i-sching. 

1233  Thomas  von  Cantimpr6  gibt  in  seiner  Schrift  „De  naturis  rerum*'  eine 
ziemlich  richtige  Tierbesohreibung,  die  sich  indes  vielfach  noch  an  Aristo- 
teles anlehnt.  1269  gibt  er  noch  eine  Sonderschrift  über  die  Bienen 
heraus. 

—     52     — 


1250 

1242  Der  maurische  Gelehrte  BaHak  aus  Kisgak  berichtet,  daß  sich  zn  seiner 
Zeit  die  Seefahrer  des  syrischen  und  indischen  Meeres  der  Magnetnadel 
als  Wegweiser  bedienten,  indem  sie  eine  magnetische  Eisenröhre  von  Fisch - 
form  (nach  anderen  Nachrichten  einen  auf  ein  Holzkreuz  gelegten  Magnet- 
stein) in  einer  Schale  mit  Wasser  schwimmen  ließen.  Diese  Angabe  stimmt 
fast  vollständig  mit  der  von  Guyot  de  Provins  (s.  1181)  gegebenen  Be- 
schreibung überein. 

1245  Giovanni  i§  Piano  Carplnl,  ein  Franziskanermönch  aus  Neapel,  reist  durch 
Rußland,  die  weiten.  Steppen  von  Turkestan  und  gelangt  bis  Karakorum. 

1250  Johannes  Aetnarlui  erwähnt  zuerst  die  Myrobalanen,  die  ihres  Gerbsäure- 
gehaltes wegen  bei  der  Ruhr  angewendet  wurden,  jetzt  dagegen  lediglich 
als  Gerbmaterial  dienen.  Er  spricht  auch  von  der  Anwendung  der  Tama- 
rinden als  eines  kühlenden  Abführmittels,  namentlich  bei  Gallenkrank- 
heiten. Die  Tamarinde  ist  bereits  dem  Theophrastos  bekannt  gewesen, 
doch  wird  ihre  purgierende  Wirkung  nicht  von  ihm  erwähnt. 

—  Alfctrüii  Magniit  erwähnt  mit  Bestimmtheit  den  grünen  Vitriol  (Eisenvitriol), 
ohne  sich  jedoch  über  seine  Darstellung  auszulassen. 

—  AINrtns  Mafnw  gibt  in  seinem  „Opus  naturarum"  eine  sich  vielfach  an 
Aristoteles  anJehnende  Beschreibimg  des  Tierreichs,  das  er  nach  dem  Maße 
des  Menschen  und  nach  dessen  seelischer  Begabung  mißt,  das  jedoch  in 
der  systematischen  Durcharbeitung^über  Thomas  von  Cantimpr6  (s.  1233) 
hinausgeht.  ifuJUSj 

—  Der  englische  Franziskanermoncn  Roger  Baeon  erwähnt  die  Eigenschaft 
des  Salpeters,  mit  brennenden  Körpern  zu  verpuffen.  (S.  auch  1232  T. 
und  1250  M.) 

—  Roger  Bacon  stellt  durch  Versuche  die  Veränderungen  des  Gesichtswinkels 
fest,  welche  durch  konkav  oder  konvex  gekrümmte  sphärische  Gläser  be- 
wirkt werden,  und  empfiehlt  schwachsichtigen  Menschen,  ein  konvexes 
Glas  auf  das  Objekt  zu  legen,  womit  er  den  Gnmdgedanken  der  Brille 
andeutet.    (S.  1300  Armati.    Vgl.  auch  1038  Alhazen.) 

—  Fast  gleichzeitig  mit  der  Erfindung  des  Schießpulvers  in  China  (s.  1232, 
Tung-kiang-kang-mu)  wird  auch  im  Abendlande  bekannt,  daß  sich  den 
von  altersher  verwendeten  Feuerwerkssätzen  (Schwefel,  Kohle,  Pech  u.  dgl.) 
durch  Zusatz  von  Salpeter  explosive  Eigenschaften  verleihen  lassen. 
Marelmt  Qrateiit  gibt  in  der  lateinischen,  allein  erhaltenen  Übersetzung 
seines  griechischen  „Feuerbuchs'*  folgende  Beschreibung  von  der  Zusammen- 
setzung eines  derartigen  Explosivstoffes :  „Accipias  lib.  I  sulphuris  vivi, 
lib.  II  carbonum  vitis  vel  Salicis,  lib.  VI  salis  petrosi.  Quae  tria  subti- 
Hasime  terantur  in  lapide  marmoreo."    (Vgl.  auch  1250  Roger  Bacon.) 

—  Marelmt  Qrascas  gibt  eine  eingehende  Beschreibung  der  Darstellung  des 
Terpentinölis,  das  er  unter  dem  Namen  „Aqua  ardens'*  beschreibt.  (S.  a. 
64  D.)  Dasselbe  wird  bis  spät  in  das  16.  Jahrhundert  als  eine  dem  Wein- 
geist ähnliche  Substanz  betrachtet  imd  auch  statt  des  letzteren  angewendet. 

—  Der  arabische  Astronom  Nassir-Eddln  al  Thusi  behandelt  in  seiner  Schrift 
„Über  die  Figur  der  Schneidenden"  (d.  h.  über  den  Satz  des  Menelaos  — 
8.  100)  die  sphärische  Trigonometrie  in  ihren  Fundamentalaufgaben  am 
schiefwinkligen  Dreieck  in  vollendeter  Weise. 

—  Nanir-EMn  al  ThusI  fertigt  als  Vorstand  der  von  dem  Mongolenfürsten 
Hulagu  (Ilek-Khan)  gegründeten  Sternwarte  zu  Meragah  in  Persien  den 
in  den  ilekkhanischen  Tafeln  niedergelegten  Fixstemkatalog  nebst  Planeten - 
tafeln  an. 

—  Willem  it  Rakruquls  (Ruysbroek)  gelangt  auf  einer  etwas  südlicheren  Route 
als  Piano  Carpini  (s.  1245)  bis  Karakorum  und  kehrt  durch  Persien  und 
die  Türkei  nach  der  Heimat  zurück. 

—     53     — 


]250  Jordanus  Riifffui,  OberstallmeiBter  des  KaiiserB  Friedrich  IL,  gibt  in  seinem 
Werke  ,,De  medicina  equorom"  eine  genaue  Anleitung  zum  Hufbeechlag 
und  eine  Beschreibung  der  chirurgischen  Krankheiten  der  Extremit&ten 
der  Pferde.  Eine  große  Zahl  seiner  sanitären  Vorschriften  hat  bis  zur 
Gegenwart  ihre  Gültigkeit  behalten. 

—  Vlncanz  von  B«ainrals  spricht  zuerst  von  den  allerdings  schon  früher  be- 
kannten belegten  Spiegeln  und  hält  die  gläsernen  mit  ßlei  überzogenen 
Spiegel  für  die  besten. 

—  Vlncenz  ¥on  Bttimds  veröffentlicht  sein  „Speculum  majus'S  das  eine  den 
Kenntnissen  der  Zeit  entsprechende,  sehr  vollständige  Beschreibung  der 
bekannten  Tierwelt  gibt,  im  wesentlichen  aber  wie  die  Schriften  von  Thomas 
von  Cantimpr6  und  Albertus  Magnus  auf  Aristoteles  fußt. 

1252  Alfont  X.  von  Castilien  läßt  durch  christliche  und  jüdische  Gelehrte,  die 
er  nach  Toledo  beruft  (darunter  den  Rabbiner  Isaak  Aben  Said),  die 
Alfonsinischen  Tafeln  herstellen,  die  von  da  ab  an  die  Stelle  der  Ptole- 
maeischen  Tafeln  (s.  150  Ptolemaeus)  treten.  Die  alfonsinischen  Tafeln 
werden  zuerst  i.  J.  1483  durch  Ratdold  in  Venedig  (s.  1487)  gedruckt, 
c  1253  WIIMm  von  Holland  läßt  den  ersten  bekannten  Bau  einer  Kammerschleuse 
bei  Spaamdam  ausführen.  Demnach  sind  weder  Leone  Battista  Alberti 
noch  Simon  Stevin  als  deren  Erfinder  anzusehen. 

1256  Nachdem  schon  in  den  heiligen  Büchern  der  Inder  der  Magneteisenstein  zum 
Ausziehen  von  Pfeilspitzen  empfohlen  worden  ist  (s.  500  v.  Chr.),  gibt  der 
Araber  HallfO  aus  Aleppo  dies  Mittel  an,  um  beim  Abbrechen  der  Spitze 
der  Aderlaßlanzette  diese  aus  der  Wunde  zu  ziehen. 

—  Joannes  do  Sacrokutto  (John  Holywood)  gibt  seinen  „Tractatus  de  sphaera 
mundi"  heraus,  der  für  mehr  als  drei  Jahrhunderte  das  Hauptlehrbuch 
der  mathematischen  Geographie  bildet. 

1 259  Die  Annalen  der  chinesischen  Sung-Dynastio  beschreiben  eine  Feuerlanze 
(Lanze  des  ungestümen  Feuers,  To-huo-tsiang),  ein  Bambusrohr,  das  mit 
abwechselnden  Lagen  von  einem  schießpulverähnlichen  Brandsatze  und 
„Körnern"  geladen  war,  welche  letzteren  unter  heftiger  Flammenentwick- 
limg  150  Schritte  weit  geschleudert  wurden.  Anscheinend  sind  diese  „Körner'^ 
keine  Geschosse  (Schrot  u.  dgl.)  gewesen,  sondern  Brandsatzklümpchen, 
so  daß  der  Apparat  etwa  wie  eine  heutige  Leuchtkugelrakete  gewirkt  haben 
mag,  andrerseits  aber  die  Elemente  der  Pulver-Schußwaffe  deutlich  er- 
kennen läßt. 

1260  Albortus  Magnus  schildert  als  zu  seiner  Zeit  bereits  üblich  die  Scheidung 
des  Goldes  vom  Silber  durch  Salpetersäure  (Scheidung  durch  die  Quart). 
Die  Legierung  wird  auf  das  Verhältnis  von  1  Teil  Gold  zu  2  Teilen  Silber 
gebracht,  granuliert  und  mit  der  P/2  fachen  Menge  starker  Salpetersäure 
erwärmt.  Die  entstehende  Lösung  wird  verdünnt,  um  ein  Auskrystalü- 
sieren  des  Silbemitrats  zu  verhindern,  am  nächsten  Tage  abgezogen  und 
dafi  zurückbleibende  Gold  mit  heißem  Wasser  gewaschen. 

—  Albortus  Magnus  reinigt  das  Gold  durch  Zementation  und  stellt  zuerst  regu- 
linischen Arsenik  durch  Erhitzen  des  weißen  Arseniks  mit  rediLBierenden 
Körpern  (Seife)  dar. 

—  Albortus  Magnus  erörtert  das  zu  seiner  Zeit  wieder  in  Gebrauch  kommende 
Veredelungs verfahren  der  Bäume  usw.  durch  Pfropfen  (vgl.  1228  Freidank), 
wobei  er  freilich  sehr  wunderliche  Kombinationen  in  Vorschlag  bringt, 
z.  B.  das  Pfropfen  einer  Rose  auf  einen  Kohlstrunk  zur  Erzielung  grüner 
geruchloser  Blumen. 

—  Roger  Bacon  bespricht  das  Verlöschen  brennender  Körper  in  verschlossenen 
Gefäßen  und  schreibt  dies  dem  Umstand  zu,  daß  die  Luft  fehle. 

—     54     — 


1280 

1260  Roger  Baeoa  gibt  zuerst  die  Lage  des  Brennpunktes  bei  einem  sphärischen 
Hohlspiegel  richtig  an  und  weist  nach,  daß  die  von  einem  leuchtenden 
Punkt  stammenden  Lichtstrahlen  nach  ihrer  Reflexion  von  einem  Hohl- 
spiegel sich  nicht  in  einem  Punkte  des  Hauptstrahls,  sondern  in  vielen 
nebeneinander  liegenden  Punkten  treffen.  (Sphärische  Aberration.) 
'  —  Die  veneüanischen  Kaufleute  Marco  und  Maffeo  Polo«  Oheime  des  berühmten 
/-Marco  Polo  (s.  1271)  reisen  über  Konstantinopel  nach  Kiptschak  und 
Turkestan,  um  mit  den  Tataren  Handel  zu  treiben. 

—  VIbcobe  von  Boiuvalt  spricht  bei  der  Geburtshilfe  zum  ersten  Male  in  zweifel- 
loser Weise  von  der  Wendung  des  Foetus  auf  den  Kopf  durch  direkten 
inneren  Handgriff. 

1269  Petrus  Peregrinus  tfo  Marteourt  macht  die  ersten  bekannten  experimentellen 
Forschungen  über  den  Magnetismus,  indem  er  die  beiden  Pole  unter- 
scheidet und  die  verteilende  Wirkung  des  Magneten,  wie  auch  die  An- 
ziehung ungleichnamiger  Pole  nachweist. 

1270  Der  Kanonikus  (}iovanni  Campano  (Johannes  Campanus)  von  Novara  be- 
wirkt eine  Ausgabe  der  „Elemente**  des  Euklid,  und  lehrt  in  den  von  ihm 
gemachten  Zusätzen  die  Berechnung  der  Winkelsumme  im  Sternfünfeck. 
Auch  beweist  er  die  Irrationalität  des  goldenen  Schnitts. 

—  Raymundus  Lullui  entdeckt  das  kohlensaure  Ammoniak,  das  er  durch 
Destillation  aus  gefaultem  Harn  darstellt,  und  verbessert  die  Destillations - 
Vorrichtungen,  indem  er  zum  ersten  Male  behufs  besserer  und  schnellerer 
Kondensation  der  Dämpfe  eine  besondere  Kühlung  der  Vorlage  anwendet. 
Er  kennt  auch  das  ätzende  Ammoniak. 

—  Raymundus  Lttllut  berichtet  zuerst  über  die  Verwendung  des  Astrolabiums 
zu  astronomischen  Ortsbestimmungen  auf  See. 

—  Nachdem  die  Canarischen  Inseln  (s.  40  v.  Chr.)  im  Mittelalter  zuerst'  bei 
den  Arabern  erwähnt  worden  waren,  gelangt  Lancelot  Malocollo  dorthin 
und  errichtet  ein  Kastell  auf  Lancerote. 

—  Der  polnische  Physiker  WItolo  spricht  für  die  Optik  den  Satz  aus,  daß  die 
Natur  stets  nach  der  Richtung  der  kürzesten  Linie  wirke. 

1271  Marco  und  Maffeo  Polo  unternehmen,  von  ihrem  siebzehnjährigen  Neffen 
Marco,  dem  nachmals  berühmten  Reisenden,  begleitet,  eine  zweite  Reise 
(s.  1260),  auf  der  sie  Persien  durchqueren,  das  Pamirplateau  über- 
schreiten, ins  Tarymbecken  niedersteigen  und  ganz  China  durchziehen. 
Der  jüngere  Marco  Polo  tritt  in  die  Dienste  des  Kaisers  Kublai  und 
lernt  auf  seinen  Kreuz-  und  Querzügen  den  größten  Teil  Chinas  kennen. 
Im  Jahre  1292  begeben  sich  die  drei  Reisenden  über  Cochinchina,  Sumatra 
und  Ceylon  nach  Ormuz,  von  wo  sie  über  Trapezunt  und  Konstantinopel 
im  Jahre  1295  Venedig  wieder  erreichen.  Der  jüngere  Marco  legt  die  Er- 
fahrungen  dieser   Reise  in   einem  ausführlichen  Bericht   (s.  1298)  nieder. 

1272  Der  Bologneser  Borghoiano  vervollkommnet  den  Seidenhaspel  und  kon- 
struiert die  erste  maschinelle  Vorrichtung  zum  Zwirnen  der  Seide  in  dem 
sog.  runden  Mulinierstuhl  (Seidenmühle).  Bis  dahin  war  die  Drehung 
der  einfachen  und  die  Zusammenzwimung  mehrerer  Fäden  stets  mit  der 
Hand  erfolgt. 

1279  Guilelmus  do  Sailcoto  fördert  mit  seiner  ,, Summa  conservationis  et  cura- 
tionis*'  die  Chirurgie.  Seine  Wundbehandlimgsmethode  ist,  wie  die  des 
Hugo  von  Lucca  (s.  1220)  eine  einfache  und  rationelle;  er  reinigt  die 
W^unde  mit  öl  und  legt  nach  der  »Blutstillung  sehr  sorgfältige  Ver- 
bände an,  wie  überhaupt  seine  Theorie  mustergültig  ist.     Er  weist  zuerst 

■    auf  die  giftigen  Eigenschaften  faulender  tierischer  Substanzen  hin. 

1280  Christophoro  Brlanl  in  Venedig  erfindet  den  künstlichen  Aventurin,  ein 
von    zahllosen   goldglänzenden  Kry  st  allen    durchsetztes,    meist    lichtgelh- 

—     55     — 


1280 

braunes  bis  grünliches  Glas,  das  den  natürlichen  Aventurin,  eine  flimmernde 
Quarzmodifikation,  an  Glanz  übertrifft  und  in  neuerer  Zeit  von  Bizaglia  in 
Venedig  (1872)  wieder  unübertrefflich  hergestellt  wird.  Wöhler  spricht 
sich  dahin  aus,  daß  die  Krystallblättchen  in  diesem  Produkt  ausgeschie- 
denes metallisches  Kupfer  seien. 
1280  Petrus  i§  Cmctntlls  schreibt  ein  Werk  „Opus  ruralium  commodorum*',  das 
in  12  Abteilungen  das  gesamte  Gebiet  der  Landwirtschaftslehre  behandelt. 

—  Der  chinesische  Kaiser  CuMlal-chan  (Kublai)  vertieft  und  verlängert  den 
Kaiserkanal  (großen  Kanal),  der  sich  von  Peking  bis  Hang-tschou  durch 
zehn  Breitengrade  erstreckt  und  den  Pei-ho  mit  dem  Hoang-ho  und 
Jangtse-kiang  in  Verbindung  setzt.  Der  Kanal  war  im  7.  Jahrhundert 
n.  Chr.  begonnen  worden. 

—  KazwInI  hebt  hervor,  daß  die  Wasserdämpfe  der  Luft  sich  an  hohen  Bergen 
zu  Regen  kondensieren.  Er  weiß,  daß  die  Gießbäche  allmählich  Berge 
abtragen  und  den  Schutt  ins  Meer  befördern,  während  der  Schlamm  auf 
dem  Meerboden  sich  ausbreite  und  fest  werde. 

—  Arnoldus  Vlllanovanot  lehrt  die  Bereitung  der  ätherischen  öle  in  seinem 
Traktat  „De  vinis". 

—  Arnoldus  Villanovanut  spricht  zuerst  von  den  Heilkräften  des  Waldmeisters. 
1285    In  dem  von  dem  Araber  Hassan-al-Rammah  verfaßten  Feuerwerksbuche  wird 

der  Salpeter  als  die  Grundlage  der  gesamten  Feuerwerkerei  bezeichnet. 
Al-Rammah  lehrt  die  Läuterung  des  Salpeters  durch  ein  wiederholtes 
Krjstallisationsverfahren,  hat  aber  von  den  eigentlichen  Feuerwaffen  noch 
keinerlei  Kenntnis, 
j;  1290  Während  Dioskorides  zuerst  des  aus  Rosen  und  Olivenöl  bereiteten  Rosen- 
\^  Öls   Erwähnung  getan   hatte,   wird    das   destillierte    Rosenöl    zuerst   von 

Johannes  Aetaarhit  beschrieben.    Es  scheint  zu  dieser  Zeit  schon  in  Nisibis 
in  Mesopotamien  bereitet  worden  zu  sein. 

—  Die  älteste  Glashütte,  deren  Existenz  nachweisbar  ist,  ist  die  durch 
van,  LMmpMl  angelegte  Flaschen-  und  Grünglasfabrik  zu  Quiquengrogne 
bei  La  Chapelle. 

—  Giovanni  de  Monte  Conrino  geht  über  Persien  nach  Indien  und  besucht  von 
da  China,  das  er  eingehend  beschreibt. 

1292  Die  Ingwerpflanze  (Zingiber),  welche  auch  Marco  Polo  gekannt  zu  haben 
scheint,  wird  zuerst  beschrieben  von  Giovanni  dt  Monte  Conrino. 

1295  Lanfranchl  fördert  durch  seine  „Chirurgia  magna",  in  welcher  er  zahlreiche 
von  ihm  ausgeführte  Operationen  beschreibt,  die  praktische  Chirurgie. 

1298  Marco  Polo  (s.  1271)  berichtet  von  der  von  ihm  besuchten  Landschaft 
Badachschan  am  Nordabhange  des  Hindukusch,  einem  Hauptfundorte  des 
von  alters  her  bekannten  Lasursteins  (Lapis  lazuli),  aus  dem  durch  Pul- 
verisieren und  Schlemmen  der  natürliche  Ultramarin  gewonnen  wird. 

—  Marco  Polo  spricht  bei  Beschreibung  der  chinesischen  Provinz  Fo-kien 
von  dem  Anbau  der  Baumwolle  und  deren  technischer  Verwendung  als 
von  etwas  längst  Bekanntem.  Trotzdem  muß  Indien  als  die  Heimat  der 
BaumwoUe  angeschen  werden.     (S.  auch  800  und  327  v.  Chr.) 

—  Marco  Polo  bringt  die  ersten  ausführlichen  Nachrichten  über  die  chinesische 
Porzellanfabrikation  nach  Europa.  Seine  Darlegungen  beruhen  indes  in 
ihrem  technischen  Teil  auf  unrichtigen  Informationen. 

—  Marco  Polo  gibt  die  ersten  Nachrichten  über  den  großartig  organisierten 
chinesischen  Staatskurierdienst,  eine  Art  von  Post,  die  sich  bis  auf  den 
heutigen  Tag  erhalten  hat.  Möglicherweise  hat  Marco  Polo  das  Wort 
„Poßte**  —  zur  Bezeichnung  der  chinesischen  Relaisstationen  —  zuerst 
gebraucht.     (Vgl.  jedoch  1464  Ludwig  XI.) 

—      56     — 


ISIO 

1300  Nachdem  die  Kunst,  ia  Stukko,  einer  aus  Gips,  Kalk  und  Sand  hergestellten 
Masse  zu  arbeiten,  bereits  von  den  Alten,  namentlich  von  den  Äthiopiern 
und  später  in  Syrien,  Cypem  und  in  Rom  geübt,  aber  allmählich  in  Ver- 
gessenheit geraten  war  (vgl.  auch  450  v.  Chr.  Herodot  und  330  v.  Chr. 
Lysistratos) ,  erneuert  Margarltont  dieselbe  in  Italien,  wo  sie  alsdann  von 
dem  Maler  Nani  um  1514  wesentlich  vervollkommnet  wird,  wie  die  Stuck - 
arbeiten  der  Loggien  des  Vatikans  beweisen. 

—  Giovanni  Pbanl  erfindet  den  Farbenschmelz  im  Tief  schnitt  (Email  de 
basse-taille). 

—  Der  Florentiner  Ruceellal  entdeckt  den  Farbstoff  der  Orseille,  der  nach  ihm 
Roccella  genannt  wird. 

—  Alessandro  dt  Spina  aus  Pisa  verfertigt,  wie  die  Chronik  des  S.  Caterina- 
Klosters  zu  Pisa  meldet,  Augengläser,  die  indes,  wie  die  Chronik  gleichfalls 
sagt,  schon  vor  ihm  erfunden  worden  seien.  Ob  der  wirkUche  Erfinder,  wie 
aus  seiner  Grabschrift  in  der  Kirche  Santa  Maria  Maggiore  in  Florenz  hervor- 
geht, Salvino  dtfll  Armitl  war,  läßt  sich  mit  Sicherheit  nicht  nachweisen 
Sicher  ist  nur  soviel,  daß  die  konvexen  Brillen  um  1300  erfunden,  imd 
daß  sie  in  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  allgemein  bekannt  sind. 
(S.  in  dieser  Beziehung  1363  Guy  de  Chauliac). 

—  Hugo  von  Trlmkarc  erwähnt  in  seinem  Lehrgedicht  „Der  Renner*'  zuerst 
Fiedelbogen  aus  Roßhaaren. 

1301  Der  italienische  Maler  Qlotto  dl  Bondon«  bringt  mit  seinen  Schöpfungen  in 
Florenz,  Padua  u.  a.  a.  0.  die  Freskomalerei  durch  sorgfältige  Ausbildung 
ihrer  Technik  zu  neuer  Blüte  und  weiter  Verbreitung. 

1302  Flavio  Qloja  aus  Amalfi  hat  mutmaßlich  zuerst  die  nach  den  Windstrichen 
geteilte  Kompaßrose  mit  der  schwingenden  Magnetnadel  verbunden  und 
dadurch  den  Kompaß  für  die  Seeschiffahrt  brauchbar  gemacht. 

1306  Der  Waffenschmied  Rudolf  zu  Nürnberg  erfindet  die  Drahtziehmaschine, 
die  von  besonderer  Bedeutung  für  die  Herstellung  der  Ritterrüstungen 
(Ringelpanzer)  wird. 

1307  Der  Gebrauch  des  Wachstuchs,  eines  mit  Leinölfirnis  überzogenen  Zeuges, 
ist  mindestens  seit  Anfang  des  14.  Jahrhunderts  bekannt,  wie  daraus 
hervorgeht,  daß  man  beim  Offnen  des  Grabes  des  1 307  gestorbenen  Königs 
Eduard  I.  von  England  im  Jahre  1774  dessen  Leiche  mit  feinem  Wachs- 
tuch umwickelt  fand,  das  so  konservierend  eingewirkt  hatte,  daß  man 
die  Bildung  der  Hände  tmd  des  Gesichts  noch  vollkommen  erkennen 
konnte. 

1310  AbuNMa  lehrt,  daß,  wenn  zwei  Leute,  der  eine  gegen  Osten,  der  andere 
gegen  Westen  um  die  Erde  wandern  und  an  ihrem  Ausgangspunkt  zu- 
sammentreffen, der  erste  der  Kalenderfolge  um  einen  Tag  voraus,  der 
andere  um  einen  Tag  hinter  ihr  zurück  sein  müsse. 

—  AbulMa  berechnet  zuerst  die  Größe  der  gesamten  Erdoberfläche  auf 
20360000  Quadratparasangen. 

—  Matthaeus  Sylvatfeut,  Verfasser  des  dem  Könige  Robert  von  Sizilien  ge- 
widmeten pharmakologischen  Werkes  „Pandectae  medicinae'*  legt  in  Salerno 
den  ersten  europäischen  botanischen  Garten  an.  Ihm  folgt  1333  die  Stadt 
Venedig  mit  Anlage  eines  öffentlichen  medizinisch-botanischen  Gartens. 

»  Der  Mönch  Thoodorleus  Ttutonleut  bahnt,  ohne  das  eigentUche  Refraktions- 
gesetz zu  kennen,  zum  ersten  Male  eine  richtige  Erklärung  des  Haupt- 
und  Neben- Regenbogens  an,  während  ihm  die  Deutung  der  Farbenfolge 
noch  mißlingt.  E.  Wiedemann  schreibt  die  erste  richtige  Erklärung  des 
Regenbogens  dem  arabischen  Gelehrten  AI  Färisi  zu,  der  um  das  Jahr  1280 
gewirkt  haben  muß. 

—     57     — 


1811 

1311  Jean  PitanI,  nacheinander  Wundarzt  Ludwigs  des  Heiligen,  Philipps  des 
Starken  und  Philipps  des  Schönen,  fördert  die  praktische  Chirurgie  und 
errichtet  das  erste  chirurgisch -medizinische  Institut. 

1312  Das  Sternbild  „Südliches  Kreuz*'  wird  im  Abendlande  zuerst  von  Dantt 
AllghltrI  erwähnt,  der  es  wahrscheinlich  aus  arabischen  Quellen  kennen 
gelernt  hatte.  (Purgatorio  I.:  „Jo  mi  volsi,  a  man  destra,  e  posi  mente 
all'  altro  polo,  e  vidi  quattro  stelle  non  viste  mal  fuor  che  alla  prima 
gente.  —  0  settentrional  vedovo  sito,  poich^  privato  sei  di  mirar  quelle!**) 
Die  erste  Beschreibung  des  Sternbildes  auf  Grund  eigener  Beobachtung 
gibt  in  Europa  Amerigo  Vespucci  (1501). 

1313  Nachdem  in  der  bisherigen  Entwicklung  der  Kriegsfeuerwerkerei  (vgl. 
u.  a.  424  V.  Chr.  Thukydides;  678  Kallinikos;  1232  Tung-kiang-kang-mu; 
1250  Marchus  Graecus;  1259  Sung  -  Dynastie)  sämtliche  Elemente  der 
Pulver -Schußwaffe  gegeben  waren,  wird  in  Deutschland  der  letzte  ent- 
scheidende Schritt  getan,  indem  nunmehr  das  Schießpulver  als  Treib- 
mittel des  Geschosses  verwendet  und  damit  die  wirkliche  Feuerwaffe  ge- 
schaffen wird.  Die  Überlieferung  knüpft  diesen  Schritt  an  den  Kamen 
des  Barthold  Schwarz  (eigentlich  Bertholdus  niger,  d.  i.  der  schwarze  — 
Schwarzkünstler  —  Berthold),  eines  Mönchs  aus  dem  westlichen  Deutschland 
(vielleicht  Köln  oder  Freiburg).  Die  Genter  Annalen  berichten  dazu:  „In 
dit  jaer  (1313)  was  aldereerst  ghewonden  in  Duutschland  het  ghebruuk 
der  bussen  (Büchsen)  von  einem  mueninck." 

1314  Kaimondo  d«  Luzzl  aus  Bologna,  genannt  Mondinus,  begründet  durch  die 
Sektion  menschlicher  Leichen  die  wissenschaftliche  Anatomie.  Sein  Werk 
über  die  Anatomie  wird  grundlegend  für  die  Universitäten  des  Mittelalters. 

1316  Odorico  dt  Pordtnont  segelt  von  Ormuz  über  Ceylon,  die  Nikobaren, 
Sumatra  und  Java  nach  Nanking.  Seine  Rückreise  scheint  durch  West- 
china, Tibet  tmd  Persien  gegangen  zu  sein. 

1317  Das  Brasilienholz  (Rotholz),  das  zuerst  aus  Sumatra  nach  Europa  gelangt, 
wird  von  Matthaeus  Sylvatlcus  in  seinen  „Pandectae  medicinae"  unter  dem 
Namen  „Lagnum  presiUum*'  erwähnt. 

1318  Dante  Alighieri  erwähnt  in  seiner  „Divina  Commedia"  die  Schlaguhren. 
(Paradiso  X:  „Indi  come  orologio,  che  ne  chiami  nell*  ora  .  .  .  tin  tin 
sonando  co  si  dolce  nota.'*) 

—      Pietro  Vesconte  entwirft  die  älteste  datierte  Seekarte. 

1320  Henri  de  Mondevfll«  zeichnet  sich  als  Chirurg  und  Anatom  aus.  Er  kennt 
die  Geschoßextraktion  mittels  des  Magneten.  (S.  1256.)  Er  tritt  insbe- 
sondere mit  Entschiedenheit  für  die  einfache  und  schonende  Wundbehand- 
lung des  Hugo  imd  des  Theoderich  von  Lucca  ein.    (S.  1220.) 

1321  Ltvl  bM  Qertoii  beschreibt  in  seinem  hebräisch  geschriebenen  Buche,  das 
1342  von  Petrus  de  Alexandria  unter  dem  Titel  ,,De  sinibus,  chordis  et 
areubus**  übersetzt  wird,  zuerst  die  Camera  obscura,  d.  i.  nahezu  200  Jahre 
vor  Leonardo,  dem  bisher  diese  Erfindung  zugeschrieben  wurde.  Das 
Prinzip  der  Camera  obscura  war  bereits  von  Aristoteles  ausgesprochen 
worden. 

1325  Ltvl  hm  Qarton  erfindet  den  Jakobsstab,  der  durch  das  ganze  Mittelalter 
zu  geographischen  Ortsbestimmungen  auf  See  dient. 

1325—1352  Ihn  Batute  besucht  die  Inseln  des  Persischen  Golfs,  die  bis  dahin 
unbekannten  Gegenden  des  innern  Arabiens,  Syrien,  Mesopotamien,  Persien, 
Klein -Asien,  die  Bucharei,  Chorasan,  Kandahar,  die  Malediven,  Ceylon, 
Sumatra,  Java  und  China  und  führt  1352  eine  Mission  des  Sultans  von 
Marokko  ins  Innere  von  Afrika  bis  Timbuktu. 

1330  Thomas  de  Bradwardina  veröffentlicht  seine  „Geometria  speculativa'S  in 
der  er  sicli  mit  den  Stern  Vielecken,   der  Lehre  von  den  isoperimetrischen 

—     58     — 


1868 

Figuren,   der  Lehre   von  den  irrationalen  Größen    und   der  Stereometrie 
beschäftigt. 

1330  Philippe  4t  Cacqutrai  stellt  zuerst  Mondglas  her,  eine  Art  Butzenscheibe 
▼on  8 — 10  cm  Durchmesser  mit  einem  Nabel  in  der  Mitte.  Das  Mondglas 
wurde  im  Mittelalter  vielfach  neben  dem  Tafelglas  (s.  1050  T.)  als  Fenster- 
glas verwendet  und  ist  neuerdings  wieder  stark  in  Aufnahme  gekommen. 

1331  Wie  Muratori  berichtet,  erscheinen  zwei  deutsche  Ritter,  von  Cniifcttf  und 
von  Spillmkarf,  bei  der  Belagerung  von  Cividale  in  Friaul  mit  Geschütz  und 
Handfeuerwiuffen.  („Ponentes  vasa  versus  civitatem,  balistabant  cum 
sdopo".)  £s  ist  dies  die  erste  geschichtlich  beglaubigte  Erwähnung  eigent- 
licher Feuerwaffen. 

1340  Jan  vu  Eyck  macht  die  Ölmalerei  für  größere  Aufgaben  verwendbar,  in- 
dem er  durch  Zusatz  von  Harzfimis  eine  gleichmäßige  Trocknung  der 
Pigmente  ermöglicht,  Leuchtkraft,  Glanz  und  Tiefe  der  Farben  steigert 
und  die  Dauerhaftigkeit  der  Bilder  sichert. 

—  Jean  tft  Mturs  schreibt  eine  Arithmetik,  die  Jahrhunderte  lang  ein  vielge- 
brauchtes Schulbuch  bleibt.  Er  macht  als  einer  der  Ersten  Vorschläge 
für  eine  Kalenderreform,  die  darin  gipfelt,  man  solle,  um  den  wirklichen 
und  den  kalendermäßigen  Frühlingsanfang  in  Übereinstimmung  zu  bringen, 
40  Jahre  lang  die  Schalttage  ausfallen  lassen. 

1341  Donato  Qtntlle  da  Foflgno  tut  zuerst  eines  Gallensteins  Erwähnung,  den 
er  bei  einer  Sektion  entdeckt.  Die  erste  chemische  Untersuchung  solcher 
Steine  geschieht  1748  durch  Galeotti;  wissenschaftlich  werden  die  Steine 
zuerst  durch  Fourcroy  und  Th^nard  bearbeitet. 

1350  Der  deutsche  Kaiser  Karl  IV.  erteilt  den  Imker- Innungen  besondere,  zum 
Teil  sehr  weitgehende  Privilegien,  und  wird  damit  zum  Begründer  der 
deutschen  Volksbienenzucht. 

—  Conrad  von  Maganbarf  gibt  in  seinem  „Buch  der  Natur'*  eine  Schilderung 
zahlreicher  Tierformen.  Dies  Buch,  das  sich  an  Cantimpr^  (s.  1233)  an- 
schließt, findet  als  erste  naturgeschichtliche  Enzyklopädie  in  deutscher 
Sprache  eine  sehr  weite  Verbreitung. 

—  Der  englische  Geistliche  Maria  führt  ein  Beobachtungsregister,  welches  als 
das  älteste  Wetterjournal  anzusehen  ist  und  wirkliche  Nach  weise  über  die 
Witterung  enthält. 

—  In  der  Weltchronik  des  Rudolf  von  Hohanambs  findet  sich  die  erste  Zeich- 
nung einer  Taucherglocke.    (Vgl.  allerdings  210  v.  Chr.  Philo.) 

1354  Patar  IV.  von  Aragonien  läßt  zum  Schutze  gegen  die  feindlichen  Waffen 
einige  seiner  Schiffe  mit  einem  Lederbezuge  versehen,  t^brigens  sollen  schon 
die  Normannen  im  12.  Jahrhundert  einen  Versuch  zur  Schiffspanzerung 
gemacht  haben,  indem  sie  ihre  Schiffe  mit  einem  Eisenbeschlage  in  der 
Wasserlinie  versahen.     (Vgl.  auch  1782). 

1360  Der  französische  Schriftsteller  und  Mathematiker  Nicole  Orosma  gibt  ein 
Verfahren  an,  die  Zu-  und  Abnahme  der  Temperatur,  die  Änderimg  des 
Feuchtigkeitsgehalts  der  Luft,  und  die  bei  anderen  Naturerscheinungen 
vor  sich  gehenden  Veränderungen  durch  Kurven  darzustellen.  Er  wendet 
inseinem  Werke  „Algorismus  proportionum**  Potenzen  mit  gebrochenem  Ex- 
ponenten an,  die  erst  in  viel  späterer  Zeit  wissenschaftliches  Gemeingut 
werden. 

—  Johann  von  Rocquatalllada  stellt  zuerst  schwefelsaures  Quecksilberoxydul 
dar  und  erhält  zuerst  den  Kalomel  auf  nassem  Wege  aus  Quecksilber, 
Salpetersäure  und  Salmiak. 

1363  Guy  4%  diaullae  schreibt  sehr  wertvoUe  wissenschaftliche  Abhandlungen  über 
Chirurgie.    Er  gibt  u.  a.  neue  Methoden   für   die    Operation   der   Nasen - 

—     59     — 


polypen   an   und   bläst   bei  Kehlkopfkatarrhen   adstringierende  Pulver  in 
den  Kehlkopf  ein. 

1363  Guy  de  Chaullac  behandelt  in  seiner  „Chirurgia  magna**  das  Kapitel  der 
Wundheilung,  die  Verbandweise,  die  verschiedenen  Formen  der  Naht,  die 
er  namentlich  als  Blutstillungsmittel  anwendet.  Er  ist  der  erste,  der, 
wenn  Augenwässer  bei  Sehschwäche  nicht  helfen,  Brillen  empfiehlt. 

1364  Heinrich  von  WIck  versieht  die  Käderuhr  mit  Hemmung  und  Unruhe 
und  stellt  eine  so  verbesserte  Uhr,  die  auch  mit  Schlagwerk  versehen  ist, 
auf  Bestellung  von  Karl  V.  in  Paris  auf.  Als  früheste,  mit  Schlagwerk 
versehene  Uhr  wird  die  1288  auf  Westminster  Hall  in  London  aufgesteUte 
erwähnt.     (S.  a.  850,  1232,  1318.) 

1375  Catalanl  entwirft  eine  Erdkarte,  welche  als  die  bedeutendste  ihrer  Zeit 
galt.  Sie  gibt  die  Mittelmeerküsten  in  einer  verhältnismäßig  sehr  genauen 
Darstellung,  während  die  übrigen  Länder  skizzenhaft  behandelt  sind. 

1376  Nicholas  Batalll«  in  Arras  stellt  in  den  Jahren  1376—79  für  Louis  I.  von 
Anjou  den  sog.  „Gobelin  von  Angres'*  her,  den  größten  jemals  gewebten 
Gobelin teppich.  Derselbe  hat  156  m  Länge  und  6  m  Höhe,  und  stellt 
Szenen  aus  der  Apokalypse  dar.  (Wegen  des  Namens  „Gobelin"  vgl.  1662 
Colbert.) 

1378  Während  die  Geschütze  anfänglich  nur  Steinkugeln  (in  der  Kegel  aus 
Granit  oder  Marmor)  verfeuerten,  werden  zuerst  i.  J.  1326  in  Florenz 
schmiedeeiserne  Kugeln  angefertigt.  Besondere  Verdienste  um  den 
Guß  eiserner  und  eherner  (kupferner)  Kanonenkugeln  erwirbt  sich  seit  1378 
der  Stückgießer  Hans  Aarau  in  Augsburg.  Aber  erst  unter  den  franzö- 
sischen Königen  Ludwig  XI.  (1471)  und  Karl  VIII.  (1494)  kommen  die 
elBcmen  Geschosse  allgemein  in  Gebrauch. 

1380  Damensättel  werden  zuerst  im  12.  Jahrhundert  n.  Chr.  erwähnt,  während  die 
Frauen  bis  dahin  nach  Männerart  zu  Pferde  saßen.  Eine  allgemeine  Ver- 
breitung erhält  der  Damensattel  mit  Quersitz  durch  Anna  von  Luxamkurf, 
Gemahlin  Kichards  II.  von  England. 

—  Isaak  Hollandus  stellt  zuerst  durch  Erhitzen  von  Salmiak  mit  Kalk  Chlor- 
calcium  dar,  welches  er  als  „Sal  ammoniacum  fixum*' bezeichnet.  Er  gewinnt 
auch  zuerst  aus  dem  Rückstand  der  Scheidewasserbereitimg  das  schwefel- 
saure Kali,  das  von  Paracelsus  zuerst  medizinisch  angewendet  wird. 

—  Valeicut  de  Taranta  gibt  die  erste  eigentliche  Klassifikation  der  Verbrennungen 
nach  ihrer  Intensität,  und  zwar  nach  3  Graden:  Schmerzempfindung, 
Blasenbildung,  Ulceration,  die  im  wesentlichen  später  von  Alexis  Boyer 
(1814)  wieder  aufgenommen  wird,  während  Guillaume  Dupuytren  (1830) 
eine  Skala  von  6  Graden  aufstellt. 

1387  Der  Leibarzt  König  Wenzels,  AIMch  fördert  durch  seinen  „Tractatulus  de 
regimine  hominis' '  die  Diätetik. 

1390  Ulman  Stromtr  in  Nürnberg  soll  zuerst  zur  Zerkleinerung  des  Stoffes  für 
die  Papierfabrikation  Stampfen  angewendet  haben. 

1392  Spielkartenähnliche  bemalte  Täf eichen  waren  bei  den  Chinesen  und 
Japanern  schon  in  früher  Zeit  bekannt.  In  Europa  ist  der  erste  nach- 
weisbare Verfertiger  von  Spielkarten  der  Maler  Jacquemin  Grinfonnaur, 
wie  dies«  aus  einem  Ausgabebuche  des  Schatzmeisters  Karls  VI.  von 
Frankreich  hervorgeht,  in  welchem  die  Auszahlung  eines  Betrags  an  den 
genannten  Maler  für  die  Anfertigung  von  3  Spielen  Karten  in  Gold  und 
Farben  gebucht  ist.  Die  erste  Erwähnung  der  Spielkarten  in  Deutschland 
überhaupt  geschieht  i.  J.  1321  in  einem  gegen  dieselben  gerichteten  Ver- 
bot des  Bischofs  von  Würzburg. 

—  Nicolo  Ztno  gelangt,  nachdem  er  1390  die  Faröer  und  1391  die  Shetlandsinseln 
besucht  hatte,  nach  Island  und  wahrscheinlich  auch  nach  Grönland. 

-        (>0     — 


1420 

1399  Die  ViiCMtl  in  Mailand  erlassen  die  erste  bekannte  Desinfektionsordnung 
für  Pestkranke,   woran    sich  1403  die  erste  Quarantäneanstalt  anschließt. 

1400  McMhopuloa  beschäftigt  sich  eingehend  mit  dem  schon  den  alten  Indern 
bekannten  magischen  Quadrat,  wodurch  dasselbe  allgemeiner  bekannt 
wird.  Unter  einem  magischen  Quadrat  versteht  man  ein  in  mehrere 
kleinere  Quadrate  geteiltes  Quadrat,  in  dessen  Felder  eine  Anzahl  von 
Zahlen  so  eingeschrieben  sind,  daß  alle  Quer-,  Längs-  und  Diagonalreihen 
die  gleiche  Summe  ergeben.  Auch  Dürer,  Lahire,  Sauveur,  Euler  u.  a. 
beschäftigen  sich  später  mit  dem  magischen  Quadrat. 

1402  Johann  von  Büfctncottrt  gelangt  als  erster  nach  Malocello  (s.  1270)  wieder 
nach  den  Canarischen  Inseln. 

1403  Wie  Pitti  angibt,  ist  der  Ingenieur  Domenico  dl  Matleo  der  erste  gewesen, 
der  —  in  dem  Kampfe  der  Florentiner  gegen  Pisa  —  Kriegssprengminen 
Torgeschlagen  hat.  Die  ersten  Zeichnungen  und  Beschreibungen  von 
Sprengminen  gibt  (1430)  Mariano. 

1405  Der  Kriegsbaumeister  Konrad  Ky«Mr  gibt  die  Abbildung  eines  Schiffes, 
das  an  jeder  Seite  ein  Schaufelrad  trägt.  Diese  Räder  sollten  durch  die 
Strömung  gedreht  werden  imd  dadurch  ein  flußaufwärts  befestigtes  Seil 
aufwinden,  wodurch  das  Schiff  den  Strom  hinaufgezogen  werden  sollte. 
In  diesem  Vorschlag  sind  die  Anfänge  der  Tauerei  und  Kettenschiffahrt 
zu  erblicken. 

^  Konrad  KyMtr  erwähnt  in  seinem  Buche  „Bellifortis'*  (Handschrift  in  der 
Universitätsbibliothek  zu  Göttingen)  zuerst  Hohlgeschosse,  die  mit  fest- 
gestampftem Pulversatze  gefüllt  sind,  und  aus  Hinterladern  im  Bogen- 
würfe verfeuert  werden,  die  erste  geschichtlich  beglaubigte  Erwähnung  der 
Sprenggeschosse. 

1411  Seilbahnen  zur  Beförderung  von  Lasten  und  Menschen  über  Flüsse  und 
Schluchten  wurden  in  China  schon  im  Altertume  benutzt.  Die  erste 
Erwähnung  derselben  in  der  Literatur  geschieht  in  einer  Handschrift  der 
¥nmm  HoffMMIotiMk  vom  Jahre  1411,  in  welcher  eine  Seilbahn  mit  Hanfseil 
und  Förderkörben  aufgezeichnet  ist.    (Vgl.  indes  auch  100.) 

1419  Die  Insel  Madeira  war  wahrscheinlich  schon  den  Alten  bekannt  und 
wurde  von  den  Portugiesen  unter  genuesischen  Kapitänen  schon  früh  be- 
sucht. (Auf  einer  florentiniBchen  Karte  vom  Jahre  1351  erscheint  die 
Insel  unter  den  Namen  „Isola  di  legname").  Die  eigentliche  Entdeckungs- 
geschichte beginnt  mit  dem  Jahre  1419,  wo  die  Portugiesen  Joäo  Gonzales 
und  Martin  Vaz  daselbst  landen. 

1420  Wilhelm  BwMiz  erfindet  das  Einsalzen  der  Heringe,  wodurch  dieselben 
transportfähig  und  zur  Handelsware  gemacht  werden.  Hierdurch  ent- 
wickelt sich  der  Heringsfang  für  Holland  zu  einem  sehr  lukrativen  Er- 
werbszweige, der  fortan  durch  strenge  Gresetze  über  die  Zeit  des  Fangs, 
die  Weite  der  Netzmaschen,  das  Einsalzen  usw.  geregelt  wird.  Beukelsz, 
dessen  Name  häufig  auch  in  Bökel  oder  Pökel  umgewandelt  wird,  soll  zu- 
erst auch  das  Salzen  des  Fleisches  mit  Kochsalz  oder  Salpeter  ausgeführt 
haben,  das  nach  ihm  Pökeln  genannt  wird. 

—  Filippo  BniMlIttclil  knüpft  an  die  Kuppelbauten  des  klassischen  Altertums, 
insbesondere  an  die  Kuppel  des  Pantheons  (s.  27  v.  Chr.)  an  und  erbaut 
mit  Hilfe  neuer  technischer  Methoden  die  gewaltige  39^/^  m  weite  Kuppel 
des  Doms  zu  Florenz,  die  das  Vorbild  für  die  von  Michelangelo  ent- 
worfene Kuppel  der  Peterskirche  in  Rom  (s.  1546)  wird. 

—  Der  italienische  Ingenieur  Giovanni  de  Fontana  soll  (nach  Romocki,  „Ge- 
schichte der  Explosivstoffe")  der  erste  gewesen  sein,  der  treibende  See- 
minen (Streuminen)  in  Vorschlag  bringt. 

—     61     — 


1424 

1424  Johann  Zlika  von  Troenow,  Feldherr  der  Hussiten,  verwendet  zuerst  die 
Haubitze  (HaufiFnitz),  ein  hinsichtlich  der  Rohrl&nge  zwischen  den  Mörsern 
und  den  Kanonen  stehendes  Wurfgeschütz,  welches  Steinkogeln  verfeuert. 

1426  Wie  berichtet  wird,  soll  Marco  Polo  einige  dem  Blockdrucke  ähnliche 
Holztafeln  von  China  nach  Italien  gebracht  haben.  Der  Italiener  Pamfilo 
Castaldl  habe  dieselben  gesehen,  Nachahmungen  zum  Buchdruck  verwendet 
und  i.  J.  1426  sogar  Druckversuche  mit  einzeln  in  Holz  geschnittenen 
Typen  unternommen.  Für  die  Richtigkeit  dieser  Annahme  fehlt  indes 
jeder  beglaubigte  Nachweis. 

1431    Der  Portugiese   Gonzalo   Velho   Cabral   entdeckt  die  Formigasgruppe  der 
Azoren.    Die  übrigen  Azoreninseln  werden  in  den  Jahren  1432—1453  auf- 
gefunden.    Da  man  daselbst  auf  punische  Münzen   gestoßen  ist,  müssen- 
die  Azoren  schon  den  Karthagern,   wahrscheinlich  auch  den  Arabern  und 
Normannen,  bekannt  gewesen  sein. 

1433  Gil  Eannes  gelingt  es,  im  Auftrag  des  Prinzen  Heinrich  des  Seefahrers, 
nach   20  jährigen   vergeblichen  Versuchen  das  Cap  Bojador  zu  umfahren. 

1435  Der  itaUenische  Künstler  Leon  Battista  Albtrtif  von  seinen  Zeitgenossen 
'    wegen  seiner  alles  umfassenden  Bildung  ein  „enzyklopädischer  Mensch'* 

genannt,  erfindet  einen  Apparat  zur  perspektivischen  Abzeichnung  bez. 
zur  Verkleinerung  von  Zeichnungen,  der  aus  einem  durchsichtigen,  mit 
dicken  Fäden  quadrierten  Schleier  besteht  (Alberti  nennt  seinen  Apparat 
auch  „Velo",  Schleier)  und  demnach  mit  dem  Storchschnabel  (s.  1631 
Scheiner)  nicht  identisch  ist. 

1436  BaMaya  gelangt  bis  zur  Mündung  des  heutigen  Rio  d'Ouro. 

1438  Marianut  Jacobot  von  Siena  bildet  ein  Boot  ab,  dessen  zwei  Schaufelräder 
von  vier  Mann  bewegt  werden,  sowie  einen  Taucheranzug  mit  Helm  und 
Bleisohlen.    (Kodex  der  Münchener  Bibliothek.  —  Vgl.  auch  1405.) 

—  Luca  dalla  RoMUa  bringt  die  vermutlich  schon  von  den  Arabern  gehand- 
habte Kunst,  die  Majolika  mit  einer  zinnoxydhaltigen  Glasur  zu  über- 
ziehen, zu  hoher  Vollendung. 

—  Dom  Henrique  Herzog  von  VlMii  errichtet  in  seiner  portugiesischen  Residenz 
Sagres  eine  Steuermannsschule,  auf  welcher  namentlich  die  Weiterentwick- 
lung des  Kompasses  in  hervorragender  Weise  gefördert  wird. 

1439  Johannas  von  QmQnd  (de  Gamundia)  gibt  den  ersten  gedruckten  deutschen 
Kalender  heraus.  Es  ist  dies  ein  in  Blockdruck  (Holztafeldruck)  her- 
gestellter immerwährender  Kalender  mit  Planetentafel.  Derselbe  befindet 
sich  im  Kupferstichkabinett  des  Kgl.  Museums  zu  Berlin. 

1440  .Lourens  Janszoon  Goitor  in  Haarlem  soll  (nach  dem  von  Junius  verfaßten, 

i.  J.  1588  in  Leiden  erschienenen  Werke  ,,Batavia'0  seit  dem  Jahre  1440 
mit  hölzernen  und  metallenen  Lettern  gedruckt  haben.  Später  sei  sein 
Druckgerät  gestohlen  und  nach  Mainz  übergeführt  worden.  Auf  Grund 
dieser  Darstellung  wird  Coster  in  Holland  vielfach  als  der  Erfinder  der 
Buckdruckerkimst  betrachtet,  und  einzelne  holländische  Forscher  haben 
die  Erfindung  sogar  bis  in*das  Jahr  1423  zurückverlegt.  Neuere  Unter- 
suchungen lassen  indes  keinen  Zweifel,  daß  die  Angaben  des  Jimius  auf 
einem  Irrtum  beruhen. 

—  Nicolaus  von  Cuta  (eigentlich  Nikiaus  Krebs  aus  Cues  a.  d.  Mosel)  zählt 
zuerst  den  Puls  mit  einer  Uhr  (Wasseruhr). 

—  Nicolaus  von  Cuta  gibt  die  erste  Anregung,  das  Senkblei  beim  Loten  mit 
einem  spezifisch  leichten  Körper  zu  verbinden,  der  sofort,  wenn  ersteres 
am  Grunde  angelangt  ist,  sich  abtrennt  und  nach  oben  zurückkehrt. 
Ähnliche  Vorschläge  machen  Alberti  in  seinem  Werke  „De  architectura** 
und  der  um  1550  lebende  Mathematiker  Puehler. 

—      62      — 


1450 

1440  Nicolaus  von  Gvta  konstruiert  das  erste  rohe  Hygrometer  aus  trockener 
Wolle  und  bestimmt  den  Feuchtigkeitsgrad  der  Luft  aus  der  Feuchtigkeits- 
zunähme  der  Wolle. 

—  Nicolaus  von  Oma  faßt  das  Weltganze  als  eine  unendliche,  unbegrenzte  £inheit 
auf  und  lehrt,  daß  die  Erde  schon  darum  nicht  im  Mittelpunkte  der  Welt 
stehen  könne,  weü  der  unendliche  Raum  keinen  Mittelpunkt  habe.  Seine 
Auslassungen  über  die  Achsendrehung  der  £rde  (in  der  Schrift  „De  docta 
ignorantia")  sind  dunkel. 

—  MarlttiM  Jacotat  gibt  die  erste  Beschreibung  von  fahrbaren  Kranen  und 
Winden. 

—  Giovanni  Michele  ScvonaroUi  verfaßt  eine  ausführliche  Schrift  über   den 
'  Branntwein  imd  lehrt  die  Prüfung  desselben  auf  den  Gehalt  an  Alkohol. 

^  Der  Tatarenfürst  UlHh'BoIgh  errichtet  in  Samarkand  eine  Sternwarte  von 
außerordentlicher  Größe,  und  verbessert  auf  Grund  eigener  Beobachtungen 
die  Angaben  des  Ptolemaeischen  Stemkatalogs.    (S.  150  Ptolemaeus.) 

1441  Nuno  TrMam  erreicht  das  Kap  Blanco  und  zwei  Jahre  später  die  Bucht 
von  Arguin. 

1445  Dinis  Dln  entdeckt  das  Kap  Verde. 

1446  Die  erste  bekannte  Datierung  eines  Kupferstichs  befindet  sich  auf  einem 
Blatt  „Die  Geißelung*',  das  zur  Passionsserie  von  sieben  Blättern  gehört 
und  sich  im  Berliner  Kupferstichkabinett  befindet.  Es  rührt  von  einem 
DoutehM  Molslor  her  und  beweist,  daß  schon  eine  längere  Praxis  in  diesem 
Druckverfahren,  das  offenbar  auf  Goldschmiede,  die  mit  dem  Stichel  in 
Metall  stachen,  zurückzuführen  ist,  bestanden  haben  muß. 

—  Prokop  WaMvoctI  in  Avignon  scheint  nach  seiner  „Ars  artificialiter  scribendi*' 
ein  Verfahren  geübt  zu  haben,  das  darin  bestand,  daß  er  linksseitig  ge- 
schnittene Buchstabenstempel  einfärbte  und  einzeln  auf  das  Papier  ab- 
drückte. Es  ist  somit  in  dem  Vorschlage  Waldvogels  kein  eigentlicher 
Buchdruck,  sondern  lediglich  eine  besondere  Methode  des  Schreibens  zu 
erblicken. 

1447  Alvaro  Fsrnand«  erreicht  das  Nordende  der  Küste  von  Sierra  Leone. 
1450    Barnardo  dl  Rapallo  erfindet  die  Steinoperation  mit  der  großen  Gerätschaft 

.,Apparatus  magnus",  auch  Perinealschnitt  genannt,  die  von  ihm  auf 
Giovanni  di  Komani  und  schließlich  auf  Mariano  Santo  di  Barletta  über- 
geht, welcher  sie  1537  bekannt  macht. 

—  Antonio  Branca  in  Catania  führt  zuerst  die  seit  Celsus  verlassenen  Trans- 
plantationen gesunder  Haut  aus  Gesicht  imd  Oberarm  zum  Ersatz  ver- 
stümmelter Nasen  wieder  aus. 

—  Finiguarra  pflegt  in  hervorragender  Weise  das  schon  seit  einiger  Zeit  be- 
kannte Niello,  d.  i.  eine  Verzierung  auf  Silber,  die  in  eingravierten,  mit 
einer  Art  schwarzer  Farbe  ausgefüllten  Zeichnungen  besteht. 

—  Johann  Girtanfcerg  tritt  mit  seiner  Erfindung  der  Buchdrucker kunst  in  die 
Öffentlichkeit.  Der  große  Gedanke  Gutenbergs  spricht  sich  vornehmlich 
aus  in  der  Erfindung  der  mechanischen  Vervielfältigung  der  Buchstaben, 
mit  der  er  sich  schon  seit  1436  getragen  hatte,  in  der  Herstellung  einer 
Druckerpresse  und  in  der  Erfindung  eines  Gießinstruments  7.ur  Erzielung 
völlig  gleicher  Kegelhöhen. 

—  Die  Kupfergewinnung  aus  deutschen  Kupferlagerstätten  (Harz)  beginnt 
um  das  Jahr  968.  Einen  besonderen  Aufschwung  nimmt  die  Kupfer- 
gewinnung in  Deutschland,  seit  der  Schmelzer  Nafilar  aus  Joachimsthal 
lehrt,  kiesige  Erze  zu  verarbeiten,  indem  er  dieselben  röstet,  aus  dem  ge- 
wonnenen Stein  den  Vitriol  auslaugt  und  aus  der  gewonnenen  Lauge  das 
Kupfer  durch  Eisen  fällt. 

—     C3     — 


V 


1460 

1450   Georg  von  PMirtach  erfindet  das  „geometrische  Quadrat",  welches  als  der 

älteste  Distanzmesser  anzusehen  ist,  dem  1750  der  von  Pacecco  ab  Ucedos 

erfundene  Pantometer,  ein  Distanzmesser  ohne  Latte  folgt. 

A/     —     Plero  della  FrancMca  macht  in  seinem  Werke  „De  prospectiva  pingendi"  zuerst 

auf  die  Bedeutung  des  Verschwindungspunktes  (Fluchtpunktes)  aufmerksam. 

—  Während  im  Altertum  und  frühen  Mittelalter  die  Behandlung  der  Krampf- 
adern (Varicen)  vorzugsweise  eine  operative  (Incision  —  Hippokrates,  Glüh- 
hitze— Celsius,  Ätzung — Guy  de  Chauüac,  Excision  —  Oribasius  und  Aetius) 
war,  verwendet  Giovanni  Michele  Savonarola  lediglich  einen  festen  Verband 
und  läßt  dabei  ruhige  Lage  mit  erhobenen  Füßen  einhalten.  Er  wird  da- 
mit der  Vorläufer  der  neuzeitlichen,  überwiegend  palliativen  Behandlung 
mit  elastischen  Strümpfen  und  Binden. 

1452  Die  freie  Stadt  RigMisfeurf  erläßt  eine  Hebeammen- Ordnung,  die  jedoch 
noch  nichts  über  die  Ausbildung  der  Hebeammen  und  über  die  Ärzte  als 
Geburtshelfer  enthält.  Erst  eine  im  Jahr  1555  im  Druck  herausgegebene 
Ordnung  spricht  von  Prüfung  der  Hebeammen  und  weist  dieselben  an  die 
Doktoren  der  „Arzney'*. 

1454  Georg  von  Peurtadi  entwirft  eine  Sinustafel  von  10  zu  10  Minuten  und  für 
den  Halbmesser  60  10\  welche  zwar  noch  eine  Vermengimg  des  sexagesi- 
malen  und  des  dezimalen  Systems  enthält,  aber  doch  das  reine  Dezimal- 
system vorbereitet,  wie  es  Peurbachs  Schüler  Regiomontanus  in  seiner 
Trigonometrie  bald  darauf  planmäßig  durchführt.  (S.  1463  Regiomon- 
tanus.) 

1455  Alvise  da  Qada  Motto  entdeckt  auf  seiner  im  Auftrage  des  Prinzen  Heinrich 
des  Seefahrers  imtemommenen  Reise  die  Insel  Arguin   und  den  Senegal 

,     und  gelangt  bis  an  die  Mündung  des  Gambia,    von  wo  er   1456  bis  zum 
Rio  Grande  kommt. 

1456  Ludwig  van  Barquom  zu  Brügge  begründet  eine  neue  Art  der  Edelstein- 
schleiferei,  indem  er  sich  nicht  darauf  beschränkt,  die  natürlichen 
Flächen  der  Steine  weiter  zu  bearbeiten  und  zu  glätten,  sondern  durch 
zweckmäßig  angeordnete  künstliche  Flächen  außerordentliche,  bis  dahin 
unbekannte  Effekte  erzielt.    (Rosettenschliff.) 

1457  Diogo  Qomei  gibt  bei  seiner  Rückkehr  aus  dem  Innern  von  Afrika  die 
erste  Andeutung  von  einem  gegen  Osten  strömenden  Flusse,  dem  Niger. 

—  Diogo  Ckmiti  und  Antonio  do  Noil  entdecken  gleichzeitig  die  Inseln  des 
grünen  Vorgebirges  (Kapverdische  Inseln). 

—  Der  Camaldulensermönch  Fra  Mauro  zeichnet  die  im  Dogenpalast  zu  Venedig 
befindliche  Weltkarte,  welche  durch  die  Fülle  ihres  Inhalts  und  die  über- 
aus sorgsame  Darstellungsweise  das  hervorragendste  Denkmal  der  mittel- 
alterlichen Kartographie  darstellt. 

—  Peter  8ch(Mler  hat  zuerst  den  Gedanken,  die  aus  Stahl  geschnittenen  Patrizen 
in  Messing  oder  Kupfer  zu  treiben  und  auf  diese  Weise  eine  schärfere  und 
dauerhaftere  Matrize  für  den  Guß  herzusteUen.  (Vgl.  sein  in  dieser  Weise 
gedrucktes  Psalterium  von  1457.) 

1460  Der  maurische  Mathematiker  Abul  Hasan  Ali  ben  Mohammed  AlkalsMI 
verfaßt  eine  Arithmetik,  in  welcher  sich  zum  ersten  Male  eine  Art  von 
Wurzelzeichen  und  von  Gleichheitszeichen  vorfindet.  (S.  a.  1524  Riese 
und  1556  Recorde.) 

—  Nicolaus  von  Cusa  verfertigt  eine  Karte  von  Deutschland,  die  erst  nach 
seinem  Tode  1491  erscheint  und  die  erste  gedruckte  Karte  von  Deutsch- 
land darstellt.  Er  verwendet  dabei  die  konische  Projektion  des  Ptolemaeus. 
(S.  160.) 

—  Der  Glasmaler  Jacob  QrMnfMr  aus  Ulm,  genannt  Jacobus  Alemannus, 
fördert  die  Glasmalerei,  indem  er  der  von  Theophilus  (s.  1050)  erfundenen 

—     64     — 


1470 

ersten  metaUkchen  Farbe,  dem  „Schwardot",  eine  zweite  Metallfarbe,  das 
„Kunstgelb'*,  hinzufügt,  welches  er  aus  schwefelsaurem  Silber  und  ge- 
branntem Ocker  darstellt.  Um  diese  Zeit  kennt  man  auch  schon  das 
Überdecken  (Überfangen)  des  gewöhnlichen  Glases  mit  einer  dünnen 
farbigen  Glasschicht,  welche  zur  Erzeugung  der  Nuancen  und  Schatten - 
wirkimgen  alsdann  nach  Bedarf  mehr  oder  weniger  wieder  abgeschliffen 
wird. 
1460  Heinrich  von  PMspMiiMlt  gibt  in  seiner  „Bünd-Aerzney**  Vorschriften  über 
den  Verband  bei  Verletzungen  und  Verwimdungen  und  erwähnt  darin  als 
erster  Arzt  die  durch  Feuerwaffen  bewirkten  Verletzimgen. 

—  Giovanni  Michele  8lironarola  schreibt  über  Geburtshilfe  imd  spricht  zuerst 
von  einer  Raumbeengung  des  Beckens  für  ein  großes  durchtretendes  Kind 
bei  einer  Kreißenden  mit  schmalen  Hüften.  Er  empfiehlt  demzufolge  den 
Hebammen,  sich  über  etwa  schon  früher  stattgehabte  Geburten  zu 
unterrichten. 

1463  Riflomoiiianiis  (Johannes  Müller)  behandelt  in  seinem  Werke  „De  trianguhs 
omnimodis  libri  V'%  das  nach  seinem  Tode  von  Johann  Schöner  1533 
herausgegeben  wird,  die  ebene  und  sphärische  Trigonometrie  in  so  um- 
fassender Weise,  daß  er  als  Schöpfer  der  modernen  Trigonometrie  be- 
zeichnet werden  kann.  Das  Werk  enthält  u.  a.  den  Sinussatz  und  die 
Formel  für  die  Dreiecksfläche :  Vs  &  ^  Bin  /.  Von  besonderer  Bedeutung  ist 
der  von  Kegiomontanus  zuerst  aufgestellte  Hauptsatz  der  sphärischen 
Trigonometrie,  daß  sich  aus  den  3  Winkeln  des  sphärischen  Dreiecks  die 
3  Seiten  berechnen  lassen. 

1464  König  Llidwif  XI.  von  Frankreich  ruft  einen  umfangreichen  ständigen  Reit- 
botendienst ins  Leben,  dessen  Inanspruchnahme  indes  für  Private  bei 
Todesstrafe  verboten  war.  Karl  VIII.  bezeichnet  in  einem  Patente  vom 
Jahre  1487  die  Kuriere  dieses  Botendienstes  als  „Chevaucheurs  en  poste'S 
—  die  erste  geschichtlich  sicher  beglaubigte  Verwendung  des  Wortes 
„Post"  im  heutigen  Sinne.    (Vgl.  jedoch  1298  Marco  Polo.) 

1467  Claudius  Ctaviit  stellt  die  erste  Karte  her,  auf  der  Grönland  in  richtiger 
Lage  westlich  von  Norwegen  und  Island  wiedergegeben  ist. 

—  Der  Glockengießer  Bartholomäus  Knack  zu  Alost  in  Flandern  erfindet  die 
durch  Räderwerk  getriebenen  Kirchturm -Glockenspiele.  Der  berühmteste 
spätere  Erbauer  von  Glockenspielen  ist  der  Holländer  Matthias  van  den 
Gheyn  (1721—1785). 

—  Konrad  SwcynMm  und  Arnold  Pannartz,  welche  im  Jahre  1464  die  Buch- 
druckerkunst  in  Italien  einführten,  drucken  Ciceros  Briefe  mit  einer  Schrift- 
gattung und  Lettemgröße,  welche  seitdem  den  Namen  „Cicero"  führt. 

1468  Der  Arzt  und  (^eograph  Paolo  Totcanalll  errichtet  einen  277  Fuß  hohen 
Gnomon  an  der  Kirche  St.  Maria  del  Fiore  in  Florenz,  mit  dem  sich  der 
Mittag  bis  auf  eine  halbe^  Sekunde  genau  bestimmen  läßt.  Toscanelli  be- 
nutzt den  Apparat  zur  Berichtigung  der  Alfonsinischen  Tafeln.  (S.  1252 
Alfons). 

1470  B«nihanl  in  Venedig  erfindet  das  Pedal  an  der  Orgel,  durch  welches  die 
für  das  Spiel  der  Füße  bestimmte  untere  Klaviatur  gehandhabt  wird. 

—  Die  deutschen  Buchdrucker  Ulrich  OMingt  Martin  CrantE  und  Michael  Frl- 
taiftr  errichten  auf  Wunsch  der  Pariser  Universität  die  erste  Buchdruckerei 
Frankreichs  in  der  Sorbonne. 

—  Der  aus  Deutschland  gebürtige  Buchdrucker  Johannes  de  Spira  (Johann 
von  Speier)  in  Venedig  stellt  die  erste  Ausgabe  des  Tacitus  in  Buchdruck 
her.  Das  Buch  ist  das  erste  mit  arabischen  Blattziffern  versehene  Druck- 
werk. 

Darmstaedter.  5 

—    65    — 


1471 

1471  Der  auB  Tours  gebürtige  Stempelschneider  Nikolaus  «IWMon  in  Venedig 
führt  an  Stelle  der  gotischen  oder  Mönchsschrift  die  römische  oder  Antiqua- 
Type,  den  sogenannten  „lateinischen**  Druck,  in  den  Buchdruck  ein.  (über 
die  Fraktur  oder  „deutsche**  Druckschrift  s.  1522  Dürer). 

—  Joäo  de  Santariiii  und  Pedro  de  Eieovar  entdecken  unter  Beihilfe  des  Piloten 
Alvaro  Esteves  die  Goldküste  und  dringen  über  die  Nigermündungen  und 
den  Äquator  hinaus  bis  zum  Kap  Santa  Katarina  (l^öl's.  Br.)  vor. 

«-  Der  Nürnberger  Patrizier  Bernhard  Watther  begründet  auf  Veranlassung 
von  Reglomontanut  (Johannes  Müller)  in  seiner  Vaterstadt  die  erste  deutsche 
Sternwarte,  wahrscheinlich  überhaupt  die  erste  Sternwarte  im  christlichen 
Europa.  Die  zweite  Sternwarte  in  Deutschland  wird  von  Wilhelm  IV., 
Landgrafen  von  Hessen,  i.  J.  1561  in  Kassel  errichtet. 

1472  Femäo  da  Po  entdeckt  an  der  westafrikanischen  Küste  die  nach  ihm  be- 
nannte Insel  Fernando  Po,  die  er  selbst  aber  Formosa  nennt. 

—  Robertius  Valturiut  gibt  die  Abbildung  zweier  Galeeren,  welche  als  Be- 
wegungsmechanismus  Schaufelräder  (fünf  an  jeder  Seite  des  Schiffs)  zeigen. 
Doch  datieren  die  ersten  Versuche  mit  einer  Schaufelradbewegung  der 
Schiffe  aus  einer  viel  früheren  Zeit,  und  es  sollen  sich  die  Römer  schon 
um  260  V.  Chr.  mit  dieser  Idee  befaßt  haben.  (Vgl.  auch  1405  Kyeser). 

>-  Robertus  Valturiut  gibt  die  Zeichnung  eines  unterseeischen  Fahrzeugs  in 
der  Form  eines  vom  und  hinten  zugespitzten  Zylinders,  welches  durch 
Ruderräder  mittels  Handbetriebes  fortbewegt  werden  sollte.  Aus  der 
Skizze  geht  die  praktische  Unausführbarkeit  des  Gedankens  ohne  weiteres 
hervor.  Doch  wird  hier,  soweit  geschichtlich  nachweisbar,  zum  erstenmal 
die  Idee  eines  Unterseebotes  geäußert. 

1474  Paolo  Toecanelll  bezeichnet  in  einem  schriftlichen  Gutachten  an  den  Dom- 
herrn Femäo  Martinez  den  atlantischen  Seeweg  nach  Indien  um  vieles 
kürzer  als  die  Seefahrt  um  das  afrikanische  Festland,  imd  fügt  eine  Karte 
bei,  auf  der  er  diesen  Weg  einträgt.  Von  diesem  Gutachten  und  von  dieser 
Karte  erhält  Columbus  Kunde  und  nimmt  eine  Kopie  der  Karte  mit  auf 
seine  Entdeckungsfahrt. 

—  Karl  der  KOhne,  Herzog  von  Burgund,  verwendet  zuerst  in  der  Kriegführung 
ein  Flußkanonenboot,  welches  bei  der  Belagerung  von  Neuß  zur  Be- 
schießung der  Stadt  von  der  Rheinseite  her  in  Tätigkeit  tritt.  (Das  Rhein- 
bett lag  damals  der  Stadt  Neuß  näher  als  jetzt.) 

—  Nachdem  zuerst  Pierre  d'Ailly  und  Nikolaus  von  Cusa  auf  den  Übelstand 
der  stetig  zunehmenden  Abweichungen  des  julianischen  Kalenders  (s.  46 
v.  Chr.)  hingewiesen  hatten,  nimmt  der  Papst  SIxta  IV.  eine  Kalender- 
reform in  die  Hand,  die  indes  infolge  des  Todes  des  mit  den  Berechnungen 
beauftragten  Regiomontanus  nicht  zustande  kommt.  (Vgl.  1582  GregorXIII.) 

1475  Regleinoiiianut  (Johannes  Müller)  gibt  neue  astronomische  Tafeln  heraus,  die 
bald  die  seit  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  im  Gebrauch  befindlichen 
alfonsinischen  Tafeln  (s.  1252  Alfons  X.)  verdrängen ,  auch  für  Ent- 
deckungsreisen ein  wichtiges  Hilfsmittel  werden  und  nachweislich  von 
Columbus   und  Vasco  da  Gama  benutzt  worden  sind.  ' 

>-  Rectomontanuf  (Johannes  Müller)  konstruiert  ein  verbessertes  Astrolabium, 
das  er  „Torquetum"  nennt  und  dessen  Orientierung  und  Gebrauch  im 
wesentlichen  dieselben  sind  wie  beim  älteren  Astrolabium. 

1476  William  Caxton,  der,  ursprünglich  Kaufmann,  in  Cöln  die  Buchdrucker- 
kunst erlernt  hatte,  führt  dieselbe  in  England  ein. 

—  Der  Buchdrucker  Ulrich  Hahn  in  Rom,  gebürtig  aus  Ingolstadt,  erfindet 
den  Musiknotendruck.  Sein  Druckverfahren  besteht  darin,  daß  er  zunächst 
die  fünf  (roten)  Notenlinien  und  in  einem  zweiten  Gange  die  Noten  selbst 

—      66      — 


1487 

dmckt.  (Sog.  zweifaches  Druckverfahren.)  Hahns  Noten  sind  Choralnoten, 
noch  keine  Mensuralnoten.  Eine  weitere  Verbreitung  findet  das  Verfahren 
durch  Jörg  Reyser  in  Würzburg  (1481). 

1476  Der  Buchdrucker  Johannes  VtMMtr  zu  Löwen  und  Utrecht  wendet  in  dem 
Buche  ,,Fa8ciculus  temporum"  zuerst  die  als  „Vignette"  bezeichnete  Buch- 
verzierung an. 

1480  Alessandro  Achillhil  entdeckt  im  menschlichen  Ohr  das  knöcherne  Labyrinth, 
sowie  den  Hammer  und  den  Amboß. 

—  Der  italienische  Maler,  Architekt  imd  Bildhauer  Lsonario  da  Vind  ent- 
wickelt auf  fast  allen  naturwissenschaftlichen  Gebieten  eine  epoche- 
machende Tätigkeit.  Die  Malkunst  vervollkommnet  er  durch  Ausbildung 
der  zuerst  von  Alberti  (s.  1435)  angewendeten  Perspektive. 

—  LMNMrdo  da  Vinci  spricht  zuerst  die  Idee  des  Lampenzylinders  aus,  der  als 
Rauchfang  der  Flamme  Crelegenheit  geben  soU,  zu  exhalieren  und  sich 
durch  Luftzufuhr  zu  ernähren.  (S.  1756  Quinquet.)  Er  beschreibt  zuerst 
den  Fallschirm,  mit  dem  sich  jeder  von  beliebiger  Höhe,  so  groß  sie  auch 
sei,  herunterlassen  könne. 

—  Lwrtiizo  von  Modld  gibt  den  Anstoß  zur  allgemeinen  Neubelebung  einer  um- 
fassenden Gartenkultur. 

—  Der  König  Matthias  Corvlnui  führt  den  Maroquin-Einband  ein.  Er  hält  sich 
stets  eine  Anzahl  Künstler,  die  seine  Bücher  in  Maroquin  binden,  ver- 
golden und  bemalen.  Jeder  Band  erhält  den  Stempel  eines  Raben  (Cor- 
vinus)  mit  einem  Ring  im  Schnabel. 

—  Der  Büchsenmacher  Kaspar  Zöiiner  in  Wien  schneidet  zuerst  Züge  in  die 
Seelenwand  des  G^wehrlaufs  ein.  Die  Züge  verliefen  geradlinig  (ohne 
Drall);  die  erwartete  Steigerung  der  Schußleistungen  blieb  daher  aus.  Doch 
sind  derartige  gerade  Züge,  besonders  in  der  Form  der  sogenannten  Haar- 
züge, auch  bei  neueren  Handfeuerwaffen  mehrfach  angewendet  worden,  aber 
nur  noch  zu  dem  Zwecke,  das  Laden  (Eintreiben  des  Geschosses  in  den 
Lauf)  zu  erleichtem. 

1483  Domenico  Maria  üovara  da  Ftrrara  bemerkt  zuerst,  daß  seit  Ptolemaeus  der 
Pol  der  Weltachse  sich  dem  Zenit  um  1^  genähert  hat. 

»      Waneeiiaiis  von  Olmütz  erfindet  die  Radierkunst  auf  Kupfer. 

1484  Diogo  Gio  gelangt  zur  Mündung  des  Kongo  6^6's.  Br.,  zum  Cap  Santo 
Agostinho  (jetzt  Santa  Maria)  130  27' 15"s.  Br.  und  zum  Cap  Negro  15» 
40'  30"  8.  Br. 

—  Nicolas  dmqiMt  veröffentlicht  ein  Rechenbuch  „Le  Triparty  en  la  science 
des  nombres'%  welches  die  Potenzen  zum  ersten  Male  in  der  heutigen 
Schreibweise  enthält.  Er  hat  eine  klare  Einsicht  in  das  Wesen  einer  un- 
bestimmten Gleichung.  Er  wendet  zuerst  die  Bezeichnungen  „Million*', 
,,Byllion",  „Tryllion"  an,  die  aber  erst  durch  Paciolus  (s.  1487)  allgemein 
gebräuchlich  werden. 

—  Bernhard  Walflitr  in  Nürnberg  versucht  zuerst  die  Verwendung  von  Uhren 
mit  gezähnten  Rädern  zu  astronomischen  Beobachtungen  Doch  hat  dieser 
Versuch  infolge  des  unregelmäßigen  Ganges  der  damaligen  Räderuhren 
keinen  wesentlichen  Erfolg. 

1486  Der  König  49Mk  iii.  von  Schottland  kauft  ein  in  Mons  in  Belgien  ge- 
fertigtes schweres  Geschütz  an,  dessen  Rohr  aus  aufgewickelten  Eisen - 
Stäben  („wie  man  ein  Tau  aufwickelt**)  hergestellt  ist  —  ein  Vorläufer  der 
heutigen  Longridge- Geschütze.  (S.  1884  L.)  Das  Geschütz  befindet  sich  noch 
jetzt  in  Edinburg. 

1487  Der  Buchdrucker  Hanns  Briafmaltr  in  Nürnberg  (auch  Maler  Hans  Sporer 
oder    Hans    Buchdrucker    genannt)    verfaßt    das   erste   „Visierbüchlein**, 

5* 

—     67     — 


1487 

eine  Anleitung   zur   Bestimmung  des   Rauminhalts   von  Hohlmaßen   und 
Fässern. 
1487    Bartolomeo  DIaz  umfährt  zuerst  das  Kap  der  guten  Hoffnung,  das  er  als 
Kap  der  Stürme  benannte  und  das  seinen  jetzigen  Namen  erst  vom  König 
Joäo  von  Portugal  erhält. 

—  Der  Mathematiker  Lucas  Padolut  zu  Perugia  verfaßt  ein  im  Jahre  1494  in 
Venedig  gedrucktes  epochemachendes  Werk  „Summa  de  Arithmetica, 
Geometria,  Proportioni  et  Proportionalitä",  welches  fast  die  gesamte  Mathe- 
matik umfaßt.  Bemerkenswert  sind  die  algebraisch  gelösten  Angaben 
der  Geometrie,  die  den  Zusammenhang  von  Geometrie  imd  Algebra  zum 
ersten  Male  klar  zum  Ausdruck  bringen.  Auch  enthält  das  Werk  eine 
Anleitung  zur  doppelten  Buchführung  und  einen  Münz-,  Maß-  und  Ge- 
wichtstarif. 

—  Der  aus  Augsburg  gebürtige  Buchdrucker  Erhard  RtIdokI  ( Rathold)  in  Venedig 
führt  die  mit  Blumen  verzierten  oder  aus  Blumen  gebildeten,  namentlich 
als  Initialen  verwendeten  Kunstbuchstaben  (Litterae  florentes)  in  den 
Buchdruck  ein.  Er  wendet  zuerst  den  Golddruck  an  imd  druckt  zuerst 
geometrische  Figuren  in  einem  mathematischen  Werke.  (S.  auch  1252 
Alfons.)  Von  anderer  Seite  wird  Johann  Zainer  als  derjenige  genannt, 
der  zuerst  die  eingedruckten  Initialen  verwendet  habe. 

1489  Johann  Widmann  in  Eger  verfaßt  eine  mathematische  Schrift  „Behennd 
und  hübsch  Rechnung  uff  allen  kauffmannschaften",  in  welcher  zuerst  die 
Zeichen  -j-  und  —  erscheinen. 

1490  Paul  Eck  von  Salzbach  spricht  in  seinem  „Clavis  philosophorum*'  bestimmt 
davon,  daß  die  Metalle  bei  der  Verkalkung  schwerer  werden  und  beschreibt 
seine  über  diesen  Gegenstand  am  Quecksilber  \md  QuecksilberamaJgam 
angestellten  Verkalkungsversuche. 

—  Ltonario  da  Vind  erklärt  das  aschgraue  Licht  des  Mondes,  welches  auftritt, 
wenn  die  Sichel  nur  noch  eine  sehr  schmale  ist,  für  doppelt  reflektiertes 
Licht,  nämlich  solches,  welches  von  der  Sonne  kommt,  von  der  Erde  nach 
dem  Mond  und  von  diesem  zur  Erde  geworfen  wird.  Er  erwähnt  zuerst 
die  Kontrasterscheinungen,  die  sich  in  simultane  Farbenkontraste  und  in 
sukzessive  Kontraste  (komplementäre  Nachbilder)  scheiden  lassen. 

—  LMNiardo  da  Vind  beobachtet  zuerst  das  Ansteigen  der  Flüssigkeiten  in 
engen  Röhren.  Es  muß  demnach  ihm  und  nicht  Aggiunti  die  Entdeckung 
der  Capillarität  zugeschrieben  werden. 

—  Laonardo  da  Vind  konstmiert  ein  Hygrometer. 

1492  Martin  Bahalm,  Kaufmann  aus  Nürnberg  und  lange  Zeit  als  Geograph  in 
Diensten  des  Königs  Joäo  II.  von  Portugal,  zeichnet  am  Vorabend  der 
Entdeckung  der  Neuen  Welt  seinen  Erdapfel,  den  ersten  vollkommenen 
Erdglobus.     (S.  auch  159  v.  Chr.) 

—  Christoph  Columbut  beobachtet  am  13.  September  auf  seiner  Fahrt  300  Meilen 
westlich  von  Ferro  eine  Abweichung  der  Magnetnadel  in  nordwestlicher 
Richtung,  die  5°  beträgt  \md  sich  am  nächsten  Tage  noch  vergrößert.  Es 
ist  dies  die  erste  bekannte  Beobachtung  der  Deklination.  Allerdings  gibt 
der  Befund  von  Taschensonnenuhren,  welche,  obwohl  sie  aus  der  Mitte 
des  15.  Jahrhunderts  stammen,  bereits  eine  Art  von  Deklinationsmarke 
aufweisen,  der  Vermutung  Raum,  daß  die  magnetische  Deklination  mög- 
licherweise schon  ein  halbes  Jahrhundert  vor  Columbus  bekannt  gewesen  ist. 

—  Christoph  Mumkut  erreicht  am  12.  Oktober  die  Insel  Guanahani,  eine  der 
Bahama-Inseln,  und  entdeckt  damit  die  Neue  Welt. 

—  Christoph  ColumHut  entdeckt  am  27.  Oktober  1492  Cuba,  dessen  Insel- 
natur jedoch  erst  i.  J.  1508  durch  Ocampo  festgestellt  wird.    Am  6.  De- 

-     68     — 


1498 

zember    1492    entdeckt    Columbus    die   Insel   Haiti    (von    ihm   Espanola 
genannt). 

1492  Der  Reisende  Lm  AMcmus  (Alhusan  Ibn  Mohammed  Alwazzan)  bereist 
Nordafrika  und  gibt  Aufschlüsse  über  die  Geographie  des  Sudan. 

—  Christian  MumnM  in  Braunschweig  erfindet  das  nach  ihm  benannte,  sehr 
würzreiche  dunkle  Bier.    („SchifFsmumme**  und  „Stadtmumme'*.) 

1493  Christoph  Mumbm  schildert  das  Ereignis  der  Entdeckung  Amerikas  in 
einem  Briefe  an  den  Schatzmeister  Rafael  Sanchez.  Dieser  Brief,  fast  in 
alle  europäischen  Sprachen  übersetzt  und  überallhin  in  einer  zeitungsähn- 
lichen Form  durch  den  Druck  verbreitet,  kann  als  erstes  Glied  in  der 
Entwicklung  des  Zeitungswesens  angesehen  werden. 

—  Christoph  Mumkus  entdeckt  auf  seiner  zweiten  Keise  am  15.  November 
1493  die  Insel  Portorico,  die  er  „Isla  de  San  Juan*'  nennt. 

1494  Der  Arzt  Chanca,  ein  Begleiter  des  Columbus,  erwähnt  zuerst  den  spanischen 
Pfeffer. 

~  Christoph  Muinbat  entdeckt  am  5.  Mai  1494  auf  seiner  zweiten  Keise  die 
Insel  Jamaica,  von  ihm  „Santiago**  genannt. 

1495^96  Das  erste  Trockendock  in  England  und  vermutlich  das  erste  der 
Welt  wird  auf  Befehl  des  Königs  Htliirldi  VII.  von  England  in  Portsmouth 
errichtet.  Es  wird  aus  Holz  gebaut  und  sein  Eingang  durch  zwei  Pfeiler- 
reihen, deren  ZwiBchenraum  mit  Steinen  und  Kies  ausgefüllt  wird,  ge- 
schlossen. Naturgemäß  wird  durch  diese  Einrichtung  des  Dockeinganges, 
an  dessen  Stelle  erst  später  die  beweglichen  Docktore  treten,  das  Docken 
der  Schiffe  sehr  umständlich  und  zeitraubend. 

1495  Der  Gelehrte  und  Buchdrucker  Aldus  Manutius  in  Venedig  verbessert  die 
von  Jenson  (s.  1471)  eingeführte  Antiqua-  oder  „lateinische**  Druckschrift. 
Er  unterscheidet  zuerst  die  stehende  lateinische  (eigentliche  Antiqua-) 
Type  und  die  liegende  (Kursiv-)  Schrift.  Sein  Druckwerk  „Bembus,  de 
Aetna**  ist  für  den  Antiquadruck  vorbildlich.  Er  ist  der  Urheber  der 
heutigen  Art  der  Interpunktion  (Komma,  Kolon).    (Vgl.  200  v.  Chr.) 

—  Pedro  Navarro  bildet  die  Technik  der  Sprengminen  weiter  aus,  die  unter 
anderm  bei  der  Einnahme  des  Castel  Nuovo  in  Neapel  eine  Rolle  spielen. 

1497—98  Der  Seefahrer  Giovanni  Cabot  entdeckt  Neu-Fundland  und  befährt  auf 
einer  zweiten  Reise  die  Küste  bis  Florida. 

1497  Vasco  da  tema  wird  im  Juli  1497  von  König  Manuel  mit  der  Aufsuchung 
des  Seewegs  nach  Indien  betraut.  Er  umschifft  am  22.  November  1497 
das  Kap  der  Guten  Hoffnung,  erreicht  im  Januar  1498  die  Mündung  de« 
Sambesi  und  gelangt  über  Mosambik  und  Mombas  am  20.  Mai  1498  nach 
Kahkut  an  der  Küste  von  Malabar. 

—  Das  Benzoeharz  (Myrrha  troglodytica)  gelangt  zuerst  nach  Europa,  nach- 
dem Vasco  da  Qama  den  Seeweg  nach  Indien  gefunden  hatte.  Der  Baum 
wird  später  von  Garcias  de  Orta  (s.  1560)  beschrieben. 

—  Nachdem  schon  Columbius  auf  seiner  ersten  Reise  die  Eingeborenen  von 
Guanahani  zylinderförmige,  mit  einem  Maisblatte  umwickelte  RoUen  von 
Tabaksblättem  hatte  rauchen  sehen,  gibt  der  von  ihm  bei  seiner  zweiten 
Reise  au(  Haiti  zurückgelassene  Mönch  Fra  Romano  Pano  die  erste  Nach- 
richt von  der  Tabakspflanze  nach  Europa,  die  er  „Herba  inebrians'* 
(berauschendes  Kraut)  nennt.   (S.  1565.) 

1498    Christoph  Gofmiitat   entdeckt   auf  seiner  dritten  Reise  das  Festland  von 
Südamerika  (Golf  von  Paria). 

—  Nachdem  durch  die  Einführung  der  Druckerpresse  auch  die  Ausbildung 
des  Kunstdruckes  ermöglicht  war,  pflegt  und  verbessert  Albrecht  Dflror 
den  Holzschnitt  sowohl  in  technischer,  als  auch  in  künstlerischer  Beziehung, 

—      69     — 


1498 

Als  Druckplatten  dienen  gut  geglättete,  gehobelte  und  abgeschliffene  Holz- 
platten von  Birnbaum,  Kirschbaum  oder  Ahorn. 

1498  Der  Italiener  Ottaviano  M  Ptlracci  da  Fossombrone  wendet  im  Musiknoten- 
druck an  SteUe  der  Choralnoten  (s.  1476  Hahn)  zuerst  die  Mensural- 
noten an. 

1499—1500  Alonso  dt  Hojtda  befährt  die  Küste  Südamerikas  zwischen  der  Halb- 
insel Guajira  und  6®  s.  Br.,  wobei  er  den  Amazonenstrom  entdeckt.  Unter 
seinen  Begleitern  befindet  sich  Vespucci. 

1499  Alonso  da  HoJMbi  entdeckt  Pfahlbauten  an  der  Nordküste  von  Südamerika. 
Hiernach  wird  der  ganze  Küstenstrich,  nach  Analogie  des  ebenfalls  auf 
Pfählen  erbauten  Venedig,  „Venezuela"  genannt. 

—  Amerigo  Vetpucd  macht  den  Vorschlag,  die  Abstände  des  Mondes  von  ge- 
wissen Fixsternen  zur  astronomischen  Längenbestimmung  anzuwenden. 
Ob  der  1614  von  Johann  Werner  gemachte  gleiche  Vorschlag  unabhängig 
hiervon  war,  ist  nicht  zu  entscheiden. 

1500  Jacopo  BtTMigar  von  Carpl  wendet  zuerst  die  Schmierkur  mit  Unguentum 
cinereum  gegen  Syphilis  an.  Über  den  Ursprung  der  Krankheit  selbst  ist 
man  noch  im  unklaren.  Einzelne  nehmen  an,  daß  sie  durch  die  Mann- 
schaft des  Columbus  in  Europa  eingeschleppt  worden  sei,  weil  ihr  erstes 
heftiges  Auftreten  in  die  Zeit  der  Entdeckung  Amerikas  fällt;  andere 
glauben,  daß  die  Syphilis  seit  den  ältesten  Zeiten  bekannt  sei  und  wollen 
bei  Hippokrates,  Celsus,  Galenus,  Aetiius  und  Aretaeus  mehr  oder  weniger 
genaue  Beschreibungen  finden.  Die  erste  systematische  Anwendung  von 
Quecksilber  gegen  die  Syphilis  ist  in  der  Chronik  des  Matarazza  aus  Perugia 
1494  erwähnt. 

—  Der  portugiesische  Seefahrer  Pedro  Alvarez  Gakral  entdeckt,  indem  er  auf 
einer  Fahrt  ums  Kap  verschlagen  wird,  Brasilien. 

—  M.  Giovanni  Cavallina  von  Bologna  erfindet  die  Reihensäemaschine,  150  Jahre 
vor  Looatelli,  dem  diese  Erfindung  fälschlich  zugeschrieben  wurde. 

—  Konrad  MtM  findet  die  im  Jahre  375  entworfene  Karte  der  weströmischen 
Militärstraßen  auf,  die  er  Konrad  Peutinger  überläßt  und  die  daher, «Ta- 
bula Peutingeriana"  heißt. 

—  Die  Portugiesen  Gaspar  und  Miguel  CorttTMÜ  unternehmen  in  den  Jahren 
1500  und  1501  zwei  Reisen  zur  Aufsuchung  der  nordwestlichen  Durchfahrt, 
wobei  sie  Labrador  (Terra  del  lavorado)  entdecken.     (S.  auch  1001  Leif.) 

—  Der  spanische  Seefahrer  Juan  dt  la  Com,  ein  Begleiter  des  Columbus  auf 
dessen  erster  Amerikareise,  verfaßt  die  für  die  Entdeckungsgeschichte  der 
neuen  Welt  wichtige,  im  Museo  naval  in  Madrid  aufbewahrte  „Mapa  mundi'*. 

—  Der  französische  Ingenieur  DMChargti  in  Brest  schneidet  zuerst  Gesohütz- 
scharten  in  die  Bordwände  der  Kriegsschiffe  ein.  Während  die  Schiffs- 
geschütze bis  dahin  nur  auf  dem  Oberdeck,  und  daher  nur  in  beschränkter 
Anzahl,  aufgestellt  waren,  wird  durch  die  Einführung  der  Stückpforten 
die  Möglichkeit  einer  massenhaften  und  dabei  besser  gesicherten  Geschütz- 
aufstellung auf  mehreren  Decks  übereinander  gegeben.  Die  Bestückung 
der  Fregatten  steigert  sich  infolge  dieser  Anordnung  mit  der  Zeit  bis  auf 
130  Kanonen. 

—  Paul  Qrommtiittettir  aus  Schwaz  in  Tirol  erfindet  das  Handsetzsieb,  das 
1519  in  Joachimsthal  eingeführt  wird  und  dessen  Prinzip  sich  mit  dem 
der  Naß-Setz-Siebmaschine  deckt,  in  welcher  durch  den  Stoß  der  Wasser- 
strahlen die  Gemenge  geringeren  Eigengewichts  mehr  gehoben  werden,  als 
die  schwereren,  so  daß  eine  Trennung  der  leichteren  Bestandteile  von  den 
schwereren  rasch  vor  sich  geht. 

^  Jacob  Nuftr  aus  Siegershausen  macht  den  ersten  Kaiserschnitt  an  einer 
Lebenden,  und  zwar  an  seiner  eigenen  Frau,  mit  vollem  Erfolge.  (S.  a.  64.) 

—      70     — 


1600 

löOO  Der  venezianische  Klavierbauer  Giovanni  Splntltl  BteUt  ein  Klavioymbal  in 
Tafelform  her,  welches  nach  ihm  den  Namen  ,,Spinett'*  erhält. 

—  Der  Abt  Johannes  Trltlmiilui  gibt  die  ersten  Andeutungen  einer  AUgemein- 
schrift  (Pasigraphie),  welche,  von  der  Lautsprache  völlig  unabh&ngig,  sich 
als  Begriffsschrift  darstellt  und  sich  lediglich  durch  bestimmte  Zeichen,  in 
der  Regel  mit  Hilfe  der  Zahlen,  allen  Völkern  verständlich  machen  soll. 
(Vgl.  seine  Schrift  „Polygraphiae  libri  VP'.)  Diesem  Gedanken  sind  später 
auch  Bacon  (s.  1605),  Descartes,  Leibniz  (s.  1666),  Wilkins  u.  a.  näher 
getreten.  Doch  hat  der  Vorschlag  weniger  Aussicht  auf  Verwirklichung, 
als  eine  Weltsprache  im  engeren  Sinne.  (S.  1652  L.,  1879  S.,  1887  S., 
1906  M.) 


—      71      ~ 


Sechzehntes  Jahrhundert. 


1501  Girolamo  Fracattoro  beschreibt  den  Flecktyphus  als  ein  neues,  zuerst  in 
Cypern  aufgetretenes  und  von  da  nach  Itidien  eingeschlepptes  Leiden.  Es 
ist  dies  die  erste  sichere  Kunde  dieser  Krankheit. 

—  Der  Name  „Anthropologie"  als  der  der  Wissenschaft  vom  Menschen  in  zoolo- 
gischer Beziehung  kommt  zuerst  durch  das  von  Magnus  HuiNl  verfaßte 
Werk  „Anthropologia  de  natura  hominis**  auf. 

—  Joäo  da  Nova  entdeckt  die  Insel  Ascension. 

1501 — 1502  Eine  portugiesische  Expedition  bei  der  sich  auch  Amerigo  Votpuccl 
befindet»  befährt  die  Küste  Südamerikas  vom  Kap  San  Koque  bis  an- 
gebUch  52^  s.  Br.,  sicher  bis  zur  Mündung  des  La  Plata. 

1502  Nicolaus  de  Canarlo  veröffentlicht  die  erste  bekannte  nautische  Karte  „Por- 
tulan**, die  am  Band  eine  Breitenskala  trägt. 

—  Christoph  Columbiit  entdeckt  auf  seiner  vierten  Reise  das  Festland  von 
Zentralamerika. 

—  Joäo  da  Nova  entdeckt  die  Insel  St.  Helena. 

1504  Ltonardo  da  Vlnd  entwirft  eine  Feilenhaumaschine,  deren  Hauptwelle  er 
mechanisch  bewegen  will,  und  sucht  gleichzeitig  den  Schmiedehammer 
selbsttätig  herzurichten. 

1505  Der  italienische  Mathematiker  Scipione  dal  Ferro  löst  zuerst  die  Gleichungen 
dritten  Grades  von  der  Form:  x^-f^^^^«     (^'  ^^^ö  Cardanus.) 

—  Antäo  Gon^alvti  entdeckt  Madagaskar,  dem  er  zuerst  den  Namen  San  Lou- 
ren^o  gibt. 

—  Der  Ritter  CMtz  von  Borlichlnciii  läßt  sich  zum  Ersatz  der  ihm  im  Jahre  1504 
vor  Landshut  abgeschossenen  rechten  Hand  nach  seinen  eigenen  An- 
gaben die  bekannte  künstliche  „eiserne  Hand"  anfertigen.  Dieselbe, 
1,50  kg  schwer  und  noch  jetzt  in  Jagsthausen  aufbewahrt,  ist  eines  der 
ältesten  Beispiele  künstlicher  Gliedmaßen.  Übrigens  erwähnt  auch  schon 
Cajus  Plinius  Secundus  den  Gebrauch  einer  eisernen  Hand  im  zweiten 
punischen  Kriege. 

—  Peter  Htio  (Henlein)  in  Nürnberg  setzt  bei  der  Uhr  die  Feder  an  die  Stelle 
des  Gewichts  und  stellt  so  kleine  Uhren  her,  daß  dieselben  in  der  Tasche 
getragen  werden  können.  Johannes  Coclaeus  sagt  im  Jahre  1511  darüber; 
„Aus  Eisen  machte  er  kleine  Uhren  mit  vielen  Rädern,  die  40  Stunden 
anzeigen  und  schlagen  und  im  Busen  oder  Geldbeutel  getragen  werden 
können.'*  Diese  ersten  Taschenuhren  erhalten,  da  sie  in  Eiform  gefertigt 
werden,  den  Namen  „Nürnberger  Eier**. 

—  Sigismund  von  Maltiz  erfindet  das  Naßpochwerk  und  die  Mehlführung  und 
legt  dadurch  den  Grund  zur  bergmännischen  Aufbereitung  von  Gruben - 
klein  und  armen  Erzen. 

—     72     — 


1510 

1505  RymMUUl  gibt  ein  Wetterbuch  heraus,  das  sich  als  eine  Sammlung  prognosti- 
scher Bauernregeln  darstellt  und  in  34  Jahren  17  Auflagen  erlebt. 

1507  Pero  4b  Matcamihas  entdeckt  die  Inseln  Mauritius  und  Reunion  und  be- 
schreibt die  dort  massenhaft  vorkommenden  Dronten  (Taubenvögel), 
die  jetzt  gänzlich  ausgerottet  sind. 

-  Martin  WaMsetmfllltr  (Hylacomylus)  veröffentlicht  eine  große  aus  zwölf 
exakt  ausgeführten  Holzschnittbildem  bestehende  Weltkarte,  in  der  an 
Stelle  des  heutigen  Südamerika  der  Name  „Amerika'*  sich  zum  ersten 
Male  findet.  Wahrscheinlich  ist  es  Waldseemüller,  der  den  Anstoß  ge- 
geben hat,  daß  der  neu  entdeckte  Weltteil  diesen  Namen  erhält. 

508    Francisco  dt  AliMMa  entdeckt  die  Lakkadiven. 

-  Die  Domlnlkantr  gründen  in  Santa  Maria  Novella  in  Florenz  wohl  die 
älteste  Anstalt  zur  Gewinnung  wohlriechender  Wässer  und  öle,  die  sich 
bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten  hat. 

-  Hainl  von  Uri  soll  die  Bauempraktik  verfaßt  haben,  die  aus  der  Witterung 
des  Christtags  imd  der  12  Tage  von  Weihnachten  bis  Epiphanias  die 
Witterung  des  ganzen  Jahres  voraussagt  und  den  Wetteraberglauben  nach 
^len  Ländern  verbreitet. 

-  Der  Portugiese  Lop«  de  F^iiwlni  bringt  i.  J.  1508  die  erste  Kunde  von  der 
Insel  Sumatra  nach  £uropa.    (Vgl.  auch  1325.) 

-  Jobst  dt  Nifktr  pflegt  mit  Erfolg  den  Holzschnitt-Farbendruck.  Er  fügt 
außer  der  die  Zeichnung  ergebenden  schwarzgefärbten  Platte  eine  andere 
hinzu,  aus  der  die  Lichter  ausgeschnitten  werden  und  die  mit  graugelben 
oder  graugrünen  Tönen  eingewalzt  wird;  manchmal  fügt  er  eine  dritte 
Platte  hinzu,  die  mittlere  Schattentöne  in  abweichender  Farbe  enthält. 
(Helldunkelschnitt  —  Clair  obscur.) 

—  Nachdem  schon  Julius  Caesar  eine  Buchstaben -Geheimschrift  angewendet 
hatte,  indem  er  die  Buchstaben  in  einer  anderen  als  ihrer  eigentlichen 
Bedeutung  verwendete,  erfindet  der  Abt  Johannes  TrlthMnliis  eine  ähnliche 
Oeheimschrift,  indem  er  unter  Benutzung  mehrerer  Alphabete  mit  wechseln- 
der Buchstabenfolge  jedes  neue  Wort  nach  vorheriger  Verabredung  in 
einem  anderen  Alphabete  ausdrückt.    (S.  seine  „Steganographia*'.) 

1Ö09  Utwardo  da  Vlnd  erhält  als  Belohnung  für  die  von  ihm  beim  Triumph- 
einzuge Königs  Ludwig  XII.  in  Mailand  ausgeführten  Schmuckanlagen  eine 
Strecke  Wasser  aus  dem  Naviglio  bei  San  Christoforo  als  Eigentum,  wo  er 
einen  Schleusenbau  ausführt,  der  als  technisches  Meisterwerk  weithin  be- 
rühmt wird.     (VgL  auch  1253.) 

—  Vicente  Yanez  PlnMa  und  Juan  Diaz  dt  Sollt  befahren  die  Küste  Süd- 
amerikas von  der  Cananeabucht  (26®  3'  s.  Br.)  bis  zu  dem  heutigen  Rio 
de  la  Plata. 

1510  Der  Neapolitaner  Alessandro  dtgll  Alttiandrl  spricht  (in  einer  Rhapsodie) 
zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  alle  Versteinerungen  ausschließlich  von  der 
Sintflut  herstammen.  Diese  von  der  Kirche  ausdrücklich  unterstützte 
Hypothese  beherrscht,  trotz  lebhaftem  Widerspruche  vieler  Gelehrter 
(s.  1517  Fracastoro),  die  nächsten  Jahrhunderte. 

*  Paolo  AzzImlMl  (der  nach  Fioravanti  eigentlich  Paolo  Rizzo  hieß)  erneuert 
die  im  Mittelalter  in  Europa  verloren  gegangene  Kunst  des  Tauschierens, 
die  er  durch  Aufschlagen  von  dünnen  Fäden  von  Gold  und  Silber  oder 
durch  Auslegen  von  eingegrabenen  Linien  mit  Gold,  Silber  oder  Messing 
bewirkt.  Nach  ihm  werden  derartige  Arbeiten  ,,Lavoro  all'  Azzimina" 
genannt. 

-  Paul  Dox  erfindet  die  ReUefkarte,  d.  i.  die  plastische  Nachbildung  von 
Teilen  der  Erdoberfläche  als  Ersatz  der  weniger  anschaulichen  ebenen 
Landkarte.    Dox'  Reliefkarte  umfaßt  die  Umgebung  von  Kufstein. 

—     73     — 


1510 

1510  Georg  Harlmanii  aus  Nürnberg  macht  während  eines  Aufenthaltes  in  Rom 
die  erste  Beobachtung  der  Abweichung  der  Magnetnadel  (Deklination)  auf 
dem  Festlande  und  bestimmt  diese  Abweichung  zu  6®  östlich. 

—  LaOMPtfO  tfa  Vinci  erfindet  die  horizontalen  Wasserräder. 

—  Jacobus  Syhrlut  erfindet  die  anatomische  Injektion  der  Grefäße  und  beschreibt 
die  nach  ihm  benannte  Spalte  im  Gehirn  —  Fossa  Sylvii  — ,  sowie  die 
Klappen  der  Venen. 

—  Victor  Trincavclla,  Arzt  in  Bologna,  stellt  fest,  daß  erbliche  Krankheiten 
oft  Generationen  überspringen. 

1511  Antonio  tf'AferMi  und  Francisco  Sarrio  versuchen  mit  drei  Segeln  die  Ur- 
sprungsländer der  Muskat  bäume  und  Gewürze  aufzufinden.  Sie  gelangen 
nach  den  Bandainseln  und  nach  Amboina,  einer  der  Molukken,  welch 
letztere  1506  zuerst  von  dem  Bologneser  Barttma  besucht  worden  waren. 

—  Wer  die  Kunst  der  Intarsia  begründet  hat,  ist  nicht  festzustellen.  Der 
erste  aber,  der  dabei  gefärbte  Hölzer  in  Anwendung  bringt,  ist  OI>¥Mml 
ia  Verona,  Schöpfer  der  noch  jetzt  vorhandenen  Tafeln  im  Dom  und  in 
der  Earche  San  Benedetto  in  Siena. 

—  Sebastian  VIrdunf  in  Basel  beschreibt  in  seinem  Werke  „Musica  getutscht*' 
{&,  i.  „deutsche  Musik")  alle  zu  seiner  Zeit  gebräuchhchen  Musikinstru- 
mente, und  unterscheidet  bei  den  Streichinstrumenten  die  Groß-  und  die 
Klein- Geige,  welche  letztere  der  heutigen  Violine  ähnelt,  aber  bei  Virdung 
noch  die  mandolinenartige  Wölbung  des  Körpers  zeigt.  Die  mondsichel- 
förmigen Schalllöcher  weisen  auf  mohammedanischen  Ursprung  hin. 

1512  Simon  d'Andrad«  entdeckt  die  Malediven  wieder.     (Vgl.  auch  1325.) 

—  König  Holnrlch  Viil.  von  England  läßt  in  Erith  bei  London  den  Zwei- 
decker Henry-Gräce-ä-Dieu,  genannt  „Great  Harry"  (Verdrängung 
1000  Tonnen,  70  Geschütze)  bauen,  als  erstes  Kriegsschiff  nach  dem  Typ 
der  Segellinienschiffe. 

—  Ponci  tft  Lton  entdeckt  den  Golf  von  Mexiko  und  die  Halbinsel  Florida. 

1513  Der  spanische  Seefahrer  Vasco  Nunez  de  BallNNl  überschreitet  die  Land- 
enge von  Panama  und  entdeckt  die  Südsee. 

—  Albrecht  Dflrtr  fördert  technisch  und  künstlerisch  den  Kupferstich.  Er 
versucht  sich  auch  im  Kaltnadelstich  und  gleichzeitig  mit  Urs  Gral 
(s.  1513)  im  Ätzen  von  Metallplatten. 

—  Urs  Graf  scheint  der  Erfinder  der  Radierung  zu  sein,  die  sich  vom  Kupfer- 
stich darin  unterscheidet,  daß  zum  Eingraben  der  Zeichnung  neben  dem 
Stichel  auch  das  Ätzwasser  dient.     (S.  a.  1513,  Dürer.) 

—  Martin  WaMMtniQlltr  (Hylacomylus)  fügt  der  Straßburger  Ausgabe  des  seit 
einem  Menschenalter  wieder  bekannten  „Almagest"  des  Ptolemaeus  20  von 
ihm  gezeichnete  „Tabulae  modern ae"  hinzu,  welche  den  ersten  modernen 
Atlas  darstellen. 

1514  Jacob  KAM  von  Heidelberg  verfaßt  in  den  Jahren  1514 — 1531  verschiedene 
Rechenbücher,  in  welchen  die  römischen  Zahlzeichen  noch  vielfach  ange- 
wendet, und  als  die  „gewenlich  teutsch  Zal*'  —  im  Gegensatz  zu  der 
„Ziffern  Zal**,  d.  i.  der  arabischen  Ziffer  —  bezeichnet  werden. 

—  Giovanni  da  Vi|0  scheint  zur  Blutstillung  zuerst  das  Verfahren  der 
Umstechung  geübt  zu  haben,  welches  bis  zum  18.  Jahrhundert  im 
Schwünge  bleibt  und  1861  von  Middeldorpf  als  perkutane  Umstechung 
aufs  neue  empfohlen  wird. 

1515  Der  portugiesische  Admiral  Affonso  d'Alkuquarqu«,  genannt  der  Große,  er- 
weitert die  portugiesische  Seeherrschaft  durch  zahlreiche  Erwerbungen  und 
Entdeckungen.  Von  besonderem  Interesse  ist  das  damalige  Aufblühen  der 
heute  in  deutschem  Besitze  befindlichen  östafrikanischen  Küste  mit  der 
Hauptstadt  Kilwa  —  Kisiwani.    Dieser  jetzt  unbedeutende  Ort,  die  über- 

—     74      — 


1518 

haupt  älteste  europäisohe  NiederlaBsung  in  Ostafrika,  wird  schon  unter 
der  altarabisohen  und  persischen  Herrschaft  (987 — 1498)  als  eine  blühende 
Handelsempore  (mit  300  Moscheen)  erwähnt. 

1515  LtMiartfo  da  Vlnd  löst  das  Problem  des  schiefen  Hebels  und  erkennt  bei 
der  Erforschung  der  Hebelgesetze  die  Wichtigkeit  des  allgemeinen  Begriffs 
der  statischen  Momente. 

1516  Ptinn  Martyr  ät  Aaghtora  erkennt,  daß  die  Verschiebung  der  Schneegrenze 
von  verschiedener  Erwärmung  und  Befeuchtung  abhängig  ist. 

»  Franz  VM  Thuni  fmi  Taxb  errichtet  die  erste  wirkliche  (öffentliche)  Post 
zwischen  Wien  und  Brüssel,  welche  durch  reitende  Boten  betrieben  wird. 
Für  die  Zwecke  der  königlichen  Hofhaltung  bestand  eine  derartige  Post- 
verbindung  schon  seit  dem  Jahre  1504.  Neben  dem  Postkurse  zwischen 
Wien  und  Brüssel  werden  alsbald  ähnliche  Verbindungen  noch  nach  Rom 
und  Neapel,  Nürnberg,  Frankfurt  a.  M.,  Schaffhausen,  Paris  und  Süd- 
frankreich geschaffen. 

1517  Albrecht  DOrtr  entwickelt  unter  Berücksichtigung  der  Wirkung  der  Pulver- 
geschütze  ein  polygonales  Befestigungssystem  mit  Basteien  und  umfang- 
reichen Kasemattierungen ,  in  welchem  die  Grundgedanken  der  späteren 
preußischen  Befestigung  bereits  deutlich  enthalten  sind. 

—  Glrolamo  Fracartoro  wendet  sich  scharf,  wie  auch  schon  vor  ihm  Leonardo 
da  Vinci,  gegen  die  Lehre  Avicenna's  von  der  Vis  plastica  (s.  1020),  sowie 
gegen  die  Sintflut- Hypothese  Alessandri's  (s.  1510).  Er  erklärt  die  Verstei- 
nerungen als  Überreste  von  Tieren,  welche  nicht  herbeigeschwemmt  sind, 
sondern  da  gelebt  haben,  wo  sich  die  Überreste  finden. 

—  Hans  von  Qsriiorff  gibt  sein  „Feldbuch  der  Wundarzney"  heraus,  welches 
den  ganzen  Umfang  der  Chirurgie  mit  Einschluß  der  in  den  Bereich  des 
Wundarztes  fallenden  Hautaffektionen  umfaßt  und  namentlich  in  bezug 
auf  die  Behandlimg  der  Schußwunden  neue  Gesichtspunkte  enthält. 

—  Ulrich  von  HHtlM  gibt  in  seiner  klassischen  Schrift  „De  Guajaci  medicina 
et  morbo  Gaüica  liber  unus"  nach  eigenen  Erfahrungen  eine  eingehende 
Beschreibung  der  syphilitischen  Affektionen  und  hält  der  Kur  mit  dem 
Guajakholz  eine  begeisterte  Lobrede.  Über  die  Heilkraft  des  Guajak, 
das  1508  aus  Amerika  nach  Spanien  gekommen  war,  hatte  Nicolaus  Poll 
zuerst  geschrieben. 

—  Der  Nürnberger  Uhrmacher  Johann  Kltffut  („Kuhfuß")  erfindet  (oder  ver- 
bessert) das  Radschloß  für  Feuergewehre,  bei  welchem  die  Zündung  da- 
durch erfolgt,  daß  ein  in  Drehspannimg  versetztes,  beim  Abdrücken  rasch 
rotierendes  Stahlrad  an  einem  Stück  Feuerstein  Funken  bildet.  Durch 
das  Radschloß  wird  das  bis  dahin  gebräuchliche  Limtenschloß,  bei  wel- 
chem die  Ladung  durch  eine  in  den  Hahn  eingeklemmte  Lunte  entzündet 
wird,  allmählich  verdrängt.  Andererseits  tritt  an  die  Stelle  des  Rad- 
schlosses das  um  das  Jahr  1630  erfundene,  aus  dem  Schnapphahnschloß 
entstandene  Stein-  oder  Batterieschloß,  bei  dem  ein  in  den  Hahn  geklemmter 
Feuerstein  durch  seinen  Schlag  gegen  den  Pfannendeckel  Funken  erzeugt 
und  so  die  Pulverladung  in  Brand  setzt. 

—  Ein  von  Raffael  gemaltes  Porträt  des  Papstes  Lto  X.  zeigt,  daß  um  diese 
Zeit  die  Konkavgläser  für  Kurzsichtige  bereits  bekannt  sind,  da  der 
Papst  mit  einem  solchen  Glas  dargestellt  ist. 

1518  Jacopo  Btnncar  von  Carpl  gibt  auf  Grund  eigener  Beobachtungen  eine  ein- 
gehende Darstellung  der  menschlichen  Anatomie,  wobei  er  u.  a.  zuerst 
den  Blinddarm  und  die  Conjunctiva  beschreibt.  Er  erkennt  auch  zuerst 
die  Zusammensetzung  des  Beckens. 

—  Pierre  Briltat  tritt  mit  Entschiedenheit  für  den  Aderlaß  nach  altgriechi- 
scher Art   (Aderlaß   in  der  Nähe  der  Entzündung,    Derivation)    ein   und 

—      75     — 


1518 

kämpft  gegen  den  Aderlaß  an  entfernten  Stellen  (Reynlsion),  der  von 
Galen  und  den  Arabern  empfohlen  worden  war.  Er  trägt  durch  sein 
Wirken  wesentlich  zur  Befreiung  der  Medizin  von  den  scholastischen 
Fesseln  bei. 

1518  Leonardo  ia  Vinci  stellt  zuerst  ausgedehnte  Versuche  über  die  Reibung  an 
und  beschäftigt  sich  nicht  allein  mit  der  gleitenden  Reibiing,  sondern 
auch  mit  der  drehenden  (Zapfen-)  Reibung. 

—  Der  Rechenmeister  und  Bergbeamte  Adam  Riete,  dessen  Name  in  der 
Rechenkunst  jetzt  noch  sprichwörtlich  ist,  verfaßt  sein  Lehrbuch  „Rech- 
nung auff  der  Linihen",  sowie  später  (1550)  „Rechnung  nach  der  Lenge 
auff  der  Linichen  und  Feder". 

1519  Nachdem  bereits  Ponce  de  Leon  1613  den  Golfstrom  gekreuzt  hatte,  ohne 
ihn  zu  erkennen,  entdeckt  ihn  Francisco  de  Alamlnas,  der  Steuermann  des 
Cortez,  nahe  an  seiner  floridanischen  Enge  imd  nennt  ihn  Floridastrom. 
Den  Namen  Gol&trom  erhält  er  1772  durch  Benjamin  Franklin.  (S.  d.) 

1519 — 21  Fernando  Cortez  unternimmt  einen  Eroberungszug  nach  Mexiko,  der 
mit  der  gänzlichen  Unterwerfung  des  Aztekenreiches  endet.  Teils  persönlich, 
teils  durch  seine  Unterbefehlshaber  gUedert  er  dem  großen  neuspanischen 
Kolonialreich  Mexiko,  Guatemala  und  Honduras  an.  Er  gibt  die  Anregung 
zu  zwei  1530  und  1532  zur  Erkundung  Kaliforniens  unternommenen  See- 
fahrten. Der  erste  Europäer,  der  Mexiko  betreten  hat,  war  Juan  de 
Grisalva  1518. 

1519  Die  Spanier  finden  den  Gebrauch  des  Kakaos  bei  den  Mexikanern  vor  und 
bringen  das  Jahr  darauf  den  ersten  Kakao  nach  Europa. 

1520  Der  portugiesische  Missionar  Francisco  Alvarez  bereist  Abessinien  und  gibt 
die  ersten  ausführlichen  Berichte  über  dieses  Land. 

—  Joäo  de  Castro  soll  den  ersten  Orangenbaum  nach  Portugal  gebracht  haben, 
von  wo  er  sich  weiter  über  Europa  verbreitet.  Den  Griechen  und  Römern 
war  nur  die  bittere  Orange  bekannt,  während  die  veredelte  und  eßbare 
durch  künstliche  Zucht  in  China  entstanden  zu  sein  scheint. 

—  Girolamo  Fracatloro  leitet  mit  seiner  Schrift  „De  morbis  contagiosis"  eine 
neue  Periode  in  der  Epidemiographie  ein.  Er  ist  der  Urheber  der  Be- 
zeichnung „Syphilis**  für  die  bis  dahin  als  „Lues  venerea**  bezeichnete 
Krankheit. 

—  Femäo  de  Mafaihäet  entdeckt  die  Magalhäesstraße  sowie  die  Ladronen  und 
erreicht  am  16.  März  1521  die  Phiüppinen,  womit  der  unmittelbare  Beweis, 
daß  die  Erde  rund  ist,  erbracht  ist.  Nach  seinem  am  27.  April  1521  auf  der 
Insel  Matan  erfolgten  Tode  fahren  zwei  Schiffe  des  Geschwaders  weiter 
und  erreichen  nach  Entdeckung  von  Bomeo  die  Molukken.  Von  hier  tritt 
die  allein  noch  seetüchtige  Viktoria,  geführt  von  Sebastiano  d*Elcano,  die 
Heimfahrt  an  und  erreicht  am  6.  September  1522  die  Heimat  wieder. 
(Erste  Erdumsegelung.) 

—  Theophrastus  Paraeelsut  bezeichnet  zuerst  mit  Bestimmtheit  das  Zink  als 
ein  eigentümliches  Metall. 

—  Theophrastus  Paraeelsiit  unterscheidet  zuerst  den  Alaun  von  dem  Eisen- 
vitriol nach  der  darin  enthaltenen  Basis.  Er  lehrt  bereits  die  Bestimmung 
des  Eisengehalts  im  Wasser  durch  Gallussäure. 

—  Der  Astronom  Johann  Schdner  in  Nürnberg  stellt  einen  Erdglobus  her,  bei 
welchem  Nordamerika  und  Südamerika  als  zwei  durch  eine  Meeresstraße 
voneinander  getrennte  Inseln  dargestellt  sind.  Auf  seinem  Globus  vom 
Jahre  1533  sind  die  beiden  Stücke  vereinigt.  Dagegen  ist  das  ganze 
Amerika  als  ein  großer  halbinselartiger  Ansatz  dem  asiatischen  Kontinente 
angehängt. 

—     76     — 


1526 

1522  Albrecht  Dllrtr,  und  etwa  gleichzeitig  Vinzenz  Röckntr,  Hofsekretär  des 
Kaisers  Maximilian  I.,  sowie  Johann  Georg  Ntudörfir  in  Nürnberg,  der 
Begründer  der  deutschen  Kalligraphie,  führen  die  Frakturschrift,  d.  i.  die 
sogenannte  „deutsche"  Druckschrift  (im  Gregensatz  zum  „lateinischen" 
oder  Antiqua-Druck  [s.  1471  Jenson,  und  1495  Manutius])  in  den  Buch- 
druck ein.     (VgL  auch  1760  Breitkopf.) 

—  Der  Nürnberger  Astronom  Johann  WMiitr  legt  ein  meteorologisches  Beob- 
achtungsbuch an,  in  dem  er  regelmäßige  Notizen  über  den  jeweiligen 
Stand  der  Witterung  gibt. 

1523  Alonzo  Alvarez  4t  PIntdo  dringt  tief  in  das  Delta  des  Mississippi  ein,  den 
er  „Fluß  des  heiligen  Greistes"  nennt  und  der  von  Hemando  de  Soto  ge- 
nauer erforscht  wird.    (Vgl.  1539.) 

1524  Adam  RItM  (s.  1518)  versieht  das  bis  dahin  in  der  Arithmetik  als  Wurzel- 
zeichen dienende  Viereck  rechts  oben  mit  einem  schrägen  Haken,  und 
wird  so  der  Urheber  des  noch  heute  gebräuchlichen  Wurzelzeichens.  (Vgl. 
•auch  1460  Alkalsädi.) 

—  Giovanni  4a  Vtrraziano  entdeckt  die  Mündung  des  Hudsonstromes  und 
gelangt  zuerst  nach  Rhode  Island,  der  Narrangasettbai  und  nach  Neu- 
Fimdland. 

1525  Albrecht  Dflrtr  entwickelt  in  seinem  Werke  „Underweysung  der  messung 
mit  dem  zirkel  und  richtscheyt  in  linien,  ebnen  vnd  gantzen  corporen" 
in  exakter  Weise  die  Kegeln  der  Perspektive.  Er  erwähnt  daselbst  auch 
die  Epizykloide. 

—  Jean  FtriMl  ermittelt  die  Größe  eines  Meridiangrades  der  Erde,  indem  er 
den  Breitenunterschied  zwischen  Paris  und  Amiens  astronomisch  bestimmt 
und  die  Entfernung  beider  Orte  vermittels  des  Meßrades  mißt.  Er  er- 
hält, durch  den  Zufall  begünstigt,  den  nahezu  richtigen  Wert  von  56746 
Toisen,  was  einem  Erdumfange  von  fast  genau  40000  km  entspricht. 
(Vgl.  auch  220  v.  Chr.) 

—  Lopez  4e  Qomani  gibt  die  erste  Beschreibung  der  in  Mexiko  schon  lange 
vor  der  Entdeckung  Amerikas  durch  die  Eingeborenen  benutzten  und 
gezüchteten  CocheniUe.  Er  hält  die  Cochenille  noch  für  ein  vegetabilisches 
Produkt;  erst  der  Holländer  Ruy scher  beseitigt  in  seinen  Berichten  aus 
Mexiko  1729  diese  irrtümliche  Ansicht  und  legt  dar,  daß  dieser  Farb- 
stoff aus  den  getöteten  und  getrockneten  Weibchen  einer  Schildlausart, 
Coccus  cacti,  bestehe. 

—  Der  Apotheker  Felipe  Gulllen  in  Sevilla  konstruiert  ein  sonnenuhrartiges 
Instrument  mit  Magnetnadel  (Brujula  de  variaciön)  zur  Bestimmimg  der 
Deklination  auf  dem  Meere,  das  1537  durch  Pedro  Nunez  noch  wesent- 
liche Verbesserungen  erfährt. 

^  Pierre  Haulilii  in  Paris  verbessert  den  Musiknotendruck,  indem  er  an  Stelle 
des  doppelten  Druckverfahrens  (s.  1476  Hahn,  1498  Petrucci)  den  ein- 
fachen Typendruck  einführt,  bei  welchem  jede  Type  eine  Note  nebst 
einem  Stücke  des  Liniensystems  enthält. 

—  Gonzalo  Hemandez  Oviedo  4t  Vallet  erwähnt  zuerst  in  seiner  Geschichte 
von  Amerika  den  Orleanbaum  unter  den  Namen  Bixa.  Ais  offizineUes 
Mittel  wird  der  Orlean  erst  um  1650  eingeführt,  dagegen  dient  er  schon 
früh  zum  Färben  der  Wolle  imd  Seide,  der  Butter,  des  Käse  und  der  Seifen. 

1526  Blaekadder  erfindet  das  Nachtlicht,  das  aus  einem  Glas-  oder  Messingschäl- 
eben besteht,  durch  dessen  tiefsten  Punkt  eine  in  einem  Stöpsel  befestigte 
kurze  feine  Glasröhre  hindurchgeht.  Setzt  man  das  Schälchen  auf  öl,  so 
steigt  dieses  in  der  Röhre  wie  in  einem  Dochte  infolge  Capillarwirkung  in 
die  Höhe,  läßt  sich  oben  entzünden  und  zum  selbständigen  Fortbrennen 
bringen. 

—     77     — 


1586 

1526  Der  Brauer  Kurt  Brolhan  (Broyhan)  in  Stöcken  bei  Hannover  erfindet  das 
nach  ihm  benannte  Bier,  angeblich  als  Ergebnis  eines  Fehlversuchs, 
Weizenbier  nach  englisch -hamburgischer  Art  in  Hannover  nachzubrauen. 
Aus  dem  „Broihan'*  entwickelt  sich  gegen  das  Ende  des  16.  Jahrhunderts 
das  Berliner  Weißbier. 

—  Benvenuto  Mllnl  leistet  Hervorragendes  in  der  aus  dem  Altertum  stam- 
menden, durch  ihn  aber  zur  höchsten  Blüte  entwickelten  Glyptik,  d.  i.  der 
Kirnst,  aus  Schmiedeeisen  oder  Stahl  Verzierungen  und  Figuren  mit 
Meißel  und  Grabstichel  herauszuarbeiten. 

—  Jorge  <•  Mmimm  entdeckt  Neuguinea,  und  benennt  die  Insel  nach  den 
Bewohnern  „Papua".  Den  jetzigen  Namen  empfängt  sie  von  dem  Spanier 
de  Ortiz  wegen  ihrer  vermeintlichen  Ähnlichkeit  mit  der  afrikanischen 
Guineaküste. 

—  Theophrastus  Paraceltat  betrachtet  die  Krankheit  nicht,  wie  Galen,  als  die 
Folge  einer  Mischungsänderung,  sondern  als  einen  von  der  Norm  ab- 
weichenden Lebensvorgang.  Er  schafft  durch  Einführung  der  eigentlichen 
Chemikalien  in  die  Therapeutik  für  die  Arzneimittellehre  eine  ganz  neue 
Aera.  Er  setzt  den  Wert  des  äußerlichen  Gebrauchs  von  Quecksilber 
bei  Syphilis  (s.  1500  Berengar  von  Carpi)  in  das  richtige  Licht  und  wendet 
unter  anderem  Bleipräparate,  spießglanzh altige  Arzneien,  Schwefelmilch, 
Kupfervitriol  und  Eisenpräparate  zuerst  als  Heilmittel  an. 

—  Das  neutrale  weinsteinsaure  Kali  (Weinstein)  ist  vermutlich  zuerst  durch 
Theophrastus  Paracalsut  dargestellt  worden;  dahin  deutet  vor  allem  seine 
frühere  Bezeichnung  als  Samech  Paracelsi.  Das  saure  weinsteinsaure  Kali 
war  bei  den  Griechen  als  Tqv^  otvovy  bei  den  Römern  als  Faex  vini  bekannt. 
Auch  stellt  Paracelsus  durch  Erhitzen  von  weißem  Arsenik  mit  Salpeter- 
säure Arseniksäure  dar  und  wendet  dieselbe  als  „Arsenicum  fixum"  arznei- 
lich an. 

—  Nachdem  schon  Isaac  Hollandus  im  14.  Jahrhundert  Vorschriften  zur  Herstel- 
lung von  schwefelsaurem  Kali  gegeben  hatte,  wendet  Theophrastus  Parwtltiis 
dieses  Salz  zuerst  arzneilich  an.  In  der  Folge  wird  dasselbe  mit  dem 
Namen  „Specificum  purgans  Paracelsi"  belegt. 

—  Theophrastus  Paractitvt  nimmt  zuerst  das  Dampfbad  in  Gebrauch,  das  um 
1600  von  Johann  Costaeus  zur  Destillation  der  feineren  aromatischen 
Wässer  empfohlen  wird. 

—  Christoff  RudoNI  von  Jauer  gibt  ein  epochemachendes  Rechenbuch  heraus, 
welches  das  Vorbild  für  alle  späteren  Rechenbücher  ist.  Das  von  Riese  ein- 
geführte Wurzelzeichen  (s.  1524)  bildet  er  in  der  Weise  weiter  aus,  daß  er 
mit  einem  einfachen  Haken  an  dem  Viereck  die  Quadratwurzel,  mit  einem 
zweifachen  Haken  die  vierte,  mit  einem  dreifachen  die  dritte  Wurzel  be- 
zeichnet. Die  Beifügung  einer  Potenzzahl  zum  Wurzelzeichen  stammt 
von  Michael  Stifel. 

1^27  Der  Italiener  Mlehtll  in  Verona  macht  im  Hinblick  auf  den  ausgedehnteren 
Gebrauch  der  Pulvergeschütze  Vorschläge  für  eine  Umgestaltung  der  per- 
manenten Befestigungen.     (Sog.  altitalienische  Befestigung.) 

<—      Alvarado  ät  SnvMlni  entdeckt  die  Sandwichinseln. 

1528  Alvarado  ito  SMVtdra  entdeckt  die  Karolinen  und  im  folgenden  Jahre  die 
Marshallinseln,  die  1788  von  Gilbert  und  Marshall  wieder  aufgefunden  werden 
und  von  diesen  ihren  Namen  erhalten. 

1529  Btitrru  und  Qrljalva  entdecken  Kalifornien. 

1530  Otto  BranfMt  veröffentlicht  ein  Kräuterbueh  mit  von  Künstlerhand  nach 
der  Natur  entworfenen  naturgetreuen  Bildern. 

—  Hans  Ballnumn  in  Nürnberg  soll  angeblich  das  Kombinationsschloß  ohne 
Schlüssel   (Vorlegeschloß)   erfunden  haben,  welches  1557  von  Hieronymus 

—     78     — 


1585 

Cardanus  eingehend  beBchrieben  wird.  Vielfach  wird  diese  Erfindung  auch 
dem  Nürnberger  Meister  Hans  ENhmmh  zugeschrieben,  der  um  die  gleiche 
Zeit  wie  Hans  BuUmann  wirkte. 

1530  Girolamo  Flracattoro  spricht  zuerst  vom  magnetischen  Pol  der  Erde.  (Vgl. 
1588  Sanuto.) 

—  Der  Bildschnitzer  Johann  JOrftm  in  Wattenbüttel  bei  Braunschweig  führt 
die  Tretvorrichtung  am  Spinnrad  ein,  das  bis  dahin  mit  der  Hand  ge- 
dreht wurde. 

—  Johannes  RMHIiit  gibt  dem  Spinat,  der  vermutlich  von  den  Arabern  in 
Spanien  eingeführt  wurde  und  der  sich  erst  von  dort  nach  den  anderen  euro- 
päischen Ländern  verbreitete,  dieses  Ursprungs  wegen  den  Namen  „Olus 
hispanicum*'.     In  England  wird  er  1668  von  Sweet  eingeführt. 

1531  Peter  ApIaMUt  erkennt,  daß  die  Schweifachse  der  Kometen  vom  Sonnen- 
kdrper  abgekehrt  erscheint.  Er  ist  der  erste,  der  vorschlägt,  zur  Beob- 
achtung von  Sonnenfinsternissen  Blendgläser  zu  verwenden  und  verbessert 
die  Planisphären  und  Quadranten. 

1532  Wie  Penzig  in  seinen  Beiträgen  zur  Geschichte  der  Botanik  berichtet, 
werden  in  Rom  zwei  Herbarien  des  Gherardo  Clbo  aufbewahrt,  die  1442 
Pflanzenarten  enthalten  und  als  die  ersten  Herbarien  zu  betrachten  sind. 
Somit  ist  weder  Luca  Ghini,  der  1540  getrocknete  und  aufgeleimte  Pflanzen 
an  Matthiolus  sendet,  noch  auch  John  Falconer,  der  1545  eine  große 
Sammlung  von  getrockneten  Wurzeln,  Kräutern  und  Früchten,  die  in  der 
Medizin  benutzt  werden,  anlegt,  der  Erfinder  des  Herbariums.  Herbarien 
im  heutigen  Sinn,  das  sind  Sammlungen  gepreßter  Pflanzen,  kommen 
erst  im  17.  Jahrhundert  auf. 

—  Eobanus  HaiMt  erwähnt  bei  Beschreibung  der  Nürnberger  Eisenmühle, 
daß  „durch  das  Gewicht  der  sich  drehenden  Räder  das  Eisen  mit  Kraft 
gestreckt  werde'*  und  erwähnt  auch  die  Werkzeuge,  mit  denen  das  Schwarz- 
blech  geschnitten  wird.  Es  ist  dies  die  älteste  Beschreibung  eines  Walz- 
werks mit  Streck-  und  Schneidewerk. 

—  Die  ersten  gesetzlichen  Bestimmungen  über  Zuziehung  von  Ärzten  zur 
Ermittelung  des  Tatbestandes  bei  Tötungen,  Verletzungen  usw.  finden  sich 
in  der  peinlichen  Halsgerichtsordnung  des  Kaisers  Karl  V.  (der  sogenannten 
Carolina). 

1532—34  Francisco  Pliarro,  der  i.  J.  1529  zum  Statthalter  des  von  Spanien  be- 
anspruchten, aber  bis  dahin  noch  nicht  unterworfenen  Peru  ernannt  worden 
war,  schifft  sich  1531  dahin  ein  und  nimmt  1532  bis  1534  von  dem  ganzen 
Gebiete  Besitz.     Er  gründet  Lima  als  zukünftige  Hauptstadt  des  Landes. 

1533  Huomfiis  tritt  als  erster  Lehrer  der  Arzneimittellehre  in  Padua  auf. 

1534  Jean  Ftmtl  bekämpft  den  Galemsmus  und  das  scholastische  Treiben  und 
verlangt,  daß  man  sich  nicht  auf  Autoritäten,  sondern  nur  auf  die  Natur 
und  auf  Beobachtungen  stützen  solle.  Er  tritt  mit  scharfer  Kritik  gegen 
die  überhandnehmende  Uroskopie  auf,  bei  der  der  Arzt  seine  Diagnose  oft 
aufstellte,  ohne  den  Kranken  zu  sehen.  Er  schildert  in  durchaus  zutreffen- 
der und  sdbst  vom  heutigen  Standpunkt  noch  richtiger  Weise  das  Wesen 
der  Syphilis. 

—  F.  Fltzhfrbift  verfaßt  „The  book  of  husbandry*',  das  erste  englische  Werk 
über  Landwirtschaft. 

534 — 36  Cabe^a   40  Vaca  durchquert    den  amerikanischen  Kontinent  von  Texas 

bis  zum  Golf  von  Kalifornien. 
535    Diego  tft  AlliMgre  durchzieht  das  Hochland  von  Chile. 

—  Jacques  Gartitr,  der  1534  den  St.  Lorenzgolf  befahren  hat,  ent- 
deckt den  St.  Lorenzstrom,  auf  dem  er  bis  zu  einer  Indianeransiedelung. 
der  er   den   Namen   Mont   Royal   (jetzt   Montreal)   gibt,  hinauffährt  und 

—      79     — 


-'j 


1585 

sucht  in  den  Jahren  bis  1544  wiederholt  die  für  die  französische  Koloni- 
sation ausersehene  Landschaft  Canada  auf.  Er  gibt  die  erste  Kunde  von 
dem  Vorhandensein  des  großen  Seenkomplexes.  (S.  1635  C.) 

1535  Der  französische  Seefahrer  Jean  Fonttneau  aus  Saintonge  verbessert  das 
Hochsee -Segelschiff  in  mehrfacher  Beziehung.  Er  ist  der  Erfinder  der 
Bramstenge. 

—  Die  erste  Erwähnung  der  Anana«  geschieht  durch  Petrus  Martyr  (i.  J.  1514), 
der  die  Frucht  mit  einem  Tannenzapfen  vergleicht,  aber  noch  keinen 
Namen  für  sie  hat.  Die  erste  eingehende  Beschreibung,  Benennung  und 
Abbildung  gibt  Gonzalo  Hernandez  d«  Ovitdo  y  Vakfas  in  seiner  „Allge- 
gemeinen  Geschichte  Indiens". 

1536  Gonzalo  Hernandez  de  Ovitdo  y  VaMas  erwähnt  zuerst  in  seiner  „Allgemeinen 
Geschichte  Indiens,  Band  V,  Kap.  II,  S.  165'*  den  Kautschuk  als  Material 
der  bei  dem  Batosspiel  der  Inder  benutzten  Bälle.  Der  Name  „Gummi*' 
kommt  zuerst  in  der  gegen  1580  erscheinenden  „Allgemeinen  Geschichte 
der  Reisen  und  Eroberungen  der  Kastilianer"  von  Antonio  de  Herrera 
Tordesillas  vor. 

—  Ambroise  Part  führt  die  erste  Exartikulation  im  Ellenbogengelenk  aus, 
die  135  Jahre  später  von  Christoph  Ramphtun  zum  zweiten  Male  vor- 
genommen wird. 

1537  Der  Mathematiker  Niccolo  Fontana,  genannt  Tartacliat  gibt  in  seinen 
Schriften  „Della  nuova  scienza"  und  „Quesiti  et  inventioni  diverse*'  ein- 
gehende Berechnungen  der  Flugbahn  der  Geschosse  (Schußtafeln).  Ent- 
gegen der  damaligen  Meinung,  daß  die  Geschoßbahn  aus  2  geradlinigen, 
durch  eine  Scheitelkurve  verbundenen  Ästen  bestehe,  nimmt  er  eine  kreis- 
bogenförmige Flugbahn  an.  (Vgl.  1602  Galilei.)  Die  größten  Schußweiten 
werden  nach  seiner  Angabe  bei  einer  Erhöhung  des  Rohres  von  45^  erreicht. 

1538  Joäo  de  Castro  macht  die  erste  größere  Reihe  von  Dekhnationsbestimmungen 
mit  dem  von  Nufiez  verbesserten  Guillen 'sehen  Instrument  und  entdeckt 
den  Gesteinsmagnetismus  an  frei  und  hoch  gelegenen  Felsen  der  Ilha  de 
Chaul  bei  Bombay. 

1539  Der  Kanonikus  Afranlo  defll  AlboiiMi  zu  Ferrara  stellt  aus  dem  Bomhart, 
einem  Holzblasinstrumente  von  unförmlicher  Länge,  ein  handlicheres 
Instrument,  das  Fagott  —  im  16.  und  17.  Jahrhundert  auch  Dolcian 
genannt  —  her. 

—  Robert  Broka,  ein  Sekretär  Heinrich  VIII.  von  England,  erfindet  die  Her- 
stellung gegossener  Bleiröhren  für  Wasserleitungen.   (Vgl.  97  Frontinus.) 

—  Nachdem  sich  schon  Bhafikara  (1150),  Paciolus  (1487),  Buckley  (1530)  und 
Tartaglia  (1534)  mit  der  Lehre  von  den  Kombinationen  und  Permutationen 
beschäftigt  hatten,  tritt  namentlich  Hieronymus  Cardanus  der  Lösung  von 
Wahrscheinlichkeitsproblemen  näher.  (Vgl.  seine  Schrift  „Practica  Arith- 
meticae  et  mensurandi  generalis'*.)  Er  erörtert  das  einen  Streit  zwischen 
zwei  Schülern  behandelnde,  später  als  „Petersburger  Aufgabe"  bezeichnete 
Problem  und  berechnet  die  Gesamtzahl  aller  Kombinationen  aus  n  Ele- 
menten zu  allen  möglichen  Klassen  von  der  ersten  bis  zur  n-ten  auf  2« — 1. 
Er  zeigt,  wie  man  ein  behebiges  Ghed  einer  arithmetischen  Reihe  bilden 
kann,  ohne  die  dazwischen  hegenden  Glieder  zu  berechnen. 

—  Alessandro  Pieeokmiiiil  veröffentlicht  die  erste  Sternkarte. 

—  Der  Astronom  Rhaatlcut  (eigenthch  Georg  Joachim  von  Lauchen)  gibt  die 
erste  Anweisimg,  die  Kompaßnadel  durch  Streichen  zu  magnetisieren. 

1539—41  Hemando  dt  Sota  erforscht  den  Südosten  der  Vereinigten  Staaten  und 
das  Gebiet  des  Mississippi. 

1540  Antonio  Banivlani  führt  mit  bestem  Erfolg  die  Resektion  eines  großen 
Teils  des  Unterschenkelknochens  ohne  Narkose  aus. 

—     80     — 


1540 

lüO  Tanuocio  BIriiMCCto  aus  Siena  lehrt  in  seiner  „Pirotechnia"  die  Ileretellung 
T<m  Modellen  und  Gußformen  für  den  Geschützguß,  das  Bohren  der  Ge- 
gehütce,  die  Lafettierung  derselben  und  den  Guß  der  eisernen  Kugeln, 
sowie  den  Glockenguß  in  der  heute  noch  üblichen  Art.  Zur  Anfertigung 
der  Formen  bedient  er  sich  ausschließlich  des  Lehms. 

—  Yanaccio  BIriiMCCto  sagt  in  seiner  „Pirotechnia'*,  daß  Legierungen  aus 
Kupfer  and  Zinn  mit  dem  Namen  „Bronzo*'  bezeichnet  werden,  ohne 
jedoeh  eine  Begründung  dieser  Benennung  zu  geben,  die  kurz  vorher  ein- 
geföhrt  zu  sein  scheint.  Bis  dahin  war  nach  dem  Vorgang  der  Alten  die 
BionjEe  als  „Erz"  bezeichnet  worden. 

—  Vannccio  Blrltuccto  beschreibt  die  Entsilberung  von  Schwarzkupfer  durch 
den  Saigerprozeß.  Das  Verfahren  stammt  wahrscheinlich  aus  dem  12.  Jahr- 
hundert und  setzt  sich  aus  folgenden  Operationen  zusammen:  1.  Frischen 
(Zusammenschmelzen)  des  silberhaltigen  Kupfers  mit  Blei,  2.  Saigem  auf 
dem  Saigerherd,  wobei  silberhaltiges  Blei  mit  einem  Kupfergehalt  von 
2 — 3  Prozent  ausfließt,  3.  Darren,  d.  i  weiteres  Erhitzen  unter  Luftzutritt, 
wobei  ein  stark  silberhaltiges  Gemenge  von  Bleioxyd  und  Kupferoxydul 
erhalten  wird,  und  4.  Verarbeitung  des  Gemenges,  der  sog.  Darrlinse  auf 
Handelskupfer. 

—  Vannccio  BMi^accio  gibt  eine  genaue  Beschreibung  des  technischen  Vor- 
ganges bei  der  Holzverkohlung,  von  der  er  zwei  Arten,  die  in  Meilern  und 
die  in  Gräben,  unterscheidet.  Auch  gibt  er  eine  Beschreibimg  des  damals 
üblichen  Stahlfrischprozesses. 

—  HieronymuB  Garianut  macht  die  ersten  Versuche,  das  Gewicht  der  Luft  zu 
bestimmen. 

—  Valerius  €€fftfM  entdeckt  den  Schwefeläther  (Äthyläther)  bei  Behandlung 
von  Weingeist  mit  Vitriolöl  und  beschreibt  denselben  unter  dem  Namen 
„Oleum  dulce  vitrioli".  Er  erklärt  zuerst  die  Entstehung  der  Braunkohle 
und  Steinkohle  aus  Pflanzen. 

~  Der  Bitterklee  (Menyanthes  trifoliata)  taucht  als  Heilmittel  zuerst  im 
Mittelalter  auf.    Näher  beschrieben  wird  er  zuerst  von  Valerius  Cortlut. 

1340—43  Francesco  ät  Ooronaio  erforscht  den  Südwesten  der  Vereinigten  Staaten 
bis  zu  den  heutigen  Staaten  Kansas  imd  Arkansas. 

1540  Philibert  Dttomt,  Architekt  in  Paris,  erfindet  das  Bohlendach,  eine  neue 
Art  des  Dachgerüsts. 

—  Conrad  QttMr  führt  die  Belladonna,  die,  wie  es  scheint,  Dioskorides  und 
Oribasius  schon  gegen  Krebsgeschwülste  ven^'endet  hatten,  wieder  in  den 
Arzneischatz  ein,  und  zwar  als  schmerzstillendes  Mittel  bei  Ruhr. 

—  Georg  Hartaunn  in  Nürnberg  erfindet  den  Kaliberstab  (Kalibermaßstab), 
ein  zirkelartiges  Instrument  zur  einfachen  Ermittelung  des  Verhältnisses 
zwischen  dem  Durchmesser  imd  dem  Gewichte  der  steinernen,  eisernen 
und  bleiernen  Rundgeschosse.  Durch  den  Kaliberstab,  der  sich  in  fast 
allen  deutschen  Artillerien  einführt,  wird  das  Nürnberger  Maß  und  Gewicht 
weit  verbreitet.  Die  Erfindung  wird  oft,  jedoch  mit  Unrecht,  dem  Tar- 
taglia  zugeschrieben. 

—  Peter  Andreas  Matthloliit  wendet  zuerst  das  Quecksilber  in  der  Medizin 
innerlich,  und  zwar  bei  Syphihs  an. 

—  Bemard  Pallny  entdeckt  die  Kunst,  farbige  Emails  auf  Tonwaren  anzu- 
bringen und  stellt  die  nach  ihm  benannten  hoch  reliefierten  Fayencen  her. 

—  Ambroise  Part  macht  die  ersten  ausführlichen  Mitteilungen  über  die  zuerst 
von  ParaceLsus  beobachtete  Erblichkeit  der  Syphilis,  über  die  später  Maxi- 
milian Stoll,  Nils  Rosen  von  Rosenstein  und  Joseph  Jacob  von  Plenck, 
sowie  insbesondere  Antonio  Ribeiro  Nunez  Sanchez  eingehende  Unter- 
suchungen anstellen. 

Darmstaedter.  ^ 

—     81     — 


1540 

1540  Giovanni  Ventura  Rotttti  publiziert  das  erste  Kompendium  über  die  Färbe - 
kunst  unter  dem  Titel  ,,Plieto  dell*  arte  de*  tentori".  Das  Buch  ist  da- 
durch bemerkenswert,  daß  es  ein  Urteil  über  den  Zustand  der  Färberei  in 
Europa  vor  ihrer  Neugestaltung  durch  Einfuhr  amerikanischer  Farbstoffe 
gestattet. 

—  Der  Glasmacher  Christoph  SchQrtr  in  Neudeck  erhält  durch  Zusatz  von 
geröstetem  Kobalterz  zur  Glasmasse  das  blaue  Kobaltglas.  Dieses  geröstete 
Kobalterz,  das  aus  wechselnden  Mengen  von  Kobaltoxydul  und  Kobalt- 
oxyduloxyd, zum  Teil  mit  anderen  Metallen  gemengt,  besteht,  wird  Zaffer, 
Saflor  oder  Kobaltsaflor  genannt.  Das  gemahlene  Kobaltglas  kommt  unter 
dem  Namen  Smalte  in  den  Handel  und  wird  späterhin  zum  Blauen  des 
Papiers  und  der  weißen  Zeuge  benutzt. 

—  Nachdem  Mondino  de  Luzzi  1315  die  erste  Andeutung  gemacht  hatte,  daß 
das  Blut  vom  Herzen  nach  den  Lungen  geschickt  werde,  spricht  Miguel 
Sirvfto  zuerst  bestimmt  aus,  daß  das  Blut  durch  einen  merkwürdigen 
Kunstgriff  (magno  artificio)  von  der  rechten  Herzkammer  auf  einem  Um- 
weg durch  die  Lunge  geführt  und  von  der  Vena  arteriosa  in  die  Arteria 
venosa  geleitet  wird  (kleiner  Blutkreislauf).  Realdo  Colombo  bestätigt 
dies  ausdrücklich  im  Jahre  1559. 

1541  Francisco  (to  Orellana  befährt  den  ganzen  Amazonenstrom  von  Ekuador  aus. 
(S.  a.  1499.) 

—  Die  Türken  sind  unter  den  Völkern  Europas  dasjenige,  das  seit  dem  Alter- 
tum zuerst  wieder  von  der  Einrichtung  der  Taubenpost  Gebrauch  macht. 
So  läßt  der  Sultan  Sollman  zwischen  Konstantinopel  und  dem  von  ihm  er- 
oberten Ofen  eine  Taubenpost  einrichten.     (Vgl.  auch  300  und  1167.) 

1542  Leonhard  Fuchs  macht  in  seiner  „Historia  stirpium'*  den  ersten  Versuch 
einer  botanischen  Nomenklatur. 

—  Der  Portugiese  Mendez  Pinto  erreicht  Japan,  über  das  bald  die  Missionare 
weitere  Nachrichten  geben. 

1543  Blasco  de  Qaray  führt  dem  Kaiser  Karl  V.  im  Hafen  von  Barcelona  ein 
Schiff  vor,  das  sich  ohne  Segel  bewegt.  Mißverständliche  Berichte,  in 
denen  von  „einem  großen  Kessel  mit  siedendem  Wasser*'  die  Rede  ist, 
haben  dahin  geführt,  daß  dieses  Schiff  lange  Zeit  hindurch  als  der  erste 
Fall  einer  Verwendung  der  Dampfkraft  zur  See  angesehen  worden  ist. 
Neuere  Forschungen,  und  namentlich  auch  die  aufgefundenen  Original- 
berichte Garay's,  lassen  keinen  Zweifel,  daß  hier  lediglich  eine  Schaufebad- 
konstruktion  im  Sinne  der  Vorschläge  von  Kyeser  (s.  1405)  und  Valturins 
(s.  1472)  vorliegt. 

—  Die  Stadt  BunzlM  richtet  eine  Kanalisationsanlage  mit  Rieselfeldern  ein. 

—  Nikolaus  Kopernikm  lehrt,  daß  die  Sonne  den  Mittelpunkt  des  Planeten- 
systems bildet,  um  den  sich  die  Erde  mit  den  andern  Planeten  dreht. 
Kopernikus  hat  seine  neue  kosmische  Lehre  bereits  um  das  Jahr  1507  auf- 
gestellt. Eine  Verbreitung  erfolgt  zunächst  nur  mündlich  und  handschrift- 
lich. Die  Drucklegung  des  Werkes  „De  revolutionibus  orbium  coelestium" 
erfolgt  erst  unmittelbar  vor  Kopernikus'  Tode. 

—  Nikolaus  Koptrnlkut  findet  die  Ursache  der  von  Hipparch  entdeckten 
Präzession  in  der  Anziehung,  die  Sonne,  Mond  und  Planeten  auf  das  an 
den  Polen  abgeplattete  Erdsphäroid  ausüben. 

—  Andreas  VtHÜlut  begründet  durch  sein  großes  Werk  „De  humani  corporis 
fabrica",  das  herrliche  Zeichnungen  von  Tizian  und  Johann  von  Calcar 
enthält,  die  neuere  menschliche  Anatomie.  Nur  der  eigenen  Beobachtung 
vertrauend,  liefert  er  die  erste,  fast  durchaus  zuverlässige,  systematische 
Anatomie,    die   zugleich    zahllose    neue   Angaben    enthält.     Insbesondere 

—     82     — 


1545 

wendet  er  sich  gegen  die  Lehre  Galen's,  daß  die  Herzscheidewand  für  das 
Blut  durchlässig  sei. 
'A3  Andreas  VMallut  beschreibt  in  seinem  vorgenannten  Werke  u.  a.  den  Vorhof 
des  Labyrinths,  die  Kiefer-,  die  Stirn-  und  die  Keilbeinhöhle,  die  Grelenk- 
manisken  von  Unterkiefer,  Hand  und  Kinn,  und  den  langen  Fortsatz 
des  Gaumens  und  gibt  eine  gute  Schilderung  des  anatomischen  Baues  des 
Auges. 

—  Andreas  VMalliis  liefert  als  erster  eine  genaue  Darstellung  der  mensch- 
lichen Beckenhöhle,  ihrer  Knochen,  Bänder  usw.,  und  demonstriert  zuerst 
die  anatomische  Unmöglichkeit  eines  Auseinanderweichens  in  der  Scham - 
beinverbindung  während  des  Geburtsaktes.  Er  beobachtet  zuerst  vorzeitige 
Atembewegungen  am  Säugetierfötus. 

»44  Oronce  Finte  erfindet  die  Methode,  die  geographische  Länge  durch  Bestim- 
mung der  Rektaszension  des  Mondes  in  seiner  Kulmination  zu  bestimmen. 

—  Die  Herstellung  gußeiserner  Gegenstände  beschränkte  sich  im  Mittelalter 
zunächst  auf  die  Verfertigung  der  Kanonenkugeln.  In  größerem  Umfange 
und  zur  Herstellung  von  Geräten  verschiedener  Art  soll  das  Gußeisen 
zuerst  von  den  Engländern  Ralph  Nagt  und  Peter  Bowdt  i.  J.  1544  ver- 
wendet worden  sein. 

—  Georg  Harfnianii  entdeckt  die  Neigung  der  Magnetnadel  gegen  den  Horizont 
(Inklination),  ohne  jedoch  Messungen  auszuführen.  (S.  seinen  Briefwechsel 
mit  dem  Herzog  Albrecht  von  Preußen.  —  Vgl.  auch  1576  Norman.) 

»  Sebastian  MQnstir,  Professor  in  Basel,  gibt  die  „Cosmographia  universalis'* 
heraus,  deren  26  neue  Karten  mit  den  WaldseemüUer^schen  „Tabulae 
modemae**  (s.  1513)  die  Grundlage  und  den  Ausgangspunkt  des  deutschen 
Kartenwesens  bilden.  Er  ist  der  erste,  der  nach  Strabo  der  Gletscher 
wieder  Erwähnung  tut. 

*  Der  Augustinermönch  Michael  Stfffal  (sein  Hauptwerk  ist  die  „Arithmetica 
integra'*)  gibt  der  Algebra  mittels  planmäßiger  Durchführung  der  Zeichen- 
sprache diejenige  Gestalt,  die  seitdem  fast  unverändert  dafür  beibehalten 
worden  ist.  Er  entwickelt  eine  neue  Summienmgsmethode  für  geometrische 
Reihen,  die  auch  Tartaglia  in  seiner  Schrift  „General  trattato"  v.  J.  1556 
wiedergibt,  ohne  jedoch  Stifel  zu  nennen.  Femer  entdeckt  er  unabhängig 
von  Alchaijami  (s.  1078)  die  additive  Bildung  der  Binomialkoeffizienten 
imd  untersucht  die  Diametralzahlen.    (Vgl.  auch  1526.) 

1545  Hieronymus  Ganbuittt  beschreibt  das  nach  ihm  benannte  Universal-  oder 
Kreuzgelenk,  das  er  zuerst  zur  Aufhängung  der  Schiffskompasse  anwendet. 
(S.  a.  210  V.  Chr.)  Er  veröffentlicht  im  gleichen  Jahre  eine  Formel  zur 
Lösung  der  kubischen  Gleichungen,  die  indes  von  dal  Ferro  (s.  1505)  zu- 
erst aufgefunden  worden  und  auch  Tartaglia  schon  vorher  bekannt  ge- 
wesen war. 

—  Nachdem  schon  im  Altertum  (s.  20  Celsus)  zur  Lokalanaesthesierung  die 
Kompression  der  Nervenstämme  geübt  worden  war  und  die  arabischen 
Ärzte  die  Abschnürung  mittels  eines  Knebels  vorgenommen  hatten,  ver- 
wendet erst  Ambroise  Pari  wieder  die  Unterbindung  sowohl  hierfür,  als 
auch  bei  Amputationswunden,  an  Stelle  der  bis  dahin  gebräuchlichen  blut- 
stillenden Glüheisenapplikation. 

^  Nachdem  Celsus  imd  Abulcasis  zuerst  in  roher  Weise  die  Heilung  der 
Hasenscharte  versucht  hatten,  unternimmt  es  Ambroise  Pari  zuerst,  sie  zu 
operieren,  indem  er  die  Spaltränder  resezieit.  Die  Operation  wird  späterhin 
u.  a.  namentlich  von  Malgaigne  und  Bernhard  liangenbeck  wesentlich  ver- 
vollkommnet. 

—  Ambroise  Pari  verbessert  neben  der  Amputation  die  Behandlung  der  Frak- 
turen und  lehrt  als  erster  die  rationelle  Chirurgie  der  Schußwunden.    Er 

6* 

—     83     — 


1546 

bekämpft  zuerst  die  Irrlehre,  daß  die  erhitzte  Kugel  Vergiftungen  bewirke; 
schlagende  Beweise  gegen  diesen  Irrtum  werden  1550  von  Bartolomeo 
Maggi  auf  experimentellem  Wege  erbracht.  Par6  verwendet  vielfach  die 
seit  Abulcasis  (s.  1100)  in  Vergessenheit  geratene  Trepanation. 
1546  Georg  Acricola  gibt  zuerst  in  seiner  Schrift  „De  re  metallica*'  eine  genaue 
Aufklärung  über  die  Chemie  der  Metalle  und  lehrt  die  Zubereitung  der 
Erze  durch  Rösten.  Er  gibt  genaue  Anweisungen  für  die  Reinigimg  des 
Kupfers,  für  das  Auslaugen  des  Silbers  aus  Kupfer  und  Eisen  mittels 
Blei,  für  die  Gewinnung  des  Spießglanzes  und  des  Wismuts.  Er  beschreibt 
die  Probierung  der  Erze  und  die  dazu  nötigen  Geräte,  wie  Muffeln,  Tiegel 
und  Aschenkapellen. 

—  Georg  Acricola  stellt  die  Markscheidekunst  auf  geometrische  Grundlagen. 
Er  erfindet  den  Grubenkompaß,  wobei  er  zuerst  erwähnt,  daß  sich  die 
Bergleute  bei  ihren  Arbeiten  der  Deklinationsnadel  zu  bedienen  wissen, 
und  gibt  eine  Reihe  von  Ventilatoren  für  Bergwerke  an.  Im  6.  Buche 
seines  Werks  „De  re  metallica"  findet  sich  die  älteste  Abbildung  einer 
Kettenpumpe  (vertikales  Patemosterwerk,  Püschelkunst)  und  die  Empfeh- 
lung dieser  Maschine  zur  Wasserförderung  in  Bergwerken.  Er  erwähnt 
femer,  daß  die  Pferdegöpel  seit  1504  in  den  Bergwerksbetrieb  eingeführt 
seien.     (Die  Einführung  der  Wassergöpel  erfolgt  um  1556.) 

—  Georg  Agrleola  erwähnt  die  Entstehung  des  Eisenvitriols  aus  Eisenkies 
und  kennt  den  weißen  Vitriol  oder  Erzalaun,  d.  i.  Zinkvitriol,  der  bereits 
seit  dem  14.  Jahrhimdert  in  Kärnten  gesotten  werde.  Daß  dessen  Basis 
Zink  sei,  wird  jedoch  erst  im  Jahre  1735  gleichzeitig  von  Hellot,  Neu- 
mann und  G.  Brandt  mit  Bestimmtheit  erwiesen.  Auch  gibt  Agricola 
Beschreibungen  des  Salpetersiedens  sowie  der  Bereitung  der  Schwefelblumen 
durch  Kondensation  von  Schwefeldämpfen  an  kalten  Wandimgen,  imd 
kennt  das  beim  Erhitzen  des  Wismuts  entstehende  gelbe  Wismutoxyd,  das 
als  Farbe  benutzt  worden  zu  sein  scheint. 

—  Georg  Africola  erklärt  es  in  seinem  Buche  „De  re  metallica'*  für  wahr- 
scheinlich, daß  man  aus  der  Färbung  einer  Flamme  die  darin  verbrennende 
Substanz  zu  erkennen  lernen  werde.  Er  beschreibt  das  zu  seiner  Zeit 
schon  viel  gehandhabte  Verzinnen  des  Eisens  (s.  auch  1551)  und  gibt  eine 
genaue  Beschreibung  des  Stahlfrischprozesses,  die  so  große  Ähnlichkeit 
mit  der  von  Biringuccio  (s.  1540)  gegebenen  Darstellung  aufweist,  daß 
Ludwig  Beck  in  seiner  „Geschichte  des  Eisens**  zu  der  Annahme  neigt» 
daß  Agricola's  Beschreibung  von  Biringuccio  entlehnt  sei. 

—  Peter  Mon  entdeckt  den  Kirschlorbeerbaum  und  bezeichnet  ihn  bereits 
mit  „Laurocerasus**.  Auf  die  giftige  Wirkung  des  aus  Kirschlorbeerblättem 
destillierten  Wassers  wird  man  sehr  früh  aufmerksam,  offizinell  wird  das- 
selbe insbesondere  durch  den  Arzt  Thilenius. 

—  Antonio  Musa  Braitavola  führt  die  seit  dem  Altertum  (s.  70  v.  Chr.)  ver- 
lassene Tracheotomie  wieder  aus.   Diese  Operation  wird  1590  von  Santorio 
und  1610  von  Nicolas  Habicot  wesentlich  verbessert  und  fortan  als  eine« 
berechtigte  Operation  angesehen. 

—  Valerius  Cordut  schreibt  auf  Verlangen  des  Nürnberger  Rates  sein  „Pharma- 
corum  conficiendorum  ratio,  vulgo  vacant,  Dispensatorium**,  das  als  die 
erste  deutsche  Pharmakopoe  angesehen  werden  muß,  und  lehrt  die  arznei- 
lichen Rohstoffe  in  eingehender  Art  kennen. 

—  Giovanni  Filippo  Ingratilas  entdeckt  das  dritte  Gehörknöchelchen,  das  er 
als  Steigbügel  bezeichnet.     (S.  1480.) 

—  Nachdem  1506  der  Neubau  der  Peterskirche  in  Rom  von  Bramante  be- 
gonnen und  später  von  Raffael  und  Peruzzi  fortgeführt  worden  war,  über- 
nimmt Mlcliflaiic»lo  Bvonarroti  die  Bauleitung  und  entwirft  für  die  Kuppel 

—     84     — 


1550 

augführliche  Pläne  und  ein  großes  Hil&modell.  Die  Kuppel,  die  bei  einem 
Durchmesser  Ton  42^/2  m  127  m  Höhe  aufweist,  wird  erst  nach  Michelangelo' s 
Tod  vollendet. 

1546  Pedro  Nvntt  (Nonius)  untersucht  die  Linie  doppelter  Krümmung  (von  ihm 
„Linea  rhombica'*,  von  W.  SneUius  spater  „Loxodrome**  genannt),  welche  auf 
der  Erdkugel  alle  Meridiane,  denen  sie  begegnet,  unter  gleichem  Winkel 
schneidet  und  sich  in  schraubenförmigen  Windungen  dem  Pole  immer 
mehr  nähert,  ohne  ihn  jemals  zu  erreichen. 

1547  Der  Mediziner  Kainer  QtnunapFrlsNis  spricht  zuerst  die  Idee  aus,  Längen- 
unterschiede  mittels  der  ühr  zu  bestimmen. 

—  CllafftMiis  sucht  in  seinem  „Dodeka  chordon"  die  in  den  Kirchen tonarten 
unter  dem  Einfluß  der  polyphonen  Musik  eingerissene  Verwirrung  wieder 
zu  lösen  und  imterscheidet  12  Tonarten,  und  zwar  6  authentische  und 
6  plagalische.    (S.  auch  370  Ambrosius.) 

—  Der  Dominikaner  Georges  Bemard  Pmot  in  Toulouse  verfaßt  eine  Schrift 
„De  aquae  naturalis  virtute",  in  welcher  bereits  die  leitenden  Grundsätze 
der  heutigen  Kaltwasserkur  (Umhergehen  mit  nackten  Füßen  im  feuchten 
Gras  usw.)  klar  enthalten  sind. 

1548  D.  C.  nceolpasto  gibt  in  seinem  Werke  „I  tre  libri  deU'  arte  del  Vasajo** 
die  Mittel  an,  um  metallische  Reflexe  auf  Töpferware  zu  erhalten.    Seine 

-     Arbeiten  werden  den  in  neuerer  Zeit  von  Ginori  in  Doccia  u.  a.  gemachten 
Versuchen  zur  Erzielung  solcher  Metallreflexe  auf  Majoliken  zugrunde  gelegt. 

1549  Sigmimd  von  Harbsrittln  fügt  seinem  Werke  „Herum  Moscovitarum  Com- 
mentarii*'  eine  Karte  bei,  die  einen  Teil  von  Sibirien  umfaßt  und  zu  ihrer 
Zeit  für  die  Kenntnis  des  nördlichen  Rußlands  von  großer  Bedeutung  war. 
Das  Weiße  Meer  führt  auf  dieser  Karte  den  Namen  „Mare  glaciale*'. 

—  Zoccaiillo  und  Floravantl,  zwei  neapolitanische  Bader,  machen  die  erste 
Milzexstirpation  bei  einer  wassersüchtigen  Frau,  und  zwar  mit  vollem  Er- 
folg. Es  kommt  daher  nicht  Viard,  der  erst  32  Jahre  später  diese  Operation 
ausführt,  die  Priorität  zu. 

1550  Georg  Agricola  gibt  in  seiner  Schrift  „De  natura  fossilium"  die  erste  syste- 
matische Beschreibung  der  Mineralien  und  bezeichnet  das  fossile  Holz 
und  die  Fischabdrücke  des  Mansfelder  Kupferschiefers  als  Überreste  von 
Organismen.  Er  untersucht  die  geologische  Tätigkeit  des  Windes  und 
hebt  hervor,  daß  ähnliche  Verhältnisse,  wie  bei  der  Dünenbildung,  in 
kleinem  Maßstabe  auch  in  der  Lüneburger  Heide  vorliegen. 

—  BlatiHt  von  Villafranca  soU  zuerst  die  Erscheinung,  daß  sich  die  Lösung 
gewisser  Stoffe  im  Wasser  stark  abkühlt,  am  Salpeter  erkannt  haben. 

—  Thomas  Cantfl  bringt  den  Stern-Anis  von  den  Phihppinen  nach  Europa. 
Die  Frucht  beschreibt  zuerst  Clusius,  den  Baum  Plukenet  und  Kaempfer. 

»  Hieronymus  Cardanat  gibt  eine  Theorie  des  Verbrennimgsvorganges,  wobei 
er  die  Notwendigkeit  der  Anwesenheit  der  Luft  betont.  (S.  1260  Bacon.) 
Er  verbessert  die  Einrichtung  der  Öllampen  durch  Höherlegen  des  Öl- 
behälters. In  seiner  Beschreibung  einer  Mehlsichtmaschine  weist  er  auf 
die  sichtende  Wirkung  der  Luftbewegung  hin,  ein  Gedanke,  der  in  neue- 
ster Zeit  von  Friedrich  Georg  Winkler  in  Zschopau  wieder  aufgenommen 
worden  ist. 

—  Bartolommeo  Eustadiio  entdeckt  die  Tuba  Eustachii  (Eustachische  Röhre), 
die  Spindel  der  Schnecke,  die  häutige  Schnecke,  den  Ursprung  der  Seh- 
nerven und  beobachtet  die  Zahnentwicklung. 

—  Gabriele  FalloppUl,  Anatom  in  Padua,  macht  wichtige  Beobachtimgen  auf 
dem  Gebiet  der  Osteologie  und  der  Muskellehre.  Er  entdeckt  die  Bogen- 
gänge, den  nach  ihm  benannten  Kanal  des  Schläfenbeins,  und  den  Schließ- 
muskel der  Blase.    Er  beschreibt  ferner  die  Muskeln  des  Kehlkopfes  in 

—     85     — 


1650 

richtiger  Weise.  Er  verwendet  seit  den  Zeiten  der  Griechen  und  Araber 
zuerst  wieder  in  der  Medizin  das  Arsen  äußerlich,  und  zwar  in  Form  von 
Realgar. 
1550  Wie  mehrere  im  OtraianlscIiM  MuMum  in  Nürnberg  ausgestellte  K&stchen 
imd  Schachteln  beweisen,  beginnt  man  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts, 
das  Papier  mit  kleineren  Mustern  in  häufiger  Wiederholung  zu  bedrucken, 
um  verzierte  Flächen  zu  erlangen,  die  sich  zum  Überziehen  großer  und 
kleiner  Gegenstände  eignen.  Die  Vorläufer  dieser  Technik  sind  die 
bunten  Holzschnitte,  die  zu  solcher  Verzierung  schon  vor  dem  16.  Jahr- 
hundert benutzt  wurden. 

—  Eonrad  Qesntr  erfaßt  in  seiner  „Historia  animalium'*  das  Tierreich  nicht 
nur  als  Gegenstand  der  Natur betrachtung,  sondern  auch  in  seiner  Be- 
ziehung zur  Medizin  und  Kulturgeschichte  und  trägt  dadurch  zur  Begrün- 
dung der  neueren  Zoologie  bei. 

—  Holltriiit  ist  der  erste  Arzt,  der  den  Kurzsichtigen  regelmäßig  Brillen 
verordnet. 

—  Das  Joachlmsthaltr  Sllberkergwtrk  benutzt  für  Bergwerkszwecke,  insbesondere 
zur  Wasserhaltung,  Pumpwerke  mit  sogenannten  Stangenkünsten.  Die 
Triebkraft  wird  durch  ein  oberschlächtiges  Wasserrad  geliefert,  mit  dem 
die  Lenkstange  verbunden  ist,  die  ihre  Bewegung  auf  die  Schwinge  eines 
Doppelgestänges  überträgt,  von  wo  sie  durch  ein  sogenanntes  Kunstkreuz 
auf  die  Schachtgestänge  fortgepflanzt  wird. 

—  Adam  Lonleanit  beschreibt  zuerst  die  Amica,  die  er  an  Matthiolus  sendet, 
der  sie  unter  dem  Namen  Alisma  abbildet.  Ihren  Gebrauch  bei  Koliken 
und  äußeren  Verletzimgen  veranlaßt  zuerst  Tabernaemontanus.  (S.  1613.) 

—  Hans  Lobtlnftr  zu  Nürnberg  verbessert  die  im  Jahre  1430  von  einem  Nürn- 
berger Bürger  Guter  erfundene  Windbüchse.  Er  soll  auch  an  Stelle  der 
seit  alters  her  üblichen  Lederbälge  (s.  1475  v.  Chr.)  die  ersten  hölzernen 
und  kupfernen  Blasebälge  mit  ununterbrochenem  Windstrom  für  Schmelz- 
hütten, sowie  für  Orgeln,  und  die  erste  Messinghobelmaschine  verfertigt 
haben. 

—  Nicolaus  MaiM  beschreibt  die  Muskeln  des  Antlitzes  und  speziell  des  Unter- 
kinns, die  Lymphgefäße  der  Nieren  und  die  Lagerung  des  Magens.  Er  nennt 
zuerst  die  Syphilis  als  Ursache  von  Geisteskrankheiten.  Er  liefert  gleich- 
zeitig mit  Berengario  die  erste  Beschreibung  der  Bindehaut  des  Auges 
(Conjunctiva). 

—  Bemard  Pallny  spricht  sich  entschieden  dafür  aus,   daß  die   im  Kalk  und 
^    anderen  Gesteinen  gefundenen  Muscheln  „versteinerte"  Reste  von  Tieren 

seien.    Er  weist  darauf  hin,  daß  manche  dieser  Versteinerungen  den  noch 
lebenden  Gattungen  vollkommen  gleichen. 

—  Bernard  Palltsy  macht  zuerst  darauf  aufmerksam,  daß  der  Dünger  durch 
seinen  Gehalt  an  löslichen  Salzen  den  Boden  verbessere  und  daß  der  Boden 
durch  fortgesetzten  Anbau  unfruchtbar  werde,  weil  ihm  dadurch  alle  lös- 
lichen Stoffe  entzogen  würden. 

—  Bemard  Palltsy  soll  nach  der  Angabe  des  Vicomte  H^ricourt  de  Thury 
den  Erd-  oder  Bergbohrer  erfunden  haben. 

—  Andrea  PalMIo  baut  die  erste  bekannte  Hängebrücke  (über  den  Fluß 
Cismone). 

—  ViCMtliio  erfindet  das  Archicembalo,  ein  Klavierinstrument  mit  31  Werten 
innerhalb  der  Oktaven,  das  für  alle  Töne  der  drei  antiken  Tongeschlechter 
(diatonisch,  chromatisch  und  enharmonisch)  besondere  Tasten  und  Saiten 
zur  Verfügung  hat. 

1551    Pierre  Mon  erweitert  die  spezielle  Tierkenntnis  durch  Herausgabe  seiner 
auf  seinen  zahlreichen  Reisen  gesammelten  Erfahrungen,  die  sich  nament- 

~      86     — 


1564 

lioh  auf  die  I>Msohe  beziehen,  die  zum  Teil  durch  gute  Holzschnitte  wieder- 
gegeben werden. 

551  Erasmus  RtlaliM,  Professor  der  Mathematik  in  Wittenberg,  berechnet  auf 
Grund  der  neuen  Kopemikanischen  Lehre  die  ersten  Planetentafeln,  die 
er  zu  Ehren  des  Herzogs  Albrecht  von  Preußen  die  prutenischen  (Tabulae 
prutenicae  ooelestium  motuum)  nennt.  Sie  werden  der  gregorianischen 
Kalenderreform  zugrunde  gelegt. 

—  Der  Astronom  Rhastlcw  verfaßt  zehnstellige,  von  10  zu  10  Sekunden  fort- 
schreitende Tafeln  der  trigonometrischen  Funktionen,  die  genauesten  und 
umfangreichsten  trigonometrischen  Tafeln  des  Mittelalters.  Er  berück- 
sichtigt darin  zum  ersten  Male  sämtliche  6  trigonometrische  Funktionen. 
Die  Herausgabe  des  Werkes  unter  dem  Titel  „Opus  Palatinum  de  trian- 
gulis^*  erfolgt  im  Jahre  1596  durch  Valentin  Otho. 

—  Freiherr  Hans  llRfnai,  Landeshauptmann  von  Steiermark,  erhält  vom  König 
Ferdinand  am  5.  August  die  Gerechtsame,  zu  Waltenstein  Hammerwerke 
anzulegen,  daselbst  schwarzes  Blech  zu  schlagen  und  dasselbe  zu  verzinnen. 
(Älteste  Erwähnung  des  Weißblechs.     Vgl.  indes  auch  1546.) 

552  Der  französische  Stempelschneider  Antoine  Bnilisr  konstruiert  ein  Walz- 
werk zum  Strecken  der  Gußstücke  (Zaine)  und  eröffnet  dadurch  die  Mög- 
lichkeit, gleichwichtige  Münzen  zu  erhalten. 

—  Edward  Wotton  verfaßt  ein  zoologisches  Werk  „De  differontiis  animalium*'. 
Das  Buch  zeichnet  sich  namentlich  dadurch  aus,  daß  darin  versucht  wird, 
die  verwandten  Formen  in  möglichst  natürliche  Vereinigung  zu  bringen. 
Er  wendet  in  diesem  Buche  als  erster  die  Benennung  „Zoophyten**  (Tier- 
pflanzen) an. 

1553  Hieronymus  Cartfanuf  nimmt  zuerst  die  Gewichtszunahme  des  Bleies  bei 
der  Verkalkung  wahr,  schreibt  dieselbe  jedoch  der  Entweichung  der  Feuer- 
materie zu.  Ähnliche  Ansichten  werden  1660  von  Lefövre  und  1666  von 
Tachenius  geäußert. 

—  Nachdem  Sebastian  Cabot  um  1550  mit  der  Idee  eines  nordöstlichen  See- 
weges hervorgetreten  war,  wird  imter  dem  Oberbefehl  von  Sir  Hugh 
WiUoughby  eine  Expedition  entsandt,  die  aus  drei  Schiffen  besteht.  Zwei 
der  Schiffe  gehen  auf  der  Fahrt  zugrunde,  während  das  dritte,  „der  Edward 
Bonaventure"  unter  dem  Befehl  von  Richard  ChaMtllor  den  Seeweg  nach 
dem  Weißen  Meere  entdeckt. 

—  Nach  Emil  Naumann  ist  die  aus  den  älteren  imvollkommneren  Streich- 
instrumenten Rota,  Giga,  Kebecchina  und  den  verschiedenen  Arten  der 
Viola  hervorgegangene  heutige  Violine  zuerst  von  Caspar  Tltffenkniektr 
(Gaspard  Duiffoprugcar)  in  Lyon,  einem  Tiroler  von  Geburt,  gebaut  worden. 
Antoine  Vidal  hebt  demgegenüber  in  seinem  Buche  „La  lutherie  et  les 
luthiers*'  hervor,  daß  die  Violine  das  Ergebnis  der  Arbeit  vieler  Instrumenten - 
macher  sei  und  kein  einzelner  Erfinder  dafür  namhaft  gemacht  werden 
könne.     (VgL  auch  1585  da  Said.) 

1554  Gerhardt  Htmianil«  Geschäftsträger  des  Rheingrafen  Philipp  Franz  von 
Dann,  sendet  aus  London  am  3.  August  1554  an  seinen  Herrn  ein  Doku- 
ment, an  welchem  sich  ein  Siegel  aus  rotem  Siegellack  befindet,  das  älteste 
bekannte  Beispiel  von  dem  Gebrauche  des  Siegellacks  heutiger  Be- 
schaffenheit. 

—  Gerhard  Mtrcttor  verbessert  die  konische  Projektion  des  Ptolemaeus  (s.  150), 
indem  er  die  Längengrade  nicht  auf  dem  mittleren  Parallelkreis  aufträgt, 
sondern  zwei  in  der  Mitte  zwischen  diesem  und  den  Rändern  der  Karte  ge- 
legene Parallelkreise  abweitungstreu  zieht,  wodurch  die  Abweichung  der 
Projektion  vom  Kugelnetz  auf  die  halbe  Fehlergröße  verringert  wird.  Auch 

—     87     — 


^1 


1554 

Delisle  macht  erneut  1745  auf  die  Wichtigkeit  dieser  Art  der  Projektion 
aufmerksam. 

1 554  Guillaume  RonMet  liefert  in  seinem  „Fischbuch* '  eine  sorgfältige  Beschreibung 
einer  großen  Zahl  von  Fischen  und  gibt  für  sie  gute  Unterscheidungs- 
merkmale.    (Vgl.  auch  1551.) 

—  Tartaflla  führt  den  gedeckten  Weg  im  Festungsbau  ein. 

—  Franz  Traucat  in  Nimes  macht  die  ersten  eingehenden  Beobachtungen  über 
die  Nahrung,  die  Krankheiten,  die  Entwicklung  der  Seidenraupe,  die  rich- 
tige Temperatur  und  Lüftung  der  Seidenhäuser  und  den  Anbau  des  Maul- 
beerbaumes. 

1555  Pierre  Mon  schreibt  eine  Monographie  über  die  Vögel  und  weist  auf  die 
Übereinstimmung  ihres  Baus  mit  dem  anderer  Landtiere  hin.  Er  macht 
seit  Aristoteles  (s.  330  v.  Chr.)  die  erste  Andeutung  von  vergleichender 
Anatomie,  indem  er  das  Skelett  eines  Menschen  und  eines  Vogels  mit 
gleichartiger  Bezeichnung  der  einander  entsprechenden  Teile  abbildet,  und, 
um  die  Vergleichung  zu  erleichtem,  den  Vogel  mit  derselben  Stellung  der 
Glieder,  wie  den  Menschen  darstellt. 

—  Leonhart  Fronsperftr  gibt  in  seinem  „Kriegsbuch*'  die  erste  Beschreibung  von 
mitrailleusen artigen  Geschützen,  die  er  Orgel-  oder  Hagelgeschütze  nennt. 
Ein  aus  der  Zeit  zwischen  1480  und  1550  stammendes,  aus  5  Eisenrohren 
zusammengesetztes  Orgelgeschütz  befindet  sich  im  Berliner  Zeughaus. 

—  Konrad  QttiiMr  gibt  die  erste  Beschreibung  des  Kanarienvogels.  Da  Belon 
um  die  gleiche  Zeit  (s.  oben  1555)  ein  Verzeichnis  aller  damals  bekannten 
Vögel  liefert,  ohne  den  Kanarienvogel  zu  erwähnen,  so  ist  anzunehmen, 
daß   diese  Vogelart  erst  zu  jener  Zeit  neu  in  Europa  erscheint. 

1556  Stephen  Burroufh  imtemimmt  auf  dem  Fahrzeug  „Searchthnft**  die  erste 
westeuropäische  Nowaja-Semlja- Fahrt,  durch  welche  erst  in  Westeuropa 
bekannt  wird,  daß  das  W^eiße  Meer  durch  die  Inseln  Nowaja  Semlja  und 
Waigatsch  von  dem  sibirischen  Eismeer  getrennt  wird. 

—  Georg  Fabrlcius  beobachtet  zuerst  die  Schwärzung  des  Chlorsilbers  durch 
das  Sonnenlicht. 

—  .  Cesare  Flaschl   in  Bologna  stellt   umfangreiche  Untersuchungen   über   den 

Bau  des  Pferdehufes  an  und  gründet  auf  dieselben  ein  dem  anatomischen 
Bau  entsprechendes  Beschlagverfahren,  das  lange  in  Gebrauch  bleibt. 
Das  von  ihm  verfaßte  hippologische  Werk  enthält  im  1.  Buche  die  Zaum- 
kunst, im  2.  die  Reitkunst  und  im  3.  den  Hufbeschlag. 

1557  Jodocus  Lommlut  gelingt  es,  durch  seine  klassische  Monographie  über  die 
Behandlung  kontinuierlicher  Fieber  die  Krankendiätetik  zu  einer  bis  dahin 
noch  nicht  erreichten  Höhe  zu  erheben. 

—  Bartolom6  dt  Mttfna  lehrt  die  Gewinnung  von  Silber  und  Gold  aus  ihren 
Erzen  vermittels  Quecksilber  in  Form  einer  Quecksilberlegierung,  aus  der 
durch  Destillation  das  Quecksilber  abgeschieden  wird  (Haufenamalgamation, 
Patioprozeß).  Eine  vage  Andeutung  über  Gewinnung  von  Silber  aus 
Erzen  unter  Anwendung  von  Queoksilbersublimat  findet  sich  in  der  1540 
erschienenen  Pirotechnia  des  Biringuccio,  so  daß  doch  vielleicht  die  An- 
regung zu  der  Erfindung  des  Amalgamationsprozesses  auf  europäischem 
Boden  zu  suchen  ist.     (Vgl.  indes  auch  77  und  750.) 

—  Robert  Rteonto  führt  die  systematische  Anwendung  des  Gleichheitszeichens 
(-=)  in  die  Mathematik  ein.     (Vgl.  1460  Alkalsädi.) 

—  Hieronymus  RoMlIO  (Alexius  Pedemontanus)  lehrt  zuerst  im  Abendland  die 
Bereitung  einer  Mischung  von  Auripigment  und  Kalk,  die  im  Orient  seit 
lange  zwecks  Enthaarung  von  Fellen  unter  dem  Namen  Rhusma  an- 
gewendet wurde,  bereiten.  Die  Tatsache,  daß  Schwefelarsenik  ein  Aus- 
fallen der  Haare  bewirke,   berichtet  bereits  Dioskorides. 

—     88     — 


1560 

1558  Antoine  Brultor  erfindet  das  Stoß-  oder  Spindel  werk  zum  Prägen  der 
Münzen,  welches  später  von  H.  Bonlton  und  I.  P.  Droz  (1781)  und  Ph. 
Gengembre  (1810)  vielfach  verbessert  wird. 

—  Giambattista  MIa  Porta  verbessert  die  Camera  obscura  durch  Anbringung 
einer  Sammellinse,  die  er  in  die  erweiterte  Öffnung  der  Camera  einsetzt 
und  vergleicht  zuerst  das  Auge  seinem  Bau  und  seiner  Funktion  nach  mit 
der  Camera  obscura. 

1559  HtiBrich  II.,  König  von  Frankreich,  trägt  auf  der  Hochzeit  seiner  Tochter 
Elisabeth  (er  findet  dabei  im  Tumierkampfe  mit  dem  Grafen  Montgomery 
seinen  Tod)  gestrickte  [seidene,  wahrscheinhch  in  Spanien  angefertigte 
Strümpfe.  Es  ist  dies  die  erste  Erwähnung  gestrickter  Strümpfe.  (Vgl. 
1564  Rider.) 

—  Matteo  RoaMo  Momko  gibt  zuerst  eine  korrekte  Beschreibung  von  der 
Lage  und  Haltung  des  Foetus  im  Uterus  und  bezeichnet  ihn  als  längliche 
Kugel  (Ovoid). 

—  Graf  Reinhardt  zu  Mmt  beschreibt  im  7.  Buch  seiner  „Kriegsregierung'* 
ein  „Khartenspiel",  mit  welchem  die  Marsch-  und  Schlachtordnungen 
zweier  gegeneinander  kämpfender  Heere  (Römer  —  rot,  Karthager  — 
schwarz)  dargesteUt  werden  können.  Es  ist  dies  die  erste  Erwähnung  des 
Kriegsspiels.     (Vgl.  1824  R.) 

1560  Hieronymus  Bock  (Tragus)  unterscheidet  in  seinem  „Kräuterbuch"  zuerst 
die  Familien  der  Lippenblütler,  Kreuzblütler  und  Korbblütler. 

—  Hieronymus  Bock  (Tragus)  beschreibt  zuerst  den  Seidelbast  unter  dem  Namen 
„Mepereum  germanicum";  eine  eingehendere  Beschreibung  liefert  1609  Peter 
üffenbach.  Andere  Daphnearten  waren  den  Römern  und  Griechen  bekannt 
und  sind  u.  a.  gegen  Wassersucht  und  als  Brechmittel  verwendet  worden. 

—  Die  in  Armenien,  Kurdistan  und  der  Krim  heimische  Tulpe  wird  um  die 
Mitte  des  16.  Jahrhunderts  von  Buikocq,  Gesandten  Ferdinands  I.  in  Kon- 
stantinopel, nach  dem  westlichen  Europa  gebracht.  Im  Jahre  1560  blüht 
sie  in  Augsburg. 

—  Pietro  Fraaco  bildet  den  hohen  Steinschnitt  (Lithotomie)  aus  und  verbessert 
den  von  Bemardo  de  Rapallo  angegebenen  Apparatus  altus.  Er  verbessert 
auch  die  Radikaloperation  der  Unterleibsbrüche. 

—  Franciscus  Maurolykus  erklärt  unter  Benutzung  von  VesaJs  Beschreibung 
des  Baues  des  Auges  (1543)  die  Wirkung  der  Krystallhnse  im  Auge  in  rich- 
tiger Weise,  indem  er  darlegt,  daß  sich  die  Strahlen  hinter  derselben 
schneiden.    Er  gibt  eine  Erklärung  der  Kurz-  und  Weitsichtigkeit. 

—  Nicolo  Monanlot  beschreibt  die  Gewinnung  des  Perubalsams,  die  bei  der 
Entdeckung  Amerikas  schon  unter  den  Eingeborenen  im  Gebrauche  war. 
Der  Baum  gelangt  erst  1781  durch  Mutis  in  die  europäischen  botanischen 
Gärten.    Auch  der  Tolubalsam  wird  zuerst  von  Monardes  beschrieben. 

—  Garcias  io  Orta  gibt  gute  Beschreibungen  vieler  in  Indien  gebrauchter 
Drogen  und  bereichert  dadurch  die  Arzneimittellehre.  Er  beschreibt  u.  a. 
auch  zuerst  den  Benzoebaum  (Styrax  Benzoin). 

—  Garcias  tfo  Orta  gibt  die  erste  Nachricht  über  Catechu,  das  in  der  Medizin 
und  mehr  noch  in  der  Färberei  und  Gerberei  angewendet  wird.  Das  in 
den  Handel  kommende  Produkt  ist  der  aus  den  Blättern  erhaltene  ein- 
gedickte Extrakt. 

—  G.  P.  A.  Pierluigi  da  Palestrina  vereinfacht  die  polyphone  Musik,  indem  er 
durch  passende  Abschnitte  und  Einteilungen  die  Masse  der  Töne  und  die 
Masse  der  Stimmen  gliedert,  welche  letztere  bei  ihm  meist  in  Chören  ge- 
sondert erscheinen. 

—  Erasmus  RolahoM  erkennt  die  EUiptizität  der  Mond-  und  der  Merkurbahn. 

—     89     — 


1560 

1560  Josias  Slmltr  begründet  die  wissenschaftliche  Kunde  der  Alpen  und  ihrer 
Gletscher.    (S.  a.  1544  M.) 

—  Daniel  Sptkte,  Kriegsbaumeister  in  Straßburg,  fordert  Befestigungsanlagen 
mit  stark  entwickelter  Feuerkraft  und  völliger  Deckung  der  Grabenmauem 
gegen  Sicht.    £r  führt  den  gedeckten  Weg  s&geförmig  (en  cremailldre). 

—  Pergamentblättchen,  mit  Namen  und  Wohnort  versehen,  haben  zuerst  die 
in  Italien  studierenden  deutschen  Studenten  in  Gebrauch  genommen.  Die 
älteste  derartige  Besuchskarte  (Visitenkarte),  die  bekannt  ist,  befindet  sich 
im  Staatsarchive  zu  Venedig  und  lautet  auf  den  Namen  eines  i.  J.  1560 
zu  Padua  studierenden  RechtsbefUssenen  Johannes  Wüttriioff  aus  Westfalen. 

1561  Gabriele  Falloppl«  beschreibt  zuerst  die  später  nach  ihm  benannten  Tuben 
(Eileiter),  die  Ligamenta  rotunda  und  die  Ovarien.  Er  führt  die  Namen 
Vagina  und  Placenta  ein. 

—  Gabriele  Falloppla  zeigt  zuerst,  daß  sich  die  Hornhaut  des  Auges  nicht  nur 
durch  das  ihr  eigentümliche  Gewebe,  sondern  auch  durch  ihre  sphärische 
Krümmung  von  der  Sklera  unterscheidet  und  daß  der  Ciliarkörper  keine 
Membran,  sondern  ein  die  Uvea  mit  der  linse  verbindendes  Band  ist.  Er 
beschreibt  auch  zuerst  die  Hyaloidea. 

—  Konrad  Omimt  gibt  die  erste  eingehendere  Beschreibung  eines  Nordlichts. 
(S.  320  V.  Chr.  Pytheas.) 

—  Adam  Lmii€tnit  macht  die  ersten  Angaben  über  den  Gebrauch  des,  wie  es 
scheint,  schon  von  den  Chinesen  als  geburtf orderndes  und  blutstillendes 
Mittel  angewandten  Mutterkorns. 

—  Ambroise  Pari  zieht  die  Orthopädie,  die  seit  der  Römerzeit  geruht  hatte, 
wieder  ans  Tageslicht.  Er  gibt  Apparate  zur  Klumpfußbehandlung  an 
und  schreibt  das  erste  Werk  über  die  Ursachen  und  Behandlung  der  Spinal- 
deformitäten, wobei  er  ein  Korsett  von  durchlochtem  Eisenblech  zur  Auf- 
rechthaltung des  Körpers  empfiehlt. 

—  Ambroise  Pari  fertigt  aus  Gold-  und  Silberplatten  Obturatoren  zum  Ver- 
schluß von  Gaumendefekten,  nachdem  eine  Veröffentlichung  über  solche 
Obturatoren  das  Jahr  vorher  von  Amatus  Lusitanus  gemacht  worden  war. 
Es  scheint  nach  J.  Christas  Mitteilungen,  daß  beide  selbständig  auf  diese 
Idee  gekommen  sind. 

—  Barbara  Uttmann  führt  die  Klöppelspitzenfabrikation  im  sächsischen  Erz- 
gebirge ein.  Ob  sie  die  Fabrikation  der  Klöppelspitzen  erfunden  hat,  ist 
nicht  sicher  zu  erweisen.  Daß  diese  Kunst  in  Brabant  vorher  existiert 
habe,  will  Mrs.  Palliser  aus  einem  Bild  von  Quentin  Messys  von  1495 
schließen,  auf  dem  ein  spitzenklöppelndes  Mädchen  dargestellt  sei. 

1563  Der  spanische  Seefahrer  Juan  Famamltz  entdeckt  die  nach  ihm  benannte 
Insel  im  Stillen  Ozean,  welche  später  durch  die  Abenteuer  des  Schotten 
Alexander  Selkirk  (Robinson  Ousoe)  berühmt  geworden  ist. 

1564  Aiifutt,  Kurfürst  von  Sachsen,  gibt  in  seinem  „künstlich  Obstgarten  Büch- 
lein*' eine  auf  eigener  Erfahrung  beruhende  Anweisung  zur  Obstkultur. 

—  Bartolomeo  Eustadito  entdeckt  den  Hauptstamm  der  Milchgefäße  bei  einem 
Pferde  (Ductus  thoracicus).  Er  gibt  die  erste  richtige  Abbildung  des  weib- 
lichen Uterus  und  entdeckt  die  Nebennieren. 

—  Das  im  Altertum  unbekannte  Strumpf  stricken  ist  wahrscheinlich  im  16.  Jahr- 
hundert zuerst  in  Spanien  aufgekommen.  (Vgl.  auch  1559  Heinrich  II.) 
Von  da  gelangt  diese  Fertigkeit  nach  England,  wo  William  RMar  i.  J.  1564 
als  erster  Strumpfstricker  genannt  wird. 

1565  Giulio  Cesare  Aranzlo,  Arzt  in  Bologna,  untersucht  die  Veränderung  des 
Blutlaufs,  die  bei  der  Geburt  im  Foetus  vor  sich  geht  und  entdeckt  den 
Ductus  venosus  Arantii  und  die  Muskeln  des  oberen  Augenlids. 

—  Peter  Andreas  Matthlolut  gibt  die  erste  Nachricht  vom  Roßkastanienbaum» 

-      90      — 


1568 

der  durch  ihn  nach  Wien  gelangt  und  der  eingehender  1588  von  Clusins 
beschrieben  wird.  Die  Fracht  wird  1768  von  Heideloff  als  Kaffeesurrogat 
empfohlen. 

15  Jean  NIcel«  franzosischer  Gesandter  in  Portugal,  bringt  die  Tabakpflanze 
nach  Frankreich.  (Vgl.  auch  1497.)  Bereits  im  gleichen  Jahre  gelangt  sie 
durch  den  Stadtphysikus  Occo  nach  Augsburg.  Nach  Nicot  heißt  die 
Tabakpflanze  Nicotiana,  ihr  Alkaloid  Nicotin.  (S.  1828  P.) 
Während  alle  früheren  Versuche,  vom  westlichen  Stillen  Ozean  nach  Osten 
zu  segeln,  mißlungen  waren,  weil  der  entgegenwehende  Passat  dies  hinderte, 
segelt  der  spanische  Mönch  und  Seefahrer  Fray  Antonio  it  Uriantla  von 
Manila  erst  nach  Norden,  wo  er  unter  32^  n.  Br.  günstigen  Westwind  an- 
trifft, der  ihn  binnen  4  Monaten  durch  die  Südsee  bis  in  den  mexikanischen 
Hafen  Acapulco  befördert.  Diese  Reiseroute  trägt  Jahrhunderte  lang 
Urdanetas  Namen. 

36  Der  englische  Schriftsteller  Thomas  Blmtftvlll  veröffentlicht  sein  Werk 
„The  foure  chiefest  Offices  belonging  to  horsemanship*',  das  durch  seine 
gründlichen,  wenn  auch  zum  Teil  auf  Kompilation  beruhenden  Angaben 
bis  zum  Anfang  des  18.  Jahrhunderts  seinen  Ruf  als  Musterwerk  auf  dem 
Grebiet  der  Pferdekunde  behauptet. 

Konrad  QMnsr  in  Zürich  gibt  in  seinem  Werke  „De  omni  rerum  fossilium 
genere*',  woselbst  er  auch  das  Reißblei  erwähnt,  die  erste  Abbildung  eines 
Bleistifts.  Er  bemerkt  dazu :  Stylus  inferius  depictus  ad  scribendum  f actus 
est,  plumbi  cujusdam  genere,  in  mucronem  derasi,  in  manubrium  ligneum 
inserti. 

Theophrastus  Paracslsiis  gibt  sein  Buch  von  den  Meteoren  heraus,  das  sich 
als  eine  Art  Meteorologie  kennzeichnet. 

WÜMiii  lY.,  Landgraf  von  Hessen,  gibt  einen  Stemkatalog  heraus,  bei  dem 
zum  ersten  Male  die  Zeit  als  eigentliches  Beobachtungselement  benutzt 
und  die  Uhr  zu  einem  brauchbaren  astronomischen  Instrument  erhoben 
wird.    (S.  1484  W.) 

67  Herzog  von  Alta  führt  an  Stelle  der  Arkebuse  oder  des  halben  Hakens 
den  ganzen  Haken  unter  dem  Namen  „Muskete"  ein,  welche  an  Stelle  der 
bisherigen  vierlötigen  Kugeln  achtlötige  Geschosse  zur  Durchbohrung  der 
verstärkten  Ritterrüstungen  verfeuert,  aber  zu  ihrer  Handhabung  der 
Gabel  bedarf. 

Die  Gewehrpatrone  wird  zuerst  i.  J.  1550  erwähnt.    Zur  regelmäßigen  Aus- 
rüstung des  Fußvolks  wird  dieselbe  durch  den  Herzog  von  Alba  i.  J.  1567 
gemacht. 
67 — 69    Alvaro  de  Mtmlafia  entdeckt   die  Salomon^,   die  Marquesas-  und  die 
St.  Cruz -Inseln. 

68  Auf  Veranlassung  des  Herzogs  von  Alta  werden  an  der  niederländischen 
Küste  zuerst  die  sog.  Duc  d' Alben  angelegt,  das  sind  Gruppen  eingerammter 
Pfähle,  die  als  Seezeichen  und  zum  Festlegen  der  Schiffe  dienen.  Mög- 
licherweise ist  indes  die  Bezugnahme  auf  Alba  eine  irrige,  und  es  sind  die 
betreffenden  Vorrichtungen  besser  als  „Dukdalben**  zu  bezeichnen,  nieder- 
deutsch „Dickdollen*',  d.  i.  Deichpfähle. 

Philipp  Aplanus,  Professor  in  Tübingen,  der  erste  Topograph  der  neueren  Zeit, 
liefert  in  seinen  24  „bayrischen  Landtaffeln*'  das  topographische  Meister- 
werk des  16.  Jahrhunderts.  Diese  Karte  ist  auch  von  großer  Bedeutung 
für  die  Greländedarstellung. 

Der  Danziger  Zeugmeister  Veit  Wulff  von  Sonfftinborf  beschreibt  in  seinem 
Buche  „Von  allerlei  Kriegsgewehr  imd  Geschütz"  in  ausführlicher  Weise 
Pulverminen  mit  Fern-  und  Zeitzündung,  Selbstschüsse,  Sprengbriefe, 
torpedoartige  Sprenganlagen  u.  dgl. 

—     91     — 


1568 

1568  Bemardino  Teltslo  begründet  eine  neue  Naturlehre,  wobei  er  die  gesamte 
Erscheinungswelt  auf  drei  Hauptprinzipien  zurückführt,  nämlich  ein  pas- 
sives körperliches  (die  Materie)  und  zwei  tätige  unkörperliche  (Wärme  imd 
Kälte).  Durch  den  Kampf  der  Prinzipien  bilden  sich  Himmel  und  Erde 
und  alle  Einzeldinge.  (Vgl.  sein  Hauptwerk  „De  rerum  natura  juxta 
propria  principia**.) 

—  Constantin  Varollo  von  Bologna  bearbeitet  die  Anatomie  des  Zentralnerven- 
systems. 

1 569  Egnatio  DantI  von  Bologna  entdeckt  die  Verminderung  der  Schiefe  der  Ekliptik. 

—  Gerhard  Mereator  erfindet  die  nach  ihm  „Mercator- Projektion"  benannte 
winkeltreue  Zylinderprojektion  mit  wachsenden  Breiten,  die  noch  heute 
die  Projektion  aller  Seekarten  ist. 

1570  Die  Königin  ElisaMh  von  Enfland  beruft  behufs  der  Verhüttung  des  Zinns 
deutsche  Unternehmer  und  Arbeiter  und  versieht  dieselben  mit  Privilegien. 
Von  dieser  Zeit  datiert  der  Aufschwung  der  Zinngewinnung  in  Comwall. 
Der  Zinnstein  wird  dort  in  sog.  Handkrählöfen,  später  in  rotierenden 
Telleröfen  und  Zylinderöfen  geröstet,  das  Röstgut  durch  Waschen  und 
Behandlung  mit  Salzsäure  oder  verdünnter  Schwefelsäure,  welche  die  fremden 
Metalloxyde  lösen,  angereichert  und  das  angereicherte  Zinnerz  mit  Kohle 
in  Schachtöfen  oder  Flammöfen  reduziert.  Das  rohe  Zinn  (Werkzinn) 
wird  einem  Raffinationsprozeß  unterworfen. 

—  Hieronymus  Fabridut  ab  Acquapendente  entdeckt,  daß  alle  Klappen  in 
den  Venen  sich  nach  dem  Herzen  hin  öffnen,  erkennt  aber  deren  Bedeutung 
für  die  Erleichterung  des  Blutstromes  zum  Herzen  zurück  noch  nicht. 

—  Fournltr  führt  die  Fabrikation  der  Leonischen  Ware  (d.  s.  aus  feinem 
Draht  hergestellter  Tressen,  Borten,  Stickereien,  Fransen,  Quasten  usw.) 
in  Nürnberg  ein,  das  von  da  ab  der  Hauptsitz  dieser  zuerst  in  Leon  in 
Kastilien  betriebenen  Industrie  wird.  In  neuerer  Zeit  ist  diese  Fabrikation 
durch  Benutzung  der  Galvanoplastik,  durch  Erfindung  der  Überspinn- 
maschine  und   der  Vergoldmaschine  wesentlich  vervollkommnet   worden. 

—  Der  Arzt  Volcker  KoytMr  fördert  die  beschreibende  und  vergleichende  Ana- 
tomie der  Tiere,  äußert  richtige  Ansichten  über  den  Nutzen  des  äußeren 
Ohrs  als  reflektierenden  Organs,  über  das  Trommelfell  und  die  Gehör- 
knöchelchen als  Schallleiter  und  die  Leitung  der  Gehörsempfindung  durch 
den  Nervus  acusticus  ins  Gehirn. 

—  Abraham  Ortollut  veröffentlicht  in  seinem  „Theatrum  orbis  terrarum" 
53  Karten  in  Kupferstich,  die  für  die  Geschichte  der  Kartographie  von 
großem  Werte  sind. 

—  Felix  Piator  macht  zuerst  den  Versuch  einer  Systematik  der  Geisteskrank- 
heiten und  tritt  für  eine  psychische  Behandlung  der  Irren  und  gegen 
Zwangsmaßregeln,  namentlich  gegen  die  Einsperrung  in  Gefängnisse  ein. 

—  Der  Benediktinermönch  Petro  ito  Ponca  zeigt  zuerst,  daß  die  Taubstumm- 
heit nicht  auf  einer  mangelhaften  Bildung  der  Sprachorgane  beruht,  sondern 
daß  die  Stummheit  nur  eine  Folge  der  Taubheit  ist  und  liefert  den  prak- 
tischen Beweis  hierfür,  indem  er  Taubstummen  zeigt,  wie  artikulierte  Töne 
gebildet  werden  und  ihnen  so  die  Sprache  wieder  schenkt. 

1571  Konrad  Hartttach  aus  Speyer  schreibt  sein  berühmtes  Buch  „Rei  rusticae 
libri  quatuor'S  das  erste  deutsche  Buch  über  Landwirtschaft,  das  den 
Keim  der  späteren  kameralistischen  Richtimg  der  landwirtschaftlichen 
Studien  enthält. 

1572  Der  Italiener  Raffaele  Bamballl  zu  Bologna  lehrt  in  seiner  1572  zu  Venedig 
erschienenen  „Algebra'*  ein  Verfahren  zum  Quadratwurzelausziehen,  das 
auf  die  Berechnung  von  Näherungswerten  mittels  Kettenbrüchen  hinaus- 

—     92     — 


1576 

kommt.  Pietro  Antonio  Cataldi  (s.  1613)  und  Daniel  Schwenter  (s.  1618) 
verbessern  dieses  Verfahren.     (Vgl.  auch  1659  Brouncker.) 

•72  Tycho  Bndi«  beobachtet  am  11.  November  einen  neuen  Stern  im  Sternbild 
der  Kassiopeia,  der  im  März  1574  wieder  unsichtbar  wird. 

•72 — 74  Isaao  Habrtdit  aus  SchafFhausen  erbaut  die  berühmte  Kimstuhr  im 
Straßburger  Münster,  welche  bis  zum  Jahre  1889  im  Gange  war. 

72  Nicolo  Monartfts  erwähnt  zuerst  die  SabadiUa,  aus  deren  offizinell  an- 
gewendetem Samen  das  Veiatrin  hergestellt  wird. 

Leonhard  ThamaytMr  macht  die  ersten  systematischen  Mineralwasser- 
analysen und  hebt  in  seiner  Schrift  „De  frigidis  et  calidis  aquis  minera- 
libus  et  metaUicis*'  zuerst  die  Möglichkeit  der  Darstellung  künstlicher 
Mineralwässer  hervor. 

WinMlm  von  Oranltn  bedient  sich  während  der  Belagenmg  von  Harlem  durch 
Herzog  Alba  der  Brieftauben,  um  sich  mit  seinen  Landsleuten  außerhalb 
der  Stadt  zu  verständigen.  Dasselbe  tut  er  im  folgenden  Jahre  bei  der 
Belagerung  von  Leiden. 

•73  Lorent  «lobMt  entdeckt  die  Blinddarm  platte  und  die  knorpelige  Rolle  für 
den  oberen  schrägen  Augenwinkel. 

-  Ambroise  Par<  ist  der  erste,  der  den  objektiven  Nachweis  von  Kindes - 
bewegungen  zur  Diagnose  des  Lebens  der  Frucht  verwertet.  (S.  a.  1543 
Vesahus.)  Er  gibt  eine  genaue  Darstellung  der  Wendimg  auf  die  Füße 
mit  nachfolgender  Extraktion.    (S   a.  536  n.  Chr.) 

-  Jacques  Pelttlar  erfindet  einen  Distanzmesser,  den  er  in  seiner  Schrift  „De 
Tusage  de  la  g^ometrie'*  beschreibt. 

-  Samuel  Zlmmtmumn  in  Augsburg  gibt  in  seinem  „Dialogus"'  eine  ausführ- 
liche Beschreibung  der  Kartätschgranate,  die  danach  mit  dem  spätem 
Schrapnell  (s.  1803  S.)  fast  völlig  identisch  ist. 

174  Lazarus  Ercker  gibt  in  seiner  „Probekunst**  an,  .„wie  das  Eysen  in  lang- 
wieriger starker  Hitze  mit  harten  oder  buchenen  Kohlen  ohne  Abgang 
geglühet  zu  hartem  Stahl  kann  gemachet  werden*';  es  handelt  sich  aber 
dabei  nur  um  eine  Härtung  kleiner  geschmiedeter  Gegenstände.  (Erste 
Erwähnimg  des  Zementstahls.)  (Vgl.  auch  1627.)  Er  gibt  Anweisung 
zu  einer  partiellen  Mineralanalyse  auf  trockenem  Wege  und  weist  auf 
die  Wichtigkeit  einer  feinen  Wage  hin,  die  er  beschreibt. 

»75  J.  INtndOEa  gibt  in  seinem  Kompendium,  in  dem  er  die  Winde,  Meeres- 
strömungen, Schiffskurse  usw.  abhandelt,  bereits  besondere  Segelanweisungen 
für  einzelne  Meere  und  Meeresteile. 

>  Ambroise  Part  spricht  zuerst  von  der  Anwendung  künstlicher  Augen,  die 
aus  Gold  und  Silber  gefertigt  werden.  Nächst  ihm  gedenkt  Geronimo 
Fabricio  (1617)  der  Anwendung  künstlicher  Augen  und  hält  gläserne  Augen 
für  die  am  meisten  geeigneten. 

-  Ambroise  Part  bespricht  in  seinem  „Tractatus  de  renunciationibus  et  ca- 
davenim  embaumatibus**  die  Lehre  von  den  Wunden,  deren  Gefahr  und 
Tötlichkeit,  ihre  gerichtliche  Feststellung  usw.  und  gibt  1583  eine  An- 
leitung zur  Erstattung  von  gerichtlichen  Gutachten.  ^ 

-  Ambroise  Part  beschreibt,  nachdem  im  Mittelalter  die  Massage  vergessen 
worden  war,  dieselbe  wieder  in  ihren  verschiedenen  Arten  und  Wirkungen 
und  legt  großen  Wert  auf  dieses  Heilverfahren  in  Fällen,  wo  die  Patienten 
lange  Zeit  das  Bett  hüten  müssen  und  keine  Bewegungen  machen  können. 

-  Der  Bologneser  Arzt  Caspar  Tacliaeozza  vervollkommnet  die  plastischen 
Operationen  noch  weiter  als  es  Celsus  und  Branca  vor  ihm  getan  hatten 
und  bildet  namentlich  auch  künstliche  Ohren. 

»76  Tycho  Brahe  bewirkt  eine  wesentliche  Verbesserung  der  astronomischen  Instru- 
mente und  fügt  am  Okularrande  der  Alhidade  ein  besonderes  Visier  hinzu, 

—     93     — 


1576 

das  ihm  gestattet,  sein  Instrument  mit  größter  Genauigkeit  auf  einen 
Stern  einzustellen.  Obwohl  seine  Apparate  mit  Fernrohren  noch  nicht 
versehen  sind,  verleiht  er  seinen  astronomischen  Messungen  auf  der  Insel 
Hveen  (Uranienburg  und  Stemenburg)  einen  bis  zu  seiner  Zeit  noch  nicht 
gekannten  Grad  von  Genauigkeit  und  schafft  dadurch  die  Grundlagen  für 
die  weiteren  astronomischen  Fortschritte,  namentlich  für  Kepler's  Be- 
rechnungen. 

1576  Tycho  Bnüit  verbessert  die  Armillarsphäre  und  benutzt  dieselbe  zur  Be- 
obachtung der  Stimden Winkel  und  Deklinationen  der  Sterne.  (S.  150  P.) 
£r  stellt  im  gleichen  Jahre  das  gleichförmige  Wachsen  der  Präzession  fest. 

1576 — 78  Der  englische  Seefahrer  Sir  Martin  FroMthtr  macht  auf  drei  Reisen  den 
Versuch,  die  nordwestliche  Durchfahrt  zu  finden,  doch  gelangt  er  von 
der  Ostküste  Grönlands  nur  bis  Baffinsland,  das  man  in  England  „Meta 
incognita"  nannte.  Er  entdeckt  die  Hudsonstraße,  die  er  jedoch  nicht 
weiter  verfolgt. 

1576  Matthias  Lobelliit  (de  TObel)  aus  Lille  ordnet  die  Pflanzen  habituell,  und 
zwar  nach  der  Blattform.  Er  unterscheidet  bereits  die  Monokotylen  und 
Dikotylen,  eine  der  vorzüglichsten  Abgrenzungslinien  in  der  Botanik. 

—  Der  englische  Seemann  Bobert  Norman  erfindet  den  Inklinationskompaß 
zur  Messimg  der  Neigung  der  Magnetnadel  gegen  den  Horizont.  Für 
London  ermittelt  er  eine  Inklination  von  71°  50®.  (Vgl.  seine  i.  J.  1680 
erschienene  Schrift  „The  new  attractive".  —  S.  auch  1544  Hartmann.) 

1577  Nachdem  schon  Nicolaus  von  Cusa  den  Vorschlag  gemacht  hatte,  die 
Schiffsgeschwindigkeit  nach  derjenigen  Zeit  zu  bestimmen,  in  der  das  Schiff 
an  einem  kleinen  über  Bord  geworfenen  Gegenstande  vorbeiläuft,  beschreibt 
zuerst  William  Bourae  das  Log  in  der  noch  jetzt  üblichen  Gestalt.  Die 
Ansicht  Humboldts,  daß  Magalhäes  schon  1520  das  Log  benutzt  habe,  ist 
durch  Breusing  widerlegt. 

1577 — 80  Sir  Francis  Drake  vollführt  mit  einem  Geschwader  von  5  Schiffen  die 
zweite  Erdumseglung.  (Vgl.  1520  Magalhäes.)  Er  durchfährt  die  Magalhäes- 
straße,  erblickt  Kap  Hoom  und  segelt  an  der  Westküste  Amerikas  entlang 
bis  43®  n.  Br.  Er  durchquert  alsdann  den  Stillen  Ozean,  erreicht  im 
Jahre  1579  die  Insel  Ternate,  läuft  Java  und  das  Kap  der  Guten  Hoff- 
nung an  und  gelangt  im  September  1580  nach  England  zurück. 

1577  Guido  UMdl  (Guidobaldo  del  Monte)  findet  das  Gesetz,  daß  Last  und 
Kraft  zueinander  im  umgekehrten  Verhältnis  der  Wege  stehen,  welche 
sie  in  derselben  Zeit  durchlaufen,  geht  aber  über  die  Anwendung  beim 
Flaschenzuge  und  dem  Rad  an  der  Welle  nicht  hinaus.  (Vgl.  1594  Galilei.) 

1578  Guillaume  49  Baillou  beschreibt  unter  dem  Namen  „Quinta*'  eine  in  Paris  vor- 
wiegend unter  den  Kindern  aufgetretene  Hustenepidemie,  die  sich  mit  dem 
Krankheitsbilde  des  Keuchhustens  deckt  und  die  früheste  Erwähnung 
dieser  Krankheit  ist.  Die  nach  M^zerai  im  Jahre  1414  aufgetretene 
Coqueluche-Epidemie  stellt  sich  eher  als  Influenza  dar. 

—  Jacques  Btnon  beschreibt  in  seinem  „Theatrum  instrumentorum  et  machi- 
narum'*  eine  Passigdrehbank  und  eine  Drehbank  zum  Gewindeschneiden, 
welche  mit  einer  Art  Leitspindel  versehen  ist.  Eine  Drehbank  zum 
Gewindeschneiden,  die  mit  2  Leitspindeln  ausgestattet  war,  war  schon 
von  Leonardo  da  Vinci  beschrieben  worden. 

—  Egnatio  Dantt  in  Bologna  konstruiert  zuerst  „durchgehende"  Windfahnen, 
bei  denen  die  Windrichtungen  zu  jeder  Zeit  auf  einer  im  Hause  selbst  be- 
festigten Windrose  abgelesen  werden  können. 

—  Marx  Fugger  aus  der  Familie  der  Fugger  zu  Augsburg,  Rat  Kaisers 
Rudolf  IL,  gibt  der  Züchtung»-  und  G^stütskunde  durch  sein  Werk  „Von 
der  Gestüterei**  eine  wesentliche  Bereicherung.     Er  betont  in  seinem  Buch 

—     94     — 


1&80 

auch   die  Notwendigkeit  einer  Pflege  der  Tierheilkunde  für  die  Landwirt- 
schaft und  Viehzucht. 

1578  Der  Kosake  Jermak  TlmofiJfW  dringt  in  Sibirien,  ein,  begründet  die  Herr- 
schaft Rußlands  vom  Uralgebirge  bis  zum  Irtysch  und  trägt  durch  seine 
Kriegszüge  viel  zur  Kenntnis  des  Landes  bei. 

—  Grerhard  INtrcalor  verwendet  in  seiner  Ausgabe  der  ptolemaeischen  Karten - 
Sammlung  sowohl  die  abweitimgstreue  unechte  Kegelprojektion  mit  kon- 
zentrische Kreise  bildenden  Breitenlinien,  die  vielfach  Bonne  zugeschrieben  ^^  >^ 
wird,  als  auch  die  ab  weitungstreue  unechte  Zylinderprojektion  mit  gerad- 
linigen parallelen  Breitenkreisen,  die  1650  Sanson  und  1729  Flamsteed 
anwenden  und  die  häufig  die  Sanson -Flamsteedsche  Projektion  genannt  wird. 

—  Die  Erdwalze  oder  völlige  Sappe  (d.  i.  die  Ausführung  der  Laufgräben 
derart,  daß  der  gegen  die  Festimg  vorarbeitende  Pioniertrupp  eine  £rd- 
deckung  vor  sich  errichtet  und  diese  beim  Weitervortreiben  der  Sappe 
stetig  weiterwälzt)  ist  eine  türkische  Erfindung.  Im  Abendlande  wendet 
zuerst  der  niederländische  Oberst  Sonnoy  bei  der  Belagerung  von  D eventer 
die  Erdwalze  an. 

1579  Nachdem  bereits  bei  den  Römern  eine  gelegentliche  Verwendung  kupferner 
und  bronzener  Schreibfedem  erwähnt  wird,  die  aus  dünnem  Bleche  ge- 
schnitten und  dann  hohl  gebogen  waren,  versucht  Andreas  Ludwif,  ge- 
bürtig aus  der  Umgegend  von  Reichenhall  in  Oberbayem,  eine  Herstellung 
von  Schreibfedem  aus  Messingblech.  Auch  Johann  Neudörffer  aus 
Nürnberg  soll  ähnliche  Versuche  gemacht  haben,  die  jedoch  ebensowenig 
wie  die  Ludwig'schen  praktische  Folge  hatten.     (Vgl.  1780.) 

—  Mathaeus  Mtfli,  ein  Arzt  aus  Langensalza,  erfindet  die  Gradierhäuser  zur 
Anreicherung  der  Salzsolen  behufe  Gewinnimg  von  Kochsalz  und  baut 
das  erste  Gradierhaus  in  Nauheim.     (Vgl.  auch  1726  B.) 

—  Der  italienische  Architekt  Giacomo  MIa  Porta  macht  den  Vorschlag,  die 
menschliche  Stimme  durch  Röhren  auf  weite  Entfernungen  fortzuleiten. 
(Akustische  Telegraph^e.)    L 

—  Fran^ois  VMl  begründet  durch  seine  Schrift  „Universalium  inspectionum 
ad  canonem  mathematicum  Über  singularis'*  innerhalb  der  Trigonometrie 
die  Goniometrie  als  vorbereitende  Wissenschaft. 

1580  Prosper  AIMnut  veröffentlicht  die  erste  Abbildung  und  Beschreibung  der 
Kaffeepflanze  in  Europa. 

—  Prosper  AIMniiS  lernt  im  Orient  die  Moxen  kennen  und  bringt  dieselben 
nach  Europa.  Die  Moxa  ist  ein  kleiner  aus  leicht  verglimmendem  Stoffe 
angefertigter  Kegel  oder  Zylinder,  der  bei  Gicht,  chronischem  Rheumatis- 
mus usw.  zum  Zweck  energischer  Ableitung  auf  der  Haut  verbrannt 
wird.    Jetzt  sind  die  Moxen  allgemein  durch  Brennapparate  verdrängt. 

—  Nachdem  nächst  Kleomedes  (s.  100  n.  Chr.)  auch  von  Alhazen  und  Bernhard 
Walther  einzelne  Beobachtungen  der  astronomischen  Strahlenbrechung 
mitgeteilt  worden  waren,  behandelt  Tycho  Braht  dieselbe  wissenschaftlich 
und  bestimmt  zum  ersten  Male  auf  empirischem  Wege  ihre  Größe. 

—  Der  Botaniker  Fabio  Columna  führt  den  bereits  Plinius  dem  Älteren  be- 
kannten offizineilen  Baldrian  in  den  Arzneischatz  ein,  nachdem  er  ihn  an 
sich  selbst  gegen  Epilepsie  angewandt  hatte. 

—  Rembertus  DiNhNiasvt  führt  die  Tomate,  die  den  Griechen  bereits  als  Genuß - 
pflanze  bekannt  war,  in  die  medizinische  Praxis  ein. 

—  Rembertus  Dwionatas  beschreibt  die  Kapuzinerkresse,  die  zu  seiner  Zeit  gegen 
Skorbut  verwendet  wird. 

—  O  bschon  die  Stärke  seit  den  ältesten  Zeiten  bekannt  und  auch  schon 
800  V.  Chr.  zu  Appreturzwecken  verwendet  worden  war,  wird  sie  doch  in 

—     95     — 


1580 

England  erst  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  eingeführt.  Das  Stärken 
der  Wäsche  ebensowohl,  wie  das  Blauen  derselben  wird  durch  die  Hollän- 
derin Abigail  GullhaiQi  die  Frau  eines  königlichen  Leibkutschers,  zuerst  be- 
wirkt. Das  Blauen  wird  derart  zur  Modesache,  daß  die  Königin  Elisabeth, 
in  der  Absicht,  sich  dasselbe  allein  zu  reservieren,  durch  ein  Manifest  vom 
23.  Juni  1596  es  ihren  Untertanen  verbietet. 
1580  Arthur  Ptt  dringt  auf  dem  Schiffe  „Georg'*  bis  in  das  Karische  Meer  vor 
und  fördert  die  Lösung  der  Frage  eines  nordöstlichen  Seewegs  nach  dem 
Stülen  Ozean  in  nicht  imbedeutendem  Maße. 

—  Ratellffo  in  Plymouth  begründet  zum  ersten  Male,  seitdem  die  Tironischen 
Noten  (s.  63  v.  Chr.  Tiro)  außer  Gebrauch  kamen,  ein  Kurzschriftsystem 
(Stenographie),  das  jedoch  zur  Andeutung  der  einzelnen  Wörter  bestimmte 
Zeichen  einführt,  daher  große  Anforderungen  an  das  Gedächtnis  stellt, 
und  nicht  zur  allgemeinen  Anwendung  gelangt.  Ein  ähnliches  System 
steUt  1588  Timothy  Bright  auf. 

—  Paolo  Sarpl^weiß,  daß  ein  Eisenstab  durch  Influenz  seitens  eines  Magneten 
selbst  zum  Magneten  wird. 

—  Pompeo  Tarfone,  Ingenieur  des  Marchese  Ambrogio  Spinola,  erfindet  die 
Feldmühlen.     (Wagenmühlen,  fahrbare  Mühlen.) 

—  Garcilafio  ile  la  Vtca  spricht  von  dem  Gebrauch  der  Inkafi,  auf  den  Hoch- 
ebenen von  Peru  zum  Schutz  der  Pflanzungen  gegen  Frost  durch  Verbrennen 
von  Mist  Rauch  zu  erzeugen,  der  wie  eine  Wolkendecke  wirke  und  den 
Frost  abhalte.    (S.  a.  1757  und  1867  T.) 

—  Fran^ois  VIeta  begründet  die  Buchstabenrechnung,  indem  er,  wenngleich 
auch  schon  vor  ihm  Buchstaben  zur  Bezeichnung  von  Zahlengrößen  gelegent- 
lich verwendet  worden  waren  (s.  330  v.  Chr.,  150  n.  Chr.),  die  folgerichtige 
und  systematische  Anwendimg  der  Buchstaben  in  die  Algebra  einführt 
und  dieses  Verfahren  auch  auf  die  Geometrie  ausdehnt. 

1582  Tycho  Brahe  führt  in  üranienburg  15  Jahre  hindurch  ein  meteorologisches 
Tagebuch,  in  dem  er  regelmäßig  den  Gang  der  Witterung  verzeichnet. 
Ähnliche  Aufzeichnungen  werden  von  Kepler  gemeldet. 

—  Der  Papst  Grsfor  XIII.  führt  nach  sechsjährigen  Verhandlungen  mit  den 
katholischen  Mächten  mittels  der  Bulle  „Inter  gravissimas*'  die  nach  ihm 
benannte  Kalenderreform  durch,  zu  w^olcher  der  italienische  Arzt  Luigi  Lilio 
die  Anregimg  gegeben  (vgl.  jedoch  1474  Sixtus)  und  der  Bamberger 
Mathematiker  Clavius  die  Berechnungen  ausgeführt  hatte.  Die  i.  J.  1582 
gegen  das  tropische  Jahr  bestehende  Abweichung  von  13  Tagen  wird  da- 
durch beseitigt,  daß  nach  Donnerstag  d.  4.  Oktober  gleich  Freitag  d. 
15.  Oktober  gezählt  wird.  Ferner  wird  in  Abänderung  des  julianischen 
Kalenders  (s.  46  v.  Chr.)  bestimmt,  daß  für  die  Folge  nur  diejenigen  Säkular- 
jahre Schaltjahre  sein  sollen,  die  durch  400  teilbar  sind. 

—  Der  aus  Deutschland  gebürtige  Techniker  Peter  Maurice  legt  unter  der 
London  Bridge  ein  durch  ein  Wasserrad  getriebenes  Pumpwerk  an,  das 
als  die  erste  Anlage  dieser  Art  in  England  bezeichnet  wird  imd  lange  Zeit 
hindurch  für  die  Wasserversorgungseinrichtungen  der  Städte  vorbildlich 
gewesen  ist. 

—  Paul  Witticli  findet  das  als  Prosthaphaeresis  bezeichnete  Rechnungsverfahren, 
das  vor  Erfindung  der  Logarithmen  sehr  gebräuchlich  war,  um  Multi- 
plikationen durch  Additionen  und  Subtraktionen  zu  ersetzen. 

1583  Georg  Bartitcfi  gibt  seinen  „Augendienst*'  heraus,  in  welchem  er  sich  als 
tüchtiger  Beobachter  und  geschickter  Augenarzt  zeigt,  und  in  dem  er  auch 
verschiedene  neue  Instrumente  und  neue  Operationen  beschreibt. 

—  Andreas  Caasalplnut  sucht  die  Pflanzen  nach  ihren  Fruktifikationsorganen 
in  ein  System  zu  bringen  und  gibt  eine  inhaltreiche  theoretische  Botanik. 

—      96     — 


1684 

1583  Andreas  Oatniplnm  bemerkt  zuerst  das  Anschwellen  der  Venen  unterhalb 
des  Verbandes  und  zieht  daraus  den  Schluß  auf  ein  Zurückfließen  des 
Blntes  in  den  Grefäßen. 

—  In  der  in  Basel  gedruckten  „Greometria  rotundi'*  des  Mathematikers  Thoma» 
FtaMk  aus  Flensburg  finden  sich  zuerst  die  Kamen  „Tangente"  und  „Sekante**. 
(Die  Einführung  der  Sekante  in  die  Trigonometrie  erfolgt  durch  Kopernikus.) 

—  Pieter  van  Fortttt  fördert  die  Medizin  durch  die  Herausgabe  seiner  Be- 
obachtungen und  tritt  gegen  die  sehr  verbreitete  Uromantie  auf,  indem 
er  hervorhebt,  daß  Temperatur,  Lebensalter,  Lebensart  usw.  auf  die  Be- 
schaffenheit des  Harns  großen  Einfluß  äußern.    (Vgl.  auch  1534  Femel.) 

—  Galileo  QallM  beginnt  seine  bedeutsame,  iast  sechs  Jahrzehnte  fortgesetzte 
Tätigkeit  als  Physiker  und  Astronom.  Er  legt  die  Ergebnisse  seiner  For- 
schungen in  den  in  den  Jahren  1612,  1623,  1632  und  1638  verfaßten,  erst 
nach  seinem  Tode  herausgegebenen  vier  Hauptwerken  nieder.  Dieselben 
enthalten  viele  von  ihm  schon  lange  vorher  erkannte  Tatsachen,  so  daß 
es  bei  den  meisten  Entdeckungen  Galileis  nicht  möglich  ist,  eine  bestimmte 
Jahreszahl  anzugeben.  Die  hier  folgenden,  auf  Galüei  bezüglichen  Artikel 
sind  deshalb  hinsichtlich  der  Jahreszahlen,  obwohl  auf  Gnmd  der  besten 
Quellen  geprüft,  trotzdem  zum  Teil  unsicher. 

—  Galileo  QallM  soll  —  bei  Beobachtung  der  Schwingimgen  einer  Lampe  im 
Dom  zu  Pisa  —  den  Isochronismus  der  Pendelschwingimgen  erkannt  haben. 
Doch  ist  das  Jahr  unsicher  und  der  ganze  Vorgang  historisch  nicht  scharf 
nachweisbar.  Auch  soll  Galilei  auf  Grund  jener  Entdeckung  einen  Apparat 
zur  Messung  der  Häufigkeit  des  Pulsschlages  ersonnen  haben. 
—  Felix  Plator  spricht  klar  aus,  daß  die  ErystalUinse  des  Auges  die  Bilder  der 
äußern  Gegenstände  auf  der  Netzhaut  entwirft,  daß  die  letztere  also  den 
Hauptteil  des  Sehwerkzeuges  darstellt.  (S.  a.  1160.)  Der  Irrtum  Platers, 
daß  die  Bilder  auf  der  Netzhaut  vergrößert  werden,  wird  von  Kepler  (vgl. 
1604  K.)  richtig  gesteUt. 

—  Joseph  Justus  Scallfir  veröffentlicht  sein  Werk  „De  emendatione  temporum", 
ein  bahnbrechendes  Lehrbuch  der  Chronologie,  das  Ordnung  und  Licht  in 
diese  Wissenschaft  bringt  und  ihm  den  Namen  des  Vaters  der  Chronologie 
einbringt. 

—  Joseph  Justus  Scallpr  schlägt  eine,  die  ganze  bekannte  Geschichte  um- 
fassende 2jeitrechnung  vor,  indem  er  durch  Multiplikation  der  zyklischen 
Zahlen  28,  19  und  15  eine  Periode  von  7980  Jahren  bildet,  die  er  „julia- 
nische  Periode"  nennt.  Das  4713.  Jahr  dieser  Periode  entspricht  dem 
ersten  unserer  christlichen  Zeitrechnung. 

1584  Sir  Walter  Ral^ifh  -bringt  zuerst  das  Curare,  das  im  wesentlichen  aus  dem 
eingedickten  Saft  gewisser  Strychnusarten  besteht,  nach  Europa  und  be- 
richtet, daß  dasselbe  unter  dem  Namen  Ourari  von  ^en  Indianern  Guyanas 
benutzt  werde,  um  die  Pfeilspitzen  zu  vergiften.  N^ere  Mitteilungen  über 
das  Curare  macht  insbesondere  Appun  (1871). 

—  Die  Kartoffel  soll  um  1565  bereits  durch  einen  Sklavenhändler  Hawkins 
nach  Irland  gebracht  worden  sein,  ohne  jedoch  Beachtung  zu  finden.  Nach- 
dem sie  inzwischen  durch  die  Spanier  auch  nach  Italien  und  Burgund 
gebracht  worden  war,  führt  sie  1584  Sir  Walter  Raleifh  zum  zweiten  Male, 
und  zwar  aus  Virginien  nach  Irland  ein.  Von  da  an  datiert  ihre  allgemeine 
Verbreitung,  um  die  sich  u.  a.  auch  Drake  verdient  gemacht  hat.  Dagegen 
ist,  wie  schon  Humboldt  nachgewiesen  hat,  die  Annahme  irrig,  daß  Drake 
die  Kartoffel  nach  Europa  eingeführt  habe. 

—      Johann  Schtnck  von  GraiMbMi;  wendet  zuerst  bei  asphyktisch  Verunglückten 
nach  Entfernung  aller  Atmungs- Hindernisse  künstliche  Respiration  an. 
Darmitaedter.  7 

—    97     — 


1584 

1584  Michael  Varro  äußert  in  seinem  „Tractatus  de  motu**  richtige  VorsteUimgen 
von  der  mechanischen  Kräftezusammensetzung. 

—  Nikolaus  Zurfclnden  in  Bern  verfertigt  ein  Schnellladegewehr,  an  dem  eine 
drehbare  Ladetrommel,  ähnlich  wie  bei  dem  heutigen  Revolver,  angebracht 
ist.  Die  Versuche  mit  dem  Schnellladegewehr  fallen  zwar  nicht  besonders 
günstig  aus,  doch  hat  die  Idee  eine  entwicklungsgeschichtliche  Bedeutung. 

1585  William  Borough  gibt  ausführliche  Anweisungen  zur  Bestimmung  der  Dekli- 
nation und  bespricht  ihre  Wichtigkeit  für  die  Navigation. 

—  Tycho  Brahe  stellt  ein  Weltsystem  auf,  bei  dem  die  Erde  den  Mittelpunkt 
der  Welt  bildet.  Sie  wird  von  Sonne  und  Mond  umkreist,  während  die 
Planeten  sich  um  die  Sonne  bewegen. 

1585  —  87  John  Davit  unternimmt  drei  Reisen  zur  Auffindung  einer  nordwestlichen 
Durchfahrt,  sichtet  den  südlichsten  Abschnitt  von  Ostgrönland,  das  er 
„Land  of  Desolation"  nennt,  und  kommt  an  der  Westküste  von  Grönland 
durch  die  nach  ihm  benannt«  Davisstraße  bis  über  72"  n.  Br.,  worauf  er 
quer  über  den  Meerbusen  zur  Hudsonstraße  steuert. 

1585  John  Davit  erfindet  den  Davis -Quadranten  (Backstaff),  welcher  sich  in  der 
Seeschiffahrt  rasch  einbürgert,  ohne  indes  den  Jakobsstab  (s.  1325)  ganz 
zu  verdrängen. 

—  Von  Philipp  II.  abgewiesen,  begibt  sich  der  italienische  Kriegsbaumeister 
Federigo  Qlaniballl  nach  Antwerpen,  wo  er  mit  den  von  ihm  erfundenen 
Minenschiffen  die  Brücke  sprengt,  mit  der  die  spanischen  Belagerer  die 
Scheide  gesperrt  hielten.  Anderen  Nachrichten  zufolge  hat  Gianibelli  Spreng- 
ladungen von  60  und  75  Zentnern  zum  Wegräumen  der  Sperren  angewendet. 
Hiernach  hätte  man  es  mit  einer  Art  von  Seeminen  zu  tun. 

—  Durch  den  aus  der  Grafschaft  Buckingham  gebürtigen  Engländer  Oranvilit» 
welcher  den  Gebrauch  der  Tonpfeife  bei  den  Eingeborenen  Virginias  kennen 
gelernt  hatte,  wird  die  tönerne  Tabakspfeife  in  Europa  bekannt. 

—  Jaques  Qiilliwntau  liefert  in  seinem  Buche  „Des  maladies  de  l'oeil  qui  sont 
en  nombre  de  cent  treize  auxquelles  il  est  subject"  das  beste  Lehrbuch  der 
Augenheilkunde  des  Mittelalters. 

—  Christoph  Rotliniann  in  Cassel  beobachtet  zuerst  das  Zodiakallicht  (Tierkreis- 
licht),  das  1661  im  Druck  von  Joshua  Childrey  beschrieben  wird  imd  dessen 
räumliche  Verhältnisse  1685  von  Jean  Dominique  Cassini  bestimmt  werden. 

—  Gasparo  Bertolotti  aus  Brescia,  genannt  da  Said,  hat  einen  wesentlichen 
Anteil  an  der  technischen  Ausbildung  der  heutigen  Violine,  deren  Erfindung 
ihm  bisweilen  zugeschrieben  wird.  (Vgl.  1553  Tieffenbrucker.)  Unter  den 
späteren  Violinenmachern  sind  namentlich  Niccolo  Amati  in  Cremona  und  — 
als  berühmtester  und  in  der  Folgezeit  nicht  wieder  erreicht  —  Antonio 
Stradivari  zu  nennen. 

—  Wenn  auch  nicht  mehr  zu  ermitteln  ist,  wer  die  erste  Zinseszinstafel  auf- 
gestellt hat,  so  sind  doch  als  erste  derartige,  im  Druck  erschienene  Tabellen 
die  von  Simon  Stovinut  in  seiner  „Practique  d'Arithm^tique"  gegebenen 
anzusehen. 

1586  Galileo  Qaill«l  konstruiert  eine  hydrostatische  Wage  (Bilancetta),  die,  auf 
dem  archimedischen  Prinzip  von  dem  Gewichtsverlust  eines  in  die  Flüssig- 
keit eintauchenden  Körpers  beruhend,  das  spezifische  Gewicht  fester  Körper 
zu  bestimmen  erlaubt. 

—  Simon  Stovinut  stellt  die  erste  richtige  Theorie  der  schiefen  Ebene  auf  und 
deutet  den  Satz  vom  Parallelograinm  der  Kräfte  an. 

—  Simon  Stovinut  spricht,  unter  Anlehnung  an  Ubaldi  (s.  1577)  bei  Gelegen- 
heit der  Untersuchung  des  Gleichgewichtszustandes  der  RoUen  und  Rollen- 
systeme das  Prinzip  der  virtuellen  Verschiebungen  aus. 

—     98     — 


1689 

1586  Simone  Viravfo  führt  den  Kupferstich  in  den  Musiknotendruck  ein,  welcher 
sich  seitdem  dauernd  neben  dem  Typendruck  (s.  1476  Hahn,  1498  Petrucci, 
1625  Haultin  und  1755  Breitkopf)  erhalten  hat. 

1587  Giulio  Cesare  Aranzlo  demonstriert  zuerst  das  Netzhautbildchen  an  einem 
ausgeBchnittenen  Tierauge  nach  Abpr&parieren  der  Lederhaut  und 
Aderhaut.    (S.  1625  S.) 

—  Giulio  Cesare  Aranzio  weist  zuerst  auf  eine  Difformität  des  Beckens  hin, 
eine  Beobachtung,  die  der  eigentliche  Ausgangspunkt  der  Lehre  vom  engen 
Becken  wird.     (S.  a.  1460.) 

—  Giovanni  Battista  BMMdtHi  ahnt  die  Ursache  der  Fallbeschleunigung 
und  hat  eine  gewisse  Kenntnis  von  der  Beharrung  der  Körper,  nicht  bloß 
in  Ruhe,  sondern  auch  in  Bewegung.  Er  spricht  aus,  daß  ein  im  Kreis 
geschwungener  Gregenstand  beim  Aufhören  der  Zentralbewegung  sich  in 
tangentialer  Richtung  fortbewegt. 

—  Tycho  Brahe  stellt  in  Uranienburg  seinen  „Quadrans  muraUs  sive  Tichonicus*' 
auf,  der  mittels  Transversaleneinrichtung  Sechstelminuten  abzulesen  er- 
laubt und  viele  Ähnlichkeit  mit  dem  Quadranten  des  Nassir-Eddin  (s.  980) 
aufweist.  Später  werden  große  Mauerquadranten  namentlich  von  Bird 
(1775),  Ramsden  (1780),  Troughton,  Reichenbach  (1819)  u.  a.  gebaut. 

—  Nachdem  der  Gedanke,  Winkelinstrumente  mit  zwei  zueinander  senk- 
rechten Kreisen  zu  konstruieren,  an  welchen  sich  beliebige  Visierrich- 
tungen  nach  Höhe  und  Azimut  festlegen  lassen,  zuerst  von  den  Arabern 
verwirklicht  worden  war,  konstruiert  Tycho  Braht  einen  Quadrans  azimu- 
talis,  der  aus  einem  Höhenquadranten  von  1^/2  Ellen  Höhe  besteht,  der 
über  einem  horizontalen  Vollkreis  von  2  Ellen  Durchmesser  spielt. 

—  Simon  Stovlnus  entwickelt  aus  den  Sätzen  des  Archimedes  das  sogenannte 
hydrostatische  Parodoxon,  wonach  Flüssigkeiten  einen  viel  größeren  Druck 
als  ihr  eigenes  Gewicht  auf  den  Boden  der  Gefäße  ausüben  können,  und 
bestimmt  auch  den  Druck  der  Flüssigkeiten  auf  vertikale  und  geneigte 
Seitenwände.  Er  stellt  femer  den  Satz  vom  Gleichgewicht  des  Wassers  in 
kommunizierenden  Röhren  auf. 

1588  Carolus  dvsius  pflanzt  in  Wien  und  Frankfurt  a.  M.  Kartoffeln  als  bota- 
nische Seltenheit  an.  (S.  1584  Raleigh.)  Ihren  botanischen  Namen  Sola- 
num tuberosum  erhält  die  Kartoffel  durch  Caspar  Bauhin. 

—  Der  Jesuit  Giovanni  Pietro  Maffel  in  Florenz  beschreibt  in  seiner  Schrift 
„Historiarum  indicarum  libri  XVI**  die  Teepflanze.  Der  Name  „Tee** 
stammt  von  den  Arabern,  welche  die  chinesische  Bezeichnung  „Tscha**  über- 
nahmen, das  Wort  aber  „Tiä**  aussprachen.     (Vgl.  150  v.  Chr.) 

—  Ldvio  Sanato  spricht  zuerst  von  zwei  magnetischen  Polen  der  Erde.  (Vgl. 
1530  Fracastoro.) 

1589  Galileo  QaliM  weist  nach,  daß  Körper  verschiedenen  Gewichts,  die  er  von 
der  Höhe  des  schiefen  Turmes  in  Pisa  herabfallen  läßt,  ihren  Weg  in  bei- 
nahe gleichen  Zeiten  zurücklegen. 

—  Der  englische  Student  der  Theologie  William  Lm  baut  den  ersten  Hand- 
kulierstuhl  für  Strumpfwirkerei  in  solcher  Vollkommenheit,  daß  der- 
selbe auch  heute  noch  in  seiner  ursprünglichen  Form  Verwendung 
finden  kann. 

~  Giambattista  dellt  Porte  gibt  an,  daß  man  mit  Eis  und  Salpeter  eine 
vreit  höhere  Kälte  als  mit  Wasser  und  Salpeter  (s.  1550)  erzeugen 
könne. 

—  Giambattista  MIa  Porte  gibt  in  seiner  ,,Magia  naturalis**  die  älteste  Be- 
schreibung eines  Wassertrommelgebläses.  In  seinem  Werke  schildert  er, 
wie  Eisenfeilicht  vom  Magneten  angezogen  wird,  an  diesem  wie  ein  Bart 
hängen  bleibt  und  selbst,  solange  es  nicht  aus  seiner  Lage  gebracht  wird, 

7* 

—     99     — 


1^9 

magnetische  Wirkungen  äußert,  daß  diese  Wirkung  aber  gestört  wird,  so- 
bald man  es  vom  Magneten  abschüttelt. 

1589  Daniel  Sp^ckls  beschreibt  in  seiner  „ Architectura' *  den  ersten  Proportional- 
zirkel. Der  Zweck  des  Proportionalzirkels,  welcher  aus  zwei  nach  Zirkel- 
art miteinander  verbundenen,  in  mannigfacher  Weise  mit  Marken  ver- 
sehenen Linealen  besteht,  ist  der  einer  graphischen  Tabelle.  Mit  der 
Verbesserung  des  Proportionalzirkels  hat  sich  im  Mittelalter  eine  große 
Anzahl  Mathematiker  beschäftigt. 

1590  Der  Jesuit  G.  dl  Acotta  gibt  die  erste  Beschreibung  der  Bergkrankheit  und 
führt  dieselbe  auf  die  Dünne  der  Luft  zurück. 

»-  Tycho  Brahe  entdeckt  die  dritte  große  Ungleichheit  des  Mondes,  die  jähr- 
liche Gleichung,  die  daraus  entspringt,  daß  die  Erde  sich  nicht  immer  in 
der  gleichen  Entfernung  von  der  Sonne  befindet.    (S.  150  und  980.) 

—  Nachdem  sich  die  Wasseruhr  (s.  450  v.  Chr.)  im  Mittelalter  auch  im 
Hausgebrauche  eingebürgert  hatte,  verbessert  Tycho  BralM  diese  Kon- 
struktion zu  astronomischen  Zwecken,  indem  er  das  Wasser  durch  Queck- 
silber ersetzt. 

—  Domenico  Fontena  soll  zur  Hebung  des  ägyptischen  Obelisken  auf  dem 
Petersplatze  in  Rom  von  der  Verkürzung  der  Taue  durch  Benässung  Ge- 
brauch gemacht  haben. 

—  William  Gilbert  stellt  sich  —  nach  der  von  Lasswitz  herrührenden,  aller- 
dings sehr  freien  Deutung  —  die  Wärme  als  Bewegung  eines  sehr  feinen 
materiellen  Äthers  vor.  Gilbert  selbst  bezeichnet  in  seinem  posthumen, 
erst  1651  veröffentlichten  Werke  die  Wärme  nur  als  „Actio  corporis**. 

—  Der  holländische  Optiker  Zacharias  Janttan  erfindet  das  zusammengesetzte 
Mikroskop,  welches  aus  der  Vereinigung  einer  BikonvexUnse  (Sammel- 
linse) und  einer  Bikonkavlinse  (Zerstreuungslinse)  besteht,  von  denen  die 
erstere  als  Objektiv,  die  letztere  als  Okular  dient. 

—  Johann  Praetorlut,  Professor  in  Altdorf  bei  Nürnberg,  erfindet  das  Diopter- 
lineal und  den  Meßtisch.     (Mensula  Praetoriana.) 

—  Simon  Stavinut  legt  mit  seiner  „Hylocynesie"  den  Keim  zur  teUurischen 
Morphologie.  Er  behandelt  darin  bereits  den  Bau  der  Ebenen  und 
Berge,  den  Lauf  der  Flüsse  und  die  Beziehungen  zwischen  festem  und 
flüssigem  Element. 

—  Simon  Staviniis  stellt  eine  Theorie  der  Gezeiten  auf,  die  es  ihm  ermöglicht, 
für  gegebene  Erdorte  die  Eintrittszeiten  für  Ebbe  und  Flut  mit  Rücksicht 
auf  den  Mondlauf  vorauszubestimmen. 

1591  Johannes  Colar  gibt  einen  ökonomischen  Kalender  heraus,  der  neben  den 
in  Kalendern  üblichen  Angaben  über  Tage,  Monate,  Sonnenaufgang  und 
Sonnenuntergang  ausführliche  Angaben  über  die  Arbeiten  enthält,  die 
während  eines  jeden  Monats  im  Hause,  in  den  Ställen,  auf  den  Feldern  usw. 
ausgeführt  werden  müssen  und  der  die  Veranlassung  zu  dem  1593  von  Coler 
veröffentlichten  Werke  „Oeconomia  oder  Hausbuch  des  Johannis  Colers" 
wird,  das  den  Weinbau,  Gartenbau,  Obstbau,  Waldbau,  Ackerbau,  die 
gesamte  Viehhaltung,  Jagd,  Vogelfang  und  Fischerei  behandelt. 

—  Federigo  Qlanlballl  bietet  dem  Lord  Burleigli  eine  Erfindung  an,  durch 
welche  er  das  Wasser  der  Londoner  Straßengossen  klären  imd  für  eine 
anderweitige  Verwendung  geeignet  machen  wiD.  Der  Vorschlag  —  eines 
der  ersten  geschichtlich  nachweisbaren  Beispiele  des  Versuchs  einer  Klärung 
der  städtischen  Abwässer  —  bleibt  unbeachtet. 

—  Faustus  Varantius  baut  die  erste  bekannte  Baggermaschine,  bei  welcher  die 
auf  Stielbagger  übertragene  Kraft  durch  eine  Anzahl  in  einem  Laufrade 
tätiger  Menschen  hervorgebracht  wird.  Er  entwirft  eine  Hängebrücke, 
die  jedoch  nicht  zur  Ausführung  gelangt. 

—      100      — 


1595 

1592  HieronymnB  FaMdus  ab  Aoquapendente  erwähnt  zuerst  das  Leuohtea 
des  Schlachtfleisehes  (Lamm-  nnd  Bockfleisch).  Das  Lenchten  an  dem 
Schleim,  den  Köpfen,  den  Augen,  sowie  den  Schuppen  der  Fische  hatte 
zuerst  Aristoteles  erw&hnt.  Robert  Boyle  stellt  1667  fest,  dafi  diese 
Eigenschaft  im  luftleeren  Räume  aufhört,  im  lufterfüllten  Räume  aber 
wieder  beginnt. 

—  Georg  Hotfnactl  in  Frankfurt  a.  M.  macht  die  ersten  bekannten  mikro- 
skopischen Beobachtungen  und  veröffentlicht  auf  50  Kupfertafeln  eine 
größere  Anzahl  von  Abbildungen  von  Insekten  als  Ergebnis  seiner  Beob- 
achtungen. 

—  Der  Holländer  Comelis  Comelisz  van  UHgttst  erbaut  die  ersten  durch  Wind- 
räder getriebenen  Holzsägemühlen,  nachdem  bis  dahin  solche  Mühlen  nur 
durch  Wasserräder  betrieben  worden  waren. 

1593  ScrvMrt  erfindet  die  Kapselpumpe,  bei  der  die  Wasserbewegung  durch 
zwei  entgegengesetzte  Drehbewegungen  oder  durch  die  Verbindung  einer 
Drehbewegung  mit  einer  geradlinigen  Bewegung  der  an  Stelle  der  Kolben 
wirkenden  Scheiben  und  Platten  bedingt  wird.  Trotz  der  Schwierigkeit, 
eine  haltbare  Dichtimg  für  die  Drehscheiben  und  Platten  herzustellen,  wird 
diese  Art  von  Pumpen  in  der  Folge  vielfach  angewendet  und  auch  noch 
vervollkommnet. 

1594  Wie  durch  eine  Regensburger  Handschrift  neuerdings  festgestellt  worden 
ist,  bezeichnet  es  Galileo  GallM  als  einen  allgemein  gültigen  Satz,  daß  bei 
allen  mechanischen  Vorrichtungen  in  demselben  Verhältnisse  an  Weg  und 
Zeit  verloren,  wie  an  Kraft  gewonnen  wird.     (Vgl.  1577  Ubaldi.) 

1595  Wer  zuerst  den  Calomel  in  der  Medizin  angewandt  hat,  ist  nicht  zu  er- 
mitteln; so  viel  aber  steht  fest,  daß  Joseph  du  Chetnt  (Quercetanus)  den- 
selben öfters  benutzt  hat,  weshalb  er  im  17.  Jahrhundert  auch  Panchy- 
magogum  Quercetani  hieß. 

—  Andreas  Jttsntr  gibt  in  seiner  „Kunstkammer"  an,  der  Wein  bleibe  süß, 
wenn  man  3 — 4  Pfund  Blei  in  das  Faß  lege.  Die  Verfälschung  des  Weines 
mit  Bleiglätte  ist  neueren  Datums  imd  zuerst  in  Frankreich  aufgekommen, 
wo  man  ihr  durch  eine  Verordnung  von  1696  zu  steuern  sucht. 

—  Andreas  UImyIus  gibt  das  erste  Lehrbuch  der  Chemie  „Alchemia  e  dispersis 
passim  optimorum  auctorum  etc.  coUecta."  heraus  und  entdeckt  bei 
Destillation  von  Quecksilbersublimat  mit  Zinn  das  Doppelt  -  Chlorzinn 
(Spiritus  fumans  Ldbavii). 

—  Andreas  LIiMnrIiit  beschreibt  das  wahrscheinlich  schon  früher  bekannte  neu- 
trale  essigsaure  Bleioxyd  und  bezeichnet  dasselbe  zuerst  als  Bleizucker. 

—  Andreas  Lltavlut  macht  zuerst  auf  die  Reaktion  zwischen  Salzsäure  und 
silberhaltigen  Lösimgen  aufmerksam. 

—  Andreas  Llbtvliit  erwähnt  zuerst  das  schwefelsaure  Ammoniak,  dessen  Dar- 
stellung aus  Schwefelsäure  und  Spiritus  Urinae  er  beschreibt.  Gegen  Ende 
des  17.  Jahrhunderts  wird  das  Salz  ein  beliebtes  und  viel  ge- 
brauchtes Arzneimittel  und  späterhin,  nachdem  die  Gasbeleuchtung  sich 
allgemein  verbreitet  und  man  das  Teerwasser  (Gaswasser)  zur  Bereitung 
der  Ammoniaksalze  anzuwenden  gelernt  hat,  ein  großer  Handelsartikel. 

—  Bartholomäus  PItIteiis  veröffentlicht  seine  „Trigonometria**,  welche  Be- 
zeichnung bei  ihm  zum  ersten  Male  vorkommt.  Er  gibt  derselben 
trigonometrische  Tabellen  bei,  und  zwar  in  der  Auflage  vom  Jahre  1612 
mit  DezimaLsteUen,  welche  durch  einen  Punkt  von  den  übrigen  Stellen 
getrennt  sind.  (Vgl.  aber  1600  B.)  Sein  Hauptverdienst  ist  die  im  Jahre 
1613  unter  dem  Titel  „Thesaurus  mathematicus**  erfolgte  Herausgabe  des 
großen  Kanon  des  Rhaeticus. 

—      101      — 


1696 

1596 — 97  Nachdem  Willem  Barents  bereits  im  Jahre  1594  eine  Expedition  zur 
Auffindung  des  nordöstlichen  Seewegs  unternommen  hatte,  die  ihn  bis  77* 
nördlicher  Breite  führte,  und  nachdem  im  Jahre  1595  eine  zweite  hoU&n- 
dische  Entdeckungsfahrt  gemacht  worden  war,  die  ergebnislos  verlief 
unternehmen  Willem  Barents,  Jacob  van  Heemsktrk  und  Jan  Comelisz  RIJp 
eine  neue  Expedition,  auf  der  sie  unter  74^30'  die  Bäreninsel  und  unter 
80<*  Spitzbergen  entdecken. 

1596  Willem  Barents  und  Jacob  van  Hoemsktrk  (s.  vorigen  Artikel)  beobachten 
auf  ihrer  Beise  im  nördlichen  Eismeer,  daß  die  Bamakel-  (Bemakel-) 
gänse  Eier  legen  und  bebrüten  wie  andere  Vögel.  Die  Annahme  der 
klerikalen  Schriftsteller,  welche,  um  diese  Gänse  als  Fastenspeise  zulassen 
zu  können,  dieselben  aus  der  Entenmuschel  (Lepas  anatifera)  entstehen 
lassen,  ist  damit  endgültig  widerlegt. 

—  Andreas  Caasalpinus  bespricht  in  seiner  Schrift  „De  metaUicis'*,  daß  Alaun» 
Salpeter,  Vitriol,  Zucker  usw.  aus  ihren  Auflösungen  immer  in  denselben 
Formen  anschießen  und  dürfte  damit  wohl  der  erste  Beobachter  der  Tat- 
sache sein,  daß  Salze  eine  verschiedene  Krystallgestalt  haben.  Er  hält 
indes  die  Krystallgestalt  nicht  für  ein  konstantes  Kennzeichen  der  Körper, 
weil  er  die  vorgefaßte  Meinung  hat,  daß  nur  die  organisierende  Kraft  be- 
stimmte Grestalten  erzeugen  könne,  was  bei  leblosen  Substanzen  nicht  der 
Fall  sei. 

—  Der  Mathematiker  Liidolf  van  Ceulen  in  Leiden  berechnet  die  nach  ihm  be- 
nannte Kreisumfangszahl  ji  auf  elementarem  Wege  (aus  dem  umschrie- 
benen imd  eingeschriebenen  1073,74r284-Eck)  auf  35  Dezimalstellen. 

—  David  Fabricius  entdeckt  den  13.  August  an  dem  Fixstern  o  Ceti  eine  auf- 
fallende Lichtveränderung  und  nennt  diesen  veränderlichen  Stern,  der  im 
Oktober  wieder  verschwindet,  später  aber  mit  wechselnder  Helligkeit 
wiederholt  beobachtet  wird,  ,,Mira  Ceti**. 

—  Sebastian  Hflile  regelt  zuerst  die  Brennzeit  des  Zünders  nach  der  Flugzeit 
des  Geschosses  und  wendet  einen  Fall-  und  Aufschlagzünder  an. 

—  Simon  Stevlnus  führt  die  Dezimalbruchrechnung  in  die  Kechenkonst  ein, 
indem  er  voUe  Klarheit  über  das  Wesen  der  Dezimalbrüche  schafft  und 
die  vorhandenen  Keime  (s.  1140)  zu  einem  klar  durchgebildeten  System 
vereinigt.  Stevinus  hatte  schon  i.  J.  1585  in  seiner  Abhandlung  „La  Disme" 

*     ausgesprochen,  daß  sich  alle  Berechnungen  des  Geschäftslebens  ohne  Brüche, 
nur  mittels  ganzer  Zahlen  ausführen  lassen.     (Vgl.  1600  Bürgi.) 

1597  William  Bariowe  in  Easton  bei  Winchester  erkennt  zuerst  den  störenden 
Einfluß  der  im  Schiffskörper  befindlichen  Eisenmassen  auf  den  Kompaß: 
Deviation.  (S.  seine  Schrift  „The  navigator's  supply".  -—  Vgl.  auch  1798 
Flinders.) 

—  Capo  Bianco  erwähnt  zuerst  in  seiner  Schrift  „Corona  e  palma  militare'* 
die  Anwendung  der  Kartusche  in  der  Artillerie,  welche  das  bis  dahin 
unbequeme,  zeitraubende  und  gefährliche  Laden  der  Geschütze  mit  losem 
Pulver  aus  einer  Ladeschaufel  entbehrlich  macht. 

—  Heinrich  lY.  von  Frankreich  soU  vor  Amiens  das  erste  Feldlazarett  er- 
richtet haben. 

—  Andreas  Llkavlut  macht  die  erste  bestimmte  Beobachtmig  über  die  blaue 
^  Färbung  des  Ammoniaks  mit  Kupfer. 

—  Buonajuto  Lorini  beschreibt  in  seinem  Werke  „Delle  fortificationi"  Hinter- 
ladungsgeschütze, die  auf  Galeeren  und  Kriegsschiffen  zur  Bequemlichkeit 
der  Kanoniere  sehr  gebräuchlich  seien.  Er  gibt  u.  a.  auch  die  Beschreibung 
einer  Seilbahn  zur  Bewegung  von  Erdmassen.    (S.  a.  1411.) 

—  Sir  Walter  Ralalfll  benutzt  das  Mahagoniholz  auf  Trinidad  zur  Ausbesserung 

—      102     — 


1600 

s^ner  Schiffe,  doch  wird  daa  Holz  in  England  erst  1724  eingeführt.    Die 
Rinde  wird  1787  von  Wright  in  Jamaika  als  Chinasurrogat  empfohlen. 

1598  Fortunato  FaMt  in  Palermo  ist  der  erste,  der  den  Wert  der  Sektion  zum 
Erweise  eines  Giftmordes  erkennt  imd  zu  dem  Behufe  die  Eröffnimg  und 
Untersuchung  der  Leichen  vorschlägt. 

—  Der  Senator  Carlo  Rulnl  in  Bologna  gibt  die  „Anatomia  del  Cavallo''  her- 
aus, ein  Werk,  das  durch  die  anschauliche  Beschreibung  der  Krankheiten 
des  Pferdes  und  deren  Heilung  einen  großen  Kuf  erlangt.  Neuerdings 
wird  bezüglich  des  genannten  Buches  die  Autorschaft  Ruinis,  der  ein 
Jurist  war,  in  Zweifel  gezogen. 

—  Nach  W^illiam  $h«kHptar>  ist  es  eine  zu  seiner  Zeit  bereits  allgemein  be- 
kannte Tatsache,  daß  der  Mond  die  Ursache  von  Ebbe  und  Flut  ist. 
(S.  Heinrich  IV.  [1.  Teü,  I,  2];  Lear  [V,  3:  „Wir  überstehen  List  und  Zwist 
der  Großen,  die  Flut  und  Ebbe  haben  nach  dem  Mond"];  Wintermärchen 
[I,  1];  Sturm  [V,  1]). 

1599  Ulisses  AMrwandi  gibt  die  drei  ersten  Bände  seiner  großen  Tiergeschichte 
heraus,  die  der  Naturgeschichte  der  Vögel  gewidmet  sind.  Die  ferneren 
Bände  werden  erst  nach  seinem  Tode  von  Uterverius,  Dempster  und 
Bartholomaeus  Ambrosinus  herausgegeben.  Das  Werk  geht  wenig  über 
G-esner  (s.  1550)  hinaus,   der  im  allgemeinen  kritischer  als  Aldrovandi  ist. 

—  Dirk  Qtrrlte  wird  auf  einer  Fahrt  durch  die  Magalhäes- Straße  durch  einen 
Orkan  angeblich  bis  64^  s.  Br.  verschlagen,  wo  er  schneebedecktes  Land 
(Grahamland t)  erblickt  haben  will.  Doch  haben  Buge  und  Wichmann 
nachgewiesen,  daß  er  nur  bis  56^  s.  Br.  gelangt  ist  und  den  nach  ihm  be- 
nannten Dirk  G^rritsz -Archipel  nie  gesehen  hat. 

—  Der  ItaUener  Ferrante  Imptrato  erwähnt  in  seiner  „Naturgeschichte*'  das 
Beißblei,  das  er  „Grafio  piombino**  nennt.  Die  Bezeichnung  „Graphit" 
stammt  von  Abraham  Gottlob  Werner. 

1600    Tycho  BndM  entdeckt  die  säkulare  Beschleunigung  der  Mondbewegung. 

—  Tycho  BralM  berechnet  die  erste  Kefraktionstafcl  und  benutzt  dieselbe,  um 
die  astronomischen  Beobachtungen  zu  korrigieren. 

—  Jujst  BQrfl  erfindet  imabhängig  von  Stevinus  (s.  1596)  die  Dezimalbruch- 
rechnung. Er  wendet  zuerst  einen  Punkt  zur  Abgrenzung  der  Dezimal- 
stellen an.  (Vgl.  aber  1595  Pitiscus.)  Er  konstruiert  ein  Triangularinstrument, 
das  aus  3  Linealen  mit  Dioptern  besteht  imd  zur  Verwendung  bei  den 
Feldmeßarbeiten  bestimmt  ist. 

—  Hieronymus  Faferldus  ab  Acquapendente  macht  hervorragende  entwicklungs- 
geschichtliche Arbeiten  und  gibt  die  ersten  Abbildungen  von  Embryonen, 
von  der  Decidua,  dem  schwängern  Uterus  und  der  Placenta.  Er  stellt 
auch  als  Erster  die  Lage  der  Krystalllinse  in  einer  Umrißzeichnung  richtig  dar. 

^  Hieronymus  Fabrldus  ab  Acquapendente  gibt  in  seiner  Schrift  „De  larynge 
vocis  organo"  die  erste  Monographie  über  den  Kehlkopf. 

—  William  GlllMrt  erforscht  die  Eigenschaften  der  natürlichen  Magnete,  gibt 
der  Lehre  vom  Magnetismus  eine  wissenschaftliche  Grundlage  und  be- 
gründet die  Lehre  vom  Erdmagnetismus  (vom  großen  Magneten  Erde). 
Durch  die  Annahme  des  Erdmagnetismus  gelingt  es  ihm,  die  Deklination 
und  Inklination  zu  erklären.  Er  behauptet  schon,  daß  jeder  unmagnetische, 
aber  durch  seine  Richtung  im  Baume  der  Erdeinwirkung  zugängliche 
Eisenstab  mit  der  Zeit  selbst  zum  Magneten  werden  müsse.  (Vgl.  auch 
1530  und  1588.) 

~~  William  Gilbert  betrachtet  zuerst  die  Anziehungskraft  des  Bernsteins  als 
eine  neue  selbständige  Natur  kraft  und  gibt  ihr  nach  dem  ""HXexxqov  (Bern- 
stein) den  Namen  „elektrische  Kraft".  Neben  dem  Bernstein  führt  er  eine 
Menge  Körper  an,  die  durch  Reiben  elektrisch  werden.   Er  ist  der  Erfinder 

—      103      — 


1600 

des  ersten  elektrischen  Meßinstruments  (Elektrometers)  zum  Nachweis  der 
Elektrisierung  durch  die  Anziehung  eines  schi^ingenden  Metallst&bchens. 
1600  Hans  Htydtn  in  Nürnberg  baut  ein  Klavier  (Creigen  -  Klavizimbel) ,  bei 
welchem  die  Klaviersaiten  nicht  durch  Hämmeranschlagen,  sondern  durch 
kleine  mit  Kolophonium  bestrichene  Räder  zum  Tönen  gebracht  werden. 
Ähnliche  Versuche,  den  Effekt  von  Streichinstrumenten  vermittels  einer 
Klaviatur  zu  erreichen,  werden  später  u.  a.  gemacht  von  Gleichmann  in 
Ilmenau,  Le  Voirs  in  Paris,  Hohlleld  in  Berlin,  Kunze  in  Prag  imd  RoUig 
in  Wien. 

—  Fabriz  von  HIMtii  erneuert  die  alte  Kunst  der  Inder  und  Araber  (s.  500 
V.  Chr.  und  1256),  Eisen  mit  dem  Magneten  auszuziehen,  indem  er  mit 
dem  Magneteisenstein  einen  kleinen  Eisensplitter  aus  der  äußeren  Schicht 
der  Hornhaut  entfernt. 

—  Die  erste  Nachricht  über  Feldapotheken,  die  man  mit  in  den  Krieg  führte, 
stammt  von  Fabriz  von  HIMon,  der  erwähnt,  daß  der  Marschall  Moritz  von 
Sachsen  einen  sogenannten  „Feldkasten"  mit  sich  geführt  habe. 

—  Fabriz  von  Hilden  beschäftigt  sich  mit  der  Untersuchung  des  äußeren  Grehör- 
gangee  und  mit  dessen  krankhaften  Zuständen  imd  erfindet  das  erste 
Speculum  auris  zur  Erforschimg  des  Grehörganges. 

—  Anton  Möller  in  Danzig  erfindet  die  Bandmühle,  die  es  ermöglicht,  daß 
ein  Arbeiter  auf  dem  Webstuhl  16  oder  auch  mehr  Bänder  gleichzeitig 
herstellen  kann. 

—  OUvier  de  Serret  behandelt  in  seiner  Schrift  „Theätre  d'agriculture"  die 
Obstzucht  in  methodischer  Weise.  Auch  beschreibt  und  empfiehlt  er  die 
seit  dem  Altertume  (s.  60  Columella)  nicht  mehr  angewendete  Drainage. 

—  Simon  Stevlnut  baut  einen  Segelwagen,  welcher,  nur  durch  die  Kraft  des 
Windes  getrieben,  mit  28  Personen  besetzt  günstig  verlaufende  Probe- 
fahrten zwischen  Scheveningen  und  Petten  unternimmt. 

—  Johann  ThöMen  in  Frankenhausen  konstruiert  ein  Skalenaraeometer  zum 
Spindeln  von  Salzlauge,  das  jedoch  die  Grenzen  der  Frankenhausener 
Saline  nicht  überschritten  zu  haben  scheint.  Thölden  ist  wahrscheinlich 
der  Verfasser  der  früher  dem  Erfurter  Mönch  Basilius  Valentinus  zuge- 
schriebenen Schriften,  welche  von  Thölden  untergeschoben  worden  sind, 
während  Baailius  Valentinus  überhaupt  keine  geschichtliche  Person  ist. 

—  Guido  UMdl  fördert  durch  seine  „Perspectivae  libri  sex"  die  Perspektive. 
Er  beweist,  daß  die  Bilder  aller  mit  der  Tafel  nicht  gleichlaufenden  Parallel- 
linien  des  wagerechten  Grundrisses  im  Horizonte  des  Auges  zusammenlaufen. 


—      104      - 


Siebzehntes  Jahrhundert. 


1601  Der  Portugiese  Godinho  d«  Ertdia  landet  an  der  Nordweetküste  AustralienB 
in  der  Gegend  des  Vandiemen  •  Golfs  und  ist  der  erste  Europäer,  der 
Australien  betreten  hat.  Die  Westküste  wird  1616  von  Dirk  Hartog,  die 
Südküste  1627  von  Nuyts  erreicht.     (Vgl.  1606  J.  und  T.) 

—  Der  Ostindien fahrer  Jamee  Lancattor  leitet  die  erste  Expedition  der  1600 
gegründeten  Ostindischen  Kompagnie  und  legt  den  Grund  zu  dem  Verkehr 
mit  Ostindien.  Die  Holländer,  deren  ostindische  Kompagnie  1602  ge- 
gründet wird,  beteiligen  sich  besonders  an  der  Erforschung  von  Ostindiens 
Inselwelt. 

—  Giambattista  MIa  Porta  macht  den  frühesten  bekannten  Versuch  zur  quan- 
titativen Bestimmung,  in  wieviel  Dampf  eine  bestimmte  Wassermenge 
sich  auflöst. 

—  Giambattista  MIa  Porta  macht  den  Vorschlag,  zur  Überleitung  des  Wassers 
in  Wasserleitungen  über  Berge  hinweg  den  Heber  zu  benutzen. 

—  Nach  William  Shakoipiaro  zeigt  sich  das  St.  Elmsfeuer  unter  Umständen 
auch  an  einem  Menschen.  (Juhus  Caesar,  I,  3:  „Ein  Sklave  hob  seine 
linke  Hand  empor;  sie  flammte  wie  zwanzig  Fackeln  auf  ein  Mal,  und 
doch,  die  Glut  nicht  fühlend,  blieb  sie  unverletzt.'') 

1602  Trotz  der  Einführung  der  Feuerwaffen  erfährt  das  Bogenschießen  und  die 
Konstruktion  von  Pfeil  und  Bogen  auch  im  späteren  Mittelalter  eine  stete 
Vervollkommnung.  Ganw  berichtet  in  seiner  Geschichte  von  Comwallis, 
daß  sich  die  Bogenschützen  seines  Landes  darauf  verstanden,  mit  Pfeilen 
von  EUenlänge  eine  Küstung  auf  500  Schritt  zu  durchschießen. 

—  JuUus  Cantrflut  macht  zahlreiche  anatomische  Entdeckungen  im  Gehör- 
organ und  fördert  dessen  Kenntnis,  sowie  die  des  Gehirns  und  der  Nerven 
durch  seine  im  vierten  Buche  seines  „Pentaesthesion"  enthaltenen  vortreff- 
lichen Zeichnungen  und  Beschreibungen. 

—  Galileo  Gailloi,  der  die  Tatsache  des  Isochronismus  der  Pendelschwingungen 
kennt  (s.  1583),  beweist  das  Gesetz  des  Falls  durch  die  Sehnen  des  vertikal 
gesteUten  Kreises.  Er  weist  nach,  daß  der  Fall  durch  den  Bogen  kürzere 
Zeit  erfordert,  als  durch  jede  zum  gleichen  Bogen  gehörige  Folge  von  Sehnen. 

—  Galileo  GalllOl  findet  für  die  Wurflinie  eine  parabolische  Gestalt,  die  sie 
indes,  was  Galilei  nicht  erkennt,  tatsächlich  nur  im  luftleeren  Baume  be- 
sitzt.   (Vgl.  1537  Tartaglia.)  —  Da«  Jahr  1602  ist  ganz  unsicher. 

— •  Der  Bakkalaureus  der  Theologie  John  Wllllt  stellt  das  erste  stenographische 
Alphabet  auf  (vgL  1580  Ratcliffe),  welches  inde4s  noch  der  Einfachheit  und 
Leichtigkeit  der  Darstellung  entbehrt.  William  Mason  verbessert  dieses 
System  wesentlich,  indem  er  1672  auf  alphabetischer  Grundlage  die  Worte 
nach  ihrem  Laute  schreibt,  daneben  aber  eine  Anzahl  von  symbolischen 

—      105      — 


1008 

Charakteren  einführt.  Sein  System  wird  von  Thomas  Gumey  vereinfacht 
und  danach  zeitweise  viel  benutzt.  Die  Bezeichnung  „Stenography"  ist 
zuerst  von  John  Willis  gebraucht  worden. 

1603  Johann  Bayer  veröffentlicht  den  ersten  Stematlas  „Uranometria'';  die  Sterne 
werden  zum  ersten  Male  der  Helligkeit  nach  in  jedem  Stembilde  mit  den 
Buchstaben  des  griechischen  Alphabets  bezeichnet.  Diese  Bayerischen  Be- 
zeichnungen sind  noch  heute  gebräuchlich. 

—  Carolus  Clusius  gibt  die  erste  eingehendere  Kunde  von  dem  Gummigutt, 
das  1295  bereits  aus  China  nach  Europa  gelangt,  aber  wenig  beachtet 
worden  war.  Seine  medizinische  Einführung  als  drastisch  wirkendes  Abführ- 
mittel erfolgt  gegen  1610. 

—  Joseph  du  Chesne  ( Quercetanus)  nennt  zuerst  in  seiner  Pharmakopoe  ein 
aus  spießglanzhaltiger  Schwefelleberlösung  mit  Säure  niedergeschlagenes 
Präparat  Goldschwefel  (Sulphur  auratum).  Das  Präparat  wird  später 
als  Fünffach- Schwefelantimon  erkannt. 

—  Marino  Ghetaldl  stellt  in  seinem  ,,Promotus  Archimedes  etc.**  die  ersten 
Tabellen  der  Volumgewichte  von  Flüssigkeiten  und  Metallen  zusammen. 

1604  Galileo  Galilei  versucht,  das  von  ihm  schon  vorher  erkannte  Gesetz  der 
Fallräume  durch  die  (unrichtige)  Annahme  zu  erklären,  daß  die  Geschwin- 
digheiten  des  fallenden  Körpers  den  zurückgelegten  Wegen  proportional 
seien.  Die  richtige  Erklärung,  daß  die  Geschwindigkeitszunahme  dejr 
Zeit  proportional  ist,  fällt  in  die  Zeit  nach  1604  und  vor  1609. 

—  Johann  Kepler  hat  eine  klarere  Vorstellung  von  der  Brechung  der  Strahlen 
im  Auge  als  Maurolykus  (s.  1560)  und  Plater  (s.  1583).  Kepler  läßt  auf 
der  Netzhaut  ein  umgekehrtes  Bild  entstehen  xmd  stellt  als  Bedingung 
des  deutlichen  Sehens  hin,  daß  die  Strahlen  eines  leuchtenden  Punktes 
auf  einem  Punkt  der  Netzhaut  vereinigt  werden.  Er  gibt  eine  vollstän- 
dige und  richtige  Theorie  von  dem  Nutzen  der  Brillen.  Er  untersucht 
ferner  den  Durchgang  der  Lichtstrahlen  durch  brechende  Medien  und 
streift  nahe  an  die  Erkenntnis  des  Brechungsgesetzes. 

—  Johann  Kepler  bestimmt  auf  theoretischem  Wege  die  astronomische  Strahlen- 
brechung und  stellt  Formeln  dafür  auf,  die  1661  von  Jean  Dominique 
Cassini  auf  geometrischem  Wege  vervollständigt  werden.  Er  erkennt  mit 
voller  Klarheit,  daß  nur  Zenitalstrahlen  ganz  ungebrochen  zur  Erde  kom- 
men können. 

—  Johann  Kepler  entdeckt  im  Sternbild  des  Ophiuchus  einen  neuen  Stern. 
Derselbe  übertrifft  an  Glanz  alle  Fixsterne  1.  Größe,  nimmt  zu  Anfang  des 
folgenden  Jahres  an  Glanz  ab  imd  verschwindet  zu  Anfang  des  Jahres  1606 
spurlos. 

—  Garcilaso  de  la  Vega  bringt  mit  seiner  Schrift  „Comentarios  reales''  die 
erste  Kunde  von  dem  Vorkommen  des  Guano  (h'uano)  nach  Europa.  Er 
berichtet,  daß  der  Guano  im  Inkareiche  von  alters  her  als  Düngmittel  im 
Gebrauch  gewesen  sei,  und  die  einzelnen  Guanolager  auf  die  Provinzen  des 
Landes  verteilt  waren. 

1605  Francis  Baeon  von  Verulam  schlägt  die  Beschaffung  einer  europäischen 
ünivcrsalsprache  nach  dem  Muster  des  Chinesischen  vor.  Es  sollen  durch 
Formeln,  welche  die  Ideen  der  Dinge  repräsentieren,  die  Gedanken  in  etwa 
derselben  Weise  zum  Ausdruck  gebracht  werden,  w4e  man  die  Ideen  durch 
die  artikulierte  Sprache  wiedergibt. 

—  Pedro  de  Quiros  entdeckt  Tahiti  und  andere  Südseeinseln. 

—  Simon  Stevinut  ist  der  Erste,  der  seit  al  Mamun  (vgl.  827)  die  Meßkette 
wieder  erwähnt  und  sie  abbildet. 

—  Der  französische  Minister  Maximilien  de  Sully  veranlaßt  den  Bau  des  Kanals 
von  Briare,    der  die  Loire   mit  der  Seine  verbindet.     Der  Kanal,   dessen 

—     106     — 


vm 

Länge  59  km  ist,  wird  1642   unter  Ludwig  XIII.  beendet;    er  stellt   den 
ältesten  französischen  Kanal  dar. 

1606  Sir  Bevis  Bvlnar  erhält  ein  Patent  für  das  erste  Eisenschneide  werk  in 
England,  bei  dem  das  Schneiden  durch  Schneidescheiben  geschieht.  (S.  auch 
1532  Hessus.) 

—  Der  Florentiner  Antonio  Cnrltttl,  welcher  die  Herstellung  der  Schokolade 
in  Westindien  kennen  gelernt  hat,  führt  diese  Fabrikation  in  Italien  ein. 

—  Willem  Jann  entdeckt  mit  seinem  Schiffe  „Duyfken*'  die  Ostseite  des 
Carpentariagolfs. 

—  Der  Spanier  Luis  Vaz  ito  Torrtt  entdeckt  die  Niedrigen  Inseln  und  durch- 
fährt die  nach  ihm  benannte  Torresstraße.  Die  von  Torres  befahrene 
Linie  ist  wegen  der  zahlreichen  Korallenriffe  gefährlich.  Für  die  Schiffahrt 
wichtiger  ist  daher  der  1802  von  Flinders  gefundene  Prince  of  Wales- Kanal. 

1607  Galileo  GallM  versucht  eine  Messung  der  Lichtgeschwindigkeit,  indem  er 
zwei  mit  Laternen  versehene  Beobachter  in  der  Dunkelheit  einige  Kilo- 
meter voneinander  entfernt  aufstellt,  von  denen  der  eine  seine  Laterne  zu 
bedecken  hatte,  sobald  er  das  Licht  des  anderen  verschwinden  sah.  Aus 
dem  Zeitimterschiede  der  Bedeckung  sollte  die  Lichtgeschwindigkeit  er- 
mittelt werden.  Diese  rohe  Methode  konnte  zu  einem  brauchbaren  Er- 
gebnisse nicht  führen,  enthält  aber  den  Grundgedanken  des  Meßverfahrens 
von  Fizeau  (s.  1849)  und  Foucault  (s.  1854). 

1607 — 11  Der  englische  Seefahrer  Henry  HiNlion  entdeckt  und  erforscht  bei 
seinen  vier  Versuchen,  eine  nordwestliche  Durchfahrt  zu  finden,  den  Hud- 
sonfluß, die  schon  von  Frobisher  (s.  1576)  befahrene  Hudsonstraße  und 
die  Hudsonbai,  wo  er  von  seinen  meuternden  Matrosen  in  einem  Boote 
ausgesetzt  wird  und  verschollen  bleibt. 

1607  Claudio  MmitMvnto  gestaltet  die  Tonarten  des  Glareanus  (s.  1547)  in  die 
moderne  Molltonart  um. 

1608  Btfuin  erwähnt  in  seinem  „Tirocinium  chimicum''  das  mittels  Schwefel,  Kalk 
imd  Salmiak  hergestellten  „Oleum  sulphuris'*  oder  „Liquor  Beguiui'%  das 
im  wesenthchen  aus  Polysulfureten  besteht.  Auch  van  Helmont  und  na- 
mentlich Boyle  (1663)  tun  dessen  Erwähnung;  der  letztere  mit  dem  Zu- 
satz, daß  die  Dämpfe  jener  Komposition  Blei-  und  Silberlösung  schwärzen. 

—  Thomas  Coryati  sucht  die  (nach  Petrus  Damianus)  gegen  1080  in  Italien 
aufgekommenen,  aber  auch  dort  wenig  gebräuchlichen  Gabeln  in  England 
einzuführen,  erntet  aber  nur  Hohn  und  Spott.  In  Frankreich  werden  die 
Gabeln  1589  am  Hofe  Heinrichs  III.  eingeführt,  aber  ebenfalls  als  weibische 
Ziererei  insbesondere  in  der  1589  erschienenen  Schrift  (L*isle  des  Herma- 
phrodites)  verspottet. 

—  Oswald  Groll  führt  durch  seine  „Basilica  chimica'*  eine  große  Anzahl  or- 
ganisch chemischer  Präparate  in  den  Arzneischatz  ein. 

—  Oswald  Groll  erwähnt  in  seiner  „Basilica  chimica**  das  Knallgold- Ammoniak, 
dem  Beguin  den  Namen  „Aurum  fulminans**  gibt  und  dessen  Zusammen- 
setzung von  Kunckel  um  1700  angedeutet  und  von  Bergmann  (1769)  und 
Scheele  (1777)  bestätigt  wird,  während  seine  Konstitution  erst  von  Dumas 
(1830)  ermittelt  wird. 

—  Oswald  Groll  gibt  dem  geschmolzenen  Chlorsilber  den  Namen  „Lima  Cornea, 
Homsilber".  Die  Löslichkeit  des  Chlorsilbers  in  Ammoniak  wird  zuerst 
1648  von  Glauber  erwähnt. 

—  Galileo  Qtlllol  erkennt  (etwa  in  der  Zeit  zwischen  1604  und  1609),  daß  der 
Fall  auf  der  schiefen  Ebene  eine  gleichförmig  beschleunigte  Bewegung  ist. 

—  Im  Jahre  1608  gelangen  durch  Vermittelung  der  hollftnillscheii  Ottindlen- 
kompafnio  zum  ersten  Male  indische  bedruckte  Kattune  in  das  Abendland. 
Dieses  Ursprungs  halber  erhalten  solche  Kattune  den  Namen  „Indiennes**. 

—      107      — 


Ig06 

1608  Der  hoUändische  Brillenmacher  Johann  Upperhty  in  Middelbnrg  sacht  am 
2.  Oktober  um  ein  Patent  für  das  sogenannte  hoUändische  Femrohr  nach, 
das  ans  einer  bikonvexen  und  einer  bikonkaven  Linse  zusammengesetzt  ist. 

—  Ludovico  MMTcato  beschreibt  in  seinen  „Opera  medica"  zuerst  die  per- 
niziösen dreitägig  intermittierenden  Fieber. 

—  Blaise  d«  Vlgtnira  entdeckt  die  Benzoesäure,  die  er  aus  Benzoeharz  in 
krystaUinisch  sublimiertem  Zustande  herstellen  lehrt. 

1609  Alonzo  Saavedra  Barba  führt  die  warme  Amalgamation  der  Silbererze 
unter  Benutzung  von  kupfernen  Kesseln  ein.  Er  erwähnt  auch  die  Ver- 
arbeitung geschwefelter  Erze  und  macht  auf  den  Nutzen  ded  vorherigen 
Röstens  derselben  aufmerksam.    (Cazoprozeß.) 

—  Wie  Caspar  Bauhln  berichtet,  ist  die  Jalape,  die  als  Drastikum  viel  ge- 
braucht wird,  i\nter  [dem  Namen  „Bryonia  mechoacanna  nigricans"  ans 
Mexiko  zuerst  nach  England  eingeführt  worden. 

—  Galileo  QallM  erkennt  im  Jahre  1609  (vielleicht  jedoch  schon  sehr  viel 
früher)  das  Prinzip  der  Trägheit,  wonach  ein  Körper,  auf  welchen  keine 
Kräfte  wirken,  in  Euhe  oder  gleichförmig  geradliniger  Bewegung  verharrt. 

—  Als  Galileo  Qalllti  im  Frühjahr  1609  von  der  holländischen  Erfindung  des 
Femrohrs  (s.  1608  Lipperhey)  Kunde  erhalten  hatte,  gelingt  es  ihm,  in 
kürzester  Zeit  (nach  seiner  eigenen  Anjgabe  in  einer  Nacht)  ein  dreimal 
vergrößerndes  Femrohr  selbständig  zu  fertigen.  Doch  behaupten  Zeit- 
genossen, wie  Fontana,  Galilei  habe  in  Venedig  ein  holländisches  Femrohr 
gesehen  und  dasselbe  zum  Muster  genommen. 

—  .   Karl  IX.  beginnt  mit  dem  Bau  des  Karlsgrabens,  der  Wener-  und  Wettersee 

mit  dem  Kattegat  verbindet,  die  Keihe  der  Kanäle,  die  sich  von  der  Ost- 
see zur  Nordsee  erstrecken  und  deren  Hauptglied  der  Trollhättakanal  bil- 
det, der  bezüglich  der  Stauhöhe  seiner  Schleusen  auch  heute  von  keiner 
anderen  Kanalanlagc  überholt  worden  ist.  Die  Verbindung  zwischen 
Hjelmar-  und  Mälarsee,  der  Kanal  von  Arboga,  wird  unter  Gustav  Adolf 
und  Christine  erbaut;  der  ganze  Kanal  wird  1832  vollendet. 

—  Johann  K^ptar  entdeckt  durch  sechsjährige  Kechenarbeit  auf  Grand  von 
Tycho  Bra^e*s  Beobachtungen  die  ersten  beiden  seiner  drei  Gesetze:  Die 
Planeten  beschreiben  Ellipsen  um  die  Sonne  als  Brennpunkt;  und:  Die 
Verbindungslinie  (Radius  vector)  zwischen  Sonne  und  Planet  bestreicht  in 
gleicher  Zeit  gleiche  Flächenräume. 

—  Johann  Ktptor  gibt  in  seinem  Buche  „De  SteUa  Martis''  zuerst  zahlen- 
mäßige Angaben  von  den  Anziehungskräften,  welche  nach  Verhältnis  ihrer 
Massen  Erde  und  Mond  gegeneinander  ausüben  und  führt  Ebbe  und  Flut 
als  einen  Beweis  an,  daß  die  anziehende  Kraft  des  Mondes  sich  bis  zur 
Erde  erstrecke. 

—  Johann  Llpptrfliey  führt  auf  Wunsch  der  hoUändischen  Generalstaaten,  die 
ihm  nur  unter  der  Bedingung  der  Einrichtung  eines  Femrohrs  zum  Ge- 
brauch für  beide  Augen  ein  Privileg  erteilen  wollen,  die  Verbindung  zweier 
Fernrohre  zu  binokularer  Benutzung  aus.    (Doppelfernrohr.) 

1610  Der  französische  Baumeister  Louis  de  Foix  beendet  den  im  Jahre  1584 
begonnenen  Bau  des  Leuchtturms  auf  Cordouan.  Dieser  jetzt  noch  tätige 
Leuchtturm  war  lange  Zeit  hindurch  für  derartige  Bauten  vorbildlich. 
(Vgl.  auch  1821  Fresnel.) 

—  Franzflsiseht  Buchbinder  verwenden  zuerst  an  Stelle  der  hölzernen  Buchdeckel 
Pappe,  die  anstatt  mit  Maroquin,  Saffian  oder  Schweinsleder  mit  Kalb- 
leder überzogen  wird.  An  den  Ursprung  erinnern  die  Namen  „Franzband'* 
und  „Halbfranzband*'. 

—  Galileo  Galilei  entdeckt  am  7.  Januar  1610  drei  Jui)itertrabanten  und  bald 
darauf  den  vierten.    (Vgl.  1610  Marius.) 

—      108      — 


1612 

1610  Galileo  QaÜM  entdeckt  den  Ring  des  Saturn,  den  er  jedoch  für  eine  Drei- 
teilung des  Planeten  halt.  (Vgl.  1657  Huygens).  Er  hat  zuerst  eine 
richtige  Vorstellung  von  der  Natur  der  Mondoberfläche  und  schätzt  aus 
den  Gebirgsschatten  die  Höhe  der  höchsten  Mondberge  auf  8000  m. 

—  Galileo  GaliM  spricht  zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  die  Milchstraße  eine  An- 
häufung unzähliger  nahe  aneinander  befindlicher  Sternchen  sei.  Er  teilt 
die  teleskopischen  Sterne  in  sechs  Größen  ein. 

—  Johann  Baptist  van  Htlmont  kennzeichnet  zuerst  die  bis  dahin  nicht  für 
wesentlich  verschieden  von  der  Luft  angesehenen  luftförmigen  Körper  als 
verschiedenartig  von  der  Luft  und  untereinander  und  gibt  ihnen  den 
Namen  „Gase**.  Namentlich  lehrt  er  den  Wasserstoff,  die  schweflige  Säure, 
die  Kohlensäure  usw.  kennen.  Er  spricht  zuerst  aus,  daß  die  Wirkung 
des  Pulvers  auf  einer  Gasentwicklung  beruhe. 

—  Johann  Baptist  van  Hthnmit  spricht  zuerst  aus,  daß  bei  der  Atmung  die 
Luft  eine  ähnliche  Rolle  spiele,  wie  bei  der  Unterhaltung  der  Plamme. 

—  Simon  Marlns  bezeichnet  sich  als  den  Entdecker  der  vier  Jupitertrabanten. 
Doch  tritt  er  mit  seiner  angeblichen  Entdeckung  erst  im  Jahre  1614,  also 
4  Jahre  nach  GaUlei  (s.  d.  1610)  in  die  Öffentlichkeit,  wobei  er  als  Datum 
der  Auffindung  den  29.  Dezember  1609  alten  Stils,  d.  i.  8.  Januar  1610 
neuen  Stils,  angibt. 

—  Raymund  MIndertr  führt  das  essigsaure  Ammoniak  als  „Spiritus  ophtalmicus 
Mindereri'*  in  den  Arzneischatz  ein. 

—  TranlHiann  gibt  die  erste  genaue  Beschreibung  eines  Kaiserschnittes,  den 
er  am  21.  April  an  einer  Lebenden  ausgeführt  hat.  (S.  a.  1500.)  Par6 
hatte  auf  Grund  eigener  Erfahrung  und  der  Resultate  seines  Schülers 
Guillemeau  sowie  derjenigen  von  Viart,  Brunet  und  Charbonnet  ausdruck- 
Uch  vor  dieser  Operation  gewarnt. 

1611  Die  Sonnenflecke  (s.  1160  Averrhoes)  werden  von  Johann  Fabricius,  Galileo 
Qalllti  und  Christoph  Schtlner  fast  gleichzeitig  wieder  entdeckt,  ein  Zu- 
sammentreffen, welches  sich  aus  der  kurz  zuvor  erfolgten  Erfindung  des 
Femrohrs  (s.  1608  Lipperhey  und  1609  Galilei)  erklärt. 

—  Galileo  Galilei  spricht  zur  Unterstützung  der  Kopemikanischen  Lehre  die 
Tatsache  öffentlich  aus,  daß  die  Planeten  keine  selbstleuchtenden  Himmels- 
körper  seien  und  daß  Venus  und  Mars  sich  um  die  Sonne  drehen.  Er 
lehrt  im  folgenden  Jahre  die  Achsen drehung  der  Sonne. 

—  Johann  Kepitr  erfindet  das  astromomische  oder  Kepler* sehe  Fernrohr,  das 
in  seiner  einfachsten  Gestalt  eine  Bikonvexlinse  als  Objektiv  und  eine 
ebensolche  als  Okular  hat  und  umgekehrte  Bilder  liefert.  Er  beschreibt 
das  Femrohr  in  seiner  „Dioptrik**,  in  der  er  diese  Wissenschaft  so  darsteUt, 
wie  wir  sie  auch  heute  noch  behandeln.  Die  Begrifife  „Prisma,  Linse, 
Meniskus  usw.''  werden  hier  zum  ersten  Male  aufgestellt. 

—  Nachdem  schon  Aretaeus,  Severinus  und  Forecst  Notizen  über  die  Diph- 
therie gegeben  hatten,  gibt  Villa  Real  mit  der  Schilderung  des  in  Spanien 
herrschenden  Jarotillo  ein  wohl  zu  erkennendes  Bild  dieser  Krankheit. 
Insbesondere  erwähnt  er  auch  die  zähe  Membran  als  Characteristikum. 

1612  Agullonliif  (Fran^ois  Aguillon)  begründet  die  Horopterlebre,  die  nament- 
lich von  J.  Müller  1826,  Pr6vo8t  1843,  Helmholtz  1862,  Hering  1863  und 
Volkmann  1863  gefördert  wird.  Horopter  ist  für  eine  bestimmte  Augen - 
Stellung  der  Inbegriff  aller  derjenigen  Punkte  im  Raum,  deren  Abbildungen 
bei  dieser  Augenstellung  auf  identische  Punkte  der  beiden  Netzhäute  fallen. 

—  Claude  Gaspard  Baclitt  da  Mteirlac  kündigt  in  seinen  „Probl^mcs  plaisaiits 
et  d^lectables  qui  se  fönt  par  les  nombres**  die  Auflösung  der  unbestimmten 
Cleichungen  vom  ersten  Grade  an,  die  er  1624  allgemein  und  vollständig 
gibt.     (Vgl.  auch  1484  Chuquet.) 

—      109      — 


1612 

1612  Bvtton  und  Ingram  unternehmen  eine  Hilfsexpedition  zur  Aufsuchung  des 
verschoUenen  Hudson.  (S.  1607.)  Sie  schließen  aus  den  Erscheinungen  der 
Ehbe  und  Flut  auf  einen  Zusammenhang  des  von  Hudson  aufgefundenen 
Meeres  mit  einem  weltlichen  Weltmeere  und  leisten  dadurch  den  Be- 
strebungen für  die  Auffindung  einer  Nordwestpassage  Vorschub. 

—  Johann  FaulhalMf  fördert  die  Lehre  von  den  arithmetischen  Reihen,  indem 
er  Summenformeln  für  die  Potenzen  der  aufeinanderfolgenden  Zahlen 
der  natürlichen  Zahlenreihe  bis  zur  Summe  der  11  Potenzen  einschließ- 
lich gibt. 

—  Simon  Marlus  entdeckt  als  ersten  Nebelfieck  den  Nebelfleck  in  der  Andro- 
meda,  zu  dem  Hartwig  1886  eine  Nova  findet. 

—  Der  Florentiner  Antonio  Nerl  trägt  durch  sein  Buch  „De  arte  vitraria" 
zur  Entwicklung  der  Glasbereitung  bei.  Er  kennt  bereits  das  Bld- 
kryst allglas,  das  er  von  allen  Gläsern  das  aUerschönste  und  edelste  nennt. 

1613  Christoph  Schtlnor  bestimmt  aus  der  Beobachtung  der  Sonnenflecke  die 
Rotationszeit  der  Sonne  und  die  Lage  ihres  Äquators  und  beobachtet 
zuerst  die  Sonnenfackeln. 

—  Jacob  Theodor  Tabernaemontaniit  gebraucht  zuerst  die  Amica  medizinisch 
gegen  die  Hämorrhoidalkoliken;  größere  Verbreitung  findet  dieselbe  jedoch 
erst  seit  1667  durch  Johann  Michael  Fehr.    (Vgl.  auch  1550.) 

1614  Robert  Bylot  und  William  Baffffin  machen  eine  Expedition  zur  Auffindung 
der  Nordwestpassage  und  gelangen  aus  der  Hudsonstraße  in  den  Foxkanal, 
wo  sie  indes  durch  Packeis  an  der  Weiterfahrt  verhindert  werden.  (S.  a. 
1616B.) 

—  Roderich  a  Castro  beschäftigt  sich  in  seinem  „Tractatus  Medico-Pohticus 
sive  de  officüs  medico-politicis  tractatus**  sehr  eingehend  mit  den  Auf- 
gaben des  Gerichtsarztes  und  muß  als  der  Schöpfer  der  wissenschaftlichen 
gerichtlichen  Medizin  bezeichnet  werden. 

—  Der  Grieche  Demlsdanut  wendet  zuerst  die  Benennungen  „Teleskop"  und 
„Mikroskop*'  an,  an  Stelle  der  für  diese  Instrumente  bis  dahin  gebräuch- 
lichen Bezeichnungen  „Perspicilia'S  „Conspicilia"  und  „Occhiali". 

—  Der  schottische  Mathematiker  John  Napier  of  Merehltton  wird  mit  seinem 
Werke  „Descriptio  mirifici  logarithmorum  canonis**  der  geschichtliche  Er- 
finder und  zugleich  Namengeber  der  Logarithmen,  welchen  Ruhm  sich 
Bürgi  hat  entgehen  lassen.  (S.  1620.)  Er  stellt  die  als  Napier'sche  Ana- 
logien bezeichneten  Formeln  zur  Berechnung  sphärischer  Dreiecke  auf. 

—  Der  italienische  Arzt  Santorio  Santoro  weist  die  Perspiration  (die  unmerk- 
liche Stoffausgabe  durch  Lunge  und  Haut)  und  andere  Erscheinungen  des 
Stoffwechsels  und  Wachstums  durch  jahrelang  fortgesetzte  Wägungen  nach. 

1615  William  Bafffln  wendet  zu  Ortsbestimmungen  zuerst  die  Methode  der  Mond- 
kulminationen  an,  welche  sich  auf  die  Beobachtung  der  Meridiandurch- 
gangszeit des  Mondes  gründet. 

—  Fabrizio  Bartolotti  entdeckt  den  Milchzucker,  den  er  durch  Eindampfen 
von  Molken  gewinnt.  Die  Herstellung  des  Milchzuckers  wird  seit  den 
letzten  Dezennien  des  18.  Jahrhundert«  ausschließlich  in  der  Schweiz  be- 
trieben und  bleibt  bis  gegen  1880  das  Monopol  der  Berggemeinde  Marbach 
im  Kanton  Luzern.  Erst  seitdem  entstehen  auch  Fabriken  in  Deutsch- 
land und  Amerika. 

—  Der  Werkmeister  an  der  Pariser  Münze  Nicolas  Briot  konstruiert  ein  Präge- 
werk, welches  in  seiner  Einrichtung  einem  Walzwerk  gleicht,  auf  dessen 
Walzenbahnen  sich  die  Gravierungen  der  Münzen  befinden.  Er  verkauft 
später  seine  Erfindung  an  Warin,  der  sie  noch  verbessert  und  zur  Ein- 
führung bringt.  (S.  a.  1552.) 

—      110      - 


1616 

1615  Johann    Baptist    van   Htlnioiit   weiß,    daß    die  Dämpfe    des    brennenden 
Schwefels  die  Flamme  erlöschen  machen. 

—  Johann  Baptist  van  Halmmit  bewirkt  durch  sein  ,,Phannacopolium  ac  dis- 
pensatorium  modernum'%  in  dem  viel  Belehmng  über  die  richtige  Dar- 
stellnng  der  Arzneien  und  über  die  Schädlichkeit  mancher  damals  ge- 
brauchter Mittel  enthalten  ist,  einen  wesentlichen  Fortschritt  der  Arznei- 
mittellehre. Er  macht  zuerst  auf  die  stärkende,  erhitzende  Kraft  des 
Mohnsaftes  aufmerksam. 

—  Johann  Baptist  van  Halniont  erwähnt  zuerst  die  Feuererscheinung,  unter 
welcher  sich  der  Schwefel  mit  den  Metallen  vereinigt.  Er  gibt  an,  beim 
Rösten  von  Blei  mit  Schwefel  Feuer  wahrgenommen  zu  haben,  ohne  daß 
ein  brennender  Körper  die  Mischung  berührt  habe.  Deimann,  Paets  von 
Troostwyk,  Nieuwlandt,  Bondt  und  Lauwerenburgh  zeigen  1793,  daß  die 
Feuererscheinung  auch  dann  eintritt,  wenn  die  Verbindung  von  Schwefel 
mit  Metallen  in  sauerstofffreien  Gasen  stattflndet. 

—  Andreas  Utavlus  schreibt  eine  „Chirurgia  transfusoria*',  aus  der  hervor- 
geht, daß  er  es  für  möglich  hält,  zu  Heilzwecken  Blut  von  einem  jugend- 
lichen Individuum  in  die  Gefäße  eines  älteren  zu  leiten.  Ähnliche  An- 
sichten waren  vor  ihm  schon  von  Hieronymus  Cardanus  und  Magnus 
Pegelius  geäußert  worden. 

—  Christoph  ScMntr  beobachtet,  daß  durch  zwei  im  Abstand  von  1 — P/2  mm 
in  ein  Kartenblatt  gestochene  feine  Öffnungen,  welche  dicht  vor  das  Auge 
gehalten  werden,  eine  Nadel  sowohl  in  sehr  geringer,  als  auch  in  sehr 
weiter  Entfernung  vom  Auge,  d.  h.  über  den  Nah-  und  über  den  Fern- 
punkt hinaus,  doppelt,  innerhalb  dieser  beiden  Grenzen  aber  einfach  ge- 

^  sehen  wird.  Auf  dieser  Beobachtung,  dem  Scheinerschen  Versuch,  beruhen 
die  Methoden  der  Optometrie,  der  Messung  der  Sehweite,  für  welche  man 
Optometer  (s.  d.)  konstruiert  hat. 
1616  William  Baffln  ei^orscht  bei  Versuchen,  einen  Wasserweg  zwischen  Hudson- 
bai und  Stillem  Ozean  zu  finden,  die  Baffinbai  und  entdeckt  den  Smith-, 
St.  Johns-  und  Lancoster-Sund.  Er  beobachtet  in  der  Baffinbai  die  größte 
damals  bekannte  Deklination  von  56^  westlich. 

—  Fabio  Gotonna  unterscheidet  bei  den  Fossilien  scharf  zwischen  den  Resten 
von  Süßwasser-  und  Seewasser-Tieren. 

—  Galileo  QallM  formuliert  seine  Theorie  der  Ebbe  und  Flut,  die  er  im 
wesentlichen  auf  die  doppelte  Bewegung  der  Erde  (Umdrehung  um  sich 
selbst  und  Umlauf  um  die  Sonne)  zurückführt. 

—  In  einem  Briefe  des  Thomas  Bartholinus  an  J.  L.  Hannemann  aus  der 
2.  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  findet  sich  folgende  Stelle:  „Singulare 
instrumentum  invenit  descripsitque  Franciscus  Katlar  Wetzlariensis  1616, 
quod  „Wasserhamisch"  vocat,  quo  tuto  ambulemus  in  fundo  maris, 
legamus  ibidem,  scribamus,  edamus  etc.  sine  periculo  vitae  longiori  tem- 
pore." Ob  der  damit  gemeinte  Apparat,  der  nach  der  beigefügten  Figur 
eine  wirkliche  Taucherglocke  darstellt,  nur  theoretisch  entworfen,  oder 
auch  praktisch  erprobt  ist,  wird  nicht  gesagt.  (Vgl.  a.  210  v.  Chr.,  1350 
und  1664.) 

—  Jacob  Le  Main  und  Willem  Cornelisz  Schonten  entdecken  die  Le  Maire- 
Straße  und  umsegeln  das  nach  ihrem  Schiffe  „Hoom"  Kap  Hoorn  benannte 
Südende  von  Feuerland.  Sie  stellen  zuerst  die  Gestaltung  der  Südspitze 
Amerikas  fest. 

—  Cesare  Mafati  tritt  für  eine  einfachere  und  mehr  exspektative  Wundbehand- 
lung, insbesondere  bei  Schußwunden  und  Fisteln  ein  und  spricht  sich 
gegen  die  zu  häufigen  Verbandemeuerungen  als  eine  schädliche,  die  Heilung 
verzögernde  Maßregel  aus. 

—      111      — 


1616 

1616  Jean  Baptiste  Morin  macht  zuerst  in  nngariBohen  Bergwerken  die  Ent- 
deckung, daß  die  Temperatur  mit  der  Tiefe  zunimmt.    (S.  a.  1763  Ott). 

1617  Der  Mathematiker  Henry  Brlfgi  (latinisiert  Briggius)  in  Oxford,  bestimmt 
die  Werte  der  von  Napier  of  Merchiston  (s.  1614)  erfundenen  Logarith- 
men bis  zu  großer  Genauigkeit  und  gibt  die  ersten  Tafeln  S-stelliger 
Logarithmen  heraus,  die  er  später  zu  14-8telligen  vervollständigt.  Briggs 
wählt  die  Zahl  10  als  Basis  der  Logarithmen,  weshalb  die  dekadischen 
Logarithmen  auch  als  „Briggs'sche  Logarithmen"  bezeichnet  werden. 

—  Naptor  of  Morehltton  erfindet  ein  Rechenbrett  (A.bakus)  mit  beweglichen 
Gliedern  (Napiers  bonos.  —  Napier'sche  Rechenstäbchen).  (Vgl.  seine 
Schrift  „Rabdologiae  seu  numerationis  per  virgulas  libri  duo".) 

—  Willebrord  Siiflllut  in  Leiden  schafft  durch  Einführung  der  Triangiilations- 
methode  die  Grundlage  der  heutigen  geodätischen  Erdmessung,  indem  er 
zeigt,  daß  die  Entfernung  zweier  weit  entfernter  Punkte  mit  Hilfe  einer 
verhältnismäßig  kurzen  (20  bis  30  km  langen)  Standlinie,  nur  durch 
Winkelmessung  und  trigonometrische  Ausrechnung,  bestimmt  werden 
kann.    (S.  1822  Schwerd). 

—  Willebrord  Snolllut  stellt  gleichzeitig  mit  Wilhelm  Schickhart  die  fälsch- 
lich „Pothenotsche  Aufgabe*'  genannte  geodätische  Aufgabe  auf  und  gibt 
deren  Lösung. 

—  Simon  Stevlnut  schafft  mit  Hilfe  von  Schleusen  und  unter  weitgehender 
Anwendung  der  Bewegung  des  Wassers  neue  wertvolle  Mittel  des  Festungs- 
baus. 

—  Eine  der  frühesten  Abbildungen  und  Beschreibungen  einer  Hebelade  findet 
sich  in  dem  „Recueil  de  machines'*  von  Fran^ois  Thybourtl  und  Jean 
Appier.  Von  hier  ist  die  Abbildung  in  Leurechons  „Recreationes"  xtnd  aus 
diesen  in  Schwenters  „Mathematische  Erquickstunden"  übergegangen. 
(S.  1723  L.) 

1618  Während  das  Tierheil wesen  im  Mittelalter  in  der  Hauptsache  in  den 
Händen  der  Hirten  und  Schmiede  lag  und  im  besonderen  ein  Militär- 
veterinärwesen nirgends  organisiert  war,  verfaßt  zuerst  der  kurbranden- 
burgische  Militärroßarzt  Martin  Böhme  ein,  wenn  auch  vom  heutigen 
wissenschaftlichen  Standpunkte  aus  sehr  unvollkommenes  Werk  über  die 
Pferdearzneikunde  („Ein  Neu  Buch  von  bewehrten  Roß-Artzeneyen"), 
welches  fast  100  Jahre  (1618—1710)  im  Gebrauch  bleibt. 

—  Johann  Baptist  Cytat  entdeckt  bei  Gelegenheit  der  Beobachtung  des 
Kometen  vom  Jahre  1618  den  Orionnebel. 

—  Galileo  QtllM  konstruiert  ein  Perspektiv  für  zwei  Augen,  das  vollkommener 
als  das  Lipperhey'sche  Instrument  (s.  1609)  ist. 

—  Johann  Kepler  stellt  sein  drittes  Gesetz  der  Planetenbewegungen  auf:  Die 
Quadrate  der  Umlaufszeiten  der  Planeten  verhalten  sich  wie  die  Kuben 
ihrer  mittleren  Entfernungen  von  der  Sonne.  —  Begeistert  fügt  er  hinzu: 
„Endlich  habe  ich  es  ans  Licht  gebracht  und  über  all  mein  Hoffen  als 
wahr  befunden,  daß  die  ganze  Natur  der  Harmonien  in  den  himmlischen 
Bewegungen  vorhanden  ist." 

—  David  Ramtey  und  Thomas  Wlldfoose  nehmen  ein  Patent  auf  eine  land- 
wirtschaftliche Maschine,  die  ohne  Anwendung  von  Pferden  oder  Ochsen 
pflügt,  „as  weD  as  to  ploughe  grounds  without  horses  or  oxen".  Dem- 
selben Ramsey  wird  1630  ein  Patent  auf  eine  Vorrichtung,  „durch  Feuer 
Wasser  in  Bergwerke  zu  heben**,  erteilt. 

—  Willebrord  Snelllus  entdeckt  das  Gesetz  des  konstanten  Verhältnisses 
zwischen  dem  Sinus  des  Einfallwinkels  und  dem  des  Brechungswinkels 
der  Lichtstrahlen. 

—     112     — 


1620 

519  Der  En^ander  Dud  Du4toy  verwendet  zur  Eisengewinnung  zuerst  Stein- 
kohle an  Stelle  der  bis  dahin  gebräuchlichen  Holzkohle. 

—  John  EthtrlilftM  stellt  die  erste  Ziegelformmaschine  her. 

619  Christoph  ScMnor  führt  den  Beweis,  daß  die  Netzhaut  das  eigentliche 
Sehorgan  ist  und  die  Kry stalllinse  und  der  Glaskörper  nur  dazu  dienen, 
die  Lichtstrahlen  dergestalt  zu  brechen,  daß  der  Gregenstand  sich  auf  der 
Netzhaut  darsteUt.  (S.  a.  1160.)  Er  bemerkt  die  mit  der  Akkommodation 
verbundene  Pupillenveränderung  und  gibt  die  erste  Abbildung  des  Auges, 
mit  welcher  auch  die  heutige  Anschauung  sich  befriedigt  erklären  kann. 

620  Francis  Baeon  von  Verulam  definiert  in  seinem  „Novum  Organum"  die 
Wärme  als  eine  Bewegung  der  kleinsten  Eörperteilchen. 

—  Francis  Bacon  von  Verulam  bezeichnet  in  seinem  „Novum  Organum"  die 
Südspitzen  Afrikas  und  Südamerikas  als  homologe  Bildungen  (Similitudines 
physicae  in  configuratione  mundi).    (Vgl.  auch  1772  C.) 

—  Caspar  Bauhin  bewirkt  eine  neue  Anordnung  der  Pflanzen  nach  habituellen 
Ähnlichkeiten.  Er  steUt  die  ersten  wissenschaftlichen  Speziesdiagnosen  auf 
und  benennt  die  Gattungen,  ohne  jedoch  für  diese  eine  Diagnose  zu  geben. 

—  Nachdem  Danner  in  Nürnberg  etwa  100  Jahre  nach  Gutenberg  die  Buch- 
druckpresse verbessert  hatte,  indem  er  die  bisher  aus  Holz  angefertigte 
Spindel  durch  eine  solche  aus  Messing  ersetzte,  bringt  der  Holländer  Willem 
JanszoonBlaM  wesentliche  Verbesserungen  an  der  Presse  an,  indem  er  nament- 
lich unter  der  sog.  Brücke  eine  nach  imten  gebogene  stark  federnde  Platte 
anbringt,  die  durch  ihr  Geradewerden  beim  Druck  demselben  seine  stoß- 
artige Plötzlichkeit  nimmt  und  ihn  verstärkt,  zugleich  aber  bei  dessen 
Nachlassen  den  Proßbengel  zurückschnellt. 

—  Just  BOrfi  veröffentlicht  seine  Schrift  „Arithmetische  und  Geometrische 
Progress-Tabulen",  eine  Logarithmentafel,  die  in  den  Jahren  1603 — 1611 
entstanden  ist,  zu  deren  Herausgabe  sich  aber  Bürgi  trotz  Kepler's  Auf- 
forderung nicht  früher  entschließen  konnte.  Bürgi  hat  sich  damit  den 
Ruhm,  der  geschichtliche  Erfinder  der  Logarithmen  zu  sein,  entgehen 
lassen.    (Vgl.  1614  Napier.) 

—  Fran^ols  in  Ronen  steUt  zuerst  die  sogenannten  Flocktapeten  her,  das  sind 
Tapeten  aus  Leinwand,  auf  die  das  Muster  durch  Schablonen  oder  Stempel 
mit  einem  Klebemittel  aufgetragen  und  mit  Scherwolle  der  Tuchmacher, 
oder  auch  mit  Seidenstaub  bedeckt  ist.  1634  wird  diese  Industrie  von 
Lanyer  nach  England  überführt. 

—  Edmund  Gunter  berechnet  die  trigonometrischen  Logarithmen  und  ver- 
öffentlicht die  ersten  Tafeln  der  Logarithmen  für  Sinus  und  Tangenten 
für  die  Grade  und  Minuten  im  ersten  Quadranten.  Er  gebraucht  zuerst 
an  Stelle  der  bis  dahin  üblichen  Bezeichnung  „Sinus  complementi*'  die 
durch  Wortumsetzung  und  Abkürzung  entstandene  Benennung  „Cosinus*'. 

~  Johann  Baptist  van  Helmont  lehrt  das  Weiterbestehen  eines  Körpers  in 
seinen  Verbindungen,  wie  der  Kieselerde  in  dem  Wasserglas,  des  Silbers  in 
seinen  Salzen,  erfaßt  demnach  den  Satz  vou  der  Erhaltung  des  Stoffes 
klarer  als  seine  Zeitgenossen. 

—  Johann  Baptist  van  Hflmont  verwirft  die  Idee  Galen's,  daß  die  Verdauung 
im  Magen  durch  die  Wärme  geschehe  und  setzt  an  ihre  Stelle  die  bessere 
VorsteÜung,  daß  das  an  die  Magensäure  gebundene  Fermentum  die  Ver- 
dauung bewirke.  Er  betrachtet  die  Galle  nicht  mehr,  wie  Galen,  als 
bloßes  Exkrement,  sondern  als  wichtigen  Faktor  der  Verdauung,  der  im 
Duodenum  auf  den  Speisebrei  einwirke,  und  da  sie  alkalisch  sei,  diesem  die 
Säure  nehme. 

T-     Fabriz  von  HildM  macht  in  seinen  „Observationes**  darauf  aufmerksam,  daß 
Schädelverletzungen  häufig  die  Ursache  von  Geisteskrankheiten  seien. 
Darmstaedter.  8 

—     113     — 


1620 

1620  Der  Kupferstecher  Theodor  Meytr  erfindet  den  weichen  Ätzgrund,  der  im 
wesentlichen  aus  Wachs  und  Asphalt  besteht.  (Für  den  bisher  auBsohließ- 
lich  benutzten  harten  Ätzgrund  war  ein  hoher  Prozentsatz  von  hartem 
Pech  verwendet  worden.)  Der  Grund  wird  durch  Lampenruß  geschwärzt, 
damit  die  durch  die  Nadel  bloßgelegten  Striche  der  Metallfläche  deutlich 
sichtbar  werden. 

1621  Der  neulateinische  Satiriker  John  Barday  in  Rom  spricht  in  s^nem  zu 
Paris  gedruckten  Romane  „Argenis*'  von  künstlich  gefrorenem  Weine 
und  in  Hohlformen  gefrorenen  Fruchtsäften  als  Tafelgenüssen.  (VgL  1660 
Couteaux.) 

—  Pierre  QasMiMil  begründet  mit  der  Beobachtung  des  großen  Nordlichts 
vom  12.  September  1621  —  er  nennt  die  Erscheinung  „Aurora  borealis''  — 
die  wissenschaftliche  Nordlichtbeobachtung. 

—  Francesco  Planonl  beschreibt  zuerst  die  Ausführungsgänge  der  heute  ge- 
wöhnlich nach  Bartholinus  benannten  Drüsen.    (S.  1661.) 

1622  Gasparo  AmIII  aus  Cremona,  Anatom  in  Pavia,  entdeckt  die  Mesenterial- 
drüsen,  die  als  „Pancreas  Asellii**  bezeichnet  werden  und  beschreibt  die 
schon  dem  Erasistratos  (s.  300  v.  Chr.)  bekannten  Chylusgefäße  in  ein- 
gehender Weise. 

—  Cornelius  DrabM  konstruiert  ein  Unterseeboot,  mit  welchem  er  zwei  Stunden 
lang  unter  dem  Themsespiegel  mit  zwölf  Ruderern  herumfährt.  Die  Ruder- 
griffe sind  durch  wasserdichte  Lederschläuche  ins  Innere  des  Fahrzeugs 
geleitet.  Eine  Spiere  am  Bug  sollte  einen  Torpedo  gegen  den  feindlichen 
Schiffskörper  stoßen.  Sobald  das  Deck  geschlossen  war,  konnte  das  Fahr- 
zeug 15  Fuß  tauchen.  Doch  bewährte  sich  das  Boot  ebensowenig  als  die 
Spieren-  und  Treibtorpedos,  die  1628  von  den  Engländern  bei  La  Rochelle 
versucht  wurden. 

1623  Der  Landgraf  Harmann  von  HMsen-CasMl  (Uranophilus  Cyriandrus)  macht 
tägliche,  regelmäßig  gebuchte  Wetternotierungen  durch  23  Jahre  hin- 
durch. 

1624  Francis  Bacon  von  Verulam  schlägt  vor,  die  Schallgeschwindigkeit  durch 
Abfeuern  von  Geschützen  (Messung  des  Zeitimterschiedes  zwischen  dem 
Blitz  des  Geschützes  imd  dem  Knalle)  zu  ermitteln. 

—  Philipp  CIQvMT  bereitet  durch  seine  „Introductio  in  G^ographiam  univer- 
sam"  den  Boden  für  die  später  ..Historische  Geographie"  benannte  erd- 
kundliche Disziplin. 

—  Pierre  QasMiitfl  begründet  aufs  neue  die  atomistische  Naturerklärung,  indem 
er  an  die  Atomenlehre  des  Epikuros  anknüpft. 

—  Der  Jesuit  Jean  LMirtdion  gebraucht  zuerst  (in  seiner  Schrift  „R^r^ations 
math^matiques'*)  das  Wort  „Thermometer". 

162Ö  Als  Erfinderin  des  unter  dem  Namen  „Aqua  Tofana"  bekannten  Gift- 
trankes, welcher  mit  Sicherheit  wirkte,  ohne  den  Verdacht  einer  Ver- 
giftung zu  erregen,  wird  die  Italienerin  Teofania  dl  Adamo  genannt  (hin- 
gerichtet 1633  zu  Pajermo).  Das  Gift  soll  durch  Kochen  von  weißem 
Arsenik  mit  Blei  und  Antimon  hergestellt  worden  sein. 

—  W.  Beale  schlägt  zum  Schutze  von  hölzeren  Schiffsböden  gegen  den  Bohr- 
wurm Schießpulver,  Zement  und  einen  Auszug  aus  Kupferarsenerzen  vor, 
die  er  zusammen  verkocht.  Ihm  folgt  anfangs  des  18.  Jahrhunderts 
Emerson  mit  einem  aus  gekochtem  Leinöl,  Glaspulver  und  Sand  be- 
stehenden Überzug. 

—  Christoph  8cheln«r  liefert  den  experimentellen  Kachweis  des  umgekehrten 
Netzhautbildchens.  (Vgl.  1587.) 

—  Francesco  Sttiluti  verwendet  das  Mikroskop  zur  Untersuchung  von  Teilen 
der  Bienen.     (S.  a.  1592.) 

—      114      — 


1628 

625  Der  kaiserliche,  sp&ter  gchwedische  Oberst  von  Wwnbraiid  konstruiert  leichte 
Kart&tsohgeschütze  aus  dünnen  Knpferrohren  mit  Tanumwicklung  und 
Lederumhollung,  die  sog.  ledernen  Kanonen  Gustav  Adolüs.  Die  Greschütze 
wurden  bereits  1631  wieder  abgeschafft,  weil  die  zu  rasche  Erhitzung  der 
Rohre  eine  Selbstentzündung  der  Ladung  herbeiführte.  Doch  wurde  der 
Gredanke,  wenn  auch  in  veränderter  Gestalt,  später  von  Hannoteau  und 
alsdann  von  Longridge  (s.  1884  L.)  wieder  aufgenommen. 

626.  Der  König  Gustav  AMf  vermindert  das  Gewicht  der  Muskete  auf  5  kg, 
wodurch  die  Gabel  entbehrlich  und  die  Beweglichkeit  der  mit  der  Mus- 
kete bewaffneten  Truppen  eine  größere  wird.  (S.  1567  Alba.) 

—  Jean  RloUai  entdeckt,  daß  die  Ursache  der  Hautfarbe  der  Neger  in  dem 
Pigmentreichtum  der  Epidermis  liegt,  welche  mit  der  Rasse  wechselt. 

—  Santorio  Santsro  gibt  in  seinem  Kommentar  zum  Kanon  des  Avicenna  an, 
_  daß   man   zur  Kälteerzeugung  das  Gemisch  von  Eis  und  Salpeter  durch 

ein  Gemisch  von  3  Teilen  Schnee  und  1  Teil  Kochsalz  ersetzen  könne. 
1627  Bei  der  Belagerung  von  La  Rochelle  durch  Richelieu  werden  von  der  Ar- 
tillerie an  Stelle  der  Rundkugeln  zylinderförmige  Langgeschosse  verwendet, 
eine  Erfindung  von  Clamsr  in  Nürnberg.  Da  diese  Geschosse  aus  glatten 
Creschützen  verfeuert  werden  und  ihnen  daher  die  Drehung  um  eine  sta- 
bile Längsachse  fehlt,  ist  ihre  Trefffähigkeit  gering.  Doch  hat  der  Vor- 
schlag Clamers  eine  entwicklungsgeschichtliche  Bedeutung. 

—  Mathurin  JoutM  de  la  Fliehe  erwähnt  in  seiner  „La  fideUe  ouverture  de 
Tart  du  serrurier"  ein  in  Piemont  gebräuchliches  Verfahren  zur  Umwand- 
lung von  Eisen  in  Stahl,  welches  darin  besteht,  daß  mit  Holzkohlenpulver 
bestreute  schmale  Stücke  weichen  Eisens  lagenweise  in  einen  feuerfesten, 
gut  verschlossenen  Tiegel  eingeschichtet  werden,  worauf  das  Ganze  längere 
Zeit  der  Weißglühhitze  ausgesetzt  wird.  Danach  ist  zu  Anfang  des  17.  Jahr- 
hunderts die  früher  bekannte  Tatsache  der  Zementstahlbereitung  fabrik- 
mäßig ausgenutzt  worden,  wie  auch  aus  Athanasius  Kirchers  „De 
Magnete"  (1641)  und  Dud  Dudley*s  „Meta]lum  Martis''  (1665)  hervorgeht. 

—  Nach  langen  Verzögerungen  erscheinen  Johann  Kepler's  astronomische,  auf 
Grund  der  Beobachtungen  Tycho  Brahe's  berechnete  Tafeln  unter  dem 
Titel  „Tabulae  Rudolphinae'*  zu  Ulm  im  Drucke.  Sie  treten  an  die  Stelle 
der  prutenischen  Tafeln.     (S.  1551  Reinhold.) 

—  Der  Tiroler  Caspar  Welndl  führt  am  8.  Februar  die  erste  erweisliche 
Sprengung  in  Bergwerken  im  OberbieberstoUen  zu  Schemnitz  aus. 

1628*  Benedetto  Castelll  verfaßt  das  erste  wissenschaftliche  Werk  über  die  Be- 
wegung des  Wassers  in  Flüssen  und  Kanälen  („Della  Misura  dell*  acque 
correnti")  und  findet  den  Satz,  daß  in  einem  Kanal  von  konstantem 
Querschnitt  die  Flüssigkeitsquerschnitte  des  im  stationären  Zustande 
fließenden  Wassers  sich  umgekehrt  wie  die  entsprechenden  Geschwindig- 
keiten verhalten. 

—  William  Harvey  findet,  daß  die  Venen  bei  der  Unterbindung  unterhalb  des 
Bandes,  d.  h.  dem  Herzen  am  fernsten,  anschwellen,  während  die  Arterien 
auf  der  dem  Herzen  nächsten  Seite  aufgetrieben  werden.  Er  kombiniert 
diese  Beobachtung  mit  der  des  Fabricius  ab  Acquapendente,  daß  sich  die 
Klappen  der  Venen  nach  dem  Herzen  öffnen  (s.  1570)  und  spricht  aus, 
daß  das  Blut  von  der  linken  Herzkammer  in  die  Arterien  bis  an  deren 
Ende  getrieben  wird  und  von  da  durch  die  Venen  zur  rechten  Herzkammer 
zurückkehre.  Er  beweist  in  seiner  Schrift  „Exercitatio  anatomica  de  motu 
cordis  et  sanguinis  in  animahbus'',  daß  der  Lungenkreislauf  nur  eine 
Fortsetzung  dieser  großen  Bewegung  ist  und  zeigt,  daß  seine  Entdeckung 
durch  die  Pulserscheinungen  und  die  Resultate  bei  Öffnung  der  Adern  be- 
stätigt wird.  (Großer  Blutkreislauf.) 

8* 

—     115     — 


1628 

1628  Jean  LMtault  berichtet  in  seinem  Werke  „Quatre  livres  de  Secrets  de 
M^decine  et  de  la  Philosophie  chimique",  daß  Puder,  Schminken  und 
Pomaden  sich  am  französischen  Hofe  einzuführen  beginnen.  In  Italien 
hatte  sich  deren  Gebrauch  ungefähr  von  1550  an  verbreitet,  nachdem  die 
seit  den  ältesten  Zeiten  geübte  Anwendung  von  Parfüms,  die  von  den 
Juden  über  Griechenland  nach  Rom  gekommen  und  dort  große  Aus- 
breitung gewonnen  hatte,  seit  der  Völkerwandenmg  fast  ganz  ver- 
schwunden war. 

1629  Der  Franziskanermönch  De  la  Roche  d'Allion  gibt  die  erste  Nachricht  über 
das  Erdöl  in  Amerika. 

—  Albert  GIranI  verfaßt  eine  Schrift  „Invention  nouveUe  en  Talg^bre",  in 
der  zum  ersten  Male  Formeln  für  den  Inhalt  sphärischer  Dreiecke  und 
Polygone  entwickelt  werden.  Er  weiß,  daß  jede  Gleichung  so  viele  Wur- 
zeln hat,  als  ihr  Grad  anzeigt,  und  daß  die  Koeffizienten  aus  den  Kombi- 
nationen der  Wurzeln  sich  darstellen  lassen.  Gleichfalls  neu  ist  die  Be- 
rechnimg symmetrischer  Funktionen  der  'Gleichungswurzeln  (bis  zur 
4.  Potenz)  [aus  den  Koeffizienten.  Auch  führt  er  den  Gebrauch  der 
Klammem  in  die  Buchstabenrechnung  ein. 

—  Wilhelm  Schickhart  gibt  in  seiner  „Kurzen  Anweisung,  wie  künstliche  Land- 
tafeln aus  rechtem  Grund  zu  machen**,  im  Anschluß  an  Snellius'  Methode 
(s.  1617)  an,  zur  Anfertigung  von  Karten  das  aufzunehmende  Gelände  mit 
einem  zusammenhängenden  trigonometrischen  Netz  von  Dreiecken  zu  über- 
ziehen, diese  nach  astronomischen  Beobachtungen  zu  orientieren  und  nach- 
her mit  dem  topographischen  Detail  auszufüUen.  1671  werden  diese  An- 
weisungen von  Jean  Picard,  unter  dessen  Namen  sie  vielfach  gehen, 
wiederholt. 

—  Marco  Aureiio  Severino  macht  die  erste  Resektion  des  Handgelenks,  die 
nach  ihm  von  Breschet  und  Gooch  mehrfach  ausgeführt  wird.  (S.  auch 
1786  M.) 

1630  Der  englische  Ingenieur  Beaumont  soll  zuerst  Holzbahnen  auf  den  Stein- 
kohlengruben von  Newcastle  upon  Tyne  für  Kohlen-  und  Steintransporte 
angewendet  haben. 

—  Vincenzo  Cascarlolo  entdeckt  den  Bononischen  Leuchtstein,  indem  er 
einen  am  Berg  Patomo  bei  Bologna  gebrochenen  Schwerspat,  den  er 
zwischen  Kohlen  kalziniert  hatte,  im  Finstern  leuchten  sieht.  (Phos- 
phoreszenz.) 

—  Cornelius  Drebbel  lehrt  die  Scharlachfärberei  mittels  Cochenille  unter  Zu- 
satz von  wässerigem  Zinnchlorid,  das  er  durch  Auflösen  von  Zinn  in 
Königswasser  erhält.  Durch  seine  Methode  erhält  man  Fabrikate,  die  dem 
Purpur  des  Altertums  an  Schönheit  gleichkommen. 

—  Der  Niederländer  Freyta|[  macht  Vorschläge  über  eine  rasche  und  billige 
Herstellung  von  Festungswerken  mit  Benutzung  des  Wassers  als  Hindernis 
und  unter  Verzicht  auf  Mauerwerk.     (Altniedorländische  Befestigung.) 

—  Nach  dem  Zeugnisse  von  G.  P.  Harsdörfer  und  A.  Böhm  (Magazin  für 
Ingenieure  und  ArtiUeristen,  1782)  ist  der  König  Gustav  Adolf  der  Urheber 
einer,  der  Dürer' sehen  Befestigung  (s.  1517)  ähnlichen  „kreisrunden  Be- 
fostigungsmanier*',  bei  welcher  bereits  das  Eisen  als  Panzermaterial  zur 
Herstellung  von  Panzerschirmen  in  Vorschlag  gebracht  wird.  Die  Schirme 
sollen  mit  Hilfe  von  Gegengewichten  hebbar  oder  versenkbar  sein,  —  ein 
in  der  Gegenwart  tatsächlich  praktisch  nutzbar  gemachter  Gedanke. 

—  Samuel  Haünreffer  gibt  in  seinem  „Nosodochium  in  quo  cutis  affectus 
tractantur"  der  Dermatologie  bereits  einen  reichen  und  umfassenden  In- 
halt und  berücksichtigt  bei  Diagnose  und  klinischer  Betrachtung  der  ein- 
zelnen Hautkrankheiten  sogar  Temperatur,  Puls  und  Urin. 

—      116     — 


1688 

1630  Zur  Zeit  Karl't  I.  von  Großbritannien  werden  dort  bereits  Düngungsversnohe 
mit  Salpeterlösnngen  ausgeführt;  doch  wird  die  Verwendung  salpetersaurer 
Salze  in  der  Landwirtschaft  erst  etwas  allgemeiner,  nachdem  der  Chili- 
salpeter auf  den  Markt  kommt,  was  etwa  um  das  Jahr  1831  geschieht. 

—  Der  Büchsenmacher  Augustin  Kiitttr  in  Nürnberg  schneidet  zuerst  schrauben- 
förmig gewundene,  also  mit  Drall  geführte  Züge  in  den  Büchsenlauf  ein. 
Die  Rimdkugeln  werden  zur  Beseitigung  des  Spielraums  in  getalgte  Lein- 
wandpflaster gehüllt  und  gewaltsam  in  den  Lauf  eingekeilt.  Noch  die 
preußischen  freiwilligen  Jäger  von  1813  führen  solche  Büchsen.  (S.  1480  Z. 
und  1826  D.) 

—  Jean  Ray  beobachtet,  daß  Zinn  und  Blei  beim  Kalzinieren  an  Gewicht  zu- 
nehmen und  leitet  diese  Gewichtszunahme  von  dem  Zutritt  der  Luft  zu 
dem  Metallkalk  her,  erkennt  also  nicht,  daß  der  Metallkalk  eine  Verbindung 
von  Metall  und  Luft  ist. 

—  Christoph  8cb9lntr,  einer  der  ersten  Beobachter  der  Sonnenflecke  (s.  1611), 
fertigt  zu  seinen  Sonnenbeobachtungen  ein  Femrohr  mit  Blendglas  an,  das 
er  Helioskop  nennt.  Ein  verbessertes  Helioskop  wird  später  von  Merz 
hergesteUt. 

—  Der  französische  Arzt  Thulllter  weist  zuerst  nach,  daß  der  unter  dem  Namen 
„Ignis  sacer''  seit  dem  Altertum  bekannte  Ergotismus  (Kriebelkrankheit) 

'  durch  das  Mutterkorn  verursacht  ist,  dessen  Giftigkeit  er  bei  Tieren  dartut. 

1631  Pierre  GasMüdl  und  Johann  Baptist  Cytat  beobachten  am  7.  November  1631 
zum  ersten  Male  einen  Vorübergang  des  Merkur  vor  der  Sonne. 

—  Thomas  Harrlot  (gest.  1621)  wendet  in  seinem  (erst  10  Jahre  nach  seinem 
Tode  gedruckten)  Werke  „Artis  analyticae  praxis"  zuerst  die  mathema- 
tischen Zeichen  für  „größer**  und  „kleiner**  (>  und  <)  an. 

—  Adrian  van  Mynilcht  führt  den  Brechweinstein  in  den  Arzneischatz  ein. 

—  Jean  Rey  scheint  zuerst  die  Ausdehnung  des  Wassers  zur  Temperatur- 
bestimmimg verwendet  zu  haben. 

—  Christoph  SdMliiar  beschreibt  in  seiner  „Pantographice  seu  Ars  delineandi 
res  quaslibet  per  parallelogrammum**  zuerst  den  Storchschnabel  (Pantograph), 
ein  aus  einem  Systeme  drehbarer  Lineale  bestehendes  Instrument  zur  Ver- 
größerung und  Verkleinerung  von  Zeichnimgen.     (Vgl.  1435  Alberti.) 

—  Der  französische  Mathematiker  Pierre  Varnler  erfindet  eine  Einrichtung  zur 
Ablesung  sehr  kleiner  Teile  an  den  Maßstäben  mathematischer  Instrumente. 
Die  Vorrichtimg  wird  meist  nach  dem  Mathematiker  Pedro  Nunez  „Nonius** 
genannt,  obwohl  dieser  nur  eine  unklare  Andeutung  jenes  Hilfsapparats 
(in  seiner  Schrift  „De  crepusculis  liber**,  v.  J.  1542)  gemacht  hatte. 

1632  Jean  Toutlil  vervollkommnet  die  Technik  der  Emailmalerei,  indem  er  lehrt, 
auf  weißem  Schmelzgrund  mit  verglasbaren  Farben  zu  malen.  Der  Haupt- 
vertreter dieser  Technik,  die  bis  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  für  Uhren, 
Dosen  usw.  sehr  beliebt  war,  war  Jean  Petitot  in  Genf  (1607 — 1691). 

1633  Alonzo  Saavedra  Barta  zu  Huancavehca  in  Peru  erfindet  den  Aludelofen 
zur  Destillation  des  Quecksilbers,  der  in  Almaden  von  Bustamente  ein- 
geführt wird.  Die  Kondensation  der  Metalldämpfe  erfolgt  in  sog.  Aludeln, 
etwas  ausgebauchten  Tonröhren  von  ca.  40 — 45  cm  Länge  und  20—25  cm 
größtem  Durchmesser,  welche  zu  40—45  Stück  aneinander  gesteckt  und 
gedichtet,  einen  Strang  bilden,  der  nach  der  Mitte  zu  geneigt  ist.  Die 
Aludeln  der  absteigenden  Hälfte  des  Stranges  haben  an  der  Unterseite  der 
Ausbauchung  kleine  Löcher,  durch  welche  das  kondensierte  Quecksilber  in 
eine  Sammelrinne  und  aus  dieser  in  Behälter  gelangt. 

—  Johannes  Jonstonus  gibt  in  seiner  „Thaumatographia**  und  später  in  seinem 
„Theatrum  xmiversaJe*'  eine  enzyklopädische  Darstellung  des  Tierreichs, 
die  indes  nicht  über  Gesner  (s.  1550)  und  Aldrovandi  (s.  1599)  hinausgeht. 

—      117     — 


1688 

1633—36  Richard  Nomrood  stellt  die  Entfernung  zwischen  London  und  York 
vermittels  der  Meßkette  fest  und  ermittelt  dadurch  die  L&nge  eines 
Meridiangrades  auf  57300  alte  Toisen,  woraus  sich,  die  Erde  als  voll- 
kommene Kugel  angenommen,   ein  Erdumfang  von  40437  km  errechnet. 

1633  Balthasar  Rtaler  erfindet  das  Hängezeug  zum  Grubenkompaß,  wodurch 
dessen  Verwendbarkeit  im  Bergbau  eine  wesentliche  Erweiterung  erfährt. 
(Vgl.  1786  S.) 

—  Der  Marquis  von  Woreeiter  erfindet  einen  optischen  Telegraphen  und  teilt 
dies  in  der  Schrift  „A  Century  of  inventions"  mit. 

1634  König  Ludwlf  XIII.  von  Frankreich  setzt  auf  Grund  eines  vom  Creo- 
graphenkongresse  in  Paris  am  25.  April  gefaßten  Beschlusses  die  Westspitze 
der  westlichsten  canarischen  Insel,  Ferro,  als  Ausgangspunkt  der  Meridian - 
z&hlung  für  die  Kartographie  fest.  Übrigens  hatte  schon  Ptolemaeus  den 
Nullpunkt  der  Längengradzählung  auf  die  Glückseligen  Inseln  (Canara) 
verlegt,  ebenso  auch  Mercator. 

—  Nicolas  Claude  Fabri  Mrasc  beschreibt  zuerst  die  positiven  und  negativen 
Nachbilder,  aus  denen  Newton  die  Dauer  des  Lichteindrucks  berechnet. 

—  Giles  Persone  (!•  Robenral  vollzieht  die  Quadratur  der  Zykloide  mit  Hilfe 
der  etwas  später  als  Sinuslinie  erkannten  Kurve. 

—  Philipp  White  führt  auf  den  Scliiffen  Ankerketten  anstatt  der  Ankertaue 
ein.  Allerdings  berichtet  über  eine  Verwendung  von  Ankerketten  schon  im 
Altertume  Caesar  (De  hello  gallico,  III,  13),  sowie  Strabo  (Geographica,  IV,  4). 

1635  Niccolo  Aoluiitl  stellt  zu  wissenschaftlichen  Zwecken  Gefrierversuche  mittels 
Wassers  imd  verschiedener  Salze  an  und  bestätigt,  daß  das  Wasser  beim 
Frieren  sich  nicht  zusammenziehe,  sondern  ausdehne,  wie  dies  Galilei 
daraus,  daß  Eis  auf  Wasser  schwimmt,  gefolgert  hatte. 

—  Der  Mathematiker  Francesco  Buonaventura  Cavalterl  gelangt  bei  den 
Untersuchungen  über  die  von  krummen  Linien  und  gekrümmten  Flächen 
eingeschlossenen  Räume  zu  dem  Begriffe  der  nach  ihm  benannten  „unteil- 
baren Elemente**,  indem  er  annimmt,  daß  beispielsweise  die  Linie  nicht 
aus  einer  unendhchen  Menge  von  Punkten,  sondern  aus  unteilbaren  Linien- 
dementen  besteht.  Seine  Auffassung  streift  mehrfach  den  Grundgedanken 
der  Infinitesimalrechnung.  (Vgl.  seine  „Geometria  indivisibilium  con- 
tinuorum  nova  quadam  ratione  promota*'.) 

—  Samuel  de  Champialn,  der  Gründer  Quebecs,  entdeckt  den  großen  cana- 
dischen  Seenkomplex,  von  dem  die  erste  Kunde  von  Cartier  (s.  1635)  ge- 
geben worden  war.  Nach  ihm  wird  der  1608  vom  ihm  entdeckte  See 
„Champlainsee*'  benannt. 

—  Henry  CMIIbrand  gibt  den  ersten  sicheren  Nachweis  von  der  Säkularvariation 
der  magnetischen  Deklination. 

—  Robert  Mamall  schmilzt  zuerst  das  Glas  mit  Steinkohle  anstatt  mit  Holz 
und  wendet  zum  Schutz  des  Glases  vor  Verunreinigung  durch  den  Kohlen- 
ruß bedeckte  Tiegel  an.  Zu  seiner  Zeit  kommt  zu  dem  Zweck,  das  Schmeleen 
in  den  Tiegeln  zu  erleichtern,  die  Verwendung  von  Bleioxydzusätzen  auf, 
woraus  sich  allmählich  die  Bleiglasindustrie  entwickelt. 

1636  William  Brlfgi  beschreibt  als  erster  die  Papilla  nervi  optici  und  steUt 
fest,  daß  sich  die  Retina  bis  an  das  Ligamentum  ciliare  erstreckt. 

—  Pierre  Femitt  braucht  in  seinem  „Methodus  ad  disquirendum  maximum 
et  minimum*'  zur  Bestimmung  des  größten  oder  kleinsten  Wertes  einer 
Funktion  eine  Rechnung,  bei  der  er  die  Differenz  zweier  Größen  und  da- 
durch mittelbar  auch  die  Differenz  zweier  zugehöriger  Größen  verschwindend 
setzt.     Er  wird  so  der  Erfinder  eines  Teils  der  Infinitesimalrechnung. 

—  Galileo  QallM  setzt  in  einem  Briefe  vom  5.  Juni  den  Gedanken,  ein  Pendel 
mit  einem  Zählwerk  zu  verbinden  und  das  Ganze  zur  Zeitmessung  zu  ver- 

—     118     — 


16»7 

wenden,  dem  Gouverneur  von  NiederländiBch- Indien,  Louren^o  Reaal  auB- 
einander  und  ändert  1641  seine  Idee  dahin,  daß  er  das  R&derwerk  wie 
bisher  durch  Gewichte  in  Bewegung  setzt  und  das  Pendel  als  Regulator 
benutzt.  Der  G^anke  wird  aber  infolge  der  Erblindung  Galilei's  und 
des  vorzeitigen  Todes  seines  Sohnes  Vincenzo  nicht  voUst&ndig  durch- 
geführt. 

163G  Der  Mathematiker  Marin  MtriMM  ermittelt  die  Gesetze  der  Vibration  der 
Saiten,  entdeckt  das  sympathetische  Mitklingen  gleichgestimmter  Saiten 
und  bestimmt,  einem  Vorschlag  von  Baoon  entsprechend  (vgl.  1624  B.)f  die 
Geschwindigkeit  des  Schalls  in  der  Luft  durch  die  Beobachtimg  des  Zeit- 
unterschiedes zwischen  dem  Aufblitzen  und  Hören  eines  abgefeuerten  Ge- 
schützes zu  1380  Pariser  Fuß.  Pierre  Gassendi  findet  i.  J.  1640  bei  einem 
ganz  ähnlichen  Verfahren  1473  Pariser  Fuß. 

1637  Renö  DMcarlM  begründet  durch  seine  epochemachende  „G6om6trie''  die 
analytische  Geometrie.  Pierre  Ftrmat  soU  sich  gleichzeitig  erfolgreich  mit 
analytischer  Geometrie  beschäftigt  haben;  seine  Abhandlung  „Isagoge  ad 
locos  planes  et  solides*'  soll,  |Wie  ein  Nachruf  im  Journal  des  s^avans 
1665  behauptet,  sogar  vor  Erscheinen  des  Cartesischen  Werkes  vollendet 
gewesen  sein. 

—  Renö  Dsicaitll  eröffnet  durch  die  in  seiner  „G6om6trie*'  angegebene  Koordi- 
natenmethode  einen  neuen  Weg  zur  Untersuchung  der  Kegelschnitte.  (Vgl. 
auch  1655  W.) 

—  Ren6  Dsicaitll  erfindet  die  Methode  der  unbestimmten  Koeffizienten,  die 
sich  von  größter  Fruchtbarkeit  erweist,  und  wendet  dieselbe  zuerst  zur 
Lösimg  des  Tangentenproblems  an. 

—  Ren6  DttcarlM  bringt  durch  seine  „G^omötrie**  die  Anwendung  der  Buch- 
staben X,  y  und  z  zur  Bezeichnung  unbekannter  Größen  in  allgemeinen 
Crebrauch.  Auch  die  Bezeichnungen  „reell'*  und  „imaginär**  stammen  aus 
diesem  Werke. 

—  Ren6  DttcartM  gibt  dem  von  Wülebrord  Snellius  gefundenen  Brechimgs- 
gesetz  den  heute  noch  gebräuchlichen  Ausdruck. 

—  Ren^  DttcarlM  gibt  eine  Beschreibung  von  Lupen  für  mikroskopische  Unter- 
suchungen (kleine  Organismen  u.  dgl.),  die  er  „Perspicilia  pulicaria  ex  uno 
vitro**  (Flohgläser  mit  einfacher  Linse)  nennt.  Nach  den  noch  vorhandenen 
Abbildungen  waren  diese  Lupen  bereits  mit  Spiegeln  zur  Beleuchtung  des 
Objekts  versehen. 

—  Ren6  DttcarlM  weist  darauf  hin,  daß  die  Akkommodation  des  Auges  — wenig- 
stens zum  Teil  —  auf  Formveränderungen  der  Linse  zurückgeführt 
werden  muß. 

—  Galileo  Qallltl  entdeckt  die  Libration  des  Mondes  in  Breite  und  die  pa- 
rallaktische  Libration. 

—  Johann  Htvtlliit  (eigentlich  Höwelcke)  in  Danzig  erfindet  die  Grundform  des 
heutigen  Wallspiegels,  bez.  derjenigen  Spiegelinstrumente,  welche  dazu 
dienen,  den  Gegner  (Schützen)  von  einer  Deckung  (WaD,  Anzeigerdeckung 
u.  dgl.)  aus  ungefährdet  imd  ungesehen  zu  beobachten.  HeveFs  Apparat, 
den  er  Polemoskop  oder  Kriogsperspektiv  nennt,  ist  oin  Femrohr,  welches 
am  Okular-  und  Objektivende  je  einen  unter  45°  geneigten  Planspiegel 
trägt,  so  daß  die  Sehlinie  zweimal  unter  90°  gebrochen  wird. 

—  Phineac^  Pttt  erbaut  in  Woolwich  den  ersten  Dreidecker  „The  Sovereign  of 
the  Seas**,  der  eine  Gesamtlänge  von  232  Fuß,  eine  größte  Breite  von 
48  Fuß  und  einen  Tonnengehalt  von  1637  t  besitzt  imd  100  Geschütze 
führt,  wovon  30  im  untern,  30  im  mittlem,  26  im  obem  Deck  sich  be- 
finden, während  die  übrigen  auf  dem  Oberdeck  der  Back  und  der  Hütte 
verteilt  sind.    Bis  dahin  waren  die  Kriegsschiffe  als  Zweidecker  gebaut. 

—     119     — 


1688 

1638  Nachdem  der  Copaivabaum  zuerst  um  1600  von  einem  unbekannten  portu- 
giesischen Mönch  erwähnt  worden  war,  spricht  Pater  Acufna  cuerst  von 
dem  Copaivaöl,  das  als  wundheilendes  Mittel  angewendet  werde.  1677 
figuriert  das  Mittel  bereits  als  „Balsamum  copaivae**  in  der  Londoner 
Pharmakopoe. 

—  Galileo  GallM  dehnt  etwa  i.  J.  1638  seine  Untersuchungen  der  Pendel- 
schwingungen (s.  1583)  auf  Pendel  verschiedener  Länge  aus  und  findet 
das  Gesetz,  daß  die  Pendellängen  sich  wie  die  Quadrate  der  Schwingungs- 
Zeiten  verhalten. 

—  Galileo  Galilei  begründet  die  Elastizitätslehre  und  die  Festigkeitslehre,  in- 
dem er  zuerst  die  Natur  des  Widerstandes  fester  Körper  gegen  Bruch 
zu  erforschen  trachtet.  (Vgl.  seine  Schrift  ,,Discorsi  e  Dimostrazioni  mate- 
matiche**.) 

—  Nicolo  Saliattiiil  macht  in  seinem  Werke  über  die  italienischen  Theater  den 
Vorschlag,  die  durch  die  leicht  entzündlichen  Dekorationen  bedingte  Feuers- 
gefahr dadurch  zu  mindern,  daß  die  zum  Anstriche  der  Hölzer,  Gewebe  usw. 
dienenden  Farben  mit  Ton  oder  Gips  gemischt  werden. 

—  Watkins  und  Bauftit  erhalten  in  England  das  ausschließliche  Recht,  Ziegel- 
steine mit  Steinkohlen  zu  brennen.  Bis  dahin  war  für  diesen  Zweck  nur 
Holz  benutzt  worden. 

Jlß3^    —      Benedetto  Castelll  führt  die  ersten  Regenmessungen  aus,  31  Jahre  vor  Er- 
findung des  ersten  selbstregistrierenden  Regenmesser^  von  Robert  Hooke. 

—  Der  französische  Ingenieur  G^rard  DMarguM  weist  darauf  hin,  daß  die 
ästhetischen  Maß  Verhältnisse  in  der  Kunst  vielfach  von  geometrischen  Gre- 
setzen  abhängig  sind,  und  führt  in  der  Untersuchung  der  Kegelschnitte 
eine  perspektivische  Beweisführung  ein.  Von  ihm  stammt  die  der  nicht- 
euklidischen Geometrie  zugrunde  liegende  Vorstellung,  daß  sich  zwei  pa- 
rallele Linien  in  unendlicher  Entfernung  schneiden. 

—  .lohn  Horrox  und  Craktree  beobachten  am  4.  Dezember  einen  Durchgang 
der  Venus  durch  die  Sonnenscheibc.     (Vgl.  hierzu  839.) 

—  Giles  Persone  dt  Robtrval  veröffentlicht  eine  Tangentenkonstruktion,  bei 
welcher  er  das  ParaUelogramm  der  Kräfte  verwendet,  indem  er  die  Kurve 
durch  Zusammensetzung  zweier  Bewegungen  entstehen  läßt.  1643  löst 
Torricelli  dieselbe  Aufgabe,  ohne  Roberval*s  Lösung  zu  kennen. 

1640  Marcus  Banitr  substituiert  als  erster  dem  verletzten  Trommelfell  ein  künst- 
liches und  beschreibt  dies  in  seiner  Schrift  „De  auditione  laesa". 

—  Alonzo  Saavedra  Barte  empfiehlt  zuerst  die  Anwendung  der  Flammöfen  für 
das  Rösten  und  Schmelzen  der  Bleierze.  Die  erste  praktische  Anwendung 
erfolgt  1698  durch  Wright  in  England. 

. —  William  Qascolfne  erfindet  den  ersten  mikrometrischen  Apparat,  indem  er 
in  der  Fokalebene  eines  Fernrohrs  zwei  parallele  Lamellen  anbringt,  deren 
einander  zugekehrte  scharfe  Kanten  durch  Schrauben  genähert  oder  ent- 
fernt werden  können.    (Schraubenmikroraeter.) 

—  Der  Goldschmied,  spätere  Mathematiker  Paul  Guldln  in  Wien  gibt  in  seiner 
Schrift  „Centrobaryca"  die  nach  ihm  benannte  Guldin'sche  Regel  (bary- 
zentrische  oder  zentrobarische  Regel)  zur  Bestimmung  des  Rauminhalts 
und  der  Oberfläche  eines  ümdrehungskörpers  an.  Die  Regel  war  indes 
schon  Pappos  (s.  300)  bekannt.  Guldin  legt  den  Grund  zur  Kombinations- 
theorio  und  berechnet  die  Anzahl  der  aus  23  Buchstaben  kombinierbaren 
Wörter. 

—  Johann  Baptist  van  Htimont  gibt  an,  daß  bei  der  Verbindung  von  Alkalien 
mit  Säuren  die  charakteristischen  Eigenschafton  der  ersteren  sowohl,  wie 
der  letzteren  verschwinden. 

—  Blaisc  Pascal  verfaßt  im  Alter  von  16Jahron  unter  Anlehnung  an  die  Unter- 

—     120     — 


u  ^ 


lft48 

sachungen  von  Desargues  (s.  1639  D.)  eine  Schrift  über  die  Kegelschnitte, 
die  auch  den  nach  ihm  benannten  Satz  vom  „Pascal'schen  Sechseck** 
(Hexagramma  mysticum)  enthält. 
1640  Giovanni  Battista  Rlcdoll  und  Francesco  Maria  QrimaMI  unternehmen  in 
den  Jahren  bis  1654  auf  dem  Turme  degli  Asinelli  in  Bologna  eine  Reihe 
von  Versuchen,  mit  Hilfe  fallender  Körper  die  Wirkung  des  Luftwider- 
standes zu  bestimmen. 

—  Nachdem  das  Sezieren  von  Leichen  Jahrhunderte  hindurch  als  sündhaft 
gegolten  hatte,  und  seit  Raimondo  de  Luzzi  (s.  1314)  kaum  mehr  geübt 
worden  war,  erhält  Werner  Rolflnk  zuerst  wieder  die  Erlaubnis,  mensch- 
liche Leichen  —  von  Verbrechern  —  sezieren  zu  dürfen,  woher  die  Bezeich- 
nung „rolfinken,  roliincare"  rührt. 

—  Daniel  StumpMt  soU  angeblich  die  Steinkohlenverkokung  erfunden   haben. 

—  Nachdem  die  Gräfin  del  Cinchon,  die  Gemahlin  des  Vizekönigs  von  Peru, 
1618  durch  die  in  Peru  seit  langer  Zeit  benutzte  Chinarinde  von  einem 
Wechselfieber  geheilt  worden  war,  führt  Juan  tfel  Vtco,  der  Leibarzt  der 
<5räfin  del  CJinnchon,  die  Rinde  in  Spanien  ein,  wo  1642  Peter  Barba  ein 
Werk  zu  ihrer  Empfehlung  schreibt. 

641  Madame  Marion  Delorme  erwähnt  in  einem  Brief  vom  Jahre  1641,  daß 
ein  Mann  namens  Salomon  dt  Caus  lange  Zeit  hindurch  den  Kardinal 
Richelieu  mit  der  „verrückten"  Idee  verfolgt  habe,  man  könne  Schiffe^  ^ 
durch  Dampf  fortbewegen.  Neuere  Forschungen  lassen  es  als  sehr  wahr- 
scheinlich erscheinen,  daß  diese  Angabe  ihre  Richtigkeit  hat,  so  daß  dem- 
nach hier  die  erste  —  wenn  auch  nur  theoretische  —  Erfindung  des  Dampf- . 
Schiffs  vorliegt. 

—  Nach  einer  Angabe  von  Christian  Kramp  in  „Hindenburgs  Archiv  der 
reinen  und  angewandten  Mathematik*'  hat  Otto  von  Guericko  die  Erfindung 
der  Luftpumpe  i.  J.  1641  gemacht  und  das  erste  Instrument  dem  Magistrat 
von  Köln  geschenkt.  Diese  Luftpumpe  soll  sich  1799  noch  in  Köln  be- 
funden haben.  Eine  einwandfreie  Bestätigung  dieser  Kramp*schen  Angabe 
liegt  nicht  vor.    (Vgl.  1654  G.) 

^  Athanasius  Kirdiar  gebraucht  zuerst  das  Wort  „Elektromagnetismus'*,  selbst- 
verständlich in  einem  sich  mit  der  heutigen  Bedeutung  des  Wortes  nicht 
deckenden  Sinne.  Vgl.  seine  Schrift  „Magnes  seu  de  arte  magnetica  opus 
tripartitum",  woselbst  in  Lib.  III  folgende  Bemerkung  enthalten  ist: 
^^^Hlt^zgofiap^iiofÄog  i.  e.  de  magnetismo  electri  seu  electricis  attractio- 
nibus**. 
~  In  der  „Pharmakopeia  Medico-Chymika"  des  Johann  SchrMer  findet  sich 
die  Bemerkung,  daß  geglühte  Granaten  in  Salzsäure  löslich  sind:  eine  der 
ersten  wichtigen  Beobachtungen  in  der  Mineralchemie. 
1642  Blaise  Paical  erfindet  die  erste  Rechenmaschine  zum  Rechnen  der  4  Spezies. 

—  Ludwig  von  StoSM  erfindet  die  Schab kunst,  eine  Abart  des  Kupferstichs, 
die  sich  namentlich  in  England  sehr  schnell  verbreitet;  bei  ihr  werden 
aus  dem  mit  dem  Granierstrahl  aufgerauhten  Grunde  der  Platte  die  mehr 
oder  weniger  lichten  Stellen  herausgeschabt. 

—  Der  holländische  Seefahrer  Abel  Jansz  Tasman  entdeckt  Vandiemensland 
(jetzt  Tasmania  genannt),  umfährt  Australien  in  weitem  Umkreis  und  stellt 
fest,  daß  Australien  tatsächlich  ein  neuer  Kontinent  ist,  daß  aber  das  hier  an- 
genommene große  Südland  nicht  existiert.  Er  entdeckt  bei  seiner  Fahrt 
die  Westküste  Neu- Seelands,  an  welche  sich  fortan  für  lange  Zeit  die 
Phantasie  als  an  das  große  südliche  Festland  anklammert. 

^^3  duikarow  entdeckt  den  Amur. 

■"  DuMc  erbaut  den  Kanal  von  Dixmünden  und  Fortknoke  nach  Ypern. 
Die  bei  Boesynge  errichtete  Doppelschleuse,  bei  der  es  gilt,  ein  Gefälle  von 

—      121      — 


1648 

-■^^^^ 

über  6  m  zu  überwinden,   wird   lange  Zeit   als  ein  Meisterwerk  der  Bau- 
kunst betrachtet. 

1643  Georges  Fournler  trägt  in  seinem  großen  Werke  „K Hydrographie  contraiant 
la  th^orie  et  la  pratique  de  toutes  parties  de  la  navigation"  eine  große 
Anzahl  von  Tatsachen  zum  Aufbau  einer  wissenschaftlichen  Ozeanographie 
zusammen. 

—  Abel  JansTs  Tasman  erblickt  zuerst  die  Fidschiinseln.  Dieselben  werden 
i.  J.  1773  von  Cook  wiedergefunden,  aber  erst  i.  J.  1827  durch  Dumont 
d'Urville  ausführlich  beschrieben. 

—  EvangeUstaTorrlMlII  führt,  durch  Viviani*s  Erklärung  des  Luftdrucks  (s.  1643  V  ) 
angeregt,  den  Versuch  aus,  den  Luftdruck  mit  einer  Quecksilbersäule  zu 
messen,  und  gelangt  so  zur  Erßndung  des  Barometers.  Die  Bez^chnong 
„Barometer**  erscheint  zuerst  in  einem  anonymen,  wahrscheinlich  yon 
R.  Boyle  herrührenden  Aufsatz  in  den  „Phil.  Transactions'*  von  1665. 

—  Evangelista  Torricelll  bestimmt  den  Flächeninhalt  der  Zykloide  und  be- 
schreibt eine  von  Viviani  gefundene  Konstruktion  der  Tangenten  an  diese 
Kurve,  die  auch  Robcrval  (s.  1639  R.)  für  sich  beansprucht. 

—  Vincenzo  Vhrlanl  erklärt  zuerst  aus  dem  Luftdruck,  weshalb  es  nicht  ge- 
lingen will,  mit  einer  Saugepumpe  das  Wasser  höher  als  nahezu  32  Fuß  zu 
heben.  Er  schließt,  daß  der  Luftdruck  das  Wasser  nur  bis  zu  einer  Höhe 
von  32  Fuß  --  10,25  m  heben  kann  und  deshalb  das  Quecksilber,  das  13^/2]iial 
schwerer  als  Wasser  ist,  nur  bis  zu  einer  13^/0 mal  kleineren  Höhe,  d.i.  bis 
ungefähr  28  Zoll  -  -  760  mm  emportreiben  würde. 

—  Der  Holländer  Maarten  Gerrit.^z  d«  VriM  entdeckt  die  Ostküsto  Japans, 
die  Kurilen  und  Sachalin. 

1644  Florimond  dt  BaauiM  in  Blois  bestimmt  die  Eigenschaften  einer  Kurve  aus 
ihrer  Gleichung.  Er  lehrt  die  Grenzen  finden,  zwischen  denen  die  reellen 
Wurzeln  einer  Gleichung  liegen. 

—  Ren6  DeteartM  führt  die  Entstehung  der  hervorragendsten  Unebenheiten  der 
Erdoberfläche  zuerst  auf  das  Zusammenstürzen  innerer  Hohlräume  zurück 
und  spricht  sich  über  die  Entstehung  der  Erde  im  wesentlichen  in  pinto- 
nistischem  Sinne  aus.  Er  spricht  in  seinen  „Principia**  von  der  „Beharr- 
hchkeit  des  Quantitativen  in  der  mechanischen  Aktion*'  und  ist  damit  der 
Vorläufer  des  Gesetzes  von  der  Erhaltung  der  Kraft. 

—  Renö  DMcartM  begründet  die  Theorie  der  Reflexbewegungen,  indem  er 
sagt,  es  würden  Impulse  von  der  Peripherie  nach  dem  Zentrum  fortgeführt 
und  in  letzterem  auf  motorische  Nerven  reflektiert.  Er  betrachtet  den 
Tierkörper  als  eine  Art  Maschine,  für  welche  dieselben  Gesetze  gültig 
seien,  wie  für  Arbeitsmaschinen  von  Menschenhand. 

—  Johann  Baptist  van  Htlmont  stellt  die  festen  Bestandteile  des  Harns  dar  und 
findet  unter  ihnen  Kochsalz.  Er  konstatiert  das  höhere  spezifische  Gewicht 
des  Fieberhams  und  erklärt  das  Entstehen  der  Harnsteine  aus  den  featen 
Bestandteilen  des  Harns. 

—  Evangelista  Torrletlli  veröfl'entlicht  ein  mathematisches  Sammelwerk  ,. Opera 
geoinetrica**,  in  welchem  er  die  Rektifikation  der  logarithmischen  Spirale 
angibt  imd  zuerst  den  Begriff  der  ..einhüllenden  Kurve*'  aufstellt. 

1645  Isiiiael  Boulllau  spricht,  wie  Newton  angibt,  zuerst  von  einer  Anziehungs- 
kraft der  Sonne,  die  in  umgekehrtem  Verhältnis  der  Entfernung  ab- 
nehme. 

—  Ftriiiiaiid  II.  von  Toskana  erfindet  das  Kondensationshygronieter.  bei  welchem 
der  Feuchtigkeitsgehalt  der  Luft  durch  die  Verminderung  der  Temperatur 
angezeigt  wird,  die  nötig  ist,  um  den  atmosphärischen  Wasserdaropf  auf 
der  Oberfläcli«'  eines  polierten  Körpers  als  Tan  niederzuschlagen.  (S.  a. 
1820  D.) 

122     


1648 

1645  Nachdem  schon  Kepler  darauf  hingewiesen  hatte,  daß  man  das  in  seinem 
Fernrohr  umgekehrt  erscheinende  Bild  durch  Hinzufügung  einer  dritten 
Linse  zwischen  Objektiv  und  Okular  wieder  aufrichten  könne,  konstruiert 
der  Kapuziner  Anton  Maria  Schyrlatm  dt  RhtHa  zuerst  ein  solches  terrestri- 
sches Femrohr.  Er  ist  der  erste,  der  die  Bezeichnungen  Okular  und  Ob- 
jektiv gebraucht. 

1646  Francesco  Fontana  beobachtet  zuerst  die  Flecken  des  Mars  und  veröffent- 
licht unter  dem  Titel  „Novae  coelestium  terrarumque  rerum  observationes*' 
die  beiden  ersten  Marszeichnungen,  deren  erste  im  Jahre  1636  gemacht  ist, 
während  die  zweite  vom  24.  August  1638  herrührt.  Die  zweite  Zeichnung 
beweist,  daß  Fontana  auch  als  Entdecker  der  Phasengestalt  des  Mars  an- 
zusehen ist. 

—  Der  Kurfürst  FrMrtch  WUMm  von  Brandenburg  richtet  für  die  Zwecke 
der  westfälischen  Friedensverhandlungen  eine  Dragonerpost  zwischen  Berlin, 
Osnabrück  und  Münster  ein.     (Vgl.  560  v.  Chr.) 

—  Marco  Aurelio  Stvtrino  bedient  sich  bei  chirurgischen  Operationen  zur 
Anfisthesierung  des  Operationsgebietes  der  Kälte,  indem  er  Schnee  und 
Eis  auflegt. 

—  EvangeUsta  TwrrlMlII  weist  nach,  daß  die  Geschwindigkeiten  des  aus  der 
BodenöfFnung  eines  Gefäßes  fließenden  Wassers  sich  wie  die  Quadratwurzeln 
aus  den  entsprechenden  Druckhöhen  verhalten  (Torricelli'sches  Theorem). 

1647  Buona Ventura  Cavallari  berechnet  die  Lage  der  Brennpunkte  aller  ver- 
schiedenen Formen  von  Linsen. 

—  Johann  Htvtllns  in  Danzig  entdeckt  die  Libration  in  der  Ebene  des  Mond- 
äquators (in  Länge)  und  gibt  seine  noch  jetzt  wertvolle  Selenographie 
heraus.  Er  liefert  eine  Nomenklatur  der  Mondflecken,  aus  der  man  auch 
heute  noch  die  Bezeichnung  „Marc"  benutzt. 

—  Jean  Piequtt  entdeckt  die  Chyluszisteme  und  deren  Zusammenhang  mit 
dem  von  Eustachio  (s.  1564)  entdeckten  Milchbrustgang  und  weist  nach, 
daß  dieser  seinen  Inhalt  in  die  linke  Schlüsselbeinvene  ergießt,  der  Chylus 
also  vom  Darm  durch  die  Chylusgefäße  und  Mesenterialdrüsen  ins  Blut 
gelangt. 

—  Angelo  8ata  kennt  die  Bestandteile  des  Salmiaks  und  die  Eigenschaften  des 
flüssigen  Laugensalzes  und  lehrt  die  Anwendung  des  Sublimats  in  der 
Medizin.  Er  entdeckt  das  Sauerkleesalz  beim  Konzentrieren  des  durch  Ei- 
weiß geklärten  Saftes  des  Sauerampfers. 

—  Nachdem  Moritz  Hof  mann  aus  Fürsten  walde  schon  sechs  Jahre  zuvor  den 
Ausführungsgang  des  Pankreas  am  Truthahn  entdeckt  hatte,  findet  ihn 
Georg  ¥flnaiic  aus  Bayern  am  Menschen. 

1648  Simeon  DmIimw  umfährt  das  Ostkap  von  Asien  und  dringt  durch  die 
Beringstraße  bis  zum  Anadyr  vor,  wodurch  die  Trennung  der  Alten  Welt  von 
der  Neuen  Welt  bewiesen  wird.  1898  erhält  das  Ostkap  durch  kaiserliche 
Verordnimg  den  Namen  „Kap  Deshnew*'. 

—  Johann  Rudolf  Qlaubar  erwirbt  sich  große  Verdienste  um  die  Darstellung 
der  Mineralsäuren.  Die  Salzsäure  war  bisher  immer  durch  Destillation 
des  Eisenvitriols  mit  Kochsalz,  die  Salpetersäure  durch  Destillation  des- 
selben Körpers  mit  Salpeter  erhalten  worden.  Glauber  erkennt,  daß  die 
aus  dem  Vitriol  freiwerdende  Schwefelsäure  es  ist,  welche  die  Austreibung 
der  Säure  aus  Kochsalz  und  Salpeter  bewirkt  und  versucht  nun  immittel- 
bar  die  Schwefelsäure  auf  diese  Salze  einwirken  zu  lassen,  wodurch  er  die 
Säuren  reiner  und  stärker  als  bisher  erhält.  Die  rauchende  Salzsäure  er- 
hält nach  ihm  den  Namen  „Spiritus  salis  Glauberianus*'. 

—  Johann  Rudolf  CUaubtr  erhält  bei  direkter  Darstellung  von  Salzsäure  und 
Salpetersäure  die  Salze,   welche  durch  die  Verbindung  der  Schwefelsäure 

—     123     — 


1648 

mit  den  Alkalien  des  Kochsalzes  und  des  Salpeters  entstehen.  Dm 
schwefelsaure  Natron  namentlich  zieht  seine  Aufmerksamkeit  auf  sich; 
seine  medizinische  Wirksamkeit  erscheint  ihm  so  bedeutend,  daB  er  ihm 
den  Namen  „Sal  mirabile**  beilegt. 

1648  Johann  Rudolf  Qlauber  stellt  zahlreiche  Chlormetalle  her,  indem  er  das 
Metall  mit  Vitriol  und  Kochsalz  destilliert.  So  erhalt  er  außer  den  schon 
bekannten  Chloriden,  wie  Antimonbutter  und  Spiritus  fumans  Libavü 
(s.  1595)  das  ätzende  Arseniköl  und  das  Chlorzink.  Auch  stellt  er  wäs- 
seriges Eisenchlorid  durch  Lösen  von  Eisen  in  Salzsäure  und  Abdampfen 
der  Lösung  dar. 

—  Johann  Rudolf  Glauber  erhält  zuerst  eine  Lösung  von  salpetriger  Säure 
durch  Reduktion  von  Salpetersäure  mit  Arsenigsäureanhydrid.  Seine  Be- 
obachtung wird  1694  von  Kunckel  bestätigt. 

—  Johann  Rudolf  Qlaaber  scheint  zuerst  das  Chloräthyl  in  weingeistiger 
Lösung  erhalten  zu  haben.  In  reinem  Zustand  stellt  es  Rouelle  1769  durch 
Destillation  von  Zinnchlorid  mit  Weingeist  dar.  Diese  DarsteUungsmethode 
wird  vom  Marquis  de  Courtenvaux  veröffentlicht,  der  deswegen  öfters  als 
Entdecker  des  wasserfreien  Chloräthyls  genannt  wird. 

—  Athanasius  Kireher  gibt  eine  Beschreibung  des  Hörrohrs. 

—  Jan  de  Latt  gibt  die  von  Wilhelm  PIso  und  Georg  Marcgrav  auf  ihrer  brasi- 
lianischen Reise  gesammelten  naturgeschichtlichen  Daten  heraus,  welche 
die  spezielle  Tierkenntnis  wesentlich  bereichem. 

—  Maflottl  erfindet  den,  fälschlich  nach  Descartes  benannten  Cartesianischen 
Taucher. 

—  Emanuel  Maignan  gibt  die  erste  Theorie  der  Lichtbrechung. 

—  Der  Mediziner  Johann  Marcus  Marc!  von  Kronland  sieht  zuerst  die  prismatische 
Dispersion  des  Lichts,  ohne  jedoch  eine  Erklärung  derselben  geben  zu 
können.  Nach  Gerland  und  Traumüller  hat  auch  Descartes  1649  die  pris- 
matischen Farben  beobachtet. 

—  Blaise  Paseal  läßt  durch  seinen  Schwager  Parier  am  9.  September  die  erste 
barometrische  Höhenmessung  auf  dem  Puy  de  Dome  ausführen,  wodurch 
das  Vorhandensein  dos  Luftdrucks  endgültig  bewiesen  wird. 

—  Francesco  RodI  tritt  zuerst  gegen  die  Annahme  einer  Generatio  aequivoca 
in  den  niederen  Tierklassen  auf,  indem  er  zeigt,  daß,  wenn  man  die  Ab- 
lagerung der  Eier  in  faulende  Substanzen  verhütet,  sich  in  diesen  keine 
lebenden  Wesen  entwickeln.  Er  macht  (1664)  die  ersten  methodischen 
Arbeiten  über  Schlangengift. 

—  Jean  RIolan  macht  den  Versuch,  die  Hautkrankheiten  nach  ihrer  äußern 
Form  zu  klassifizieren.  Auch  Thomas  Willis  macht  1670  einen  dahin- 
gehenden Versuch. 

1649  Ren^  DaicartM  erklärt  mit  Gilbert  (s.  1590)  und  mit  Bacon  (s.  1620  B.)  die 
Wärme  als  Bewegimg  der  Körperteilchen.  Je  stärker  die  Vibration  der 
Teilchen  ist,  um  so  höher  steigt  die  Wärme.  Die  Bewegung  der  Himmels- 
körper erklärt  er  durch  seine  Wirbeltheorie. 

^  Ren6  DMcailM  wendet  das  Refraktionsgesetz  (s.  1614  S.  und  1637  D.)  zu- 
erst zur  Erklänmg  des  Regenbogens  an. 

—  Nachdem  zuerst  1447  in  der  Memminger  Chronik  eine  fahrradähnliche  Fort- 
bewegungsmaschine (ein  Wagen  ohn  Roß,  Rindter  und  Leutt)  erw&hnt 
worden  war,  baut  der  Nürnberger  Zirkelschmied  Johann  Haiitiieh  einen 
Wagen,  der  durch  die  eigene  Kraft  des  Fahrenden  getrieben  wird,  jedoch 
nur  2000  Schritte  in  der  Stunde  zuriicklegt. 

—  Nachdem  Franciscus  de  Pedemontinus  die  erste  Beschreibung  der  Wander- 
niere gegeben  hatte,  gibt  Jean  RIolan   auf  Grund  von  Sektionen  ein  yoll- 

C  ständiges  klares  anatomisches  Bild  davon.    Im  gleichen  Jahre  weist  er  als 


I 


—     124     — 


1660 

der  Erste  bestimmt  auf  den  Zusammenhang  des  Kropfes  mit  der  Schild- 
drüse hin. 

649  Während  man  in  der  Artillerie  bis  dahin  die  Bomben  noch  „mit  zwei 
Feuern*'  warf,  indem  zunächst  der  Zünder  des  in  das  Rohr  eingesetzten 
Creschosses  und  sogleich  darauf  die  Geschützladung  entzündet  wurde,  lehrt 
Kasimir  SlnlMOWIcz  in  seiner  „Ars  magna  ArtiUeriae'*  das  Bomben  werfen 
„mit  einem  Feuer",  wobei  der  Geschoßzünder  von  der  Flamme  der  Ge- 
schützladung gleichzeitig  mit  in  Brand  gesetzt  wird. 

650  Fran^oifl  dt  It  Boi  (Sylvius)  begründet  das  chemiatrische  System  in  der 
Medizin.  Er  glaubt  an  dem  Chlorkalium  besondere  medizinische  Eigen- 
schaften zu  finden,  nach  welchen  es  lange  Zeit  als  Sal  febrifugium  oder 
Digestivum  Sylvii  bezeichnet  wird.  Otto  Tachenius  betrachtet  bereits  als 
Bestandteile  dieses  Salzes  Kali  und  Salzsäure. 

—  Fran^ois  dt  It  Boi  (Sylvius)  findet  zuerst  Lymphgefäße  in  der  Leber 
und  gibt  die  erste  Beschreibung  von  Tuberkeln,  deren  genetischen  Zu- 
sammenhang mit  Phthisis  pulmonalis  er  annimmt. 

—  Maria  CanHUl  gibt  Planetentafeln  unter  dem  Namen  „Urania"  heraus,  die 
sich  auf  Keplers  rudolphinische  Tafeln  (s.  1627  K.)  stützen. 

—  Honoratius  Fakry  untersucht  die  Erscheinungen  der  Capillarität  in  engen 
zylindrischen  Bohren  und  findet,  daß  die  Steighöhen  oder  Depressionen 
einer  Flüssigkeit  dem  Halbmesser  der  Röhren  —  gleiches  Material  der 
Röhren  vorausgesetzt  —  umgekehrt  proportional  sind.  Dieser  Satz  wird 
von  Gay  Lussac  (1799)  bestätigt.  Auch  Brunner  (1846),  E.  F.  D6sains 
(1857),  BMe  (1861)  u.  a.  gelangen  zu  gleichen  Ergebnissen. 

—  Der  englische  Anatom  Francis  Qllsion  gibt  in  seiner  Schrift  „De  rachitide" 
^e  erste  erschöpfende,  noch  heute  klassische  Darstellung  der  Rachitis 
(englischen  Krankheit),  die  eine  Entwicklungsstörung  des  frühen  Kindes- 
alters darstellt  und  zu  eigenartigen  Schädigungen  des  kindlichen  Skeletts 
führt.  Er  empfiehlt  zu  deren  Behandlung  Gymnastik  und  Unterstützungs- 
apparate  und  gelegentlich  auch  Massage. 

—  Joachim  Junflus  bemängelt  zuerst  die  altherkömmliche  Einteilung  der 
Pflanzen  in  Bäume  und  Kräuter  als  das  Wesen  nicht  treffend  und  be- 
zweifelt wie  Redi  (s.  1648  R.)  die  Generatio  aequivoca. 

—  Athanasius  Klrchtr  beschreibt  die  Aeolsharfe  (Anemochord),  die  aus  einem 
langen,  schmalen  Resonanzkasten  besteht,  auf  dem  eine  Anzahl  im  Ein- 
klang abgestimmter  Darmsaiten  über  zwei  niedrige  Stege  gespannt  sind. 
Streift  ein  Luftzug  die  Saiten,  so  fangen  dieselben  an  zu  tönen.  Da  das 
Prinzip  der  Aeolsharfe  bereits  im  Altertum  bekannt  war,  kann  die  Er- 
findung nicht  dem  heiligen  Dunstan  zugeschrieben  werden. 

—  Fran^ois  Mansart  erfindet  die  gebrochenen  oder  Mansardendächer,  die  aus 
einem  steilen  unteren  und  einem  flachen  oberen  Walmdachteil  bestehen. 

—  Domenico  Panaroli  beobachtet  zuerst  Finnen  im  Corpus  Callosum  eines 
epileptischen  Priesters  in  Rom;  den  Namen  „Finnen"  führt  1782  Paul 
IViedrich  Christian  Werner  ein,  der  auch  die  Einstülpung  des  Kopfes  in 
die  Blase  zuerst  beobachtet. 

—  Papptflhtim  konstruiert  das  erste  der  Kapselpumpe  (vgl.  1593)  analoge 
Kapselgebläse  mit  zwei  Drehachsen  zur  Förderung  von  Luft  und  Wiisser, 
das  aus  zwei  Zahnrädern  von  je  sechs  an  allen  Ecken  des  Profils  ab- 
gerundeten Zähnen  besteht  und  die  Grundlage  aller  derartigen  Konstruk- 
tionen ist. 

—  Nicolas  Santtn  erfindet  die  sogenannte  flächentreue  Projektion,  die,  weil 
sie  sich  in  dem  Atlas  coelestis  von  Flamsteed  1712  findet,  vielfach  auch 
nach  Flamsteed  benannt  wird. 

—  Nicolas  Saiivagt   hält  im  Hotel  de  Fiacre  in   der  Rue  St.  Martin  in  Paris 

—     125     — 


zuerst  Wagen  und  Pferde  zum  Vermieten  bereit,  die  von  seinem  Hwue 
den  Namen  „Fiacre"  erhalten. 

1650  Johann   Spertlnf   gibt    in   seiner  erat  nach  seinem   Tode  veröffentliohten 
„Zoologia  physica"  die   erste  Andeutung   einer  richtigen  Auffassiing  von 
der  Stellung  des  Menschen  innerhalb  des  Tierreichs,  die  später  zoi  Bildung  - 
eines  besonderen  Naturreichs  für  denselben  fuhrt.    (Vgl.  indes  auch  1501.) 

—  Bernhard  Vartnlut  gibt  in  seiner  „Geographia  generalis"  die  erste  allgemeine 
»ystematische  Darstellung  des  Formenschatzes  der  Erde.  Er  klaasifiaert 
zuerst  die  großen  Meere  trnd  unterscheidet  den  Atlantischen,  Pasifiaeh«! 
und  Indischen  Ozean,  eine  Einteilimg,  die  sich  allmählich  einbürgert. 

—  Bernhard  Vartnins  gibt  die  erste  eingehendere  Beschreibung  der  Wind- 
verhältnisse auf  der  Erde. 

—  Thomas  Wharton  aus  Yorkshire  publiziert  das  erste  bedeutende  Werk  über 
Drüsen,  beschreibt  darin  die  Thymus-,  Pankreas-  und  SubmaxillardrÜBe 
und  entdeckt  den  Ausführungsgang  der  letzteren. 

1651  Johann  Rudolf  Qlaiiber  macht  die  erste  chemische  Analyse  von  Meteorsteinen. 

—  William  Hanrey  erklärt  in  seiner  Schrift  „De  generatione  animalium**,  daß 
die  Theorie  der  Greneratio  aequivoca  ein  Irrtum  sei  und  jedes  lebende 
Wesen  sich  aus  einem  Ei  entwickle,  welches  vom  weiblichen  Individuum 
stamme  und  auf  dessen  Entwicklung  der  Same  als  belebender  Reiz  einwirke. 
Der  von  Harvey  aufgestellte  Satz  „Omne  vivum  ex  ovo"  bildet  den  Aus- 
gangspunkt aller  seitdem  auf  entwicklungsgeschichtlichem  Gebiete  unter- 
nommenen Forschungen. 

—  Nathanael  dt  Hlfhmors  beschreibt  die  nach  ihm  Highmorehöhle  genannte 
Oberkieferhöhle,  welche  bereits  Galen  als  Sinus  m axillaris  kannte.  Es 
gelingt  ihm,  viele  bis  dahin  unerklärliche  Zahnerkrankungen  als  Er- 
krankungen des  Antrum  Highmori  nachzuweisen. 

—  Giovanni  Battista  Rleeioll  macht  die  ersten  trigonometrischen  Höhenbeetim- 
mungen  der  Wolken. 

—  Der  schwedische  Arzt  Olaus  RiNibeck  entdeckt  als  Student  in  Padoa  die 
von  ihm  „seröse  Gefäße"  benannten  Lymphgefäße  des  Darms  und  zeigrt 
1652,  daß  diese  Gefäße  mit  den  Chylusgefäßen  identisch  sind  und  daß  sie 
in  den  Ductus  thoracicus  einmünden.  Die  Bezeichnung  Lymphgefäße  führt 
1653  Thomas  Barthollnut  ein. 

1652  Le  Gsndr«  begründet  die  Spalierbaumzucht  und  macht  wichtige  Angaben 
über  Unterlage  und  Reis  in  der  Obstbaumkultur. 

—  Francis  Lodwlck  entwickelt  in  seinem  „Groundwork  or  Foundation  laid  for 
the  Framing  of  a  new  perfect  Language"  das  Programm  einer  Universal- 
sprache, das  alle  die  Eigenschaften  in  sich  vereint,  von  denen  spätere  Ver- 
suche (s.  1879  S.,  1887  S.,  1906  M.)  stets  nur  einen  Teil  wiedergeben. 

—  Domenico  tft  Marchsttl  erkennt  zuerst  am  Herzen  und  Darm  die  Fähig- 
keit  aktiver  Bewegung. 

—  Isaak  MInnInt  führt  zum  ersten  Male  die  Durchtrennung  des  Kopfnickers  bei 
Caput  obstipum  (Schiefhals)  aus,  eine  Operation,  die  1668  von  Meister 
Florian  in  Holland,  1670  von  Hendryk  van  Koonhuyze,  1738  von  Tolp 
und  dann  öfter  wiederholt  wird. 

—  Sir  Hugh  Platt  macht  zuerst  den  Vorschlag,  den  Dampf  zum  Heizen  eines 
Treibhauses  zu  verwenden. 

1653  Pierre  BortI  entdeckt  die  sympathetische  Tinte,  indem  er  die  Schwärsang 
der  mit  essigsaurem  Blei  gemachten  unsichtbaren  Schriftzüge  durch  eine 
Abkochung  von  Auripigment  und  Kalk  bewirkt. 

—  Andrö  Le  Nötrt  ist  der  Schöpfer  des  französischen  Stils  in  der  Gartenkunst. 
Er  gibt  den  Gärten  das,  was  ihnen  bisher  fehlte,  die  Perspektive,  ver- 
einfacht die  Wasserkünste,  hebt  darin,  wie  in  der  Baumformung,  alle  Spiele- 

—      126     — 


Ig6» 

reien  auf  und  bringt  Symmetrie  in  die  durch  Schnitt  hergestellten  Lauben- 
gänge, Hecken  und  NiBohen. 
1653    Jean  Riotan  erfaßt  zuerst  den  Gedanken,  bei  Wassersucht  des  Herzbeutels 
diesen  zu  öffnen. 

—  Johann  SculMus  benutzt  für  den  Verband  der  unteren  Gliedmaßen  die 
nach  ihm  benannte  Binde,  die  aus  einer  beliebigen  Anzahl  yon  Streifen 
besteht,  welche  dachziegelartig  übereinander  gelegt  werden,  und  so  lang 
sein  müssen,  daß  sie  das  betreffende  Glied  l^/^  mal  umgreifen. 

—  Der  französische  Staatsrat  M.  dt  Vtfaytr  erhält  von  Ludwig  XIV.  das 
Privil^,   in   Paris   eine   Stadtpost   einzurichten.     Hierbei  führt  er  zwecks 

_  fr^er  Beförderung  die  „Billets  de  port  pay6*'  ein,  welche  um  die  Briefe 
herumgeschlagen  oder  auf  irgend  eine  andere  Weise  an  denselben  befestigt 
werden.  Sie  ähneln  den  späteren  Streifbändern  und  sind  als  Vorläufer 
der  Briefmarken  anzusehen.  Auch  stellt  er  die  ersten  Postbriefkasten  auf. 
654  Johann  Rudolf  QlMbtr  hat  eine  annähernd  richtige  Vorstellung  von  den 
Wirkungen  der  chemischen  Verwandtschaft.  Er  zeigt,  daß  die  Zersetzung 
des  Kochsalzes  und  Salpeters  durch  Schwefelsäure  sowie  die  des  Salmiaks 
durch  Kalk  oder  Kali  (s.  1648  G.)  darauf  beruht,  daß  der  eine  Bestand- 
teil zu  dem  Zersetzungsmittel  eine  größere  Verwandtschaft  hat  (es  liebt 
und  auch  von  ihm  geliebt  wird).  £r  erläutert,  wie  Sohwefelantimon  sich 
mit  SubUmat  zersetzt,  hat  also  auch  Einsicht  von  dem  Vorgang  der  dop- 
pelten Wahlverwandtschaft. 

—  Francis  Glitioii  in  London  bearbeitet  die  Anatomie  und  Physiologie  der 
I^ber  in  hervorragender  Weise  und  erwähnt  in  seiner  Schrift  „Anatomia 
hepatis"  zuerst  die  nach  ihm  benannte  Glisson'sche  Kapsel. 

—  Otto  v«M  Ckitrlcke  führt  dem  Reichstag  zu  Regensburg  sein  berühmtes  Ex- 
periment mit  den  sogenannten  Magdeburger  Halbkugeln  vor.  Diese  Halb- 
kugeln  werden  durch  eine,  mit  einem  Hahn  verschließbare  Röhre  mit  der 
Luftpumpe  in  Verbindung  gesetzt.  Nachdem  die  Luft  ausgepumpt  ist,  haften 
sie  mit  solcher  Kraft  aneinander,  daß  16  Pferde  kaum  imstande  sind,  den 
Druck  der  Luft  zu  überwinden,  während  sie  ohne  Schwierigkeit  ausein- 
anderzuziehen sind,  sobald  durch  Offnen  des  Hahns  die  Luft  wieder  ein- 
gelassen wird.     (Vgl.  1641  G.) 

—  Otto  von  Quarlckt  wird  durch  seine  Versuche  bahnbrechend  für  die  Lehre 
von  der  Aerostatik.  Die  Elastizität  der  Luft  ist  seitdem  bewiesene  Tat- 
sache und  es  ergibt  sich  der  wichtige  Schluß,  daß  die  unteren  Schich- 
ten der  Atmosphäre  dichter  als  die  oberen  sein  müssen.  Er  erkennt  auch 
die  Bedeutung  des  Wasserdampfes  für  die  Nebel-  und  Wolkenbildung. 

654 — 88  Der  französische  Matrose  Henri  Hamel,  der  als  Schiffbrüchiger  in 
Korea  gefangen  gehalten  ivird,  gibt  nach  seiner  Rückkehr  die  erste  aus- 
führliche Kunde  von  diesem  Lande. 

.654  Blaise  Pascal  baut  in  seiner  erst  nach  seinem  Tode  i.  J.  1665  gedruckten 
Schrift  „Trait^  du  triangle  arithm^tique*'  die  Kombinationslehre  und 
Wahrscheinlichkeitsrechnung  weiter  aus,  und  erörtert  im  besonderen  das 
nach  ihm  benannte  arithmetische  Dreieck,  eine  Tafel  der  Binomialkoeffi- 
zienten  zur  Auffindung  höherer  arithmetischer  Reihen  imd  der  Kombina- 
tionszahlen. Neben  Pascal  ist  namentlich  auch  Fermat  ein  Förderer  der 
Wahrscheinlichkeitsrechnung. 

1665  Nachdem  schon  Anton  Platner  in  Augsburg  1518  die  Feuerspritze  ver- 
bessert hatte,  versieht,  wie  aus  einem  Briefe  von  Leibniz  an  Papin  vom 
4.  Februar  1707  hervorgeht,  Johann  Hautzsch  dieselbe  wieder  mit  dem  von 
Heron  (s.  100)  erfundenen  Windkessel. 

—  Christian  HuyfMit  entdeckt  den  Titan,  den  größten  der  acht  Satelliten 
des  SatuTD. 

—      127     — 


1656 

1655  Der  Jesuit  Martin  Martfnl,  der  1651  aus  China  heimgekehrt  ist,  publisiert 
seinen  neuen  Atlas  von  China,  auf  den  sich  das  neuere  Wissen  von  diesem 
Reiche  gründet.  In  diesem  Atlas  erscheint  auch  zuerst  das  Bild  der 
Halbinsel  Korea.     (Vgl.  auch  1654.) 

—  John  Wallis  in  Oxford  baut  die  Lehre  von  den  Kegelsohnitten  unter  An- 
wendung der  von  Descartes  angegebenen  neuen  Methode  (s.  1637  D.)  weiter 
aus.  Vgl.  seine  Schrift  „Tractatus  de  sectionibus  conicis  nova  methodo 
expositis". 

1656  Johann  Rudolf  Glautar  rät  in  seinem  „Miraculum  mundi'%  den  Nieder- 
schlag, den  kohlensaures  Kali  in  Kupferlösungen  bewirkt,  statt  des  seit 
alters  her  bekannten  Grünspans  zum  Malen  anzuwenden.  Proust  zeigt 
1799,  daß  diese  grünen  Niederschläge,  die  man  bei  unvollkommener 
Fällung  erhält,  basische  Salze  sind  und  daß  der  blaue  Niederschlag,  d^ 
bei  vollständiger  Fällung  entsteht,  Kupferoxydhydrat  ist.  Das  salpetersaure 
Kupfer  scheint  Glauber  bereits  1648  erhalten  zu  haben. 

—  Christian  Huygtns  erfindet  die  Pendeluhr.  Hat  auch,  wie  aus  dem  Artikel 
unter  1636  G.  hervorgeht,  schon  Galilei  den  Gedanken  gehabt,  das  Pendel 
bei  Uhren  anzuwenden,  so  ist  doch,  wie  jene  Notiz  ergibt,  eine  praktische 
Ausführung  dieses  Gedankens  nicht  erfolgt. 

—  Werner  RoMnk  führt  an  den  Leichen  zweier  im  Leben  mit  Katarakt  Be- 
hafteter den  anatomischen  Nachweis,  daß  der  graue  Staar  auf  einer  Trü- 
bung der  Krystallhnse  beruht. 

—  John  Tradtseant  bringt  die  erste  Probe  von  Guttapercha  unter  dem  Namen 
„Mazer  wood*'  nach  London. 

—  Jsaak  Voniut  begründet  selbständig  die  meteorische  Quellenlehre  durch 
den  von  ihm  aufgestellten  Satz  „Omnia  flumina  ex  coUeotione  aquae 
pluvialis  oriri". 

1657  Der  polnische  Feldarzt  Janus  Abraham  a  Qehema  macht  zuerst  bestimmte 
Vorschläge,  um  die  Vorbildung,  die  Leistungen  und  damit  auch  die 
Stellung  des  militärärztlichen  Personals  zu  verbessern.  Er  tut  Schritte 
zur  Reformierung  der  bisher  mitgeführten  Feldapotheken  (Feldkästen), 
die  nicht  mehr  vom  Arzt,  sondern  vom  Staat  angeschafft  werden  soUen. 

—  Wolf  gang  HMr  gibt  in  seinem  „Hercules  medicus**  die  erste  Beschreibung 
des  Kretinismus. 

—  Johannes  Hudde  fördert  die  Lehre  von  den  Gleichungen  und  gibt  eine 
Methode  zur  Erkennung  der  mehrfachen  Wurzeln  einer  Gleichung,  die 
nach  ihm  die  „Hudde'sche  Regel**  genannt  wird.  Auch  findet  er  die  ein- 
fachste und  übersichtlichste  Ableitung  der  Cardanischen  Formel. 

—  Christian  Huyctnt  erkennt  die  wahre  Gestalt  des  Saturnringes  (s.  1610  G.), 
veröffentlicht  jedoch  seine  Entdeckung,  um  weitere  Beobachtungen  ab- 
zuwarten und  sich  dennoch  die  Priorität  zu  sichern,  zunächst  nur  in 
folgendem  Anagramm:  aaaaaaa  ccccc  d  eo^^ee  g  h  iüüü  IUI  mm  nnnnnnnnn 
oooo  pp  q  rr  s  ttttt  uuuuu,  welches,  richtig  gelesen,  heißt:  Annulo  cin- 
gitur,  tenui,  piano,  nusquam  cohaerente,  ad  eclipticam  inclinato. 

1658  Pierre  Famiat  fördert  die  Zahlen theorie  durch  Aufstellung  einer  großen 
Reihe  bemerkenswerter,  zum  Teil  berühmt  gewordener  Sätze.  Hierhin 
gehört  das  „Fermat'sche  Problem**,  welches  den  elementaren  Beweis 
fordert,  daß  die  Gleichung  x"  -}-  yn  ^=  z"  für  n  >  2  nicht  in  ganzen 
Zahlen  lösbar  ist.  Format  behauptet,  einen  „wahrhaft  wunderbaren**  Be- 
weis zu  besitzen;  doch  ist  es  bisher  nicht  gelungen,  diesen  Beweis  wieder- 
zufinden. Andere  zahientheoretische  Sätze  beziehen  sich  auf  die  Polygonal- 
zahlen, die  Primzahlen  usw. 

—  Johann  Rudolf  Qlaubcr  beschreibt  die  Bildung  des  übrigens  schon  vorher 
bekannton  HolzoüHigs  durch  trockene  Destillation  des  Holzes. 

—      128      — 


1660 

1658  Johann  Rndolf  QUwbtr  wendet  zuerst  die  Sicherheitsröhren  als  Sicherheits- 
ventile an.  Durch  Welter  (1820),  nach  dem  sie  auch  benannt  werden, 
kommen  dieselben  in  regelmäßigen  Grebrauch. 

—  Der  kurfürstlich  brandenburgische  Ingenieur  Johann  Gregor  Mtmhanl  be- 
ginnt die  Befestigung  Berlins  nach  dem  altniederländischen  bastionierten 
System.  Die  Festungswerke  laufen  etwa  in  der  Linie  der  heutigen  Ober- 
wall-, Niederwall-  und  Neuen  Friedrichstraße  und  bestehen  aus  13  durch 
Kurtinen  verbundenen  Bastionen  und  5  (später  hinzugefügten)  Ravelinen. 
Die  Sturmfreiheit  beruht  auf  einem  45  m  breiten  nassen  Graben. 

—  Jan  SwamuMrten  entdeckt  die  roten  Blutkörperchen  im  Froschblut. 

—  Johann  Jacob  Wtplir  gibt  in  seiner  Schrift  über  die  Apoplexie  gute  Unter- 
suchungen über  das  Gefäßsystem  des  Gehirns  und  weist  zuerst  die  Ver- 
narbung apoplektischer  Himherde  nach. 

1659  William  BrovBCktr,  Viscount  of  Castle  Lyons,  bringt  die  Faktorenfolge, 
welche  John  Wallis  (s.  d.  1668)  in  seinem  berühmten  „Wallis'schen  Pro- 
dukt" zur  Darstellung  von  n  verwendet,  in  die  Form  eines  unendlichen 
Kettenbruchs. 

—  Oberst  Gmtkant  wendet  zuerst  Steinminen  (Erdmörser)  an,  indem  er  bei  der 
Belagerung  von  Thom  schräg  in  das  feste  Erdreich  eingegrabene  röhren- 
artige Löcher  nach  Art  eines  Geschützes  mit  Pulver  ladet  und  Steine  als 
G-esohosse  daraufsetzt. 

1660  Robert  Boyf«,  der  durch  Kaspar  Schott's  Werk  von  Guericke's  Versuch 
(s.  1641  G.  und  1654  G.)  Kenntnis  erhalten  hatte,  konstruiert  mit  Robert 
Hookff  eine  Luftpumpe,  die  in  der  Handhabung  wesentlich  bequemer  als 
Guericke*s  Pumpe  ist.  Der  Rezipient  besteht  aus  Glas  und  ist  mit  einem 
abhebbaren  Deckel  versehen,  der  gestattet,  den  Versuchskörper  bequem 
hineinzubringen. 

~  Hermann  Conring  wird  mit  seinem  „Examen  rerum  publicarum"  der 
Schöpfer  der  Statistik,  die  bis  dahin  nur  ganz  oberflächhch  von  dem 
Venetianer  Sansovino  und  dem  Franzosen  Pierre  d'Avity  behandelt 
worden  war. 

—  Procope  GontMUix,  Limonadier  in  Paris,  stellt  zuerst  gewerbsmäßig  durch 
Kältemischungen  gefrorene  Limonaden  und  Fruchtsäfte  her.  Diese 
Fabrikation  verbreitet  sich  so  schnell,  daß  sich  1676  eine  Innung  der 
Meister  der  Kunst  „des  glaces  de  fruits  et  de  fleurs**  mit  250  Mitgliedern 
bUdet.     (S.  a.  1621  B.) 

^  John  Harrlnfton  führt  die  Wasserklosetts  aus  Frankreich  nach  England  ein. 
Doch  sind  dieselben  keine  französische  Erfindung,  und  es  unterliegt  keinem 
Zweifel,  daß  die  Wasserklosetts  schon  im  Altertum  im  Orient  in  Gebrauch 
gewesen  sind. 

~  Blaise  Pascal  wendet  das  Prinzip  der  virtuellen  Verschiebungen  zum  Be- 
weis des  Satzes  an,  daß  ein  an  einem  Punkte  der  Oberfläche  einer  flüssigen 
Masse  ausgeübter  Druck  sich  gleichmäßig  nach  allen  andern  Punkten  der 
Flüssigkeit  verbreitet,  wofern  diese  nicht  auszuweichen  imstande  ist 
(Pascal*sches  Gesetz). 

~  Conrad  Victor  SchntMar  in  Wittenberg  beweist  anatomisch  und  klinisch, 
daß  nicht  das  Gehirn,  sondern  die  Nasenschleimhaut  (Membrana  Schnei- 
den) den  Schleim  absondert,  der  in  Krankheiten  abfließt,  und  stößt  damit 
endgültig  die  Lehre  der  Alten  von  den  zahlreichen  katarrhoischen  Krank- 
heiten um. 

*  Nicolaus  Slanonls  erkennt  die  Muskeln  als  die  eigentlichen  tätigen  Be- 
wegungswerkzeuge und  findet,  daß  sie  sich  bei  ihrer  Zusammenziehung 
selbst  verkürzen,  eine  Erscheinung,  die  Borelli  auf  die  Elastizität  der 
Darmstaedter.  9 

—     129    — 


1660 

Muskeln    zurückführt,   welche   unter   dem   Einfluß   der   Nerven   in  Tac- 
kelt trete. 

1660  Thomas  Sydanham,  der  ,, englische  Hippokrates'S  faßt  zuerst  den  Gredanken« 
daß  die  Krankheit  eine  Folge  eines  Krankheitsprozesses  sei.  ein  Begriff, 
den  er  als  erster  streng  durchführt.  Er  betrachtet  das  Fieber  als  einen 
Akt  zur  Entfernung  der  Schädlichkeiten,  welche  Lehre  bis  gegen  Ende 
des  18.  Jahrhunderts  die  herrschende  bleibt.  „Fieber  ist  ein  Werkzeug 
der  Natur,  durch  weiches  dieselbe  die  unreinen  Teile  von  den  reinen 
sondert.** 

—  Thomas  SydMiham  gibt  diätetische  Anordnungen  je  nach  der  Konstitution 
des  Patienten  und  zeigt,  daß  eine  große  Zahl  von  Erkrankungen  lediglich 
durch  richtige  Lebensweise  und  verständige  Ernährung  zum  guten  Ende 
geführt  werden  können. 

—  Thomas  Sydenham  gibt  der  Seuchenlehre  einen  gewaltigen  Umschwung 
durch  die  Ausbildung  des  Begriffes  epidemischer  Konstitution,  bei  deren 
Entstehung  kosmische  und  tellurische  Einflüsse,  Miasmen,  die  ans  dem 
Erdinnern  emporsteigen,  Unreinigkeiten  der  Atmosphäre  und  ähnliche 
Faktoren  mitspielen. 

1661  Die  Academla  dtl  Clmanto  in  Florenz  macht  Versuche  über  die  Zusammen- 
drückbarkeit  des  Wassers  in  Silberkugeln.  Die  Versuche  ergeben  zwar  kein 
brauchbares  Resultat,  erweisen  aber  die  Porosität  des  Silbers. 

—  Henry  Bishop,  Generalpächter  des  englischen  Postwesens,  führt  den  Auf- 
gabestempel  für  Briefe  ein. 

—  Der  englische  Naturforscher  Robert  Boyle  stellt  im  Anschluß  an  Demokritos 
und  Gassen di  (s.  diese)  eine  Korpuskulartheorie  auf,  nach  welcher  alle 
Körper  aus  kleinsten  Teilchen  bestehen.  Durch  Aneinanderlagemng  der 
sich  gegenseitig  anziehenden  Teilchen  verschiedener  Stoffe  kommt  die  Ver- 
bindung zustande.  Tritt  mit  einem  Körper  ein  anderer  in  Wechselwirkung, 
dessen  kleinste  Teilchen  zu  denen  eines  Komponenten  mehr  Anziehung 
haben,  als  die  Komponenten  unter  sich,  so  erfolgt  Zersetzung. 

—  Robert  Boyle  stellt  den  Begriff  der  chemischen  Elemente  auf,  als  welche 
man  Stoffe  anzusehen  habe,  die  man  nicht  weiter  zerlegen,  aus  denen 
man  aber  die  anderen  Stoffe  zusammensetzen  könne.  Ähnliche  Ansichten 
hatte  Joachim  Jungius  in  seinen  1642  erschienenen  „Principia  corporum 
naturalium**  ausgesprochen,  die  jedoch  unbeachtet  geblieben  waren. 

—  Gegenüber  den  Alchemisten,  welche  die  Verwandlung  von  Eisen  in  Kupfer 
annahmen,  zeigt  Robert  Boyle,  daß  Kupfer  aus  seinen  Lösungen  durch 
Zink  und  durch  Eisen  metallisch  gefällt  wird,  und  erklärt  den  Vorgang 
dahin,  daß  das  Auflösungsmittel  ein  aufgelöstes  Metall  fallen  lasse,  um 
das  die  Ausfällung  veranlassende  Metall  aufzunehmen. 

—  Robert  Boyle  hebt  zuerst  ausdrücklich  hervor,  daß  auf  die  Hervorbringung 
von  mehr  oder  weniger  regelmäßigen  Kry stallen  langsame  oder  schnelle 
Abkühlung  der  Lösung  bedeutenden  Einfluß  ausübt. 

—  Die  Jesuiten  Albert  Dorvllle  und  Johannes  Grueber  machen  einen  Zug  durch 
Tibet,  erreichen  die  Hauptstadt  Lhassa  und  steigen  von  da  über  den 
Himalaja  nach  Agra  hinab. 

—  Guichard  Joseph  Du  Vemey  fülirt  die  Untersuchungen  von  Aranzio  (s.  1565) 
über  den  foetalen  Blutkreislauf  weiter,  findet  im  Verein  mit  Caspar 
Barthollnut  die  nach  dem  letztern  benannten  Drüsen  (Glandulae  Bartho- 
linianae)  und  liefert  davon  eine  genaue  Beiichreibung. 

—  Johann  Hevelliis  beobachtet  1553  Sterne  für  die  Epochen  1G61  und  1701, 
die  nach  seinem  Tode  1690  in  einem  Katalog  zusammengefaßt  werden, 
der  auch  335  südliche  Sterne  enthält,  die  Halley  auf  seiner  Expedition 
nach  St.  Helena  aufgenommen  hatte. 

—     130     — 


166S 

661  Chiistiaii  HuygMls  verwendet  zuerst  ein  abgekürztes  Heberbarometer  zur 
Beurteilung  der  Luftverdünnung  unter  dem  Rezipienten  der  Luftpumpe. 
(Barometerprobe,  Manometer  für  niedrigen  Druck.) 

—  Marcello  Malpifhl  beobachtet  zuerst  an  Lunge  und  Mesenterium  des  Frosches 
den  Capillarkreislauf.  Er  setzt  den  Übergang  der  Arterien  in  die  Venen 
ins  richtige  Licht  imd  liefert  damit  die  wichtigste  Ergänzung  zu  Harvey's 
Entdeckung  des  großen  Blutkreislaufes. 

—  Marcello  Malpighl  entdeckt  den  Bau  der  Lungen.  Das  Innere  der  Lungen 
besteht  aus  Säckchen  oder  Läppchen,  welche  mit  den  Ästen  der  Luftröhre 
und  miteinander  in  Gemeinschaft  stehen.  Die  Bläschen,  die  mit  Gefäß- 
netzen umgeben  sind,  dienen  dazu,  durch  den  Druck  der  in  ihnen  ent- 
haltenen Luft  das  Blut  inniger  zu  mischen;  in  die  Gefäße  selbst  scheint 
keine  Luft  überzugehen. 

—  Giovanni  Battista  RIccIoll  stellt  eine  Berechnung  der  Größe  der  Erdoberfläche 
an,  die  er  auf  seine  mit  Grimaldi  ausgeführte  Gradmessung  gründet 
und  die  170981012  bononische  Quadratmeüen  ergibt. 

—  Der  französische  Astronom  Melchisedec  Thevenot  erfindet  die  Röhrenlibelle, 
auch  Wasserwage  oder  Niveau  genannt. 

L662    Adrian  Auzoot  bemerkt  zuerst  den  Schatten  des  Saturn  auf  seinem  Ring. 

—  LfOrenzo  MHni  untersucht  den  Bau  der  Nieren  und  findet  die  Ausführungs- 
gänge in  den  Papillen,  den  „Tubuli  Belliniani**.  Er  erkennt  die  Zungen- 
papillen als  Geschmacksorgan  und  beschreibt  deren  Verbindung  mit  den 
Nerven. 

—  Robert  Boylt  und  Edme  Mariotte  stellen  unabhängig  voneinander  das 
Boyle - Mariotte'sche  Gesetz  auf:  „Der  Raum,  den  eine  eingeschlossene 
Gasmenge  einnimmt,  steht  im  umgekehrten  Verhältnis  zum  Druck*';  oder 
„je  geringer  der  Druck,  um  so  größer  der  Rauminhalt,  je  größer  der 
Druck,  um  so  geringer  der  Rauminhalt."  An  den  Boyle'schen  Forschungen 
hat  Richard  Townley  einen  hervorragenden  Anteil. 

1662—68  Nachdem  schon  1558  vom  Kurfürsten  Joachim  IL  die  Grabung  eines 
Kanals  von  der  Spree  nach  der  Oder  projektiert  worden  war,  läßt  der 
Große  Kurfürst  durch  Philipp  de  ChlMe  dieses  Werk  ausführen.  Anfangs 
bedient  man  sich  bei  demselben  hölzerner  Schleusen,  die  aber  1699  durch 
steinerne  Schleusen  ersetzt  werden. 

1662  Jean  Baptiste  Golbtrt  vereinigt  die  bis  dahin  in  Paris  zerstreuten  Werk- 
stätten von  Haute-  und  Basselisse-Weberei  in  der  Teppichfabrik  der  Nach- 
kommen des  im  15.  Jahrhundert  verstorbenen  Färbers  Jehan  Gobelin. 
Die  Manufaktur  erhält  nach  diesem  den  Namen  „Aux  Gobelins*',  welcher 
Käme  sich  auch  auf  die  dort  fabrizierten  Wandteppiche  überträgt. 

~  Regnier  de  Qraaff  entdeckt  die  nach  ihm  benannten  Follikel  im  Eierstock 
and  stellt  fest,  daß  die  Ovarien  die  Eier  erzeugen  und  reifen  lassen  und  daß 
die  Eier  nach  der  Befruchtung  durch  die  Tuben  in  den  Uterus  gelangen. 

—  John  Qraant  in  London  begründet  die  medizinische  Statistik. 

—  Marcello  Malpifhl  erforscht  zuerst  die  Entwicklung  des  Hühnchens  im  Ei 
mit  dem  Mikroskop  und  trägt  zur  näheren  Kenntnis  aller  Teile  des  Foetus, 
seiner  Hüllen  imd  seiner  Umgebung  bei.  Er  begründet  die  mikroskopische 
Anatomie  der  Tiere. 

^  Der  Marquis  von  Maivaila  beschreibt  in  seinen  „Ephemerides  novissimae 
motuum  coelestium**  das  Fadennetzmikrometer,  dessen  Erfindung  Venturi 
zufolge  von  Montanarl  gemacht  sein  soU.  Es  besteht  aus  einem  System 
von  mehreren  feinen  und  senkrecht  einander  durchkreuzenden  Silborfäden. 

1663  Fran^ois  dt  le  Boi  (Sylvius)  weist  auf  die  Alkohol-  und  Essigsäuregärung 
als  die  Typen  der  Vorgänge  hin,  deren  Vorkommen  er  im  Verdauungskaaal 
annimmt.     Die  Verdauung  ist  ihm  ein  chemischer  Prozeß.     Die  alkalische 

9* 

—     131     — 


166S 

Galle  dient  dazu,  den  Speisebrei  zu  neutralisieren,  und  ihn  in  Chylus  und 
Faeces  zu  sondern.  Zur  Bildung  des  Chylus  trägt  andreiseits  auch  der 
Pankreassaft  bei,  dem  Sylvius  saure  Reaktion  zuschreibt.  Er  kennt  auch 
bereits  den  Speichel  als  Verdauungssaft. 

1663  Nachdem  Albertus  Magnus  (1260)  zuerst  das  Zusammenschmelzen  von 
Schwefel  mit  Alkalien  erwähnt  und  Libavius  (1695)  gelegentlich  eine 
Vorschrift  für  die  Auflösung  des  Schwefels  in  wässerigem  Alkali  gegeben 
hatte,  gibt  Robert  Boylt  genaue  Anweisungen  für  Bereitung  der  Schwelel- 
leber sowohl  durch  Auflösung  von  Schwefel  in  kochendem  wässerigem 
ak  auch  in  schmelzendem  trocknem  Kali.  Er  weiß  bereits,  daß  sich 
Metalle  in  Schwefelleber  lösen  und  erwähnt  auch  die  Auflösung  des  Spieß- 
glanzes in  derselben  sowie  die  Schwärzung  des  Silbers  durch  SchwefeQeber- 
lösung.  Bei  spätem  Untersuchungen  ergibt  sich,  daß  die  Sohwefelleber 
nicht,  wie  man  früher  glaubte,  aus  SchwefelkaUum  besteht,  sondern  ein 
Gemenge  von  Kaliumsupersulfureten  imd  unterschwefUgsaurem  oder 
schwefelsaurem  EaU  daretellt.     (Vgl.  auch  1608  B.) 

—  Robert  Boyto  spricht  in  seinen  „Experiments  and  considerations  touohing 
colours"  von  den  Niederschlägen,  welche  Alaun  und  Pottasche  oder  Blei- 
essig mit  Farben  hervorbringen.  Der  Gebrauch  des  Alauns,  um  die  Farben 
auf  Stoffen  zu  fixieren,  war  schon  lange  vorher  allgemein  bekannt.  (8. 
a.  624.) 

—  Robert  Boylt  bereitet  zuerst  das  Chlor^ismut  ( Wismut butter)  durch  Er- 
hitzen von  Quecksilbersublimat  mit  Wismut. 

—  Otto  von  Quorlcko  macht  elektrische  Versuche  mit  einer  Sohwefelkugel,  die 
in  schnelle  Rotation  versetzt  und  mit  der  flachen  Hand  gerieben  wird. 
Er  sieht,  daß  sie  leichte  Körper  nicht  nur  anzieht,  sondern,  was  Gilbert 
(s.  1600  G.)  noch  übersehen  hatte,  nach  einiger  Zeit  wieder  abstößt,  und  be- 
merkt zuerst  das  elektrische  Leuchten  der  Kugel,  aber  nicht  den  elektrischen 
Funken. 

—  Nicolas  Loquln  erfindet  die  elastischen  Bruchbänder. 

—  Giles  Persone  it  Robtrval  erfindet  das  G^wichtsaraeometer,  welchem  Fahren- 
heit  (1724)  einen  Teller  zum  Auflegen  der  Gewichte  hinzufügt.  Die  heutige 
Form  erhält  das  Instrument  durch  William  Nicholson.    (S.  1787  N.) 

—  Hendryk  van  Roonhuyzo  veröffentlicht  ein  Buch  über  die  Frauenkrank- 
^  «1  heiten,  worin  er  ausführlich  den  Scheidenprolaps,  die  BlasensoheidenfisteL 
t)  '                die    er    zuerst    durch    Operation    (Blasenscheidenfistelnaht)    schließt,    die 

operative  Öffnung  der  Vagina  u.  a.  beschreibt. 

—  Nicolaus  StMionlt  weist  nach,  daß  sich  das  Herz  wie  ein  Muskel  verhält 
und  leitet  seine  Zusammenziehung  von  der  Kontraktion  der  Muskeln  her. 
Er  entdeckt  den  Ausführungsgang  der  Ohrspeicheldrüse  (Ductus  Steno- 
nianus)  und  den  Ausführuugsgang  der  Tränendrüse. 

1664  Robert  Boylo  beschreibt  die  Krystalle  von  wasserhaltigem  Kupferohlorid, 
welche  aus  einer  Auflösung  von  Kupfer  in  Salzsäure  sich  bilden  und  in 
Weingeist  löslich  sind,  und  kennt  das  Kupferchlorür. 

—  Da  die  hygro metrische  Methode  des  Nicolaus  de  Cusa  (s.  1440)  sich  als 
ungenau  erweist,  bestimmt  Folli  4M  Popp!  den  Feuchtigkeitsgrad  der  Luft 
mit  Hilfe  der  Längen  Veränderung  oines  Papierstreifens,  der  in  der  Mitte 
mit  einem  Gewicht  belastet  ist  und  den  er  später  durch  einen  Pergament- 
streifen ersetzt  (Hygrometer). 

—  Regnier  4t  Graaff  sammelt  und  untersucht  den  Pankreassaft  aus  Fisteln. 
Die  Alkalinitit  des  Saftes  findtMi  jedoch  erst  Tiedemann  und  Gmelin 
(s.  1823  T.),  die  Speichelähnliehkoit  L<Mirt»t  und  Lassaigne. 

—  Der  englische  Arzt  Htnshaw  konstruiert  den  ersten  pneumatischen  Apparat 
in  Form  einer  gemauerten  Kammer,  in  welcher  durch  von  außen  wirkende 

—      132     — 


Ift6& 

Blasebfilge  und  Ventile  die  Luft  je  nach  Belieben  verdichtet  oder  verdünnt 
werden  kann. 
.664  Der  Mathematiker  Kaspar  Mi«lt  in  Würzburg  beschreibt  in  seinem  Werke 
,,Teohnica  cnriosa"  eine  Taucherglocke.  £ine  Beschreibung  derjenigen 
Taucherglocke,  mit  der  i.  J.  1665  eine  Hebung  der  Schätze  der  versunkenen 
spanischen  Armada  versucht  wurde,  gibt  Sinclair  1669  in  seiner  „Ars  nova 
et  magna  gravitatis  et  levitatis". 

—  Jacques  Labessie  dt  8olt]fMli  französischer  Stallmeister  und  Tierarzt,  be- 
handelt in  seinem  Werke  „V^ritable  parfait  Mar^chal**  ausführlich  die 
Krankheiten  des  Pferdes.  Er  verwendet  Ringe  von  Blei  und  Pasten  von 
Arsenik  und  Kupfervitriol  zu  Fontanellen,  und  greift  in  die  gesamte  Tier- 
heilkunde vielfach  reformatorisch  ein.  Sein  Werk  wird  in  fast  sämtliche 
Sprachen  Europas  übersetzt. 

—  Jacques  Labessie  tft  Sotoysal  weist  die  Übertragbarkeit  des  Rotzes  von  Pferd 
auf  Pferd  nach.  Die  Übertragbar keit  der  Krankheit  auf  den  Menschen 
wird  zuerst  eingehend  von  Schilling  (1821)  begründet. 

—  Nicolaus  Stammls  imtersucht  zuerst  das  Gefäßsystem  der  Choroidea  und 
erkennt  den  venösen  Charakter  der  Venae  vorticosae. 

1665    Giuseppe  Campanl   macht   sich   durch   die  Konstruktion   seiner  Femrohre 
berühmt.     Die   Brennweite    seiner   Objektive,    die    den    vollkommensten 
heutigen  Erzeugnissen   kaum  nachstehen,  ist  so  bedeutend,  daO  die  In- 
strumente nicht  mit  Röhren  (Tuben)  versehen  werden  können,   vielmehr 
das  Objektiv  auf  der  Spitze  eines  Mastes  befestigt  werden  muß,  während 
der  Beobachter  das  Okular  in  die  Hand  nimmt.    Campani  liefert  auch  die 
Gläser,  mit  denen  Giovanni  Domenico  Cassini  seine  großen  Entdeckungen 
macht.    Er  setzt,   zur  Vermeidimg    der  sphärischen    und   chromatischen 
Aberration,    seine    Okulare    und    Objektive   schon   aus   mehreren   Linsen 
zusammen.    Auch  Huygens  und  Divini  zeichnen  sich  durch  den  Bau  von 
Femrohren,  deren  Brennweite  ein  erhebliches  Vielfaches  von  ihrer  Öffnung 
ist.  aus.    (Luftfemrohre.) 

—  Francesco  Maria  QrimaMi  ist  der  erste,  der  Interferenzerscheinungen  be- 
obachtet imd  auf  diese  hin  den  Satz  ausspricht,  daß  Licht,  zu  Licht  hinzu- 
gefügt, Dunkelheit  erzeugen  könne.  Er  beobachtet  auch  zuerst  die  Beu- 
gungserscheinungen des  Lichtes  und  beschreibt  zuerst  das  durch  ein  Prisma 
erzeugte  Sonnenspektrum. 

—  Robert  Nooke  entdeckt  und  erklärt  die  Farben  dünner  Blättchen,  die  er 
auf  eine  Verwirrung  der  an  den  Grenzflächen  der  dünnen  Schicht  reflek- 
tierten Schwingungen  zurückführt  und  erfindet  das  „Newton'sche  Farben- 
glas". Er  spricht  zuerst  aus,  daß  das  Licht  aus  einer  schnellen  und  kurzen, 
vibrierenden  Bewegung  bestehe. 

—  Robert  Hooko  konstruiert  ein  Mikroskop,  dessen  Okular  und  Objektiv  aus 
je  einer  Sammellinse  bestehen,  und  setzt  zwischen  diese  beiden  Linsen  nahe 
dem  Okular  eine  dritte,  das  sogenannte  Kollektivglas. 

-^  Robert  Hooko  bemerkt  zuerst  den  Farbenwechsel  in  der  Szintillation  (Fim- 
keln)  der  Sterne. 

^  Christian  HuyfMS  macht  29  Jahre  vor  Carlo  Renaldini,  dem  man  bisher 
diese  Idee  zuschrieb,'den  Vorschlag,  als  Fundamentalpunkte  für  das  Thermo- 
meter den  Schmelzpunkt  des  Eises  und  den  Siedepunkt  des  Wassers  zu 
benutzen. 

—  Christian  Hiiygons  beobachtet,  daß  zwei  auf  einer  gemeinsamen  Unterlage 
befestigte  Pendeluhren  nach  einiger  Zeit  gleichen  Gang  annehmen.  Spätere 
Untersuchungen  über  die  „sympathetischen  Pendeluhren**  werden  von 
EUicot  (1739),  Breguet,  Laplace,  Savart,  Poisson  und  Resal  (1873)  ge- 
macht. 

—     133     — 


1666 

1665  AthanasiuB  Kircher  gibt  die  ersten  Karten  der   Meeresströmungen 

—  Friedrich  Ruyich  in  Amsterdam  untersucht  durch  künstliche  Injeh 
Gefäßverteilung  in  den  verschiedenen  Organen  des  Körpers  und 
mit  Hilfe  seiner  Methode  eine  ausgedehnte  Sammlung  anatomiscl 
parate  an. 

—  Nicolaus  StMonls  entdeckt  die  Ohrenschmalzdrüsen. 

—  Der  dänische  Mathematiker  Thomas  Walgtnttelii  erfindet  die  Latems 
und  die  Projektionskunst  (s.  Prometheus  1904  S.  314).  Athanasius 
kann  somit  nicht  mehr  als  der  Erfinder  gelten,  indem  er  erst  in  c 
erschienenen  zweiten  Auflage  seiner  „Ars  magna  lucis  et  umbr; 
überdies  z.  T.  unklare  Beschreibung  der  Latema  magica  gibt. 

—  Der  Prämonstratensermönch  Johann  Zahn  beschreibt  zuerst  ein< 
portable  Camera  obscura.  Seine  Camera  besitzt  in  Höhren  gefaßte 
Er  berücksichtigt  den  Einfluß  der  Brennweiten  seiner  Sammellin 
Bildgröße  und  Bildabstand.  Er  verwendet  auch  einen  schräg  g) 
Umkehrungsspiegel. 

1666  Der  Ingenieur  Fran^ois  Andrfoiiy  baut  auf  Kosten  von  Pierre  Paul 
den  Canal  du  Midi  (Languedoc- Kanal),  der  den  Atlantischen  0» 
dem  Mittelländischen  Meere  verbindet,  20  m  breit,  239,5  km  '. 
und  100  Schleusen  und  über  100  Brücken  hat.  Für  diesen  Kan 
von  1679 — 1681  der  Malpas-Tunnel  als  erster  Tunnel  mit  Sprengarl 
geführt,  der  bei  einer  Breite  von  6,9  m  und  einer  Höhe  von  8,4 
Länge  von  157  m  hat. 

—  Der  englische  Eektor  John  Btal  macht  die  ersten  Beobachtung« 
die  täglichen  Barometerschwankungen. 

—  Giovanni  Alfonso  Bortill  spricht  zuerst  den  Gedanken  einer  parab 
Form  der  Kometenbahn  aus.  Er  erfindet  den  Heliostat,  der  dei 
hat,  ein  Strahlen bündel  Lichtes  unveränderlich  in  einer  gewissen  £ 
zu  reflektieren  und  dessen  Erfindung  mit  Unrecht  W.  J.  s*  Gravess 
geschrieben  wird. 

—  Das  Qtrreaiiltch»  Museum  in  Nürnberg  bewahrt  das  älteste  bekann 
farbige  Buntpapier,  das  handschriftlich  die  Jahreszahl  1666  tri 
braimroter  Farbe  ist  und  deutlich  das  Auftragen  der  Farbeflüssig] 
dem  Pinsel  erkennen  läßt.  Es  ist  aber  nach  älteren  Rezeptbüohei 
nehmen,  daß  solches  Papier  bereits  im  15.  Jahrhundert  angefertigi 

—  Jean  de  La  Qulntlnye  betont  die  Wichtigkeit  des  Veredeins  der  Obf 
und  verbreitet  die  Kunst  des  Pfropfens  und  Okulierens  in  weiteren 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lolbnb  erörtert  in  seinem  Werke  „De  arte  c 
toria*'  neben  einer  pasigraphischen,  nur  für  wissenschaftliche  Zwc 
eigneten  Begriffsschrift  (s.  1500  Trithemius)  auch  eine  auf  der  Laul 
beruhende,  für  den  bürgerlichen  Gebrauch  verwendbare  Universali 
(Vgl.  auch  1652  L.) 

—  Der  französische  Chemiker  Nicolas  Lemery  schlägt  vor,  zur  Dai 
der  Schwefelsäure  Schwefel  mit  Salpeter  gemischt  in  einer  feuchten 
zu  verbrennen. 

—  Richard  Lowir,  der  vorher  schon  an  Hunden  mit  Bier-,  Wein-  unc 
infusionen  experimentiert  hat,  führt  die  nachweislich  erste  direkte 
fusion  an  Tieren  aus,  indem  er  das  Blut  aus  der  Arteria  cervical 
Hundes  in  die  Vena  jugularis  eines  andereren,  dem  vorher  bis  z' 
lieber  Ermattung  Blut  abgeimpft  war.  leitet.  (S.  1615  L.) 

—  Heinrich  Mtlhom  beschreibt  die  Augenliddrüsen,  die  nach  ihm  die  9 
sehen  Drüsen  genannt  werden. 

—  Isaac  Ntwton   stellt   zur  Erklärung   der   optischen   Erscheinungen 
genannte  Emissions-  oder  Eraanationstheorie  des  Lichtes  auf,  won 

—     134     — 


1667 

Lacht  aus  sehr  kleinen,  mit  ungeheurer  Greschwindigkeit  von  den  leuch- 
tenden Körpern  fortgeschleuderten  Teilchen  der  Lichtkörperchen  hestehen 
sollte. 
6  Isaao  Ntwioii  stellt,  von  der  Emanationstheorie  ausgehend,  als  erster  ein 
Maß  für  die  Uchtbrechende  Kraft  der  Stoffe  auf  in  dem  Ausdruck  n' — 1 :  d, 
wo  n*  das  Quadrat  des  Brechungsindex  und  d  die  Dichte  des  Körpers  be- 
deutet. £r  nennt  die  lichtbrechende  Kraft  „Absolute  refractive  power". 
Isaac  Nfwtoii  findet  durch  Rechnung  die  Größe  der  Abplattung  der  Erde 

«u   1/289. 

Otto  TadlMliit  empfiehlt  als  das  reinste  kohlensaure  Ammoniak  (flüchtiges 
Laugensalz)  das  aus  Salmiak  mit  kohlensaurem  Kali  bereitete.  Die  Dar- 
stellung aus  Blut  oder  Urin  mit  einem  Zusatz  von  Pottasche  erwähnt 
Mayow  1669. 

—  Otto  TadMnius  erweitert  die  Kenntnisse  in  der  chemischen  Analyse  mehr 
als  irgend  einer  seiner  Vorgänger  und  macht  darauf  aufmerksam,  daß 
der  wesentliche  Charakter  einer  Säure  darin  bestehe,  daß  sie  sich  mit 
Alkalien  zu  Salzen  verbinde,  daß  die  Benennung  „Salz**  also  auf  die  Ver- 
bindung von  Säuren  und  Alkalien  zu  b^chränken  sei. 

—  Isaac  VomIiis  ermittelt  die  Depression  des  Quecksilbers  in  sorgfältig  ge- 
reinigten Capülarröhrchen. 

667  Adrien  Auzout  verbessert  das  von  Malvasia  angegebene  Fadennetzmikro- 
meter, indem  er  dasselbe  mit  der  von  Gascoigne  für  Mikrometerzwecke 
zuerst  benutzten  Schraube  versieht,  die  gestattet,  die  auf  einem  Kahmen 
befestigten  Fäden  beliebig  zu  verschieben. 

—  Robert  Boylt  vertieft  die  analytische  Untersuchung  der  Substanzen  auf 
nassem  Wege.  Er  benutzt  zum  Nachweis  von  Schwefelsäure  und  Salzsäure 
die  Losung  von  Kalk-  und  Silbersalzen  und  macht  systematische  Unter- 
suchungen über  die  Reaktion  der  Galläpfel  und  anderer  pflanzlicher  Stoffe 
auf  die  Lösungen  der  Vitriole.  Diese  Untersuchungen  bilden  die  Grund- 
lage der  Tintenchemie.  Er  charakterisiert  die  Säuren  noch  genauer  als 
Tachenius  nach  ihrer  auflösenden  Kraft,  die  sie  auf  verschiedene  Sub- 
stanzen üben  und  dadurch,  daß  sie  die  Farben  vieler  Pflanzen  in  andere 
Farben  umwandeln  und  die  durch  AlkaHen  veränderten  Pflanzenfarben 
wieder  herstellen.  Er  wird  hiermit  der  Entdecker  der  Farbindikatoren 
und  schafft  dadurch  die  Vorbedingimgen  für  die  Alkalimetrie.  Er  schildert 
namentlich  das  Verhalten  von  Blauholz,  Femambuk,  Cochenille,  Cur- 
cama,  Veilchensirup,  welch  letzterer  durch  Säuren  gerötet  imd  durch 
Alkahen  grün  gefärbt  wird. 

—  Robert  Boyto  veröffentUcht  ausführhche  Versuchsreihen  von  Kältemischun- 
gen. Er  erwähnt,  daß  die  Vermischung  von  Schwefelsäure,  Salzsäure  und 
besonders  Salpetersäure  mit  Schnee  Kälte  erzeugt  und  daß  Salmiak,  in 
Wasser  gelöst,  dieselbe  Erscheinung  hervorruft.  Er  gibt  die  richtige  Er- 
klärung, daß  das  Auftreten  der  Kälte  darauf  beruhe,  daß  die  Salze  den 
Aggregatzustand  des  Eises  und  Schnees  ändern,  indem  sie  Schmelzung  be- 
wirken. (S.  a.  1550.) 

'-  Giovanni  Domenico  Cassini  berechnet  auf  Grund  der  Beobachtung  einiger 
Flecke  auf  der  Oberfläche  der  Venus  eine  Rotation  dieses  Planeten,  die 
er  zu  23 — 24  Stunden  findet. 

~"  Jean  Dtais  und  Emmartz  führen  am  14.  Juni  die  erste  direkte  Bluttrans- 
fusion mit  Überleitung  von  Lammsblut  an  einem  entkräfteten  Menschen 
durch,  dessen  Kräftezustand  sich  sichthch  gehoben  haben  soll.   (S.  1666  L.) 

"*  Robert  Nooke  äußert  in  seiner  „Mikrographie**  klare  Anschauungen  über 
das  Wesen  der  Wärme:  ,,Die  Wärme  ist  nichts  weiter,  als  eine  sehr 
lebhafte  und  heftige  Bewegung  der  Körpermoleküle."    Ebenso   urteilt  er 

—     135     — 


1«67 

ziemlich  klar  über  die  Materie  und  die  Bewegung,  von  denen  er  sagt: 
„Sie  Bind,  was  sie  sind,  Mächte,  geschaffen  vom  AUm&chtigen,  zu  seiii, 
was  sie  sind  und  zu  wirken,  wie  sie  tun,  welche  unveränderlich  sind  im 
Ganzen,  weder  sich  vermehren,  noch  sich  vermindern/' 

1667  Robert  Hookt  konstruiert  zuerst  das  Pendel-Anemometer,  welches  dnroh 
den  Winkelausschlag  einer  dem  Winde  senkrecht  entgegenstehenden  pen- 
delnd aufgehängten  Tafel  die  relative  Windstärke  zu  messen  gestattet 
Von  manchen  Seiten  wird  diese  Erfindung  Christopher  Wren  oder  auch 
Rooke  zugeschrieben. 

—  Robert  Hookt  beobachtet  mit  dem  Mikroskop  den  zelligen  Bau  der  Pflanzen 
und  gebraucht  zuerst  den  Ausdruck  „Zelle**. 

—  Robert  Nooke  gibt  zuerst  die  Idee  an,  die  menschliche  Stimme  durch  einen 
straff  gespannten  Faden  auf  entferntere  Strecken  zu  übertragen. 

—  Christian  HuygMS  beweist  die  Tatsache,  daß  sich  das  Wasser  beim  Ge- 
frieren ausdehnt  und  daß  die  Kraft,  mit  der  sich  das  Wasser  beim  Ge- 
frieren auszudehnen  bestrebt  ist,  sehr  beträchtlich  ist,  dadurch,  daß  er 
ein  eisernes  mit  Wasser  gefülltes  Greschützrohr  durch  die  Kraft  des  frieren- 
den Wassers  sprengt.    (S.  1635  A.) 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lolkniz  erfindet  eine  Rechenmaschine,  welche  die 
Pascarsche  (s.  1642  P.)  an  Leistungsfähigkeit  noch  übertrifft. 

—  Walter  Noodham  tritt  in  seiner  „Disquisitio  de  formato  foetu'*  zuerst  dafür 
ein,  daß  der  Foetus  nicht  durch  die  lymphatischen  Gefäße,  sondern  durch 
die  Placenta  ernährt  werde. 

—  Karl  Raygir,  Physikus  der  Stadt  Preßburg,  macht  in  einem  forensischen 
FaU  die  erste  praktische  Anwendimg  von  der  Galen'schen  Lungenschwimm- 
probe,  die  beim  Verdacht  eines  Kindsmords  aus  dem  Schwimmen  oder 
Niedersinken  der  Lunge  im  Wasser  dartun  soll,  ob  das  Kind  nach  der 
Geburt  Luft  geatmet  hat  oder  nicht.  Der  zweite  praktische  Versuch  wird 
1682  von  Johann  Schreyer  in  Zeitz  gemacht. 

—  Nicolaus  Stmonls  weist  auf  das  Vorkommen  von  Eiern  in  den  immer  noch 
als  Testes  bezeichneten  weiblichen  Geschlechtsdrüsen  der  viviparen  Tiere 
und  auf  deren  Analogie  mit  den  Ovarien  der  eierlegenden  Tiere  hin. 

—  Richard  Townloy  konstruiert  die  erste  bekannte  Teilmaschine. 

—  Thomas  Willis  erforscht  den  Bau  des  Gehirns  und  entdeckt  den  nach  ihm  be- 
nannten „Circulus**  der  Himarterien.  Er  beschreibt  den  Nervus  accessorius 
und  den  Nervus  laryngeus  superior  und  die  Funktion  des  Kehlkopfes.  Das 
schon  von  Aretaeus  gekannte  Bronchialasthma  erklärt  er  als  Bronchial- 
krampf. Er  versucht  die  Himfunktionen  zu  trennen  und  sie  verschiedenen 
Iliniteilen  zuzuschreiben,  womit  er  ein  Vorläufer  der  Lokaiisation  wird. 

1668  Tnter  Benutzung  der  von  Desargues  gegebenen  Anregungen  begründet 
Botti  die  räumliche  oder  Reliefperspektive,  die  für  den  Bildhauer  das 
leistet,  was  für  den  Maler  die  gewöhnliche  Perspektive  bietet.  Eine  weitere 
Ausbildung  erfährt  die  Reliefperspektive  durch  Petitot  (1758)  und  J.  A. 
Rrey»^ig  (1798). 

—  William  Brouiicfcsr,  Viscount  of  Castle  Lyons,  fördert  die  Reihenlehre  durch 
seine  Abhandlung  „The  squaring  of  the  Hyperbola  by  an  infinite  series 
of  rational  numbers".  Er  gibt  zuerst  eine  Quadratur  der  Hyperbel  durch 
Reihen  ( Brouncker^sche  Reihen.) 

—  Eustaohio  Dhrlnl  verbessert  das  zusammengesetzte  Mikroskop,  indem  er 
diMiselbe  mit  einem  aus  zwei  plankonvexen  Linsen  bestehenden  Okular  ver- 
sieht, weli'hes  die  Gegenstände  flach  anstatt  gekrümmt  sehen  läßt.  d.  h. 
die  sphärische  Aberration  vermindert. 

—  Denis  Dotot  spricht  sirh  über  die  Mittel,  die  EitrtMisohaften  einer  Pflanze 
zu  entdecken,  aus.     Er  empfielilt  in  erster  Linie  die  Prüfung  der  Dekokte 

—     136     — 


1669 

mit  Eisen  Vitriol  und  Bleiweiß,   in    zweiter  Linie  die  Klärung  und   Ein- 
dampfung der  S&fte.  (S.  a.  1647  Sala.)    Er  wendet  yieUach  auch  noch  die 
Pyroanalyse  an,  gegen  welche  als  unzweckmäßig  schon  Robert  Boyle  1661 
zu  Feld  gezogen  war. 
1668    Edme  Markitli  entdeckt  gelegentlich  seiner  Studien  über  den  Gesichtssinn 
den  blinden  Fleck  der  Netzhaut  (Mariotte'scher  Fleck).     (S.  a.  1852  L.) 
—      Fran^ois  MawICMUi  gibt  ein  ausführliches  Buch   über  Greburtshilfe  heraus, 
das  namentlich  auf  technischem  Gebiete  einen  großen  Fortschritt  bedeutet. 
Er  erörtert  darin  u.  a.  die  Herkunft  des  Fruchtwassers,   die  Bildung   der 
Milch  in  den  Brüsten,  die  Tubengravidität,  das  Puerperalfieber. 
—     John  Wallis  in  Oxford  ermittelt  die  Stoßgesetze  völlig   unelastischer  Kör- 
p^  und  tut  in  seiner  Methode  der  Quadration  den  ersten  Schritt  zur  Inte- 
gralrechnung.    Er   unterscheidet   zuerst  Potenzen   mit   gebrochenen   und 
negativen  Exponenten. 
1669  Erasmus  BartMlniit  entdeckt,  daß  ein  Lichtstrahl,  wenn  er  durch  isländischen 
Doppelspat  geht,   in  zwei  Strahlenbündel  zerlegt  wird.     (Doppelbrechung 
des  Lichts.) 

—  Johann  Joachim  Bidltr  hebt  in  seiner  „Physica  subterranea'*  als  erster  die 
chemischen  Kennzeichen  der  Mineralien  hervor. 

—  Brand  entdeckt  den  Phosphor  und  stellt  ihn  aus  Harn  dar. 

—  Christian  Hnygtiit  gibt  in  seiner  Abhandlung  „De  motu  corporum  ex  per- 
cnssione*'  die  Gesetze  für  den  Stoß  elastischer  Körper. 

—  Richard  Lowir  schildert  in  seinem  „Tractatus  de  corde''  genau  die  Muskel- 
fasern des  Herzens  und  deren  Bestimmung,  leitet  die  Bewegung  des  Herzens 
vom  Einfluß  der  Nerven  her  und  gibt  an,  daß  dasselbe  Blut  fast  dreizehn - 
mal  in  einer  Stunde  durch  das  Herz  hindurchgehe.  Er  führt  die  helle 
Farbe  des  arteriellen  Blutes  auf  dessen  Mischung  mit  Luft  zurück. 

—  John  maiow  ermittelt  als  erster  das  spezifische  Gewicht  eines  künstlich 
dargestellten  Gases,  indem  er  von  dem  Rückstand  der  atmosphärischen 
Luft,  die  zur  Unterhaltung  der  Verbrennung  gedient  hat,  soweit  er  von 
Wasser  nicht  aufgenommen  wird,  angibt,  er  sei  etwas  leichter  als  ge- 
meine Luft. 

—  John  Mafow  zeigt  durch  das  Experiment,  daß  bei  der  Verbrennung  wie 
beim  Atmen  das  Volum  der  Luft  vermindert  wird  und  betrachtet  das 
Atmen  als  einen  dem  Verbrennen  ähnlichen  Prozeß;  die  Entstehung  der 
Blutwärme  betrachtet  er  als  auf  einer  Gänmg  beruhend.  Die  Substanz, 
die  aus  der  Luft  hinweg  genommen  wird,  bezeichnet  er  als  eine  salpetrige 
(Partioulae  nitro -aereae). 

*  Isaac  Ntarton  veröffentlicht  seine  Abhandlung  „De  analysi  per  aequationes 
numero  terminorum  infinitas*',  deren  wesentlichen  Inhalt  der  binomische 
Lehrsatz  bei  beliebiger  Annahme  des  Exponenten  und  die  Auflösung  von 
Oleichungen  bildet. 

1669^70  Die  durch  Jean  PIcard  zwischen  Sourdan  bei  Amiens  imd  Malvoisine 
bd  Paris  durchgeführte  Gradmessung,  bei  welcher  zum  ersten  Male  das 
Femrohr  mit  Fadenkreuz  (s.  1662  M.  und  1667  Auzout)  Anwendung  findet, 
wird  dadurch  bedeutungsvoll,  daß  sie  Newton  in  den  Stand  setzt,  sein 
Gravitationsgesetz  als  richtig  zu  erkennen. 

1669  Nicolaus  StMOillt  begründet  mit  seiner  Schrift  „De  solide  intra  solidum 
naturaliter  contento*'  die  Krystallographie  und  die  Stratigraphie  (Lehre 
von  den  Erdschichten)  und  gibt  eine  Theorie  von  der  Entstehung  der  Erde, 
die  ihn  als  Begründer  des  Neptumsmus  erscheinen  läßt.  Er  stellt  am 
Bergkrjstall  die  Konstanz  der  Kantenwinkel  der  Krystalle  fest,  eine  Be- 
obachtung, die  nach  Q.  Sella  schon  1540  Biringuccio  am  Pyrit  gemacht 
haben  soll. 

—     137     — 


1669 

1669  Jan  SvrammMnlam  macht  bahnbrechende  Untersuchungen  über  den  Bau  und 
die  Entwicklung  der  Bienen  und  die  Fortpflanzung  und  Verwandlung  der 
Insekten  überhaupt  und  stellt,  indem  er  die  bis  dahin  bestehende  Ansioht 
von  der  Urzeugung  niederer  Tiere  beseitigt,  die  Theorie  auf,  daß  die  Ent- 
stehung der  Wesen  eine  Enthüllung  (Evolution)  ihrer  schon  vorhandenen 
Keime  sei. 

1670  Der  Landwirt  von  Amboton  in  Paddem  in  Kurland  konstruiert  eine  Mühle, 
die  das  Gretreide  durch  einen  runden  Boden  den  durch  Wasser  angetriebenen 
Flegeln  zuführt,  wobei  das  Dreschgut  auch  ausgesiebt  wird  (Dreechmafichine). 

—  Nachdem  das  Lötrohr  zuerst  um  das  Jahr  40  und  danach  in  den  Be- 
richten der  Academia  del  Cimento  zu  Florenz  (1660)  flüchtig  erwähnt 
worden  war,  benutzt  Erasmus  Bartholinuf  das  Lötrohr  zuerst  zu  Zwecken 
der  Mineralchemie. 

—  Nachdem  bis  dahin  der  Glaube  verbreitet  gewesen  war,  daß  die  im  Wasser 
lebenden  Tiere  anstatt  Luft  Wasser  atmen,  zeigt  zuerst  Robert  B#yto,  dafi 
Luft  auch  für  das  Leben  der  Wassertiere  erforderlich  sei. 

—  Thomas  Halt  in  Dcptford  baut  die  erste  Walzmaschine  zur  Herstellong  von 
Bleiplatten.     Bis   dahin  waren  die  Bleiplatten  lediglich  gegossen  worden. 

—  HoMm  und  Montuiarl  erklären  gleichzeitig  das  Zerspringen  der  Glastränen 
beim  Ritzen  aus  den  Spannung» Verhältnissen.  Die  Ansicht,  daß  Asmadd 
die  Tränen  resp.  die  Bologneser  Fläschchen  1716  erfunden  habe,  kann 
demgegenüber  und  weil  nach  dem  Bremer  Rektor  Schulenburg  dieselben 
in  mecklenburgischen  Glashütten  schon  um  1623  bekannt  waren,  nicht 
aufrecht  erhalten  werden. 

—  Robert  Hookt  konstruiert  den  ersten  selbstregistrierenden  Regenmesser.  Unter 
den  später  konstruierten  derartigen  Apparaten  (Ombrographen)  findet  der 
von  Hottinger  die  weiteste  Verbreitung.    (S.  a.  1639  C.) 

—  Francesco  Lana  bildet  eine  fliegende  Barke  ab,  die  durch  (luftleer  gemachtet]^ 
metallene  Kugeln  getragen  wird. 

—  Marcello  Malpighl  entdeckt  die  Malpighi'schen  Körperohen  der  Milz,  daa^ 
Malpighi'sche  Netz  (Rete  Malpighii)  und  die  Malpighi'schen  Knäuel  in  detr* 
Niere. 

—  Marcello  Malpifhl  entdeckt,  unabhängig  von  Robert  Hooke,  die  Pflanzen — 
Zellen,  die  er  Utriculi  nennt  und  findet,  daß  die  Blätter  diejenigen  Organa 
sind,  welche  die  Nahrung  der  Pflanzen  bereiten.    (Vgl.  1667  H.) 

—  Samuel  Morbuid  erfindet  das  Sprachrohr,  das  eine  Anwendung  der  Reflexions- 
gesetze  des  Schalls   darstellt.     Er   bringt   dasselbe   zur   Nachrichtenüber> 
mittelimg  auf  weite  Entfernungen,  namentlich  im  Schiffsdienste,  zur  An- 
wendung. 

—  Der  französische  Theologe  Gabriel  Mouton  äußert  zuerst  die  Idee  eines 
natürlichen  Grundmaßes.  Er  will  als  solches  die  Minute  eines  Meridian- 
grades annehmen  und  dieselbe  „Mille'*  nennen. 

—  Isaac  Ntwtofi  zerlogt  durch  ein  Glasprisma  das  Sonnenlicht  in  seine  farbigen 
Bestandteile  und  weist  nach,  daß  Lichtstrahlen  von  verschiedener  Farbe 
verschieden  brechbar  und  die  prismatischen  Farben  wirklich  einfache 
Farben  sind  (Dispersion  des  Lichts). 

—  Der  Töpfer  Palmar  in  Burslem  erfindet  das  ,, Salzen**,  ein  Verfahren  zum 
Glasieren  des  Steinzeugs,  das  darin  besteht,  daß  man  während  des  Brandes» 
namentlich  am  Ende  desselben,  Salz  in  die  Feuerung  wirft. 

—  Jean  PIcari  entdeckt,  daß  alle  Pendeluhren  im  Sommer,  wegen  der  Ver- 
längerung des  Pendels  durch  die  Wärme,  langsamer,  im  Winter,  wegen 
der  Verkürzung  des  Pendels  durch  die  Kälte,  schneller  gehen. 

—  Giovanni  Battista  Rlcdoli  berechnet  zuerst  aus  der  Breite,  der  mittleren 
Tiefe  und  der  Geschwindigkeit  eines  Stromes  dessen  Wasserfülle. 

—      138     — 


1672 

>    Gües  Persone  4t  Rokarval  erfindet  die  Roberval*Bche  obersohalige  Wage. 
Heinrich  Sdiwankhardt  (oder  Schwanhard)  in  Nürnberg  erfindet  die  Glas- 
&tzang  mit  Flußspat  und  Schwefelsäure. 

Der  sizilianische  Maler  Agostino  Scilla  weist  an  einer  Reihe  von  Beispielen 
die  nahe  Übereinstimmung  fossiler  Gebilde  mit  Teilen  lebender  Tiere  nach 
und  tritt  entschieden  dafür  ein,  daß  sie  wirkliche  Reste  von  Tieren  seien, 
die  einst  gelebt  haben. 
Jan  Swamimnlaiii  entdeckt  den  Muskelton. 

Thomas  WIIHt  spricht  in  seiner  Abhandlung  „De  medicamentorum  opera- 
tiotiibus"  zuerst  klar  aus,  daß  der  diabetische  Harn  von  wunderbarer  Süßig- 
keit, gleichsam  wie  von  Honig  oder  Zucker  durchtränkt  sei,  doch  schreibt 
er  den  süßen  Geschmack  einer  „Veränderung  der  Salze*'  zu. 
Nachdem  schon  Brunfels  und  Bauhin  wahrgenommen  hatten,  daß  aus 
dem  Ameisenhaufen  ein  saurer  Dimst  aufsteige,  der  Pfianzenfarben  röte, 
gewinnt  zuerst  John  Wray  die  Ameisensäure  durch  Destillation  und  ver- 
gleicht dieselbe  mit  der  Essigsäure. 

71  Giovanni  Domenico  Casiiiil  entdeckt  im  Oktober  den  achten  Satelliten  des 
Saturn,  der  den  Namen  Japetus  erhält. 

Athanasius  KIrelier  sucht  die  Ursache  der  meisten  Krankheiten,  insbesondere 
der  Pest,  in  mikroskopischen  Organismen  der  Luft. 

—  Isaac  NtwtiNi  schreibt  seine  Abhandlung  „Methodus  fiuxionum'',  die  später 
von  John  Colson  in  englischer  Übersetzung  herausgegeben  wird.  Die 
Fluxionsrechnung  ist  nichts  anderes,  als  die  von  Leibniz  (s.  1676  L.) 
selbständig  erfundene  Differentialrechnung.  Newton  hat  diese  Methode  im 
Wesentlichen  nur  für  seine  eigenen  Rechnungen  entwickelt,  während  erst 
Leibniz  sie  der  Allgemeinheit  zugänglich  macht. 

—  Nachdem  Zucchius  1608  den  Vorschlag  gemacht  hatte,  Hohlspiegel  als 
Pemrohrobjektive  zu  verwenden  und  Mersenne  1639,  Gregory  1661  Instru- 
mente verfertigt  hatten,  die  aber  wegen  der  verwendeten  parabolischen 
Spiegel  keinen  Erfolg  hatten,  gelingt  es  Isaac  NtwtiNi,  durch  Anwendung 
eines  sphärischen  Spiegels  das  erste  brauchbare  Spiegelteleskop  zu  kon- 
struieren. 

—  Thomas  Willis  betrachtet,  wie  John  Mayow,  das  Atmen  und  die  Verbren- 
nung als  gleiche  Prozesse,  erklärt  aber  die  Entstehung  der  Blutwärrae  als 
von  der  Verbrennung  herrührend.  Auch  er  betrachtet  den  Bestandteil 
der  Luft,  der  die  Verbrennung  unterhält,  als  „Particulae  nitrosae'^  Ähnliche 
Ansichten  äußert  1680  Robert  Boyle,  der  indes  davon  spricht,  daß  es 
nicht   nachgewiesen  sei,   daß  jener  Bestandteil  der  Luft  salpeterartig  ist. 

~  Jan  de  Witt,  Ratspensionär  von  Holland,  wendet  zuerst  die  Wahrschein- 
lichkeitsrechnung auf  die  Berechnung  der  Lebensrente  an.  Vgl.  seine 
Schrift  „Waerdye  van  lyfrenten  nar  proportie  van  los-renten**. 

1^72  Andr6  Charles  Boulle  wird  durch  seine  musivischen  Arbeiten  mit  farbigen 
Hölzern,  die  er  in  die  Möbel  einlegt  und  mit  Bronzen  umgibt,  der  Be- 
gründer einer  neuen  Richtimg  in  der  Möbeltischlerei  (Boulle-Möbel). 

^  Robert  Boyle  beobachtet  die  KrystalUsation  des  Wismuts  aus  dem 
Schmelzflusse. 

^  Giovanni  Domenico  Casiiiil  entdeckt  am  23.  Dezember  den  fünften  Satelliten 
des  Saturn,  der  den  Namen  Rhea  erhält. 

"^  Francis  Qllstoil  in  London  lehrt  in  seiner  Schrift  „Tractatus  de  natura 
8abstantiae  energetica"  die  Irritabilität  der  belebten  tierischen  und  pflanz- 
lichen Gewebe,  d.  h.  deren  Fähigkeit,  auf  Reize  zu  reagieren.  Glisson 
schafft  damit  wichtige  Grundlagen  für  das  von  Brown  (s.  1780  B.)  auf- 
gestellte physiologische  System.  (S.  auch  1757  H.)  Er  stellt  experimentell 
fest,  daß  sich  das  Volumen  des  Muskels  bei  der  Kontraktion  nicht  ändert. 

—     139     — 


1672 

1672  Otto  von  Quirtekt  erwähnt  zuerst  die  farbigen  Schatten,  ein< 
erscheinung,  die  z.  B.  auftritt,  wenn  ein  Gregenstand  von  gelbei 
licht  und  von  Mondlicht  gleichzeitig  beleuchtet  wird. 

—  Jan  van  der  H«yde  in  Amsterdam  erfindet  den  gen&hten  Segeltu 
der   als  Druck-  und  Saugeschlauch  für  Feuerspritzen  dient, 
entwickelt  sich  hieraus  der  genähte,  dann  der  genietete  Lederschla 
hin  die  gewirkten  Hanfschi äuohe  ohne  Naht  und  endlich  die  Ha 
mit  Gummieinlage. 

—  Christian  Hiiygüis  schlägt  als  Längenmaßeinheit  ein  Drittel  des 
pendeis  unter  dem  Namen  „Pes  horarius"  vor,  wobei  er  die 
Sekundenpendels  damals  noch  (vgl.  dagegen  1673  H.)  unter  al 
für  gleich  hält.    (S.  auch  1749  B.) 

—  Li  Qrai  führt  die  von  Wilhelm  Piso  1648  zuerst  als  ein  in  B: 
bräuchliches  Mittel  erwähnte  Ipecacuanha  (Ruhrwurzel)  in  die  li 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lalkniz  entdeckt  an  einer  ihm  von  Otto  vc 
zugeschickten  Schwefelkugel  den  elektrischen  Funken.  Diese  I 
ist  also  nicht  Hawksbee  zuzuschreiben,  wie  dies  vielfach  geschi 

—  Isaac  Ntwton  schlägt  das  mit  einem  Spiegel  als  Objektiv  ausgeri 
dioptrische  Mikroskop  vor,  das  später  von  Barker,  Brewster,  . 
vervollkommnet  wird,  heute  aber  nur  noch  historischen  Wert  1 

—  Nach  den  Plänen  des  Holländers  Rannokon  wird  in  den  Jahren 
in  Marly  bei  Paris  für  die  Gärten  von  Versailles  eine  Wasserleit 
geschaffen,  welche  zu  den  größten  Leistungen  auf  diesem  Gel 
Das  Hochreservoir  liegt  163  m  über  dem  Spiegel  der  Seine 
davon  entfernt.  Zum  Betrieb  sind  14  Wasserräder  und  250 
Druckpumpen  erforderlich.  Hier  werden  auch  zum  ersten  Male 
Flanschenröhren  verwendet.  Von  anderer  Seite  wird  die  Erfi 
gußeisemen  Flanschenröhren  David  Zeltner  in  Nürnberg  zugesc 

—  Jean  Rlehor  entdeckt,  daß  ein  in  Paris  genau  eingestelltes  Seku: 
in  Cayenne  merklich  langsamer  schwingt.  Er  muß  dasselbe  un 
verkürzen,  um  den  richtigen  Gang  wieder  herzustellen. 

—  Pierre  Soifnotte  entdeckt  das  „Seignettesalz**,  Kahumnatrium-Tai 
zufällig  Soda  statt  Pottasche  zur  Neutralisation  von  Weinsäur 
Er  verwertet  das  Salz  als  mildes  Laxans. 

—  Francis  Wllloughby  macht  umfangreiche  Arbeiten  über  die  Natu 
der  Vögel  und  der  Fische,  die  nach  seinem  Tode  in  den  Jahren 
1686  von  John  Ray  veröffentlicht  werden. 

1673  Olaus  Borrldiliit  führt  das  isländische  Moos,  welches  in  Island 
land  als  Nahrungsmittel  bekannt  war,  als  Arzneimittel  ein. 

—  Johann  Htvolliis  verbessert  den  Azimutalquadranten  (s.  1576),  ii 
vorher  mit  der  Hand  ausgeführten  Einstellungen  durch  M 
schrauben  und  Schnurzüge  bewirkt.  Sein  Azimutalkreis  hat  4 
Quadrant  5  Fuß  Radius  und  beide  sind  unmittelbar  in  Minuten 
während  Transversalen  ermöglichen,  noch  kleinere  Teile  bis  zu  fi 
abzuschätzen. 

—  Christian  Haygons  stellt  den  Satz  auf,  daß  die  Summe  der  Pr< 
Massen  und  der  Quadrate  der  von  ihnen  erreichten  G^schwi 
dieselben  bleiben,  die  Massen  mögen  sich  verbunden  fortbew 
getrennt  dieselbe  Bewegung  ausführen. 

—  Christian  Hoygons  begründet  die  Theorie  der  Zentrifugalkraft  i 
den  Beweis,  daß  die  Zentrifugalkraft  wie  das  Quadrat  der  Ge 
keit  zunimmt  und  in  dem  Verhältnis  kleiner  wird,  wie  d 
zunimmt. 

—  Christian  Hoygons   bestimmt   durch    Pendelbeobachtungen   die    < 

—      140     — 


1674 

Beschleunigung  für  den  freien  Fall  und  stellt  fest,  daß  der  Gesebwindig- 
keitszuwaohs  rund  10  m  in  der  Sekunde  beträgt,  so  daß  ein  Körper  nacb 
Ablauf  der  1.,  2.,  3.  usw.  Sekunde  eine  Geschwindigkeit  von  rund  10, 
20»  30  usw.  Metern  besitzt. 
1673  Cluristian  HuygtRS  löst  die  von  Mersenne  gestellte  Aufgabe  über  den 
Schwingungsmittelpunkt  des  zusammengesetzten  Pendels,  entwickelt  ^die 
Theorie  des  Pendels,  insbesondere  die  Abweichungen  vom  Galilei'schen 
Pendelgesetz,  entdeckt  die  wahre  Gestalt  der  Kettenlinie  und  behandelt 
die  Eigenschaften  der  Zykloide  und  die  Lehre  von  den  Evoluten. 

—  Christian  HHygMis  erklärt  die  Beobachtung  des  Astronomen  RicNr  (s.  1672), 
daß  das  Sekundenpendel  in  Cayenne  sich  langsamer  bewegt  als  in  Paris, 
durch  die  Abnahme  der  Schwere  von  den  Polen  nach  dem  Aequator,  die 
davon  herrühre,  daß  die  Erde  nicht  eine  reine  Kugel,  sondern  ein  an  den 
Polen  abgeplattetes  Rotationssphäroid  sei. 

1673^87  Robert  La  Salto  erforscht  das  Stromgebiet  des  Mississippi,  sowie  die 
Gebiete  des  Illinois  und  des  Ohio.     (Vgl.  1523  und  1539.) 

1673  Antony  LMUWMhotk  entdeckt  die  roten  Blutkörperchen  beim  Menschen. 
Er  macht  seine  Beobachtungen  mit  einem  einfachen  Mikroskop,  das  von 
ihm  selbst  geschliffene  Linsen  enthält  und  mit  welchem  er  nur  in  durch- 
fallendem Licht  beobachten  kann.  Ähnliche  durch  vorzügliche  Arbeit  aus- 
gezeichnete einfache  Mikroskope  steUt  insbesondere  Jan  van  Musschen- 
broek  her. 

—  marquttte  und  Jolltot  fahren  am  17.  Juni  vom  Obern  See  aus  den  Missis- 
sippi abwärts,  wobei  sie  den  Missouri  entdecken. 

—  Der  Pater  Ignatius  Gaston  Pardlti  macht  zuerst  den  Versuch,  den  Wider- 
stand, den  ein  Schiff  im  Wasser  zu  überwinden  hat,  rechnerisch  fest- 
zustellen und  die  Lehren  der  Hydrostatik  auf  den  Schiffbau  anzuwenden. 

—  Der  französische  Marschall  Sebastien  Lepr^tre  dt  Vautan  wirkt  bahn- 
brechend für  das  französische  und  das  gesamte  europäische  Festungs- 
wesen,  indem  er  den  bastionierten  Grundriß  in  einfachster  Anordnung 
aller  Teile  mit  ausschließlicher  Grabenflankierung  vom  hohen  Walle,  unter 
Ausschluß  der  Kasematten,  einführt. 

1674  Christoph  Adolph  Baktowaln  (Balduinus)  bemerkt,  als  eine  Retorte,  in  der 
er  salpetersauren  Kalk  zum  Trocknen  kalziniert,  zufällig  zerbricht,  daß 
die  den  Trümmern  anhängende  Masse  im  Dunkeln  leuchtet,  wenn  sie 
vorher   den   Sonnenstrahlen    ausgesetzt   wird.     (Balduin'scher   Phosphor.) 

—  Robert  Boyla  erforscht  die  Eigenschaften  der  Luft  in  physikalischer  und 
chemischer  Beziehung  und  bestätigt  durch  zahlreiche  Versuche  die  von 
Jean  Rey  gefundene  Tatsache,  daß  die  Metalle  bei  der  Kalzination  an 
Gewicht  zunehmen. 

""  Robert  Boyto  erkennt  zuerst,  daß  die  Luft  durch  die  Atmung  verdorben 
wird  und  der  Erneuerung  bedarf.    (Vgl.  auch  1669  M.) 

~  Robert  Hookt  erfindet  die  Kreisteilmaschine,  die  im  Jahre  1775  durch  den 
Mechaniker  Jesse  Ramsden  vervollkommnet  wird. 

~  Robert  Hookt  erfindet  die  Schwimmerlampe,  welche  sich  auf  das  von 
Archimedes  (s.  250  v.  Chr.)  entdeckte  Cresetz  des  hydrostatischen  Auftriebs 
gründet.  Es  ist  dies  die  älteste  Form  der  sogenannten  statischen  Lampen 
(Feder-  oder  Kolbenlampen),  zu  welchen  auch  die  Moderateurlampe 
(8.  1836  F.)  gehört. 

"•  Die  Sehschärfe  wird  gemessen  durch  den  kleinsten  Unterscheidungswinkel, 
d.  h.  den  kleinsten  Winkel,  unter  dem  wir  zwei  leuchtende  Punkte  noch 
etwa  als  gesondert  zu  unterscheiden  imstande  sind.  Diese  von  Euklid 
schon  theoretisch  angegebene  Untersuchung  wird  von  Robert  Nooke  zu- 
erst praktisch  ausgeführt. 

—     Ul     — 


1674 

1674  Christian  HuygMis  ersetzt  die  Borstenfeder  der  Taschenuhrunnihe  duiofa 
eine  stählerne  ebene  Spiralfeder,  deren  Schwingungszeit  regulierbar  ist  und 
gibt  der  bis  dahin  balkenförmigen  Unruhe  die  runde  Rädchenform,  auf 
die  der  Luftwiderstand  weniger  Einfluß  hat.  Der  Prioritäteansprach  von 
Hooke  ist  ungerechtfertigt,  da  eine  Uhr  nach  seiner  Angabe  erst  1675 
fertig  wird. 

Der   französische   Chirurg   Morel  erfindet   die  Aderpresse  (Toumiquet)  zur 
Blutstillung  durch  Kompression. 

—  Samuel  Morland  wendet  zum  ersten  Male  die  Taucher-  oder  Plungerkolben 
zur  Wasserförderung  in  Pumpen  an. 

—  Denis  Papln  beobachtet,  daß  die  Siedetemperatur  vom  Druck  abhängt  und 
das  Wasser  viel  weniger  erwärmt  zu  werden  braucht,  wenn  ee  unter  nie- 
drigerem Druck  kochen  soll  als  bei  höherem.  Die  Erhöhung  der  Siede- 
temperatur durch  Druck  benutzt  Papin  1681  in  dem  nach  ihm  benannten 
Papin'schen  Dampfkochtopf,  an  dem  er  bemerkenswerterweise  schon  ein 
Sicherheitsventil  anbringt. 

—  George  Ravtnicroft  in  England  erfindet  das  Bleialkaliglas  für  optuche^ 
Zwecke  (Flintglas),  vermag  dasselbe  aber  nur  in  kleinen  Stücken  her- 
zustellen. 

—  Der  dänische  Astronom  Olaf  Römer  wendet  zuerst  die  epizykloidisohe  Gre- 
stalt  für  die  Zähne  von  Zahnrädern  an. 

—  Veltch  entdeckt  die  Ursache  der  seit  langer  Zeit  bekannten  Dracunculosis 
in  dem  Medinawurm,  Dracunculus  medinensis,  der  späterhin  von  Manson 
1893 — 1903  unter  dem  Namen  ,, Guineawurm''  eingehend  untersucht  und 
beschrieben  wird. 

]67%5  Robert  Boyto  entdeckt,  daß  alle  Körper  eine  größere  elektrische  An- 
ziehungskraft haben,  wenn  man  sie  vor  dem  Reiben  erwärmt  und  daß  die 
elektrischen  Versuche  auch  im  luftleeren  Räume  von  statten  gehen.  Im 
gleichen  Jahre  erfindet  er  ein  Skalenaraeometer,  mit  dem  er  das  spezifische 
(rewicht  zahlreicher  Körper  bestimmt. 

Oiovanni  Domenico  Cassini  entdeckt  eine  dunkle  Linie  auf  dem  Satnmringe 
(die  sog.  Cassini'sche  Trennung),  die  sich  als  ein  Spalt  zwischen  zwei 
konzentrischen  Ringen  herausstellt.  Genauere  Untersuchungen  dieser  Er- 
Hcheinung  hat  später  F.  W.  Hersohel  (s.  1787  H.)  vorgenommen. 

—  Dskkers  in  Amsterdam  erfindet  das  erste  Bronchotom  zur  Vornahme  der 
Tracheotomie,  das  aus  einem  kleinen  Troikart  besteht,  dessen  Kanüle  am 
hinteren  Ende  zwei  Handhaben  besitzt. 

—  Antony  LMuwMhoek  entdeckt  mit  Hilfe  des  Mikroskops  im  Süßwasser  win- 
zige Lebewesen,  die  er  „Infusoria**  (Aufgußtierchen)  nennt,  und  beschreibt 
eine  Anzahl  Formen  derselben. 

—  Nicolas  Lsniiry  erkennt  die  saure  Natur  der  Bernsteinsäure,  die  1550  von 
<ieorg  Agricola  als  flüchtiges  Bernsteinsalz  beschrieben  worden  war  und 
deren  Zusammensetzung  später  von  Berzelius  richtig  erkannt  wird. 

—  Nicolas  Lamtry  untersucht  das  Arsen  genauer  und  stellt  es  zu  den  Halb- 
metallen oder  Bastardmetallen. 

—  Nicolas  Lmii^  teilt  die  Chemie  ein  in  mineralische,  vegetabilische  und 
animalische.  Er  unterscheidet  die  Metalle,  Mineralien  und  Erden  als  mi- 
neralische, die  Pflanzen,  Oummi-  und  Harzarten,  Schwämme,  Früchte, 
Safte  usw.  als  vegetabilische  und  die  Tiere,  ihre  einzelnen  Teile  und  Ex- 
kremente als  animalische  Substanzen. 

' —  Friedrich  MartMis,  SchilTsarzt  auf  einem  hamburgischon  Walfischfänger,  gibt 
die  erste  eingehende  Beschn'ibung  der  landschaftlichen  und  klimatischen 
Verhältnisse  von  Spitzbergen,  sowie  der  Tiere  und  Pflanzen  des  hohen 
Nordens. 

—     142     — 


1677 

>  Samuel  Morlaiitf  konstruiert  ein  selbstregistrierendes  Barometer,  auch  Wage- 
barometer  genannt,  das  auf  dem  Archimedischen  Prinzip  beruht,  daß  jeder 
in  eine  Flüssigkeit  getauchte  feste  Körper  so  viel  von  seinem  Gewicht  ver- 
liert, als  das  Gewicht  der  von  ihm  verdrängten  Flüssigkeit  beträgt.  Der 
vergessene  Apparat  wird  1857  wieder  von  Pater  Secchi  in  den  wissen- 
schaftlichen Beobachtungskreis  gezogen. 

Denis  Papin  trägt  durch  Erfindung  des  doppelt  durchbohrten  Hahns 
(Wechselhahn),  der  1679  von  Senguerd  noch  verbessert  wird,  wesentlich 
zur  Vervollkommnung  der  Hahnluftpumpe  bei. 

—  Jean  Pleard  bemerkt  zufällig,  daß  das  Quecksilber  in  der  Torricelli'schen 
Leere  des  Barometers  leuchtend  wird,  wenn  man  es  im  Dimkeln  schüttelt. 
Er  nennt  diese  Erscheinung  merkurialischen  Phosphor,  weiß  aber  dafür 
keine  Erklärung.  Hawksbee  erklärt  das  Leuchten  1708  durch  die  Reibung 
des  Glases  am  Quecksilber,  was  1767  von  Aepinus  und  1772  von  Deluc 
bestätigt  wird. 

—  Olaf  Röoiir  ersetzt  in  dem  Tycho*schen  Azimutalinstrument  (s.  1576)  den 
Quadranten  durch  einen  Vollkreis. 

676  Der  englische  Geistliche  Isaac  Barlow  erfindet  die  Repetieruhr. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Ltiknlz  legt  in  einem  Brief  an  Newton  die  Auflösung 
-    des  Tangentenproblems  mit  Hilfe  der  Differentialrechnung  dar.   Er  ist  es, 

der  zuerst  der  Differentialrechnung  eine  pädagogisch  brauchbare  Form 
gibt  und  sie  auf  einfache  Regeln  zurückführt,  was  bei  Newtons  Fluxions- 
rechnung  (s.  1671  N.)  noch  nicht  geschehen  war. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lalbniz  löst  (in  einem  Briefe  an  Collins)  den  irre- 
duziblen  Fall  der  Gleichungen  dritten  Grades  durch  eine  Reihenentwick- 
lung. 

—  William  MolyiiMix  konstruiert  ein  Hygrometer  aus  Hanfseil,  bei  welchem  die 
Beobachtung  verwertet  ist,  daß  solche  Seile  sich  mit  zu-  und  abnehmender 
Feuchtigkeit  ausdehnen  und  verkürzen  oder  sich  auf-  und  zudrehen.  Diese 
Erfahrung  wird  auch  zur  Konstruktion  der  bekannten  Wetterhäuschen 
verwendet. 

—  Isaac  NtwtiNi  findet  die  Gesetze  der  Farben  dünner  Blättchen.  (Newton'sche 
Ringe.) 

—  Olaf  RÖOMT  (damals  in  Paris)  nimmt  bei  der  Beobachtung  des  ersten 
Jupitermondes  wahr,  daß  dessen  Verfinsterungen,  im  Widerspruche  zu 
dem  durch  die  Berechnung  ermittelten  Zeitpunkte  der  Verfinsterung,  auf 
der  Erde  um  so  später  gesehen  werden,  je  weiter  der  Jupiter  von  der 
Erde  entfernt  ist.  Römer  schließt  hieraus,  daß  die  Geschwindigkeit  des 
Lichtes  nicht,  wie  bis  dahin  fast  allgemein  (vgl.  indes  78)  angenommen, 
dne  unendlich  große,  sondern  daß  sie  eine  endliche  sei,  und  berechnet  die- 
selbe auf  40000  geographische  Meilen  (etwa  300000  km)  in  1  Sekunde.  (S. 
a.  1607  G.,  1849  F.,  1854  F.,  1874  C.) 

~~  Johann  Christian  Sturm  erfindet  das  Differentialthermometer  und  konstruiert 
die  erste  Ventilluftpumpe,  die  Papin  vervollkommnet,  indem  er  an  ihr  im 
(Gegensatz  zu  allen  früheren  Luftpumpen  zwei  Stiefel,  sowie  Ventile  am 
Grunde  eines  jeden  Pumpenstiefels  anbringt.  Er,  und  nicht  wie  man  bisher 
annahm  Hawksbee,  ist  also  der  Erfinder  der  zweistiefligen  Luftpumpe. 

~~  Richard  Wiiaimuiil  gibt  das  erste  genaue  Krankheitsbild  der  tuberkulösen 
Cielenkerkrankungen.  Er  faßt  unter  dem  Namen  „Tumor  albus"  eine 
Anzahl  chronischer  Gelenkleiden  zusammen,  welche  auch  heute  noch  die 
häufigste  Form  der  tuberkulösen  Gelenkleiden  darstellen.  Er  führt  diese 
Krankheiten  hauptsächlich  auf  Skrofulöse  zurück.  Er  gibt  bestimmte 
Indikationen  für  die  frühzeitige  oder  spätere  Amputation. 

1677  Israel  Conrail  in  Olivence  beschreibt  zuerst  die  Unterkühlung  des  Wassers 

—     143     — 


1677 

(Gefrier Verzögerung),  die  später  von  Fahrenheit  (1721),  Deluc  und  MiUBcheo- 
broek  untersucht  wird  und  deren  Gesetze  von  Blagden  (s.  1788  B.)  ermittelt 
werden. 

1677  J.  F.  EWioli  erwähnt  zuerst  in  den  „Ephemeriden  der  GeseUsohaft  deut- 
scher Naturforscher"  die  Eigenschaft  des  Flußspats,  durch  Erw&rmimg 
noch  vor  dem  Erglühen  leuchtend  zu  werden. 

—  Der  englische  Astronom  Edmund  Halley  weist  bei  Gelegenheit  der  Beob- 
achtung eines  Merkurdurchganges  darauf  hin,  daß  Venusdurchgänge 
(s.  1639  H.)  noch  besser  als  Merkurdurchgänge  zu  einer  guten  Bestimmung 
der  Sonnenparallaxe  geeignet  seien.    (Vgl.  1770  D.) 

—  Ludwig  van  Hammen  sieht  bei  mikroskopischer  Untersuchung  des  tiensoheii 
Samens  die  sich  lebhaft  bewegenden  Samenfäden  und  teilt  s^ne  Beob- 
achtung an  Leeuwenhoek  mit,  der  genauere  Untersuchungen  anstellt  und 
veröÖentlicht. 

—  Edme  Mariotls  gibt  den  noch  heute  im  Gebrauch  befindlichen  PerknssionB* 
Apparat  zum  Nachweis  der  Gesetze  über  den  Stoß  elastischer  Körper  an. 

—  William  Noble  und  Thomas  Pifott  entdecken  die  durch  Mitschwingen  ent- 
stehenden Flageolettone. 

—  Der  Anatom  J.  C.  Psywr  entdeckt  die  Peyer'schen  Drüsen,  die  sog.  ge- 
schlossenen Lymphdrüsen,  die  sich  von  den  eigentlichen  LymphdrÜBem. 
dadurch  unterscheiden,  daß  sie  keine  einführenden  und  ausführenden. 
Lymphgefäße  besitzen.  Sie  stehen  jedoch  mit  den  sie  umspinnendem. 
Lymphgefäßen  der  Darmschleimhaut  in  Verbindimg  und  füllen  sieh  nach, 
den  Mahlzeiten  mit  Chylus,  wie  auch  die  in  ihnen  erzeugten  Lymphzelleii. 
in  das  Lymphgefäßsystem  auswandern  können. 

1678  Giovanni  Domenico  CasiinI  beobachtet  zuerst  Doppelsteme,  die  er  jedoch 
nur  als  optisch  zusammengehörig  ansieht.    (Vgl.  1778  M.) 

—  Robert  Hookt  verkündet  in  seiner  Schrift  „De  potentia  restitutiva"  das 
Gesetz  der  Proportionalität  von  Spannung  und  Verlängerung  mit  den 
Worten:  „Ut  tensio  sie  vis.*'  Es  ist  dies  das  Grundgesetz  der  Elastizi- 
tatslehre. 

—  Christian  Hoyisns  stellt  die  Undulationstheorie  des  Lichtes  auf,-  wonach 
das  Licht  in  einer  elastischen  Wellenbewegung  des  Äthers  besteht. 

—  Christian  Huyctns  stellt  für  den  Kalkspat  fest,  daß  die  Strahlenfläche  des 
von  ihm  ausgehenden  Lichtes  aus  einer  Kugel  und  einem  Rotations- 
eUipsoid  besteht.  Kugel  und  Rotationsellipsoid  berühren  einander  in  den 
Endpunkten  der  Rotationsachse. 

—  Domenico  ds  Marchtttl  weist  zuerst  mit  Sicherheit  durch  Injektion  nach, 
daß  die  feinsten  Zweige  der  Venen  und  Arterien  miteinander  kommuni- 
zieren. 

—  CA.  Ramtay  begründet  mit  seiner  auf  englischer  Grundlage  aufgebauten 
„Taoheographia"  die  erste  deutsche  Stenographie,  ohne  jedoch  Nachfolger 
seiner  Bestrebungen  zu  finden. 

—  Olaf  Römsr  konstruiert  ein  automatisches  Planetarium  (zur  Darstellung  der 
Bewegung  der  Himmelskörper),  bei  dem  er  zuerst  von  seinen  konischen 
Spiralrädern  (s.  1674  R.)  Gebrauch  macht,  bei  denen  die  ineinandergreifen- 
den Radzähne  in  Spirallinien  auf  Kegeln  von  verschiedenem  Durchmesser 
nebeneinander  stehen.  Das  erste  Planetarium  soll  2697  v.  Chr.  in  China 
ausgeführt  worden  ^ein ;  später  soll  Archimedes  ein  solches  aus  Glas  her- 
gest^illt  haben. 

1679  (tiovanni  Alfonso  Borslll  begründet  die  Schule  der  latromathematiker.  Er 
macht  hervorragende  Arbeiten  über  die  Verdauung,  schildert  deren  mecha- 
nischen Vorgang  und  spriclit  sich  über  die  Existenz  eines  Magensaftes 
und  dessen  Beziehung  zu  den  Driisen  des  Magens  klar  aus. 

—      144     — 


1680 

n9  Giovanni  Alfonso  Boitlll  gibt  in  seinem  Werke  „De  motu  animalium*'  eine 
bahnbrechende  und  erschöpfende  Theorie  der  Körperbewegung  der  Tiere 
und  Menschen.  (S.  1644  D.)  Er  untersucht  namentlich  auch  den  Kon- 
traktionsvorgang der  Muskeln,  dessen  Einwirkung  auf  das  Skelett  und 
seine  Kraft  und  bestimmt  den  Schwerpunkt  des  menschlichen  Körpers  bei 
gestreckter  Lage.  Er  veröffentlicht  in  dieser  Schrift  auch  die  ersten 
wissenschaftlichen  Untersuchungen  über  den  Vogelflug. 
~  Giovanni  Alfonso  Bortlll  beschreibt  die  Atembewegung  und  die  Passivität 
der  Lungen  in  richtiger  Weise. 

—  Qrtaiktffir  wendet  zuerst  die  sogenannte  gnomonische  Projektion,  und  zwar 
für  Sternkarten  an.  Für  Seekarten  wird  sie  zuerst  von  Sturmy  benutzt; 
ihre  Theorie  wird  1718  von  Borgondio  entwickelt. 

—  Der  Chemiker  Johann  Kiinckal  von  Ldwonsttni  erfindet  das  echte  Rubinglas, 
aus  dem  er  im  Dienste  des  Großen  Kurfürsten  auf  der  Pfaueninsel  bei 
Potsdam  farbenprächtige  Gefäße  (Kunckelgläser)  herstellt,  die  auch  bei 
großer  Wandstärke  die  Rubinfarbe  deutlich  hervortreten  lassen.  (Vgl. 
1888  R.)  Seit  der  Entdeckung  des  Goldpurpurs  (s.  1685  C.)  wird  meist 
dieses  Präparat  zur  Herstellung  des  Rubinglases  verwendet. 

—  Johann  Kunckal  von  Ühw nsttrn  beschreibt  in  seiner  „Ars  vitraria  experimen- 
talis"  den  Glasblasetisch  mit  dem  doppelten  Blasebalg  und  führt  an,  daß 
eine  derartige  Vorrichtimg  für  den  Chemiker  sehr  nützlich  sei;  so  dürfe 
man,  um  Metallkalke  zu  reduzieren,  nur  eine  Kohle  aushöhlen,  den  Metall- 
kalk in  die  Höhlung  legen  und  vermittels  jener  Vorrichtung  die  Flamme 
darauf  richten. 

—  Antony  Lionvrtnhoofc  entdeckt  die  Querstreifung  der  Muskeln. 

—  Isaac  Nowton  erkennt  theoretisch,  daß  frei  fallende  Körper  infolge  der 
Achsendrehung  der  Erde  von  der  Senkrechten  östlich  abgelenkt  werden 
müssen. 

—  Samuel  RtylMr  verwendet  für  sein  Mikroskop  Sonnenlicht  und  erhält,  da 
es  mit  ihm  möglich  wird,  die  vergrößerten  Gegenstände  auf  einer  Wand 
sichtbar  zu  machen,  das  Sonnenmikroskop. 

1680  Caspar  Barthollniit  in  Kox)enhagen  entdeckt  den  Ausführungsgang  der 
ünterzungendrüse.     (S.  a.  1661  D.) 

—  Hieronymus  Brasiavola  weist  aufs  neue  auf  die  Wirksamkeit  von  Nähr- 
klystieren  hin.   (S.  20.) 

—  Giovanni  Domenico  Cassini  entdeckt  die  Rotation  des  Planeten  Mars. 
(8.  a.  1667  C.) 

—  Der  Engländer  dsmont  erfindet  die  Ankerhemmung  oder  die  Hemmung 
mit  dem  englischen  Haken  an  Stelle  der  bis  dahin  gebrauchten  Spindel - 
hemmung  der  Uhren. 

~  Tommaso  Cornollo  in  Neapel  erkennt  zuerst  die  eigene  Irritabilität  der 
Muskeln  und  die  peristaltische  Bewegung  des  Darmes. 

~  Dominique  Diidos  beschreibt  zuerst  den  Lackmus  und  dessen  Verwendung 
als  Farbindikator  in  der  chemischen  Analyse. 

—  Christian  Hnyions  beschreibt  in  einer  Eingabe  an  die  Pariser  Akademie 
seine  1673  erfundene  Pulvermaschine.  Der  Hubzylinder  derselben  hat 
Seitenröhren  mit  Ventilklappen.  Durch  eine  im  Zylinder  zur  Explosion 
gebrachte  Pulverpatrone  wird  der  Kolben  bis  über  die  Öffnungen  der 
Seitenröhren  geschleudert,  aus  denen  alsdann  die  Gase  entweichen.  Fährt 
nun  die  Luft  zurück,  so  schließt  sie  die  Klappen  und  preßt  den  Kolben 
mit  so  großer  Kraft  herab,  daß  dadurch  Lasten  gehoben  werden  können. 
Die  Hautefeuille*sche  Pulvermaschine  ist  erst  1678,  d.  i.  fünf  Jahre  nach 
der  Huygens*schen  Maschine  erfunden  worden.    Man  wird  nicht  verkennen, 

Darmstaedter.  10 

—     145     — 


r 


1680 

daß  in  der  Huygens'schen  PulvermaAchine  schon  die  Grundidee  der  Gas- 
maschine enthalten  ist. 

1680  Der  Franzose  «lacquln  erfindet  die  künstlichen  Perlen,  die  er  in  der  Weise 
darstellt,  daß  er  hohle  Glaskügelchen  inwendig  mit  dem  silberfarbenen 
Bodensatz  kleiner  gewaschener  Fische  überzieht  und  die  Perlen  mit  Wachs 
ausgießt. 

—  Antony  LMVWMihoek  untersucht  die  Bierhefe  unter  dem  Mikroekop  und 
findet,  daß  sie  aus  kleinen  kugel-  oder  eiförmigen  Körperchen  besteht, 
über  deren  Natur  er  jedoch  nicht  ins  Reine  zu  kommen  vermag. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lalbnlz  stellt  in  seiner  „Protogaea"  eine  Theorie 
über  die  Bildung  der  Erde  auf,  die  im  wesentlichen  ein  plutoniatisches 
Gepräge  trägt  und  nicht  vöUig  unbeeinflußt  von  den  Descartee'schen  An- 
sichten ist. 

—  Der  Engländer  Martin  Uttar  erkennt  den  Wert  der  Petrefakten  für  die 
Bestimmung  der  Altersfolge  der  Sedimente.  Er  schlägt  zuerst  die  An- 
fertigung geologischer  Karten  vor,  ein  Gedanke,  der  jedoch  erst  später 
von  Packe  (s.  1743  P.)  verwirklicht  wird. 

—  Domenico  de  Marehttli  macht  den  ersten  beglaubigten  Nierenschnitt 
(Nephrotomie)  an  dem  englischen  Konsul  in  Venedig,  Hobson,  wobei  es 
ihm  gelingt,  mehrere  Nierensteine  zu  entfernen. 

—  Bemardino  Ramaslnl  behandelt  in  seinem  Werke  „De  morbis  artificnm 
diatribe**  als  erster  die  Gewerbehygiene. 

—  J.  G.  Voiekamar  liefert  die  erste  Beschreibung  des  Bergamottöles  und 
des  Bergamottenbaumes. 

1681  Johann  Joachim  Badiar  denkt  zuerst  an  Gewinnung  und  Verwendung 
des  Steiinkohlenteers,  wie  aus  einem  von  ihm  in  Gemeinschaft  mit  Henry 
Serie  am  19.  August  genommenen  Patente  hervorgeht. 

—  Der  Kapitän  Blonck  vom  brandenburgischen  SchiÖ  „Morian**  schließt  mit 
drei  Negerfürsten  in  der  Nähe  des  Dreispitzenkaps  an  der  afrikanischen 
Goldküste  einen  Vertrag  ab,  wodurch  die  Errichtung  einer  branden- 
burgischen Kolonie  daselbst  eingeleitet  wird.    (S.  1683  G.) 

—  Giovanni  Domenico  Cassini  betreibt  in  rationeller  Weise  Bohrversache  auf 
artesische  Brunnen  und  bespricht  sie  in  seiner  Abhandlung  „Sur  la  manidre 
de  faire  des  puits  et  des  jets  d'eau  ä  Mod^ne". 

—  Georg  Samuel  DMM  weist  an  dem  Kometen  von  1680  die  von  Borelli 
(8.  1666  B.)  vermutete  parabolische  Form  der  Bewegung  nach. 

—  Robert  Hooka  beobachtet,  daß  ein  musikalischer  Ton  entsteht,  wenn  man 
ein  Kartenblatt  an  die  Kante  eines  schnell  rotierenden  Zahnrades  bringt, 
und  findet  damit  das  Prinzip  der  Zahnradsirone,  die  1820  von  Savart  her- 
gestellt wird. 

—  Johann  Kunckel  von  LftwtnttMH  entdeckt  den  Salpetrigsäureäther  bei  Destil- 
lation von  Alkohol  mit  Salpetersäure  und  gibt  ihm  den  Namen  Salpeter- 
naphtha. 

—  .Tohann  Konektl  von  Lftwinttern  spricht  von  der  Verbindung  des  geschmol- 
zenen Zinnes  mit  Schwefel,  die  später  unter  dem  Namen  „Musivgold"  als 
Malerfarbe  gebraucht  und  von  Peter  Woulfo,  Proust  und  namentlioh  J.  Davy 
und  BerzeUus  näher  untersucht  wird. 

—  Nachdem  Libavius  (1600)  schon  angegeben  hatte,  daß  die  Lösung  des 
Wismuts  in  Salpetersäure  durch  Wasser  gefällt  werde,  lehrt  Nicolas 
LtiiMry  die  Bereitung  des  „Magisterium  bismuti*',  das  unter  dem  Namen 
„Blanc  d'Espagne'*  als  Schminkweiß  verwendet  wird,  durch  Auflösen  von 
Wismut  in  Salpetersäure  und  FaUon  mit  kochsalzhaltigem  Wasser. 
Daß  kochsalzhaltiges  Wasser  hierzu  nötig  sei,  wird  von  Pott  (1739) 
widerlegt. 

—     146     — 


U8t 

ftSl  Nachdem  bis  dahin  im  allgemeinen  die  Vorstellung  geherrscht  hatte,  daß 
auf  der  Erde  das  Land  gegen  das  Wasser  überwiege,  welche  Ansicht 
namentlich  Grerhard  Mercator  (1569),  Varenius  (1650)  und  insbesondere 
Riccioli  (s.  1661  R.)  vertreten  hatten,  zeigt  Sir  Jonas  Moors,  daß  die  be- 
kannte Wasserfläche  großer  als  die  des  Landes  ist. 

1682  BadMT  erwähnt  zuerst  die  Möglichkeit,  auch  aus  Kartoffeln  Branntwein 
zu  gewinnen.  (S.  a.  1750  M.) 
—  Johann  Joachim  Bschor  gibt  eine  umfassende  Theorie  über  die  Zu- 
sammensetzung der  Körper.  Er  nimmt  in  den  Metallen  und  den  andern 
entzündlichen  Körpern  eine  brennbare  Erde  an,  auf  deren  Vertreibung 
die  Verbrennung  beruhe,  und  legt  dadurch  den  Grund  zur  phlogisti- 
Bchen  Theorie. 

—  Johann  Joachim  Bschor  erwähnt  in  seiner  „Großen  chymischen  Concordantz'' 
die  Brennbarkeit  des  Steinkohlengases. 

—  Johann  Joachim  Bochor  behauptet,  daß  nur  zuckerhaltige  Flüssigkeiten 
der  alkoholischen  Gärung  fähig  seien  und  zeigt,  daß  der  Alkohol 
nicht  in  dem  ursprünglichen  Weinmost  existiert,  sondern  erst  während 
des  Gärungsprozesses  entsteht. 

—  Nehemiah  Qrow  begründet  die  Pflanzenhistologie.  Er  erkennt  den  zelligen 
Bau  der  Pflanzen  xmd  unterscheidet  das  parenchymatische  Gewebe  und 
die  longitudinal  gestreckten  Faserformen,  die  echten  Gefäße  und  die  saft- 
führenden Kanäle. 

—  Emanuel  Ktalf  teilt  die  gesamte  Natur  in  die  drei  Reiche  (regna):  das 
Mineralreich,  das  Pflanzenreich  und  das  Tierreich. 

—  Edme  Mariotto  macht  die  ersten  Beobachtungen  über  strahlende  Wärme, 
indem  er  die  Durchlässigkeit  von  Glas  für  Wärmestrahlen  untersucht. 

*  Isaac  Nowton  spricht,  nachdem  er  bereits  1666  die  ersten  Versuche  gemacht 
hatte,  die  Bewegung  der  Himmelskörper  aus  den  Gresetzen  der  Mechanik 
zu  erklären,  das  Gresetz  der  allgemeinen  Gravitation  aus,  demzufolge  sich 
die  Materien  gegenseitig  im  direkten  Verhältnis  ihrer  Massen  und  im  um- 
gekehrten Verhältnis  des  Quadrates  ihrer  Entfernungen  anziehen,  und  er- 
bringt dafür  den  mathematisch  genauen  Nachweis. 

—  Der  Holländer  van  tartM  benutzt  zuerst  zur  Bereitung  von  Wassermörte 
den  am  Laachersee,  im  Nette-  und  Brohltal  vorkommenden  Tuffstein,  der 
zu  diesem  Zweck  zu  Pulver  vermählen  wird.  Der  gemahlene  Tuffstein, 
auch  Traß  genannt,  dient  auch  heute  noch  zur  Bereitung  von  Wasser- 
mörtel.  Der  Stein  ist  der  schon  von  Vitruvius  (s.  20)  erwähnten  Puzzolan- 
erde  ähnlich. 

1683  Johann  Bobn  spricht  zuerst  deutlich  von  dem  würfligen  Salpeter  (salpeter- 
Baures  Natron),  der  bei  der  Bereitung  von  Königswasser  durch  Destillation 
von  Kochsalz  mit  Salpetersaure  entsteht. 

^  Gruichard  Joseph  Du  Vomoy  veröffentlicht  das  Werk  „Trait6  de  Torgane 
de  Touie",  in  welchem  er  die  Anatomie  des  Ohres  ausführlich  behandelt 
and  das  als  erster  Versuch  einer  wissenschaftlichen  Abhandlung  über  die 
f^esamte  Ohrenheilkunde  anzusehen  ist.  Er  gibt  in  seinem  Werke  die  ersten 
genaueren  Abbildungen  der  Bogengänge  und  der  Ohrenschmalzdrüsen. 

—  Der  preußische  Major  Otto  Friedrich  von  dor  Qröbon  hißt  die  kurbranden- 
burgische  Flagge  auf  Groß-Friedrichsburg  an  der  Guineaküste.  (Vgl. 
1681  Blonck.)  Im  Jahre  1684  erwirbt  Brandenburg  die  Arguin-Inseln  am 
Weißen  Vorgebirge.  Aber  schon  im  Jahre  1717  gehen  die  sämtUchen 
preußisch-afrikanischen  Besitzungen  durch  Kauf  an  die  Holländer  über. 

"*  Edmund  Halloy  entwirft  seine  Theorie  von  vier  magnetischen  Polen  oder 
Konvergenzpunkten  und  von  der  periodischen  Bewegung  der  magnetischen 
linien  ohne  Abweichung. 

10* 

—     147     - 


1688 

1683  de  HtMe  beobachtet  zuerst  die  Flimmerbewegung  an  den  Eliemen  d( 
Muscheln.  Diese  Bewegung  besteht  darin,  daß  die  feinen  Haare,  mit  dene 
die  Zellen  an  ihrer  Oberfläche  besetzt  sind,  in  unaufhörlicher  schwingende 
Bewegung  begriffen  sind. 

—  Antony  LoMiwtnhoek  beobachtet  in  dem  Speichel  des  Menschen  verBchieden 
sich  lebhaft  bewegende  kleine  Tierchen,  nach  Abbildung  und  Beoohreibiin 
die  ersten  gesehenen  Bakterien. 

—  Maundrell  und  Williams  erhalten  ein  Patent  zur  Anfertigung  von  gegossrae 
hohlen  Zinnknöpfen,  in  welchem  sie  sich  selbst  als  deren  „erste  Erfinder 
bezeichnen. 

—  Der  Engländer  Pttliit  spricht  in  seiner  Schrift  „The  laws  of  art  and  ni 
ture'*  zuerst  davon,  daß  das  beste  Holz  zur  Einfassung  der  BlelBtifte  da 
Zedernholz  ist. 

^  Andrews  Snapt,  Eurschmied  Königs  Karl  II.  von  England,  verfaßt  eü 
Schrift  „The  Anatomy  of  an  Horse*',  in  der  er  kurze,  aber  wertvolle  Az 
gaben  über  Rotz  und  Rehe  des  Pferdes  macht.  Seine  Darlegungen  zeuge 
von  guter  Beobachtung,  sind  jedoch  mehrfach  durch  Ruini  (s.  1698  R.)  un 
Soleysel  (s.  1664  S.)  beeinflußt. 

—  Thomas  Sydanhani  unterscheidet  zuerst  ausdrücklich  die  ohronischen  Forme 
des  GrelenkrheumatismuB  und  erwähnt  auch  die  charakteristischen  Ve 
krümmungen  der  Fingergelenke.  Er  gibt  in  seinem  „Tractatus  de  podagi 
et  hydrope"  eine  auch  jetzt  noch  mustergültige  Schilderung  des  gesamte 
Krankheitsbildes  der  Gicht. 

—  Thomas  SydMihani  gibt  die  erste  eingehende  Beschreibung  des  Veitstanzi 
(Chorea  St.  Viti),  dessen  Natur  trotz  vieler  Arbeiten  darüber  (Romb», 
Litten,  Westphal,  Bright,  SeehgmüUer,  Heubner,  Henoch  u.  a.)  noch  nid 
geklärt  ist. 

—  Thomas  Sytfanham  bringt  zuerst  klar  zum  Ausdruck,  daß  die  Hysterie  eii 
Erkrankung  des  Nervensystems  ist.  Er  gibt  eine  genaue  Schilderung  d 
konvidsivischen  Anfälle  und  der  intervallaren  Symptome. 

—  Wilhelm  Ten  Rhjfiia  bringt  die  seit  langer  Zeit  von  den  Chinesen  und  J 
panern  geübte  Akupunktur  (Einstechen  von  Nadeln  in  die  Weichteile  a 
Excitans  oder  Derivans)  nach  Europa. 

—  Ehrenfried  Walter  von  Tidilmliaus  arbeitet  über  das  Tangentenproblei 
und  löst  Gleichungen  dritten  und  vierten  Grades,  indem  er  alle  Glied 
zwischen  denjenigen  höchsten  und  niedrigsten  Grades  wegschafft. 

—  Edward  Tyson  gibt  in  den  „Philosophical  Transactions"  eine  genaue  an 
tomischc  Beschreibung  der  Eingeweidewürmer. 

1684  Der  holländische  Arzt  Bontekoo  empfiehlt  in  seiner  Schrift  „Körte  y( 
handeling  van't  menschenleven'*  den  Teeaufguß  als  ein  untrüglich 
Mittel,    das   menschliche  Leben    zu   verlängern.     (S.  a.  1588.) 

—  F.  Berntor  unternimmt  einen  Versuch,  die  Menschen  in  Klassen  einzutefl* 
und  unterscheidet  die  Weißen  in  Europa,  die  Gelben  in  Asien,  die  Schwf 
zen  in  Afrika  und  die  Lappen  im  Norden. 

—  Robert  Boylo  hat  klarere  und  richtigere  Ansichten  über  die  versohieden« 
Grade  der  chemischen  Verwandtschaft  als  irgend  einer  seiner  Vorgang« 
selbst  Glauber.  (S.  1654  G.)  Er  weiß,  daß  Kali  das  Ammoniak  ans  sein 
Verbindungen  austreibt,  weil  die  Säure  zu  dem  fixen  Alkali  mehr  V« 
wandtschaft  hat  als  zu  dem  flüchtigen  und  daß  die  ätzenden  Alkalien  i 
stärkste  Afflnität  haben  zu  starken  Säuren. 

—  Giovanni  Domenico  Cassini  entdeckt  im  März  den  dritten  und  den  viert 
Satelliten  des  Saturn,  welche  die  Namen  Dione  und  Tethys  erhalten. 

—  Der  englische  Techniker  James  Dolabadlo  konstruiert  die  erste  Rauhmaschi 
für  Stoffe  und  betreibt  die  erste  Tuchschere  mit  Wasserkraft. 

—      148     — 


1686 

684  Robert  Hookt  legt  am  20.  Mai  der  Royal  Society  ein  fertig  ausgearbeitetes 
optisches  Telegraphensystem  vor,  das  er  insbesondere  zur  Verwendung  im 
Seeverkehr  empfiehlt,  und  bei  dem  zuerst  die  Ausnutzung  von  Fern- 
rohren zur  Aufnahme  der  Femzeichen  vorgeschlagen  wird.  Der  Gedanke 
findet  erst  ein  Jahrhundert  sp&ter  praktische  Würdigung.  (S.  1793  C.) 
—  Christian  HojfgMlt  konstruiert  ein  Femrohrokular,  bei  welchem  er  zuerst 
in  bewußter  Weise  Achromasie  anstrebt  und  zwei  mit  ihren  Krüm- 
mungen nach  dem  Objektiv  gewandte  plankonvexe  Crownglaslinsen  benutzt. 

—  Der  französische  Ingenieur  Labion  bewirkt  zuerst  die  Verbindung  von  Fem- 
rohr  und  Libelle,  aus  der  die  späteren  Nivellierinstrumente  hervorgehen. 

—  Edme  MartoMi  macht  die  Lehre  von  dem  meteorischen  Ursprung  des  in 
den  Quellen  austretenden  Wassers  durch  Experimente  und  rechnerisch 
statistische  Nachweise  seinen  Zeitgenossen  einleuchtend. 

—  Edme  Marlolli  konstruiert  ein  Manometer,  bei  dem  die  Flüssigkeit  unter  der 
Wirkung  des  zu  messenden  Drucks  in  ein  oben  geschlossenes,  zum  Teil  mit 
Luft  gefülltes  Bohr  hineingetrieben  und  der  Druck  nach  dem  Grade  der  Zu- 
sammenpressung dieser  Luft  gemessen  wird  (Kompressionsmanometer,  Ma- 
riotte'sche  Rohre). 

—  Edme  Marlotli  erfindet  die  nach  ihm  benannte  Flasche  (erst  nach  seinem 
Tode  1686  bekannt  gemacht),  die  den  Zweck  hat,  eine  größere  Wasser- 
menge ohne  Änderung  der  Druckhöhe  ablaufen  lassen  zu  können. 

1685  Jacob  Bimoiill  bearbeitet  die  Kombinationstheorie  in  so  umfassender  Weise, 
daß  alles,  was  den  heutigen  Inhalt  dieser  Lehre  ausmacht,  sich  in  dem 
nach  seinem  Tode  i.  J.  1713  erschienenen  Werke  „Ars  conjectandi'* 
—  sogar  in  modemer  Form  —  vorfindet.  Er  gebraucht  zuerst  das  Wort 
„Permutation",  während  der  Ausdruck  „Kombination"  zuerst  von  Pascal 
gebraucht  wird. 

—  Der  Arzt  und  Alchemist  Andreas  Casiiiit  in  Leiden  entdeckt  den  Gold- 
purpur (CasBius-Gold),  welcher  durch  Fällung  von  Goldchlorid  mit 
einer  dünnen  Lösung  von  Zinnchlorür  und  Zinnchlorid  erhalten  wird. 
(VgL  auch  1679  K.)  Eine  Beschreibung  des  Darstellungsverfahrens  gibt 
Cassius'  Sohn. 

—  Der  französische  Ingenieur  Gattalnf  erfindet  die  Münzrändelmaschine  zur 
Anbringung  erhabener  oder  vertiefter  Schrift  auf  dem  Bande  der  Münzen, 
welche  in  neuerer  Zeit  (z.  B.  durch  Ludwig  Löwe  in  Berlin)  derart  ver- 
bessert worden  ist,  daß  sie  in  1  Stunde  bis  zu  14000  Münzen  selbsttätig 
rändelt. 

—  Der  niederländische  General  Menno  von  Coehoorn  verstärkt  die  Festungen 
seines  Landes  durch  Einführung  eines  bis  auf  das  Grundwasser  gesenkten 
und  daher  mit  der  Sappe  nicht  überschreitbaren  Grabens  und  vermehrt 
die  Anlagen  zur  Durchführung  einer  zähen  abschnittsweisen  Verteidigung. 
Er  ist  der  Erfinder  der  kleinen,  beweglichen,  zum  Massengebrauche  be- 
stimmten sog.  Coehoom'schen  Mörser. 

^  Hendryk  van  DtVMttr  bearbeitet  die  Lehre  vom  engen  Becken  und  gibt 
die  erste  Einteilung  der  abnormen  Verhältnisse  des  Beckens.  Er  erwirbt 
sich  große  Verdienste  um  die  Therapie  des  engen  Beckens. 

"-  Der  gelähmte  Uhrmacher  Stephan  Farfifr  in  Altdorf  macht  eine  praktische 
Anwendung  von  der  von  Hautzsch  (s.  1649  H.)  gemachten  Erfindung,  indem 
er  sich  zur  eignen  Beförderung  einen  kleinen  Wagen  baut,  dessen  Räder 
er  durch  eine  Handkurbel  bewegt.  Sein  Gefährt  ist  zuerst  vierrädrig, 
wird  aber  später  dreirädrig  umgebaut. 

"  (Christian  FOrnar  erfindet  die  Windwage,  durch  die  es  möglich  wird,  den 
Wind  für  die  Orgel  zu  regulieren  und  die  Dichte  der  eingeschlossenen  Luft 
zu  messen. 

—     149     — 


1686 

1685  Johann  Htvflliit  konstruiert  den  Oktanten,  einen  mit  einem  g 
AchtelkreiB  versehenen  Winkelmesser. 

—  Der  italienische  Arzt  Giovanni  Landti  benutzt  als  erster  die  Per! 
des  Stemum  bei  Aneurysma  am  Herzen. 

—  Giovanni  LaneM  unterscheidet  zuerst  zwischen  wahrem  und  falaohc 
eurysma  und  nennt  als  hauptsächliche  Ursache  der  Aneurysmen 
nische  Einwirkungen  imd  die  Syphilis. 

—  Isaac  Ntwton  findet  den  Satz,  daß  die  Dichte  der  Luft  sich  in  geomel 
Progression  vermindert,  wenn  die  Höhe  in  arithmetrischer  Prog 
wächst  und  gibt  dadurch  die  Unterlage  zu  Halleys  barometisohe 
schungen.     (S.  1686  H.) 

—  Verbindet  man  ein  Femrohr  so  mit  einer  Achse,  daß  dasselbe  untei 
beliebigen  Winkel  zu  derselben  festgehalten  werden  kann  und  bii 
dann  die  Achse  mit  Hilfe  der  bereits  gemachten  Bestimmungen 
Richtung  der  Weltachse,  so  heißt  das  Fernrohr  parallaktisch  m< 
zumal  wenn  damit  ein  Uhrwerk,  das  die  Achse  in  einem  Tage 
umdreht  und  anderseits  zwei  geteilte  Kreise,  der  sog.  Stundenkre 
der  Deklinationskreis  verbunden  sind.  Ein  solches  Instrument  w: 
erst  von  Scheiner  und  etwas  später  von  Grünberger,  in  voUkon 
Weise  aber  erst  von  Olaf  Römtr  in  seiner  „Machina  acquatorea"  verwii 

—  Der  französische  Anatom  Raymond  d«  Vlemttns  beschreibt  zuerst  die 
miden  und  Oliven  im  verlängerten  Mark. 

—  Johann  Zahn  schlägt  vor,  statt  des  Fadenkreuzes  (s.  1667  A.)  mittels  Di 
auf  Glas  eingeritzte  Gitter  zu  verwenden;  dieselben  werden  172 
Benjamin  Martin  und  1796  von  Brander  noch  wesentlich  vervoUko: 
und  von  Lambert  warm   empfohlen. 

1686  Nachdem  die  erste  unzweifelhafte  Angabe  über  das  Vorhandensa 
kleinen  Tierchen  in  der  Haut  von  Krätzekranken  in  der  „Physica  S 
Hildegardis*'  um  1150  gemacht  worden  war,  weisen^  Giovanni  i 
Bonomo  und  Hyacinth  CMtonl  nach,  daß  die  Milben  das  einzige  ursä 
Moment  der  Krätze  sind,  eine  Angabe,  die  1786  durch  Wichmai 
stätigt  wird. 

—  Johann  Conrad  Brunntr,  Anatom  in  Heidelberg,  entdeckt  die  Brunnei 
Drüsen  und  stellt  (s.  1709  B.)  Versuche  über  partielle  Exstirpati« 
Pankreas  und  Milz  bei  Tieren  an,  die  zeigen,  daß  nach  solcher  Op< 
Tiere  weiter  leben  können. 

—  Nachdem  Newton  (s.  1685  N.)  die  allgemeinen  Regeln  für  die  Ab 
der  Dichte  der  Luft  mit  der  Höhe  festgestellt  hatte,  gibt  Edmund 
eine  Barometerformel  für  die  barometrische  Höhenmessung,  die  voi 
Cassini,  Celsius,  Lambert,  namentlich  aber  von  Deluc  (s.  1772  D.)  y 
lieh  verbessert  wird. 

—  Edmund  Hallty  entwirft  eine  Windkarte,  zugleich  die  älteste  aller  m< 
logischen  Karten. 

—  Henning  Hutmann  ist  nachweislich  der  erste,  der  Maschinenbohru 
die  Sprengarbeit  in  Bergwerken  einführt. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lelbnlz  begründet  mit  seiner  Abhandlung  „I 
metria  recondita  et  analysi  indivisibilium  atque  infinitorum"  die  In 
rechnung.  Hier  erscheint  zum  ersten  Male  das  Integralzeichen  /  im  E 
das  Leibniz  schon  i.  J.  1675  an  Stelle  der  von  Cavalieri  herriihrend 
Zeichnung  „Omnia"  vorgeschlagen  hatte.  Das  Wort  „Integral"  wird 
1689  von  Jacob  Bernoulli  gebraucht.  Auch  die  Benennung  „Fun 
rührt  von  Leibniz  her,  desgl.  die  Einführung  des  einfachen  Punk 
Multiplikations-,  des  Doppolpunktes  als  Divisionszeichen. 

—  Marcello  Malpiftil  entdeckt  bei  der  Untersuchung  des  Seidenschmett 

—      150     — 


1687 

das  Eüokengei&ß  und  das  Nervensystem  der  Insekten,  sowie  die  Spinn- 
drüsen nnd  die  Malpighi'schen  Blindsäcke. 

^6   John  Ray  erkennt  die  Bedeutung  der  Kotyledonen  (Samenlappen)  für  eine 
natürliche  Systematik  der  blühenden  Pflanzen. 

John  Ray  erkennt  zuerst  das  Etiolement  (die  Vergeilung)  von  Pflanzen  als 
einen  vom  Lichtmangel  abhängigen  Vorgang.  Nähere  Untersuchungen 
hierüber  werden  von  Senebier  (1785),  A.  P.  de  CandoUe  (1832)  und  nament- 
lich von  Sachs  (1863)  gemacht. 

»87  Giovanni  Domenico  Oastlnl  findet  das  nach  ihm  benannte  Gesetz  der  Be- 
wegung des  Mondes  um  seine  Achse. 

—  William  Cwrpf  entdeckt  die  „Cowper'sche  Drüsen"  genannten  Harn- 
röhrendrüsen. 

—  Isaac  NiwtaR  spricht  in  der  Einleitung  zu  seinen  „Philosophiae  naturalis 
prinoipia  mathematica**  klar  aus,  daß  alle  Erscheinungen  in  der  Natur  von 
gewissen  Elräften  hervorgebracht  werden,  durch  welche  entweder  die 
Körper  und  die  Atome  der  Körper  einander  genähert  oder  voneinander 
entfernt  werden.  „Da  aber  diese  Kräfte  bisher  unbekannt  gewesen  sind, 
so  sind  auch  alle  unsere  Bemühungen,  die  Ursachen  jener  Erscheinung  zu 
finden,  vergeblich  gewesen!" 

—  Isaac  Ntwton  formuliert  in  seinen  „Principia"  das  Prinzip  der  Gleichheit 
zwischen  Wirkung  und  Gregen Wirkung,  das  übrigens  Huygens  bereits  be- 
kannt war  und  von  ihm  bei  Aufstellung  der  Gesetze  der  Zentrifugalkraft 
benutzt  wurde.  „Die  Wirkung  ist  stets  der  Gregenwirkung  gleich"  oder 
„die  Wirkungen  zweier  Kräfte  aufeinander  sind  stets  gleich  und  von  ent- 
g^engesetzter  Richtung."    (Drittes  Bewegungsgesetz.) 

—  Isaac  Ntwton  beweist  zuerst  auf  synthetischem  Wege  den  1586  von  Stevinus 
nur  angedeuteten  Satz  vom  Parallelogramm  der  Kräfte. 

—  Isaac  Ntwton  zeigt,  daß  gleichlange  Pendel  aus  dem  verschiedensten  Material 
im  luftleeren  Räume  gleiche  Schwingungsdauer  haben,  die  Oszillations- 
dauer eines  Pendels  somit  unabhängig  von  der  Natur  des  schwingenden 
Körpers  ist.  Auch  gibt  er  eine  Formel  zur  Berechnung  der  Schallgeschwindig- 
keit, die  später  von  Laplace  (s.  1816  L.)  berichtigt  wird. 

—  Isaac  Ntwton  begründet  die  Theorie  wellenförmiger  Bewegungen  in  elastisch- 
flüssigen  Mitteln  imd  behandelt  sehr  eingehend  den  Widerstand  des  Mittels, 
der  nach  ihm  dem  Quadrat  der  Greschwindigkeit  des  Körpers  proportional  ist. 

—  Isaac  Ntwton  nimmt  an,  daß  zur  relativen  Verschiebung  zweier  Schichten 
einer  Flüssigkeit  eine  gewisse  Kraft  erforderlich  sei,  daß  somit  ungleich 
schnell  bewegte  Flüssigkeitsschichten  einander  wechselweise  in  ihren  Be- 
wegungen beschleunigend  oder  verzögernd  beeinflussen.  Diese  Wechsel- 
wirkung nennt  er  Reibung  der  Flüssigkeitsschichten  untereinander  und 
nimmt  an,  daß,  wenn  sich  zwei  unendlich  dünne  Flüssigkeitsschichten  über- 
einander bewegen,  die  Elraft,  mit  welcher  die  schnellere  Schicht  verzögert 
und  die  langsamere  beschleunigt  wird,  proportional  ist  der  Bewegungs- 
fläche der  beiden  Schichten  und  der  Differenz  ilirer  Geschwindigkeiten. 

—  Isaac  Ntwton  begründet  die  statische  Theorie  von  Ebbe  und  Flut,  die  durch 
ihn  ein  Kapitel  der  allgemeinen  Lehre  vom  Gleichgewicht  und  der  Be- 
wegung der  Flüssigkeiten  wird. 

—  Isaac  Ntwton  äußert  die  Yermutimg,  daß  die  Stoffe,  welche  zu  einer  Gruppe 
von  Weltkörpem  (zu  einem  Planetensystem)  gehören,  dieselben  seien. 

—  Denis  Papln  kommt  zuerst  auf  die  Idee,  Arbeitskraft  mittels  verdichteter 
atmosphärischer  Luft  auf  größere  Entfernungen  fortzuleiten,  und  entwirft 
dne  Kompressionsmaschine,  die  diesem  Zwecke  dienen  soll,  von  deren  Aus- 
führung jedoch  nichts  bekannt  geworden  ist. 

—  Gottfried  Minb  entdeckt  die  Darstellung  des  Zinnobers  auf  nassem  Wege 

—     151      — 


durch  Schütteln   von  Quecksilber  mit  Boyle's  flüchtiger  Schwefeltinktar 
( Seh  wef elammonium ) . 

1687  Der  Pater  SMnkOfiff  erwähnt  im  ,, Schweizerischen  Botaniker*'  znent  die 
Winter  Veredlung,  d.  h.  die  Ausführung  des  Pfropfens  im  Herbst  oder  Wiater» 
also  zu  einer  Zeit,  wo  die  Bäume  ohne  Saft  und  daher  weniger  empfind- 
lich gegen  Einschnitte  sind. 

—  Ehrenfried  Walter  von  Tsehirnhaus  gelingt  es,  mit  Hilfe  eines  Brennspiegete 
glasartige  Massen  zu  schmelzen,  welche  als  Vorläufer  des  Böttger'seheKi. 
PorzeUans  gelten  können. 

—  Der  Marschall  Sebastien  Lcprdtre  de  Vauban  ändert  bei  der  Befestigung  voms. 
Beifort  und  Landau,  später  auch  bei  Neubreisach  sein  sog.  erstes  Systencm. 
um,  indem  er  einen  polygonalen  Hauptwall  mit  flankierenden,  durch  deti^  — 
schierte  Bastione  gedeckten  Türmen  einführt. 

—  Die  erste  Erwähnung  eines  Personenaufzugs  (Fahrstuhls)  findet  sich  Lxs 
Jablonsky's  allgemeinem  Lexikon.  Hiemach  hat  der  Mathematiker  ErhsncS 
Wsigsl  in  Jena  i.  J.  1687  einen  „Fahrsessel**  erfunden,  der  in  einer  3  Fn.  B 
weiten  Wandnische  derart  angebracht  ist,  daß  man  sich  mit  Hilfe  ▼<>: 
Gegengewichten  schneU  aus  einem  Stockwerk  in  das  andere  befördern 

—  Carol  Zumbs  schlägt  zuerst  vor,  statt  der  Holzpflöcke,  die  bislang 
Besatz  der  mit  Pulver  gefüllten  Bohrlöcher  benutzt  wurden,  Letten  (Toim  3 
als  Besatzmittel  zu  verwenden,  wodurch  die  bergmännische  SohieBarbw.'^ 
wesentlich  gefördert  wird. 

1688  Der  Holländer  Meeuves  Meindertszoon  Bakksr  erfindet  die  „Kamel'*  g^" 
nannte  Hebevorrichtung  für  große  Schiffe,  die  dazu  dient,  tie^hend^ 
Schiffe  aus  der  Zuidersee  über  den  Pompus  in  das  Y  zu  bringen. 

1688^98    Gerblllon  erforscht  China  im  Auftrage  Rußlands. 

1688  Robert  Hooks  erklärt  die  Versteinerungen  als  wertvolle  Denkmäler  dc^^ 
Natur.  Er  weist  auf  den  Widerspruch  zwischen  den  in  En^and  ao^" 
gefundenen  Petrefakten  und  dem  in  der  historischen  Zeit  daselbst  herr*^ 
sehenden  Klima  hin  und  deutet  an,  daß  die  Versteinerungen  vielleioht 
einer  chronologischen  Gliederung  der  sie  umgebenden  Ablagerungen  dienei 
könnten.     (Vgl.  1680  L.) 

—  Abraham  Thovart  in  Paris  erfindet  die  Methode  des  Gießens  des  SpiegeL  — 
glases,  welche  die  bis  dahin  übliche  Methode  des  Blasens  verdrängt.  Viel  " 
fach  wird  als  Erfinder  dieser  Methode  auch  Louis  Lucas  de  Nehou  genannt^  --^ 

1689  Jacob  Bornoulll  ist  der  erste,  der  nächst  Leibniz  die  Differential-  nnd  Inte  — 
gralrechnung  (bei  seiner  Abhandlung  über  die  Isochrone)  anwendet. 

—  Johann  Bohn  beschäftigt  sich  eingehend  mit  allen  Fragen  der  geriohtliohei:^- 
Medizin  und  führt  einen  großen  Aufschwung  derselben  herbeL  Er  fübrS^ 
für  diese  Disziplin  die  Bezeichnung  „Medicina  forensis"  ein.    (S.  a.  1614  C.^ 

—  Der  große  Salzsee  in  Nordamerika  wird  zuerst  vom  Baron  La  HotM  i.  J-* 
1689  erwähnt.  Genauer  erforscht  wird  der  See  durch  H.  Stansbury^ 
1849—50. 

—  Antony  Lsiiiwsnhook,  der  das  Mikroskop  zuerst  zum  Studium  des  ieinereiL 
Baues  des  Auges  vorwendet,  entdeckt  die  Stäbchenschicht  der  Netzhaat» 
die  faserige  Zusammensetzung  und  den  Epithelüberzug  der  Homhant 
und  vermutet  auch  die  faserige  Beschaffenheit  der  Linse. 

—  Richard  Morton  führt  an,  daß  die  Lungenschwindsucht  stets  aus  Tuberkeln 
und  nie  auf  andere  Weise  entstehe. 

—  Denis  Papln  erfindet  die  Zentrifugalpumpe,  die  indes  nicht  zur  Verwendung 
kommt,  da  es  an  einem  Motor  fehlt,  der  ihr  die  nötige  rasche  Bewegung 
mitteilt.  Der  Apparat  wird  jedoch  fortan  als  Ventilator,  insbesondere  um 
Wind  für  Öfen  zu  geben,  und  auch  als  Komreinigungsmaschine  benutst. 

—  Olaf  Rdmor  konstruiert  das  Passageinstrument  (Durchgangsinstrument),  das 

—      152     — 


in  die  Meridianebene  eingeetellt  wird  nnd  das  Hauptinstniment  für  die 
astronomiBohe  Zeitbestimmung  bildet.  Er  erkennt  auch  die  Vorzüge  des 
ersten  Vertikales  für  gewisse  Bestimmungen  und  konstruiert  ein  besonderes 
Passageinstmment  für  Bestimmungen  im  ersten  Vertikal. 
1690  Nachdem  Zambeccari  1670  in  einem  Briefe  an  F.  Redi  erwähnt  hatte,  daß 
er  zwei  Nephrektomien  an  Hunden  vorgenommen  habe,  von  denen  der  eine 
den  Eingriff  überstanden  habe,  macht  Stephen  Blankaart  die  gleiche  Ope- 
ration an  anderen  Tieren  und  spricht  davon,  daß  steinhaltige ,  in  Ver- 
schwämng  übergegangene  Nieren  nach  Unterbindung  der  Gefäße  ebenso, 
wie  die  Milz,  exstirpiert  werden  können. 

—  Rudolph  Jacob  Guntrartat  liefert  die  erste  Abbildung  des  Stechapfels,  der, 
wie  er  glaubt,  aus  dem  Orient  stamme,  der  aber  sicher  schon  Theophrastos 
bekannt  war.  Das  Alkaloid  aus  dem  Stechapfel  wird  1833  von  Geiger  und 
Hesse  hergesteUt.    (S.  1831  M.) 

—  Peter  Emoay  in  Amsterdam  gibt  für  den  Dreiklang  der  Kirchenglocken  die 
noch  heute  gültigen  Gesetze  an. 

—  John  FlamslMd,  Astronom  an  der  durch  ihn  ins  Leben  gerufenen  Stern- 
warte von  Greenwich,  hat  zuerst  i.  J.  1690,  also  fast  100  Jahre  vor 
Herschel  (s.  1781  H.),  und,  wie  aus  seinen  Aufzeichnungen  hervorgeht,  später 
noch  viermal  den  Uranus  beobachtet,  ohne  aber  dessen  planetarische  Natur 
zu  erkennen. 

—  John  Floytr  führt  als  Hilfsmittel  zur  sicheren  Pulszählung  die  Sekunden- 
uhr ein  und  berechnet  das  Verhältnis  der  Geschwindigkeit  des  Pulses  zur 
SchneUigkeit  des  Atmens. 

—  Domenico  QuclMmkii  bedient  sich  zu  seinen  hydrometrischen  Bestimmungen 
des  Stromquadranten,  bei  dem  aus  der  Richtung,  den  das  Bleilot  durch 
den  Wasserstoß  erhält,  die  Stoßkraft  des  Wassers  berechnet  wird.  Zen- 
drini  (1717),  Manfred!  (1723),  Michelotti  (1767)  bedienen  sich  särathch 
dieses  Apparates  zu  ihren  hydrometrischen  Messungen.  Das  Hydrotacho- 
meter  von  Raucourt  (1828),  die  Wasserfahne  von  Ximenez  (1780),  das  Tacho- 
meter von  Brünning  (1798)  sind  sämtlich  Abarten  des  Wasserquadranten. 

—  Der  erste  Nebelfleckenkatalog,  welcher  Johann  Htvtllut  zu  verdanken  ist, 
wird  im  Jahre  1690  posthum  veröffentlicht. 

—  Christian  Haygtiit  steUt  in  seiner  Schrift  „Trait^  de  la  lumi^re**  sein  Prinzip 
der  Elementarflächen  (einhüllenden  Flächen)  auf,  nach  welchem  jeder 
Punkt  eines  in  Wellenbewegung  begriffenen  materiellen  Systems  durch 
Beine  Bewegung  der  Ursprung  sogenannter  ElementarweUen  wird,  aus  deren 
Übereinanderlagerung  und  Interferenz  die  tatsächlichen  Wellen  hervor- 
gehen. Durch  dieses  Prinzip  gelingt  es  ihm,  die  Reflexion  und  Brechung 
des  Lichts  auf  Grund  der  Undulationstheorie  zu  erklären.  Auch  für  die 
Erdbebenphysik  gewinnt  dieses  Prinzip  später  fundamentale  Bedeutung. 

—  Christian  HaygMt  ist  der  erste,  welcher  beim  Durchgang  des  Lichts  durch 
isländischen  Doppelspat  (s.  a.  1669  B.)  ein  verschiedenes  Verhalten  der  Licht- 
strahlen beobachtet  (Polarisation  des  Lichts). 

1690—92    Der  deutsche  Mediziner  Engelbrecht  Kimptar  erforscht  Japan.     (Vgl. 

sein   zuerst   in   englischer   Sprache   erschienenes  Werk  „History  of  Japan 

and  Siam*'.) 
1690  Denis  Papln  schlägt  vor,   in   geschlossenen  Gefäßen   durch   Kondensation 

darin  enthaltenen  Dampfes  ein  Vakuum  zu  erzeugen,   wie  dies  später  in 

der  Newcomen'schen  Dampfmaschine  geschieht. 

—  Dom  Pirignoii,  der  Pater  Kellermeister  der  Benediktinerabtei  Haut  villers, 
erfindet  den  Flaschen  Verschluß   durch   Korken.     Auch    zeigt  er,    wie  sich 

0     die  bei  der  Gärung  in  der  Flasche   gebildete  Hefe   entfernen   läßt,    ohne 

"  —     153     — 


1690 

den  Kohlensauregehalt  des  Weins  weBentlich  zu  vermindern,  womit  er  den 
Grand  zur  Champagnerfabrikation  legt. 

1690  Michel  Rolle  veröffentlicht  in  seiner  Schrift  „Trait6  d'Alg^bre"  außer  eine 
wirklichen  Methode  zur  Auflösung  unbestimmter  Gleichimgen  auch  N&he- 
rungsmethoden  zur  Bestimmung  der  Gleichungswurzeln,  unter  denen  dii 
Methode  der  Kaskaden  hervorragt.  (Die  Kaskaden  sind,  in  die  heutig« 
mathematische  Sprache  übersetzt,  die  aufeinanderfolgenden  Ableitung« 
der  gegebenen  Gleichung.) 

—  Der  Mediziner  Christian  Günther  ScMllliamiiMr  spricht  zuerst  aus,  daß  de 
Ton  durch  Schallwellen  entsteht. 

—  Stissor  in  Braunschweig  führt  die  Cascarillarinde  in  den  medizinischen  Ge 
brauch  ein. 

1691  Jacob  BmhouIII  behandelt  mit  der  Integralrechnung  die  Kettenlinie,  di 
von  Nunez  (s.  1646)  gefundene  Loxodrome,  sowie  die  logarithmische  uu 
parabolische  Spirale.  Er  benutzt  bei  seiner  Arbeit  über  die  parabolisch 
Spirale  das,  was  Leibniz  1692  krummlinige  Koordinaten  nennt. 

—  WiUiam  Goek  gibt  seine  „Meteorologica**  heraus,  in  welcher  er  von  de 
Beurteilimg  der  Veränderung  der  Luft  und  des  Wechsels  des  Wetters  i 
verschiedenen  Ländern  spricht. 

—  Nachdem  die  dionysische  Aera  (s.  525  Dionysius  und715Beda)  allgemeine 
Eingang  gefunden  hatte,  sich  aber  trotzdem  häufige  Widersprüche  heraus 
gestellt  hatten,  weil  die  Kaiser  und  Päpste  in  ihren  Erlassen  und  Bulle: 
vielfach  den  25.  Dezember  als  Jahresanfang  gebrauchten,  setzt  der  Pap6 
InnocMiz  Xll.  fest,  daß  das  Jahr  lediglich  mit  dem  1.  Januar  beginne 
solle. 

—  Friedrich  Rnysch  beschreibt  genau  die  Bronchialäste,  welche  Galen  dunk< 
erwähnt,  und  Philipp  Verheyen  (1705)  oberflächlich  beschrieben  hatte.  E 
entdeckt  das  Periost  der  Gehörknöchelchen  und  gibt  eine  genaue  Dai 
Stellung  der  Gefäßversorgung  der  Paukenhöhle. 

—  John  Tyzackt  erhält  ein  englisches  Patent  auf  eine  Waschmaschine  zur  B< 
freiung  der  Gewebe  (Leinen,  Wolle  usw.)  von  den  durch  das  Fabrikationi 
verfahren  verursachten  Verunreinigungen. 

1692  Johann  Konrad  Amman  aus  Schaff  hausen  lehrt  Taubstumme  sprechet 
indem  er  sie  gewöhnt,  auf  die  bei  jedem  Laut  veränderte  Stellung  de 
Organe  des  Mundes  zu  achten,  dieselben  mit  dem  Gesicht  aufzufassen  un 
vor  dem  Spiegel  nachzuahmen.  Seine  Methode  wird  von  Samuel  Heinids 
1768  wesentlich  vervollkomnmet.     (Vgl.  auch  1570  P.) 

—  Giovanni  Domenico  Cassini  erkennt  aus  den  Flecken  der  Jupiteroberfläcli 
eine  Rotation  dieses  Planeten,  die  er  zu  9  h  50  m  berechnet. 

—  Clopton  Havtrt  veröffentlicht  in  seiner  „Osteologia  nova'*  seine  Unten 
Buchungen  über  die  Anatomie  und  Histologie  der  Knochen  und  macht  sie 
namentlich  durch  die  Entdeckung  der  Knochengefäßkanälchen  „Canalou 
Haversiani*'  sehr  bekannt. 

—  Wilhelm  Homberc  zeigt  die  Nutzlosigkeit  der  trockenen  Destillation  (Pyn 
analyse)  für  die  Pflanzenanalyse,  indem  er  nachweist,  daß  zwei  ganz  veo 
schiedene  Pflanzen,  wie  Belladonna  und  Kohl,  so  ähnliche  pyroanalytisol] 
Produkte  haben,  als  ob  man  eine  dieser  Pflanzen  zweimal  destilliert  hätt* 
(S.  a.  1668  Dodart.) 

—  Denis  Papln  verwirklicht  seine  in  einem  Briefe  vom  Jahre  1691  an  Christia 
Huygens  geäußerte  Idee,  indem  er  ein  Taucherschiff  baut,  mit  dem  < 
sich  im  Mai  mehrmals  unter  den  Spiegel  der  Fulda  hinab  läßt,  von  wo  < 
ein  angezündetes  Licht  wieder  mit  hinauf  bringt.  Die  Luftemeuerung  Im 
sorgt  er  durch  einen  Zentrifugalventilator.    £s  scheint  damit  seine  PrioritI 

—     154     — 


1694 

vor  Halley,  der  die  Luftzufühnmg  io  die  Taucherglocke  (1724)  yermittelBt 
eineB  SchlaucheB  bewirkt,  zweifelloe  erwiesen. 

1692  John  Ray  ist  der  erste  Schriftsteller  nach  Strabo»  der  über  die  Wirkung 
der  fließenden  Grewässer  im  Binnenlande  und  die  Angriffe  des  Meeres  auf 
die  Küste  spricht. 

—  Georg  Ernst  Stalll  gibt  die  Anregung  zur  Erforschung  vom  Psychischen 
und  Physischen  in  allen  physiologischen  und  pathologischen  Vorgängen, 
sowie  zu  deren  therai>eutischer  Verwertung  und  bedingt  hierdurch 
einen  Fortschritt  in  der  Auffassung  und  Behandlung  der  psychischen 
Krankheiten. 

—  Yincenzo  VHrtail  stellt  das  als  „Florentiner  Aufgabe"  berühmte  Problem: 
In  eine  Halbkugel  vier  gleichgroße  Öffnungen  derart  herauszubrechen,  daß 
der  Rest  der  Halbkugelfläche  quadrierbar  sei.  Die  Lösung  geschieht  durch 
Leibniz,   Bemoulli  und  L' Hospital  mit  Hilfe  der  Differentialrechnung. 

1693  Acolvtliiit  in  Breslau  führt  die  erste  Besektion  am  Oberkiefer  aus.  Daß 
Oribasius  eine  solche  gemacht  habe,  ist  zweifelhaft,  wie  auch  die  angeb- 
lich um  die  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  von  Molinetti  gemachte  Resektion 
sich  lediglich  auf  Entleerung  von  Eiteransammlung  bezog. 

—  Edmund  Hallsy  macht  den  ersten  Versuch  der  geographischen  Flächen- 
messung durch  Wägung  der  aus  der  Landkarte  mit  der  Schere  ausge- 
schnittenen Flächenstücke,  ein  Versuch,  der  von  dem  Jesuiten  Scherer 
(1710)  mit  Erfolg  wiederholt  wird. 

—  Der  Engländer  J.  Harttoy  erhält  das  erste  Patent  auf  einen  Wellenmotor, 
bei  welchem  die  Bewegung  der  Brandung  zur  Grewinnung  von  motorischer 
Kraft  in  der  Weise  benutzt  wird,  daß  ein  Schwimmgefäß  mit  der  Welle 
auf  und  ab  geht,  wodurch  eine  Mühle  in  Betrieb   gesetzt  wird. 

—  Georg  Holyk  gibt  in  seinem  Gartenbuche  zuerst  die  Veredelung  der  Bäume 
und  Sträucher  durch  Kopulieren  an. 

—  Wilhelm  Homtaff  entdeckt,  daß  geschmolzenes  Chlorcalcium  phosphores- 
zierend ist;  das  Präparat  wird  nach  ihm  als  Homberg'scher  Phosphor 
bezeichnet. 

— >  John  Ray  führt  in  die  Zoologie  den  naturhistorischen  Begriff  der  Art 
ein  und  berücksichtigt  die  Anatomie  der  Thiere  als  Grundlage  der  Klassi- 
fikation. 

1694  Johann  BmhooIII  weist  nach,  daß  Fische  in  Wasser,  das  vorher  von  Luft 
befreit  ist,  nicht  leben  können.     (S.  a.  1670  B.) 

—  Jacob  Rudolf  CaiiMrarlus  weist  experimentell  die  Sexualität  im  Pflanzen- 
reiche nach,  die  schon  Grew  und  Ray  vermuteten. 

—  Philippe  Dtlahiri  behandelt  zuerst  die  Theorie  der  Epizykloide  in  syste- 
matischer Weise. 

~  Joäo  fwmym  da  Rosa  gibt  eine  genaue  Beschreibung  des  gelben  Fiebers 
und  beschäftigt  sich  mit  dessen  Ursachen,  seiner  Verbreitung,  seinen 
Symptomen,  der  Prognose  und  Behandlung  der  Krankheit.  Die  frühest 
bekannte  Beschreibung  des  gelben  Fiebers  rührt  von  Thukydides  her,  der 
selbst  von  der  Krankheit  befallen  war. 

'^  Engelbert  Kimpfir  beschreibt  die  Naphthaquellen  und  die  ewigen  Feuer 
der  Apscheronhalbinsel  an  der  Westküste  des  Kaspischen  Meeres  (Baku), 
die  zuerst  um  930  von  Massudi  erwähnt  worden  waren. 

^  Gottfried  Wilhelm  von  Mtob  macht  in  einem  Briefe  vom  Mai  1694  darauf 
aufmerksam,  daß  zur  Integration  von  Differentialgleichungen  vor  allem 
die  Variablen  getrennt  werden  müssen. 

—  Christopher  PoIhMii  gibt  für  den  Bergwerksbetrieb  die  Förderung  mit  starren 
Grestängen  an,  die  ähnlich  wie  die  Gestänge  der  Fahrkunst  auf  und  ab  be- 

—     155     — 


1695 

wogt  werden,  und  führt  eine  solche  Förderung  in  Falun  ein.  Diese  i 
der  Förderung  wird  1776  von  Hubert  Saxton  in  Belgien  verbesflert  m 
neuerdings  von  M6hu  wieder  aulgenommen. 

1695  Nehemiah  Qraw  entdeckt  im  Epsomer  Bitterwasser  das  Bittersals  (Sdiwd 
saure  Magnesia),  welches  infolge  seines  Ursprungs  auch  Epsomsals  hd 
und  1710  von  Friedrich  Hoffmann  zur  milden  Abführung  empfohlen  wi 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Uibniz  definiert  in  den  Act.  Erud.   von  1695  i 
lebendige  Kraft  als  Produkt  aus  Masse  und  Quadrat  der  Greechwindij^ 
und  betrachtet  dieselbe  als  das  wahre  Eraftmaß  eines  in  Bewegung 
findlichen  Körpers. 

—  Der  Werkführer  Morin  in  St.  Cloud  erfindet  das  Frittenporsellan  (Per 
laine  tendre). 

—  Tomplmi  äußert  die  erste  Idee  der  Zylinderhemmung  für  Taschenuhren. 

—  John  WoodwanI  in  London  tritt  mit  Entschiedenheit  der  zu  seiner  Zieit  m 
verbreiteten  Meinung  entgegen,  wonach  die  Versteinerungen  nur  müfi 
Naturspiele  seien.  Er  nimmt  als  Ursache  der  Sintflut  den  Ausbrach  ei 
unterirdischen  Meeres  an.  Seine  Versuche,  die  von  ihm  beobachteten  ! 
scheinungen  mit  der  heiligen  Schrift  in  Übereinstimmung  zu  bringen,  füh 
ihn  mehrfach  zu  seltsamen  Hypothesen. 

1696  Der  von  Wolodomir  Atlastow,  Befehlshaber  in  Anadyrsk,  entsandte  Kw 
Morosko  erreicht  zuerst  Kamschatka.  Atlassow  selbst  folgt  im  nftohs 
Jahre  mit  einer  größeren  Truppenabteilung  und  errichtet  am  13.  Joli  1< 
am  Kamschatka-Fluß  ein  Kreuz  zum  Zeichen,  daß  das  Land  von  ihm 
Besitz  genommen  sei. 

—  Augustin  MIottt  rät  bei  der  Behandlung  der  Wunden  vor  allem  die  L 
fernzuhalten,  weil  dieselbe  kleine  Atome  mit  sich  führe,  welche  die  J 
steckung  der  Wunden  vermittle.  Er  empfiehlt  bei  der  Wundbehandlt 
Mittel,  welche  die  Eiterung  beschränken  und  die  Zersetzung  verbind« 
und  nennt  als  solches  Mittel  vor  allem  den  Alkohol,  der  später  in  Batai 
(1859)  einen  eifrigen  Fürsprecher  findet. 

—  Johann  Bernoulll  stellt  die  Aufgabe,  die  Brachistochrone  zu  finden,  d. 
diejenige  Kurve,  auf  der  ein  Körper  herabfallen  muß,  um  in  mögtiel 
kurzer  Zeit  zu  einem  tiefer  gelegenen  Punkte  zu  gelangen.  Mit  die» 
Probleme  beginnt  die  Entwicklung  der  Variationsrechnung. 

—  Der  französische  Akademiker  Guillaume  Fran^ois  de  l'HoipKal  veröffentli« 
das  erste  Lehrbuch  der  Differentialrechnung  „Analyse  des  infiniment  pet 
pour  rintelligence  des  lignes  courbes**. 

—  Johann  Lotting  stellt  zuerst  Fingerhüte  fabrikmäßig  her,  die  man  aber  ( 
mals  auf  dem  Daumen  trug.  Die  Annahme,  daß  Nicolaas  van  Beechool 
in  Amsterdam  (um  1684)  den  Fingerhut  erfunden  habe,  ist  widerle, 
(Vgl.  hierzu  1210  Walter  von  der  Vogel  weide.) 

—  John  Ray  liefert  die  erste  Beschreibung  der  Pfefferminze,  die  als  Arm 
pflanze  zuerst  in  England  und  erst  viel  später  (1777)  in  Deutschla 
gebraucht  wird.  Er  erwähnt  auch  zuerst  die  Senegapflanze,  der 
Wurzel  von  den  Indianern  gegen  den  Biß  der  Klapperschlangen  verwc 
det  werde. 

1697  Pantaleon  Htbenttralt  versieht  ein  dem  Hackebrett  ähnliches,  mit  Dan 
Saiten  und  Drahtsaiten  überzogenes  Instrument  mit  Dockenau&chlag  u: 
wird  der  Vorläufer  der  Hammermechanik,  indem  er  durch  dies  Instrume 
Schröter  (s.  1711  C.)  zu  seiner  Erfindung  anregt. 

—  Johann  Christian  JacobI  verwendet  weißen  Arsenik  mit  Pottasche  neuti 
lisiert  und  in  Wasser  gelöst  innerlich  bei  Wechselfiebern. 

—  Richard  Morton  in  London  erkennt  zuerst,  daß  die  perniziösen  Fieb 
durch    die   Ausdünstungen    sumpfiger   Gegenden    veranlaßt    werden    ui 

—     156     — 


l 


1700 

schreibt  deren  Behandlung  mit  Chinarinde  vor,  die  auch  Sydenham  1723 
empfiehlt. 

1697  Antonio  PaccklMl  entdeckt  die  sogenannten  „Pacchioni'schen  Drüsen*'  der 
harten  Hirnhaut. 

1698  Johann  BtrnoulO  nimmt  zuerst  das  Problem  der  kürzesten  Linie  zwischen 
zwei  Punkten  einer  krummen  Fläche  mit  Erfolg  in  Angriff.  Er  gelangt 
dabei  zu  Raumkurven,  die  später  als  „geodätische  Linien'*  bezeichnet 
werden. 

—  ÜMfford  kennt  den  Wirbelcharakter  der  indischen  Stürme. 

—  Während  das  Bajonett  im  Gebrauchsfalle  anfangs  in  den  Gewehrlauf 
hineingesteckt  wurde,  und  daher  ein  Schießen  mit  aufgepflanztem  Bajonett 
immöglioh  war,  erfindet  der  englische  Greneral  Macfcey  das  Düllenbajonett, 
welches  mittels  einer  um  den  Lauf  herumgreifenden  Hülse  an  dem  Gewehre 
dauernd  befestigt  ist. 

—  Thomas  Savtry  baut  eine  Dampfmaschine,  in  welcher  er  den  in  einem  be- 
sondem  Kessel  erzeugten  Dampf  abwechselnd  in  zwei  Behältern  benutzt; 
während  er  das  Wasser  aus  dem  einen  heraustreibt,  saugt  er  gleichzeitig 
im  andern  durch  Kondensation  des  Dampfes  Wasser  an  ( Wasserhebe - 
maschine). 

—  Sovlliwtll  führt  in  England  die  kalte  Vergoldung  durch  Anreiben  mit  Gold- 
zimder  ein,  die  angeblich  schon  vorher  von  deutschen  Goldschmieden  ge- 
übt worden  sein  soU. 

—  Der  Arzt  und  Chemiker  Georg  Ernst  8talil  begründet  durch  seine  Schrift 
„De  yenae  portae  porta  malonmi  etc",  die  wissenschaftliche  X<ehre  von 
den  Pfortaderleiden,  die  seit  den  ältesten  Zeiten  bekannt  und  größteu- 
teüs  mit  dem  Glüheisen  oder  vermittels  Ätzung  und  Ligatur  behandelt 
worden  waren.  Nach  ihm  kann  da«  Blut  im  Gebiete  der  klappenlosen 
Pfortader  leicht  hin  und  her  versetzt  werden  und  sich  bald  im  Magen, 
bald  in  der  Milz,  bald  im  Dünndarm  anhäufen. 

1699  Goillaume  Amontont  macht  ausgedehnte  Versuche  über  den  Reibungs- 
widerstand  und  stellt  die  Gesetze  für  die  gleitende  Beibung  auf. 

—  Simon  BouMue  führt  die  von  Dodart  (s.  1668  D.)  vorgeschlagene  Extraktions - 
methode  für  die  Pflanzenanalyse  durch  und  wendet  dieselbe  zuerst  auf 
eine  vergleichende  Untersuchung  der  verschiedenen  im  Handel  befindlichen 
Ipecacuanhasorten  an.  Als  Extraktionsmittel  verwendet  er  bald  Wasser, 
bald  Weingeist. 

1699—1701  Der  englische  Seefahrer  William  Dampltr  unternimmt  eine  Ent- 
deckungsreise nach  Australien.  Im  Jahre  1700  entdeckt  er  die  Dampierstraße 
imd  stellt  fest,  daß  das  östlich  gelegene,  von  ihm  Neubritannien  genannte 
Land  von  der  Küste  von  Neuguinea  getrennt  ist. 

1699  Wühelm  Hombtrg  sucht  zuerst  den  Säuregehalt  einer  Substanz  durch  die 
Gewichtszunahme  einer  bestimmten  Menge  Pottasche  zu  ermitteln.  Er 
gibt  dem  Flaschenpyknometer,  das  er  Araeometer  nennt,  die  noch  jetzt 

übUche  Form.    (S.  a.  1121.) 

1700  Guülaume  Amontons  schlägt  als  unteren  Punkt  des  Thermometers  den  ab- 
soluten Nullpunkt  vor,  den  er  auf  — 239,6®  (umgerechnet  auf  die  heutige 
himdertteilige  Skala)  berechnet.  Er  konstruiert  ein  Luftthermometer,  bei 
welchem  das  Volum  der  eingeschlossenen  Luft  konstant  gehalten  wird 
und  die  Höhe  des  erforderlichen  Quecksilberdruckes  als  Maß  der  Tempe- 
ratur gilt. 

—  Guillaume  IMIsto  macht  sich  als  erster  völlig  frei  von  den  Positions- 
bestimmungen  des  Ptolemaeus  und  legt  seiner  Weltkarte  und  den  Karten 
der  Erdteile  die  neueren  astronomischen  Bestimmungen  zugrunde.  Seine 
Karte  von  Europa  (1725)  gibt  zuerst  ein  naturwahres  Bild  dieses  Erdteils« 

—     157     — 


1700 

1 700  Johann  Christoph  Dmimt  in  Nürnberg  entwickelt  die  Klarinette  ans  ek 
zösischen  Schalmeienart  mit  neim  Tonlöchem. 

—  Hendryk  van  Dmnlir  fördert  die  Orthopädie,  indem  er  Beinkram: 
Sehnenverkürzungen  und  Muskelatrophien  mit  Bandagen  und  M; 
behandelt  und  Apparate  für  Rachitische  konstruiert. 

—  Der  Chemiker  Johann  Konrad  Dlfiptl  erfindet  das  nach  ihm  bena 
auch  „Tierisches  Stinköl"  genannt. 

—  Denis  Dodart  untersucht  die  Schwingungen  der  Stimmbänder,  de 
dingungen  er  an  dem  Lippenverschluß  eingehend  erörtert,  und  st 
daß  der  Ton  an  der  Glottis  entsteht  und  im  Mund  und  in  der  N 
Klange  wird. 

—  Nachdem  Hutchinson  schon  1640  eine  unvollkommene  Karte  vc 
gleicher  Deklination  (Isogonenkarte  nach  Humboldts  Benennung)  ge 
hatte,  gibt  Edmund  Haltoy  die  erste  vollkommene  Karte  der  Isogonei 

—  GottMed  Klrdi  in  Guben  macht  regelmäßige  Witterungsaufseic! 
und  pflegt  sein  Thermometer  regelmäßig,  sogar  mehrmals  ai 
abzulesen. 

—  Johann  Knnektl  von  LAwfnsttrn  macht  in  seinem  posthum  gedruckter 
ratorium  chymicum"  zuerst  auf  das  kaustische  Ammoniak  (Salm 
aufmerksam,  das  er  mit  der  Ätzlauge  vergleicht. 

—  Ugir  erwähnt  in  seinem  Werke  „La  nouvelle  maison  rustique"  zunc 
mal  die  Verwendung  der  Ölkuchen  als   Futtermittel.     Nach  der 
Erwähnung  kann  angenommen  werden,  daß  diese  Verwendung  nai 
in  HoUand  schon  seit  längerer  Zeit  üblich  war. 

—  GreoTg  MmimmMrhir  in  Nürnberg  ist  (nach  Doppelmeyer)   der   er 
Stahl  zu  schmelzen  und  in  Formen  zu  gießen  versteht  und  somit 
finder  des  Stahlgusses  anzusehen  ist,  welche  Kunst  aber  mit  ihm 
geht. 

—  Antoine  Pannt  wendet  die  Koordinatenmethode  zuerst  auf  den  Ks 
drei  Dimensionen  an,  indem  er  Oberflächen  durch  eine  Gleichung  i 
den  drei  Koordinaten  eines  Raumpunktes  darstellt.  Einen  weitei 
bau  dieses  Grebiets  bewirkt  Clairaut  in  seinen  Raumkurven.     (S. 

—  '  Joseph  taiVMir  stellt  die  Theorie  der  Schwebungen  auf,  stellt  die 

keitsgrenzen  fest  und  erfindet  die  noch  jetzt  üblichen  Mittel,  < 
Schwingungen  einer  Saite  durch  Berührung  der  Knotenpimkte  höi 
durch  aufgesetzte  Papierreiterchen  sichtbar  zu  machen.  Er  gibt  d 
vom  Schall  den  Namen  „Akustik". 

—  Johann  Jacob  MMHChZMr  in  Zürich  setzt  mit  seiner  Schrift  „Histo 
veticae  naturalis  prolegomena"  die  von  Simler  (s.  1660)  begründet! 
schaftliche  Alpenkunde  fort  und  fördert  die  Versteinerungskimde. 
ein  Anhänger  der  Woodward'schen  Sintfluttheorie.    (S.  1695 W.) 

—  Johann  Ji^ob  SchMtdizar  findet  im  Tertiärschiefer  von  öningen  h 
ein  fossiles  Skelett,  welches  er  i.  J.  1726  als  Sintflutmenschen  (Hom 
testis)  deutet.    Das  Skelett  wird  indes  später  als  dasjenige  eines 
(Riesensalamanders  —  später  als  „Andrias  Scheuchzeri*'  bezeichnet) 

—  G^org  Ernst  Stahl  empfiehlt  die  medizinische  Anwendung  der  i 
duftenden  Schafgarbe,  aus  der  in  neuerer  Zeit  im  Engadin  der  „] 
nannte  Likör  bereitet  wird. 

—  Als  Erfinder   des  Violoncello   wird   in   der  Regel  Tanliea  (1700)  | 
Doch  ist  demgegenüber  zu  bemerken,  daß  bereits  der  um  1690  ge 
Domenico  Gabrieli  den  Beinamen  „Del  Violoncello**  hatte.    Auch 
die  Amati,  Magini  u.  a.  schon  im  16.  Jahrhundert  Streichinstrumc 
CeUogröße  gebaut  zu  haben. 

—  Lorenzo  Ttrranto  fördert  die  Pathologie  der  Gonorrhöe  und  gibt  eil 

—      158     — 


1700 

matiBohe  Einteilung  der  yersohiedenen  Arten  dieser  Krankheit.  Seine  Be- 
funde über  den  Gang  des  Krankheitsprozesses  werden  von  Cockbum  (1713), 
Morgagni  (1719)  und  Boerhaave  bestätigt. 
1700  Joseph  Pitton  <•  Tourntfirt  gibt  in  seinen  ,Jnstitutiones  rei  herbariae"  ein 
auf  Bau  und  Form  der  Blüte  begründetes  Pflanzensystem,  das  jedoch 
lediglich  den  formalen  Vorzug  hat,  daß  in  demselben  strenge  Ordnung 
herrscht  und  bestimmt  begrenzte  Gattungen  eingeführt  werden. 

—  Raymond  #•  VlMiiMiit  entdeckt  die  „neurolymphatisohen  Arterien**  und 
nimmt  an,  daß  dieselben  den  ununterbrochenen  Fortgang  des  Blutes  aus 
den  Arterien  in  die  Venen  vermitteln. 

—  Andreas  WtrkiiMMir  stellt  die  gleichschwebende  zwölfstufige  Tonleiter  auf. 
um  die  Einbürgerung  der  gleichschwebenden  Temperatur  machen  sich 
später  verdient  J.  G.  Neidhardt, '  J.  A.  Sorge,  J.  H.  Lambert,  C.  G.  Schröter, 
Rameau,  d'Alembert,  Bach  u.  a. 


—     159     — 


Achtzehntes  Jahrhundert. 


1701  Michelangelo  AndrloN  verwendet  den  Mohnsaft  zuerst  bei  der  Ruhr;  b 
Wechselfiebem  wird  er  1710  zuerst  von  Jacob  Minot  und,  um  die  Gewa 
der  Schmerzen  bei  Entzündungen  und  ähnlichen  Krankheiten  zu  beaftn 
tigen,  1739  von  John  Huxham  empfohlen. 

—  Nachdem  man,  insbesondere  seit  Galen  der  Meinung  war,  daß  bei  Ei 
stehung  eines  Unterleibsbruches  das  Bauchfell  zerreiße  und  daher  audi  d 
Bezeichnung  „Ruptura**  eingeführt  hatte,  lehrt  Jean  Mercy  zuerst,  daß  l 
Brüchen  das  Bauchfell  ausgedehnt  sei,  sonach  die  Eingeweide  in  eine 
Bruchsack  liegen. 

—  Isaac  Ntwton  erfindet  den  Spiegelsextanten  und  sendet  eine  Besohreibu] 
und  Zeichnung  seines  Instrumentes  an  Hadley.  Die  diesem  zugeschriebe] 
Erfindung  des  Instruments  (1731)  beruht  somit  auf  einem  Irrtum. 

—  Olaf  Römer  vereinigt  zur  Erzielung  sicherer  Stern -Durchgangsbeobaohtongi 
Mauerkreis  und  Passageninstrument  zu  einem  einheitlichen  Inatrumei 
dem  sog.  Meridiankreis.  Sein  eigenes  Instrument,  die  berühmte  „Ro 
meridiana''  bleibt  bis  1728  im  Dienst,  wo  es  bei  einem  Brand  ve 
nichtet  wird. 

—  William  Whltton  bringt  die  erste  IsokUnenkarte,  die  Orte  gleicher  Inklin 
tion  verzeichnet,  für  den  Kanal  und  das  südliche  England  zustande. 

—  Jacob  Barnoiilli  stellt  das  „isoperimetrische  Problem'*  auf,  das  für  die  Ei 
Wicklung  der  Variationsrechnung  von  Bedeutung  ist,  und  welohea  vc 
langt,  unter  allen  isoperimetrischen  Kurven  diejenige  zu  finden,  für  d 
ein  bestimmter  Ausdruck  möglichst  groß  oder  möglichst  klein  wird.  Eleme 
tare  isoperimetrische  Untersuchungen  finden  sich  schon  bei  Zenodotos  (u 
180  V.  Chr.),  M.  Fabius  Quintilianus  (70  n.  Chr.)  imd  Bradwardin 
(S.  d.  1330.) 

1702  Urban  Hlini«  bemerkt  zuerst  eine  langsame,  aber  stetige  Verändenu 
der  Küstenlinien  zugunsten  des  Landes,  die  später  von  Swedenborg,  O 
sius  und  Linn^  bestätigt  wird,  welche  daraus  auf  einen  Rückzug  des  Meei 
schließen,  während  sich  viele  Stimmen  schon  damals  anders  äußern  ui 
eine  Hebung  des  Landes  über  den  im  verändert  bleibenden  Spiegel  d 
Meeres  annehmen. 

—  Wilhelm  Homberc  beschreibt  zuerst  die  Borsäure  in  bestimmter  Weit 
Über  den  Borax  spricht  er  sich  noch  sehr  unklar  aus. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Mbniz  äußert  in  einem  Briefe  an  Johann  Bemou 
bereits  die  Gesanitidee  des  Feder-(Aneroid-)Barometers,  die  durch  Vi 
(s.  1848  V.)  ausgeführt  wird. 

1 702 — 10  Johann  Jacob  Schtuchzer  macht  zahlreiche  der  wissenschaftlichen  Lande 
künde  gewidmete  Alpenreisen  und  führt  die  Gletscher  als  Naturerscheinm 

—     160     — 


1704 

in  die  wissenschaftliche  Betrachtungsweise  ein;  namentlich  kennt  er  deren 
Bewegung  und  sucht  sie  zu  erklären. 

702  Johann  Jacoh  Schtuchztr  macht  auf  die  Einschlüsse  in  Krystallen  aufmerk« 
sam  und  benutzt  sie  für  die  Theorie  der  Genesis  der  Mineralien. 

-  Georg  Ernst  Stahl  untersucht  die  verschiedene  Starke  in  der  Verwandt- 
schaft der  Säuren  zu  den  Alkalien  und  Metallen  und  findet,  daß  unter 
allen  Säuren  die  Schwefelsäure,  dann  die  Salpetersäure  die  mächtigsten  seien, 
welche  alle  anderen  Säuren  aus  ihren  Verbindungen  austreiben.  Er  er- 
weitert die  Kenntnis  der  Abstufungen  in  der  Verwandtschaft  der  ver- 
sohiedenen  Materien  zueinander  und  bereitet  so  die  Aufstellung  von  Af- 
finitätstabellen  vor.    (S.  1718  G.) 

-  Georg  Ernst  Stahl  stellt  die  Phlogistontheorie  auf,  nach  welcher  bei  der 
Verbrennung  aus  den  verbrennenden  Körpern  ein  hypothetischer  Stofif, 
das  Phlogiston,  entweicht.     (S.  1682  B.) 

-  Georg  Ernst  Stahl  überträgt  Boyle's  Ansichten  über  die  Elemente  (s.  1661  B.) 
in  die  ausübende  Chemie  und  faCt  das,  was  wir  heute  „chemische  Elemente'* 
nennen,  klar  auf,  indem  er  als  eigentümliche  Körper  diejenigen  bezeichnet, 
aus  deren  Vereinigung  untereinander  oder  mit  Phlogiston  er  alle  Substanzen 
gebildet  glaubt. 

703  Johann  Barnoulll  erklärt  die  von  Huygens  (s.  1673  H.)  aufgestellte  Theorie 
über  die  Bewegung  schwerer  Körper  für  ein  allgemeines  Naturgesetz  und 
nennt  dasselbe  „Das  Prinzip  von  der  Erhaltung  der  lebendigen  Kräfte**. 

-  Der  Abb^  Jean  de  Hautaftullle  konstruiert  einen  Apparat  (Quecksilber- 
horizont), um  bei  Erdbeben  die  Abweichung  der  Bodenteilchen  von  ihrer 
Ruhelage  zu  messen  (Seismometer). 

-  Antony  Latuwanhoek  entdeckt  die  parthenogenetische  Fortpflanzung  der 
Blattläuse. 

704  DlMhaah,  Färber  in  Berlin,  entdeckt  bei  Fällung  eines  mit  Alaun  und 
Eisenvitriol  versetzten  Cochenilleabsuds  durch  fixes  Alkali  das  Berlinerblau. 
Daß  er  dieses  und  nicht  den  erwarteten  roten  Niederschlag  von  Florentiner 
Lack  erhielt,  erklärt  sich  daraus,  daß  er  von  Dippel  (vgl.  1700  D.)  ein 
fixes  Alkali  erhalten  hatte,  über  welches  mehrfach  tierisches  Stinköl  zur 
Reinigung  destilliert  worden  war.  Eine  Vorschrift  zur  Bereitung  des  Ber- 
linerblau durch  Kalzinieren  von  Blut  mit  Alkali  veröffentlicht  1724  Wood - 
ward.  John  Brown  zeigt  in  demselben  Jahre,  daß  man  auch  geröstetes 
Fleisch  verwenden  könne  und  Geoffroy  wendet  1725  zu  gleichem  Zweck 
Wolle  und  gebranntes  Hirschhorn  an. 

-  Grottfried  Haataeh  in  Nürnberg  erfindet  das  konische  Zündloch,  bei  dem 
die  Pfanne  sich  selbst  beschüttet,  und  gibt  dadurch  seinen  Pistolen  eine 
tun  das  Dreifache  gesteigerte  Ladegeschwindigkeit. 

-  Jean  Mary  untersucht  das  Augenleuchten  an  einer  unter  Wasser  gebrachten 
Katze  und  sieht  dabei  sogar  die  Netzhautgefäße.  Delahire  erklärt  dies 
1709  daraus,  daß  die  Brechung  der  Lichtstrahlen  an  der  Vorderfläche  des 
Auges  durch  die  Bedingungen  des  Experimentes  geändert  werde. 

-  Isaac  Nawton  zieht  zur  Erklärung  der  Entstehung  der  Farben  des  Regen- 
bogens  die  Dispersion  des  Lichtes  heran.     (S.  a.  1649  D.) 

-  Isaac  Nawton  interessiert  sich  zuerst  für  die  Farbe  des  Wassers  und  gibt 
als  Grundfarbe  desselben  „grün**  an. 

-  Antonio  Maria  Valsahra  empfiehlt  in  seinem  „De  aure  humana  Tractatus*' 
als  bestes  Mittel,  Eiter  aus  dem  Ohr  zu  entfernen,  bei  verschlossenem 
Munde  und  Nase  Luft  durch  die  Eustachische  Röhre  zu  pressen.  (Valsalva- 
scher  Versuch,  s.  auch  1741  C.)  Er  macht  darauf  aufmerksam,  daß  die 
Ursache  der  Taubheit  häufig  in  einer  Verstopfung  der  Eustachischen  Röhre 
liegt  und  fördert  die  Lehre  vom  Bau,  der  Funktion  und  den  Krankheiten 

Darmstaedter.  11 

—     161     - 


1705 

des  Grehörorgans ,  an  welchem  er  u.  a.  die  Muskeln  des  Tragus  und  Anti- 
traguB  und  das  Valsalva'sche  Band  entdeckt. 
1705    Jacob   Btrnoulil   führt  die  elastische  Linie   (Elastica)   in   die   Festigkeite 
lehre  ein. 

—  Pierre  BrlttMO  gewinnt  auf  Grund  von  Experimenten  an  der  Leiche  eine« 
Starblinden  die  Überzeugung,  daß  die  Katarakt  nicht,  wie  bis  dahin  an 
genommen  worden  war,  auf  einer  Trübung  in  der  vorderen  Augenkamme] 
beruhe,  sondern  die  getrübte  Krystalllinse  selbst  sei.  (S.  a.  1656  R.)  Dieses 
Ansicht  treten  insbesondere  Mai tre -Jean  und  Heister  bei,  welch  letztere: 
namentlich  mit  dazu  beiträgt,  daß  die  Ansicht  von  Brisseau  als  richti] 
anerkannt  wird. 

—  Edmund  Halley  gibt  in  seiner  Schrift  „Of  Compound  interest'*  eine  syst€ 
matische  Behandlung  der  Zinseszinsrechnung.     (S.  a.  1202.) 

—  Edmund  Halloy  weist  nach,  daß  der  i.  J  1682  erschienene  Komet  mit  de; 
in  den  Jahren  1456,  1531  und  1607  beobachteten  Kometen  identisc! 
ist.  Seine  Voraussage,  daß  der  —  später  nach  ihm  benannte  —  Komc 
im  Jahre  1759  wiederkehren  werde,  hat  sich  bestätigt.  Auch  i.  J.  183 
erscheint  er  wieder. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Mbniz,  äußert  in  einem  Briefe  an  Papin  den  Gf 
danken,  den  Dampf  in  der  atmosphärischen  Maschine  behufs  Verstärkun 
der  Expansion  der  Luft  um  den  Dampfzylinder  zu  führen,  eine  Idee,  dj 
von  Stirling  (s.  1816  S.)  der  Konstruktion  seiner  Heißluftmaschine  zugrund 
gelegt  wird. 

—  Thomas  NewconiMi  und  John  Cawlf  y  führen  den  Papin 'sehen  Versuch  (s.  1690P 
bis  zur  wirtschaftlich  brauchbaren  Betriebsmaschine  durch  und  schaffe 
die  fast  anderthalb  Jahrhunderte  hindurch  gebräuchlichste  Form  d< 
Balancierm aschine.    (S.  a.  1707  P.) 

—  Der  Pater  de  Sdfia  und  J.  J.  Schtuchzar  machen  zuerst  barometrische  Simu 
tanbeobachtungen  in  Zürich  und  auf  dem  St.  Gotthardhospiz. 

—  Henry  8ally  erißndet  die  Friktionsrollen  (Friktionsscheiben). 

—  Jacob  Walte  erwähnt  zuerst  die  sympathetische  Tinte  aus  Kobaltchlorfi 
die  1731  durch  Teichmeyer  und  1737  durch  Heilot  größere  Verbreitui 
findet.  Wird  das  mit  der  blaßroten  Lösung  beschriebene  Papier  erwärm 
so  erscheinen  blaue  Schriftzüge.  Durch  Tränkung  von  Fließpapier  m 
Kobaltchlorür  erhält  man  die  bekannten  chemischen  Wetteranzeiger,  d 
bei  nassem  Wetter  rosenrot,  bei  sehr  trocknem  Wetter  blau  erscheinen. 

1706  Pierre  BrissMii  macht  auf  Grund  seiner  anatomischen  Untersuchung  über  d 
Ursache  des  grauen  Stars  (s.  1705  B.)  wichtige  Arbeiten  zur  Behandlui 
dieser  Krankheit  und  veröficntlicht  dieselben  in  seinen  „Nouvellea  obse 
vations  sur  la  cataracte'*.     (S.  a.  1656  R.) 

—  Der  englische  Physiker  Francis  HawktbM  bemerkt,  daß  Glas  ebenso,  wie  Ben 
stein,  wenn  es  mit  Wollenzeug  gerieben  wird,  Licht  ausstrahlt  und  erhfil 
indem  er  eine  luftleer  gemachte  Glaskugel  an  seiner  Hand  reibt  imd  ein« 
seiner  Finger  der  Kugel  nähert,  zoUlange  Funken.     (S.  1672  L.) 

—  Urban  Hlirnt  untersucht  seit  1679  eine  große  Anzahl  von  Mineralwfissea 
und  fördert  durch  seine  Untersuchungen  die  Mineralwasseranalyse,  d 
von  Friedrich  Hoffmann  noch  weiter  vervollkommnet  wird. 

—  Johann  Heinrich  Hottlngtr  sieht  zuerst  die  Schichtung  oder  Struktur  im  Ei 
der  Gletscher. 

—  William  Jontt  braucht  zuerst  das  Zeichen  ,t,  das  von  1737  ab  von  Eni 
regelmäßig  benutzt  wird  und  namentlich  durch  Euler*s  „Introduotio**  a 
gemein  Verbreitimg  findet. 

—  Luigi  Ferdinando  dt  Martlll  errichtet  das  erste  maritime  Laboratoriu 
zum  Studium  von  Moertieren  in  Marseille.     (S.  a.  1870  D.) 

'-      162     — 


1709 

1706  Der  Kapitän  StaNayan  entdeckt  die  Chromosph&re  der  Sonne,  d.  i.  jene 
zarte  rosarot  gefärbte  Gashülle,  die  bei  Verfinsternngen  konzentrisch  nm 
die  Sonne  gelagert  sichtbar  wird. 

1707  William  Danpitr  gibt  in  einem  Reisewerk  über  seine  Weltumsegelung  eine 
Fülle  von  wertvoUen  Segelanweisungen  und  beschäftigt  sich  mit  einer 
Theorie  der  tellurischen  regelmäßigen  Windsysteme. 

—  Der  sächsische  Stabsmedikus  Daumlns  beobachtet,  daß  erhitzter  Turmalin 
Ascheteilchen  an  sich  zieht  imd  wieder  von  sich  stößt. 

—  Philipx>e  Delahlrt  verbindet  zuerst  die  Zugramme  mit  Laufrädem,  Gröpeln 
usw.  und  bahnt  so  den  Übergang  zu  den  Kunstrammen  an.  Wesentliche 
Verbesserungen  der  Ramme  werden  dann  von  Vanlou^,  B^lidor  (1760)  und 
namentlich  von  Perronel  (1780)  ausgeführt. 

—  Domenico  GiiflMiiiiiil  spricht  in  seiner  „Dissertatio  de  Salibus'*  aus,  daß 
die  kleinsten  Partikeln  der  Salze  eine  beständige  und  unveränderliche  Form 
haben  und  daß  die  Verschiedenheit  von  Kochsalz,  Vitriol,  Alaun,  Salpeter 
auf  einer  Verschiedenheit  der  Krystallgestalt  ihrer  kleinsten  Teil- 
chen beruhen. 

—  Nicolas  Ltmary  macht  eingehende  Untersuchungen  über  das  Antimon  und 
dessen  Verbindungen.  Er  ist  der  erste,  der  die  vulkanischen  Erschei- 
nungen als  auf  einem  chemischen  Prozeß  beruhend  ansieht. 

—  Denis  Papin  konstruiert  nach  dem  von  ihm  gefundenen  Prinzip  (s.  1690P.) 
eine  Hochdruckdampf maschine  zum  Pumpen  von  Wasser.  Wegen  der 
Undichtigkeit  der  einzelnen  Teile  wird  mit  der  von  Papin  damals  in  Cassel 
aufgestellten  Maschine,  die  in  der  Schrift  „Ars  nova  ad  aquam  igni  ad- 
miniculo  efficacissime  clarandam"  beschrieben  und  abgebildet  ist,  nur  ein 
einziger  Versuch  unternommen.    (S.  a.  1705  N.) 

—  Denis  Papln  fährt  am  24.  September  auf  einem  Boote  auf  der  Fulda  von 
Cassel  nach  Münden.  Da  Papin  ein  Vorkämpfer  für  die  motorische  Aus- 
nutzung der  Dampfkraft  gewesen  ist,  hat  man  in  jenem  Boote  öfters  ein 
Dampfboot  erblicken  wollen.  Es  ist  indes  erwiesen,  daß  es  sich  hierbei 
nnr  um  eine  Konstruktion  gehandelt  hat,  wie  sie  schon  vorher  von  Kyeser, 
Valturius,  Blasco  de  Garay  (s.  diese)  und  anderen  in  Vorschlag  gebracht 
worden  war. 

n08  Abraham  Darby  erfindet  für  den  Eisenguß  die  Kastenformerei  in  nassem 
Sand.  Nur  für  kleine  verzierte  Gregenstände  hatte  man  bis  dahin  hier 
nnd  da  das  Formen  in  fetter  Erde  angewendet,  so  daß  Darby 's  Ver- 
fahren einen  wesentlichen  Fortschritt  bedeutet. 

—  William  Dcrfiani  untersucht  die  verschiedenen  Einflüsse,  welche  die  Gre- 
schwindigkeit  des  Schalls  ändern,  und  findet,  daß  namentlich  die  Wind- 
stärke von  Einfluß  darauf  ist.  Er  findet  für  die  Schallgeschwindigkeit  den 
Wert  von  1071  Pariser  Fuß  in  der  Sekunde. 

"*  Der  englische  Physiker  Wall  hebt  in  einer  Abhandlung  in  den  Philos. 
Transactions  hervor,  daß  der  elektrische  Funke  und  sein  Knistern  einiger- 
maßen Blitz  und  Donner  vorstelle.    (S.  1746  W.  und  1749  F.) 

1709  Nachdem  durch  die  Feststellung,  daß  der  Star  eine  Krankheit  der  Linse 
sei,  der  Name  Glaukom  dafür  überflüssig  geworden  war,  bezeichnet  Pierre 
BrfnMUi  als  Glaukom  eine  Sehstdrung,  die  unabhängig  von  der  Linsen- 
trübung auftritt  und  den  Augengrund  oft  bläulich  oder  grünlich  schil- 
lernd erscheinen  läßt  und  wahrscheinlich  von  der  Entartung  des  Glas- 
körpers herrührt. 

^  Johann  Maria  Farina,  geb.  in  Santa  Maria  Maggiore  im  Tal  Vigezza,  der 
sich  i.  J.  1709  in  Köln  niederläßt,  wird  als  Erfinder  des  Kölnischen  Wassers 
(Eau  de  Cologne)  genannt.     Zur  gleichen   Zeit  soll  in  Köln  ein  ähnliches 

11* 

—      163      — 


1709 

Produkt    von    einem    Verwandten    Farina's,    Paul    Feminis,    hergestelll 
worden  sein. 

1709  Der  Pater  Bartholomeo  Louren^o  de  Qutmäo  baut  ein  Luftschiff,  bestehenc 
auB  einem  mit  Papier  überzogenen,  \mten  offenen  Korb  aus  Weidenhob 
von  ca.  8  Fuß  Durchmesser.  Durch  ein  unter  dem  Korb  angezündete 
Feuer  wird  in  diesem  die  Luft  verdünnt,  und  so  soll  es  Gusmäo  gelungei 
sein,  am  8.  August  in  Lissabon  mit  seinem  Apparat  bis  auf  200  Fuß  Höh 
zu  steigen  und  unbeschädigt  herunter  zu  kommen. 

—  Le  Bon  dt  Salnt-H Ilaire,  Präsident  der  Handelskammer  von  MontpeUiei 
legt  der  Pariser  Akademie  der  Wissenschaften  einige  Bekleidungsstück 
(Strümpfe  und  Handschuhe)  vor,  die  aus  den  Spinnenfäden  verschiedene 
südfranzösischer  Spinnenarten  hergestellt  sind.  Die  Hoffnung  auf  ein 
praktische  Verwertung  der  Spinnenseide  wird  freilich  durch  R^aumn 
stark  herabgemindert,  welcher  nachweist,  daß  18000  Fäden  der  Kreuzspinn 
erst  einen  Faden  in  der  Stärke  der  Nähseide  liefern.  Doch  ist  eine  Bc 
nutzimg  der  Spinnenseide  in  neuerer  Zeit  mehrfach  wieder  versucht  worden 

—  Ren^  Antoine  F.  de  Rtaumur  zeigt,  daß  die  Schalen  der  Schnecken  un 
Muscheln  durch  Erhärten  eines  Saftes  entstehen,  der  aus  den  Poren  diese 
Tiere  hervordringt. 

—  Christian  von  Wolf  gibt  der  Aerometrie  eine  wissenschaftliche  Grundlag 
und  beschreibt  in  Deutschland  das  erste  Anemometer. 

1710  Dominique  Anel  führt  am  30.  Januar  zuerst  die  nach  ihm  benannte  Aneu 
rysmenoperation  bei  einem  Aneurysma  der  Ellenbogenbeuge  aus,  bei  der 
er,  ohne  den  Sack  zu  öffnen,  so  nahe  als  möglich  oberhalb  desselben  di 
Arteria  brachialis  unterbindet. 

—  Hermann  Boerfiaave  beschäftigt  sich  mit  der  Anlage  von  Treibhäusern  (di 
übrigens  den  Römern  schon  bekannt  waren)  im  Leidener  Pflanzengartei 
und  bestimmt,  unter  welchem  Winkel  die  Glasdächer  unter  jeder  Breit 
gegen  den  Horizont  geneigt  sein  müssen,  um  möglichst  viel  Sonnenstrahlei 
aufzufangen. 

—  Johann  Friedrich  Böttger  stellt  in  Meißen  das  erste  Hart-Porzellan  ii 
Europa  her. 

—  Roger  Cotes  verfaßt  das  erste  vollständige  Werk  über  die  Integralrechnung 
„Harmonia  mensurarum",  in  welchem  sich  der  nach  ihm  benannte  „Cotes' 
sehe  Lehrsatz"  findet. 

—  William  Dertiam  beobachtet  zuerst  das  aschfarbene  Licht  der  Venus. 

—  Wilhelm  Homberg  beschreibt  zuerst  das  Effloreszicren  einiger  Salzlösungen 
das  1722  auch  von  Fran^ois  Petit  erörtert  wird. 

—  Wilhelm  Homberf  gibt  das  Verfahren  zur  Verfertigung  des  aus  dem  Niedei 
schlage  des  Silbers  entstehenden  Dianenbaums  (Silberbaums)  an. 

—  Jacob  Christoph  Le  Blon  aus  Frankfurt  a.  M.  versucht,  farbige  Bilder  mi 
den  sieben  Farben  des  Spektrums  zu  drucken  und  findet  dabei,  daß  mai 
mit  drei  Farben,  rot,  blau  und  gelb,  auskommen  kann.  Er  ist  somit  de 
Erfinder  des  Dreifarbendrucks,  den  er  in  der  Weise  ausführt,  daß  er  dn 
Kupferplatten  mit  den  entsprechenden  Farben  übereinander  druckt. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Leibniz  unterscheidet  zuerst  zwischen  gleitender  un< 
rollender  Reibung. 

^~  Der  Astronom  Giacomo  Filippo  Maraldl  entdeckt,  daß  die  rautenförmige) 
Platten  der  Bienenwaben  immer  dieselben  Winkel  zeigen,  nämlich  109®  2^ 
für  den  stumpfen  und  70**  32'  für  den  spitzen  Winkel. 

—  Der  Gießer  Johann  Maritz  in  Bern  gießt  massive  Kanonen  und  bohrt  si 
mit  einer  selbst  erfundenen  horizontalen  Bohrmaschine  so  aus,  daß  de 
Kern  als  ein  massives  Stück  herausgenommen  werden  kann. 

—  Der  Holländer  J.  van  der  Mey  und  der  deutsche  Prediger  Johannes 

—      164     — 


1711 

in  Leiden  fuhren  die  Stereotypie  in  den  Buchdruck  ein«  Doch  beschränkt 
sich  ihr  Verfahren  darauf,  daß  sie  den  fertigen  Letternsatz  auf  der  Rück- 
seite mit  einem  dünnen  Überzuge  von  Mastix,  Gips  oder  leichtflüssigem 
Metall  versehen,  wodurch  der  Schriftsatz  zu  einer  stereotypartigen  Druck- 
platte zusammengekittet  wird. 
1710  Fran^ois  Sauveur  Nkinuid  und  Henri  Fran9ois  Lt  Dran  machen  die  erste 
Exartikulation  des  Schultergelenkes  (Exarticulatio  humeri). 

—  Thomas  Newcoimn  erfindet  die  Einspritzkondensation  und  wendet  dieselbe 
sofort  bei  seiner  atmosphärischen  Maschine  an. 

—  Christopher  PoIhMR  fördert  die  praktische  Mechanik  in  allen  ihren  Zweigen, 
insbesondere  aber  die  mechanische  Bearbeitung  des  Eisens. 

—  Fran^ois  Pouffour  du  Pttit  lenkt  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  die  psycho- 
motorische Leistung  der  Hirnrinde.  Er  sieht  bei  Trepanierungsexperimenten 
an  Hunden  je  nach  der  Lage  der  verletzten  Himmasse  stets  Lähmung  der 
Extremitäten  der  gegenüberliegenden  Seite  auftreten,  die  dann  vollständig 
war,  wenn  das  Corpus  striatum  verletzt  war,  wogegen  alleinige  Verletzung 
der  Himoberfläohe  keine  eigentliche  Lähmung,  sondern  bloß  Schwäche  der 
kontralateralen  Extremitäten  hervorrief.  Diese  Experimente  werden  1721 
von  Pietro  Paolo  MoUnelli  bestätigt  und  begründen  die  Lehre  von  der 
kontralateralen  Innervation  (Kreuzung  der  Fasern). 

—  Der  Anatom  Giovanni  Domenico  Santorlnl  entdeckt  den  Lachmuskel  und 
die  Santorini'schen  Knorpel  des  Kehlkopfes. 

—  Pierre  Varlgnon  leitet  die  statischen  Gesetze  der  einfachen  Maschinen  aus 
dem  Satz  vom  Kräfteparallelogramm  ab,  weist  den  Zusammenhang  von 
Seilpolygon  und  Kräftepolygon  nach  und  erfindet  die  Seilwage. 

nu  Bartolommeo  Cristofforl  in  Padua  erfindet  angeblich  die  Hammermechanik 
des  Pianoforte,  indem  er  die  Hämmer  durch  Tasten  verbindet,  durch 
welche  sie  an  die  Saiten  geschnellt  werden.  Von  anderer  Seite  wird  die 
Priorität  dieser  Erfindung  Christoph  Gottlieb  SdirMtr  vindiziert.  Ins- 
besondere Pauli  tritt  in  seiner  Geschichte  des  Klaviers  für  Schröter  ein 
und  behauptet,  daß  Christof ori's  Mechanik  nur  eine  Nachahmung  der 
viel  vollkommneren  Schröter'schen  gewesen  sei. 

-~  Der  Geistliche  L.  D.  HMnnanii  in  Massel  in  Schlesien  erkennt,  daß  die 
Blitzröhren  (Fulguritbildungen)  nichts  anderes  sind  als  unter  der  Einwirkung 
des    Blitzes  zusammengebackene  Kömer  verschiedenen  Mineralcharakters. 

~  Wilhelm  Hombtrf  stellt  durch  Verkohlen  von  Alaun  mit  Zucker  den  „Hom- 
berg's  Phosphor*'  genannten  Pyrophor  dar,  dessen  Erglühen,  wie  Scheele 
1777  feststellt,  daher  rührt,  daß  er  an  der  Luft  begierig  Sauerstoff  auf- 
nimmt und  durch  die  bei  dieser  Oxydation  entwickelte  Wärme  stark 
erhitzt  wird. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lolbniz  sucht  Peter  den  Großen  von  Rußland  zur 
Sammlung  von  Vokabularien  der  im  weiten  Umfang  seines  Reiches  zer- 
streuten Völkerstämme  zu  veranlassen  und  wird  so  ein  Vorläufer  der  Eth- 
nologie. Er  unternimmt  einen  Versuch,  die  Menschen  in  Klassen  einzuteilen 
und  unterscheidet  eine  japetische  (die  keltischen  und  szythischen  Stämme 
umfassende)  und  eine  aramäische  Haupt völkergruppe.  (S.  a.  1684  B.) 

-^  Johann  Justus  Partels  in  Zellerfeld  im  Harz  konstruiert  einen  Aspirations- 
Ventilator  für  Bergwerke.  Durch  seine  Idee,  die  Luft  in  geschlossenen 
Räumen  durch  Abführung  der  verdorbenen  Luft  und  Zuführung  frischer 
Luft  zu  erneuem,  hat  er  zweifellos  die  Priorität  vor  Stephen  Haies  und 
Martin  Triewald,  die  beide  erst  1741  die  Ventilation  für  Krankenzimmer 
und  für  Schiffe  anwenden. 

-     Ren6  Antoine  F.  Ite  Rfoumur  gibt  an,   daß  sich  eine  Unze  Gold  zu  I46V2 

—      165      — 


1711 

PariBer  Quadratfuß  anAhämmem  lasse.    Nach   neueren  Angaben   kann  1 
zu  etwa  5675  qom  ausgeBchlagen  werden.    (S.  Homer  800  v.  Chr.) 

1711  John  Short  in  London  erfindet  die  Stimmgabel. 

1712  Nachdem  der  Asphalt  schon  in  Babylon  und  Ninive  als  Baumaterial  Ix 
nutzt  worden,  aber  seitdem  gänzlich  abgekommen  war,  nimmt  der  gri< 
chische  Arzt  Elrlnlt  dessen  Verwendung  wieder  auf  und  beutet  die  Lage 
statten  des  Val  de  Travers  im  Fürstentum  Neuchätel  dafür  aus. 

—  John  FlamitMd  gibt  den  ersten  umfassenderen  Stemkatalog  heraus.  (8.  seil 
„Historia  coelestis  Britanniae*'.) 

1712 — 10  John  Flamtleed  arbeitet  bis  zu  seinem  1719  erfolgten  Tode  an  dem  er 
posthum  i.  J.  1729  herausgegebenen  „Atlas  coelestis'',  dessen  27  Karten  vi< 
fach,  zuletzt  i.  J.  1781,  neu  aufgelegt  werden  und  im  18.  Jahrhundert  fa 
allein  maßgebend  sind. 

1712  Engelbert  Kflmplir  erwähnt  zuerst  die  unter  dem  Namen  „Maduraful 
bekannte,  in  Indien  endemische  Krankheit,  die  besonders  die  Füße,  selten 
die  Hände  befällt  und  zu  elefantiastischen  Verdickungen  mit  FisU 
bildungen  führt.  Kämpfer  beschreibt  die  Krankheit  unter  dem  Nam< 
„Perical"  (großer  Fuß). 

—  Jan  KruM  betreibt  zuerst  in  Wildervank,  Provinz  Groningen,  die  Moc 
brandkultur  mit  großem  Erfolg  und  führt  dieselbe  auch  in  Ostfrieslai 
ein.  Sie  besteht  darin,  daß  vor  jeder  Ernte  die  oberste  Moorschic 
in  Stärke  von  einigen  Zentimetern  losgerissen,  nach  dem  Trocknen 
Brand  gesteckt  und  danach  in  die  geröstete  Decke  der  Same  (meist  Buc 
Weizen)  gestreut  und  etwas  eingeeggt  wird. 

—  Humphry  Pottir.  ein  jugendlicher  Arbeiter,  welcher  das  Drehen  des  Hahn 
an  der  Newcomen'schen  Maschine  zu  besorgen  hatte,  soll  die  Selbststen 
rung  erfunden  haben,  indem  er  die  Hähne  mit  dem  Balancier  in  V< 
bindimg  setzt,  durch  dessen  Spiel  sie  fortan  geöffnet  und  geschloss 
werden.    Ein  Beleg  für  die  Richtigkeit  dieser  Angabe  ist  nicht  zu  erbringe 

—  Nachdem  die  Chinarinde  seit  ihrer  Einfühnmg  in  Europa  (s.  1640  V.)  a 
wechselnde  Beurteilung  erfahren  hatte  und  infolgedessen  nicht  in  a 
gemeine  Anwendung  gekommen  war,  zeigt  Francesco  Torti  in  Modena 
seiner  Abhandlung  „Therapeutice  specialis  ad  febres  quasdam  perniciosa 
den  Nutzen  derselben  bei  den  Zehr-  und  Wechselfiebem  und  trägt  dadur« 
zu  ihrer  allgemeinen  Einführung  wesentlich  bei. 

—  Laurent  Varduc  weist  zuerst  darauf  hin,  daß  die  bei  Flüssigkeitsergufi 
die  Schädelhöhle  oder  bei  Knocheneindruck  am  Schädel  zu  beobachtend« 
schweren   Zufälle    auf  Kompression  des  Grehirns  (Gehimdruck)  zurückz 
führen  seien. 

1713  Dominique  Anel  führt  zuerst  den  Katheterismus  der  Tränenwege  aus.  ] 
führt  eine  goldene  Sonde  täglich  durch  den  obern  Tränenpunkt  in  d 
Tränennasenkanal  ein  und  injiziert  mit  der  nach  ihm  benannten  Sprit 
eine  adstringierende  Flüssigkeit  in  den  Tränensack. 

—  Abraham  Darby  gelingt  es,  durch  Abschwefeln  guter  backender  Kohle 
Meilern  brauchbaren  Koks  zu  erzeugen,  mit  welchem  er  in  Coalbrookdi 
einen    Hochofen    betreibt.     Diese   Erfindung   bedeutet   für   die    Roheise 
erzeugung  einen  der  praktisch  bedeutsamsten  Fortschritte. 

—  Der  Zimmermeister  Ptrte  zu  Dünkirchen  erfindet  Flutmühlen,  die  sowo 
auf  die  VerAvertung  des  Ebbe-  als  auch  des  Flutstroms  eingerichtet  mi 
und  die  nach  ßölidor  gegen  30  Jahre  in  vollem  Betrieb  standen. 

1714  Gabriel  Daniel  Fahrenhtit  konstruiert  die  ersten  brauchbaren  Quecksilb< 
thermometcr  mit  der  nach  ihm  benannten  Skala  von  212  Graden,  l 
welchem  er  die   von   Huygens  1665  vorgeschlagenen  Fundamentalpunkt 

—      IGO     — 


1715 

n&mHoh  den  Schmelzpiinkt  des  EisoB  und  den  Siedepunkt  des  Wassers 
verwendet. 
nu  Der  französisohe  Grelehrte  N.  QaMgtr  verfaßt  eine  Abhandlung  über  die 
Mechanik  des  Feuers  und  wird  damit  der  Begründer  einer  wissenschaft- 
lichen Behandlung  des  Gebietes  der  Ventilation.  £r  virirkt  durch  seine 
Schrift  namentlich  für  die  Erkenntnis  der  sanitären  Wichtigkeit  einer 
guten  Lüftung  der  Wohnungen.    (S.  a.  1750  H.) 

—  Edmund  Hallty  spricht  die  Vermutung  aus,  daß  das  Nordlicht  eine  mag- 
netische Erscheinung  sei,  welche  Hypothese  durch  Faraday's  Entdeckung 
der  Magnetisation  des  Lichtes  (s.  1846  F.)  zur  Gewißheit  erhoben  wird. 

—  Gottfried  Wilhelm  Yon  Ltibnli  weist  (in  einer  jetzt  in  Hannover  befind- 
lichen Wiener  Handschrift)  darauf  hin,  wie  sehr  die  großen  Lazarett- 
bauten die  Verbreitung  ansteckender  Krankheiten  begünstigen.  Er  empfiehlt 
kleinere  Einzelbauten,  „Baraquen  also,  daß  sie  nicht  contiffuae  sevn  oder 
an  einander  hengen,  sondern  von  einander  geschieden,  damit  die  Luft 
durchstreiche".  Leibniz  ist  somit  der  eigentliche  Vater  des  Pavillon - 
Systems  im  Lazarettbau. 

—  Gottfried  Wilhelm  von  Lsikniz  erwähnt  zuerst  den  Fleischextrakt.  Er  er- 
örtert in  den  „Utrechter  Denkschriften'*  die  Mittel,  Truppen  auf  langen 
Märschen  bei  Kräften  zu  erhalten  und  empfiehlt  dazu  die  „Kraft-Com- 
poflitiones"  (Konserven)  und  besonders  „das  Extrakt  aus  Fleisch,  dessen 
Komposition  mir  bekannt'*.  Die  Anregung  zu  diesen  Vorschlägen  hat 
Leibniz  wahrscheinlich  durch  Papin  erhalten. 

—  De  la  Ugirie  lenkt  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  das  1658  von  Glauber  be- 
reitete rote  Schwefelantimon  (Dreifach-Schwefelantimon),  dessen  Bereitung  er 
angeblich  von  einem  franzosischen  Offizier  Chastenay  und  dieser  wiederum  von 
einem  Schüler  Glauber's  erfahren  hatte.  Das  Präparat  wird  als  „Poudre  des 
C!hartreux*'  und  später  als  „Alkermes  minerale'*  (Kermes)  viel  verkauft  und 
erst  von  Berzelius  1821  in  seiner  wahren  Zusammensetzung  erkannt.  — 
Am  besten  wird  es  aus  dem  1821  von  Schlippe  dargestellten  Natrium- 
sülfantimoniat  (Schlippe'schen  Salz)  hergestellt. 

^  Henry  Mlll  nimmt  ein  englisches  Patent  auf  eine  Schreibmaschine,  mit 
deren  Hilfe  er  erhabene  Schrift  erzeugt.  Diese  Maschine  hat  einen  prakti- 
schen Erfolg  nicht  aufzuweisen,  ebensowenig  ein  1784  in  Frankreich  paten- 
tierter ähnlicher  Apparat. 

1715  Van  Gheleii  in  Wien  gibt  in  seiner  „Aeromanteia''  fortlaufende  Angaben 
über  Temperatur,  Luftdruck  und  allgemeine  Wetterlage. 

—  Johann  Thomas  Htniinf  in  Gießen  findet  Phosphor  im  Gehirn. 

^  Christian  Gottlieb  Htrtel  in  Halle  führt  für  das  Mikroskop  den  Ucht- 
reflektierenden  Spiegel  (Beleuchtungsspiegel ),  der  die  Vorteile  der  verti- 
kalen Stellung  und  der  Beobachtung  bei  durchfallendem  Licht  vereinigt, 
zu  allgemeinem  Gebrauch  ein.    (Vgl.  1637  D.) 

—  William  Kant  verwirft  das  Symmetrische  und  geometrisch  Berechnete  der 
franzosischen  Gärten  (s.  1653  L.)  und  spricht  den  Grundsatz  aus,  daß  ein 
Lustgarten  nichts  sein  dürfe,  als  eine  schöne  Landschaft  in  geschmack- 
voller, den  Formen  der  Natur  angepaßter  Gestalt.  (Englische  Gärten.) 

^  Pttar  ier  CNl»6«  veranlaßt  den  i.  J.  1732  beendigten  Bau  des  110  km  langen 
Ladogakanals,  der  die  Verbindung  zwischen  der  Ostsee  und  dem  K aspi- 
schen Meere  herstellt,  indem  er  die  mit  der  Wolga  vereinigte  Wolchow 
von  Neu-Ladoga  ab  mit  Schlüsselburg  verbindet. 

—  Jean  Louis  Pillt  spricht  sich  eingehend  über  Wundheilung  aus  und  unter- 
scheidet Vereinigung  nach  der  ersten  und  zweiten  Intention  (s.  169),  von 
welch  letzterer  er  vier  Arten  angibt.  Er  wendet  zuerst  den  Ausdruck 
„chairs  grenues'%  kömige  Fleischbildungen,  an,    woraus   die   Bezeichnung 

—     167      — 


1715 

Granulation  entsteht.  Er  unterscheidet  zuerst  zwischen  Gehirnerschüt 
rung  und  Gehimdruck  und  betrachtet  den  letzteren  für  so  gefährli* 
daß  er  in  allen  Fällen  die  Trepanation  empfiehlt,  die  durch  ihn  grc 
Verbreitung  erlangt. 

1715  Der  Mathematiker  Brook  Tajffor  stellt  den  nach  ihm  benannten  Si 
(Taylor' sehe  Reihe)  auf,  wobei  auch  schon  diejenige  Einzelform  seil 
Reihe,  die  später  den  Namen  „Maclaurin'sche  Reihe*'  erhält,  erwähnt  i 
(S.  seine  Schrift  „Methodus  incrementorum".) 

—  Raymond  fto  Vleussont  legt  den  Grund  zu  einer  strengeren  wissenschs 
liehen  Behandlung  der  Herzkrankheiten.  (S.  a.  1726  A.) 

1716  Philippe  Delahirt  erfindet  die  noch  heute  nach  ihm  benannte  doppc 
wirkende  Pumpe. 

—  Johann  Caspar  Funck  behandelt  in  seinem  Buche  „De  coloribus  coeK" 
erster  die  Dämmerungsfarben,   die  1754  auch  Mairan  in  seinem  „Tra 
physique  et  historique  de  1*  aurore  boröale"  beschreibt.     Funck  beschre 
auch  zuerst  die  Gegendämmerung. 

—  Dr.  Hook  soll  die  erste  Räderfräsmaschine  zum  Einschneiden  der  Zal 
lücken  der  Uhrräder  erfunden  haben,  die  von  Henry  Sully  in  Engla 
eingeführt  wird. 

—  Giacomo  Filippo  Maraldl  bemerkt  zuerst  einen  weißen  Fleck  an  d< 
einen  Pole  des  Mars. 

—  Abraham  de  Molvre  trägt  durch  seine  „Doctrine  of  chances''  und  dui 
seine  später  (1724)  erschienenen  „Annuities  upon  Lives"  wesentlich  i 
Entwicklung  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  bei. 

—  Der  Schwede  Martin  Tritwald  konstruiert  die  erste  Wasserheizanlage  i 
Gewächshäuser  in  Newcastle  on  Tyne. 

1717  Johann  Btraoulll  erkennt  die  allgemeine  Bedeutung  des  Prinzips  der  virtuell 
Verschiebungen  für  alle  Gleichgewichtsfälle. 

—  Nachdem  schon  Gedetden  1516  die  Destillation  als  ein  Mittel,  Seewaai 
trinkbar  zu  machen,  empfohlen  und  Houton  1670  diesen  Vorschlag  wied 
holt  hatte,  konstruiert  der  französische  Schiffsarzt  GautMor  den  erst 
Destillationsapparat  für  Bordzwecke. 

—  Lady  MontafiM  läßt  ihren  Sohn  in  Konstantin opel  zum  Schutz  vor  d 
Pocken  nach  orientalischem  Brauch  mit  menschlicher  Lymphe  impl 
und  führt  dieses  Verfahren  (1721)  in  England  und  dadurch  in  ganz  Euiti 
ein.  Zuerst  hatten  der  in  Konstantinopel  ansässige  Arzt  Timoni  und  < 
venetianische  Konsul  Pylarini  1714  auf  diese  im  Orient  verbreitete  Methc 
hingewiesen.     (S.  1797  J.) 

—  Giovanni  Potonl  veröffentlicht  die  wichtigen  Resultate  seiner  mehrjährig 
Versuche  über  die  Erscheinungen  beim  Ausfluß  des  Wassers. 

1718  Henry  Bolftiton  gestaltet  die  selbsttätige  Steuerung  der  atmosphäriscli 
Maschine  gebrauchsfähig  aus. 

—  Dt  la  Balmo  erwähnt  in  seinen  „Machines  approuv^es*'  die  Sackbagg 
Schaufelbagger  und  Radbagger,  welche,  wie  er  hinzufügt,  „zur  Gattu 
der  Schöpfräder  mit  sich  drehenden  Eimern  am  Radumfang  gehören**. 

—  Jean  Th^ophile  Dotaculltrs  versieht  den  Dampfkessel  zuerst  mit  dem  v 
Papin  (s.  1674  P.)  erfundenen  Sicherheitsventil. 

—  Pierre  DIonit  gibt  ein  Buch  über  Geburtshilfe  heraus,  in  dem  er  u.  a.  eine  ei 
gehende  Beschreibung  der  Tuben gravidität  gibt  (s.  a.  1668  M.)  und  das  en 
Becken  als  Geburtshindemis  bezeichnet.  (S.  a.  1587.)  Sein  Buch  st€ 
auf  der  Höhe  der  anatomischen  und  entwicklungsgeschichtlichen  Lehr 
seiner  Zeit. 

—  Der  französische  Chemiker  Etienne  Franyois  Qooffroy  ordnet  die  versch 

—     168     — 


1720 

denen  Körper  nach  ihrem  Verwandtschaftsgrad  zu  einer  bestimmten 
Substanz  und  stellt  damit  die  ersten  AffinitätstabeUen  auf. 
171B  Edmund  Hallsy  entdeckt  auf  Grund  einer  Vergleichung  neuerer  Beobach- 
tungen mit  den  Sternörtern  des  Almagest  die  Eigenbewegung  der  Fix- 
sterne, im  besonderen  des  Sirius,  Aldebaran  und  Arkturus.  Die  wahre 
Geschwindigkeit  des  letztgenannten  Sternes  hat  Kobold  in  neuerer  Zeit 
auf  674  km  in  1  Sekunde  bestimmt. 

-  Der  Mediziner  Friedrich  Hoffmaiiii  erfindet  die  aus  1  Teil  Äther  und 
3  Teilen  Weingeist  zusammengesetzten  Hoffmannstropfen  (Liquor  anodynus 
mineralis). 

-  Giovanni  LancW  schreibt  die  Schädlichkeit  der  Sumpfluft  unsichtbaren 
Tierchen  zu,  wie  bereits  Varro  vor  ihm. 

-  Der  Finanzmann  John  Um  erfindet  die  Banknote  als  Ersatzmittel  des 
Metallgeldes. 

-  MHmi  erwähnt  in  seinem  Werk  „Vollständige  Mühlenbaukunst**  als  erster 
in  Deutschland  die  im  17.  Jahrhundert  aufgekommenen  sogenannten  hollän- 
dischen Ölmühlen,  in  denen  der  Same  vor  dem  Stampfen  erst  mittels 
aufrecht  gehender  Steine  zerquetscht,  in  Stampflöchern  feingepocht,  hier- 
auf in  Pfannen  erwärmt  wird,  wonach  erst  das  öl  mittels  sogenannter 
Rammeln  (Rammpressen)  herausgepreßt  wird.  In  England  werden  diese 
Mühlen  von  Smeaton  (1770)  eingeführt. 

~  Emanuel  Swidsnfcorg  erfindet  eine  R ollen maschine  zum  Transport  schwerer 
Lasten  über  Berg  und  Tal. 

1719  Johann  BamoulH  macht  mit  seinem  Neffen  Nikolaus  Bemoulli  ausgedehnte 
Versuche  über  den  Widerstand  der  Luft,  namentlich  bei  Wurfbewegungen, 
über  den  Widerstand  des  umgebenden  Mittels  arbeiten  später  insbesondere 
Hawksbee  (1719),  Desaguliers  (1721),  W.  J.  s'Gravesande  (1721),  d'Alem- 
bert  (1752)  und  J.  C.  Borda  (1763). 

-  Giambattista  Morgagni  entdeckt  die  syphilitische  Erkrankung  der  Gehirn - 
arterien,  schildert  die  Lungen syphilis,  die  syphilitischen  Knochener- 
krankungen, die  syphilitische  Erkrankung  des  Herzens  und  der  großen 
Gefäße  und  die  Gehimsyphilis.  Auch  die  Leber-,  Milz-  imd  Nierensyphilis 
kennt  er  bereits. 

^    Kaspar  NMimanii  scheidet  zuerst  das  Thymol  aus  dem  Oleum  thymi  ab. 
^    Christopher  PolliMl   erfindet  ein  Verfahren,    um  das  Holz  vor  Fäulnis  zu 

schützen,  welches   darin   besteht,    daß  er  es   mit  Eisenvitriol   imd   Kalk 

„metallisiert'*. 

1720  Asttary  in  Bedford  entdeckt,  daß  durch  Zusatz  von  gebranntem  gemahle- 
nem Feuerstein  zum  Ton  sich  ein  wesentlich  besseres  Steingut  erzielen 
läßt. 

"  WUliam  diawldtn  in  London  führt  die  von  Woolhouse  bereits  1711  an- 
gedeutete künstliche  PupiUenbildung  aus,  indem  er  die  Iris  einschneidet. 
(Iridektomie.) 

*~  John  CuiwNrtand  in  England  erhält  ein  Patent  auf  ein  Verfahren  zum  Biegen 
von  Holz  für  den  Schiffbau. 

*~  Claude  Joseph  Qtoitroy  macht  die  ersten  Angaben  über  die  quantitative 
Zusammensetzung  des  Sal  ammoniacum  (Salmiak)  aus  Salzsäure  und 
flüssigem  Alkali;  das  genaue  Zusammensetzungsverhältnis  wird  indes  erst 
festgestellt,  als  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  die  quantitative  Analyse 
an  der  StÖchiometrie  einen  Anhaltspunkt  findet. 

"*  George  Graham  führt  die  auch  heute  noch  für  Taschenuhren  sehr  gebräuch- 
liche Zylinderhemmung  aus,  eine  ruhende  Hemmung,  deren  erste  Idee 
von  Torapion  (s.  1695  T.)  herrührt. 

~-     Der  Wundarzt  Lorenz  Halttir  erfindet  den  Mundspiegel.     Er  gibt  das  erste 

—     169     — 


1790 

vollBtändige  und  systematische  Handbuch  der  Chirurgie  heraus  un 
sich  namentlich  auch  als  Verfechter  des  Sitzes  des  Stars  in  d< 
bekannt. 

1720  Johann  Friedrich  Htnkel  entwickelt  die  chemische  Analyse,  indet 
der  Untersuchung  der  Schlackenbäder  zu  Freiberg  Gall&pfelaufg^ß,  ^ 
saft,  Säuren  imd  Alkalien  anwendet. 

—  Jacob  LtupoM  erwähnt  in  seinem  „Theatrum  maohinarum*'  den  Yien 
als  Dampf  Steuerorgan,  wie  solcher  zuerst  von  Cugnot  bei  seinem 
fuhrwerke  (s.  1769  C.)  praktisch  angewendet  wird. 

—  Abraham  de  Molvre  führt  den  Begriff  und  den  Namen  der  rek 
Reihen  für  solche  Reihen  ein,  bei  welchen  die  einzelnen  Koeffiziei 
einer  bestimmten  Anzahl  ihnen  vorausgehender  Koeffizienten  in  eil 
Glied  zu  Glied  unverändert  bleibenden  Zusammenhange  stehen. 

—  Alexander  Monro  begründet  die  wissenschaftliche  Kenntnis  der  beiden 
des  Wasserbruchs,  welche  dem  Hydrops  des  Zellgewebes  am  Sam* 
und  der  zuerst  von  Abulcasem  und  Guy  de  Chauliac  erwähnten  H 
cystica  entsprechen.  Er  heilt  die  letztere  Form  durch  Pimktion  i 
spritzung  einer  starken  Auflösung  eines  Ätzmittels,  wie  dies  167 
der  Marseiller  Wundarzt  Lambert  angegeben  hatte.  Jod  zur  I 
wird  1839  zuerst  von  Velpeau  verwendet. 

—  Jonathan  SiMon  macht  das  Azimutalinstrument  (s.  1675  R.)  zu  ein* 
baren  und  dennoch  leistungsfähigen  Apparat  und  stellt  so  dei 
Theodoliten  her. 

—  Der  spanische  Maler  Palomino  de  Castro  y  Valateo  macht  Versi 
Wiedererflndung  der  Technik  der  bereits  im  Altertume  bekannten 
verloren  gegangenen  Wachsmalerei  (s.  350  v.  Chr.  Pausias),  inden 
Ausführung  der  Bildnisse  einen  Wachsgrund  herstellt,  die  in  d 
eingegrabenen  Umrisse  der  Figuren  mit  geschmolzenen  Wachsfarl 
und  alsdann  die  Oberfläche  des  Bildes  glättet. 

1721  Der  norwegische  Landpfarrer  Hans  Egtdt  gründet  Godhavn,  die  < 
nische  Kolonie  auf  Grönland,  und  widmet  sich  mit  Erfolg  der  Bc 
und  der  Zivilisation  der  Eskimos.  Er  gibt  die  erste  genaue  Bescl 
des  Landes  sowie  der  Gebräuche  seiner  Bewohner. 

—  Jean  Baptiste  Qoiffon  sucht  die  Ursachen  der  Beulenpest  zu  ergrüc 
weist  darauf  hin,  daß  die  wahrscheinlichste  Erklärung  für  die  Yei 
dieser  Krankheit  darin  bestehe,  daß  sie  durch  kleine  mit  dem 
Auge  unsichtbare  Lebewesen  verursacht  werde. 

—  George  Graham  erfindet  das  Quecksilberpendel,  die  erste  Erscheii 
Grebiete  der  Kompensationspendel,  bei  denen  die  ungleiche  Aus 
verschiedener  Metalle  zur  Kompensation  dient. 

—  Der  holländische  Chirurg  John  Palffyn  erfindet  die  Geburtszange,  die  a 
schon  im  17.  Jahrhimdert  als  Geheimnis  von  den  Gebrüdem  Ch£ 
in  England  angewendet  wurde.  Die  Zange  w^ird  1724  von  Lorenz 
wesentlich  verbessert.  (S.  a.  1753  L.) 

—  Der  Holländer  Jacob  Rocgavean  entdeckt  die  Samoainseln  und  ne 
selben  Beimannsinseln;  1768  werden  sie  von  Bougainville  (s.  1766  I 
erforscht,  der  ihnen  den  Namen  „Navigatoreninseln**  (SchifFerinse 

172*2  George  Graham  nimmt  zuerst  wahr,  daß  nicht  nur  die  Deklination, 
auch  die  Inklination  von  Stunde  zu  Stunde  variiert. 

—  Der  Braumeister  Harwood  in  London  erfindet  die  Porterbrauerei.  '. 
wird  Porter  genannt,  weil  dasselbe  anfangs  hauptsächlich  von  Lai 
(Porter)  getrunken  wird. 

—  Ren6  Antoine  F.  de  Rteumur  gibt  auf  Grund  ausgedehnter  Versuche 
Vorschriften  zur  Bereitung  des  Zementstahls,  für  die  Mischung  des 

—      170     — 


1725 

pulvere,  den  Grad  und  die  Dauer  der  Hitze  und  die  Form  der  Zementöfen. 
Da  bishior  das  Verfahren,  Zementstahl  zu  gewinnen,  geheim  gehalten  wurde, 
bedeutet  diese  Veröffentlichung  einen  großen  Fortschritt  für  die  Eisen- 
industrie. 

1722  Ren6  Antoine  F.  it  Rtanniir  gibt  in  seiner  Schrift  „Nouvel  art  d'adoucir 
le  fer  fondu'*  ein  Verfahren  an,  zur  Grewinnung  von  schmiedebarem  G-uß- 
eisen  das  Roheisen  durch  Glühen  in  Sauerstoff  abgeben  den  Körpern  ohne 
Schmelzung  zu  entkohlen. 

—  Ren6  Antoine  F.  Ite  Rtannvr  gibt  in  seiner  Schrift  „L*art  de  convertir 
le  fer  forg6  en  ader"  eine  Anweisung,  durch  Zusammenschmelzen  von 
Gußeisen  und  Schmiedeeisen  Stahl  zu  bereiten  (Tempern).    (S.  a.  1728  P.) 

—  Jacopo  RIccttl  fördert  die  Lehre  von  den  Differentialgleichungen  und  macht 
sich  durch  die  von  ihm  aufgestellte  „Riccati'sche  Differentialgleichung" 
bekannt. 

1723  Jacob  LiMpoM  unterscheidet  in  seinem  „Theatrum  machinarum'*  die  deutsche 
Hebelade,  die  schon  1651  von  Daniel  Schwenter  beschrieben  worden  sei 
und  bei  welcher  die  veränderlichen  Drehpunkte  des  wirksamen  Hebels 
durch  zwei  Bolzen  gebildet  werden,  die  man  in  geeignete  Löcher  steckt, 
und  die  französische  Hebelade,  die  zuerst  in  Frankreich  (s.  1617  T.)  be- 
kannt geworden  sei  und  bei  welcher  die  veränderlichen  Drehpunkte  durch 
die  Einschnitte  einer  sägeartig  auf  zwei  gegenüberliegenden  Seiten  ver- 
zahnten und  senkrecht  stehenden  Stange  gebildet  werden. 

—  Jean  Antoine  Ptynootl  führt  zuerst  den  Nachweis  von  der  tierischen  Natur 
der  Polypen,  die  bald  allgemeine  Anerkennimg  erlangt. 

—  Jean  Antoine  PtyitoiMl  stellt  die  tierische  Natur  der  Korallen  fest. 

1724  J.  F.  LalltMW,  der  in  Kanada  als  Missionar  wirkt,  ist  als  einer  der  ersten 
Vertreter  der  ethnologischen  Ideen  anzusehen,  indem  er  nicht  nur  Einzel- 
tatsachen über  die  Sitten  der  Wilden  sammelt,  sondern  auch  die  gemachten 
Beobachtxmgen  unter  sich  und  mit  den  hypothetischen  Schlüssen  über  das 
Leben  imd  die  Lebensbedingimgen  der  Völker  vergangener  Zeiten  in  Ver- 
bindung bringt.    (S.  auch  1711  L.) 

—  Ren6  Antoine  F.  dt  Riaumur  beobachtet  zuerst  die  Entglasung  (die  Bildung 
krystaUifiierter  Körper  inmitten  eines  Glasflusses)  und  führt  derartige  Glas- 
flüsse unter  dem  Namen  R^aumur-Porzellan  ein.  Später  beschäftigen  sich 
namentlich  d*Arcet,  Keir,  Kersten  u.  a.  mit  diesem  Prozeß,  der  indes  für 
die  Technik  Bedeutung  nicht  gewinnt. 

n25  Charles  Fran^ois  de  Cistemay  Dutay  beobachtet,  daß  die  Luft  in  der  Nähe 
rotglühenden  Metalles  elektrisch  leitend  wird.  Entsprechende  Beobachtun- 
gen werden  von  Du  Tour  (1745).  Watson  (1746),  Priestley  (1767)  und  Ca- 
vallo  ^1785)  gemacht. 

"  John  Harrtton  erflndet  das  Rostpendel,  ein  Kompensationspendel,  das  von 
(Jeorge  Graham  noch  verbessert  wird. 

—  Johann  Friedrich  HtnM  gibt  in  seiner  „Pyritologia**  an,  daß  der  Pyrit 
bisweilen  Silber  und  Gold  enthält. 

—  Stephan  Ludwig  JaeoM  zu  Hohenhausen  in  Lippe-Detmold  erfindet  nach 
langjähriger  Beobachtung  des  Laich  Vorganges  die  künstliche  Befruchtung 
der  Fische,  indem  er  reifen  Forellen  die  Geschlechtsprodukte  abstreift,  die 
Eier  durch  Vermischung  mit  der  Milch  künstlich  befruchtet  und  sie  dann 
in  einem  Kasten  ausbrüten  läßt.  Doch  bleiben  seine  Anregungen  lange 
Zeit  unbeachtet.    (S.  1853  C.) 

—  Samuel  MolyiMUX  findet,  daß  der  Stern  y  Draconis  seinen  Platz  scheinbar 
verändert.  Untersuchungen,  die  er  mit  James  Bradley  unternimmt,  er- 
geben, daß  der  Stern  innerhalb  eines  Jahres  eine  geschlossene  ringförmige 

—     171     — 


1785 

Bahn  beschreibt  und  führen  Bradley  zur  Entdeckung  der  Ab 
Lichts.    (S.  1727  B.) 

1725  Die  von  Newcomtn  konstruierte  Maschine  (s.  1705  N.)  führt  sie 
sie  bereits  seit  1710  als  Bergbaupumpe  Verwendung  gefunden 
Kohlengruben  Englands  als  Wasserhaltungsmaschine  ein  und 
wesentliche  Änderung  vorbildlich  für  den  Bau  von  Wasserhaltung 
bis  Maudslay  (s.  1807  M.)  seine  erste  balancierlose  Maschine  l 

—  Christopher  Polhain  legt  auf  seinem  Eisenwerke  zu  Stemsjund 
schere  an,  die  er  durch  Wasser  betreibt. 

—  Der  russische  Großkanzler  und  Feldmarschall  Graf  Bestutditfl 
Lichtempfindlichkeit  der  Eisensalze. 

1726  Hippolito  Francesco  Albortiiil  bemüht  sich,  ati  der  Hand  eii 
reich  pathologisch  -  anatomischen  Erfahrung  die  Krankheitsz^ 
Herzens,  der  Lungen  und  die  aus  ihnen  entspringenden  pa 
Verhältnisse  dieser  Organe  während  des  Lebens  nachzuweis 
Grundsätze  ihrer  Behandlung  festzusteUen.  Er  führt  zuerst  p 
Experimente  aus. 

—  Friedrich  Constantin   von  Beutt  führt   auf   der  Saline  Glücksl 
Eisenach    statt    der   für   Gradierhäuser    bis    dahin    üblichen 
(s.  1579  M.)    Wände   aus   Schwarzdorn    (Pnmus   spinosa)    ein 
gradierung.) 

—  Guichard  Joseph  Du  Vornoy,  Bernhard  Siegfried  Alblnus  und  Jac< 
WIntlow  beschreiben  gleichzeitig  die  Sehnenscheiden,  deren  ] 
—  die  Tendovaginitis  crepitans  —  zuerst  von  Boy  er,  Velpeau  ui 
charakterisiert  wird. 

—  Stephen  Halet  teilt  in  seinem  Werke  „Vegetable  Staticks**  V 
einem  aus  Steinkohlen  gewonnenen  Gase  (Elastic  inflamm 
coals)  mit. 

—  Stephen  Halot  macht  die  erste  exakte  Messung  des  Blutdrucks 

—  Alexander  Monro  bearbeitet  die  Anatomie  der  Knochen,  des  Gehj 
weiblichen  Geschlechtsorgane  und  stellt  den  muskulösen  Bau 
mutter  fest. 

—  Der  Musiker  Jean  Philippe  RamoMi  in  Paris  bildet  durch  seil 
Systeme  de  musique  th^orique"  eine  neue  vereinfachte  Harmoi 

—  Wie  Schramm  in  seinem  Werke  „Saxonia  monumentis  viarun 
mitteilt,  konstruiert  der  kursächsische  Kartograph  Friedrich 
„geometrischen  Wagen",  welcher  die  Länge  des  zurückgele| 
selbsttätig  aufzeichnet. 

1727  Johann  Konrad  Amman  ist  der  erste,  der  die  Sprache  des  Mensc 
schaftlich  untersucht. 

—  Der  englische  Astronom  James  Bradloy  beobachtet  zuerst  das 
der  Aberration  des  Lichtes  und  erkennt  sofort,  daß  die  Aber] 
Folge  einer  Parallaxe  der  Fixsterne  ist,  sondern  daß  dieselbe 
vereinigte  Wirkung  der  Fortpflanzung  des  Lichts  und  der  Be 
Erde  zustande  kommt.  Weil  das  Licht  sich  nicht  unendlich 
pflanzt  und  weil  zugleich  die  Erde  sich  bewegt,  muß  eine  V 
der  Lichtquelle  nach  der  Seite,  nach  welcher  hin  sich  die  Ei 
stattfinden.  (S.  a.  1725  M.)  Er  ermittelt  aus  der  Größe  der  j 
der  Fixsterne  die  Geschwindigkeit  des  Lichtes  zu  der  gleichen 
sie  Römer  (s.  1676  R.)  gefunden  hatte. 

—  Leonhard  Eulor  erhält,  20  Jahre  alt,  für  seine  Abhandlung  übt 
Art  des  Bemastens  der  Schiffe  den  Preis  der  Pariser  Akademie 

—  Stephen  Gray  beobachtet  die  Fortpflanzung  der  Elektrizität  au: 

—     172     — 


1728 

Seidenfäden  aufgehängten  400  Fuß  langen  Draht,  der  die  erste  elektrische 
Drahtleitung  darstellt. 

1727  Stephen  Haltt  mißt  zuerst  die  Größe  und  Kraft  des  Saftstromes  an  ange- 
bohrten oder  abgeschnittenen  Pflanzenstengeln  und  Zweigen. 

—  Jacob  LtupoM  beschreibt  in  seinem  „Theatri  Machinarum  Supplementum'* 
Instrumente  zur  Schrittzählung  und  Wegmessung,  Hodometer,  Gyrometer 
nnd  Pedometer.  (S.  a.  100.)  Er  beschreibt  auch  eine  größere  Anzahl  von 
Treträdern,  Tretscheiben  und  Göpeln. 

—  Fran^ois  Pourfoiir  du  Pttit  arbeitet  über  die  Funktionen  des  Halssympathi- 
kus, über  die  später  Claude  Bernard  eingehende  Untersuchungen  macht. 

—  Der  Philologe  Johann  Heinrich  Schützt  in  Halle  benutzt  die  von  Fabricius 
(8.  1556)  entdeckte  Schwärzung  des  Chlorsilbers  durch  das  Licht,  um  aus 
einer  undurchsichtigen  Schablone  ausgeschnittene  Schriftzüge  im  Licht  auf 
weißen  Kreideschlamm  zu  kopieren.  Er  ist  also  der  erste,  der,  wenn 
auch  vergängliche,  Lichtbilder  erzeugt. 

—  Wtiditr  schlägt  als  Längenmaßeinheit  den  Abstand  der  Pupillen  des  er- 
wachsenen Menschen  vor. 

1728  Nachdem  Ballon  zuerst  im  16.  Jahrhundert  über  den  Keuchhusten  be- 
richtet hatte,  gibt  Alfetrty  ausführliche  Mitteilungen  darüber  und  legt  das 
klinische  Bild  der  Krankheit  in  seinen  Hauptzügen  richtig  dar. 

—  Veit  Btrfiif  unternimmt  mit  Morten  Spangberg  und  Alexei  Tschirikow 
eine  Entdeckungsreise,  bei  der  er  die  Küste  von  Kamschatka  kartographisch 
festlegt,  die  St.  Lawrence- Insel  entdeckt,  an  der  nordöstlichen  Spitze  von 
Asien  vorübersegelt  und  nachdem  er  bemerkt,  daß  die  Küste  sich  nach 
Westen  wendet,  daß  also  Asien  und  Amerika  durch  einen  Meeresarm  ge- 
trennt seien,  umkehrt  und  nach  seinem  Ausgangspunkt  Nishnij-Kamschats- 
koj-Ostroj  zurückkehrt.    (Vgl.  auch  1648  D.) 

—  Der  niederländische  Ingenieur  Cruqulus  verwirklicht  zuerst  den  Gedanken 
der  Darstellung  des  Bodenreliefs  durch  Niveaulinien  in  einer  Tiefenlinien - 
karte  des  Merwedeflusses. 

—  Leonhard  Eultr  führt  in  seiner  Abhandlung  „Nova  methodus  innumerabiles 
aequationes  differentiales  secundi  gradus  reducendi  ad  aequationes  differen- 
tiales  primi  gradus**  die  Differentialgleichimgen  zweiter  Ordnung  mit  zwei 
Variablen  auf  die  erste  Ordnung  zurück.  Mit  dem  gleichen  Gegenstand 
beschäftigt  sich  später  von  1747  ab  d'Alembert. 

"-  Patetn  konstruiert  einen  Seiden  Webstuhl ,  bei  dem  nach  Vorschrift  des 
Dessins  durchbohrte  Karten  verwendet  werden.  Schon  3  Jahre  vorher 
hatte  Bonchon  durchbohrtes  Papier  zum  gleichen  Zwecke  angewendet, 
das  sich  jedoch  als  nicht  haltbar  erwies. 

—  Pierre  Fauchanl  wird  durch  sein  Werk  „Le  Chirurgien  dentiste  ou  trait6 
des '  dents*'  der  Begründer  der  selbständigen  wissenschaftlichen  Zahn- 
heükonde. 

—  John  PMjm  schmilzt  im  offenen  Frischherd  Roheisen  und  Eisenschlacke 
mit  Zuschlägen  und  antizipiert  damit  eine  Grundidee  des  späteren  Martin - 
Prozesses.  (Vgl.  1864  M.)  Er  führt  gleichzeitig  mit  Major  Hanbury  das 
Walzen  der  Eisenbleche  in  England  ein. 

—  Henri  PItot  erfindet  das*  Verfahren,  die  Stromgeschwindigkeit  durch  die 
Steighöhe  der  Flüssigkeit  in  dem  lotrechten  Schenkel  einer  rechtwinklig 
gebogenen  Röhre  zu  messen,  deren  wagerechter  Schenkel  mit  der  Mündung 
dem  Strom  zugewendet  wird. 

—  Antonio  Vallltiitrl  deutet  das  Auftreten  zahlreicher  versteinerter  Überreste 
von  Wassertieren  in  den  verschiedenen  Schichten  der  Erde  dahin,  daß  das 
Festland  nicht  nur  einmal  (durch  die  Sintflut),  sondern  mehrmals  vom 
Meere  bedeckt  gewesen  sei.     (Vgl.  520  v.  Chr.  Xenophanes.) 

—      173     — 


1729 

1729  Alexis  Claude  dalraut  veröffentlicht,  18  Jahre  alt,  in  seinen  „Rechei 
les  courbes  k  double  courbure"  eine  bedeutsame  Schrift  über  Ran 
von  doppelter  Krümmung  und  erörtert  darin  in  systematischer  ^ 
Gleichimgen  mit  mehreren  Unbekannten. 

—  Nachdem  schon  Galilei  und  nach  ihm  Newton  über  die  Bewef 
Saiten  Untersuchungen  angestellt  hatten,  ermittelt  Leonhard  I 
Gesetze  dieser  Bewegungen.  Er  gibt  an,  daß  die  einfachen  Yer 
der  Saitenlängen  auch  ebenso  für  die  Schwingungen  der  Töne  l 
somit  den  Tonintervallen  aller  musikalischen  Instrumente  zukomi 
nicht  allein  denen  der  Saiten,  an  denen  die  Gesetze  entdeckt  wui 

—  Der  Goldschmied  William  Q«d  in  Edinburg,  welcher  seit  d.  J.  1 
sucht  hatte,  Schriftsatz  in  Gips  abzuformen  und  nach  den  so  er 
Matrizen  Druckplatten  zu  gießen,  verbindet  sich  mit  dem  Sohl 
Ftnntr  und  dem  Architekten  Jamet  in  London  zur  weiteren  Au 
dieses  Verfahrens  und  wird  damit  der  Erfinder  der  eigentliehei 
typie.     (Als  Vorläufer  s.  1710  Mey  und  Müller.) 

—  Stephen  Gray  entdeckt  den  Unterschied  zwischen  elektrischen  Leil 
Nichtleitern  und  erkennt,  daß  bei  gleich  großen  Körpern  die  M< 
Elektrizität  unabhängig  von  der  Masse  ist.  Die  Bezeichnung  „] 
toren"  für  Leiter  führt  1742  Desaguliers  ein. 

—  ehester  More  Hall  aus  der  Grafschaft  Essex  stellt  eine  achromatisc! 
her,  ohne  jedoch  das  Geheimnis  der  Darstellung  derselben  zu  off« 
So  kommt  es,  daß  erst  durch  DoUond  (s.  1757  D.)  die  Herstellung 
Linsen  öffentlich  bekannt  wird.  Der  Name  „Achromasie"  wird  en 
von  Lalande  1764  erfunden. 

—  Fran^ois  Petit  erklärt,  warum  Salpeter  aus  einer  kochsalzhaltigen 
kdt  rein  auskrystallisiert  und  so  von  dem  Kochsalz  getrennt  werd« 
damit,  daß  Kochsalz  in  heißem  und  kaltem  Wasser  gleich  löslich 
peter  aber  nicht. 

—  Thomas  TafflpiMianii  stellt  eine  umfassende  Messimg  aller  Teile  d 
an,  die  alle  früheren  Leistungen  (s.  1310  imd  1661  R.)  bei  weitei 
trifft  \md  für  die  gesamte  Erde  148510627  Quadratmeilen  ^Nautica 
miles)  ergibt.  Seine  Berechnung  erfolgt  in  der  Weise,  daß  er  die 
der  Landgebiete  in  Quadrate  einteilt  und  durch  Abzahlung  dieser  Q 
die  Anzahl  der  Flächeneinheiten  erhält. 

—  Der  Ingenieur  Tarral  verwendet  das  Zentrifugalgebläse  (s.  1689  P.)  zuc 
Betriebe  von  Feuerungen.  Die  erste  größere  Anwendung  zur  Vei 
macht  Desaguliers  (1730)  im  „House  of  commons",  nachdem  f 
zuerst  (1715)  von  ihm  angebrachte  Aspirationsventilation  nicht  1 
hatte. 

1730   Johann  Philipp  Brtyn  schreibt  ein  systematisches  Werk  über  Koi 
und  versucht  zuerst,   die  fossilen  Formen  in  das  System  mit  einz 

—  Magnus  von  Bromall  führt  die  verschiedene  Schmelzbarkeit  als  Keni 
der  Mineralien  an.  (Fast  gleichzeitig,  nämlich  1734,  tut  dies  aud 
Henkel.) 

—  Der  spanische  Arzt  Caspar  Casal  gibt  die  erste  Beschreibung  der  insbc 
in  den  Heimatsländem  des  Mais  weit  verbreiteten  Pellagra  (Mf 
Rosa),  die  nach  neueren  Forschungen  als  eine  chronische  und  pe 
wiederkehrende  Intoxikationskrankheit,  verursacht  durch  eine  b\ 
giftige  im  Mais  enthaltene  Substanz,  aufgefaßt  wird. 

^~  Jacques  Daviel  verbessert  die  Technik  der  Staroperation,  indem 
Lappenschnitt  einführt  und  die  dazu  nötigen  Instrumente  konstru 

—  Charles  Franyois  de  Cisternay  Duffay  leitet  die  Elektrizität  durc 
nassen   Bindfaden    1256   Pariser   Fuß    weit   fort   und   unterscheid« 

-      174     — 


1780 

Elektrizit&ten ,  von  denen  er  die  eine  Glaselektrizität,  die  andere  Harz- 
elektrizität  nennt.  (S.  a.  1727  G.) 
K)  Professor  Eccartot  in  Braunschweig  gibt  in  seinem  Werke  „De  origine 
Grermanomm"  an,  daß  bei  allen  Völkern  vor  der  Kenntnis  der  Metalle 
Steinwerkzenge  im  Gebrauch  waren,  und  daß  von  den  Metallen  zuerst  die 
Bronze  benutzt  wurde. 

Lieonhard  Eoltr  führt  die  nach  ihm  benannten  Integrale,  die  Betafunktion 
und  die  Gammafxmktion,  ein,  welche  auf  die  Entwicklung  der  Theorie  der 
Transzendenten  von  erheblichem  Einflüsse  sind. 

Nicolas  Falio  <•  Dulllltr  lenkt  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  die  perio- 
dischen Seespiegelschwankungen  des  Crenfer  Sees,  für  die  er  als  erster  den 
Namen  „Seiches"  gebraucht. 

Sigismund  August  FrobMlut  beschreibt  die  Darstellungsweise  des  zu  seiner 
Zeit  noch  nicht  allbekannten  Schwefeläthers  und  führt  dafür  die  Bezeich- 
nung „Äther**  ein.     (S.  1540.) 

Thomas  CMffiny,  ein  Glaser  in  Philadelphia,  erfindet  den  Spiegelquadranten. 
Die  französischen  Wundärzte  Qourtault  und  Roland  führen  die  erste  Oeso- 
phagotomie  (operative  Eröffnung  der  Speiseröhre)  aus.  Die  Operation  war 
bereits  1611  von  Verduc  empfohlen  worden. 

Stephen  Haiit  weist  auf  Grund  seiner  Untersuchungen  über  die  Saftbewegung 
in  den  Pflanzen  (s.  1727  H.)  und  über  die  Transpiration  und  Wasserbewegung 
im  Holz  auf  die  Notwendigkeit  hin,  die  Imprägnierung  des  Holzes  unter 
Druck  vorzunehmen. 

—  Friedrich   Hoffmanii   und   Anton  Elias  BQchnor   klären   die  Lehre   von   der 
Apoplexie  durch  den  Nachweis  des  Blutergusses  auf. 

—  Wie  Fauchard  berichtet,  hat  Lamfeert,  Chirurg  bei  Ludwig  XV.,  zuerst  die 
.  Resektion    des   Unterkiefers    bei    einem    jungen    Edelmann,    De   Barces, 

bewirkt. 

—  LsapoM  I.  von  Anhalt- Dessau  führt  den  eisernen  Ladestock  an  Stelle  des 
bis  dahin  gebrauchten  hölzernen  ein.  Die  eisernen  Ladestöcke  erlauben 
ein  viel  rascheres  Laden  und  tragen  1741  wesentlich  zum  Siege  von  MoU- 
witz  beL 

--  Georges  Marawlial  und  Jan  Daniel  Sehlleiitiiif  machen  gleichzeitig,  aber  un- 
abhängig voneinander,  die  ersten  Neurotomien.  zur  Beseitigung  der  Tri- 
geminusneuralgie,  indes  ohne  durchgreifenden  Erfolg. 

~~  Maüilea  lehrt  zuerst  in  Frankreich  die  Hasenhaare  zum  Zweck  des  Filzens 
mit  salpetersaurem  Quecksilber  behandeln.  Da  er  die  Methode,  die  er  in 
England  kennen  lernte,  geheim  hält,  kommt  für  diese  Arbeit  das  Wort 
„Secr^tage**  auf.  Bis  dahin  war  zum  Verfilzen  nur  Salpetersäure  ver- 
wendet worden, 

"^  Abraham  de  Molvra  veröffentlicht  in  seinem  Hauptwerk  „Miscellanea  ana- 
lytica"  den  nach  ihm  benannten  Moivre'schen  Satz,  der  einen  wichtigen 
Portschritt  in  der  Lehre  der  fmaginären  Größen  bedeutet  und  die  völlige 
Losung  der  kubischen  Gleichung  gestattet. 

^  Nach  dem  Vorgang  eines  gewissen  Lummis  bauen  Pathlty  und  dessen  in 
Botherham  ansässiger  Sohn  Pflüge  von  mathematisch  berechneter  Form, 
welche  den  Namen  „Rotherhamer  Pflüge'*  erhalten  und  1760  von  James 
Small  noch  wesentlich  vervollkommnet  werden. 

""  Jean  Philippe  Rameau  in  Paris  benutzt  die  Flageolettöne  zur  Erklänmg 
der  Konsonanz,  indem  er  annimmt,  daß  konsonierende  Töne  solche  sind, 
weiche  übereinstimmende  Flageolettöne  besitzen. 

*-  Ren^  Antoine  F.  de  Rtaumur  verfertigt  sein  Weingeistthermometer  mit  Tei- 
lung in  80  Grade,  wobei  der  Eispunkt  mit  0^,  der  Siedepunkt  des  Wassers 
mit  80^  bezeichnet  wird. 

—     175     — 


1780 

1730  Servington  Savery  gibt  die  Art  des  Magnetisierens  von  Eisenstäben  duicl 
einfaches  Streichen  mit  natürlichen  Magneten  an,  eine  Methode,  die  voi 
Gilbert  erwähnt,  aber  wieder  in  Vergessenheit  geraten  war. 

—  Jethro  Tüll  führt  die  Drillwirtschaft  ein,  d.  i.  Reihenbehackung  durch  Ma 
schinen  nach  vorhergehender  Maschinensaat.  Dies  führt  dazu,  daß  vo 
jetzt  ab  mehr  auf  die  Bauart  der  Ackergeräte  geachtet  wird. 

1731  Qottz  und  Trtw  führen  das  von  Rumphius  zuerst  beschriebene  Cajeputöl  i 
den  Arzneischatz  ein. 

—  Henri  Fran^ois  Le  Dran  verbessert  die  Operation  des  Steinschnitts  un 
die  Behandlung  der  Schußwunden,  lehrt  die  charakteristischen  Zeiche 
des  Empyems  und  gibt  Vorschriften  über  die  Behandlung  des  Krebses. 

—  Johann  Joosten  van  Musschmbrook  konstruiert  das  erste  Pyrometer,  das  ai 
der  Ausdehnung  eines  einzelnen  Metallstabes  beruht.  Der  Apparat  wii 
1736  von  Ellicott  verbessert. 

—  Jean  Louis  Petit  erwirbt  sich  große  Verdienste  um  die  Amputation,  i 
beschreibt  die  Vorgänge  der  natürlichen  Blutstillung  bei  verletzten  Arterie 
und  gibt  dadurch  die  Anregung  zu  vielen  Forschungen  auf  diesem  Gebie 
(S.  a.  1805  J.)  Im  gleichen  Jahr  begründet  er  die  chirurgische  Therapie  b< 
der  Erkrankung  der  Gallenwege.  Er  empfiehlt  bei  Stauung  der  Galle  di 
Entleerung  der  GaUenblase  durch  Punktion,  bei  durch  Steinbildung  vei 
anlaßten  Leiden  Eröffnung  der  Gallenblase  durch  den  Schnitt  zwecks  Ei 
traktion  der  Steine. 

1732  Hermann  Boerhaave  hebt  den  Unterschied  zwischen  chemischen  Verbii 
düngen  und  chemischen  Mischungen  hervor.  Er  sagt,  chemische  Verbii 
düngen  liegen  dann  vor,  wenn  sich  in  der  Ruhe  die  Bestandteile«  auc 
wenn  sie  verschiedenes  spezifisches  Gewicht  haben,  nicht  sondern  und  wen 
dieselben  in  ihren  kleinsten  Teilchen  überall  homogene  ZusammensetzuD 
zeigen.  Er  bespricht  die  Wärmeentwicklung  und  das  Verschwinden  d< 
charakteristischen  Bestandteile  beim  Entstehen  einer  chemischen  Verbii 
düng  als  etwas  Bekanntes. 

—  Hermann  BiMrfiaavt  beweist  die  Unrichtigkeit  der  Annahme  einer  pond( 
rabelen  Feuermaterie,  indem  er  große  Massen  von  MetaU  kalt  und  glühen 
wiegt  und  keinerlei  Veränderung  des  Gewichts  dabei  wahrnimmt. 

—  Hermann  Boerhaava  gibt  das  Prinzip  der  Schnellessigfabrikation  an.  (Vg 
1823  S.) 

—  Hermann  Boarhaavt  macht,  wie  G.  Berthold  in  den  Ann.  der  Phys.  un 
Chemie  nachweist,  die  erste  Beobachtung  und  Beschreibung  dee  Leidei 
frost'schen  Phänomens,  d.  i.  des  sphäroidalen  Zustandes  verdampfende 
Flüssigkeitstropfen,  den  Johann  Ellcr  erst  14  Jahre  später  beschreib 
(S.  a.  1756  L.) 

—  Christlieb  von  Clausborc  gibt  in  seiner  „Demonstrativen  Rechenkunst*'  ein 
eingehende  Behandlung  der  Wechsel-  und  Arbitragerechnung.  Der  Nam 
„Arbitrage**  hat  sich  von  da  ab  im  Börsenverkehr  dauernd  erhalten. 

—  Stephen  Gray  erfindet  den  Isolierschemel,  indem  er  einen  Knaben,  mit  dei 
er  elektrische  Versuche  unternimmt,  zur  Isolierung  auf  einen  Harzkuche 
stellt. 

—  Auf  Veranlassung  des  Marschalls  Moritz  von  Sachten  werden  die  ersten  Vei 
suche  mit  der  Kettenschif fahrt  unternommen. 

1733  Hermann  Boerhaave  prüft  die  Frage  der  Fixierung  des  Quecksilbers  i 
einem  feuerbeständigen  Metalle,  die  den  Gegenstand  der  Bemühung  de 
Alchemisten  gebildet  hatte  und  nimmt,  nachdem  er  Quecksilber  15  Jahr 
lang  in  einem  offenen  Gefäß  bei  wenig  erhöhter  Temperatur  gehalten  hattl 
keine  Veränderung  wahr.  Auch  in  verschlossenen  Gefäßen  bleibt  Quecksübei 
das  6  Monate  lang  stärkerer  Hitze  ausgesetzt  wird,  unverändert.    Dies  gib 

—      176     — 


17S4 

Boerhaave  VeranlaBBimg,  die  Fixierung  des  Qneoksilbers  für  unmöglich  nnd 
die  Prozesse  der  Alohemisten,  die  darauf  beruhen,  für  unrichtig  und  be- 
trügerisch zu  erklaren. 

1733  Der  schwedische  Chemiker  Georg  Brandt  entdeckt  das  metallische  Kobalt, 
das  in  ganz  reinem  Zustand  jedoch  erst  1780  von  Bergman  erhalten 
wird.  Er  lehrt  im  Verein  mit  J.  F.  Henckel  die  Herstellung  des  Arsens 
durch  Sublimation. 

—  Jacques  CftMlBl  und  Giovanni  Domenico  MaraNÜ  messen  das  Stück  des  Parallel- 
kreises zwischen  Brest  und  Straßburg  \md  finden  dasselbe  1037  Toisen 
kleiner,  als  es  bei  vollkommener  Kugelgestalt  der  Erde  hätte  sein  müssen. 
(Erste  eigentliche  Längengradmessung.) 

—  John  Kay  verbessert  den  Webstuhl  durch  Einführung  des  mechanisch  be- 
wegten  Schnell- Schützen   an  Stelle  des  Hand-Schützen  oder  -Schiffchens. 

—  John  Kay  konstruiert  eine  Schlagmaschine  zur  Auflockerung  der  WoUe. 

—  Jean  Jacques  Malran  spricht  in  seinem  „Trait^  physique  deTaurorebor^ale*' 
von  einem  wahrscheinlichen  und  engen  Zusammenhang  zwischen  dem  an 
die  Ekliptik  gebundenen  Zodiakallicht  und  dem  auf  polare  und  subpolare 
Bezirke  beschränkten  Nordlicht. 

—  Der  Mathematiker  Girolamo  Sacehtrl  entwickelt  in  seinem  Werk  „Euklides 
ab  omni  naevo  vindicatus",  das  lange  vergessen  war  und  dessen  Be- 
deutung erst  Beltrami  1889  hervorgehoben  hat,  eine  große  Anzahl  von 
Sätzen  der  nichteuklidischen  Geometrie,  obwohl  er  schließlich  doch  die 
euklidische  Geometrie  als  die  einzig  wahre  erklärt. 

—  Johann  Andreas  von  Sagnar  kommt  auf  den  Gedanken,  Newtons  Unter- 
suchungen über  Ebbe  imd  Flut  auch  auf  die  Lufthülle  der  Erde  an- 
zuwenden. Der  von  ihm  behauptete  Einfluß  des  Mondes  auf  die  Baro- 
metersch wankungen,  der  insbesondere  auch  von  Toaldo  1774  verfochten 
wird,  ist  nach  neueren  Untersuchungen  für  unsere  Breiten  wenigstens 
nicht  nachweisbar. 

—  Der  schwedische  Gymnasiallehrer  Vastanlut  erwähnt  zuerst  die  Protuberanzen 
der  Sonne. 

1734  Frlairicli  Wllbafm  I.  von  Preußen  erläßt  eine  eingehende  Instruktion  über 
die  Ausrüstung  der  Feldlazarette  und  die  Verpflegung  der  Kranken,  mit 
dem  Befehl,  auf  alles,  was  der  Gesimdheit  der  Soldaten  nachteilig  sein 
könne,  zu  achten.     (Erstes  Feldlazarettreglement.) 

—  Da  durch  Verwilderung  des  Flußlaufes  der  Weser  bei  Hameln  die  Schiff- 
fahrt eine  gefahrvolle  war,  wird  von  der  Stadt  Hamalii  neben  dem  Hamelner 
Wehr  ^ne  Schleuse  gebaut,  durch  welche  die  Weser  gleichsam  den  Cha- 
rakter eines  kanalisierten  Flußlaufes  erhält. 

"  Maliadal  spricht  zuerst  aus,  daß  die  Blitzsteine  (Lapides  fulmims  der  Kömer) 
die  Waffen  der  vorsintflutlichen  Menschen  seien,  welche  Ansicht  nach  ihm 
auch  von  Mercati  geteilt  wird. 

—  D'Ona-an-Bray,  der  Generalpostdirektor  von  Frankreich,  konstruiert  in  seinem 
Anemographen  (Windgeschwindigkeitsmesser)  den  ersten  Apparat  zur  selbst- 
tätigen graphischen  Registrierung  der  zeitlichen  Aufeinanderfolge  von  Er- 
scheinungen. 

1734^42  Ren6  Antoine  F.  IIa  Rtaimur  gibt  in  seinen  „Abbandlungen  zur  Natur- 
geschichte der  Insekten*'  wertvolle  Mitteilungen  über  die  Lebensweise, 
das  gesellige  Leben  der  Insekten,  die  Pflanzen,  auf  denen  sie  leben,  über 
ihre  Feinde  usw. 

1734  Der  schwedische  Theosoph  Emanuel  von  Swadanborg  entwickelt  in  seinen 
„Opera  philosophica  et  mineralogica**  ein  System  der  Natur,  dessen  Mittel- 
punkt die  Idee  eines  notwendigen  mechanischen  und  organischen  Zusatnmen- 
Darmstaedter.  12 

—     177     — 


1786 

hanges  aller  Dinge  ist.  In  demselben  Jahr  schreibt  er  sein  Buch  „De  Ferro" 
das  älteste  Handbuch  der  Eisenhüttenkunde. 
1735    Peter  Arttdl  bringt  durch  seine  nach  seinem  Tode  fl738)  von  Linn^  publi 
zierten  Arbeiten  über  die  Fische  eine  Reform  in  der  zoologischen  Systematil 
und  Terminologie  hervor. 

—  Johann  Friedrich  CasMMim  faßt  die  Anatomie  des  Ohres  in  einer  sm 
führlichen  Monographie  zusammen  und  gibt  zuerst  die  Einteilung  des  äußer 
Gehörgangs  in  einen  knorpeligen  und  einen  knöchernen  Teil.  Er  erwirl 
sich  große  Verdienste  um  die  genaue  Erforschung  der  Schnecke  und  Im 
richtigt  die  frühem  Irrtümer  über  eine  angebliche  Verbindung  zwische 
Schädel  und  Paukenhöhle. 

—  Von  den  unzähligen  Versuchen,  das  Feilenhauen  auf  mechanischem  We^ 
auszuführen  und  dazu  Maschinen  zu  konstruieren,  ist  der  erste  bekannte  di 
von  Duvergw  in  Paris,  dessen  Maschine  jedoch  ihrem  Zweck  nicht  voUständ 
entsprochen  zu  haben  scheint.  Ebenso  wie  die  Unzahl  der  nachher  e 
fundenen  Maschinen  beruht  sie  auf  dem  Prinzip,  eine  den  Meißel  tr 
gende,  vertikal  geführte  Stange  durch  einen  Daumen  zu  heben  und  duic 
eine  Feder  abwärts  schnellen  zu  lassen,  so  daß  der  Meißel  in  dem  auf  dei 
Schlitten  ruhenden  Feilenkörper  einen  Hieb  hervorbringt,  worauf  d 
Schlitten  um  den  Abstand  zweier  Hiebe  vorrückt.     (S.  1604.) 

—  Nachdem  schon  Halley  1686  eine  Theorie  der  Passatwinde  aufgestellt  hatt 
die  ungenügend  war,  da  er  auf  die  Rotationsablenkimg  keine  Rücksicl 
nahm,  findet  der  Physiker  George  Hadley  das  Hadley'sche  Gesetz  der  Passat 
wonach  alle  Windströmungen  durch  die  Erdrotation  abgelenkt  werdei 
und  zwar  auf  der  nördlichen  Halbkugel  nach  rechts,  auf  der  südliche 
nach  links. 

—  Nachdem  Dr.  Willis  in  London  1688  ein  Sauerwasser  bereitet  hatte,  di 
gleiche  Wirkungen  wie  das  natürliche  gehabt  haben  soU  (s.  a.  1572  T. 
steUt  Friedrich  Hoffmann  verschiedene  künstliche  Mineralwässer  her  und  gib 
Vorschriften  zur  HersteUung  von  Säuerlingen,  Bitterwässern  und  von  Karb 
bader  Salz.  Ihm  folgt  1750  Gabriel  Fran^ois  Vonel  in  Paris,  bei  dem  e 
jedoch  ebensowenig,  wie  bei  Hoffmann,  zu  einem  regelmäßigen  Absat 
kommt.  Ähnliche  Vorschläge  werden  1772  von  Priestley  und  1774  voi 
Bergman  gemacht,  welch  letzterer  auf  Grund  von  Analysen  Vorschriftei 
zur  Nachahmung  der  Wässer  von  Selters  und  Pyrmont  gibt. 

—  Roland  Houghton  in  Massachusetts  verbessert  den  Theodolit  soweit,  daß  e 
fortan  für  die  Zwecke  des  Landmessers  ein  handliches  Instrument  dar 
stellt.    Er  erhält  für  seine  Konstruktion  ein  siebenjähriges  Patent. 

—  Wennschon  die  Römer  den  Meerschaum,  ein  aus  kieselsaurer  Magnesia  be 
stehendes  Mineral,  zur  Herstellung  kostbarer  Gefäße  hier  und  da  benutx 
hatten,  so  wird  dessen  Verarbeitung  erst  eine  allgemeine,  als  KWitlltll  i 
Budapest  seine  Behandlung  mit  Fett  lehrt,  wodurch  er  fester,  dauerhafte 
und  politurfähiger  wird  und  sich  zu  Pfeifen  verarbeiten  läßt,  die  siel 
gleichmäßig  anrauchen.  Die  Kunst,  die  Meerschaumabfälle  durch  Zei 
reiben  und  Schlämmen  nutzbar  zu  machen,  wird  von  Christoph  Dreiß  ii 
Ruhla  erfunden. 

—  Karl  von  Llnni  teilt  in  seinem  „Systema  naturae*'  die  Tiere  in  seoh 
Klassen  ein:  Säugetiere,  Vögel,  Lurche,  Fische,  Kerbtiere  und  Würmei 
und  führt  die  schärfere  morphologische  Definierung  der  Gattung  allgc 
mein  durch. 

—  Karl  von  Linn6  weist  in  seinem  „Systema  naturae"  dem  Menschen  seine 
Platz  in  der  Klasse  der  Säugetiere  (Mammalia)  an.  Er  versucht  es,  di 
gesamte  Menschheit  in  ihre  natürlichen  Gruppen  zu  zerlegen  und  untei 
scheidet  nach  der  Farbe  vier  Menschenrassen,  den  schwarzen  Afrikanei 

—      178     — 


l        .. 


1786 

d^i  roten  Amerikaner,  den  gelben  Asiaten  und  den  weißen  Europäer. 
(Vgl.   1684  B.  und  1711  L.) 

1735  Jean  Jacques  Malran  schlägt;  zur  Bestimmung  der  Größe  der  Beschleuni- 
gung beim  freien  Fall  die  Methode  der  Koinzidenzen  vor,  die  darin  be- 
steht, daß  man  die  Schwingungsdauer  eines  Pendels  beobachtet,  die  Länge 
eines  mathematischen  isochron  schwingenden  Pendels  berechnet  und  aus 
diesen  Werten  die  zu  prüfende  Größe  herleitet. 

-  Mancliirt  in  Tübingen  bezeichnet  in  einer  i.  J.  1735  geschriebenen  Disser- 
tation die  Kakaobutter  als  ein  „Novum  medicamentum'*.  Hieraus  geht 
hervor,  daß  die  Verwendung  der  Kakaobutter  zu  Heilzwecken  erst  um  diese 
Zeit  aufgekommen  ist. 

1736  Daniel  B«nioulll  entwickelt  zuerst  die  Theorie  des  Wasserstoßes,  die  dann 
von  Coriolis  (1829),  Kavier  (1838)  imd  Weisbach  (1846)  weiter  ausge- 
baut wird. 

-  Daniel  Bernoalll  beschäftigt  sich  zuerst  mit  Untersuchungen  über  den  Aus- 
fluß von  elastischen  Flüssigkeiten  aus  Gefäßmündungen. 

-  Hermann  Botrhaavt  begründet  die  wissenschaftliche  Medizin  mit  dem  Satze: 
der  Arzt  ist  Diener  der  Natur.  Er  untersucht  systematisch  bei  Krank- 
heiten den  Harn,  benutzt  das  Thermometer  in  rationeller  Weise,  ins- 
besondere auch  bei  Fieber,  und  vereinfacht  die  Rezeptur. 

-  Der  französische  Mathematiker  Charles  Marie  d§  la  Condamlne  sendet  von 
seiner  Gradmessungsreise  aus  Peru  der  Pariser  Akademie  einige  KoUen 
einer  schwärzlichen,  harzigen  Masse,  die  unter  dem  Namen  Kautschuk  be- 
kannt war,  ein,  gibt  nähere  Mitteilungen  über  deren  Gewinnung  und  setzt 
seine  Untersuchungen  über  den  Kautschuk  bäum  mit  dem  französischen 
Ingenieur  Fresneau  (s.  1751  F.),  der  sich  in  Cayenne  niedergelassen  hatte, 
in  eingehender  Weise  fort. 

-  Henri  Louis  Duhamel  du  Monceau  erkennt  zuerst  die  besondere  und  vom 
Kali  verschiedene  alkalische  Natur  der  Basis  des  Kochsalzes,  die  er  als 
identisch  mit  der  Basis  des  ägyptischen  Natrum  und  der  spanischen  Soda 
bezeichnet.  Seinen  Beweis  für  die  Eigentümlichkeit  der  Soda  gründet  er 
hauptsächlich  auf  ihre  von  der  Pottasche  verschiedene  Löslichkeit.  Er 
stellt  zuerst  das  essigsaure  Natron  dar. 

Henri  Louis  Duhamtl  du  Monceau  stellt  fest,  daß  die  alkalische  Basis  des 
Borax  Natron  ist.  Er  findet  femer  das  Natron  in  geringer  Menge  im  Harn 
und  dem  Blute,  in  großen  Mengen  dagegen  in  der  Asche  der  Strand - 
gewächse.  Er  gibt  1747  an,  daß  bei  der  Verpflanzung  solcher  Gewächse 
ins  Binnenland  deren  Natrongehalt  abnehme,  der  Kaligehalt  dagegen  zu- 
nehme, was  von  Cadet  später  bestätigt  wird. 

Leonhard  Euler  wendet  in  seiner  „Mechanik"  die  Analysis  zuerst  auf  die 
Untersuchung  der  Bewegung  an. 

Die  in  Königsberg  seiner  Zeit  als  Scherzaufgabe  gestellte  Frage,  ob  man 
die  dortigen  7  Pregelbrücken  hintereinander  überschreiten  könne,  ohne 
eine  derselben  zweimal  zu  passieren,  veranlaßt  Leonhard  Euler  zu  einer 
wissenschaftlichen  Behandlung  dieser  Aufgabe  („Brückenaufgabe"),  und 
auf  diesem  Wege  zum  weiteren  Ausbau  der  Kombinatorik  und  Wahr- 
scheinlichkeitsrechnung. 

Albrecht  von  Haller  gibt  in  seiner  „Dissertatio  de  vasis  cordis  propriis" 
eine  eingehende  Beschreibung  des  Mechanismus  der  Bewegung  des  Herzens. 
Albrecht  von  Haller  betont  den  Nutzen  der  Galle  für  die  Fettverdauung. 
Nachdem  Huygens  1660  eine  durch  Federkraft  bewegte  Pendeluhr  zum 
Gebrauch  auf  See  konstruiert  und  Sully  seit  1703  sich  vergebens  mit 
der  Anfertigung  von  Längen uhren  mit  Unruhe  abgemüht  hatte,  verfertigt 
John    Harrleon    nach   Vorschlägen    des    holländischen   Uhrmachers    Massy 

12* 

—     179     — 


1786 

vorzügliche,  zur  Längenbefitimmnng  geeignete  Seeuhren  (Chronometer),  die 
allerdings  von  der  Temperatur  noch  nicht  unabhängig  waren.  Harmon 
erhält  für  seine  Chronometer  einen  von  der  englischen  Regierung  am- 
gesetzten  Preis. 
1736  Der  Engländer  Jonathan  Hulls  nimmt  ein  Patent  auf  ein  durch  eine  New* 
comen*sche  Dampfmaschine  bewegtes  Ruderradschiff,  welches  indes  nicht 
zur  Ausführung  gelangt. 

—  Nachdem  Bouguer,  de  la  Condamine  und  Godin  auf  der  Hochebene  von 
Quito  7300  Fuß  über  dem  Meere  i.  J.  1735  eine  Gradmessung  auBgefühit 
hatten,  die  die  Länge  des  Meridianbogens  zu  56753  Toisen  ergab  und  zur 
Einführung  der  Toise  von  Peru  führte,  unternimmt  Pierre  Louis  Moreaa 
di  Mauptrtult  mit  Clairault,  Lemonnier,  Outhier  und  Celsius  eine  Grad- 
messung in  der  G^end  von  Tomeä  in  Lappland,  bei  der  die  Länge  des  Med- 
dianbogens  zu  57  437  Toisen  festgestellt  wird.  Mit  der  Picard*schen  Messung 
(s.  1669  P.)  verglichen,  ergibt  sich  das  Resultat,  daß  die  Breitengrade  vom 
Äquator  nach  den  Polen  zu  wachsen,  womit  der  Beweis  geliefeit  ist,  daB 
die  Erde   nach  den  Polen  zu  abgeplattet  ist. 

—  Jean  Louis  Pttit  eröffnet  zuerst  zur  Entleerung  von  Eiter  aus  der  Mittel- 
ohrhöhle den  Warzenfortsatz.  Diese  Operation  wird  1776  von  dem  preufii- 
schen  Militärarzt  Fasser  wiederholt,  gerät  dann  aber  völlig  in  Vergessenheit 

—  Caspar  Franz  tfe  Rms  fördert  die  Rechenkunst  durch  sein  Buch  „Allge- 
meine Regel  der  Rechenkunst",  das  insbesondere  durch  die  nach  ihm  be- 
nannte Rees*sche  Regel  (Kettenregel,  Kettensatz)  bekannt  wird.  Doch 
stammt  die  Kettenregel  nicht  von  ihm  selber;  sie  wird  schon  von  Fibo- 
nacci  (1202)  erwähnt. 

—  Der  praktische  Arzt  Tsniuuit  in  Philadelphia  führt  Radix  Senegae  in  den 
Arzneischatz  ein.    (Vgl.  1636  R.) 

1737 — 80  Jean  Baptiste  Bourguignon  d'AnvIll«  gibt  eine  Anzahl  von  Landkarten 
heraus,  die  sich  durch  kritischen  Scharfsinn  in  der  Benutzung  des  Qudlen- 
materials  auszeichnen.  Er  zuerst  säubert  die  Karte  von  Afrika  von  den 
fabelhaften  Gebirgen  und  Flüssen,  die  auf  früheren  Karten  das  Innere 
erfüllen. 

1737  Bemard  Forrest  &§  Mlltfor  berichtet  in  seiner  „Architectura  hydraulica'* 
von  Maschinen  zur  Vertiefung  der  Seehäfen,  insbesondere  von  denen,  welche 
man  zu  Toulon  braucht.  Die  von  ihm  erwähnten  Baggermaschinen  ge* 
hören  zur  Gattung  der  Stielschaufel  —  und  der  Stiellöffelbagger.  (S.  a.  1718D.) 
Er  berichtet  ferner  über  die  Anwendung  horizontaler  Wasserräder  in  der 
Provence  und  dem  Dauphin^. 

«•  Philippe  Buicht  entwirft  eine  Karte  des  englischen  Kanals,  in  der  er  die 
Punkte  gleicher  Tiefe  durch  Kurven  ( Isobat hen)  darstellt. 

—  Leonhard  Eultr  begründet  in  seiner  Schrift  „De  fractionibus  continuii'' 
eine  eigene  Theorie  der  Kettenbrüche  und  zeigt,  daß  jeder  rationelle  Bnoh 
sich  in  einen  endlichen,  jeder  irrationelle  Bruch  sich  in  einen  unendMclieii 
Kettenbruch  verwandeln  läßt.  (Das  Wort  „Kettenbruch**  rührt  überhanpt 
erst  aus  der  Verdeutschung  der  von  Euler  zuerst  angewendeten  Besdeh* 
nung  „Fractio  continua**  her.) 

1737—43  Johann  Georg  Ckntlin  erforscht  Sibirien.  Er  stellt  fest,  daß  der  Spiegel 
des  K  aspischen  Meeres  tiefer  liegt  als  der  des  Schwarzen  Meeres.  Er  madit 
zuerst  auf  den  sibirischen  „Eisboden**  aufmerksam,  d.  i.  die  das  gania 
Jahr  hindurch  vorhandene,  auch  im  Sommer  nur  oberflächlich  auftauends 
Frostschicht  in  der  Erde,  welche  z.  B.  in  Jakutsk  bis  zu  186  m  Tiefe 
reicht.  Er  rückt  die  natürliche  Grenze  zwischen  Asien  und  Europa  \m 
zum  Jenissei,  wo  eine  neue  Fauna  und  Flora  an  die  SteUe  der  bisher  be* 

—      180     — 


17«8 

obaehteten   tritt.    Gmelin  wird   hiermit  der  Schöpfer  der   vergleichenden 
Greographie. 

17  Jean  Htitot  benutzt  Silbemitrat  als  sympathetische  Tinte  imd  l&ßt  die 
damit  anf  Papier  gebrachte  Schrift  durch  das  Sonnenlicht  schwärzen. 
Nicolas  Louis  §§  Laeaillt  macht  zuerst  auf  die  Vorteile  der  Kreislinie  für 
mikrometrische  Zwecke  aufmerksam,  die  unabhängig  von  Lacaille  auch 
von  Boscovich  1739  für  diesen  Zweck  empfohlen  wird.  Das  darauf  ge- 
gründete Kreis-  und  Ringmikrometer  wird  insbesondere  von  J.  G.  Bepsold 
und  Fraunhofer  wesentlich  vervollkommnet  und  seine  große  Brauch- 
barkeit namentlich  von  Olbers  und  Bessel  erwiesen,  die  besondere  Begeln 
für  seine  Benutzung  auf  theoretischem  Wege  ableiten. 

iS  Daniel  Binioalll  spricht  zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  die  Gasmolekeln  ganz 
unabhängig  voneinander  nach  allen  Richtungen  im  Raum  umherfliegen 
und  daß  es  dabei  zu  mannigfachen  Stoßen  derselben  gegeneinander,  wie 
gegen  die  sie  einschließenden  Wände  kommt,  von  denen  sie  wie  elastische 
Kugeln  zurückgeworfen  werden  (kinetische  Gastheorie). 
Daniel  BcmoHlll  schlägt  zuerst  vor,  die  Reaktionswirkung  des  aus  Röhren 
ausströmenden  Wassers  zum  Antrieb  von  Schiffen  zu  verwenden.  (Reak- 
tionspropeller. ) 

Daniel  BtniMlII  veröffentlicht  seine  „Hydrodynamik",  in  der  er  die  Theorie 
der  Wasser-  und  Windräder,  Wasserpumpen  und  -Schrauben  zum  Wasser- 
heben entwickelt.  Er  unterscheidet  zuerst  zwischen  dem  Druck  der 
ruhenden  Flüssigkeit  (hydrostatischem  Druck)  und  dem  der  bewegten 
Flüssigkeit  (hydrodynamischem  Druck).  Bezüglich  der  Windräder  ist  zu 
bemerken,  daß  sie  wahrscheinlich  am  Ende  des  11.  Jahrhunderts  in 
Deutschland  erfunden  worden  sind.  Die  früheste  Erwähnung  derselben 
geschieht  in  einem  Diplom  vom  Jahre  1 105,  in  welchem  einem  französischen 
Klost«:  die  Erlaubnis  zur  Anlage  von  Windmühlen  (Malendina  ad  ventum) 
erteilt  wird. 

-  OtMkil  #•  Thary,  MaraMI  und  Laeallls  machen  auf  Veranlassung  der  Aca- 
demie  des  sciences  Versuche  zur  Messung  der  Geschwindigkeit  des  Schalls. 
Als  Stationen  werden  das  Observatorium,  der  Montmartre,  Fontenay-aux- 
Roses  und  Monthlery  gewählt.  Von  10  zu  10  Minuten  wird  auf  einer 
bestimmten  Station  eine  Kanone  gelöst  und  auf  den  andern  Stationen  die 
Zeit  zwischen  Wahmehmimg  des  Lichtblitzes  und  der  Ankunft  des  Schalles 
beobachtet.    Die  sich  ergebende  Geschwindigkeit  ist  332  m/sec. 

-  Friedrich  Hoffmann  unterscheidet  zuerst  zwischen  dem  Sitz  des  Fiebers 
(den  fieberhaften  Symptomen)  und  dem  Ausgangspimkt  der  febrilen 
Ktankheit;  erstere  verlegt  er  ins  Herz  und  in  weiterer  Verfolgung  ins 
Zentralnervensystem,  letztere  findet  er  in  den  verschiedensten  Organen, 
namentiich  im  Magen-  und  Darmkanal.  Er  betrachtet  die  vermehrte 
Pulsfrequenz  als  das  wichtigste  Fiebersymptom. 

?38— 4 1  Der  deutsche  B  otaniker  Georg  Wilhelm  Stoller  bereist  im  Dienste  der  russi  - 
sehen  Regierung  Kamschatka  und  gibt  eine  treffliche  Beschreibung  des 
Landes.  Durch  ihn  wird  die  Kenntnis  der  Organisation  und  Lebens- 
weise der  seitdem  ausgerotteten  Seekuh  (Rhytina  Stellen)  erhalten. 

^38  Der  spanische  Staatsmann  Don  Antonio  da  UHoa  entdeckt  in  dem  gold- 
führenden Sand  des  Flusses  Pinto  in  Neugranada  das  Platin. 

-  Jacques  ds  Vancanton  konstruiert  durch  IThrwerk  betriebene  Automaten, 
einen  Flötenspieler,  einen  Pfeifer  und  eine  Ente,  welche  den  Anstoß  zu 
einer  großen  Anzahl  von  Nachbildungen  im  18.  und  zu  Anfang  des 
19.  Jahrhunderts  geben. 

•  John  Wyalt  erfindet  das  Spinnen  mit  Walzen,  wobei  mehrere  neben - 
und  übereinanderliegende  kleine  geriefte  Walzen  (Streckwalzen)  die  Baum- 

—      181      — 


1789 

wolle  zwischen  sich  hinziehen  und  ausdehnen.  Mangel  an  Kapital  hindert 
ihn,  die  Idee  im  Großen  auszuführen,  was  dann  durch  Liewis  Paul  von 
1741  ab  geschieht. 

1739  Bemard  Forrest  dt  Midor  wendet  zuerst  die  Differential-  und  Integral- 
rechnung für  technische  Zwecke,  namentlich  zur  Berechnung  der  Ausfluß- 
geschwindigkeit  des  Wassers  aus  senkrecht  stehenden  Röhren  von  kreb- 
förmigem  Querschnitte  an. 

—  John  Clayton  erhält  bei  der  Destillation  der  Steinkohle  ein  brennbares  Gas, 
dessen  Brennbarkeit,  wie  Richard  Watson  1767  konstatiert,  auch  beim 
Durchleiten  durch  Wasser  und  lange  Röhren  erhalten  bleibt.  Er  macht 
über  den  Steinkohlenteer  ausführliche  Angaben.     (Vgl.  auch  1681  B.) 

—  Leonhard    Eular    führt    den    Buchstaben  e  zur    Bezeichnung    der    Reihe: 

1  +  ^.  +/o  +  ii  0+--  =  2,7182818 ...  in  die  Mathematik  ein. 

1  1  *  ^  1  ■  Z'  o 

—  Fran^ois  Sauveur  Morand  macht  die  erte  Exartikulation  des  Oberschenkek 
(Hüftgelenks)  und  gibt  die  erste  Beschreibung  der  Osteomalacie,  die  von 
Lobstein  1819  ergänzt  wird. 

—  Johann  Heinrich  Pott  bearbeitet  eingehend  das  Wismut  und  seine  Prä- 
parate; die  hüttenmäßige  Gewinnung  des  Metalls  erfolgt  indes  erst  zu  An- 
fang des  19.  Jahrhunderts  in  Sachsen  aus  sächsischen  und  österreichischen 
und   in  England   aus   südamerikanischen  und  australischen  Erzen. 

—  Der  Dubliner  Arzt  Rutty  gibt  die  erste  verläßliche  Beschreibung  des  Rück- 
fallfiebers.    (Febris  recurrens.) 

1740  Jean  Attruc  schreibt  ein  Werk  „De  morbis  venereis  libri  novem**,  in  welchem 
er  die  Geschichte,  die  Ätiologie  und  die  Therapie  der  Syphilis  so  behan- 
delt, daß  diese  Schrift  auch  heute  noch  für  den  medizinischen  GreechiohtB- 
schreiber  unentbehrlich  ist. 

—  Der  Bergrat  Johann  C'hristian  Barth  in  Freiberg  macht  die  Beobachtung, 
daß  Indigo  sich  mit  Schwefelsäure  zu  einem  wasserKmlichen  Farbstoff  ver- 
einigt, welcher  alsbald  zur  Erzeugung  von  Sächsischblau  und  Sächflischgrän 
Verwendung  findet. 

1740 — 42    Veit  B«rlnc  unternimmt  mit  Tschirikow  eine  weitere  Reise  (s.  1728  B.)* 
auf  der  er,  von  Ochotsk  ausfahrend,  den  Peter- Pauls -Hafen  in  der  Avatscha- 
Bai  zur  Überwinterung  anläuft.    Die  Gesellschaft,   die  durch  G«org  Wil- 
helm Steller  vergrößert  wird,  verläßt  ihr  Winterquartier  am  4.  Juni  1741» 
durchfährt   die  Beringstraße   und   erreicht  am  15.  Juli  die  nordwestlicbo 
Küste  Amerikas  zwischen  58  und  59^  n.  Br.,  entdeckt  den  Mount  St.  Elia^ 
die  Aleuten,  umfährt  dann  Alaska  und  ankert  am  5.  November  1741  b€ä 
der  Beringinsel.  Nach  dem  am  8.  Dezember  eingetretenen  Tode  von  Berix^ 
kehren  die  übrigen  Teilnehmer  auf  einem  aus  den  Resten  des  alten  Schiff* 
selbstgezimmerten  Fahrzeug  nach  Kamschatka  zurück. 

1740    Charles  Marie  d0  la  Condamlne  mißt  in  Quito  die  SchaUgeschwindigkeit  s^ 
339  m,  in  dem  beträchtlich  wärmeren  Cayenne  zu  357  m.    (Vgl.  1738  Cl 

—  William  Cullm,  Professor  in  Edinburg,  gründet  die  gesamte  Lehre  von  den 
Erkrankungen  auf  die  Neuropathologie. 

—  DMialllet  führt  in  seinen  unter  dem  Pseudonym  „Telliamed**  erschienenen 
„Entretiens  d'un  philosoplie  indien*'  die  Idee  aus,  daß  das  Festland  dnich 
Ablagerung  aus  dem  Meere  entstanden  sei,  dessen  beständiges  Zurück» 
weichen  die  Kontinente  frei  gelegt  habe  (Neptunismus). 

—  Thomas  Dover  erfindet  das  nach  ihm  benannte,  aus  Opium,  Ipecaouanhi 
und  Milchzucker  bestehende  Dover'sche  Pulver,  welches  gegen  DurchfiDft 
und  als  schweißbringendos  und  schlaf  beforderndes  Mittel  angewendet  wird. 

—  Henry  Louis  Duhamtl  du  Monceau  macht  zuerst  auf  die  Beziehungen  zwischen 
der  Entwicklung  der  Vegetation  und  dem  Klima  aufmerksam. 


—      182     — 


j 


1741 

1740  Jean  Charles  Franst  erfindet  die  Kreidetechnik  (Mani^re  du  crayon),  eine 
Ahart  des  Kupferstichs,  mittels  welcher  eine  Zeichnung  ähnlich  der  Kreide- 
zeichnung erzielt  werden  kann. 

—  Jean  Paul  da  Qua  de  Malvat  veröffentlicht  seine  „Usages  de  T  Analyse  de 
DescarteB'S  worin  er  u.  a.  die  Anzahl  der  komplexen  Gleichungswurzeln 
auf  geometrischem  Wege  bestimmt. 

—  Die  Brüder  Havart  zu  Ronen  erfinden  den  Baumwollsamt  (Manchester  oder 
Velvet). 

—  Jean  Hfllot  in  Paris  gibt  die  erste  Theorie  des  Färbeprozesses. 

—  Benjamin  Hiintmiaii  in  Sheffield  erzeugt  zuerst  Tiegelgußstahl,  indem  er 
Schweißstahl,  den  er  durch  Zementieren  (Glühen  weicher  Schmiedeeisen - 
Stabe  in  Holzkohle)  erhält,  in  Tiegeln  umschmilzt. 

—  Jean  Jacques  Malran  bestimmt  die  Höhe  des  Nordlichtes,  die  er  auf  mehr 
als  100  Meilen  berechnet. 

—  Der  Pariser  Möbelfabrikant  Martin,  dem  auch  die  Vernis-Martin- Arbeit  (d.  i. 
eine  Art  japanischer  Lackmalerei  auf  Kutschwagen  usw.)  zu  verdanken  ist, 
erfindet  das  Papier  mach6. 

—  Der  Marschall  Moritz  von  Sachtan  erfindet  die  Amüsetten,  einpfündige,  der 
Infanterie  als  Regimentsgeschütze  beigegebene  Kanonen. 

—  Lazzaro  Moro  führt,  von  der  Neubildung  einer  Insel  im  G^lf  von  Santorin 
im  Jahre  1707  ausgehend,  aUe  Veränderungen  der  Erdoberfläche  auf  die 
durch  unterirdische  Hebungskräfte  bewirkte  Auftreibung  einzelner  TeUe 
der  Erdrinde  zurück. 

—  Christopher  Polhoni  erfindet  den  Support  der  Drehbank  und  die  schwe- 
dische Hebelade. 

—  Esaias  Ward  errichtet  die  erste  Schwefelsäurefabrik  in  Richmond.  Er  er- 
hitzt ein  Gemenge  von  Schwefel  imd  Salpeter  in  eisernen  Kapseln  und 
fängt  die  Schwefelsäuredämpfe  in  gläsernen  Vorlagen  auf. 

—  Josias  WoHferacht  erforscht  in  methodischer  Weise  die  Gelenke  imd  Bänder 
des  menschlichen  Körpers.  Er  macht  darauf  aufmerksam,  daß  die  Pulswelle 
in  den  dem  Herzen  näher  gelegenen  Arterien  etwas  früher  auftritt  als  in 
den  entfernteren,  wie  namentlich  in  der  Arteria  dorsalis  pedis. 

—  Der  Mediziner  Paul  Gottlieb  Warlhoff  macht  die  Blutfleckenkraukheit  zum 
Gregenstand  eines  besonderen  Studiums  und  schildert  zuerst  die  nach  ihm 

•  benannte  Krankheit  „Morbus  maculosus  Werlhofii''.  Im  Anschluß  an  die 
Torti' sehen  Arbeiten  über  Wechselfieber  (s.  1712  T.)  bemüht  er  sich  um 
die  weitere  Einführung  der  Chinarinde. 
1741  Nicolaus  Andry  bewirkt  durch  sein  Werk  „Die  Kunst  bei  den  Kindern  die 
Ungestaltheit  des  Körpers  zu  verhüten  und  zu  verbessern*'  einen  großen 
Aufschwung  der  Orthopädie,  der  er  auch  den  Namen  gibt. 

—  Der  englische  Militärarzt  Archibald  Claland  führt  bei  Ohrenkranken  eine 
silberne  Röhrensonde  durch  die  Nase  in  die  Eustachische  Röhre  ein,  um 
Luft  oder  Flüssigkeit  einzuspritzen.  Eine  derartige  Katheterisierung  an  sich 
selbst,  und  zwar  vom  Munde  aus,  hatte  vorher  (1724)  der  Postmeister  Guyot 
in  Versailles  gemacht.    (S.  1704  V.) 

—  Pierre  Demourt  untersucht  die  Struktur  des  Glaskörpers  an  gefrorenen 
Augen  und  findet,  daß  derselbe  aus  muschelförmig  aneinander  gelagerten 
Teilchen  besteht,  welche  sich  schieb tenartig  an  die  hintere  Fläche  der 
Linse  anlegen  und  durch  eine  sehr  feine  Membran  von  ihr  getrennt  sind. 

—  Henry  Louis  Duhamel  du  Moncaau  betont  zuerst,  daß  die  Neubildung  von 
Knochengeweben  vorzugsweise  aus  dem  Periosteum  (Knochenhaut)  statt- 
finde, eine  Ansicht,  die  auch  von  Flourens  (1847)  geteilt  wird. 

—  Antoine  Farreln  stellt  zuerst  akustische  Experimente  an  dem  heraus- 
geschnittenen Kehlkopf  an  und  entdeckt,    daß  die  Vibration  der  Stimm- 

—      183     — 


1741 

bänder  der  hauptsächlichste  Faktor  bei  der  Erzeugung  der  Stimme  ist 
Er  vergleicht  die  Stimmbänder  mit  den  Saiten  der  Streichinstrumente  und 
bezeichnet  sie  als  Chordae  vocales. 

1741  Claude  Joseph  QMflfroy  zeigt,  daß  sich  die  medizinische  Seife  in  dem  drei- 
fachen Crewicht  Weingeist  löst  und  die  Auflösung  bei  niedriger  Temperatur 
zu  einer  durchscheinenden  Masse  —  Seifenspiritus  —  gesteht.  Bergman 
führt  den  Grebrauch  dieses  Seifenspiritus  zur  Untersuchung  von  Mineral- 
wässern ein. 

—  Olaf  Peter  HJflrtar  in  Upsala  erkennt  den  störenden  Einfluß  des  Nordlichts 
auf  die  Magnetnadel. 

—  MItfdIeton  stellt  zuerst  außer  Zweifel,  daß  die  Hudsonbai  ein  Mittelmeer 
des  Atlantischen  Ozeans  ist. 

—  Lewis  Pial  verwendet  zum  Lockern  der  Baumwolle  an  Stelle  der  bisher 
verwandten  Stockkarden  zylindrische  Karden,  denen  er  eine  drehende  Be- 
wegung gibt,  und  vereinigt  durch  eine  sinnreiche  Vorrichtung  die  erhaltenen, 
der  Breite  des  Kardenbeschlags  entsprechenden  Locken  zu  einem  Bande 
von  beliebiger  Länge. 

—  Johann  Peter  SOBmIlch  begründet  durch  sein  Werk  „Die  göttliche  Ordnung 
in  den  Veränderungen  des  menschlichen  Geschlechts  aus  der  Greburt,  dem 
Tode  und  der  Fortpflanzung  desselben  erwiesen"  die  statistische  Sozial- 
wissenschaft. 

1742  Thomas  Bolaovtr  erfindet  die  Kunst  des  Silberplattierens,  die  1758  von 
Joseph  Hancock  in  Sheffield  zuerst  in  großem  Maßstabe  betrieben  wird. 
Eine  Silberplatte  wird  auf  eine  etwa  achtmal  so  starke  Kupferplatte  ge- 
legt, nachdem  die  Berührungsfiächen  der  beiden  Platten  gut  geränigt  und 
mit  Borax  bestreut  worden  sind.  Nun  werden  sie  ausgeglüht  und  so  lange 
zwischen  starken  Stahlwalzen  gestreckt,  bis  sie  die  gewünschte  Dünne  er- 
langt haben. 

1742 — 1753  Johann  Gottfried  BranM  und  Johann  Gottfried  Zinn  machen  im  An- 
schluß an  die  Cassebohm'schen  Arbeiten  über  die  Schnecke  (a.  1735  C.) 
epochemachende  Forschungen  über  den  Nervenapparat  der  Sohnecke. 

1742  Anders  CeMut  schlägt  die  heute  für  wissenschaftliche  Zwecke  allgemein 
adoptierte  hundertteilige,  nach  ihm  benannte,  Celsius*sche  Thermometer- 
skala vor.  Er  setzt  den  Siedepunkt  bei  0^  und  den  Gefrierpunkt  bei  100^, 
welche  Skala  1745  von  Linn^  umgekehrt  wird.  Daß  Morton  Stromer  die 
Skala  verändert  habe,  ist  irrtümlich. 

—  Louis  de  Cormontalgnt  verbessert  Vauban*s  sog.  1.  System  (s.  1673  V.)  durch 
Vergrößerung  der  Bastione  und  Baveline,  völlige  Sichtdeckung  der  Graben- 
mauern  und  Verminderung  des  Kommandements  des  Hauptwalla.  Er  be- 
lierrscht  mit  seinen  Ideen  auf  lange  Zeit  den  Festungsbau  Europas. 

—  Albrecht  von  Haller  führt  die  in  Surinam  schon  lange  arzneilich  verwendete 
Quassia  in  den  europäischen  Arzneischatz  ein. 

•^  Joseph  Ututaud  begründet  durch  seine  anatomischen  Werke  die  sog.  chiroT' 
gische  Anatomie.  Er  entdeckt  das  nach  ihm  benannte  Dreieck  am 
Grunde  der  Harnblase. 

—  Roger  Long  versucht  nach  der  zuerst  von  Halley  (s.  1693  H.)  angewendeteD 
Wägemethode  das  Verhältnis  von  Wasser  und  Festland  auf  der  Erde  fest- 
zustellen. Er  nimmt  von  einem  Erdglobus  die  Papierbedeckung  ab« 
trennt  Land  und  Wasser  voneinander  imd  findet  so  das  Verhältnis  von 
Land  zu  Wasser  =  124:  349,  also  ungefähr  1 :  3. 

—  Colin  Maclaurln  stellt  die  Maclaurin*sche  Formel  zur  Entwicklung  der  Funk- 
tionen in  Reihen  auf  und  macht  bahnbrechende  Untersuchungen  über  den 
Stoß  und  über  Ebbe  und  Flut.  Vgl.  seine  Schriften  „Greometria  organica' 
(1720)  und  „Treatise  of  fluxions"  (1742). 

—     184     — 


k«* 


1748 

742  Andreas  vm  twafe  stellt  Zink  durch  Reduktion  von  Galmei  und  Destillation 
ans  geschlossenen  Gefäßen  her  und  macht  hierdurch  dieses  Metall  der 
Industrie  zugänglich.  Er  gibt  Anweisungen  für  rationelle  Herstellung  von 
Messing  durch  Zusammenschmelzen  von  Zink  und  Kupfer. 

—  TtcMJiHldii  umwandert  die  Nordspitze  Asiens,  die  nach  ihm  Kap  Tschel- 
juakin  genannt  wird  und  erst  1878  wieder  von  Nordenskjöld  erreicht  wird, 
der  am  19.  und  20.  August  dort  mit  der  Vega  verweilt. 

743  Jean  le  Rond  D'Atamfetrt  stellt  den  Satz  auf:  Wirken  auf  ein  System  mit- 
einander verbimdener  Punkte  Kräfte,  die  eine  gewisse  Beschleunigung 
hervorrufen,  und  fügt  man  solche  Kräfte  hinzu,  welche,  wenn  die  Punkte 
frei  wären,  die  entgegengesetzten  Beschleunigungen  bewirken  würden,  so 
tritt  Gleichgewicht  ein  (D'Alembert'sches  Prinzip). 

—  Daniel  BeniMHI  veranlaßt  den  Baseler  Mechaniker  Johann  DIstrIch  Huf- 
eisenmagnete herzustellen  und  entdeckt  Beziehungen  zwischen  der  Trag- 
kraft solcher  Magnete  und  ihren  Oberflächen  und  Gewichten. 

—  Alexis  Clalrmiilt  entwickelt  in  seiner  „Theorie  de  la  flgure  de  la  terre  tir6e 
deaprincipes  de  Thydrostatique*' zuerst  die  partiellen  Differentialgleichungen, 
durch  welche  man  die  Gesetze  des  Gleichgewichts  einer  flüssigen  Masse 
ausdrücken  kann,  wenn  auf  ihre  Teile  beliebige  Kräfte  einwirken.  Er  stellt 
das  Clairault'sche  Theorem  auf,  wonach  die  Änderung  der  Schwere  auf  der 
Oberfläche  der  als  elliptisches  Sphäroid  gedachten  Erde  von  der  Art,  wie 
die  Dichte  der  inneren  Schichten  sich  ändert,  unabhängig  ist,  somit  bloß 
von  der  Form  der  Oberfläche  abhängt  und  zeigt,  wie  man  mittels  einer 
einfachen  Formel  aus  dem  Unterschied  der  Schwerkraft  am  Äquator  und 
an  den  Polen  der  Erde  deren  Abplattung  berechnen  kann. 

~  FVMrlch  dsr  QroBt  erläßt  ein  Feldlazarettreglement  (vgl.  auch  1734  F.), 
in  welchem  er  die  Hauptlazarette  von  den  mobilen  oder  fliegenden  Ambu- 
lanzen scheidet. 

—  Christian  August  Hamen  führt  auf  Veranlassung  seines  Schülers  Litzendorf  eine 
Elektrisiermaschine  aus,  die  aus  einer  durch  eine  Kurbel  drehbaren  Glas- 
kugel besteht,  welche  mit  der  Hand  gerieben  wird.  Diese  Maschine  gibt 
schon  wesentlich  bessere  Resultate  als  Guericke*8  Schwefelkugel  (s.  1663  G.) 
und  Hawksbee*s  Glaskugel.    (S.  1706  H.) 

—  R.  Jeanliifi  legt  bei  Howden  York  die  ersten  Überschlämmungswiesen  an. 
Rieselungswiesen  existierten  schon  vorher  in  England,  imd  zwar  in  Wiltshire, 
wo  von  1690  bis  1700  gegen  20000  Acres  berieselt  und  unter  Aufeicht  eines 
Wässerungsvorstandes  gestellt  wurden. 

—  Andreas  Sigismund  Marggraf  bestreitet  Stahl's  Ansicht,  daß  die  Phosphor - 
säure  phlogistierte  Salzsäure  sei  und  zeigt,  daß  sie  diirch  Erhitzen  mit 
brennbaren  Stoffen  stets  wieder  zu  Phosphor  wird,  worin  er  einen  Beweis 
sieht,  daß  Phosphor  aus  Säure  imd  Phlogiston  besteht.  Er  gibt  ein  Ver- 
fahren der  Phosphorfabrikation  an,  indem  er  gefaulten  Harn  zur  Honigdicke 
verdunstet,  10  Teile  des  Rückstandes  mit  1  Teil  Homblei  und  Va  T^^^  Kohle 
mischt  und  das  Ganze  erhitzt,  bis  es  sich  in  ein  schwarzes  Pulver  ver- 
wandelt hat,  aus  dem  alsdann  der  Phosphor  abdestilliert  wird. 

"~  Christopher  Packt  veröffentlicht  die  älteste,  überhaupt  existierende,  aller- 
dings noch  unvollkommene  geologische  Karte,  die  ein  Areal  von  32  eng- 
lischen Meilen  im  Osten  der  Grafschaft  Kent  umfaßt. 

*"  Pringle  und  HHxliam  bezeichnen  zuerst  die  bis  dahin  mit  Catarrhus  epide- 
micus,  Tussis  epidemica  usw.  bezeichneten  Krankheit  mit  dem  Namen  In- 
fluenza (influxus).  Bemerkenswert  ist,  daß  Christian  Calenus  in  Greifs- 
wald,  der  die  Ansteckungsfähigkeit  der  Krankheit  schon  hervorhebt,  die- 
selbe „Ob  occulta  quadam  coeli  influentia"  hervorgehen  läßt. 

"•    Servington  Savsry  gibt  das  für  die  Entwicklung  der  Mikrometrie  ungemein 

—      185     — 


1748 

wichtige  Prinzip  der  Doppelbilder  an,  auf  Grund  dessen  das  erste  Dop 

bildmikrometer  1 752  von  John  DoUond  konstruiert  wird.    Andere  Dop 

bildmikrometer   werden  von   Amici    (gegen  1820),     Airy  (1840),    Stein 

A  (gegen  1840),    Clausen    (1841),     Bigourdan    (1896)    und    vielen    and< 

angegeben. 

1743  Thomas  Slmpton  stellt  zur  Korrektion  des  durch  die  astronomische  Strah 
brechung  gegebenen  Fehlers  Formeln  zusammen,  die  durch  Zusamn 
wirken  von  Theorie  und  Empirie  erhalten  sind  und  von  Lalande  (T 
und  Hennert  (1796)  verbessert  werden. 

1744  Auf  Empfehlung  des  Bischofs  Berktity  wird  das  Teerwasser  eist  in  i 
land   und  dann  auf  dem  Kontinent  vielfach  zu  Heilzwecken  angewen 

—  Georg    Matthias    Bote   bemerkt,    daß   man   die   elektrische  Wirkung 
Hausen'schen  Elektrisiermaschine  (s.  1743  H.)  verstärken  kann,  wenn  i 
die  Elektrizität  von  der  Kugel  durch  eine  blecherne  Röhre  (Konduktor) 
sammelt. 

—  Pierre  Bougiitr  teilt  in  den  „Memoires  de  TAcad^mie  royale'*  seine   B< 
achtungen  über  die  Schneegrenze  in  den  Anden  mit  und  knüpft  wich 
Betrachtungen  über  die  Gesetze,    denen  ihr  Verlauf  unterworfen  ist. 
Er  faßt  diese  Grenze  im  wesentlichen  als  eine  klimatische  auf.    (S.  1516 

—  Leonhard  Eutor  behandelt  die  ersten  Probleme  der  Variationsrechnung 
gibt  das  erste  Lehrbuch  der  Variationsrechnung  heraus.     („Methodue 
veniendi  curvas  mazimi  minimive  proprietate  gaudentes".) 

—  Johann  Heinrich  Lambert  findet.  16  Jahre  alt,  bei  der  Berechnung 
Kometen  von  1744  das  „Lambert'sche  Theorem",  den  für  die  parabolii 
"Bahn  eines  Himmelskörpers  gültigen  Satz,  daß  die  Zeit,  in  der  ein  Bc 
durchlaufen  wird,  nur  von  der  Sehne  des  Bogens  und  der  Summe  der 
gehörigen  Radien vektoren  abhängig  ist.  Auf  das  Lambert'sche  Theo 
gründet  Olbers  seine  berühmte  Methode  zur  Berechnung  der  Konie 
bahnen. 

—  Jean  Ph.  Loys  de  Cheseaux  behauptet  zuerst  die  Absorption  des  Lic! 
beim  Durchgang  durch  den  Weltraum,  welcher  Behauptung  1823  Ol 
beitritt. 

—  Pierre  Louis  Moreau  de  Maupertuls  stellt  das  Prinzip  der  kleinsten  Wirk 
auf:  „Wenn  in  der  Natur  eine  Veränderung  vor  sich  geht,  so  ist  die  für  d 
Veränderung  notwendige  Tätigkeitsmenge  die  kleinstmöglichste.**  Di 
nach  Maupertuis  benannte  Prinzip  wird  durch  Euler  (1753)  noch  w« 
ausgebaut. 

—  Alexander  Monro  veröffentlicht  das  erste  Handbuch  der  vergleichen« 
Anatomie. 

—  Der  Organist  G^org  Andreas  Sorge  in  Hamburg  entdeckt  die  Kob 
nationstöne,    die   1754  unabhängig  von    ihm    von    Tartloi   entdeckt 

\  nach   dem  letzteren  „Tartini'sche  Töne**  genannt  werden.      Den  Nai 

Kombinationstöne  erhalten  sie  1805  durch  G.  U.  A.  Vieth. 

—  Der  Naturforscher  Abraham  Trembley  in  Leiden  erkennt  die  SüBwas 
polypen  als  tierische  Organismen,  und  entdeckt,  daß  sich  dieselben  o 
Beeinträchtigung   ihrer   Lebensfähigkeit   zerschneiden,     beispielBweiBe 

I  Länge    nach     halbieren    lassen.      Auch     zeigt    er    die   Möglichkeit    eo 

dauernden  Vereinigung  verschiedener  getrennter  Teile,  indem  er  den  al 
schnittenen  Tentakelteil   eines   kleinen  Süßwasserpolypen  Hydra   mit 
entgegengesetzten  Hälfte  eines  anderen  Exemplars  verwachsen  läßt. 

—  Antonio  da  Ulloa  und  Pierre  Boucuer  geben  die  erste  Beschreibung  der 
ihnen    auf   dem    peruanischen  Hochland    beobachteten,   später  „Brocli 
gespenst**  genannten  Erscheinung,  sowie  die  des  weißen  Regenbogens. 

—  Johann  Heinrich  Winkler  in  Leipzig  konstatiert  zuerst,    daß  die  Erde 

—     186     — 


1745 

Leiter  der  Elektrizität  zu  gelten  hat  und  daß  das  Wasser  ein  guter 
Leiter  ist,  was  beides  später  für  die  Telegraphie  von  Wichtigkeit  wird. 
1745  Bernhard  Siegfried  AlMmn,  Anatom  in  Leiden,  entwirft  die  von  Wandelaar 
gestochenen  anatomischen  Tafeln,  von  denen  Haller  sagt  „Albinas  seu 
natura".  Seine  Untersuchungen  über  das  Muskelsystem  bilden  für  lange 
Zeit  die  Grundlage  der  Kenntnis  dieses  Organsystems. 

—  Der  englische  Techniker  Barkar  erfindet,  wie  Desaguliers  angibt,  das  Re- 
aktionswassorrad. 

->  Jacopo  Bartolommeo  Btecarl  zeigt  zuerst,  daß  das  Mehl  aus  Stärkemehl 
und  Kleber,  dem  Eiweißkörper  der  Gretreidearten  zusammengesetzt  ist. 
Spätere  Forschungen  ergeben,  daß  das  Weizenmehl  ungefähr  12,  das 
Roggenmehl  9 — 10  Prozent  Kleber  enthält.  Die  Hauptmenge  des  Klebers 
befindet  sich  in  der  Kleie. 

—  Charles  Bannet  stellt  den  Satz  auf,  daß  eine  unimterbrochene  Stufenfolge 
zwischen  dem  vollkommensten  Tier  und  dem  niedrigsten  pflanzlichen 
Lebewesen  bestehe. 

—  Charles  Bamiat  weist  durch  zahlreiche  exakte  Versuche  nach,  daß  bei  ge- 
wissen Würmern  zerschnittene  Stücke  wieder  zu  vollständigen  Tieren  aus- 
wachsen  und  imtersucht  eingehend  die  zuerst  von  Leeuwenhoek  (s.  1703  L.) 
beobachtete,  ohne  Befruchtung  durch  Männchen  stattfindende  Fortpflan- 
zung (Parthenogenesis)  der  Blattläuse. 

—  Der  Oberst  William  Caaka  gibt  im  Anschluß  an  den  Vorschlag  von  Sir 
William  Platt  (s.  1652  P.)  ein  Schema  für  eine  Dampfheizung,  bei  welchem 
durch  ein  schlangenförmig  angeordnetes  System  von  Kupferröhren  der 
Dampf  durch  sämtliche  Zimmer  eines  Hauses  geleitet  werden  soll.  Die 
erste  Anwendung  dieser  Heizung  macht  1784  James  Watt  zur  Heizung 
seines  Arbeitszimmers. 

—  Craai  erfindet  den  Melograph,  eine  Vorrichtung  am  Pianoforte,  die  alles, 
was  auf  demselben  gespielt  wird,  zu  Papier  bringt,  so  daß  beispielsweise 
Improvisationen  damit  festgehalten  werden  können.  Der  Apparat,  seit- 
dem in  den  verschiedensten  Formen  ausgeführt,  hat  bisher  noch  keinen 
durchschlagenden  £rfolg  gehabt.  (S.  a.  1900  K.) 

—  Der  Dekan  Ewald  Jürgen  van  Klaist  in  Cammin  erfindet  die  elektrische  Ver- 
stärkungsflasche, die  1746  durch  Musschenbroek  in  Leiden  allgemein  be- 
kannt und  infolgedessen  als  Leidener  Flasche  bezeichnet  wird.  In  ihrer 
frühesten  Form  besteht  sie  aus  einem  Fläschchen,  das  zum  Teil  mit 
Wasser  gefüllt  ist  und  in  der  Hand  gehalten  wird.  Die  Hand  bildet  die 
äußere,  das  Wasser  die  innere  Belegung ;  ein  hinein  gestellter  Nagel  macht 
die  innere  Belegung  von  außen  zugänglich. 

~  Der  Arzt  Christian  Gottlieb  Kratzanstsln  verwendet  die  Leidener  Flasche 
zu  Heilzwecken,  indem  er  versucht,  die  Lähmung  eines  Fingers  durch  elek- 
trische Schläge  zu  heilen. 

—  Johann  Nathaniel  LlabarfcOhn  erfindet  das  sogenannte  Korrosions  verfahren 
zur  Herstellung  anatomischer  Präparate.  Er  füllt  die  feinen  Grefäße  mit 
gefärbter  Harzmasse  aus  und  ätzt  das  die  Gefäßausgüsse  trennende  Ge- 
webe mit  Schwefelsäure  fort.  Diese  Methode  wird  von  Hyrtl  noch 
verbessert. 

—  Johann  Nathaniel  LIabarkOhn  entdeckt  die  Lieberkühn'schen  Drüsen,  welche 
den  für  den  Verdauungsvorgang  wichtigen  Darmsaft  absondern. 

■*  Nachdem  die  Academia  del  Cimento  in  Florenz  bereits  i.  J.  1667  Ver- 
öffentlichungen über  die  elektrische  Leitungsfähigkeit  der  Flamme  gemacht 
hatte,  die  aber  wieder  in  Vergessenheit  geraten  waren,  entdeckt  Henry 
Ullas,  Pfarrer  zu  Tovting  in  der  Grafschaft  Surrey,  i.  J.  1745  die  Leitungs- 
fähigkeit der  Flamme  für  die  Elektrizität  wieder. 

—     187     — 


1746 

1745  Percival   Pott  erfindet   für    die   Mastdarmflstel,    die  früher    meist  darch 
Ätzung  oder  Ligatur,  später  auch  mit  dem  Messer  behandelt  worden  war^ 
ein  besonderes  Bistouri  und  verbessert  dadurch  die  chirurgische  Behandlung 
wesentlich.     Er  studiert  im  gleichen  Jahre  die  Caries  der  Wirbelsäule,  di» 
nach  ihm  „Malum  Pottü'*  genannt  wird. 

—  Benjamin  RoMnt  konstatiert  bei  seinen  umfangreichen,  mit  Hilfe  des  voih. 
ihm  erfimdenen  ballistischen  Pendels  unternommenen  Versuchen,  daß  sich^ 
das  Newton'sche  Luftwiderstandsgesetz  für  mit  großer  Anfangsgeschwin- 
digkeit abgeschossene  Körper  nicht  anwendbai*  zeigt,  weshalb  LeonhanL 
Euler  i.  J.  1763  die  Einführung  geeigneter  Hilfstafeln  zur  Korrektur  der 
Resultate  vorschlägt.    (S.  a.  1859  N.  und  1863  B.) 

—  Johann  Christian  Anton  Thtdtn  macht  bei  Operationen  die  G-Ueder  durch 
feste  Umschnürung  unempfindlich. 

—  Antonio  da  Ulloa  sieht  zuerst  ein  Südhcht  (Aurora  australis)  am  Kap 
Hoom.  Späterhin  werden  solche  Südlichter  von  Cook  imd  seinem  Begleiter 
J.  R.  Forster  als  eine  fast  alltägliche  Sache  beschrieben. 

—  Johann  Heinrich  Winkler  verbessert  die  Elektrisiermaschine,  indem  er, 
statt  die  Kugel  mit  den  Händen  zu  reiben,  auf  den  Rat  des  Leipziger 
Drechslers  Giessing  Kissen  als  Reibzeuge  verwendet,  welche  er  durch 
Federn  gegen  die  Glaskugel  drückt. 

1746  Pierre  BoufiMr   veröffentlicht   sein  Werk  „Trait6  de  navire'%   welches  als 
die  eigentliche  Grundlage  des  theoretischen  Schiffbaues  anzusehen  ist. 

—  Antoine  Dtpardtux  erwirbt  sich  durch  sein  Buch  „Essai  sur  les  probabilit^ 
de  la  vie  humaine"  große  Verdienste  um  die  Statistik.  Er  führt  in 
diesem  Buche  zuerst  den  Begriff  der  mittleren  Lebensdauer  eines  Neuge- 
borenen ein. 

—  Albrecht  von  Halltr  gibt  in  seiner  Abhandlung  „De  respiratione  experi- 
menta  anatomica'*  eine  Darstellung  der  Mechanik  der  Atembewegungen, 
die  von  Georg  Erhard  Hamberger  bekämpft  wird,  der  in  der  Folge  be- 
züglich der  Rippenbewegung  Recht  behält. 

—  Henry  Hatklnt  nimmt  ein  englisches  Patent,  um  aus  Teer  ( Holzteer f)  eine 
Essenz  (Spirit)  zu  extrahieren  und  das  Pech  aus  dem  Rückstande  zu 
gewinnen. 

—  Pierre  Joseph  Macqutr  zeigt,  daß  sich  der  weiße  Arsenik  mit  wässerigen 
Alkalien  verbindet  und  nennt  die  so  entstehenden  arsenigsauren  Salze  irr- 
tümlich Arseniklebem. 

—  Johann  Heinrich  Pott  entdeckt  bei  Untersuchung  der  im  Feuer  verglas- 
baren Steine  eine  eigentümliche  Erde,  die  wie  Carthäuser,  Scheele  und 
Bergman  nachweisen,  sich  weder  in  Kalk  noch  in  Tonerde  verwandeln 
läßt.  1811  wird  dieselbe  von  L.  M.  Smithson  als  Kieselsäure  erkannt. 
(S.  1811  S.) 

—  Johann  Heinrich  Pott  fördert  die  chemische  Analyse  durch  seine  „Chymischen 
l^ntersuchungen ,  welche  vorzüglich  von  der  Lithogeognosie,  ingleichen 
vom  Feuer  und  dem  Licht  handeln'*. 

—  John  Rotblick  wendet  zuerst  zur  Fabrikation  der  Schwefelsäure  Blei- 
kammern an,  in  welchem  er  ein  Gemisch  von  Schwefel  und  Salpeter 
verbrennt. 

—  Nachdem  Varenius  schon  erkannt  hatte,  daß  ein  Fluß  sein  Bett  bei  ge- 
steigerter Strömung  tiefer  einschneiden  kann,  spricht  sich  zuerst  der 
Ästhetiker  Johann  G^org  Sulztr  für  die  Talbildung  durch  fließendes  Wasser 
aus,  welcher  Ansicht  1774  Guettard,  1791  J.  L.  Heim  folgen,  worauf  dann 
1795  James  Hutton  mit  aller  Bestimmtheit  die  Theorie  der  Talbildimg 
durch  fließendes  Wasser  erörtert,  eine  Lehre,  die  1849  durch  J.  D.  Dana 
lind  1857  durch  George  Greenwood  zu  allgemeiner  G^ltimg  gebracht  wird. 

—     188     — 


1747 

1746  Benjamin  WlbM  erkennt,  daß  die  auf  der  Leidener  Flasche  angesammelte 
Elektriat&tsmenge  mit  der  Größe  der  Belegongen  direkt  proportional,  mit 
der  Dicke  der  isolierenden  Zwischenschicht  umgekehrt  proportional  ist, 
wobei  er  gleiche  Spannung  voraussetzt.  Dies  Gesetz  wird  1773  von 
H.  Cavendish  experimentell  bewiesen. 

—  Johann  Heinrich  WlnklMr  weist  durch  Analogieschlüsse  überzeugend  nach, 
daß  Schlag  und  Funken  der  verstärkten  Elektrizität  für  eine  Art  des 
Donners  und  Blitzes  zu  halten  sind.    (Vgl.  1708  W.) 

—  WIR  in  Zürich  erfindet  die  Spiralpumpe,  eine  zur  Wasserförderung  dienende 
Maschine,  bei  welcher  ein  um  eine  horizontale  WeUe  schraubenförmig  ge- 
wondenes  Rohr  mit  dem  einen  Ende  aus  einem  Wasserbehälter  abwechselnd 

<  Wasser  und  Luft  schöpft,  wobei  der  Inhalt  des  Spiralrohrs  durch  die  fort< 
gesetzte  Umdrehung  in  einem  Steigerohre  in  die  Höhe  geschraubt  und  eine 
verhältnismäßig  große  Hubhöhe  des  Wassers  erreicht  wird.  (S.  a.  1897  G.) 
1747—48  Theodore  BarMi  lehrt  zuerst  die  Konstitution  des  Borax  genauer  kennen 
und  stellt  denselben  aus  seinen  Bestandteilen  dar;  er  zeigt,  daß  derselbe 
an  sich  nicht  flüchtig  ist,  sondern  nur  unter  Beihilfe  von  Wasserdampt 
snblimiert. 

1747  Nachdem  die  große,  einen  Zeitraum  von  26000  Jahren  umfassende  Pende^ 
long  der  Erdachse  (Präzession)  schon  im  Altertume  (s.  146  v.  Chr.  Hip- 
parchos)  beobachtet  worden  war,  entdeckt  James  Bradlsy  die  Nutation  der 
Erdachse,  eine  durch  die  Anziehung  des  Mondes  bedingte  kleinere  Achsen- 
Schwankung  von  etwa  19  jähriger  Periode. 

—  George  Louis  Leclerc  dt  Bvffon  stellt  einen  Brennspiegel  von  bedeutender 
Größe  dadurch  her,  daß  er  168  kleine,  16  zu  21  cm  messende  Planspiegel 
ro  einem  einzigen  Hohlspiegel  vereinigt.  Es  gelingt  ihm  damit,  ein  ge* 
teertes  Tannenbrett  auf  47  m  Entfernung  in  Brand  zu  setzen.  Der  Vor- 
schlag  zur  Herstellung  großer  Brennspiegel  durch  Zusammensetzung  zahl- 
reicher kleinerer  Spiegel  ist  zuerst  von  Anthemios  (s.  632)  erwähnt  worden. 

—  Leonhard  Eator  entwickelt  zuerst  in  vollständiger  Weise  die  Theorie  der 
Wage. 

—  Leonhard  Eutar  schlägt  zur  Erzielung  der  Achromasie  und  Vermindenmg 
der  sphärischen  Aberration  vor,  das  Objektiv  des  Mikroskops  aus  mehreren 
geeignet  angeordneten  einfachen  Linsen  zusammenzusetzen  und  schlägt 
auch  schon  vor,  solche  Linsen  mit  Wasser  zu  füllen.  (S.  1729  H.  und  1767  D.) 

—  LMtlnpiMUiiM  macht  in  den  Abhandlungen  der  schwedischen  Akademie 
der  Wissenschaften  die  ersten  Mitteilungen  über  die  Erzeugung  von  Alkohol 
ans  Kartoffeln.    (S.  a.  1760  M.) 

—  Andreas  Sigismund  Marggraff  entdeckt  den  Zuckergehalt  der  Runkelrübe 
und  weist  nach,  daß  der  darin  enthaltene  Zucker  Rohrzucker  ist.  Seine 
diesbezügliche  Abhandlung  führt  den  Titel  „Chymische  Versuche,  einen 
wahren  Zucker  aus  verschiedenen  Pflanzen,  die  in  imsem  Ländern  wachsen, 
zu  ziehen**. 

—  Thomas  Simpson  behandelt  in  seinen  „Elements  of  plane  geometry**  eine 
Reihe  elementarer  Maxima-  und  Minimaaufgaben  auf  geometrischem  Wege, 
Er  gibt  die  nach  ihm  benannte,  in  der  Technik  viel  verwendete  Simpson *8che 
Regel  zur  angenäherten  Berechnung  des  Inhalts  von  Flächen  und  Körpern  an. 

—  Wüliam  WatMNi  bemerkt,  daß  die  Elektrizität  im  luftleeren  Räume  mit 
glänzenden  Strahlen,  wie  das  Nordlicht,  und  auf  größere  Abstände  als  im 
lufterfüllten  Räume  von  einem  Körper  zum  andern  geht  und  macht 
den  Versuch,  die  Greschwindigkeit  der  Elektrizität  zu  bestimmen,  wobei 
er  findet,  daß  der  Entladungsschlag  einer  Leidener  Flasche  eine  Drahte 
leitung  von  ungefähr  einer  halben  geographischen  Meilenlänge  mit  unmeß^ 

—     189     — 


1748 

barer  Geschwindigkeit  durchläuft.     Ähnliche  Versuche  hatte  Le  Monii 
das  Jahr  zuvor  unternommen. 
1748    Jean  le  Rond  d'Aiembert  behandelt  simultane  Dilferentialgleichaiigen  i 
löst  Differentialgleichungen  durch  Eliminationen  zwischen  der  Gleichi 
und  der  differentiierten  Gleichung,  wobei  er  auf  singulare  Lösungen  komi 

—  Jean  le  Rond  d'Aiembert  behandelt  außer  den  simultanen  Differentialg 
chungen  auch  die  Lehre  von  den  partiellen  Differentialgleichungen, 
von  Euler,  der  sich  zuerst  —  1734  —  mit  den  partiellen  Different 
gleichungen  beschäftigt  hatte,  in  seiner  1762  erschienenen  „Inveetigs 
functionum  ex  data  differentialium  conditione*'  weiter  geführt,  und  ai 
von  Condorcet,  Monge,  Laplace  und  Legendre  gefördert  wird. 

—  Pierre  Bougiier  bringt  die  Herstellung  eines  Heliometers  in  Vorschlag, 
w^ill   übereinstimmend   mit    der    jetzigen   Form    dieses   Instrumentes 
Objektiv  mittels  eines  Schnittes  durch  die  optische  Achse  in  zwei  Half 
zerlegen    und   den   beiden  Linsenhälften   eine  meßbare  Bewegung  in 
Richtung  des  gemeinsamen  Halbmessers  geben. 

—  Wie  Johann  Baptista  Do  Halde  in  seiner  Beschreibung  des  Chinesisol 
Reiches  mitteilt,  bedienen  sich  die  Chinesen  zur  Wasserförderung  ei 
geneigten  Patemosterwerkes  (Schaufelwerkes).  Du  Halde  hebt  her^ 
daß  der  Betrieb  dieser  Maschine  in  China  ebenso  alt  sei,  wie  der  Acli 
bau  selbst. 

—  Leonhard  Euler  in  seiner  „Introductio  in  analysin  infinitorum'%  und  z 
Jahre  später  Gabriel  Crainer  in  seiner  „Introduction  ä  Tanalyse  des  lig 
courbes  alg^briques"  bauen  in  systematischer  Weise  die  höhere  Kurv 
lehre  aus.  Der  von  Euler  und  Cramer  bemerkte,  und  erst  von  Lam6  (18 
gelöste  scheinbare  Widerspruch  zwischen  der  Anzahl  der  eine  ebene 
gebraische  Kurve  bestimmenden  Pimkte  imd  der  Zahl  der  unabhängi| 
Schnittpunkte  zweier  Kurven  derselben  Ordnung  heißt  das  „Euler-Cram) 
sehe  Paradoxon". 

—  Friedrich  der  Qrofie  führt  im  preußischen  Festungsbau,  im  Gegensatz  zu 
damals    fast    unbeschränkt   herrschenden   französischen   Befestigung, 
kasemattierte  Grabenflankierung  und  die  kasemattierte  Batterie  (s.  1826 '. 
ein,  und  sorgt  für  permanente  Abschnitte  zur  abschnittsweisen  Verteidigt 
und  für  gesicherte  Unterbringung  der  Besatzung. 

—  Christian  Ludwig  Qenten  entwickelt  zuerst  die  Anschauung,  daß  das  ( 
Tau  bildende  Wasser  aus  dem  Boden  hervortrete. 

—  Stephen    Haies    erfindet    das   Eudiometer,    welches    aus   einem   oben 
schlossenen  graduierten  Glasrohr  besteht  und  zur  Bestimmimg  des  San 
Stoffgehaltes  der  atmosphärischen  Luft  dient. 

—  Peter  Kretodimer  schlägt  eine  neue  Methode  des  Rajolens  vor,  die  da 
besteht,  daß  er  durch  Bearbeiten  des  Bodens  in  die  Tiefe  abwechsel 
den  Untergrund,  der,  wie  er  meint,  fruchtbarer  als  die  Krume  sei,  ni 
oben  bringt.    (Beginn  der  Tiefkultur.) 

—  Jullien  La  Mettrie  weist  in  seinem  Buche  „L'horame  machine"  zuerst  i 
die  Einheit  des  Bauplans  aller  Wirbeltiere  hin. 

—  Pierre  Le  Roy  in  Paris  erfindet  die  freie  Hemmung  für  Unruhuhren. 

—  Pierre  Joseph  Macquer  stellt  aus  dem  Rückstand  der  Darstellung  von  S 
petersäure  (durch  Destillation  von  Salpeter  mit  weißem  Arsenik)  das  ai 
niksaure  Natron  in  reinem  Zustande  dar. 

—  Johann  Friedrich  Meckel  der  Ältere  entdeckt  das  „Ganglion  Meckelii"  u 
fördert  die  Anatomie  des  Kehlkopfes,  des  Bauchfells,  der  Lymph-  u 
Chylusgefäße. 

—  Der  Abb6  Jean  Antoine  Noilet  entdeckt  die  Diffusion  von  Flüssigkeit 

-       190     — 


1749 

welche  durch  Scheidewände  getrennt  sind,  indem  er  den  Austausch  von 
Wasser  und  Alkohol  durch  eine  Sohweinsblase  beobachtet. 
r4S  Robert  Slniioii  trägt  im  Verein  mit  seinem  Schüler  Matthew  Stewart  durch 
seine  elementar-geometrischen  Untersuchungen  und  durch  Neuherausgabe 
der  Euklidischen  „Porismata**  und  der  „Loci  plani"  des  ApoUonios  zur 
Weiterentwicklung  der  Geometrie  in  hervorragender  Weise  bei. 

—  Jacques  4»  Vauauison  führt  degm  König  Ludwig  XV.  einen  Wagen  vor,  der 
vom  Wagenlenker  durch  Eurbeldrehung  in  Bewegimg  gesetzt  wird  —  ein 
Vorläufer  der  Selbstfahrer. 

1749  Jean  le  Rond  iPAtombert  macht  die  Bewegungen  der  Erdachse,  welche  daher 
rühren,  daß  der  Erdkörper  nicht  rein  sphärisch,  sondern  ein  abgeplattetes 
Ellipsoid  ist,  zum  Gegenstand  einer  eingehenden  Untersuchung,  die  auch 
für  die  Folgezeit  maßgebend  bleibt.    (Vgl.  1747  B.) 

—  Durch  William  Watsons  Beobachtung,  daß  der  Schlag  der  Leidener  Flasche 
am  so  stärker  sei,  an  je  mehr  Punkten  man  die  Außenfläche  berühre, 
kommt  Dr.  Btvif  auf  den  Gedanken,  die  Außenfläche  anfangs  mit  dünnen 
Bleiplatten  und  dann  mit  Zinnfohe  zu  belegen.  Wation  fügt  dann  noch 
die  innere  Belegung  mit  Zinnfolie  hinzu  und  gibt  so  der  Flasche  ihre  end- 
gültige Gestalt.  Dr.  Bovis  erkennt  dann,  daß  die  Form  der  Flasche  nicht 
wesentlich  ist,  belegt  Glasscheiben  auf  beiden  Seiten  bis  einen  Zoll  breit 
vom  Rande  mit  Zinnfolie  und  erhält  mit  diesen  Tafeln  dieselben  Wir- 
kungen wie  mit  Flaschen.  Diese  Tafeln  werden  später  Franklin 'sehe  Tafeln 
genannt. 

—  Pierre  BoufiMr  schlägt  unter  Berichtigung  des  Huygens'schen  Vorschlags 
(s.  1672  H.)  die  Pendellänge  unter  dem  45.  Breitengrade  als  Längenmaß- 
einheit vor.  De  la  Condamine  will  die  Pendellänge  am  Äquator  als  Maßeinheit 
angewendet  wissen.  (Die  von  ihm  nach  Beendigung  der  peruanischen  Grad- 
messung  daselbst  veranlaßte  Denkmalsinschrift  lautet  „Mensurae  naturalis 
exemplar,  utinam  et  universalis' '.) 

1749^88  Georges  Louis  Leclerc  de  Buffon  gibt  seine  „Histoire  naturelle  generale 
et  particuli^re"  heraus,  die,  wenn  ihr  auch  die  streng  wissenschaftliche 
Methode  Linn^'s  fehlt,  doch  in  bezug  auf  die  Wahrheit  der  Beschreibimg 
und  die  Schönheit  der  Bilder  so  anregend  wirkt,  daß  sie  in  fast  alle  leben- 
den Sprachen  übersetzt  wird. 

1749  Georges  Louis  Leclerc  d«  Buffon  betont  zuerst  die  wesentliche  Artver- 
schiedenheit  der  (süd) amerikanischen  Tierarten  von  den  altweltlichen. 

-~  Georges  Louis  Leclerc  de  Buffon  macht  auf  den  Parallelismus  in  der  Gestalt 
der  einander  zugewendeten  Grenzen  der  Alten  und  Neuen  Welt  aufmerk- 
sam, auf  den  Humboldt  (1845),  der  von  einem  atlantischen  Tale  spricht, 
dn  großes  Gewicht  legt. 

—  Georges  Louis  Leclerc  do  Buffon  macht  die  von  Descartes,  Stenonis  und 
Leibniz  (s.  d.)  bereits  geäußerte  Idee  eines  zentralen  Wärmeherdes  zur 
Basis  eines  Systems  der  Entstehung  der  Erde,  das  er  in  seiner  „Theorie 
de  la  terre"  eingehend  auseinander  setzt  und  erklärt  damit  die  auf  der 
Erdoberfläche  vor  sich  gehenden  mechanischen  Veränderungen,  wie  nament- 
lich die  Erdbeben  und  vulkanischen  Erscheinungen. 

—  Georges  Louis  Leclerc  do  Buffdn  bekämpft  in  seiner  „Theorie  de  la  terre" 
die  Hypothese  einer  universellen  Sintflut.  (S.  1510  A.  und  1517  F.)  Er 
rechnet  der  Erde  ein  viel  höheres  Alter  als  das  biblische  nach  und  erblickt 
in  den  Fossilien  die  Reste  erloschener  Arten  von  Lebewesen.  In  seinen 
1778  erscheinenden  „£poques  de  la  nature"  führt  er  seine  Theorien  im 
einzelnen  noch  weiter  aus. 

^  John  Ellls  unternimmt  es  als  erster,  die  Wärme  größerer  Seetief on  zu 
messen. 

—      191      — 


1749 

1749  Jamee  Ftrguflon  konstruiert  die  erste  Schwung-  oder  Zentrifugalmaschii 
bei  welcher  die  Rotation  einer  Kurbel  vermittelB  eines  Treibriemens  a 
eine  vertikale  Achse  übertragen  wird,  mit  welcher  allerlei  Hilfsapparate 
Verbindung  gebracht  werden  können. 

—  Benjamin  Franklin  schlägt  —  von  der  schon  von  Wall  (s.  1708W.)  und  späl 
von  Grey,  Nollet,  Beccaria  und  Winkler  (s.  1746  W.)  geäußerten  Ansicht  c 
Ähnlichkeit  zwischen  dem  elektrischen  Fu^ken  und  dem  Blitz  ausgehend 
in  einem  Briefe  an  Peter  Collinson  in  London  Versuche  über  die  Elekt 
zität  der  Gewitterwolken  vor,  zu  deren  Ausführung  er  den  elektrisol] 
Drachen  empfiehlt.     (S.  1752  D.) 

—  Der  französische  General  Jean  Baptiste  Vaquette  <•  QribMUival  erfindet  i 
hohen  Bahmenlafetten  für  Belagerungs-  und  Festungsgeschütze. 

—  Der  Tierarzt  Etienne  Guillaume  LahMM  in  Paris  stellt  durch  seine  Unt 
suchungen  den  Sitz  des  Rotzes  fest.  Vgl.  die  Schrift  „Trait4  sur  le  v« 
table  si^ge  de  la  morve*'.  Er  wirkt  bahnbrechend  auf  dem  Gebiete  < 
Hufbeschlags  und  betont  die  Wichtigkeit  der  schon  von  Apsyrtus  (s.  Z4 
Vegetius  (s.  380),  Ruini  (s.  1598)  und  Soleysel  (s.  1664  S.)  erwähnten  F« 
tanelle,  sowie  des  Haarseils. 

—  Pierre  Joseph  MacqiMr  stellt  zuerst  durch  Einwirkung  von  Ätzkaülauge  , 
Berliner  Blau  das  gelbe  Blutlaugensalz  dar,  in  dem  BerthoUet  1787  < 
Eisen  als  notwendigen  Bestandteil  erkennt. 

—  Der  Schweizer  Arzt  Maytr  verordnet  bei  Lungenkranken  Grcbirgskuren, 
dem  er  dieselben   nach  Appenzell  sendet,   wo  er  sie  neben   der  Luftl 
auch  Milchkuren  brauchen  läßt.    (Vgl.  auch  1750  S.) 

—  Caspar  NMimann  vervollkommnet  die  analytische  Chemie  und  veröffentM« 
seine  Forschungen  in  einem  Werke  „Chymiae  medicae  dogmatico  exp< 
mentalis  Tomi  primi  Pars  prima  et  secunda*'.  Von  ihm  rühren  die  1 
fange  der  Acidimetrie  her. 

—  Plnmlar  beschreibt  in  seiner  „Art  de  toumer"  eine  Patronendrehbank. 

—  Der  Arzt  Fran^ois  SauvacM  de  la  Crolx  macht  umfassende  Anwendung  ^ 
der  Elektrizität  in  der  Medizin.    (Vgl.  1745  E.) 

—  Jean  Baptiste  SMiac  behandelt  in  seinem  klassischen  Werke  „Traitö  de 
structure  du  coeur,  de  son  action  et  de  ses  maladies**  die  Anaton 
die  Physiologie  und  namentlich  auch  die  Pathologie  und  Therapie  < 
Herzens. 

—  James  Short  verbessert  das  Äquatoreal  (s.  1685  R.),  indem  er  ein  tragbai 
auch  imter  jeder  Breite  brauchbares  Instrument  konstruiert,  das  er  du: 
Beigabe  von  vier  geteilten  Kreisen  für  Azimut,  Höhe,  Stundenwinkel  t 
Deklination  sehr  vielseitig  gestaltet.  Eine  wesentliche  Verbesserang  • 
Instruments  erfolgt  1793  durch  Ramsden,  der  für  G.  Shuckburgh  ein  Aq 
toreal  mit  5^/2  füßigem  Fem  röhr  und  zwei  vierfüßigen  Vollkreisen  baut 

—  Alexander  Wilson  soll  zuerst  an  Drachen  Thermometer  angehängt  hab 
um  die  Temperatur  der  oberen  Luftschichten  zu  messen,  was  die  ei 
wissenschaftliche  Verwendung  des  Drachens  darstellen  würde.  (Vgl.  ai 
1749  F.) 

—  Charles  Wood  beschreibt  zuerst  das  Platin  in  eingehender  Weise,  wc 
ihm  Lewis,  Marggraf  und  Macquer  folgen. 

1750  George  Adams  in  London  erfindet  den  Winkelspiegel,  der  aus  zwei  klein 
in  einem  prismatischen  Gehäuse  mit  ausgeschnittenen  Fenstern  ux 
einem  Winkel  von  45®  gegeneinander  gestellten  Spiegeln  besteht  und  1 
Abstecken  gerader  Linien  oder  zum  Festlegen  rechter  Winkel  dient. 

—  Nachdem  Wasserzeichen  in  Papier  schon  seit  1301  angewendet  wai 
führt  J.  Batkorvlllo  Drahtgowebe  als  Unterlagen  für  deren  Erzeugt 
ein.     Das  Wasserzeichen  wird  durch  die  Verschiedenheit  der  Transpar 

—     192     - 


1760 

^  der  eingepreßten  Zeichnung  und  des  EUntergnindes  sichtbar  und  hat  Be- 

deutung namentlich  für  Banknoten,  Schecks,  Briefmarken  u.  dgl. 
1750  Andr6    Rhodiwonowitsch   BafMdief    verbessert   den   zuerst  von   Rdaumur 
1722  angegebenen  Stürzofen  derart,  daß  derselbe  in  den  Eisengießereien 
eine  gewisse  Bedeutung  erlangt. 

—  B&Nkr  schreibt  dem  Gletschereis  trotz  seiner  Sprödigkeit  eine  gewisse 
Plastizität  zu. 

—  Jamee  Brlntfley  erfindet  die  selbsttätige  Eesselspeisung. 

—  John  Cmtoii  und  John  Michail  schlagen  imabhängig  von  einander  die 
Methode  der  Magnetisierung  von  Eisenstäben  durch  doppelten  Strich  mit 
Magneten  vor. 

—  C^sar  Fran9ois  Canliil  de  Thury  beginnt  die  Bearbeitimg  der  großen  Karte 
von  Frankreich  im  Maßstab  1:86400,  welche  auf  einer  großen  und  ge- 
nauen Landesvermessimg  beruht.  Auf  den  Karten  der  französischen  Alpen - 
länder  zeigt  sich  hier  ein  wesentlicher  Fortschritt  in  der  Entwicklung  der 
perspektivischen  zur  Schraffenzeichnimg. 

—  Gabriel  Cramtr  beschreibt  in  seiner  „Introduction  ä  Fanalyse  des  lignes 
courbes  alg^briques"  die  Gleichungsauflösung  mittels  Determinanten,  auf 
die  zuerst  Leibniz  1693  in  einem  Briefe  an  den  Marquis  de  T  Hospital 
hingewiesen  hatte. 

—  Der  Bürgermeister  Drwisr  begründet  in  Deutschland  den  rationellen  Wiesen- 
bau durch  die  von  ihm  im  Siegener  Lande  angewendeten  Rückenbauten. 

—  Leonhard  Eutor  behandelt  ausführlich  die  Theorie  der  Wasserräder,  schlägt 
gekrümmte  Schaufeln  vor  und  erfindet  die  Leitapparate. 

—  Leonhard  Enler  beschäftigt  sich  in  seinen  Aufsätzen  „De  serierum  deter- 
minatione  seu  nova  methodus  inveniendi  terminos  generales  serierum'* 
und  „Consideratio  quarumdam  serierum  quae  singularibus  proprietatibus 
sunt  praeditae"  mit  den  unendh'chen  Reihen.  Er  leitet  die  Exponential- 
reihe  aus  der  Binomialreihe  her  xmd  entwickelt  rationale  Fimktionen  in 
Reihen,  die  nach  sin.  und  cos.  der  ganzen  Vielfachen  des  Argumentes  fort- 
schreiten, wobei  er  die  Koeffizienten  dieser  trigonometrischen  Reihen  durch 
bestimmte  Integrale  definiert. 

—  Nachdem  Döring  in  Breslau  1627,  Sydenham  und  Morton  (1661  bez.  1678) 
zur  schärferen  Ausschälung  des  Begriffs  Scharlach  beigetragen  und  letzterer 
den  Namen  Scarlatina  geschaffen  hatte,  äußert  John  Fottierflll  zuerst 
klare  Anschauungen  über  die  Existenz  eines  kontagiösen  Giftes  bei  dieser 
Krankheit. 

—  Orwifar,  der  sich  längere  Zeit  im  Orient  aufhält,  gelingt  es,  das  Verfahren 
der  Darstellung  des  Saffianleders  (Maroquin),  eines  mit  Sumach  ge- 
gerbten, auf  der  Narbenseite  gefärbten  Ziegenleders,  ausfindig  zu  machen. 
Unter  seiner  Beihilfe  wird  in  Paris  die  erste  Saffiangerberei  eingerichtet. 

—  Stephen  Haiet  stellt  in  den  englischen  Gefängnissen  Versuche  mit  künst- 
licher Lüftung  her,  um  der  übergroßen  Sterblichkeit  Einhalt  zu  tun,  und 
mindert  durch  verhältnismäßig  einfache  Ventilationseinrichtimgen  die 
Sterbb'chkeit  binnen  kurzer  Zeit  von  30  Todesfällen  täglich  auf  einen 
einzigen.  Er  liefert  damit  den  augenscheinlichen  Nachweis  für  die  damals 
noch  wenig  gewürdigte  Wichtigkeit  einer  guten  Lüftung  der  Wohnräimie 
für  die  Gesundheit.    (Vgl.  a.  1714  G.) 

*-  Nachdem  bis  dahin  die  baumwollenen  Zeuge,  bevor  man  sie  auf  die  Bleich- 
wiese zum  Bleichen  brachte,  in  saurer  Milch  eingeweicht  worden  waren, 
ersetzt  Dr.  Home  in  Edinburg  die  saure  Milch,  die  das  Verfahren  sehr  um- 
ständlich macht,  durch  verdünnte  Schwefelsäure. 

—  Andreas  Huber  in  Fürth  stellt  zuerst  Bronzefarben  aus  Blattmetall  her. 
Anfangs  verarbeitete  man  dazu  vier  verschiedene  Legierungen,  Kupferrot, 

Barmstaedter.  13 

—     193     — 


1760 

Reiohgold,  Bleichgold  und  Silber,  wovon  die  drei  ersteren  aus  Kupf< 
wechBelnden  Zinkmengen  bestanden,  die  letztere  aus  98  Teilen  Zini 
2  TeUen  Zink.  In  neuerer  Zeit  werden  die  Bronzefarben  mit  TeerJ 
gefärbt. 
1760  Samuel  KlIncMitQtrna,  Professor  in  Upsala,  wiederholt  Newtons  Vei 
über  die  Farbenzerstreuung,  findet  aber  im  Gegensatz  zu  letzterem 
die  Zerstreuung  für  verschiedene  Glassorten  verschieden  ist  Diese, 
Eulers  Untersuchungen  (s.  1747  £.)  geben  dem  Optiker  DoUond  1 
lassimg,  die  Herstellung  achromatischer  Linsen  in  die  Hand  zn  ne 
(S.  1767  D.) 

—  Der  Mediziner  Kötftrik  ist  der  erste,  der  eine  Wucherung  aus  dem  Kel 
durch  den  Mund  herausnimmt  imd  mehrere  Fälle  von  Kehlkopfpc 
eingehend  beschreibt. 

—  Joseph  Bartholomeus  Kuchfiiraiitar  in  Regensburg  erwirbt  sich  durch 
reiche  Vervollkommnungen  an  den  Handfeuerwaffen  einen  Weltruf. 

—  Pierre  Lalootttl  macht  eingehende  anatomische  Forschungen  über  die 
von  Reaido  Colombo,  Eustachio,  Morgagni  und  Bidloo  erforschte  S 
drüse  und  beschreibt  den  Processus  pyramidalis,  der  nach  ihm 
„Pyramide  de  Lalouette*'  genannt  wird.  (Recherches  anat.  sur  la  | 
thyroide.) 

^  Johann  Georg  Laopoldt  bemüht  sich  in  seinem  Werke  „Nützliche  ui 
die  Erfahrung  gegründete  Einleitung  zu  der  Landwirtschaft*'  alles  c 
geben,  was  der  Landwirt  für  eine  gute  Wirtschaftsführung  wissen 
und  praktisch  verwerten  kann  imd  bringt  darin  viel  tatsächliches,  na 
lieh  zahlenmäßiges  Material  über  die  verschiedenen  Teile  der  Lan« 
Schaft,  während  dies  bei  der  Hausväterliteratur,  die  sich  im  Anschl 
das  Coler'sche  Werk  (s.  1691)  entwickelt  hatte,  sehr  mangelhaft  wai 

—  Andreas  Sigismund  MarfS^  beweist,  daß  der  Gips  aus  Kalkerdc 
Schwefelsäure  besteht,  durch  Zerlegimg  desselben  mit  Weinsteinsal 
durch  Vergleichimg  der  Eigenschaften  des  Gipses  mit  dem  künstU« 
haltenen  Niederschlag  von  schwefelsaurem  Kalk. 

—  Johann  Gabriel  Müitz  verwendet  zuerst  den  Phosphor  in  der  Medizin 
zwar  als  Erregungsmittel. 

—  Mftlllnger  errichtet  die  erste  KartofFelbrennerei  in  Monsheim. 

—  Jean  Louis  Pttit  führt  die  zuerst  von  Fabriz  von  Hilden  gemachte  £ 
kulation  im  Kniegelenk  wieder  aus,  die  nach  ihm  von  Pierre  Bi 
(1774)  öfter  geübt  wird. 

—  John  Prinfto  verbessert  das  Hospitalwesen  und  macht  namentlich  au 
Nutzen  frischer  und  reiner  Luft  in  den  Hospitälern  aufmerksam.  Er 
die  Grundsätze  für  die  Unterbringung  und  Verpflegung  von  Tru 
massen  und  für  die  Anlegung  von  Militärhospitälern  auf  und  gibi 
gute  Darstellung  des  Flecktyphus,  der  1742  und  1746  in  den  engli 
Armeen  stark  gewütet  hatte. 

—  Ren6  Antoine  F.  de  Rtaumur  fördert  die  künstliche  Brütung,  inde 
Hühnereier  in  einen  hölzernen,  mit  frischem  Pferdemist  umgebenen  K 
bringt. 

—  Georg  Wilhelm  Rlchmann  in  Petersburg  stellt  die  nach  ihm  benannte 
auf,  daß  beim  Mischen  von  ungleich  erwärmten  Mengen  einer  Flüss 
die  Temperaturen  sich  im  Verhältnis  ihrer  Höhe  und  im  Verhältni 
Flüssigkeitsmengen  ausgleichen. 

—  August  Johann  Rötel  von  Rosenhof  gibt  eine  Geschichte  der  Insekten  h« 
die  eine  reiche  Fundgrube  für  die  Lebens-  und  Verwandlungsgesd 
dieser  Tierklasse  bildet  und  einen  Fortschritt  gegenüber  den  Kennt] 
von  R^aumur  (s.  1734  R.)  bedeutet. 

—      194     — 


1761 

1750  Richard  RmmI  in  London  empfiehlt  Seetangasche  als  ,,Aethiop8  vegetabilis" 
gegen  Drüsenerkrankungen. 

—  RoiMl,  HasMiquItt,  Hollaiitf  und  Volnty  beschreiben  zuerst  die  endemische 
Beulenkrankheit,  die  sie  als  Beule  von  Aleppo  bezeichnen.  Näher  studiert 
wird  die  Krankheit  von  Alibert,  Requin  u.  a.     (1820.) 

»  Der  Petersburger  Arzt  A.  N.  R.  Sancliti  führt  die  Sublimatbehandlung  der 
Syphilis  ein.  Er  erweist  die  Existenz  der  erblichen  Syphilis,  die  zuerst 
7on  Paracelsus  behauptet  worden  war. 

»  Der  sächsische  Pfarrer  Schlraeh  in  Klein-Bautzen,  Reformator  der  Bienen- 
zucht, entdeckt,  daß  die  Bienen  durch  Vergrößerung  der  Zellen  willkür- 
lich aus  jeder  befruchteten  (Arbeitsbienen-)  Larve  eine  Königin  machen 
können. 

—  Johann  Andreas  ¥Ml  8tfMr  konstruiert  das  nach  ihm  benannte  Reaktions- 
wasserrad,  welches  das  Vorbild  für  die  Reaktionsturbinen  abgibt,  von 
denen  insbesondere  Burdin  (s.  1824  B.),  Poncelet  und  Foumeyron  (s.  1827  F.) 
neue  Konstruktionen  liefern.     (Vgl.  a.  1745  B.) 

—  Der  englische  Architekt  John  Smttton  macht  nachdrücklich  auf  den  großen 
Wert  des  Eisens  für  Bau-  und  Maschinen- Konstruktionen  aufmerksam. 

—  Archibald  SmHIi  läßt  sich  in  Lima  nieder  und  findet  dort  die  Tatsache 
vor,  daß  seit  alters  her  die  Ärzte  die  Lungenleidenden  aus  den  Niederungen 
in  die  Berge  schicken.  Er  findet  selbst  die  Methode  bewährt  und  tritt  in 
der  Literatur  für  sie  ein. 

"  Major  von  Trtu  in  Braunschweig  schlägt  vor,  das  Holz  zur  Entfernung 
der  Saftstoffe  durch  Dampf  auszulaugen.  Eine  rationelle  Auslaugung  nach 
dieser  Methode  wird  aber  erst  1815  durch  den  Pianofortebauer  Andreas 
Streicher  ausgeführt. 

—  Jacques  de  Vaucanson  erfindet  die  Bandketten  zum  Antriebe  von  Maschinen 
and  konstruiert  eine  Maschine  zu  deren  Verfertigung. 

—  Thomas  Wrlfht  aus  Durham  gibt  in  seinem  Werke  „An  original  theory 
or  new  Hypothese  of  the  Universe*'  eine  Ansicht  über  die  Entstehung  des 
Sonnensystems,  welche  die  Anregung  zu  Kants  Hypothese  gibt.  Er  sagt 
in  seiner  Abhandlung,  daß  die  Sonne  aus  flammender  Materie  bestehe. 

—  Johann  Friedrich  Zlttmann  stellt  ein  Dekokt  aus  Sarsaparilla  her,  das  sich 
in  der  Syphilistherapie  unter  dem  Namen  „Decoctum  Zittmanni"  dauernd 
änbürgert. 

1751  Der  Botaniker  Michel  Adanson  aus  Paris  tut  die  elektrische  Natur  des 
Schlages  des  Zitterwelses  dar  und  vergleicht  denselben  mit  dem  Schlage 
einer  Leidener  Flasche.  Bezüglich  des  Zitteraales  erfolgt  der  gleiche  Nach- 
weis 1755  durch  L.  S.  van  s'Gravesande. 

—  Axel  Fredrik  CrontMt  entdeckt  das  Nickel,  das  1775  von  Torbern  B«rc- 
man  in  reinem  Zustand  erhalten  wird. 

^  Axel  Fredrik  CroilsMt  stellt  Nickeloxydul  und  den  demselben  entsprechen- 
den Nickel  Vitriol  dar.  Das  Nickeloxyd  wird  1803  von  Proust  hergestellt 
und  1824  von  Berzelius  genauer  untersucht. 

~  Der  Astronom  Joseph  Jerome  Delalwide  macht  eine  genaue  Bestimmung 
der  Parallaxe  des  Mondes. 

--  Dapety,  Thtnrey-Qiiauvlii,  Boudion  et  Compagnl«  begründen  die  erste  Mühlstein- 
fabrik in  La  Fert^-sous-Jouarre  (Seine  et  Marne),  dessen  poröse  Süßwasser- 
quarzsteine nach  Piot  seit  Jahrhunderten  in  der  Müllerei  für  die  besten 
Mühlsteine  gelten  und  denen  sonst  nur  noch  die  Steine  von  Fony  in 
Ungarn  an  die  Seite  gestellt  werden  können. 

—  Der  Ingenieur  Frtsntau  macht  eingehende  Mitteilungen  über  den  kautschuk- 
liefemden  Baum  und  vervollständigt  die  Angaben   von  De  la  Condamine 

13* 

—     195     — 


1751 

(g.  1736  C.)  über  das  Verfahren,  welches  die  Indianer  bei  Grewinniing  dei 
Kautschuks  einschlagen. 

1761  Jean  Etienne  Qiitttartf  erkennt  in  dem  zu  Straßen-  und  Baumaterial  ver- 
wendeten schwarzen  Gestein  von  Volvic  vulkanische  Lava»  geht  der 
Spur  nach  und  findet  die  bis  dahin  unbekannten  erloschenen  Vulkane  der 
Auvergne.  Er  lernt  am  Mont  d*Or  den  säulenförmigen  Basalt  kennen, 
dem  er  neptunischen  Ursprung  zuschreibt. 

1751—53  Nicolas  Louis  tfe  Lacallle  nimmt  eine  Gradmessung  am  Kap  der  guten 
Hoffnung  vor,  welche  in  Übereinstimmung  mit  den  von  Maupertois  an- 
gestellten Untersuchungen  (s.  1736  M.)  dartut,  daß  die  Erde  die  Grestalt  eines 
BotationseUipsoids  hat. 

1751  Karl  von  Llnnt  stellt  in  seiner  „Philosophia  botanica*'  zuerst  die  Zeiten  dei 
Eintritts  einer  Pflanze  in  eine  maßgebende  Entwicklungsphase  als  Funktion 
des  Klimas  hin  und  muß  danach  als  Begründer  der  Phänologie,  d.  i.  der 
Lehre  von  der  Gresetzmäßigkeit  zwischen  den  Entwicklungsstadien  der 
Organismen  und  der  ihnen  entsprechenden  Klimaphasen  angesehen  werden. 
Er  äußert  auch  bereits  den  Gedanken  phänologischer  Karten.' 

—  Andreas  Sigismund  Marfcnff  weist  zuerst  das  Vorkommen  der  Salpetersäue 
im  Begenwasser  nach  und  glaubt,  dieselbe  auch  im  Schneewasser  zu  finden. 
1761  gelingt  ihm  auch  der  Nachweis  der  Salpetersäure  im  Brunnenwasser, 
den  unabhängig  1767  auch  Cavendish  liefert. 

—  Der  Ästhetiker  Johann  Georg  Suber  bemerkt,  daß  bei  der  Berührung  der 
Zunge  mit  zwei  verschiedenen  Metallen  eine  eigenartige  Gresdunaoks- 
empfindung  hervorgerufen  wird,  welche  nicht  entsteht,  wenn  nur  eines 
der  Metalle  an  die  Zunge  gebracht  wird.  Er  entdeckt  damit  den  charakte- 
ristischen Geschmack  des  Galvani'schen  Stroms,  wenn  auch  ohne  Ver- 
ständnis des  wissenschaftlichen  Zusammenhangs. 

1752  Der  Pariser  Arzt  Th6ophile  de  Bortftu  begründet  den  Vitalismus,  die  Lehre 
von  der  Lebenskraft. 

—  Im  Anschluß  an  Franklins  Brief  (s.  1749  F.)  an  Collinson  stellen  Thomas 
Fran^ois  Dalltard  durch  einen  am  10.  Mai  während  eines  Crewitters  in  Maily 
bei  Paris  mit  einem  Metallgestänge  unternommenen  Versuch  und  Benjamin 
Franklin  durch  einen  im  Juni  unternommenen  Drachenversuoh  die  Identit&t 
der  Luftelektrizität  mit  der  Scheibenelektrizität  außer  Zweifel. 

—  Der  Repetitionstheodoht  beruht  auf  dem  von  Johann  Tobias  Maitr  an- 
gegebenen Verfahren  der  doppelten  Repetition  oder  Multiplikation  und 
unterscheidet  sich  von  dem  einfachen  Theodolit  dadurch,  daß  er  b^  ein- 
maliger Aufstellung  und  zweimaliger  Ablesung  ein  beliebig  großes  Viel- 
faches eines  gegebenen  Winkels  zu  messen  gestattet,  aus  dem  man  durch 
Division  leicht  den  einfachen  Winkel  bestimmen  kann.  Dies  Verfahren 
vermindert  den  Einfluß  der  Beobachtungsfehler. 

—  Louis  Guillaume  Le  Monnisr  bestätigt  die  von  Cassini  de  Thury  beiläufig 
gemachte  Beobachtung,  daß  die  Luft,  auch  wenn  kein  Gewitter  am  Himmel 
steht,  elektrisch  ist. 

—  Ren6  Antoine  F.  de  Rteumur  macht  Experimente  über  die  Verdauungi- 
kraft  bei  Vögeln,  indem  er  denselben  kleine  mit  verschiedenen  Nahrungi- 
mittein  gefüllte  Metallröhren  zu  schlucken  gibt,  und  erzielt  durch  diese 
Versuche  eine  wesentliche  AufheUung  der  Natur  und  der  Leistungen  des 
Magensaftes.  Ähnliche  Versuche  werden  1777  von  Stevens  in  Edinbuig 
an  einem  \mgarischen  Künstler  vorgenommen,  dem  er  mit  Nahrung  ge- 
füllte kleine  durchlöcherte  silberne  Kugeln  zu  verschlucken  gibt,  deren 
Nahrungsinhalt  unter  dem  Einfluß  des  Magensaftes  aufgelöst  wird. 

—  John  Smealon  in  England  fördert  durch  Versuche  die  Lehre  vom  Bau  der 
Wasserräder  und  Windräder. 

—     196     — 


176S 

753  John  Omtoii  entdeckt  die  elektrische  Influenz  nnd  konstruiert  zum  Nach- 
weis derselben  sein  Eorkkugel-Elektroskop.  Die  Theorie  der  Influenz  wird 
im  gleichen  Jahre  von  Wilcke  aufgestellt. 

—  Antoine  DsptrclMiK  weist  nach,  daß  Wasser  durch  Druck  viel  mehr  leistet, 
als  durch  Stoß,  daß  daher  oberschlächtige  Räder  den  unterschl&chtigen 
vorzuziehen  sind. 

—  Edward  DlghtMl  wendet  das  beim  Kattundruck  übliche  Druckverfahren 
mit  gestochenen  oder  ge&tzten  Kupferplatten,  die  aus  freier  Hand  mit 
dem  Pinsel  ausgemalt  werden,  an,  um  Papiertapeten  herzustellen.  Die 
Papiertapeten,  die  in  China  schon  lange  üblich  waren,  kamen  in  Europa 
erst  im  18.  Jahrhundert  auf ;  anfangs  hatte  man  die  Muster  mit  Hilfe  von 
Papierschablonen  gemalt. 

—  John  DoHoni  stellt  nach  den  Vorschlägen  von  Bouguer  (s.  1748  B.)  das  erste 
Heliometer  her.  Die  ersten  umfangreicheren  Beobachtungen  mit  diesem 
Instrument,  die  sich  namentlich  auf  die  Stellung  der  Jupitertrabanten  gegen 
den  Planeten  beziehen,  macht  1796  Franz  von  Paula  Triesnecker  in  Wien. 

—  Leonhard  Ealtr  berechnet  unter  dem  Gresichtspunkt  des  Problems  von  den 
drei  Körpern  die  Bewegung  des  Mondes  und  ermöglicht  dadurch  Johann 
Tobias  Mayer  (s.  1760  M.)  die  Herausgabe  seiner  berühmten  Mondtafeln. 

—  Leonhard  Eiilar  fördert  durch  seine  „Principes  de  la  trigonom6trie  sph^- 
rique  tir6s  de  la  m^thode  des  plus  grands  et  des  plus  petits'*  die  sphärische 
Trigonometrie.  Er  geht  darin  von  den  Eigenschaften  kürzester  Linien  auf 
krummen  Flächen  aus  imd  speziaUsiert  die  gefundenen  Sätze  für  die 
größten  Kreise  der  Kugelfläche.  Er  macht  femer  zuerst  auf  den  Zusammen- 
hang der  Formeln  in  der  sphärischen  und  ebenen  Trigonometrie  aufmerk- 
sam, der  1765  von  Lambert  in  seinen  „Beyträgen  zum  Gebrauch  der 
Mathematik"  genauer  auseinander  gesetzt  wird. 

—  Leonhard  Euter  wirkt  bahnbrechend  in  der  Kartographie,  indem  er  all- 
gemeine Regeln  für  das  Projizieren  aufstellt  und  vor  allem  auch  die 
Größe  der  Yerzemmg  in  gewissen  Fällen  mathematisch  bestimmen  lehrt. 

—  Benjamin  FnoMlil  zeigt,  daß  man  ein  Gebäude  mit  Hilfe  einer  dasselbe 
überragenden  und  andrerseits  bis  in  die  leitenden  Schichten  der  Erde 
reichenden  Metallstange  vor  dem  Einschlagen  des  Blitzes  sichern  kann 
imd  erfindet  damit  den  Blitzableiter.    (Vgl.  jedoch  1170  v.  Chr.) 

—  Nachdem  Denisard  und  De  la  Douaille  1731  eine  Wassersäulenmaschine 
projektiert  hatten  und  B^lidor  in  seiner  „Architecture  hydraulique'*  1736 
von  einer  solchen  gesprochen  hatte,  führt  H5II  die  erste  nach  ihm  benannte 
HöU'sche  Luftmaschine  (Wassersäulenmaschine),  bei  welcher  durch  nieder- 
fallendes Wasser  Druckluft  erzeugt  wird,  im  Amaliaschacht  zu  Schemnitz 
in  Ober-Ungarn  aus.  Im  gleichen  Jahre  bringt  (nach  Calvör)  der  Artillerie- 
major Winterschmidt  eine  kleine  Wassersäulenmaschine  auf  der  Grube  Carls- 
gnade in  Gang,  erbaut  dann  aber  1761  eine  größere  Maschine  mit  wesent- 
lich verbesserter  Steuerung  auf  dem  „Treuer  Schacht"  bei  Clausthal. 

~  Andr^  Ltvrtt  vervollkommnet  die  geburtshilflichen  Operationen,  die  er 
vielleicht  zu  häufig  anwendet,  so  daß  durch  seinen  Schüler  Boer  (s.  1791  B.) 
eine  Einschränkung  erfolgt.  Er  verbessert  die  Geburtszange,  vervoll- 
kommnet die  Operation  der  Wendung  und  den  Kaiserschnitt,  und  wagt 
es  zuerst,  die  Polypen  des  Uterus  zu  operieren. 

—  Karl  von  Llnn^  führt  die  schärfere  Bestimmung  der  Arten  und  ihre  binäre 
Benennimg  für  alle  ihm  bekannten  Pflanzen  durch  (Species  plantarum). 

—  Nachdem  Schlafbewegungen  einzelner  Pflanzen  schon  von  Plinius  und 
Albertus  Magnus  erwähnt  worden  waren,  weist  Karl  von  Unni  zuerst  auf 
die  Häufigkeit  solcher  Bewegungen  bei  Blättern  und  Blüten  hin. 

—     197     — 


175S 

1753  Karl  von  Llnni  führt  die  bereits  den  Griechen  nnd  Römern  bekannt 
Pfefferwurzel  „Pimpinella**  als  Medikament  ein. 

—  Pierre  Joseph  MacqiMr  erkennt  die  Bedeutung  der  Beizen  für  die  F&rben 
und  unterscheidet  in  seinem  Buch  „Art  de  la  teinture"  deutlich  zwische 
Substantiven  und  adjektiven  Farbstoffen,  eine  Unterscheidung,  welche  de 
ferneren  Untersuchungen  über  den  Zeugdruck  die  Wege  ebnet. 

—  Greorg  Wilhelm  Rlehmann  wird  am  6.  August  vom  Blitz  erschlagen,  als  < 
sich  bei  einem  aufsteigenden  Gewitter  einer  auf  seinem  Hause  angebrachte 
isolierten  Eisenstange,  die  ohne  alle  Ableitung  war,  auf  einen  Fuß  £n 
femung  genähert  hatte.  Die  Gefahren  der  FrankUn'schen  Experimeni 
werden  durch  dieses  Vorkommnis  erwiesen. 

—  Der  Schotte  Dionysius  Roberlson,  Bereiter  und  Tierarzt  in  englischen,  öste 
reichischen,  württembergischen  und  s&chsischen  Diensten,  gibt  ein  Pf^d 
arzneibuch  heraus,  in  welchem  viele  neue  Beobachtungen  niedergelegt  sini 
Er  ist  namentlich  auch  als  Operateur  (d.  h.  als  Kastrator)  tätig  und  e 
findet  die  Methode  der  Kastration  mit  Kluppen. 

1754  Anton  Friedrich  BOtdililg  gibt  in  seiner  „Neuen  Erdbeschreibung**  d< 
ersten  grundlegenden  Versuch  einer  wissenschaftlichen  Behandlung  d 
politisch -statistischen  Geographie. 

—  John  Canton  und  1757  Franz  Ulrich  Theodor  Atplnut  erweisen,  daß  Tu 
malin  (s.  1707  D.)  durch  Erwärmen  tatsächlich  elektrisch  wird,  was  spät« 
insbesondere  von  Hankel  (1839),  auch  für  KrystaUe  von  Kalkspat,  Gif 
Feldspat  usw.  nachgewiesen  wird  (Pyroelektrizität). 

—  Der  Pfarrer  Prokop  DIvItch  in  Brenditz  in  Mähren  kommt  unabhängig  v« 
Franklin  auf  die  Idee,  durch  die  Wirkung  vieler  Metallspitzen  ein< 
ruhigen  Ausgleich  der  Elektrizität  herbeizuführen. 

—  Nachdem  das  Schießpulver  bis  dahin  in  Stampfmühlen  hergestellt  word< 
war,  errichtet  FarrI  die  erste  Walzmühle  in  Essone  (Frankreich).  I 
gleichen  Jahre  gibt  Karl  Knutttrf  die  Kollermühlen  an,  die  zum  Klein< 
der  einzelnen  Bestandteile  1787  von  Cossigny  allgemein  eingeführt  werde 

—  Immanuel  Kant  in  Königsberg  weist  zuerst  darauf  hin,  daß  die  Umdrehung 
geschwindigkeit  der  Erde  durch  die  der  Erdrotation  entgegenwirken« 
Kraft  von  Ebbe  und  Flut  stetig  verkleinert  werden  muß.  Bobert  May 
führt  diesen  Gedanken  später  weiter  aus. 

—  Jean  Jacques  Malran  spricht  zuerst  die  Ansicht  aus,  daß  die  Nebelfleol 
gasförmiger  Natur  sind. 

—  Nachdem  J.  H.  Pott  1744  aus  Ton  und  Schwefelsäure  Alaun  dargestel 
hatte,  zeigt  Andreas  Sigismund  Marffraff,  daß  die  Alaunerde  von  Kai 
verschieden  und  im  Ton  mit  Kieselsäure  verbunden  ist.  Er  gibt  d 
Flammenreaktion  der  Kaliumsalze  (violett)  und  Natriumsalze  (gelb)  an. 

—  Guillaume  Fran9ois  Roualla  in  Paris  unterscheidet  zuerst  zwischen  saure 
neutralen  und  basischen  Salzen.  Er  stellt  zuerst  das  saure  schwefelsau: 
Kali  dar. 

—  William  Smallle  erwirbt  sich  unvergängliche  Verdienste  um  die  Lehre  vc 
der  natürlichen  Geburt  und  vom  Geburtsmechanismus.  Zum  Unterricht  ve 
wendet  er  zuerst  ein  Phantom,  dessen  Grundlage  ein  natürliches  Beck< 
darstellt. 

1755  James  Andarioii  führt  die  Trockenlegung  nasser  Acker-  und  Wiesengrun« 
stücke   in    großem  Maßstabe   in  ähnlicher  Weise  durch,  wie  dies  berei 
von  ColumeUa  (s.  d.)  i.  J.  60  n.  Chr.   beschrieben  worden  ist,   indem 
unterirdische  Abzugskanäle  anlegt.     Drainröhren  kennt  er  noch  nicht. 

—  Johann  Christian  Btrnhardt  beschreibt  die  fabrikmäßige  Gewinnung  d 
Vitriolöls  (Schwefelsäure)  aus  Eisenvitriol.  Er  stellt  zjierst  die  wasserfre 
Schwefelsäure  dar,   die  er  „Sal  volatile  olei  vitrioli**   nennt  und  von  d 

—      198      — 


1756 

wäsaerigen  VitriolBäure  untencheidet,  welche  schon  über  dem  Gefrierpunkt 
des  Wassers  fest  wird. 
1755  Joseph  Black  untersucht  die  Eaustizit^t  der  Alkalien  und   erklärt  zuerst 
richtig  den  unterschied  zwischen  milden  und  ätzenden  Alkalien  und  ihre 
Umwandlung  ineinander. 

—  Joseph  Black  beweist  die  Verschiedenheit  der  Magnesia,  welche  er  durch 
Präzipitation  aus  Bittersalz  darstellt,  von  der  Ealkerde.  Als  unter- 
scheidende Merkmale  betrachtet  er  die  verschiedene  Löslichkeit  der  schwefel- 
sauren Salze  sowie  des  gebrannten  Kalks  und  der  gebrannten  Magnesia  im 
Wasser. '  Die  Verschiedenheit  an  sich  war  bereits  1724  von  Friedrich  Hoff- 
mann  behauptet  worden. 

—  BcwMhi  gibt  zuerst  an,  daß  Kupfemiederschläge  die  Flamme  des  darüber 
abbrennenden  Weingeistes  grün  färben. 

—  Der  Buchhändler  und  Buchdrucker  Johann  Gottlob  Immanuel  Briltkofrf  in 
Leipzig  eründet  den  Musiknotendruck  mit  beweglichen  imd  zerlegbaren 
Typen,  welcher  sich  von  dem  bisherigen  Verfahren  (s.  1476  H.,  1498  P. 
und  1525  H.),  das  gleichfalls  als  „beweglich'*  („Caratteri  mobili")  be- 
zeichnet wurde,  dadurch  unterscheidet,  daß  alle  einzelnen  Teile  der  Note 
(z.  B.  an  einer  Achtelnote  der  Kopf,  die  Cauda  und  das  Fähnchen)  für  sich 
getrennt  gesetzt  werden. 

—  Der  Schweizer  Mich^ly  dn  Omt  der  lange  Jahre  auf  der  Feste  Aarburg  als 
Staatsgefangener  interniert  ist,  ist  der  erste,  der  ein  Landschaftspanorama 
(Gesamtansicht  der  Alpen)  nach  geometrischen  Regeln  richtig  darstellt. 

—  Jean  Andr^  Dduc  beobachtet  zuerst,  daß,  um  Eis  zu  schmelzen,  es  nicht 
ausreichend  ist,  dasselbe  bis  auf  seine  Schmelztemperatur  zu  erwärmen, 
sondern  daß  noch  eine  gewisse  Quantität  Wärme  hinzugefügt  werden  muß, 
um  die  Arbeit,  welche  die  Überführung  in  den  zweiten  Aggregatzustand 
bedingt,  zu  leisten.  Clausius  hat  vorgeschlagen,  die  hierzu  verbrauchte 
Wärme  als  Schmelzungswärme  zu  bezeichnen. 

—  Leonhard  Ealcr  gelingt  es,  die  Clairault*Bchen  partiellen  Differentialgleichungen 
auf  einfachere  Weise  abzuleiten  und  in  diejenigeForm  zu  bringen,  in  der  sie 
heute  noch  zur  Beantwortung  der  wissenschaftlichen  Gleichgewichtsfragen 
flüssiger  Körper  angewendet  werden. 

—  Leonhard  Eultr  gibt  in  seiner  Schrift  „Institutiones  calculi  differentialis" 
die  nach  ihm  benannten  Zahlen  (Euler'sche  Zahlen,  Sekantenkoeffizienten) 
an,  gewisse  Zahlen,  die  als  Koeffizienten  auftreten,  wenn  man  sec  x  in 
eine  Potenzreihe  von  x  entwickelt.  Die  sechs  ersten  sind:  1,  5,  61,  1385, 
50521,  270715. 

—  Immanuel  Kant  in  Königsberg  entwickelt  in  seiner  „Allgemeinen  Natur- 
geschichte und  Theorie  des  Himmels"  eine  neue  Anschauung  von  der  Ent- 
stehung des  Sonnensystems,  wobei  er  die  mechanische  Theorie  mit  der 
teleologischen  zu  vereinigen  sucht.     (Vgl.  1750  W.  und  1796  L.) 

—  Während  Galilei  (s.  1610  G.)  die  Ansicht  ausgesprochen  hatte,  daß  die  Milch- 
straße eine  Anhäufung  unzähliger,  nahe  aneinander  befindlicher  Sternchen 
sei,  spricht  Nicolas  Louis  ilt  Lacaillc  bei  Gelegenheit  der  Durchmusterung 
der  Nebel  des  Südfirmaments  den  Gedanken  aus,  daß  dieselbe  teils  aus 
kleinen  Sternen,  teils  aus  unauflösbaren  Nebeln  bestehe,  auf  denen  sich  die 
Sterne  projizieren,  ein  Gedanke,  der  durch  die  neuesten  Forschungen,  be- 
sonders die  von  Kapteyn  Bestätigimg  findet. 

—  Der  schweizer  Physiker  Martin  von  Planta  erfindet  die  Glasscheiben-Elek- 
trisiermaschine, elf  Jahre  vor  Jesse  Kamsden,  dem  mit  Unrecht  diese  Er- 
findung zugeschrieben  wird. 

—  Percival  Pott  führt  zuerst  eine  Exstirpation  beider  Ovarien  wegen  irreponib- 
1er  doppelseitiger  Ovarialhemie  aus. 

—     199     — 


1755 

1755  Johann  Gottfried  Zinn  macht  Untersuchnngen  über  daa  Gefäßsystem  im 
Ange  und  über  den  Glaskörper  und  bestätigt  Demours'  Befund.  (S.  1741 D.) 
Er  beschreibt  zuerst  das  vom  Rande  der  Retina  zum  Rande  der  linsen- 
kapsei  gehende,  nach  ihm  „Zonula  Zinnii"  benannte  Aufhangeband  der 
Linse,  über  das  später  DöUinger,  M.  F.  Weber  (1827)  und  Eugen 
Schneider  (1827)  Untersuchungen  machen. 

1756  Marco  Antonio  CaManl  beobachtet  33  Jahr  vor  Galvani  das  Zucken  der 
Froschschenkel  in  der  Nähe  der  Elektrisiermaschine,  ohne  die  Wichtigkeit 
dieser  Beobachtung  zu  ahnen. 

—  Nicolas  E>Mniamt  untersucht  die  Verhältnisse  der  Vulkane  der  Auvergne, 
bekämpft  die  Meinung  Guettards  (s.  1751  G.),  wonach  der  säulenförmige 
Basalt  neptunischen  Ursprungs  sei,  imd  erkennt  zuerst  mit  Bestimmtheit  die 
Tulkanische  Natur  des  Basalts,  wie  des  Porphyrs  und  Granits. 

—  Leonhard  Eultr  vervollkommnet  die  Theorie  der  Windräder  (s.  1738 
B.)  und  entwickelt  namentlich  auf  analytischem  Wege  den  Ausdmok 
für  die  vom  Winde  auf  eine  doppelt  gekrümmte  Fläche  übertragene 
mechanische  Arbeit,  wobei  er  zeigt,  wieviel  vorteilhafter  eine  solche  Fläche 
ist,  als  eine  Ebene.  Zu  ähnlichen  Resultaten  war  Maclaurin  1752  auf 
geometrischem  Wege  gelangt.  Die  Theorie  wird  später  von  Coriolis  (1829) 
und  von  Weisbach  (1836)  noch  vervollkommnet. 

—  Während  bisher  die  Umwandlung  des  Bleiweißes,  die  hauptsächlich  nach 
dem  holländischen  oder  deutschen  Verfahren  erfolgte,  in  großen  Töpfen 
vorgenommen  wurde,  schlägt  Michael  von  Horbirt  in  Klagenfurt  dafür  zu- 
erst begehbare  Kammern  vor.  Der  unter  Anwendung  solcher  Kammern 
vor  sich  gehende  Prozeß  heißt  von  da  ab  die  „Klagenfurter  Methode". 

—  HohlMtf  aus  Hennemdorf  konstruiert  die  erste  HäckselschneidemaBchine. 

—  Immanuel  Kant  stellt  in  seiner  „Theorie  der  Winde*'  das  Drehungsgeeetz  dee 
Windes  auf,  das  später  von  Dove  (s.  1835  D.)  weiter  entwickelt  wird. 

—  Johann  Gottlieb  LtldtnUrott  wiederholt  das  von  Boerhaave  angegebene 
Experiment  des  sphäroidalen  Zustands  der  Flüssigkeitstropfen,  der  nach 
ihm  Leidenfrost'sches  Phänomen  genannt  wird.  (Vgl.  1732  B.) 

—  Thomas  Macanlay  führt  die  erste  künstliche  Frühgeburt  mit  glückHohem 
Erfolge  aus. 

—  Pieter  van  MuitcliMbrotk  macht  bemerkenswerte  Arbeiten  über  die  Festig- 
keit der  Baumaterialien. 

—  Nachdem  seit  Hippokrates  (s.  400  v.  Chr.)  die  Kenntnisse  der  Skrofoloee 
wenig  Fortschritte  gemacht  hatte,  obschon  Ärzte,  wie  Cullen,  Wise- 
mann  u.  a.  sich  damit  befaßt  hatten,  erläßt  die  Pariser  Akadamie  für  Milr«||i 
ein  Preisausschreiben,  das  Studien  von  Faure,  Borden,  Majault  u.  a.  her- 
vorruft. Aber  auch  sie  tragen  ebensowenig  wie  die  infolge  eines  sweiteo 
Preisausschreibens  der  Acad^mie  de  m^decine  i.  J.  1786  gemachten  Arbeiten 
von  Hufeland,  Weber  u.  a.  zur  Klärung  der  Frage  bei. 

—  Philipp  Pfaff  in  BerUn  veröffentlicht  ein  epochemachendes  Werk  über  die 
Zähne  und  deren  Krankheiten.  Er  kennt  drei  Füllungsmaterialien,  Blei, 
Gold  und  Stanniol,  von  denen  das  Gold  das  beste,  seiner  Kostspieligkeit 
wegen  aber  nur  wenig  zu  brauchen  sei.  Er  spricht  auch  von  künstlichen 
Zähnen  aus  Kupfer,  auf  die  er  ein  zartes  Email  aufträgt,  und  von  Gips- 
modellen nach  Wachsabdrücken  des  Kiefers.    (Vgl.  auch  400  v.  Ghr.) 

—  Der  Pariser  Apotheker  Qulnquet  verwendet  zuerst  den  gläsernen  Lampen- 
zylinder, dessen  Idee  schon  zwei  Jahrhunderte  vorher  von  Leonardo  da 
Vinci  ausgesprochen  wurde. 

—  Der  Londoner  Architekt  Ravthtad  bringt  bei  dem  Krankenhaus  für  alte 
Seeleute  zu  Stonehouse  bei  Plymouth  zuerst  das  Pavillonsystem  zur 
Durchführung.     (S.  a.  1714  L.) 

—     200      — 


1757 

56  Benjamin  Robtat  macht  in  La  F^re  den  Veisnch,  eiförmig  gestaltete  Gra- 
naten an  Stelle  der  Rnndkngeln  aus  glatten  GreBchützen  zu  verfeuern.  Der 
Yersach  mißlingt  ans  dem  gleichen  Grunde,  wie  bei  Clamer.  (S.  1627  C.) 
Doch  gelangt  das  eiförmige  Geschoß  später  bei  dem  Langblei  des  Dreyse- 
sehen  Zündnadelgewehrs  (s.  1836  D.)  zu  praktischer  Bedeutung. 

-  Nach  einer  Aufzeichnung  des  preußischen  Majors  von  Scheele  a.  d.  J.  1756 
hat  der  Regimentsfeldscher  SchniMktrt  von  der  Garde  ein  Pulver  erfunden, 
,,davon  man  ohne  Brot  und  ander  Essen  14  Tage  leben  kann".  Der  vom 
König  Friedrich  II.  angeordnete  Versuch,  wobei  man  das  Pulver  in  Wasser 
einige  Minuten  aufkochen  ließ,  hatte  ein  günstiges  Ergebnis.  Die  An- 
regung zur  Herstellung  seines  „Pulvers  wider  den  Hunger"  scheint 
Schmuckert  aus  Frankreich  erhalten  zu  haben.  Man  wird  dieses  Fabrikat 
als  Vorlaufer  der  Erbswurst  (s.  a.  1867  G.)  und  ähnlicher  Konserven  an- 
lusehen  haben. 

-  John  SoMatM  macht  die  Beobachtimg,  daß  der  aus  tonhaltigen  Kalksteinen 
gebrannte  Kalk  die  Eigenschaft  besitzt,  unter  Wasser  zu  erhärten,  und 
benutzt  einen  solchen  Kalk  mit  Zuschlag  von  Sand  und  Eisenschlacken 
als  Mörtel  beim  Bau  des  Eddystone-Leuchtturms.    (S.  1757  S.) 

'57  Michel  Adttisoil  konstatiert,  daß  Schwalben  und  andere  Zugvögel  im 
Oktober  an  der  Westküste  des  tropischen  Afrika  eintreffen,  aber  nicht  da- 
Belbst  brüten. 

-  Michel  Aiansoii  berücksichtigt  bei  der  Beschreibung  der  am  Senegal  ge- 
fundenen ConchyUen  zum  ersten  Male  nicht  bloß  die  Schalen,  sondern  auch 

«das  Tier.   Er  tdlt  die  ConchyUen  in  Schnecken  und  Muscheln,  in  welcher 
Einteilung  ihm  1767  G-eoffroy  und  1774  Otto  Friedrich  Müller  folgen. 

-  Joseph  Black  lehrt  die  von  Helmont  zuerst  charakterisierte  Kohlensäure, 
die  er  als  fixe  Luft  bezeichnet,  näher  kennen  und  hebt  deren  saure, 
Alkalien  neutralisierende  Eigenschaft  hervor.  Er  beobachtet  auch  zuerst 
die  Ausscheidung  von  Kohlensäure  bei  der  Atmung. 

-  Friedrich  August  Cardiwmr  stellt  das  doppeltkohlensaure  Kali  dar,  dessen 
Natur   durch   G.  F.  BoueUe,    Cavendish    und   Bergman   aufgeklärt  wird. 

-  Charles  CavMilth  konstruiert  das  erste  Maximumthermometer,  sowie  das 
erste  Minimumthermometer. 

-  Nachdem  durch  ehester  More  Hall  (s.  1 729  H . )  die  Möglichkeit  der  Herstellung 
einer  achromatischen  Linse  gegeben  war,  beschäftigt  sich  John  Dollmid  mit 
der  Herstellung  von  Objektivgläsem,  die  er  aus  bikonvexen  Crownglas- 
und  konkaven  FUntglaslinsen  in  vorzüglicher  Qualität  herstellt  und  durch 
die  er  seinen  dioptrischen  Femrohren  eine  große  Überlegenheit  über  die 
bisherigen  Instmmente  gibt. 

-  John  FtÜMTflll  empfiehlt  Kino  als  „Novum  gummi  rubrum  adstringens 
gambiense"  zur  Aufnahme  in  den  Arzneischatz. 

-  Albrecht  von  Halltr  beschäftigt  sich  eingehend  mit  der  Emährungsfrage 
und  sucht  die  Mengen  der  Einnahmen  und  Ausgaben  des  Körpers  zu  er- 
mitteln. Er  spricht  klar  aus,  daß  durch  die  Arbeitstätigkeit  Stoffe  des 
Körpers  aufgezehrt  werden,  welche  durch  Nahrung  wieder  ersetzt  werden 
müssen. 

-  Albrecht  von  Hallar  macht  Beobachtxmgen  über  die  Entwicklung  des 
Keims  im  bebrüteten  Ei  und  über  das  Knochenwachstum.  Er  vertieft 
die  Anschauungen  von  Glisson  (s.  1672)  und  Cornelio  (s.  1680)  in  bezug 
auf  die  Kontraktionsfähigkeit  der  Muskeln  und  Gewebe  und  zeigt,  daß 
die  Lebensleistung  eines  jeden  Organs  ihren  Sitz  in  dem  Organ  selbst  hat, 
und  daß  die  Kräfte,  welche  die  charakteristische  Tätigkeit  eines  Organs 
bedingen,  in  diesem  selbst  gegeben  sind.    Er  trägt  durch  diese  seine  Irri- 

—     201     — 


1757 

tabilit&tBlehre  dazu  bei,  daß  die  Lelire  von  der  Lebenskraft  allinfthlich  « 
Boden  verliert.     (Vgl.  auch  1780  B.) 

1757  Peter  HogsMm  macht  in  seiner  Abhandlung  „Von  der  Verwahrung  de 
Getreides  und  der  Grewächse  vor  Frost  durch  Rauch"  den  Vorschlag,  Ge 
treidefelder  u.  dgl.  vor  den  Übeln  Folgen  der  Nachtfröste  durch  Ranch 
erzeugung  zu  schützen,  wie  dies  in  alten  Zeiten  vielfach  geübt  wurde 
(S.  1580.) 

—  John  SniMton  erbaut  in  den  Jahren  1757 — 1759  einen  steinernen  Leuchttun 
auf  den  Eddystone  Rocks,  etwa  14  englische  Meilen  südlich  von  Plymontli 
Der  Bau,  unter  großen  Schwierigkeiten  ausgeführt,  darf  als  eines  de 
kühnsten  Werke  der  Wasserbaukunst  gelten.  Von  der  Brandung  mit  de 
Zeit  unterspült,  ist  der  Turm  später  abgebrochen  und  1878 — 82  dud 
einen  51  m  hohen  Neubau  ersetzt  worden.     (Vgl.  a.  1756  S.) 

—  Alexander  Wlltoa  erfindet  die  araeometrischen  Glasperlen,  kleine  hohl 
Glaskugeln  von  ungleichem  Gewicht,  numeriert  nach  den  Abstufungen  de 
Dichte  der  Flüssigkeiten,  in  welchen  sie  einen  ihrem  Gewicht  gleiche 
Gewichtsverlust  erleiden.  Wirft  man  eine  Anzahl  solcher  Kugeln  in  di 
zu  untersuchende  Flüssigkeit,  so  sinken  sie  teils  zu  Boden,  teils  stdge 
sie  empor,  teils  erhalten  sie  sich  schwebend  in  der  Flüssigkeit.  Die  letzter 
geben  die  gesuchte  Dichte  an. 

1758—71  James  Brindtoy  baut  auf  Kosten  des  Herzogs  von  Bridgewater  de 
61  km  langen  Bridgewater-Kanal,  der  die  Steinkohlengruben  des  Herzog 
mit  Manchester  und  Liverpool  verbindet  und  dadurch  besonders  bemerkeni 
wert  ist,  daß  er  vermöge  eines  183  m  langen  und  12  m  hohen  AquAdokt 
über  den  schiffbaren  IrweU  und  den  Mersey  führt. 

1758  Der  englische  Militärarzt  BroekiMby  macht  die  ersten  Versuche  einer  Bi 
handlung  der  Kranken  in  behelfsweise  hergestellten  Hütten  leichteste 
Bauart.  Er  konstruiert  zu  diesem  Zwecke  auf  einer  Art  von  Pfahlrost  ii 
Holzbau  ausgeführte  kleine  Feldlazarette  (für  24 — 30  Kranke),  welche  ni 
Unterstützung  der  Luftzirkidation  mit  Öffnungen  im  Dach  versehen  sind 
Er  ist  damit  der  erste,  der  die  Dezentralisation  bei  den  Krankenhaus 
anlagen  anbahnt.     (Vgl.  indes  auch  1714  L.) 

—  John  diamploii  in  England  ermöglicht  die  Verarbeitung  der  Zinkblende  so 
Zink,  indem  er  die  Röstung  derselben  einführt,  bei  welcher  der  Schwefe 
ausgetrieben  und  das  Zink  oxydiert  wird. 

—  Nachdem  £.  Bartholinus  (s.  d.  1670),  sowie  der  schwedische  Bergrat  Andre« 
von  Swab  (1738)  gelegentlich  das  Lötrohr  bei  mineralogischen  Unta 
suchungen  angewendet  hatten,  begründet  Axel  Fredrik  OrwitMt  in  Stock 
holm  die  planmäßige  Anwendung  des  Lötrohrs  in  der  Mineralanalyse.  £ 
gibt  eine  Klassifikation  der  Mineralien,  in  welcher  er  dem  Sand  kein 
besondere  Klasse  zuerkennt,  da  derselbe  ein  Gemisch  kleiner  Steine  seL 

—  Jean  Dsietiiitt  entdeckt  die  hintere  Basalmembran  der  Hornhaut,  die  nad 
ihm  „Membrana  Descemetü'*  genannt  wird.  Auf  die  Priorität  diese 
Entdeckung  machte  auch  Pierre  Demours,  indes  mit  weniger  Recht,  Ai 
Spruch. 

—  Henri  Louis  DubanMl  du  Monctau  begründet  mit  seiner  „Physique  d'arbies 
die  wissenschaftliche  Epoche  des  Forstwesens. 

—  Henri  Louis  Duhamel  du  Monceau  macht  die  ersten  Versuche,  Pflanzen  i 
destilliertem  Wasser  zu  kultiWeron,  dem  er  die  Nährstoffe  in  paasendi 
Form  und  abgewogener  Menge  zusetzt.  Es  gelingt  ihm,  wie  später  Th^odoi 
de  Saussure  (1804),  Humphry  Davy  (1804),  Julius  Sachs  (1859)  und  Kno 
(1861)  auf  diese  Weise  Pflanzen  in  vollkommen  normaler  Ausbildung  an 
mit  reifem,  fortpflanzungsfähigem  Samen  zu  gewinnen. 

—     202     — 


175» 

i8  Leonhard  Entor  veröff entlieht  den  nach  ihm  benannten  Satz:  In  jedem  von 
Ebenen  begreneten,  einfach  zusammenhängenden  Körper  („Euler'schem 
Polyeder'*)  ist  die  Anzahl  der  Ecken,  vermehrt  um  die  der  Flächen,  gleich 
der  um  2  vermehrten  Anzahl  der  Kanten.  Indes  haben  Descartes  und 
vermutlich  auch  Archimedes  diesen  Satz  schon  gekannt,  da  der  letztere 
sonst  schwerlich  die  Stempolyeder  vollständig  hätte  angeben  können. 

•  Der  Engländer  Evtrttt  baut  die  erste  durch  Wasserkraft  betriebene  Tuch- 
schermaschine,  deren  Scheren  den  Handscheren  nachgeahmt  sind. 

•  Benjamin  FTinkllii  studiert  in  eingehender  Weise  und  auf  streng  wissen- 
schaftlicher Grundlage  den  durch  den  Schornstein  hervorgerufenen  Luftzug 
und  empfiehlt  die  Schornsteine  zur  natürlichen  Lüftung  und  Kühlung  der 
Wohnungen.  Eine  Erweiterung  seiner  Untersuchungen  findet  sich  in  seiner 
i.  J.  1785  erscheinenden  Schrift  „Beobachtungen  über  die  Ursachen  und  die 
Abhilfe  von  rauchenden  Kaminen". 

•  Der  Wiener  Arzt  Anthony  4t  Hatn  verwendet  das  Thermometer  in  größerem 
Maßstab  in  der  Medizin  und  benutzt  dasselbe  namentlich  zur  Messung  der 
Fiebertemperatur. 

-  Karl  von  Lliia^  führt  die  schärfere  Bestimmung  der  Arten  und  ihre  binäre 
Benennung  für  alle  ihm  bekannten  Tiere  durch.  (10.  Auflage  seines  „Sy- 
stema  naturae'*.) 

-  Andreas  Sigismund  Margfraff  weist  nach,  daß  die  Farbe  des  Lasursteins 
(Lapis  lazuli)  nicht  von  einem  Gehalt  an  Kupfer  herrühre,  daß  das  färbende 
Prinzip  vielmehr  Eisen  sei.  Klaproth  findet  1795  als  seine  Bestandteile 
Kieselerde,  kohlensauren  Kalk,  Alaunerde,  schwefelsauren  Kalk,  Eisenoxyd 
und  Wasser. 

-  Jedediah  8trutt  baut  den  Handkulierstuhl  von  Lee  (s.  1589)  zur  Erzeugung 
von  durchbrochenen  Wirkwaren  (Derby-rib  machine)  um. 

-  Andreas  von  8»ab  macht  bei  Gelegenheit  der  Untersuchung  eines  Zeoliths 
zuerst  auf  das  Gelatinieren  der  Kieselsäure  (Kieselgallerte)  aufmerksam, 
über  das  Bergman  1777  genaue  Angaben  macht. 

59  Franz  Ulrich  Theodor  Atplnus  eliminiert  aus  der  Elektrizitätslehre  die 
Cartesianischen  Vorstellungen  von  Ausflüssen  und  führt  in  dieselbe  die 
Newton'sche  Anschauungsweise  der  Kraftäußerung,  die  „Actio  in  distans"  ein. 

-  Giovanni  Ariuino  teilt  zuerst  in  seiner  Abhandlung  über  die  Gebirge  von 
Padua,  Vicenza  und  Verona  die  Berge  nach  ihren  Lagerungsverhältnissen 
und  nach  ihrer  Entstehung  in  primitive  (ohne  Versteinerungen),  sekundäre 
und  tertiäre  (mit  Überresten  von  Pflanzen  imd  Tieren)  und  in  vulkani- 
sche ein. 

-  Nachdem  bereits  1736  zu  Irkutsk  in  Sibirien  bei  strenger  Kälte  ein  Ge- 
frieren des  Quecksilbers  im  Thermometer  beobachtet  worden  war,  gelingt 
es  zuerst  Josias  Adam  Braun  in  Petersburg,  das  Quecksilber  durch  eine 
künstliche  Kältemischung  (Schnee  und  vordünnte  Salpetersäure)  zum  Ge- 
frieren zu  bringen. 

-  Johann  Heinrich  Lambert  gibt  in  seiner  Schrift  „Die  freie  Perspektive**  die 
Grundlehren  der  Zentral-  und  Parallelprojektion. 

-  L.  L.  F.  de  Lanrafuait  entdeckt  den  Essigäther  bei  Destillation  starker 
Essigsäure  mit  Weingeist,  wobei  vermutlich  eine  Mineralsäure  zugegen  war. 

-  Andreas  Sigismund  Marfcraff  bestätigt,  daß  die  Magnesia  eine  besondere 
Erde  ist  (vgl.  auch  1755  B.)  und  erkennt  deren  Vorkommen  in  verschie- 
denen Mineralien,  wie  im  Serpentin,  Speckstein,  Amianth  und  Talk.  Das 
Vorkommen  der  phosphorsauren  Magnesia  in  den  Knochen  stellen  1803 
Fourcroy  und  Vauquelin  fest. 

•  Jos^  Celestino  Mails  wendet  zuerst  die  Angosturarinde   als  Heilmittel  an. 

—     203     — 


1769 

Nach  Dentechland  gelangt  sie  erst  1788  durch  die  englkohen  Äiste  Ewi 
und  WilUams,  die  sie  von  Trinidad  mitgebracht  hatten. 

1769  William  PorttrfMd  gründet  auf  den  Scheiner'schen  Versuch  (s.  1615  S.)  ei 
Optometer,  d.  i.  ein  Instrument,  welches  durch  Bestimmung  des  Fen 
Punktes  des  Auges  den  Refraktionszustand  und  durch  gleichzeitige  B< 
Stimmung  seines  Nahepunktes  die  Akkommodationsbreite  festzusteDe 
gestattet. 

-a>  John  Roblson  ist  der  erste,  der  die  Anwendung  der  Dampfkraft  für  StraB« 
wagen,  und  zwar  seinem  Freunde  James  Watt  vorschl&gt. 

—  Fran^ois  8auvaget  dt  la  Croli  bringt  den  Ausdruck  „Typhus"  für  eine  \h 
stimmte  Gruppe  von  Affektionen,  und  zwar  einerseits  den  nervösen,  gaste 
sehen  und  Abdominaltyphus,  andererseits  den  Flecktyphus  zur  allgemeinei 
Anwendung  in  der  Pathologie,  doch  werden  Abdominal-  und  Flecktyphus  en 
1810  durch  Hildenbrand  und  namentlich  1836  durch  Grerhard  und  Pennod 
genauer  unterschieden  und  gegeneinander  abgegrenzt. 

—  Johann  Heinrich   von  SchQte  in  Augsburg  scheint  zuerst  die  gestDohenei 

Eupferplatten  zum  Drucken  in  der  Kattundruckerei  verwandt  zu  haben 

—  John  SmeatiNi  findet  in  seinen  Untersuchungen  über  die  Friktion  beim  Ein' 
griff  von  Rad-  und  Getriebezähnen  als  beste  Gestalt  der  Zähne  für  die 
Kammräder  die  zykloidische,  für  die  Stirnräder  die  epizykloidische. 

—  Robert  Symmtr  begründet  die  dualistische  Theorie  der  Elektrizität,  in 
welcher  die  auch  heute  noch  vielfach  benutzte  Hilfsvorstellung  von  den 
zwei  elektrischen  Fluiden  zum  Ausdruck  gebracht  ist. 

—  Josiah  Wtdfwood  gelingt  es,  unter  Vervollkommnung  der  Astburyschen  Ent- 
deckung (s.  1720  A.)  aus  weißem  Tone  von  Devonshire  und  gemahlenem 
Feuerstein  milchweißes  Steinzeug  und  Geschirr  herzustellen,  das  er  mit  einer 
glänzenden  Glasur  versieht  und  unter  dem  Namen  „Queen -Ware"  in  den 
Handel  bringt. 

—  Josiah  Wodfwood  erhält  durch  Brennen  einer  mit  verschiedenen  Metalloxy- 
den gemischten  Tonmasse  Nachahmungen  von  farbigen  Steinen  (namentiioh 
Achat)  und  erfindet  die  sog.  Jaspistöpferei,  welche  auf  der  Herstellung  einer 
besonders  zarten  und  schönen  weißen  Masse  beruht,  die  sich  durch  Zusaii 
von  Metalloxyden  in  der  ganzen  Substanz  färben  läßt.  Durch  Anbringung 
von  Reliefs  in  weißer  Masse  auf  gefärbter  Unterlage  stellt  er  die  nzoh 
ihm  benannte  „Wedgwood-Ware"  her. 

—  Johann  Heinrich  Zleglcr  bestimmt  die  Spannkraft  des  Wasserdampfs,  indem 
er  Dampf  in  einem  abgeschlossenen  Raum  erzeugt  und  feststellt,  welohei 
Druck  bei  einer  bestimmten  Temperatur  entsteht.  Von  gleichem  Priniip 
gehen  Watt  (s.  1764  W.),  B^tancourt  (s.  1792  B.)  und  G.  Schmidt  bei  ihren 
Bestimmungen  aus. 

1760  Robert  Bakowell  bewirkt  durch  sein  Züchtungs verfahren  die  Verbeasemni 
des  Leicesterschafes  und  des  „Longhom"- Rindes  in  so  vollendeter  Weine, 
daß  er  eine  ausgezeichnete  Grundlage  zu  allen  weitem  Fortschritten  1^ 

—  Johann  Gottlob  Immanuel  Breltkopf  in  Leipzig  unterzieht  die  Formen  d« 
Fraktur-  oder  sog.  „deutschen"  Druckschrift  (vgl.  1522  Dürer),  welche  im 
17.  Jahrhundert  aUe  Schönheit  verloren  hatte,  einer  durchgreifenden  Yer 
bcsserung.  Durch  seine  Bestrebungen,  die  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderti 
durch  die  Schriftschneider  Gebrüder  Walbaum  fortgesetzt  werden,  hat  da 
Frakturdruck  seine  heutige  Form  erhalten. 

—  Pieter  Camper  weist  zuerst  nach,  daß  die  Linse  des  Auges,  wie  Leeuwen 
hoek  vermutet  hatte,  aus  Fasern  besteht. 

—  Pieter  Camper  stellt  den  Gesichtswinkel  als  RaAscnmerkmal  auf  und  madu 
die  ersten  Versuche  der  Messung  von  Schädeln,  über  welche  er  in  sein« 
Schrift  „Über  die  Verschiedenheit  der  Gesichtszüge  des  Menschen"  beriohteit 

—     204     — 


1760 

1760  Domenico  IMiifHO  entdeckt  beim  Kochen  des  Hama  von  Wassersüchtigen 
und  Diabetikern  eine  gerinnbare  Substanz,  die  sich  als  Eiweiß  erweist. 
Er  entdeckt  den  „Aquaeductus  Cottunnii"  im  Felsenteil  des  Schläfen- 
beins und  Uefert  zuerst  den  sicheren  Nachweis,  daß  das  Labyrinth  Flüssig- 
keit enthält,  während  bis  dahin  die  aristotelische  Ansicht  galt,  daß  das- 
selbe Luft  enthalte. 

—      Qtutafftf  führt  eine  Losung  von  basisch  essigsaurem  Blei  als  äußerlich  zu  be- 

nntzendes  Mittel   in  den  Arzneischatz  ein.    (Goulard*sches  Wasser.) 
^     Wer   der  erste  Erfinder  der  Eunsthefe  ist,   läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit 
feststellen.    Die  ersten  Nachrichten  darüber  gibt  Ferdinand  Juttl  in  seinen 
„ökonomischen  Schriften  über  die  wichtigsten  Gegenstände  der  Stadt-  und 
Landwirtschaft". 

—  Robert  Kay,  Sohn  von  John  Kay,  ermöglicht  durch  die  Doppel-  oder 
Wechsellade  im  Webstuhl  das  Einschießen  verschiedenfarbiger  Fäden. 

—  Knoop  in  Holland  behandelt  in  seinem  „Hortulanus  mathematicus'*  die 
Obstzucht  und  gibt  eine  ausführliche  Beschreibung  der  europäischen 
Obstsorten. 

—  Der  Mathematiker  Joseph  Loms  Lagrangs  in  Turin  gibt  ein  Verfahren  zur  Lösimg 
der  Angaben  der  Variationsrechnung  an,  das  im  wesentlichen  noch  heute 
b«[iutzt  wird.  Eine  weitere  Förderung  hat  die  Variationsrechnung  ge- 
funden durch  Jacobi,  Weierstraß,  Schwarz  und  A.  Mayer. 

"  Johann  Heinrich  LamlMit  zeigt,  daß  die  durch  einen  Körper  hindurch- 
gehende Lichtmenge  in  geometrischer  Reihe  abnimmt,  wenn  die  Dicke 
des  Körpers  in  arithmetischer  Reihe  wächst.  Dieses  nach  Lambert  be- 
nannte Gesetz  wird  1828  von  J.  F.^  W.  Herschel  und  1853  von  Beer  (s.  d.) 
bestätigt.     (S.  a.  1857  B.) 

—  Johann  Heinrich  Lambert  erfindet  gleichzeitig  mit  Pierre  BoofiMr  das  Photo- 
meter  (Schattenphotometer)  und  begründet  die  Lehre  von  der  Messung 
des  Lichts  (Photometrie). 

—  Martin  Frobenius  LcdtrmAllar  gebraucht  zuerst  die  Bezeichnung  „Infusions- 
tiere", die  später  in  Infusorien  abgekürzt  wird. 

--  Anne  Charles  Larry  macht  die  ersten  Untersuchungen  über  das  Atmungs- 
zentrum.    (S.  a.  1812  L.) 

--  Johann  Tobias  Mayer  der  Ältere  gibt  seine  auf  die  Theorie  der  Mond- 
bewegung  (s.  1753  £.)  gegründeten  Mondtafeln  heraus,  aus  welchen  man 
den  Ort  des  Mondes  am  Himmel  für  jede  gegebene  Zeit  ohne  Schwierig- 
keit herleiten  kann.  Diese  Mondtafeln  ermöglichen  erst  die  Ausführung 
der  von  Vespucci  vorgeschlagenen  Längenbestimmung  nach  Monddistanzen. 
(VgL  1499  V.  und  1766  W.) 

—  John  Michail  steUt  eine  Hypothese  über  die  Fortpflanzung  der  unterirdischen 
Bewegungen  auf,  wobei  er  annimmt,  daß  die  Ursache  dieser  Bewegungen 
in  den  im  Erdinnem  erzeugten  Dämpfen  zu  suchen  ist.  Er  hat  eine  rich- 
tige Vorstellung  von  dem  Wesen  der  geologischen  Schichtung  und  weiß, 
daß  die  Schichten  in  der  Niederung  meist  wagerecht,  im  Gebirge  dagegen 
vielfach  gebogen  und  gebrochen  sind. 

—  Johann  Joosten  Mutschanbroak  erwähnt  zuerst  den  Farbenkreisel,  der  auf 
ähnlichem  Prinzip  wie  die  stereoskopischen  Scheiben  (s.  1832  P.)  beruht. 

^  Der  französische  Chirurg  Hugues  Ravaton  benutzt  zuerst  einen  an  vier 
Ringen  aufgehängten  Stiefel  aus  Blech  zur  „schwebenden'*  Lagerung  ge- 
brochener Beine,  eine  Erfindung,  die  gewöhnlich  Sauter  zugeschrieben  wird. 

<—  John  Smaaton  erfindet  das  Zylindergebläse  imd  führt  zuerst  ein  solches  mit 
vier  gußeisernen  Zylindern  für  den  Hochofen  des  schottischen  Eisenwerkes 
Carron  aus. 

—  Lazzaro  Spallanmuil   macht   Forschungen  über   die   Infusionstierchen,   den 

—     205     — 


1760 

Kreislauf  des  Blutes   und   die  Zeugungslehre  und  führt  insbesond* 
Nachweis,  daß  die  Befruchtung  durch  die  Samenkörper  stattfindet 

1760  Anton  ¥Ml  Störk  wendet  zuerst  den  Schierling,  den  man  bis  dahin 
gehends  als  Gift  betrachtet  hatte,  in  der  Medisin  und  zwar  innerlid 
Rhachitis,  Beinfraß  und  gegen  Kachexie  an. 

—  Clifton  Wlntringham,  Arzt  in  London,  führt  die  von  Borelli  begi 
Jatromathematik  in  bahnbrechender  Weise  weiter. 

1761  Jean  Astrac  bearbeitet  die  Hautkrankheiten  und  sucht  schon  fast  g 
modernen  Sinne  den  anatomischen  Sitz  der  einzelnen  Hautaffektion 
zustellen.  Er  unterscheidet  Epidermis,  Schleimmembran,  Cutis,  S< 
drüsen,  Talgdrüsen,  Haarbälge  und  Nervenpapillen. 

—  Joseph  Leopold  Auenbragfir  begründet  in  seinem  Buche  „luven tum 
ex  percussione  thoracis  humani  ut  signo  abstruses  intemi  pectoi 
bos  detegendi**  in  wissenschaftlicher  Weise  die  Perkussion  des  Thoi 
er  systematisch  zur  Diagnose  der  Krankheiten  der  Brusthöhle  l 
(S.  a.  1685  L.) 

—  Johann  Ullrich  Bllfutr  liefert  den  Nachweis,  daß  sehr  viele  Gliede 
Zungen,  die  nach  den  bis  dahin  geltenden  Grundsätzen  dem  Ampu' 
messer  verfallen  waren,  zur  Heilung  zu  bringen  sind  und  wird  da: 
Vorläufer  der  konservativen  Chirurgie. 

—  Der  Wagner  BIrner  in  München  konstruiert  die  erste  Schubfeuerlei' 
der  zwei  gleich  breite  und  gleich  lange  Leitern  aufeinander  liegen  un 
eiserne  Hülsen  verbunden  sind.  Die  Verlängerung  geschieht  durc 
ziehen  der  obem  Leiter  und  Befestigung  derselben  in  ihrer  Lag< 
eine  einfache  Hakenkonstruktion. 

—  Henri  Louis  DuhanMl  du  MoncMU  erwähnt  zuerst,  daß  im  Norden 
reichs  und  in  England  Ölkuchen  (besonders  Raps-,  Lein-,  Hanf-  uo 
nuskuchen  als  Düngemittel  Verwendung  finden;  doch  wird  diese  . 
Düngung  erst  um  1850  aUgemeiner. 

—  Die  tnglltclie  AdmlralHit  beginnt  mit  der  Kupferbeplattung  der  Schi 
Schutz  gegen  Bohrmuscheln. 

—  Der  französische  Orientalist  Joseph  te  GuIgnM  weist  in  seiner  „1 
g^n^rale  des  Mogols"  auf  die  Möglichkeit  hin,  daß  vielleicht  sc] 
5.  Jahrhundert  n.  Chr.  von  China  aus  über  Kamtschatka  und  die  Aleul 
bindungen  mit  Amerika  stattgefunden  haben  können.  Er  sucht 
weisen,  daß  die  Chinesen  Amerika  unter  dem  Namen  „Fusang**  ^ 
hätten.  Nach  neueren  Forschungen  ist  indes  Fusang  identis« 
Sachalin. 

—  Gottlieb  Kölrtutir  macht  die  ersten  Untersuchungen  über  die  B 
befruchtung  und  über  die  Bestäubungseinrichtungen  der  Pflanzen. 

—  Der  auch  sonst  um  die  Schiffshygiene  verdiente  Dr.  James  Lind  befü 
dringend  die  Wasserdestillation  an  Bord  der  Schiffe  (s.  a.  1717  C 
gibt  die  erste  Idee  zur  Vereinigung  des  Kochapparates  mit  dem  E 
tionsapparat;  er  stellt  zuerst  die  Behauptung  auf,  daß  kein  Zusi 
Salzen  nötig  sei,  um  destilliertes  Seewasser  trinkbar  zu  machen. 

—  Andreas  Sigismund  MarfS^aT  fördert  durch  seine  „Chy mischen  Schrift 
analytische  Chemie  in  allen  ihren  Zweigen. 

—  Nevil  Maiktlyiif  beobachtet  zuerst  beim  Venusdurchgang  am  6.  Juni 
scheinung  einer  dunklen  brücken  artigen  Verbindung  zwischen  Veni 
Sonnenwand  an  der  Stelle,  wo  die  innere  Berührung  stattfindet,  d 
„Schwarzen  Tropfen". 

—  Giambattista  Morfafiii   stellt   die   pathologische  Anatomie   des  Oh: 
eine  feste  wissenschaftliche  Grundlage.    Er  beschreibt  das  Antrum 
deum,  den  Inhalt  der  Paukenhöhle  der  Neugeborenen  und  die  Bec 

—     206      — 


1762 

der  Tuben  und  yerbratet  sich  über  die  Beziehungea  der  Mittelohreitenmgen 
«ad  Gebimabsseeae  und  über  den  Wert  der  Knochenleitung. 
lil  ^unbatÜBta  Wlwglf  I  handelt  in  seinem  Buche  „De  sedibus  et  causis  inor- 
bonim  per  anatomen  indagatis"  in  epochemachender  Weise  von  den  Frauen- 
krankheiten und  gibt  Mittel  zu  deren  Bekämpfung  an. 

-  Giambattista  liarflTil  beschreibt  das  nach  ihm  benannte  Taschenband  im 
Kehlkopf,  erwähnt  dessen  Appendix,  die  Drüsen  im  Ventrikel  und  präpariert 
den  später  nach  Wrisberg  benannten  keilförmigen  Knorpel.  Er  untersucht 
als  erster  den  Kehlkopf  pathologisch-anatomisch. 

•  Canten  lOaMtf  bereist  im  Auftrage  der  dänischen  Regierung  Arabien,  Per- 
tien,  Palästina  und  Kleinasien  und  wird  durch  seine  Schilderungen  und 
Karten,  die  Fülle  von  Beobachtungen  und  die  Aufnahmen  von  Denk- 
mälern der  Bahnbrecher  für  das  tiefere  Eindringen  in  die  Kunde  des  Orients. 

•  Johann  Grottakalk  WaHtrtaa  stützt  in  seiner  Schrift  „Agriculturae  funda- 
menta  ehemica"  die  Grundsätze  des  Ackerbaus  auf  die  Vergleichung  der 
Bestandteile  der  Pflanzen  mit  den  Bestandteilen  des  Bodens. 

12  Charies  Ba—tt  untersucht  in  seinen  „Consid^rations  sur  les  corps  organis^" 
die  Zeogunptheorien  und  nimmt  eine  Präformation  der  Keime  an,  welche 
namentlich  auch  durch  Albrecht  von  H  aller  und  Spallanzani  vertreten  wird. 

-  Auf  Anregung  des  französischen  Tierarztes  Claude  Bourfalat  wird  zu  Lyon 
die  erste  europäische  Tierarzneischule  gegründet.  Bourgelat  schreibt  über 
die  Proportionen  des  Pferdekörx)erB  und  erfindet  da«  Hippometer  zur  Be- 
stimmung derselben. 

-  James  BnMay  gibt  einen  mustergültigen  Sternkatalog  mit  3222  Stern - 
örtem  heraus. 

"  John  Gairtaa  gelingt  der  Nachweis,  daß  das  Wasser  durch  einen  äußeren 
Druck  eine  Verminderung  des  Volums  erfährt,  daß  es  also  kompressibel 
ist  (S.  a.  1661  A.)  Im  gleichen  Jahre  verbessert  er  das  Keibzeug  der 
Elektrisiermaschine,  indem  er  das  dazu  dienende  geölte  Seidenzeug  mit 
dner  Mischung  von  Zinnamalgam  und  Kreide  bestreicht  und  so  die  Wir- 
kung erheblich  erhöht.  Dies  Amalgam  wird  1788  von  Kienmayer  in 
Wien  noch  verbessert  und  nach  ihm  benannt. 

-  rakkl  in  Northwich  macht  die  erste  Resektion  des  Kniegelenks,  die  dann 
von  Park  (1781),  Moreau  (1792)  und  namentlich  von  William  Fergu88on(  1850) 
wesentliche  Verbesserungen  erfährt. 

-  Der  Geolog  G.  (Christian  FOehttl  stellt  eine  scharf  ausgeprägte  Ter- 
minologie der  Geologie  auf  und  definiert  zuerst  die  Begriffe  „Schicht**, 
,Jiager'*  und  „Formation**.  Sein  Hinweis,  daß  jede  Schicht  (sowie  Forma- 
tion) zugleich  eine  bestimmte  Periode  in  der  Entwicklung  der  Erde  be- 
zeichne, ist  in  der  Folge  grundlegend  geworden. 

•  diarles  La  Roy  widerlegt  die  durch  das  ganze  Mittelalter  verbreitete  Lehre, 
daß  der  Tau  von  oben  herabkonime  und  deutet  den  später  bestätigten 
Credanken  an,  daß  bei  der  Kälte  der  Nacht  die  Luft  den  bei  Tage  ver- 
schluckten Wasserdampf  nicht  bei  sich  zu  behalten  vermöge. 

'  Ehsabet  Christina  van  Linn^  berichtet  an  die  schwedische  Akademie  der 
Wissenschaften  über  die  von  ihr  gemachte  Entdeckung  des  Leuchtens  der 
Blüte  der  Kapuzinerkresse,  das  sie  zuerst  im  väterlichen  Garten  in  Upsala 
beobachtet  hat. 

Marcus  Antonius  Planciz  stellt  die  erste,  der  heutigen  sehr  ähnliche  Theorie 
der  ätiologischen  Bedeutung  der  Mikroorganismen  für  die  Entstehung  der 
Infektionskrankheiten  auf  und  erklärt  die  Fäulnis  durch  die  Entwicklung 
und  Vermehrung  der  Keime  „wurmartiger**  Wesen. 

Anton  ¥011  Stfrk  wendet  den  Eisenhut  (Aconitum)  iuierst  medizinisch  gegen 
Wechselfieber,  Geschwülste  und  gegen  rheumatische  Zustande  an.    Er  führt 

—     207      — 


1762 

das  von  den  Alten  bereits  angewendete  Bilsenkraut  wieder  ein,  wie  er 
auch  zuerst  den  Stechapfelextrakt  und  im  Jahre  1763  auch  das  Colchicum 
autumnale  medizinisch  anwendet. 

1762  Johann  Karl  Wllckt  spricht  das  Prinzip  des  Elektrophors  aus,  dessen  Wiik- 
samkeit  auf  der  Influenz  (vgl.  1753  C.)  beruht. 

1763  Der  vom  Gouverneur  von  Sibirien,  Tschitscherin ,  auf  eine  Entdeckungh 
fahrt  nach  Norden  ausgesandte  Sergeant  Andrtjtw  erreicht  die  südwestüolis 
Fortsetzung  des  jetzt  als  Wrangell-Land  bezeichneten,  aus  zahlieidNB 
kleineren  und  größeren  Inseln  bestehenden  Landkomplexes. 

—  Joseph  Black  bestimmt  zuerst  die  spezifische  Wärme  einer  Ahk^Ii|  von 
Körpern  nach  der  Mischungsmethode.  Ausgedehnte  Versuche  jnaoh  dieser 
Methode  machen  auch  Wilcke  (1764)  und  Crawford  (1778). 

—  Joseph  Black  bestimmt  zuerst  die  Verdampfungswärme  (latente  Wftrme)  ii. 
roher  Weise,  indem  er  ein  kleines  eisernes  Grefäß  mit  Wasserbau!  einea  mög- 
lichst gleichmäßig  brennenden  Ofen  stellt  und  die  Zeit  beobachtet,  ift 
welcher  das  Wasser  auf  100®  steigt,  und  die,  in  der  es  verdampft. 

1763—67  Nachdem  Pardies  (s.  1673  F.),  Newton  (1687),  Jean  Bemoulli  (1742)ii]id 
Leonhard  Euler  (1747)  die  Probleme  des  Schiffswiderstandes  zu  lösen  yer- 
sucht  hatten,  ohne  jedoch  befriedigende  Resultate  zu  erzielen,  macht  Jeai 
Charles  Bortfa  ausgedehnte  Experimente  mit  Schiffsmodellen,  Prismen  und 
Zylindern,  die  den  Weg  zur  Aufstellung  einer  Widerstandsformel  zeigen 
sollen,  jedoch  ebensowenig  als  die  Nachprüfung  dieser  Versuche  diudi 
Th^venard,  Bezout,  Condorcet  und  Bossut  (1775 — 78)  zum  Ziel  führen. 

1763  Richard  Lovell  Edcewortii,  Mitglied  des  englischen  Parlaments,  l&ßt  eüMO 
optischen  Telegraphen  zwischen  London  und  Newmarket  zu  seinem  Priyai- 
gebrauche  herstellen,  soweit  bekannt  die  erste  neuzeitliche  Anwendung  dei 
optischen  Telegraphie.     (Vgl.  400  Vegetius  und  1793  Cliappe.) 

—  Albrecht  von  Hallcr  spricht  in  seinen  „Elementa  phjsiologiae''  die  Über- 
zeugung aus,  daß  man  aus  den  anatomischen  Veränderungen,  die  man  an 
den  Leichen  Tobsüchtiger  und  Blödsinniger  finde,  manchen  nütiUohai 
Schluß  auf  die  Funktionen  der  verschiedenen  Hirnteile  ziehen  könne. 

—  Nachdem  die  Zichorie  schon  längere  Zeit  hindurch  am  Harze  als  Kalfea- 
surrogat  verwendet  worden  war,  lenkt  der  Major  vo«  Hslm  die  Aufmeik- 
samkeit  weiterer  Kreise  auf  dieses  Präparat.  Seitdem  bürgert  sich  die 
geröstete  Zichorie  als  Zusatz  zum  Kaffee  und  als  Ersatz  desselben  immei 
mehr,  zunächst  in  Norddeutschland,  ein. 

—  Hulot  konstruiert  einen  Schraubstock,  der  sich  um  eine  horizontale  AohM 
drehen  und  sich  außerdem  in  der  Vertikalebene  neigen  läßt,  wodurch  dem 
eingespannten  Arbeitsstück  die  verschiedenste  Lage  gegeben  werden  kann. 

—  Johann  Heinrich  Lambert  gibt  eine  Theorie  des  Sprachrohrs  und  schUgi 
vor,  das  konische  Sprachrohr  durch  ein  anderes  zu  ersetzen,  daa  ans  eineii 
Ellipsoid  und  einem  Paraboloid  zusammengesetzt  ist. 

—  Giambattista  Morgagni  behandelt  zuerst  in  umfassender  Weise  die  patfao* 
logische  Anatomie  der  Geisteskrankheiten  und  teilt  sowohl  Kranken 
geschichten  als  auch  Leichenbefunde  mit. 

—  Der  Kaufmann  Johann  Jacob  Ott  in  Zürich  macht  die  ersten  konseqnentei 
Messungen   der  Boden temperatur  in  verschiedenen  Tiefen.    (3.   1616  M. 

—  Der  Schichtmeister  Johann  J.  Poltunow  zu  Barnaul  in  Sibirien  erbaut  ein 
Dampf- Gebläse  in  aschine  zur  Winderzeugung  bei  metallurgischen  OperationeD 

—  Johann  Gottskalk  Wallerlat  gibt  eine  umfassende  Kritik  der  Kennzeiohei 
der  Mineralien,  die  dem  mineralogischen  Studium  eine  neue  Richtung  gib 
und  die  systematische  Einteilung  der  Mineralien  erleichtert. 

—  John  Wilson  aus  Ainsworth  verbessert  die  Baum  wollsam  tfabrikation,  indei 
er  das  die  Samtstoffe  charakterisierende  Haar  aus  einem  Polsohuase  bilde! 

—     208     — 


1765 

Um  das  Haar  abzugleichen,  bearbeitet  er  znerst  den  Stoff  auB  freier 
Hand  mit  dem  Rasiermeeser,  fuhrt  aber  dann  das  Absengen,  erst  mit 
der  Weingeistflamme,  dann  mit  glühendem  Eisen  ein.  In  neuerer  Zeit  wird 
statt  dessen  das  Abscheren  auf  der  Schermaschine  angewendet. 

64  Louis  Claude  CaM  dt  Ganleowt  entdeckt  die  rauchende  arsenikalische 
Flüssigkeit,  flüssiger  Pyrophor  genannt,  von  der  Bunsen  bei  seiner  Arbeit 
aber  das  Kakodyl  ausgeht. 

-  Domenioo  Cotugno  beschreibt  zuerst  die  Neuralgie  der  Hüftnerven,  Ischias, 
die  nach  ihm  „Malum  Cotunnii"  genannt  wird. 

-  Während  man  in  der  Buchdruckerei  den  „Kegel*'  (d.  i.  die  Stärke  des 
Typenkörpers  in  der  Richtung  der  Höhe  des  Buchstabenbildes)  bis  dahin 
in  willkürlichen  Abstufungen  w&hlte,  stellt  zuerst  der  französische  Schrift- 
gießer Fornrntor  It  Jtans  bestimmte  Regeln  auf  und  gibt  in  seiner  Schrift 
„Manuel  typographique"  eine  nach  sog.  typographischen  Punkten  ge- 
staltete Einteilung  der  Typen.    (Vgl.  1879  B.) 

-  Die  Brüder  Qravtnhorit  in  Braunschweig  erfinden  das  Braunschweiger  Grün 
(basisches  Kupfercarbonat). 

-  Erik  Laxmann  in  St.  Petersburg  benutzt  zuerst  in  rationeller  Weise  das 
Glaubersalz  als  Flußmittel  bei  der  Glasbereitung.  Durch  Baader  (1803), 
Scholz  und  Kim  (1839)  wird  die  Verwendung  des  Glaubersalzes  weiter 
gefördert,  doch  erst  durch  Pelouze*8  Bemühungen,  der  das  Glaubersalz 
vöUig  eisenfrei  herstellt,  wird  dessen  Verwendung  auch  für  weißes  Glas 
ermöglicht. 

-  Antoine  Louis  empfiehlt  bei  Blutungen  nach  Amputationen  statt  der 
Toumiquets  die  Digitalkompression. 

-  David  MacMdo  erkennt  die  bei  der  Gärung  auftretende  Gasart  als  Kohlen- 
saure. Die  Quantität  der  entstehenden  Kohlensäure  wird  zuerst  1766  von 
Cavendish  bestimmt. 

-  Andreas  Sigismund  Marfcriff  führt  den  exakten  Beweis  für  die  viel  be- 
strittene Präezistenz  des  Alkalis  in  der  Pflanze,  der  1774  durch  Wiegleb 
noch  vervollkommnet  wird.  Urban  Hiäme  hatte  diese  Präexistenz  schon 
1707  behauptet,  während  Heimont,  Boyle,  Lemery  und  Stahl  sie  ge- 
leugnet hatten. 

-  James  Watt  macht  Versuche  über  die  Abhängigkeit  der  Spannkraft  des 
Wasserdampfs  von  der  Temperatur  und  über  den  Dampfverbratich  der 
Newcomen'schen  Maschine. 

65  Im  Gregensatz  zu  der  1604  erschienenen  Karte  Tirols  von  Warmund  Ygl 
und  den  Kartenbildem  der  Alpen  von  Matthias  Seutter  gibt  Peter  Anich 
in  seinem  „Atlas  Tirolensis'*  die  Berge  und  Gletscher  in  richtiger  Weise 
und  in  naturtreuer  Darstellung  wieder. 

-  Der  englische  Techniker  Cragtr  erfindet  die  Kettenspulmaschine. 

-  Leonhard  Eultr,  der  1736  eine  Theorie  der  Präzeesion  gegeben  hatte,  gibt 
in  seinem  Werke  „Theoria  motus  corponim  solidorum  seu  rigidorum'*  eine 
gnmdlegende  Theorie  der  Hauptachsen  der  Drehung  im  allgemeinen,  sowie 
die  Darstellung  der  Bewegungen  um  beliebige  Achsen  in  spezielleren  Fällen. 
Er  entwickelt  daselbst  zuerst  den  Begrifi  des  Trägheitsmoments  und  gibt 
ihm  auch  den  Namen.    („Momentum  inertiae.*') 

'  Feiice  Fontana  publiziert  eine  wertvolle  Arbeit  über  das  Vipemgift  und 
beobachtet  die  nach  ihm  benannte  Bänderung  an  den  Nervenstämmen. 

'  Albrecht  von  Hailsr  lehrt  auf  experimentellem  Wege  die  große  Schädlichkeit 
faulender  Substanzen  kennen  und  führt  die  seit  dem  Altertum  bekannten 
und  voa  Hippokrates,  Celsus  und  Boerhaave  beschriebenen  „Fibrae  pesti- 
ferae**  (Septichaemie)  auf  Fäulnisstoffe  der  Luft  zurück. 
Francis  Homt  beschreibt  —  unter  dem  von  Patrik  Blair  1713  geschaffenen 
Darmgtaedter.  14 

—     209     — 


1765 

Namen  Croup  —  die  Diphtherie  als  eine  Krankheit  entzündlicher  Art  und 
weist  auch  wie  Villa  Beal  (s.  1611  V.)  auf  die  charakteristiBche  Membnn- 
bildung  hin.  So  vorzüglich  die  Abhandlung  ist,  so  trägt  sie  doch  zu 
Verwechslungen  zwischen  Croup  und  Diphtherie  bei,  die  erst  durch  Bre- 
tonneau's  Eingreifen  (s.  1818  B.)  beseitigt  werden. 

1765  La  Sallo  erfindet  das  Papier,  auf  welches  man  die  Muster  für  Weberei  und 
Stickerei  zeichnet  (Patronenpapier)  und  bemüht  sich,  den  Zugstuhl  für 
größere  Dessins,  namentlich  auch  für  Möbelstoffe,  zu  verbessern. 

—  Otto    von  MOnchhausMi    entwickelt    in    seinem   „Hausvater"    die    Theorie 
'    des  Pfluges. 

—  Jakob  Christian  MMhf,  evangelischer  Prediger  in  Regensburg,  erfindet 
das  Holzstoffpapier,  das  er  aus  feinen,  mit  Wasser  zu  Brei  verriebenen 
Sägespänen  herstellt.  Seine  Erfindung  verfällt  der  Vergessenheit.  Doch 
ist  seine  Priorität  gegenüber  Keller  (s.  1843  K.)  unbestritten,  wie  dies  dnich 
seine  Schrift  „Sämtliche  Papierversuche,  sechs  Bände,  nebst  81  Mustern, 
Regensburg  1766'*  klar  bewiesen  wird.  Schäffer  hat  auch  zuerst  ein  nn* 
verbrennUches  Asbestpapier  hergestellt,  und  die  Verwendung  des  Papien 
zu  Kleider-  und  Wäschestoffen  empfohlen. 

—  Lazzaro  Spallanianl  erfindet  im  Laufe  seiner  Untersuchungen  über  die  toe 
John  Tuberville  Needham  (1745)  behauptete  Generatio  spontanea  (Ur 
Zeugung)  die  Methode,  zersetzungsfähige  Flüssigkeiten  dadurch  vor  dei 
Zersetzung  zu  schützen,  daß  er  sie  kocht  und  nur  erhitzter  Luft  den  Zi 
tritt  gestattet. 

—  James  Watt  trennt  bei  der  Dampfmaschine  den  Kondensator  mit  der  Lnft 
pumpe  vom  Zylinder,  befreit  dadurch  den  Zylinder  von  der  schädlichei 
Abkühlung  durch  das  Einspritzwasser  und  gibt  dem  Zylinder  einen  sehnt 
zenden  Mantel. 

1766  Der  schwedische  Chemiker  Torbem  Bargman  setzt  die  Experimente  voi 
Canton  und  Aepinus  über  Pyroelektrizität  fort  und  erkennt  das  Umspringei 
der  Pole  beim  Abkühlen  des  Turmalins. 

1766—69  Louis  Antoine  de  Boufalnvllle  macht  die  erste  von  Franzosen  ausge 
führte  Weltumsegelung,  entdeckt  die  Korallenriffe  an  der  Ostküste  Austn 
liens  und  die  Louisiaden  und  findet  einige  der  Salomoninseln  wieder  ani 

1766  Henry  Cavendith  entdeckt,  daß  das  Wasserstoffgas  eine  eigentümliche  Lnfi 
art  ist,  welche  entsteht,  wenn  man  Eisen,  Zinn  oder  Zink  in  verdünnte 
Schwefelsäure  oder  Salzsäure  auflöst.  (S.  a.  1783  L.)  Er  untersucht  di 
Kohlensäure  noch  eingehender  als  es  Black  (s.  1757  B.)  getan  hatte  nn* 
konstatiert  namentlich  auch,  daß  sich  bei  der  Weingärung  Kohlensäui 
entwickelt,  und  daß  dieses  Gas  identisch  mit  dem  aus  Marmor  und  Sali 
säure  erhaltenen  ist.     (Vgl.  a.  1764  M.) 

—  Henry  CavMidIsh  macht  eingehende  Untersuchimgen  über  die  spezifische 
Gewichte  der  bekannten  Gasarten,  wie  der  Kohlensäure  und  des  Wassei 
Stoffs.  In  lunf angreichem  Maße  werden  solche  Bestimmungen  1787  va 
Kirwan  unternommen.     (S.  a.  1669  M.) 

—  Johann  Gottüeb  Gähn  entdeckt,  daß  die  Knochen  größtenteils  aus  pb« 
phorsaurem  Kalk  bestehen.  Diese  Entdeckung  erst  ermöglicht  die  Dai 
Stellung  des  Phosphors  in  größerem  Maßstabe. 

—  Johann  Heinrich  LambtTt  wird  durch  seine  (erst  i.  J.  1786  veröffentlicht« 
„Theorie  der  Parallellinien*'  ein  Vorläufer  der  nichteuklidischen  Greometri« 
(S.  1826  L.)  Er  führt  die  hyperbolischen  Fimktionen  ein  und  beweist  di 
Irrationalität  der  Zahl  .t. 

—  Amöd^e  Luilin  beschreibt  in  seiner  „Dissertatio  physica  de  electricitate 
den  nach  ihm  benannten  Versuch  der  Durchbohrung  eines  Kartenblattc 
durch  den  Entladungsschlag  einer  Franklin'schen  Tafel,  wobei  der  Funk 

—     210     — 


1767 

von  der  Spitze,  die  mit  der  positiv  elektrischen  Belegung  verbunden  ist, 
über  die  Fläche  der  Karte  fortgeht  und  dieselbe  in  der  Nähe  der  nega- 
tiven Spitze  durchbohrt. 

1766  Peter  Simon  Pallat  bahnt  zuerst  eine  mehr  naturgemäße  Einteilung  der 
linn^'schen  Tierklasse  Vermes  an,  indem  er  die  Nacktschnecken  und 
Sepien  mit  den  Schaltieren,  die  Ringelwürmer  mit  Gordius  und  den  Ein- 
geweidewürmern zusammenstellt  und  eine  eigene  Hauptabteilung  „Centro- 
mas" für  die  strahlig  gebauten  Tiere,  wie  Seeigel,  Seesteme  und  Aktinien 
aufstellt.  Es  ist  dies  die  erste  Andeutung  der  später  von  Cuvier,  Leuckart 
n.  a.  aufgestellten  Hauptkreise  unter  den  wirbellosen  Tieren. 

1766—85  Ludwig  Pfyflfir  verfertigt  die  erste  auf  geometrischen  Grund- 
sätzen beruhende,  in  Wachs  ausgeführte  Reliefkarte,  und  zwar  der  Zentral- 
Schweiz.    (Vgl.  auch  1510  Dox.) 

1766  John  Piiroell  nimmt  das  erste  Patent  auf  Herstellung  von  Draht  durch 
Walzen.  Ungefähr  gleichzeitig  wird  die  Walzendrahtzieherei  von  Fleur, 
Direktor  der  Münze  in  Besan^on,  in  Frankreich  eingeführt. 

—  Der  österreichische  Stallmeister  und  Tierarzt  J.  von  Sind  gibt  in  seinem 
Werke  „Der  im  Felde  und  auf  der  Reise  geschwind  heilende  Pferdearzt" 
viele  zweckmäßige,  wenn  auch  —  der  Zeitrichtung  entsprechend  —  noch 
sehr  umständliche  Rezepte  und  ist  als  Autorität  in  bezug  auf  den  Hufbe- 
Bchlag  zu  bezeichnen. 

—  Der  Wittenberger  Professor  Johann  Daniel  Titiiit  weist  darauf  hin,  daß 
der  Abstand  der  Planeten  von  der  Sonne  annähernd  durch  die  Formel 
44-3-2n  ausgedrückt  wird,  wobei  der  Wert  von  n  für  Merkur  =  0,  für 
Venus  =  7»»  f^  ^^  Erde=  1,  für  Mars  =  2  und  so  weiter  für  jeden  ent- 
fernteren Planeten  das  Doppelte  des  vorhergehenden  beträgt.  Die  Reihe 
läßt  erkennen,  daß  für  n  =  4  ein  Planet  (der  Ort  der  tatsächlich  später 
entdeckten  Planetoiden)  fehlt.  Auch  hat  sich  die  Formel  bei  der  Auf- 
findung des  Uranus,  dagegen  nicht  mehr  bei  dem  Neptun  bewährt.  Die 
Titius'sche  Regel,  erst  durch  Bode  1772  allgemein  bekannt  geworden,  heißt 
daher  auch  Titius-Bode'sche  Reihe. 

1766—68  Samuel  Wallis  führt  auf  seiner  in  Gemeinschaft  mit  Philipp  Cartoret 
ontemommenen  Weltumsegelung  die  erste  Längenbestimmung  nach  Mond- 
abständen  aus,  die  schon  1499  von  Vespucci  (s.  d.)  vorgeschlagen  worden 
war,  aber  erst  praktisch  ausgeführt  werden  konnte,  nachdem  die  Mond- 
tafeln  von  J.  T.  Mayer  (s.  1760  M.)  erschienen  waren.  Im  Verfolg  dieser 
Reise  wird  die  Pitcaim-Insel  entdeckt,  die  Carteret-Straße  durchfahren 
und  die  Lage  der  Salomons-  und  der  Gesellschaftsinseln  festgestellt. 

1767  John  Berkenhout  führt  die  Musierung  der  Spielkarten  auf  der  Rückseite 
ein;  bis  dahin  war  dieselbe  stets  weiß  geblieben. 

—  Henry  Cavandlsh  entdeckt  die  Löslichkeit  des  kohlensauren  Kalks  in  kohlen- 
säurehaltigem  Wasser. 

--  Joseph  Louis  Lacranst  wendet  die  Kettenbrüche  auf  die  Lösung  unbestimmter 
Gleichungen  und  auf  die  näherungsweise  Berechnung  der  Wurzelwerte 
höherer  algebraischer  Gleichungen  an. 

—  Timothy  Lane  bildet  die  Leidener  Flasche  zu  der  nach  ihm  benannten 
Maßflasche  aus,  indem  er  beide  Belegungen  mit  Funkenkugeln  verbindet, 
die  in  einen  beliebig  bestimmten  Abstand  gebracht  werden  können.  Sobald 
die  Maßflasche  mit  einer  bestimmten  Elektrizitätsmenge  geladen  ist,  findet 
Selbstentladung  statt,  so  daß  man  durch  die  Zahl  dieser  Selbstentladungen 
ein  Maß  der  entwickelten  Elektrizitätsmenge  gewinnt. 

—  Reynolds,  Mitbesitzer  der  Coalbrookdale-Eisenwerke,  baut  die  erste  eiserne 
Spurbahn.      Die    gußeisernen    Schienen,    1,5    m    lang,     11  cm   breit  und 

14* 

—     211     — 


1767 

beiderseits    in    M-Form    aufgekrempt,    werden    auf     hölzernen    Längs- 
schwellen  verlegt.     (Vgl.  1776  C.) 

1767  James  Watt  konstruiert  die  doppeltwirkende  Dampfmaschine,  indem  et 
beide  Kolbenhübe  als  Arbeitshübe  benutzt  und  erreicht  dadurch,  wenigstem 
bei  geringen  Umdrehzahlen,  eine  größere  Gleichförmigkeit  des  Ganges  dei 
Maschine  als  bisher. 

1768  William  Altxandtr  untersucht  die  Wirkung  der  verschiedenen  antiseptisehen 
Mittel,  wie  Chinarinde,  Salpeter,  Sublimat,  Ealomel,  Campher,  Kalkwaflsei 
auf  Infusorien  xmd  erwähnt,  daß  es  außer  diesen  Stoffen  noch  viele  gibt, 
womit  man  diese  Tierchen  töten  könne.  Er  geht  jedoch  nicht  dazu  über, 
seine  Untersuchungen  in  der  Praxis  der  Wundbehandlung  zu  verwerten. 

—  Antoine  Bauiil^  konstruiert  ein  Skalenaraeometer,  welches  späterhin  in 
der  chemischen  Technik  so  große  Verwendung  findet,  daß  die  Bezeich 
nung  der  Konzentration  der  Flüssigkeiten  nach  Baum^graden  eine  gani 
allgemeine  wird. 

—  Der  italienische  Physiker  Giacomo  Battista  Bacearia  weist  bei  G^egenhei^ 
einer  in  Piemont  ausgeführten  Gradmessung  den  Einfluß  der  Alpen  au 
die  Pendelabweichungen  nach. 

1768 — 73  Der  Schotte  James  Bruce  unternimmt  die  erste  wissenschaftliche  Afrika 
reise,  hält  sich  drei  Jahre  in  Abessinien  auf  und  entdeckt  1770  den  Ur 
Sprung  des  blauen  Nils  aus  dem  Tanasee  wieder,  nachdem  bereits  Ptole 
maeus  den  Ursprung  des  Blauen  und  Weißen  Nils  angegeben  hatte,  dies 
Kunde  jedoch  in  Vergessenheit  geraten  war.  (Vgl.  seine  Schrift  „Travel 
to  discover  the  Sources  of  the  Nile".) 

1768  Nachdem  schon  Marggraf  1750  ein  Leuchten  des  mit  brennbaren  Sub 
stanzen  kalzinierten  Gipses  hatte  wahrnehmen  wollen,  bereitet  Johi 
Canton  durch  Glühen  von  Austemschalen  mit  Schwefel  den  nach  ihm  bc 
nannten  Canton'schen  Phosphor  (Schwefelcalcium). 

—  Michel  Ferdinand  Duo  de  Chaulntt  wendet  zuerst  das  Mikroskop  zur  Bc 
Stimmung  von  Brechungsindices  an. 

1768 — 71  James  Cook  umfährt  auf  seiner  ersten  Reise  Neuseeland,  entdeckt  di 
Cookstraße  und  die  Ostküste  Australiens  und  findet  die  TorresstraO 
wieder  auf.  Außerdem  schafft  er  Klarheit  über  die  Inselwelt  der  Südsei 
Unter  anderem  entdeckt  er  die  Botanybai,  die  er  nach  der  reiche 
botanischen  Ausbeute  seiner  Begleiter  Banks  und  Solander  benennt. 

1768  Leonhard  Eultr  führt  in  die  Undulationstheorie  die  Periodizit&t  der  Schwii 
gungen  ein  (Begriff  der  Wellenlänge). 

—  Johann  Heinrich  Hagtn  findet,  daß  Natron  weniger  Affinität  zu  Säure 
hat,  als  das  Alkali  der  Pottasche,  und  zeigt,  daß  bei  der  Zersetzung  vo 
Glaubersalzlösung  mit  Pottasche  zuerst  schwefelsaures  Kali  und  dann  Sod 
auskrystallisiert.  Die  Methode,  die  für  die  Sodadarstellung  bestimii 
war,  ergab  indes  dafür  keinen  praktischen  Nutzen. 

—    Der   englische  Weber   James   Hargroavot   erfindet   die   Mule- Jenny- Spini 
maschine. 

—  HMttant  und  Macquor  teilen  der  Pariser  Akademie  der  Wissenschaften  mit,  da 
es  ihnen  gelungen  sei,  den  Kautschuk  in  Dippelöl,  Terpentinöl  und  reinei 
Äther  aufzulösen.  Sie  machen  den  Vorschlag,  denselben  zur  Herstelloii 
medizinischer  Sonden  und  kleiner  Röhren,  wie  solche  in  Laboratorien  g« 
braucht  werden,  zu  verwenden,  welche  Ide<5  von  Grossart  in  die  Praz 
übersetzt  wird. 

1768—73  Peter  Simon  Pallas  erkennt  während  seiner  auf  Befehl  der  Kaiseij 
Katharina  gemachten  wissenschaftlichen  Heise  durch  Sibirien  die  aUg« 
meine  Übereinstimmung  der  Tier-  und  Pflanzenwelt  des  nördlichen  ub 
gemäßigten  Asiens  bis  zum  Baikalsee  mit  der  europäischen  und  ist  dam 

_     21S     — 


1769 

der  Begründer  des  Begriffs  eines  pal&arktisohen  Reiches  für  Tier- 
und  Pflanzengeographie  9  wenn  er  auch  diesen  Ausdruck  noch  nicht 
gebraucht. 

1768  Peter  Simon  Pallat  konstatiert  während  seiner  Beise  (s.  vorstehend)  die 
auffallende  Häufigkeit  der  Überreste  vom  Mammut,  Rhinozeros  und  Bison 
in  der  sibirischen  Ebene,  wobei  er  u.  a.  eine  noch  mit  Haut  und  Haaren 
erhaltene,  am  Wüniflusse  gefundene  Rhinozerosleiche  beschreibt.  Pallas 
bezeichnet  den  Granit  als  den  Kern  aller  Hauptgebirge. 

—  Prartrs  in  Coventry  faßt  zuerst  den  Gledanken,  Leder  seiner  Dicke  nach 
derart  zu  spalten,  daß  die  Narbenseite  von  der  Fleischseite  getrennt  wird 
und  zwei  Blätter  entstehen,  deren  jedes  für  sich  zu  geeigneten  Zwecken 
verwendet  wird. 

—  Jean  Ren6  SlfauK  macht  zuerst  den  Vorschlag,  bei  Beckenenge  die  Sym- 
physeotomie  vorzunehmen  und  führt  1777  die  erste  derartige  Operation 
an  einer  Kreißenden  mit  relativ  günstigem  Erfolge  aus. 

—  Johann  Daniel  TItliis  empfiehlt  zur  Bepflanzung  der  Dünen  das  Sandrohr 
(Arundo  arenaria),  und  äußert  hinsichtlich  des  Dünenbaus  in  einer  durch 
die  naturforschende  Gesellschaft  in  Danzig  veranlaßten  Preisschrift  eine 
Rdhe  von  G^anken,  die  später  von  Björn  (s.  1796B.)  weiter  ausgebaut  und 
nutzbar  gemacht  werden. 

—  Johann  Gottskalk  WaHtrlut  beschreibt  verschiedene  für  die  Mineralchemie 
wichtige  Tatsachen:  Destillation  des  Quecksilbers  aus  dem  Zinnober, 
Knoblauchgeruch  der  Arsenverbindungen  beim  Erhitzen  auf  Kohle,  Blau- 
färbung des  Boraxglases  durch  Kobalt. 

—  Charles  White  erkennt  den  großen  therapeutischen  Wert  der  Grelenkresektion 
und  gibt  bestimmte  Regeln  für  deren  Ausführung.  Er  schreibt  eine  wert- 
volle Arbeit  über  die  Luxation  des  Schultergelenks  und  macht  am  14.  April 
die  erste  Resektion  des  Schultergelenks. 

—  Johann  Karl  Wllcfce  gibt  die  erste  Isoklinenkarte  der  ganzen  Erde  heraus. 
(VgL  1701  W.) 

—  Kaspar  Friedrich  WoHf  zeigt  in  seiner  grundlegenden  Untersuchung  über 
die  Bildung  des  Darmkanals  des  Hühnchens,  die  in  der  Schrift  „Über 
die  Bildung  des  Darmkanals  der  Tiere*'  niedergelegt  ist,  daß  der  Darm- 
kanal  im  Ei  anfänglich  als  ein  blattförmiges  Gebilde  (Keimblatt)  angelegt 
ist,  daß  dieses  sich  darauf  zu  einer  Halbrinne  einkrümmt  und  endlich 
zu  einem  Rohr  umgestaltet  wird.  Er  vermutet,  daß  in  ähnlicher  Weise 
die  übrigen  Organsysteme  entstehen. 

—  Kaspar  Friedrich  Wolff  tritt  dem  Dogma  der  Evolutionstheorie  (s.  1669  S. 
und  1762  B.)  entgegen  und  stellt  den  Grundsatz  auf,  daß,  was  man  nicht 
mit  seinen  Sinnen  wahrnehmen  könne,  auch  nicht  im  Keim  präformiert 
vorhanden  sei.  Er  wird  hierdurch  der  Begründer  der  Lehre  von  der 
Epigenesis. 

1769  Richard  Arkwrlght  baut  in  Nottingham  die  erste  praktische,  mit  Wasser- 
kraft betriebene  Spinnmaschine  (Waterspinnmaschine). 

*  Nachdem  schon  1690  Elie  Richard  einen  Straßen  wagen  gebaut  hatte,  der 
von  einer  hinten  sitzenden  Person  vermittels  eines  Zahnradgetriebes  mit 
den  Füßen  in  Bewegung  gesetzt  wurde,  baut  der  französische  Offizier 
Joseph  Ougnot  einen  dreirädrigen  Dampfwagen,  bei  dem  er  die  Richard'sche 
Übertragung  durch  Zahnräder  und  den  Vierwegehahn  (1720)  verwendet, 
und  der  zum  Transport  von  Kanonen  benutzt  wird. 

"-  John  Ellii  gibt  in  einem  Briefe  an  Linn6  die  erste  Nachricht  über  eine 
fleischfressende  (insektenfressende)  Pflanze,  die  Dionaea  (Venusfliegenfalle), 
die  in  ihren  bei  Berührungen  lebhaft  zusammenklappenden,   gewimperten 

—     213     — 


1769 

und  borstigen  Blättern  Insekten  fängt  und  aussaugt.     Ein  ahn 
halten  beobachtet  1782  Roth  an  der  Drosera.    (S.  a.  1875  D.) 

1769  Robert  Fratt  und  Holmet  gelingt  es,  auf  einem  abgeänderten  ] 
stuhl  eine  Art  Tüll  mit  sechseckigen  Maschen  zu  erzeugen,  der 
dem  Namen  „Point  net"  gut  einführt  und  vielfach  zum  Au& 
Blumen  verwendet  wird. 

—  Jean  Baptiste  Leprinee    erfindet    die  Aquatinta-Technik,    eine 
Kupferstichs,   bei  der,  wie  bei  der  Schabekunst,    die  Grundla^ 
ist,  aus  dem  das  Licht  mittels  Ätzen  herausgearbeitet  wird. 

—  David  Macbrlde  führt  die  Schnellgerberei  mittels  Lohbrühe  ein  i: 
zuerst  verdünnte  Schwefelsäure  zum  Schwellen  der  Häute. 

—  Als   erstes  Beispiel  der  Anwendung  der  Luftheizung  in  der  n 
gilt  die  Einrichtung  der  Heizung  im  Arbeitszimmer  Friedrichs 
im  Neuen   Palais   zu  Potsdam,    ausgeführt   durch   den  Schlol 
MangMT.    Die  Heizkammer   befand  sich  im  Keller;   die  auf  50 
Luft  stieg  von  selbst  in  Heizkanälen  in  die  oberen  Räume. 

—  Der  Pfarrer  Mayer  zu  Kupferzeil  macht  nachdrücklich  auf  die  d 
bereits  bekannte  Wirkung  des  Gipses  als  Düngungsmaterial  ai 
die  dann  B.  Franklin  seinen  Landsleuten  praktisch  vor  Augen 

—  Playtalr  erhält  am  24.  Mai  ein  Patent,   feineres  Formeisen  du 
herzustellen,  und  am   17.  Dezember  ein  weiteres  Patent,    um 
spitz  zulaufend  zu  machen  und  um  Schaufeln  zu  walzen. 

—  Der  Chemiker  Karl  Wühelm  Scheele  erhält  durch  Zerlegung  voo 
saurem  Kalk  mit  Schwefelsäure  die  Weinsteinsäure,  die  jedoc! 
von  Retzius  krystallinisch  erhalten  wird.  Er  zeigt  hierdurch 
seine  ferneren  Arbeiten,  daß  man  die  Pflanzenbestandteile  syst< 
Form  chemischer  Individuen  darstellen  könne  und  wird  so  dei 
der  modernen  Pflanzenchemie. 

—  Jacques  de  Vaucanson  verbessert  die  Maschinen  zum  Moirierei 
der  Stoffe.  Das  Moirieren  war  zu  Beginn  des  18.  Jahrhunde: 
land  aufgekommen  und  in  der  Weise  ausgeübt  worden,  daß  der 
Stoff  zwischen  heißen  Walzen  so  gepreßt  wurde,  daß  ein  w 
Muster  entstand. 

—  James  Watt  erhält  ein  Patent  auf  ein  Verfahren,  den  Dam] 
bei  Feuermaschinen  zu  vermindern  und  baut  eine  demem 
Maschine. 

—  James  Watt  spricht  zuerst  von  den  Vorteilen,  die  mit  der  Ex] 
Dampfes  verbunden  sind.  Er  benutzt  die  Expansion  (1776 
Versuchsmaschine  in  Soho. 

—  Samuel  Wlae  nimmt  ein  englisches  Patent  auf  den  ersten  med 
Kulierstuhl,  welcher  der  Ausgangspunkt  einer  Reihe  von  Erfin 
dem  Gebiete  des  mechanischen  Wirkstuhlbaus  wird.     (S.  a.  15J 

1770  Charles  und  Robert  Collinc  setzen  die  Tätigkeit  Bakewells  (s.  1 
dem  Gebiete  der  Viehzucht  weiter  fort  und  veredeln  das  ei 
enghsche  Rind  derart,  daß  es  als  „improved  Shorthorn"  zur  V 
wird  und  als  solche  einzig  dasteht. 

—  Der  französische  Astronom  Joseph  Jerome  Delalande  bestimmt 
parallaxe  zu  8,5 — 8,6  Sekunden  und  findet,    daß  die  Kraft,    i 
ein  Körper  in  der  Nähe  der  Sonnenoberfläche  angezogen  wird, 
auf  der  Oberfläche  der  Erde  wirksame  Anziehungskraft    übert 

—  Dumoutler  erfindet  ein  pneumatisches  Feuerzeug,  das  aus  einei 
Ende  verschlossenen  Hohlzylinder  besteht,  in  dem  sich  ein  luftdiol] 
der  Kolben  durch  einen  Stab  niederstoßen  läßt.  Geschiehl 
schnell,  so  wird  durch  die  bei  der  Kompression  erzeugte  Wä3 

—     214     — 


1770 

Kolben  befeetigteB  Stück  Feuerschwamm  entzündet.  Dies  pneumatische 
Feuerzeug  wird  von  Mollet  (s.  1803  M.)  in  verbesserter  Form  als  Tachy- 
pyiion  vorgeführt.  Das  pneumatische  Feuerzeug  wird  von  Portugiesen 
nach  Hinterindien  gebracht,  wo  es  sich  bis  auf  den  heutigen  Tag  in  €re- 
brauch  erhalten  hat. 
70  Der  Abb6  Charles  Michel  de  PEpie  erzielt  mit  Hilfe  einer  methodisch  ent- 
wickelten Gebärdensprache  und  des  Fingeralphabets  große  Erfolge  im 
Unterricht  der  Taubstummen. 

-  Pascal  Joseph  Ftrro  verordnet  zuerst  kalte  Bäder  bei  Fieber. 

-  Der  Mediziner  Htwson  entdeckt  die  weißen  Blutkörperchen  (Leukocyten) 
und  liefert  wichtige  Beobachtungen  zur  Lehre  von  der  Gerinnung  des  Blutes. 

-  Antoine  Laurent  Lavolstor  kommt  bei  Untersuchung  der  vermeintlichen 
Umwandlung  von  Wasser  in  Erde,  wie  dies  noch  van  Helmont  und  Boyle 
angenommen  hatten,  zu  dem  Ergebnis,  daß  das  Gewicht  des  verschlosse- 
nen Glasgefäßes  nebst  dem  lange  im  Kochen  erhaltenen  Wasser  unver- 
ändert geblieben  war,  daß  aber  die  entstandene  Erde  ebensoviel  wog,  als 
das  Gefäß  an  Gewicht  abgenommen  hatte,  xmd  zieht  den  Schluß,  daß  die 
Erde  aus  dem  Glase  und  nicht  aus  dem  Wasser  stamme.  Dies  führt  ihn 
zur  Au&tellung  des  Satzes,  daß  bei  chemischen  Vorgängen  nichts  neu 
entsteht  und  nichts  vergeht,  sondern  daß  die  Summe  der  in  den  Prozeß 
antretenden  Materien  eine  konstante  Große  ist.  (Gesetz  der  Erhaltung 
des  Stoffes.) 

-  Der  amerikanische  Arzt  Macarl  entdeckt  die  anthelmintische  Wirkung  der 
Rinde  des  Wurmrindenbaums  und  teilt  dieselbe  dem  surinam'schen  Arzte 
van  Struiyvesant  mit,  durch  den    die  Rinde  nach  Europa  gelangt. 

-  Johann  Tobias  Maytr  der  Jüngere  erkennt  klar  die  Mängel  des  Spiegel- 
sextanten,  namentiich  die  geringe  HeUigkeit  der  Bilder,  die  Beschränkung 
in  der  Größe  der  zu  messenden  Winkel  und  die  Unmöghchkeit,  den  Ein- 
fluß der  Exzentrizität  der  Alhidade  auf  die  Winkelmessung  zu  beseitigen, 
imd  gelangt  dadurch  zur  Erfindung  des  Spiegelkreises,  der  von  Borda 
noch  verbessert  und  1833  von  Steinheil  in  einen  mit  großen  Vorzügen 
ausgestatteten  Prismenkreis  umgewandelt  wird. 

-  Der  französische  Ingenieur  Jean  Rodolphe  PemmiMt  entwickelt  eine  epoche- 
machende Tätigkeit  im  Bau  von  steinernen  Brücken.  Als  sein  Meister- 
werk gilt  die  Seinebrücke  von  Neuilly,  die  fünf  öffnimgen  mit  je  39  m 
Spannweite  hat. 

-  Joseph  Prftitity  empfiehlt  zuerst  den  Kautschuk,   um  Bleistiftstriche  aus- 
.    zuwischen.     In  Frankreich  werden   schon   im  Jahre  1775  in    den  Papier- 

h^idlungen  kleine  Kautschuk würfel  unter  dem  Namen  „Peaux  de  n^gres" 
verkauft. 

-  Der  erste  bewegliche  Herd,  der  Lang-Stoß-Herd,  findet  im  Sidislscheii  Bmi- 
Im  zum  Verwaschen  der  Erzschlamme  Anwendung. 

~  Nachdem  Schwankhardt  schon  1670  die  ätzenden  Eigenschaften  des  aus 
Flußspat  mit  Schwefelsäure  entstehenden  Gases  zum  Ätzen  des  Glases 
benutzt  hatte,  untersucht  Karl  Wilhelm  Scheele  eingehend  die  dab^  ent- 
stehende Flußsäure,  die  er  indes  erst  1781  in  reinem  Zustande  erhält. 

'  Johann  Andreas  Stein  verbessert  die  Hammermechanik  des  Pianofortes 
(s.  171  IC.)  in  der  Weise,  daß  er  den  Hammer  mittels  eines  Stieles  auf  dem 
hinteren  Teil  der  Taste  selbst  befestigt,  so  daß  beim  Niederdrücken  der 
Taste  ein  am  hinteren  Ende  des  Hammerstieles  angebrachter  Schnabel 
gegen  den  sogenannten  Auslöser  stößt  und  dadurch  den  Hammer  in  die 
Höhe  schnellt. 

-  Mar'  Stoll  begründet  die  Lehre  von  der  biliösen  Pneumonie  und  übt  in 
großem  umfang  die  Perkussion.     (S.  1761  A.) 

—     215     — 


1770 

1770  Charles  Taylor  und  ThomaB  Walktr  Dehmen  ein  Patent  auf  eine  Walxoi. 
druck maschine  für  die  Kattundruckerei,  das  indes  keine  praktische 
Folge  hat. 

—  Simon  Andr^  TItiot  lehrt  zuerst,  daß  bei  der  Epilepsie  der  Krampfaniall 
nur  eine  Teilerscheinung  einer  meist  unheilbaren,  langwierigen  Krankheil 
ist,  welche,  wie  die  Beobachtung  lehrt,  auch  anders  geartete,  insbesonden 
geistige  Störungen  mit  sich  bringt. 

—  James  Watt  führt  die  Pferdestärke  PS  =  75  Meterkilogramm  als  Mafi  fäi 
die  Einheit  der  Arbeitskraft  ein. 

—  Arthur  Yovnf  begründet  die  wissenschaftliche  Richtung  in  der  Landwirt* 
Schaft  und  macht  dieselbe  auch  bei  den  höheren  Bevölkerungaschichtei 
populär. 

1771  Richard  Arkwrifht  erfindet  die  Walzen- Krempelmaschine,  bei  welcher  dei 
Hauptteil  ein  Walzenapparat  ist,  dessen  Bestimmung  es  ist,  die  Baumwoll- 
bänder in  ihrem  Laufe  zur  Spule  und  zur  Spindel  zu  strecken. 

—  Joseph  Athton  erhält  ein  Patent  für  die  Herstellimg  gegossener  eiserne] 
Nägel,  deren  Fabrikation  um  1785  in  England  in  großem  Maßstabe  be 
trieben  wird. 

—  Torbem  Bargman  gebraucht  Glaskolben  für  verknistemde  Substaniea 
Er  gibt  die  wichtigen  Reaktionen  in  der  Boraxperle  an  und  kennt  d« 
Ausfällen  von  Kupfer  aus  dem  Schmelzfluß  durch  einen  Eisendraht.  £} 
beschreibt  femer  die  Reaktion  von  Eisensalzen  mit  gelbem  Blutiaugen 
salz  (phlogistiertem  Laugensalz). 

—  Andreas  Bdhm  schlägt  als  Längenmaßeinheit  den  Fallraum  eines  Körpen 
in  der  ersten  Sekunde  vor. 

—  Der  französische  Ingenieur  Du  Carla  bildet  die  von  Cruquius  (s.  1728  C 
zuerst  verwirklichte  Darstellung  des  Bodenreliefs  durch  Niveaulinien  weite 
aus  und  zeichnet  die  erste  Isohypsenkarte  (einer  imaginären  Insel),  di 
1777  publiziert  wird. 

—  Der  praktische  Arzt  Hieronymus  David  Qaub  in  Leiden  empfiehlt  Radi 
Calumbae  bei  Verdauungsstörungen  u.  dgl. 

—  Samuel  Hearnt  erforscht  den  Kupferminenfiuß  in  Nordamerika  und  fol| 
seinem  Lauf,  bis  er  ihn  in  der  Feme  in  ein  geschlossenes  Eismeer  (de 
Coronation-Golf)  münden  sieht. 

—  John  Huntar  stellt  als  unumgängliche  Bedingung  zur  erfolgreichen  Fülluii 
und  Erhaltung  der  Zähne  zum  erstenmal  die  gänzliche  Entfernung  d< 
Pulpa- Restes  fest.  Er  versucht  mit  Erfolg  das  Regulieren  schie&tehend< 
Zähne  und  ist  auch  wissenschaftlich  in  der  Zahnheilkunde  hervorragten 
tätig. 

—  Johann  Philipp  KIrnbtrgtr  erfindet  die  nach  ihm  benannte  imgleichsohw* 
bende  Temperatur  der  chromatischen  Tonleiter,  die  es  ermöglicht,  eii 
vollkommene  Reinheit  der  Tonintervalle  zu  erzielen. 

—  Johann  Heinrich  Lambart  weist  zuerst  auf  den  großen  Nutzen  korrespoi 
dierender  meteorologischer  Beobachtungen  hin. 

—  Charles  Manlar  entdeckt  einen  Nebel  im  nördlichen  Jagdhund,  der  j* 
doch  erst  durch  Rosse's  Teleskop  als  Spiralnobel  erkannt  wird»  das  dei 
selben  als  eine  leuchtende  Spirale,  oder  als  ein  schneckenartig  gewundem 
Tau  zeigt,  dessen  Windungen  uneben  erscheinen  und  sowohl  im  Zentnu 
als  auswärts  in  dichte,  körnige,  kugelrunde  Knoten  auslaufen.  Er  ve 
offen tlicht  einen  Katalog  der  Nebelflecke  imd  Sternhaufen  mit  103  Ol 
jekten,  von  denen  er  61  selbst  entdeckt  hat. 

—  Joseph  Pritttity  und  Karl  Wilhelm  SchMio  entdecken  gleichzeitig,  ab« 
unabhängig  voneinander  den  Sauerstoff,  der  erstere  durch  Erhitzen  tc 
Salpeter  in  einem  Flintenlauf,  der  letztere  aus  kohlensaurem  Quecksübe 

—     216     — 


1772 

oxyd.  Die  nähere  Eenntnifl  des  Gaaee  erlangen  aber  beide  Forscher 
erst  1774,  als  sie  es  aus  rotem  Queoksilberoxyd  in  ganz  reinem  Zustande 
dargestellt  haben. 

71  Joseph  Priitttoy  entdeckt,  daß  die  fixe  Luft,  welche  sich  beim  Atmen 
bildet  und  die  atmosphärische  Luft  zur  Unterhaltung  des  Lebensprozesses 
untauglich  macht,  durch  die  Pflanzen  in  solche  verwandelt  wird,  welche 
wieder  zum  Atmen  tauglich  ist.  Die  eingehende  Deutung  des  Vorgangs 
gibt  erst  Ingenhouss.     (S.  1779  I.) 

-  Louis  Vltot  vermindert  die  durch  die  bisherige  empirische  Behandlung  der 
Tierkrankheiten  ins  Ungemessene  gehende  Anzahl  der  Arzneimittel, 
empfiehlt  die  Anwendung  von  einfachen  Stoffen  und  wird  dadurch  der 
Begründer  der  wissenschaftlichen  tierärztlichen  Arzneimittellehre.  (S.  seine 
Schrift  „M^deoine  v6terinaire''. 

-  Christian  Ehrenfried  WtifSl  erfindet  den  später  fälschlich  nach  Liebig  be- 
nannten, zur  Destillation  viel  benutzten  Kühler,  den  er  erst  aus  Blech, 
1773  aber  bereits  aus  Glas  herstellt. 

-  Peter  Wovlto  stellt  Pikrinsäure  aus  Indigo  her  und  bewirkt  damit  die  erste 
Darstellung  eines  künstlichen  Farbstoffs.  Welter  erhält  die  Pikrinsäure 
1799  aus  Seide  mit  Salpetersäure  und  bemerkt,  daß  das  Kalisalz  in 
der  Hitze  verpufft.  Den  Namen  „Pikrinsäure"  gibt  dem  Produkte 
Dumas  1836. 

72  AMsrlM  und  Sttwaii  in  Northumberland  bauen  eine  Dreschmaschine  mit 
einer  größeren  und  mehreren  kleineren  gerippten  Trommeln,  zwischen  denen 
die  Kömer  ausgerieben  werden. 

-  Nachdem  P.  Leroy  in  Paris  für  das  Chronometer  (s.  1736H.)  eine  bessere 
Kompensation  eingeführt  hatte,  die  dasselbe  unabhängiger  von  der  Tempe- 
ratur machte,  gelingt  es  ArnoM  und  Ktnial,  Chronometer  herzustellen, 
welche  die  Länge  auf  0,2®  genau  angeben. 

-  Johann  BtekniMB  in  Göttingen  begründet  die  Technologie  als  Wissen- 
schaft nnd  gibt  derselben  ihren  Namen. 

-  Charles  Botmt  fördert  durch  seine  Untersuchungen  und  durch  sein  Buch 
„Trait^  elementaire  d'hydrodynamique"  die  Hydrodynamik. 

^72— 1775  James  Cook  umfährt  auf  seiner  zweiten  Eeise  auf  der  „Resolution" 
den  ganzen  Erdball  zwischen  55®  und  60®  südlicher  Breite,  überschreitet 
dreimal  den  Polarkreis  und  dringt  unter  106®  54'  westlicher  Länge  bis 
71®  10'  nach  Süden  vor.  Er  findet  überall,  abgesehen  von  kleineren 
Inseln,  wie  den  von  ihm  entdeckten  Cookinseln,  freien  Ozean  und  zerstört 
die  Vorstellung  von  dem  großen  Südland  (vgl.  1772  K.)  gänzlich.  Seine 
Begleiter  sind  Johann  Reinhold  Forster  und  dessen  Sohn  Georg,  in  deren 
ReLsebeschreibung  Australien  zuerst  als  fünfter  Kontinent  auftritt,  dessen 
große  Ähnlichkeit  mit  den  Umrissen  von  Südamerika  und  Afrika  Johann 
Reinhold  Forster  speziell  hervorhebt. 

^72—75  James  Cook,  Johann  Reinhold  Fontar  und  Georg  Fonlir  sammeln  zuerst 
planmäßig  Geräte,  Waffen,  Kleidungsstücke  usw.  fremder  Völker,  legen 
dadurch  deren  Eigentümlichkeiten  fest  und  begründen  so  die  beschrei- 
bende Ethnographie. 

'72  Der  Botaniker  CÖrtl  entdeckt  die  Zirkulation,  d.  i.  die  kontinuierliche  Be- 
wegung der  von  Purkinje  1840  Protoplasma  genannten  zähflüssigen  Sub- 
stanz in  der  Zelle  der  Chara.  (S.  a.  1846  M.)  Seine  Beobachtungen  werden 
von  Meyen  1827  an  ValUsneria  und^von  R.  Brown  an  Tradescantia  ergänzt. 

*  Jean  Andrö  Doluc  scheint  die  Anomalie  in  der  Ausdehnung  des  Wassers 
(d.  h.  die  größte  Dichte  nicht  unmittelbar  am  Gefrierpunkt,  sondern  bei 
i^  Wärme)  zuerst  erkannt  zu  haben. 

*  Jean  Andr6  Doluc  betont  die  Notwendigkeit,  in  der  barometrischen  Höhen- 

—     217     — 


1772 

messungsformel  (s.  1686  H.)  der  Temperaturversohiedenheit  innerhi 
die  beiden  Stationen  trennenden  Luftsäule  gerecht  zu  werden.  Er 
eingehende  Versuche  über  die  Abhängigkeit  des  Siedepunktes  voi 
druck  und  legt  dadurch  den  Keim  zur  thermometrisohen  Höhenm 
1772  Leonhard  Eular  sucht  für  die  Folge  der  artikulierten  Töne,  wel 
Echo  wiedergibt,  ein  Gesetz  auszumitteln ,  in  dem  er  die  Schwin 
einer  in  eine  Röhre  von  beliebiger  Gestalt  eingeschlossenen  Li 
mathematisch  untersucht. 

—  Reinhold  Forittr  macht  die  ersten  ernstlichen  Versuche,  die  Tiei 
Ozeans  zu  messen,  wenn  auch  mit  unzulänglichen  Mitteln;  ebem 
Erfolg  wie  er  hat  das  Jahr  darauf  Kapitän  C.  J.  Phipps  in  de 
von  Spitzbergen. 

—  Benjamin  Franklin  lehrt  durch  Thermometerbeobachtungen  die  U 
Golfstroms  bestimmen  imd  veröffentlicht  1785  die  erste  genauere 
desselben.    (S.  1519.) 

—  Der  Schriftgießer  Wilhelm  Haas  in  Basel  konstruiert  eine  fast  aussch 
aus  Eisen  bestehende  Buchdruckpresse,  die  einem  Prägewerk  nachj 
ist,  imd  bei  der  sich  der  den  Druck  vermittelnde  Bengel  oberh) 
gußeisernen  PreßgesteUs  befindet. 

—  William  Hebtrdtn  gibt  zuerst  ein  genaueres  Krankheitsbild  der  17 
Rougnon  beobachteten  Brustbräune  (Angina  pectoris). 

—  Ives  Joseph  de  KarfiMlMi-Trtmarac  entdeckt  im  südlichen  Indischen 
die  später  nach  ihm  benannte  Kerguelen- Insel  und  erklärt,  das  grol 
land  gefunden  zu  haben,  das  er  „La  France  Australe"  nennt. 
1772  C.) 

—  Der  französische  Tierarzt  Philippe  Etienne  Lafosse,  Sohn  von  E.  G. '. 
(s.  1749L.),  zeichnet  sich  durch  sein  Wirken  auf  dem  Gebiete  der 
heilkunde  aus  und  gibt  in  seinem  „Cours  d'Hippiatrique"  eine  vorti 
Beschreibung  der  Krankheiten  des  Pferdes.    Er  erörtert  u.  a.  die 
schneidung  der  Fascien  und  die  Behandlung  der  Homwarzen  der 

—  Johann  Heinrich  Lambart  stellt  in  seinen  „Beyträgen  zum  Gebrat 
Mathematik    und    deren    Anwendung*'    die    ersten    allgemeinen 
suchungen  über   Kartenprojektionen   an  und  stellt  gewisse  Norm* 
denen  die  Abbildungen  entsprechen  müssen,  wie  insbesondere  bezü^ 
Winkelsumme  oder  Konformität  und  der  Flächensumme  oder  Äqui 

—  Antoine  Laurent  Lavolslar  weist  nach,  daß  bei  der  Verkalkung  von  y. 
ebenso,  wie  bei  der  Verbrennung  von  Phosphor  und  Schwefel,  ei 
Wichtszunahme   stattfindet,    die  von  der  Absorption  einer  großen 
Luft  herrührt,  und  daß  bei  der  Reduktion  von  Metallkalken  sich 
seits  Luft  in  großer  Menge  entwickelt. 

—  John  Laat  ermöglicht   den  ununterbrochenen  Betrieb   der  Ejratzm 
(s.  1741  P.),  indem  er  das  endlose  Speisetuch  zur  Zuführung  der 
wolle   hinzufügt.    Der   mechanisch   bewegte  Kamm   zum  Abnehm 
Baumwolle  nebst  Trichter  wird  von  Arkwright  angegeben. 

—  Der  Schotte  Andrew  Melkia  in  Tyrringham  versieht  die  ganze  Flüg< 
der  Windräder  mit  rektangulären ,  jalousieartigen  Klappen,  die 
den  Wind  geöffnet  und  durch  Federkraft  geschlossen  werden.  Cubi 
bessert  diese  Anordnung  noch,  indem  er  die  Federn  durch  Zahj 
und  Getriebe  ersetzt. 

—  Joseph  Priestlay  stellt  das  Stickoxyd  durch  Erhitzen  von  Kupfer  n 
petersäure  her  und  schlägt  es  unter  dem  Namen  ,, Salpetergas**  zur 
metrie   vor.     Seine   Zusammensetzung   wird  jedoch   erst  aus   Cavc 
Entdeckung  der  Elementarkonstitution  der  Salpetersäure  (s.  1784C.)  e; 

—  J.  B.  L.  RomA  tfe  l'ltia  beschäftigt   sich   mit   dem   Krystallisationsv* 

—     218     — 


1773 

Er  erkennt  das  Vorkommen  pseudomorpher  Krystalle,  die  sich  über  andern 
gebildet  und  deren  Form  angenommen  haben.  Er  macht  Versuche  über 
das  Krystallwasser  der  Sake. 

2  Valentin  Rom  der  Ältere  erfindet  die  nach  ihm  „Rose's  Metall"  genannte 
kiehtflüssige,  bei  93,75^  C  schmelzende,  aus  2  Teilen  Wismut,  1  Teil  Blei, 
1  Teil  Zinn  bestehende  Metalllegierung. 
Daniel  Rütbirfori  entdeckt  den  Stickstoff. 

'  John  SmMton  bestimmt  zuerst  die  Verdampfungskraft  der  Steinkohle  und 
findet,   daß  1  kg  Kohle  7,88  kg  Wasser  von  100^  C  verdampft. 

•  Jamee  Watt  erfindet  den  Indikator,  einen  selbsttätigen  Registrierapparat 
zur  Darstellung  der  vom  Wasserdampf  bei  Dampfmaschinen  geleisteten 
Arbeit.  Es  ist  dies  die  erste  verbürgte  Anwendung  des  Registrierapparats 
in  der  Mechanik.    (S.  a.  1805  E.) 

'  Johann  Karl  Wilckt  bestimmt  zuerst  die  Schmelzwärme  des  Wassers,  in- 
dem er  Wasser  und  Schnee  miteinander  mischt,  und  kommt  zu  dem 
Resultat,  daß,  um  1  kg  Schnee  in  Wasser  von  0®  zu  verwandeln,  72  Wärme- 
einheiten nötig  sind.  Lavoisier  und  Laplace  finden  nach  der  gleichen 
Methode  die  Zahl  von  76  Einheiten.    (Vgl.  a.  1755  D.) 

-  Thomas  Wooi  bringt  an  der  Watermaschine  Arkwright's  (s.  1769  A.)  eine 
Tretvorrichtung  an,  um  den  Faden  längs  der  Spule  auf  und  nieder  zu 
führen,  wodurch  das  bisher  nötige  Stillstehenlassen  der  Maschine  während 
des  Weiterhängens  vermieden  wird.  Andere  um  die  gleiche  Zeit  gemachte 
Verbesserungen  betreffen  die  bessere  Lagerung  der  Spindeln,  um  dem 
Schleudern  derselben  vorzubeugen  und  die  Abnutzung  zu  vermindern, 
spätere  Verbesserungen  den  Ersatz  der  die  Spindeln  treibenden  endlosen 
Schnüre  durch  Friktionsscheiben.  (S.  1846  D.) 

73  Peter  Christian  AMMguunl  zeichnet  sich  durch  sein  Wirken  in  der  Veterinär- 
kunde aus  imd  begründet  die  später  zur  großen  Blüte  heranwachsende 
Königliche  Veterinär-  und  landwirtschaftliche  Hochschule  zu  Kopenhagen. 
Seine  Hauptverdienste  liegen  auf  dem  Gebiete  der  Tierpathologie. 

-  Charles  Augustin  Coulomb  entwickelt  seine  lange  Zeit  maßgebend  gebliebene 
Theorie  der  Brückengewölbe,  sowie  seine  Theorie  des  Erddrucks  auf  Stütz- 
mauern. 

73—79  Abraham  Darfey  III,  ein  Enkel  von  Abraham  Darby  (s.  1713 D.).  erbaut 
als  erste  eiserne  Brücke  der  Welt  die  jetzt  noch  vorhandene  Straßen- 
brücke über  den  Sevem  bei  Coalbrookdale  (Gußeisen). 

'73  Johann  Ignaz  von  FolMgor  gibt  mit  seiner  Schrift  „Anleitung,  jede  Art  von 
Witterung  genau  zu  beobachten  und  in  Karten  zu  verzeichnen''  die  An- 
regung zur  Herstellung  synoptischer  Karten,  die  heutzutage  die  Grundlage 
der  Wettervorhersage  sind. 

"  John  Fottier|ill  beschreibt  sehr  genau  die  nach  ihm  benannte  Form  der 
Neuralgie  des  Trigeminus,  von  der  zuerst  Nicolas  Andr6  in  Versailles  1756 
unter  der  Bezeichnung  „Tic  douloureux"  gesprochen  hatte. 

-  John  H unter  veröffentlicht  Untersuchungen  über  das  elektrische  Organ 
der  Zitterfische. 

-  Joseph  Louis  Lagrango  schafft  den  mathematischen  Begriff  der  Invariante. 
(Über  den  weiteren  Ausbau  dieses  Gebiets  s.  1845  C.) 

-  Nachdem  schon  1694  imd  1695  auf  Veranlassung  des  Großherzogs  Cos- 
inus III.  von  Toskana  Averani  und  Targioni  konstatiert  hatten,  daß  der 
Diamant  im  Fokus  eines  starken  Brennglases  völlig  verschwinde  und  d'Arcet 
1766,  Macquer  imd  Rouelle  1771  ähnliche  Experimente  unternommen 
hatten,  st^t  Antoine  Laurent  Lavoisier  im  Verein  mit  Macquer,  Cadet, 
Brisson  und  Baum6  fest,  daß  der  Diamant  zu  seiner  Verbrennung  des 
Zutritts  von  Luft  bedarf,   daß  er  wirklich  verbrennt  und  sich  nicht  etwa 

—     219     — 


1778 

verflüchtigt,  und  daß  bei  der  Verbrennung  ebenso,  wie  bei  der  Verb 
der  Hobskohle,  fixe  Luft  (Kohlensäure)  entsteht. 

1773  James  Bennett  MonboiMo   macht  zuerst  auf  die  Verwandtschaft  : 
des  Menschen  und  des  Orang-Utangs  aufmerksam. 

—  Der  Engländer  Nootli  erfindet  die  Taftflügel  am  Reibzeug  der  £le 
maschine,  nachdem  Beccaria  auf  das  Zurückströmen  der  Elektriz: 
der  Scheibe  nach  dem  Isolator  hingewiesen  hatte. 

—  Fr.  P.  Savary  untersucht  das  Sauerkleesaiz,  das  seit  lange  bekannt  (s. 
jedoch  meist  mit  Weinstein  verwechselt  worden  war,    und  erhäl 
dessen  Destillation  eine  saure  Flüssigkeit,    mittels  deren   er   das  ; 
Oxalsäure  KaU  darstellt.   Die  Säure  in  reinem  Zustand  stellt  erst 
dar.    (S.  1776  S.) 

—  Fr.  P.  Savary  erhält  zuerst  Oxaläther  bei  Destillation  der  aus  Sauei 
durch  Destillation  erhaltenen  sauren  Flüssigkeit  mit  Weingeist.  Ai 
Oxalsäure  und  Weingeist  stellt  den  Oxaläther  zuerst  1776  Bergmi 

—  Johann  Gottlieb  Wolttalii,  ein  Hauptförderer  der  wissenschaftliche 
heilkunde  in  Deutschland,  bekämpft  den  Mißbrauch  des  Aderlas 
fördert  die  Tierheilkunde  durch  Begründung  eines  Instituts  zur  Auf 
von  Militärtierärzten  und  Militärhufechmieden.  Er  behandelt  c 
halten  der  Eriegspferde  in  Winterquartieren,  die  Pferdeseuchen, 
heiten  der  Füllen,  Leisten-  und  Nabelbrüche  u.  a. 

1774  Karl  Samuel  Andaneh  untersucht  die  Himnerven,  den  Halsteil  des 
sympathicus,  die  Herznerven  und  entdeckt  den  Nervus  glossophai 

—  Der  Chemiker  Pierre  Bayen  in  Paris  zeigt,  daß  Quecksilberoxyd  nu 
Temperaturerhöhung,    ohne    Zusatz    von    phlogistonhaltigen    Buh 
reduziert  werden  kann,  und  unterstützt  dadurch  Lavoisier  in  seinem 
gegen  die  Phlogistontheorie. 

—  Torbem  Barcman  zeigt  in  seiner  Abhandlung  „De  acido  aöreo",  d) 
weiß  nur  kohlensaures  Blei  (Calx  plumbi  aerata)  sei. 

—  Louis  Cotia  gibt  sein  Werk  „Trait^  de  m^t^orologie'*  heraus,  das 
Gebiete  der  Meteorologie  reichliches  Beobachtungsmaterial  liefert. 

—  Der  Naturforscher  Eugen  Johann  Christoph  Etper  deutet  in  seiner 
„Nachricht  von  den  neu  entdeckten  Zoolithen*'  die  in  der  Gailei 
Höhle  gefundenen  fossilen  Tierknochen  richtig  und  begründet,  d« 
in  geologischer,  zoologischer  und  anthropologischer  Beziehung  1 
wissenschaftliche  Höhlenkunde,  wenn  auch  zimächst  nur  in  elemi 
Sinne. 

—  Feiice  Fontana  bestimmt  gemäß  Priestley's  Vorschlag  (s.  1772  P.) 
des  Salpetergases  (Stickoxyd)  die  Menge  des  Sauerstoff gases  in  dei 
Sphäre  und  bedient  sich  dazu  des  von  Haies  (s.  1748  H.)  angegebei 
diometers. 

—  Benjamin  Franklin  stellt  Versuche  zur  Beruhigung  der  Meereswellei 
öl  an  und  legt  die  gemachten  Erfahrungen  in  einer  besonderen 
(„Of  the  stilling  of  waves  by  the  means  of  oil**)  nieder.   (Vgl.  78  1 

—  Jean  Etienne  QuottanI  führt  die  „Degradation*'  der  Berge  und  die 
lierung  der  gesamten  Erdoberfläche  auf  Abspülung  und  Erosion 
Regen,  Flüsse  und  den  Ozean  zurück. 

—  Der  englische  Chemiker  James  Hunlar   führt   Knochenschrot  als 
mittel  ein. 

—  Der  englische  Anatom  William  Huntar,  Erfinder  des  Hunter'sch< 
bands,  veröfifentlicht  sein  epochemachendes  Werk  über  die  Anato: 
schwangeren  Uterus. 

—  Johann  Heinrich  Junc-Stllllnf ,  zuerst  Kohlenbrenner  und  Schneider, 
Lehrer  und  Arzt  in  Elberfeld,  zeichnet  sich  durch  Staroperationen 

—     220     — 


1774 

r74  Martin  Heinrioh  Klapralli  erfindet  ein  Verfahren,  ans  bedrucktem  Papier 
die  Dmokerfarbe  völlig  heranszuwaschen  und  daraus  neues  Papier  herzu- 
stellen, und  läßt  dieees  Verfahren  bei  dem  Papiermüller  Schmidt  in 
Kleinen -Lengden  ausarbeiten. 

-  dt  La  Follla  verbessert  die  Schwefelsäurefabrikation,  indem  er  während  der 
Verbrennung  des  SchwefelB  durch  den  beigemischten  Salpeter  gleichzeitig 
auch  Wasserdampf  in  die  Bleikammem  einströmen  läßt. 

-  Joseph  Louis  Lagranft   veröffentlicht  als  Ergebnis  seiner  Untersuchungen 
.  suf  dem   Grebiete   der   Zahlentheorie   die   Fundamentalsätze   der  quadra- 
tischen Formen. 

-  Pierre  Simon  dt  Lafrtact  vertieft  die  Newton'sche  Theorie  von  Ebbe  und 
Flut  dadurch,  daß  er  nicht  allein  die  Niveaufläche  des  Meeres  ins  Auge 
faßt,  sondern  die  von  Euler  und  Lagrange  aufgestellten  hydrodynamischen 
Grundgleichimgen  auf  die  Vorausbestimmung  der  Oszillationen  des  Meeres 
anwendet.  Er  weist  nach,  daß  die  Erdrotation  als  ein  wesentlicher  Faktor 
der  Grezeiten  anzusehen  ist. 

-  Antoine  Laurent  Lavolsler  stellt  durch  die  Wage  fest,  daß  die  Gewichts - 
Zunahme  bei  der  Verkalkung  der  Metalle  (s.  1772  L.)  dem  Grewicht  der  ab- 
sorbierten Luft  genau  gleich  ist.  Er  äußert  sich  bei  Gelegenheit  der  Ver- 
öffentlichung dieser  Arbeit  zuerst  bestimmter  über  die  Zusammensetzung 
der  Luft  aus  zwei  verschiedenen  Gasen. 

-  Antoine  Laurent  Lavollitr  behandelt  in  seinen  „Opuscules  physiques  et 
ehymiques"  die  Eaustizität  der  Alkalien  und  entwickelt  darin  vollständig 
die  Ansichten,  die  Black  bereits  früher  (s.  1755  B.)  geäußert  hatte. 

-  Georges  Louis  Lataga  versucht  die  von  einer  Reibungselektrisiermaschine 
gdieferte  Elektrizität  zum  Zeichengeben  zu  verwenden,  scheitert  aber  an 
der  Unmöglichkeit  einer  bei  jedem  Wetter  genügenden  Isolierung. 

-  Nevil  Matktlyiia  und  Charles  Huttan  bestimmen  durch  ihre  am  Berge  She- 
hallien  in  Schottland  angestellten  Messungen  der  Ablenkung  des  Bleilotes 
die  mittlere  Dichte  der  Erde  auf  4,929,  einen  Wert,  der  durch  spätere  Mes- 
sungen (s.  1887  W.  und  1896  E.)  wesentlich  korrigiert  wird. 

-  Sdpione  PlaMII  empfiehlt  die  Wiederaufnahme  der  im  Altertum  üblichen 
Leichenverbrennung. 

-  Der  Wiener  Arzt  Patch  gibt  eine  als  Fußbett  bezeichnete  Aufhängevorrich- 
tung zur  Behandlung  des  Beinbruchs  an.     (S.  a.  1760  R.) 

-  Joseph  Prlatüay  wendet  zuerst  Quecksüber  zum  Absperren  von  Gasen  an 
und  erfindet  die  pneumatische  Wanne. 

-  Joseph  Priastlay  stellt  Ammoniakgas  durch  Erhitzen  von  Salmiak  mit  Ätz- 
kalk  und  Auffangen  der  entweichenden  Luftart  über  Quecksilber  dar. 

-  Karl  Wilhelm  Schasla  entdeckt  bei  der  Digestion  von  Braunstein  mit 
Salzsäure  das  Chlor,  das  von  Helmont  und  Glauber  als  Exhalation  aus 
Königswasser  beobachtet,  aber  nicht  als  eigentümlicher  Körper  erkannt 
worden  war.  Im  gleichen  Jahre  stellt  er  aus  einem  barythaltigen  Braun- 
stein die  Baryterde  rein  dar,  die  Jahn  dann  als  Basis  des  Schwerspats  er- 
kennt. Bei  Gelegenheit  dieser  UntersuchuDgen  bringt  er  genügende  Be- 
weise für  den  Gehalt  des  Braunsteins  an  einem  eigentümlichen  Metall  dar, 
dessen  Reindarstellung  ihm  aber  nicht  gelingt.  Er  macht  wieder  auf  die 
von  Jacob  Waitz  1705  zuerst  beobachtete  Farbenändening  der  Lösung 
der  Schmelze  von  Braunstein  und  Salpeter  aufmerksam  und  nennt  das 
Schmelzprodukt  mineralisches  Chamäleon. 

-  Der  Landwirt  Johann  Christian  SdiulMurt  van  Kleafold  führt  den  Kleebau  in 
die  mitteleuropäische  Landwirtschaft  ein.  Er  schafft  Brache  und  Weide- 
gang ab  und  führt  Kunstfutterbau  und  Stallfütterung  ein. 

-  J.  C.  Ph.  Tradaina  da  Mantigny  verfertigt  ein  aus  einer  Hohllinse  bestchen- 

—     221      — 


1774 

dee  Brennglafi,  welches  er  anfangs  mit  Weingeist,  später  aber  mit  Terpen- 
tinöl anfüllt  und  bei  welchem  der  durch  die  bedeutende  Dicke  der  mas- 
siven Glaslinsen  verursachte  Strahlenverlust  vermieden  werden  sollte.  Die 
damit  von  Lavoisier,  Macquer  u.  a.  im  Jardin  de  T  Inf  ante  in  Paris  unter- 
nommenen Versuche  ergeben  sehr  gute  Resultate. 

1774  Anne  Robert  Jacques  Turgot,  Finanzminister  Ludwigs  XVI.,  erfindet  die 
Turgotine,  das  Vorbild  der  späteren  Postkutsche. 

1775  Richard  Arkwrifht  konstruiert  zum  Vorspinnen  die  Kannenmaschine  (La- 
temenband),  die  jedoch  wie  alle  nach  ihr  erfundenen  Vorspinnmaschinen 
durch  den  Flyer  (s.  1821  C.)  verdrängt  wird. 

—  Bancrofft  bringt  zuerst  die  „Quercitronrinde"  genannte  Rinde  von  Quercns 
tinctoria  nach  England,  die  bis  zur  Entdeckung  der  Anilinfarben  eine  sehr 
große  Bedeutimg  zum  Grelbfärben  von  Wolle  und  Baumwolle  und  zum 
Grundieren  von  Stoffen,  die  man  später  braun  oder  grün  färben  oder 
bedrucken  will,  erlangt.  Der  in  unreiner  Form  daraus  hergestellte  Farbstoff 
kommt  auch  unter  dem  Namen  „Flavin"  in  den  Handel. 

—  Jean  Louis  Baiidtloci|iM  macht  sich  um  die  Lehre  vom  Becken  und  ins- 
besondere um  dessen  Messung  sehr  verdient,  lehrt  die  Unterstützung  des 
Dammes  zur  Vermeidung  von  Dammrissen  und  stellt  Indikationen  für  die 
Entfernung  der  Placenta  auf. 

—  Torbem  Bargmaii  erkennt  den  Einfluß  der  Wärme  auf  die  chemische  Ver- 
wandtschaft und  stellt  Affinitätstabellen  auf,  die  allgemein  als  die  rich- 
tigsten und  vollständigsten  anerkannt  werden.  Er  führt  den  Begriff  der 
doppelten  Wahlverwandtschaft  ein,  deren  Wirkungen  zuerst  Glauber  (s. 
1654  G.)  richtig  aufgefaßt  hatte. 

—  Nachdem  N.  Lemery  schon  auf  die  Verschiedenheit  der  kalt  und  heiß  be- 
reiteten Lösung  von  Quecksilber  in  Salpetersäure  aufmerksam  gemacht 
hatte,  zeigt  Torbem  Bargman,  daß  in  der  kalten  Auflösung  Quecksilber- 
oxydulsalz, in  der  heißen  Quecksilberoxydsalz  vorhanden  ist. 

—  Johann  Friedrich  BlumMitedi  fügt  in  seiner  Dissertation  „De  generis  humani 
varietate  nativa"  zu  den  vier  Rassen  Linn^  (s.  1735  L.),  die  er,  wenn  auch 
zum  Teil  unter  anderer  Bezeichnung  als  Kaukasier,  Mongolen,  Äthiopier, 
Amerikaner  anerkennt,  für  die  durch  Cooks  Entdeckungen  erschlossene 
Inselwelt  des  fünften  Erdteils  noch  eine  fünfte  Rasse,  die  malaiische  hinzu. 
Er  fördert  durch  seine  mit  Sömmering  herausgegebenen  „CollectioniB  cra- 
niorum  diversarum  gentium  decades*'  die  Kraniologie. 

—  Burrowt  konstruiert  die  erste  bekannte  Spiegelschleifmaschine,  mit  der  er 
eine  Vorrichtung  zum  Polieren  verbindet.  Welche  Arbeitserspamis  die- 
selbe bewirkt,  geht  daraus  hervor,  daß  man  vor  ihrer  Erfindung  zum  Rauh- 
und  Klarschleifen  von  2  qm  Ebenfläche  41  Stunden,  nachher  10  Stunden, 
zum  Polieren  vorher  72  Stunden,  nachher  nur  noch  12  Stunden  Zeit  brauchte. 

^  Fredrik  af  ChaiNiMUi  in  Stockholm  gibt  eine  voUständige  Theorie  des  Schiff- 
baus sowie  Regeln  für  die  Ermittelung  des  Schwerpunkts  der  Schiffe,  für 
deren  Ausmessung  und  Belastung. 

—  ConraA  entdeckt  in  der  Galle  das  Cholesterin,  das  von  Chevreul  1824  näher 
charakterisiert  und  beschrieben  wird. 

—  CraiM  in  Edmonton  gelingt  es,  den  Handkulierstuhl  so  zu  verändern,  daß 
er  auf  demselben  Kettentüll  (Warp  laces)  erzeugen  kann,  der  dauerhafter  ist, 
als  die  von  Strutt  (s.  1758  S.)  und  Frost  (s.  1769  F.)  hergestellten  Gewebe. 
Der  Kettenstuhl  wird  auch  zur  Erzeugung  von  Modewaren  aptiort  und 
1791  von  William  Dawson  noch  verbessert. 

^  Der  Weber  Samuel  Crompton  in  England  konstruiert  durch  Verbindung  der 
Streck  Vorrichtung  Arkwrights  und  des  Spindelwagens  von  Hargreaves  seine 
Mule-Spinnmaschine. 

—     222     — 


1776 

r75  William  Crnlktluuik«  Anatom  in  Edinbnrg,  gibt  eine  Anatomie  der  Lymph- 
gefäße heraus.  Er  teflt  infolge  der  Cotugni'schen  Entdeckung  (s.  1760  C.) 
die  Fälle  von  Wassersucht  ein  in  solche  mit  und  solche  ohne  Eiweiß  im  Urin. 

-  Pierre  Joseph  Desault  fördert  die  von  Lieutaud  (s.  1742  L.)  begründete  chirur- 
gische Anatomie.  Er  schränkt  die  Amputation  und  Trepanation  auf  das 
Äußerste  ein  und  bringt  die  seit  Par^  in  Vergessenheit  geratene  Unter- 
bindung der  Arterien,  insbesondere  auch  bei  Aneurysmen  wieder  zu  Ehren. 
Er  bringt  zur  Eröffnung  der  Luftwege  die  Laryngotomie  in  Vorschlag,  die 
bei  Entf emimg  von  Fremdkörpern  vielfach  an  die  Stelle  der  Tracheotomie  tritt. 

-  Matthew  Dotoon  und  Pool  stellen  in  ihren  „Medizinischen  Untersuchungen'' 
fest,  daß  der  Harn  aller  Diabetiker  süßen  Geschmack  zeige  und  bei  vor- 
sichtigem Eindampfen  stets  eine  weiße  Masse,  die  süß  schmecke  wie 
Zucker,  zurücklasse.  Sie  folgern  aus  dem  süßen  Geschmack  des  Blutserums 
der  Diabetiker,  daß  der  Zucker  nicht  erst  in  der  Niere  entstehe,  sondern 
schon  im  Blut  angehäuft  sei.    (S.  a.  1670  W.) 

-  Feiice  Fontana  verwendet  zum  Füllen  feinerer  Libellen  Äther  oder  Naphtha 
und  macht  die  Röhre  vor  dem  Verschließen  durch  Erwärmen  luftleer. 
(S.  1661  T.) 

-  Der  Maschinendirektor  Frlodrldi  zu  Clausthal  legt  eiserne  Schienen  von  der 
Grube  Dorothee  bis  zum  Pochwerk  xmd  baut  den  dazu  nötigen  Hunt 
(vierrädrigen  Förderwagen)  mit  Spurkranzrädem ,  welche  Wagenkonstruk- 
tion später  von  Stephenson  (s.  1825  S.)  übernommen  wird. 

-  Nachdem  Karl  Wilhelm  Scheele  (s.  1774  S.)  nachgewiesen  hatte,  daß  in  dem 
Braunstein  ein  eigentümliches  Metall  enthalten  sei,  gelingt  es  Johann  Gott- 
Heb  Qahn,  dieses  Metall  —  das  Mangan  —  in  regulinischem  Zustand  zu 
erhalten. 

-  Der  sächsische  Bergmeister  Gottlieb  GISsor  veröffentlicht  eine  geologische 
Karte,  auf  welcher  die  Verbreitung  der  verschiedenen  Hauptgesteine  (Granit, 
Sandstein,  Kalkstein)  durch  Farben  veranschaulicht  wird. 

-  Louis  Bemard  Guyton  do  Monreau  wendet  zuerst,  um  den  Leichengeruch 
aus  der  Kirche  St.  M6darde  zu  Dijon  zu  entfernen,  eine  Chlorräucherung 
(Fumigatio  Chlori)  aus  feuchtem  Kochsalz  und  Schwefelsäure  an. 

-  Antoine  Laurent  Lavoislor,  der  von  Priestley  mit  dem  Sauerstoff  gas  be- 
kannt gemacht  ist,  zeigt,  daß  der  Sauerstoff  zur  Verkalkung  unerläßlich 
nnd  eine  notwendige  Bedingung  des  Verbrennungsprozesses  ist. 

-  Antoine  Laurent  Lavoislor  macht  eingehende  Untersuchungen  über  die  Natur 
der  Kohlensäure.  Er  beschreibt,  wie  Quecksilberoxyd  für  sich  erhitzt  Sauer- 
itoffgas,  mit  Kohle  erhitzt  hingegen  Kohlensäuregas  entwickelt  und  schließt 
ans  diesem  Versuch,  daß  das  kohlensaure  Gas  das  Resultat  der  Verbindung 
von  Kohle  mit  dem  zum  Atmen  tauglichen  Teil  der  Atmosphäre  sei.  1780 
bestimmt  er  dann  in  annähernd  richtiger  Weise  die  quantitative  Zusammen- 
setzung der  Kohlensäure, 

-  Franz  Anton  Moinior  findet,  daß  sein  bloßer  auf  die  Kranken  gerichteter 
Wille  (die  heutige  Suggestion)  sich  heilkräftig  erweist.  Er  führt  zweifellos 
die  ersten  Hypnosen  herbei. 

-  Peter  Simon  Pallas  liefert  die  erste  umfassende  naturgeschichtliche  Ab- 
handlung über  die  mongolische  Kasse  und  offenbart  sich  damit  als  einer 
der  ersten  sachkundigen  Bearbeiter  der  wissenschaftlichen  Ethnogra- 
phie.   (Vgl.  auch  1772  C.) 

-  Die  Paritor  Akadomlo  faßt  den  Beschluß,  in  Zukunft  alle  Vorschläge  eines 
Perpetuum  mobile  abzuweisen. 

-  Joseph  Priostioy  entdeckt  das  Knallgas.  Das  KnaUgasgebläse  soU,  wie 
Lavoisier  angibt,  zuerst  vom  Präsidenten  de  Saron  angewendet  worden  sein. 

—     223     — 


1775 

1775  Joseph  Prftitley  entdeckt  das  Salzsäuregas,  die  gasförmige  schweflige  S&imi 
und  das  Fluorkieselgas,  aus  welchem  er  mit  Wasser  die  Eaeselfluorwasa« 
stoffsäure  erhält. 

—  Josse  Ramsdon  vervollkommnet  die  von  Hooke  (s.  1674  H.)  erfundene  Kieu* 
teilmaschine  so,  daß  mit  derselben  ein  Kreis  von  Sekunde  zu  Sekunde^ 
also  der  ganze  Umfang  in  1296000  Teile  geteilt  werden  kann.  Inda 
war  die  Herstellung  der  bei  der  Bewegung  zusammengreifenden  Teile  so 
schwierig,  daß  oftmals  die  Grenauigkeit  der  Maschine  darunter  litt. 

—  Jesse  Ramidan  verwendet  einen  wurmartigen  Fräser  zur  Herstellung  da 
Wurmrades  seiner  Kreisteilmaschine. 

—  Karl  Wilhelm  SdiMlt  erhält,  indem  er  Kochsalzlösung  langsam  durch  Blei- 
glätte filtrieren  läßt,  Ätznatron,  das  an  der  Luft  zu  Soda  wird.  Kirwao 
gibt  1782  an,  daß  in  London  Soda  nach  dieser  Methode  fabriziert  werde. 
Eine  andere  Methode  der  Sodadarstellung  wird  1784  von  Johann  Kul 
Friedrich  Meyer  in  Stettin  angegeben.  Er  schlägt  vor,  Kochsalzldsimg 
direkt  durch  Pottasche  zu  zersetzen,  wo  beim  Abdampfen  zuerst  Chlor- 
kalium und  dann  Soda  anschieße.  Mit  dem  Bekanntwerden  der  Leblanc'- 
sehen  Methode  (s.  1791  L.)  werden  diese  Verfahren  wertlos. 

—  Karl  Wilhelm  Sdioel«  erhält,  indem  er  in  ein  Gemenge  von  weißem  Arsenal 
und  Wasser  Chlor  einleitet,  sowie  durch  Behandlung  von  weißem  Anenik 
mit  Königswasser  die  Arseniksäure  in  reinem  Zustande  imd  beschretbl 
deren  Salze,  sowie  ihr  Verhalten  zu  anderen  Substanzen. 

—  Karl  Wilhelm  SchMit  entdeckt  bei  Einwirkung  von  Zink  auf  Arseniksäan 
den  Arsenwasserstoff. 

*-  Alexander  Tllloch  und  der  Buchdrucker  Andreas  Foiills  in  Glasgow  machen 
Versuche  zur  Herstellung  von  Stereotypdruckplatten,  und  gelangen,  ohne 
von  Ged's  Erfindimg  (s.  1729  G.)  Kenntnis  zu  haben,  zu  einem  ähnlichen 
Verfahren. 

*-  TrtvHhlck  der  Ältere  ersetzt  den  bis  dahin  flachen  Deckel  des  Dampfkessek 
der  atmosphärischen  Maschine  durch  eine  kugelförmige  Haube,  die  den 
Dampfraum  vergrößert  und  auch  eine  Drucksteigerung  in  der  Masohinc 
zuläßt. 

—  Michele  Troja  macht  seine  berühmt  gewordenen  Versuche,  die  dartun,  daC 
bei  ausgewachsenen  Tieren  nach  Zerstörung  des  Knochenmarkes  eine  Nekro« 
des  Knochens  und  rings  um  dieselbe  unter  dem  Periost  eine  Neubildung 
von  jimgen  Knochen  stattfindet.    (S.  auch  1741  D.) 

1775 — 81  Felix  Vlcq  d'Azyr  macht  im  Süden  von  Frankreich  eingehende  Unter 
suchungen  über  die  Rinderzucht  und  gibt  Schutzmittel  gegen  die  An 
steckung  und  Vorschriften  für  die  Desinfektion  der  Ställe  und  für  die  Un 
schädlichmachung  der  Häute  der  gefallenen  Tiere,  wodurch  er  sich  groß« 
Verdienste  um  die  Bekämpfung  der  Viehseuchen  erwirbt. 

1775  Alessandro  Voita  konstruiert  nach  dem  von  Wilcke  (s.  1762  W.)  angegebe 
ncn  Prinzip  das  Elektrophor,  welches  dazu  dient,  während  längerer  Zei' 
wiederholt  kleine  Mengen  Elektrizität  zu  liefern,  und  aus  einem  Harzkuchei 
besteht,  auf  den  eine  mit  einer  isolierenden  Handhabe  versehene  MetaU 
Scheibe  paßt.  Der  Ilarzkuchen  wird  durch  Peitschen  mit  einem  Fuchs 
schwänz  elektrisch  gemacht  und  gibt  durch  Influenz  seine  Elektrizität  ai 
den  Deckel  ab,  von  dem  die  positive  Elektrizität  entnommen  werden  kann 
nachdem  man  ihn  vor  dem  Abheben  mit  der  Erde  in  Verbindung  geset« 
und  so  die  negative  Elektrizität  abgeleitet  hat. 

^~  Abraham  Gottlob  Werner  begründet  die  empirische  Methode  der  Mineral 
bcschreibung  und  klassifiziert  die  Mineralien  namentlich  nach  äußeret 
Kennzeichen. 

—  John  Wllklnton  wendet  zuerst  das  Zylindergebläse  mit  Dampfbetrieb  an 

—     224     — 


1776 

1776  Torbem  BMffnan  entdeckt  die  Liohtempflndliohkeit  der  Oxalsäure. 

—  DerAmerikanerD.  Bwlmtll  konstruiert  ein  Unterseeboot  (s.a.  1622  D.)  und 
erfindet  die  ersten  Offensivtorpedos,  die  er  gegen  das  englische  Linienschiff 
,,£agle'%  jedoch  ohne  wesentlichen  Erfolg  verwendet. 

1776—79  James  Cook  entdeckt  auf  seiner  dritten  Reise  die  Sandwich -Inseln 
wieder  (vgL  1527  S.),  erforscht  die  Nordwestküste  Amerikas  und  das 
Beringsmeer  und  gelangt  durch  die  Beringstraße  bis  zum  Eiskap.  Auf 
der  Rückkehr  wird  er  in  Hawaii  ermordet. 

1776  William  Cnrikthank  beobachtet  am  Menschen,  daß  durchschnittene  Nerven 
wieder  zusammenwachsen.  Dies  wird  von  Fontana  und  Michaehs  auch  an 
Tieren  bestätigt. 

—  Benjamin  Cur  verbessert  die  Reynolds'sche  Schienenkonstruktion  (s.  1767  R.), 
bei  welcher  die  Wagen  leicht  entgleisten,  indem  er  den  gußeisernen  Schienen 
den  Querschnitt  des  einfachen  Winkeleisens,  mit  senkrecht  stehender 
äußerer  Flansche,  gibt. 

—  PiChlttMi,  Apotheker  in  St.  Grermain,  läßt  künstliche  Zähne  aus  Porzellan 
in  der  Porzellanmanufaktur  von  Guerhardt  und  Dihl  in  Paris  hersteUen. 
(S.  a,  1756  P.) 

—  Der  englische  Ingenieur  Hatitii  erfindet  die  Holzhobelmaschine. 

—  H.  F.  HMr  entdeckt  die  Borsäure  in  den  Lagunen  von  Toskana,  aus  denen 
sie  seit  1818  fabrikmäßig  gewonnen  wird. 

*  Jonathan  HornMawir  führt  die  erste,  sehr  kleine  zweizylindrische  Zweifach- 
Expansions-Dampfmaschine  aus,  auf  die  er  1781  ein  Patent  erhält.  1790 
baut  er  eine  größere  Zweifach-Expansionsmaschine  für  die  Wasserhaltung 
einer  Grube  in  Comwallis. 

*  Antoine  Laurent  Lavolsitr  zersetzt  die  Salpetersäure  in  Sauerstoff  und 
Stickoxyd,  erkennt  jedoch  nicht  die  Zusammensetzimg  des  letzteren;  doch 
folgert  er  aus  seinen  Versuchen,  daß  die  roten  Dämpfe  der  Untersalpeter - 
säure  eine  in  der  Mitte  zwischen  Stiokoxyd  und  Salpetersäure  stehende 
Verbindung  seien.     (S.  a.  1786  L.) 

—  Antoine  Laurent  LawoMtr  arbeitet  über  die  Phosphoreszenz  der  Mineralien, 
über  die  späterhin  Macquer  (1777)  und  Wedgwood  (1792)  Untersuchungen 
anstellen. 

—  UpHswr  d'AplIgny  beschreibt  in  seinem  Werke  „L'art  de  la  teinture  des  fils 
et  Stoffes  de  coton"  zum  ersten  Male  die  Türkischrotfärberei  (Rouge  des 
Indes),  die  zuerst  in  Indien  aufgekommen  ist  und  von  da  ihren  Weg 
durch  Asien  und  alle  Länder  der  Levante  nach  Westen  genommen  hat. 

—  Der  französische  MarschaU  Marc  Ren6  von  MontalemNrt  betont  die  Not- 
wendigkeit eines  überlegenen  Greschützfeuers  der  Festungen,  entwickelt  dazu 
anfangs  das  tenaillierte,  später  das  polygonale  Trac6,  fordert  zahlreiche 
Kasematten  sowie  die  Anlage  einer  einfachen  oder  doppelten  Kette  deta- 
Bchierter  Forts  um  die  Kemumwallung. 

*  Der  Ziegelbrenner  Johann  Georg  MflllMr  überreicht  dem  Königlichen  Ober- 
baudepartement in  Berlin  den  Entwurf  eines  Ziegelbrennofens,  der  aus 
6  Einzelöfen  besteht,  die  der  Reihe  nach  derart  angeheizt  werden  sollen, 
daß  die  abziehenden  Gase  zum  Vorwärmen  der  noch  nicht  angeheizten 
Abteile  dienen.  In  diesem  Vorschlage  ist  der  Grundgedanke  der  späteren 
kontinuierlichen  Ziegelöfen  (s.  1839  A.  und  1857  H.)  enthalten. 

—  Joseph  Pritttley  entdeckt  das  Stickstoffoxydul  (Lachgas)  bei  Einwirkung 
von  Eisen  auf  salpetrige  Säure. 

—  Alexis  Marie  ü§  Rochon  erfindet  das  nach  ihm  benannte  doppelbrechende 
Prisma,  das  eine  Anwendung  der  Doppelbrechung  des  Lichts  in  einach- 
sigen Krystallen  darstellt  und  als  Mikrometer  und  Distanzmesser  verwendet 
werden  kann. 

Darmstsedter.  15 

—     225     — 


1776 

1776  Karl  Wilhelm  SdMtle  erh&lt  bei  Einwirkung  von  Salpeters&ure  auf 
eine  eigentümliche  S&ure»  die  er  1784  als  identisch  mit  der  von 
(8.  1773  S.)  ans  Sauerkleesalz  erhaltenen  Säure  erkennt  und  Zuck« 
nennt,  welcher  Name  später  durch  Oxalsäure  ersetzt  wird.  Im  g 
Jahre  entdeckt  er  in  den  Harnsteinen  die  zuerst  Blasensteinsäurc 
Harnsäure  genannte  Säure  und  veröffentlicht  seine  Untersuchunge 
den  schon  lange  bekannten  Schwefelwasserstoff,  dessen  Bereitui 
Schwefeleisen  mit  Säuren  er  lehrt. 

—  Alessandro  Volta  untersucht  das  Sumpfgas,  entdeckt  dessen  Entzü 
keit  und  findet,  daß  es  bei  der  Verbrennung  Kohlensäure  liefert. 

—  Thomas  Wood  konstruiert  eine  unter  den  Namen  „Billy"  bekannte 
maschine,  die  sich  von  Hargreaves*  Jenny  (s.  1768  H.)  dadurch  unteFsc 
daß  ihre   Spindeln   auf  einem   aus-  und   einfahrenden  Wagen  steh 
Presse  aber  an  ihrem  Platz  bleibt,  während  es  bei  der  Jenny  umgeke 

1777  Johann  Anrlilsoa  (Afzelius)  stellt  zuerst  Ameisenäther  in  unreinem  Zt 
her;  rein  erhält  ihn  1782  W.  H.  S.  Bucholz,  indem  er  ihn  aus  dem  D 
von  konzentrierter  Ameisensäure   mit  Weingeist  durch  Wasser  absc 

—  In  der  Abhandlung  „De  Terra  Gremmarum*'  gibt  Torbem  BorgM 
Härte  (ermittelt  durch  Ritzen  der  MineraUen  mit  Stücken  von  beb 
Härte)  und  das  spezifische  Gewicht  der  Mineralien  als  beachtun| 
Kennzeichen  an. 

—  Nachdem  Haas  in  Basel  i.  J.  1770  die  ersten  Versuche  zur  Hers 
von  Landkarten  auf  typographischem  Wege  gemacht  hatte,  bringt  % 
Gottlob  Immanuel  BriHkO|if  in  Leipzig  dieses  Verfahren  zu  weiterei 
tischer  Brauchbarkeit.    (Vgl.  1840  R.) 

— -  George  Louis  Leclerc  dt  Buffon  stellt  das  mathematische  Nadelprobk 
Hierzu  wird  eine  Tafel  mit  gleichweit  voneinander  entfernten  P 
linien  bedeckt  und  eine  Nadel  von  bestimmter  Länge  darauf  gei 
Mit  Hilfe  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  ist  nun  zu  ermitteln,  * 
die  Nadel  die  Parallelen  schneidet  und  wie  oft  sie  dazwischen  zu 
kommt.  Durch]  das  Nadelproblem  läßt  sich  ein  Annäherungswert 
empirisch  finden. 

—  Tiberius  Cavallo  macht  das  von  John  Canton  angegebene  Elektrosk* 
zu  einem  wirklichen  Elektrometer,  indem  er  die  pendelnden  Kügel< 
ein  Glasgefäß  einschließt  und  sie  so  gegen  Luftzug  und  andere  zi 
Störungen  schützt. 

—  William  Cvlltii  gibt  zuerst  die  richtige  Erklärung  für  die  Erscheinui 
das  Quecksilber  im   Thermometer    infolge   des  Wärmeverbrauchs 
Verdunstung  sinkt,  wenn  die  Kugel  befeuchtet  wird.     (S.  1825  A.) 

—  Qofdon  bereist  das  südafrikanische  Dreieck  und  entdeckt  den  Orang 

—  Der  englische  Chemiker  Bryan  HIfglns  erfindet  die  chemische  Harn 
Indem  er  in  ein  an  beiden  Enden  offenes  Glasrohr  von  untc 
Flamme  einführt,  gibt  die  Röhre,  wenn  die  Flamme  entsprechend  w« 
geschoben  ist  und  eine  passende  Größe  hat,  einen  kräftigen  Ton, 
Höhe  gleich  ist  dem  Grundton,  den  die  Röhre  als  offene  Pfeife  gib 

—  John    Howard   erreicht   teils   durch   persönliche   Bemühungen,   teils 
seine  Schriften,  deren  erste  „State  of  the  prisons  in  England  and 
namentlich   großes  Aufsehen  macht,  die  sanitäre  Reform  der  GetSa 

—  Johann  Heinrich  LamNrt  dehnt  sein  für  das  Licht  gefundenes  G«8 
1760  L.)  auch  auf  die  Wärmestrahlen  aus,  für  die  es  1837  von  MeU< 
dem  Thermomultiplikator  bestätigt  wird. 

—  Antoine  Laurent  Lavoltlor  zeigt,  daß  der  Sauerstoff  der  einzige  B* 
teil  der  Atmosphäre  ist,  der  das  Atmen  unterhält  und  daß  er  sich 
in    Kohlensäure   umwandelt,    daß  somit  der  Atmungsprozeß  der  V 

—     226     — 


1777 

nung  organischer  Substanzen  analog  ist,  und  folglich  auch  als  WärmequeUe 
angesehen  werden  kann.  (S.  a.  1669  M.) 
77  Antoine  Laurent  LavoMtr  macht  zuerst  eine  strenge  Unterscheidung  der 
organischen  Körper  von  den  anorganischen,  und  zeigt,  daß  bei  vollstän- 
diger Verbrennung  organischer  Körper,  wie  Alkohol,  öl.  Wachs  usw.  sich 
nur  Kohlensäure  und  Wasser  bilden,  daß  diese  Körper  somit  nur  aus 
Kohlenstoff,  Wasserstoff  und  Sauerstoff  bestehen  können.  Er  legt  den 
Grrund  zur  quantitativen  Analyse  organischer  Körper  und  benutzt  schon 
für  schwer  verbrennliche  Substanzen  statt  freien  Sauerstoffs  Stoffe,  wie 
Quecksilberoxyd  und  Mennige,  welche  in  der  Hitze  ihren  Sauerstoff  abgeben. 

—  Antoine  Laurent  LawoMtr  entdeckt  durch  exakte  Versuche,  daß  die  Schwefel- 
säure sich  von  der  schwefligen  Säure  nur  durch  einen  größeren  Grehalt  an 
Sauerstoff  unterscheidet  und  gibt  eine  Erklärung  über  die  Umwandlung, 
die  der  Eisenkies  an  der  Luft  erleidet. 

—  Nachdem  Marggraf  (s.  1743  M.)  zuerst  die  Eigenschaften  der  Phosphorsäure 
angegeben  hatte,  stellt  Antoine  Laurent  LavoMtr  bemerkenswerte  Unter- 
suchungen über  die  Phosphorsäure  an,  indem  er  dieselbe  als  aus  Phosphor 
und  Sauerstoff  bestehend  betrachtet.  Er  lehrt  die  Herstellung  der  Phosphor- 
säure durch  Behandlung  von  Phosphor  mit  Salpetersäure,  die  auch  Scheele 
in  seiner  „Chemischen  Abhandlung  von  der  Luft  und  dem  Feuer"  erwähnt. 
(S.  1777  S.)   Die  Pyrophosphorsäure  unterscheidet  zuerst  Clark.    (S.  1828  C.) 

*  Der  Physiker  Georg  Christian  Uchtnitarg  entdeckt  die  auf  elektrischen 
Isolatoren  (Harzkuchen)  entstehenden  elektrischen  Staubfiguren  (Lichten- 
berg'sche  Figuren),  die  zur  Untersuchung  der  elektrischen  Natur  pulver- 
förmiger  Körper  führen. 

—  Nachdem  bis  dahin  die  formale  und  systematisierende  Richtung  in  der 
Dermopathologie  obgewaltet  hatte,  die  auch  noch  J.  J.  von  Plenck  in 
seiner  1776  erschienenen  „Doctrina  de  morbis  cutaneis**  vertrat,  gibt 
Anne  Charles  Lorry  das  erste,  echt  moderne  Lehrbuch  der  Dermatologie 
heraus,  in  welchem  er  die  Haut  nicht  bloß  als  Decke  betrachtet,  sondern 
in  der  von  Astruc  (s.  1761 A.)  inaugurierten  Richtung  sie  als  ein  physiolo- 
gisches Werkzeug,  ein  Organ  des  Körpers  ansieht,  das  die  innigsten  Be- 
ziehungen zum  Darmtraktus  und  zum  Nervensystem  hat. 

—  Simon  Peter  Pallas  gibt  die  erste  eingehende  geognostische  Beschreibung 
des  Baus  der  Grebirge,  sowie  Andeutungen  über  deren  Entstehung  und 
Altersbestimmung.     (S.  1760  M.) 

—  Joseph  PrlMtlty  zeigt,  daß  sich  die  roten  Dämpfe,  die  sich  bei  Vermischung 
von  Stickoxyd  mit  Luft  bilden,  wie  eine  Säure  verhalten,  und  nennt  die- 
selben „Nitrens  acid  air". 

--  Jesse  RamtdMi  verbessert  den  Sextanten  (s.  1701 N.),  indem  er  nicht  bloß 
der  Bewegung  der  Alhildade  und  des  drehbaren  Spiegels  einen  gleichmäßigen 
und  sichern  Gang  verleiht,  sondern  den  Limbus  und  Nonius  mit  seiner 
Kreisteilmaschine  (s.  1775  R.)  viel  feiner  und  genauer  teilt,  als  es  früher 
der  Fall  war. 

"  August  Grottlob  RicMir,  der  sich  auch  in  der  Augenheilkunde  auszeichnet 
(s.  a.  1804  R.),  bearbeitet  in  hervorragender  Weise  das  Gebiet  der  Schuß- 
wunden, gibt  eine  gediegene  Darstellung  der  Lehre  von  den  Unterleibs- 
brüchen, und  vervollkommnet  die  Herniotomie  ganz  wesentlich. 

"-  Karl  Wilhelm  Scludt  macht  umfangreiche  Untersuchungen  über  strahlende 
Wärme. 

—  Karl  Wilhelm  SdiMlt  lehrt  gleichzeitig  mit  Lavoisier  (s.  1777  L.)  die  Dar- 
stellung der  Phosphorsäure  aus  Phosphor  und  Salpetersäure  und  gründet 
auf  Gahns  Entdeckung  (s.  1766  G.)  ein  neues  Verfahren  der  Phosphordar- 
stellung, indem  er  weißgebrannte  Knochen  durch  Digerieren  mit  verdünnter 

15* 

—     227     — 


1777 

Salpetersäure  löst,  durch  Schwefelsäure  den  Kalk  entfernt,  die  Flüssigke 
zur  Sirupsdicke  verdunstet,  mit  Kohlenstaub  mischt  und  in  irdene 
Destillationsgefäßen  glüht.  Das  Verfahren  wird  1780  durch  Nicolas  im 
Pelletier  und  1797  durch  Fourcroy  und  Vauquelin  noch  verbessert. 

1777  Karl  Wilhelm  Schotte  benutzt  mit  Chlorsilber  überzogenes  Papier,  um  dj 
chemische  Wirkung  des  Sonnenspektrums  zu  prüfen,  und  findet,  daB  di 
violette  Licht  am  stärksten  darauf  einwirkt. 

—  Karl  Wilhelm  SdMile  und  Fehce  Fontuia  entdecken  gleichzeitig  die  Absorptio 
der  Gase  durch  starre  Körper,  insbesondere  durch  frisch  geglühte  nn 
unter  Quecksilber  erkaltete  Holzkohle. 

—  Der  GeneraLstabsarzt  Johann  Christian  Anton  Thedm  in  Berlin  läßt  elastiscli 
Bougies  und  Katheter  aus  Draht  mit  Kautschuk  überzogen  hersteOfl 
(Theden*sche  Katheter).  Der  Goldschmied  Bemard  in  Paris  nimmt  178 
zu  diesem  Zweck  Kamelhaargeflecht,  das  er  mit  Kautschuk  übendehi 
Die  Anregung  hierzu  ging  von  Macquer  aus.    (Vgl.  1768  H.) 

—  Carl  Friedrich  Wtiizol  erklärt  die  Fortdauer  der  Neutralität  bei  wechse 
seitiger  Zersetzung  neutraler  Salze  damit,  daß  die  verschiedenen  M^ige 
der  verschiedenen  Basen,  welche  ein  und  dasselbe  Gewicht  irgend  eiiu 
Säure  neutralisieren,  auch  von  jeder  anderen  Säure  ein  und  dasselbe  Ch 
wicht  zur  Neutralisation  bedürfen.  Er  beobachtet,  daß  die  €reeohwüidi| 
keit,  mit  der  ein  und  dieselbe  Menge  Metall  von  einer  Säure  gelöst  win 
von  deren  Menge  und  Konzentration  abhängt  und  zieht  hieraus  den  Schlnl 
daß  die  Stärke  der  chemischen  Wirkung  von  der  Konzentration  und  Meni 
des  wirkenden  Stoffs  abhängt. 

-^  Eberhard  August  Wilhelm  von  Zlmuiermann  entwirft  die  erste  Erdkarte  fi 
die  Verbreitung  der  Säugetiere  und  gibt  das  erste  zoogeographische  Leb 
buch  heraus.  Er  schließt  auf  Grund  seiner  Untersuchungen  über  d 
geographische  Verbreitimg  der  Tiere  auf  vormalige  Änderungen  der  Ve 
teilung  von  Land  und  Meer. 

1778  Benjamin  Bell  zeichnet  sich  durch  die  Behandlung  der  Geschwülste  ni 
insbesondere  deren  Exstirpation  aus.  Er  macht  die  Brustparacenteee  bei  Ei 
pyem,  Brustwassersucht  und  bei  der  Wassersucht  des  Herzbeutels  zu  eu) 
Spezialität  und  übt  die  Drainagebehandlung  der  Wunden,  bei  der  er  sich  i 
Ableitung  des  Eiters  sübemer  oder  bleierner  Röhrchen  bedient,  die  übrige 
auch  schon  von  Brunns  von  Longoburgo  1252,  Guy  de  Chauliac  1363  u] 
von  Par6  1550,  von  letzterem  unter  dem  Namen  „Tentes  cannul^es"  l 
nutzt  worden  waren. 

—  Georges  Louis  Leclerc  de  Buffon  erklärt  im  Anschluß  an  Mahudel  (s.  1734 1 
die  Blitz-  oder  Donnersteine  für  die  ältesten  Kunstprodukte  des  Urmensohi 

—  Charles  Augustin  Coulomb  erfindet  den  Taucherschacht,  der  die  Taach< 
glocke  vielfach  in  den  Hintergrund  drängt. 

—  Barth61emy  Faulat  de  Saint- Fond  liefert  in  seiner  Schrift  „Recherohes  f 
les  volcans  6teints  du  Vivarais  et  du  Velay"  entscheidende  Beweise  1 
den  vulkanischen  Ursprung  des  Basalts.     (S.  1751  G.  und  1766  D.) 

—  Der  Engländer  Qreen  erfindet  die  „Tachymetrie"  genannte  Methode  c 
Distanzmessung  und  konstruiert  dazu  das  Tachymeter,  einen  Theodd 
der  außer  zum  Messen  von  Horizontal-  und  Vortikalwinkeln  auch  n 
Messen  von  Entfernungen  (vermittels  einer  Distanzlatte)  bestimmt  i 
Die  Methode  wird  insbesondere  von  Porro  (s.  1847  P.)  und  Kaltbnmi 
(1882)  weiter  ausgebildet,  in  neuestor  Zeit  aber  durch  die  Photogrammei 
(s.  d.)  in  den  Hintergrund  gedrängt. 

1778 — 89  Der  Schweizer  Johann  Ullrich  Grubenmann  erreicht  beim  Bau  i 
hölzernen  Straßenbrücke  über  die  Limmat  bei  Wettingen  die  größte  bisl 
im  Holzbau  ausgeführte  Spannweite  von  118,90  Metern. 

—     228     — 


1778 

78  Der  ehemalige  kurhessische  Roßarzt  Johann  Adam  Ktrttliif  organisiert  in 
Hannover  ein  vorbildlich  gewordenes  tierärztliches  Unterrichtswesen  nnd 
ist  auf  verschiedenen  Crebieten  der  Tierheilkunde  von  bahnbrechender 
Bedeutung. 

—  Der  Chef  des  preußischen  Mineurkorps  Heinrich  VM  tftr  Lalyr  erfindet  ein 
Verteidigungsminensystem  für  den  Festungsbau,  welches  für  alle  späteren 
Festungsminenanlagen  vorbildlich  wird. 

—  Antoine  Laurent  üivoMsr  erkennt,  wie  das  Jahr  zuvor  in  der  Schwefel- 
säure, so  auch  in  den  wichtigsten  anderen  Säuren  (Phoephorsäure,  schwef- 
lige Säure  usw.)  den  Sauerstoff  als  Bestandteil  und  erklärt  den  Sauerstoff 
für  das  säurebildende  Prinzip. 

—  Greorg  Christian  Uchtsntarg  führt  für  die  beiden  Elektrizitäten  (s.  1730  D.)  die 
Namen  positive  und  negative  Elektrizität  ein  und  bezeichnet  dieselben 
mit  den  Zeichen  -j"  ^^<1  — • 

—  Der  Benediktiner  Pater  Malbtrbe  macht  den  ersten  industriellen  Versuch 
zur  Herstellung  von  künstlicher  Soda.  Er  geht  vom  Glaubersalz  aus,  das 
er  mit  metallischem  Eisen  und  Holzkohle  glüht  und  nach  dem  Erkalten 
durch  Auslaugen  auf  Soda  verarbeitet.  Im  wesentlichen  hiermit  überein- 
stimmend ist  das  1781  von  Bryan  Higgins